»Der Mythos Anhalt lebt«

Das 800-jährige Anhalt lässt sich auch gut mit dem Rad erkunden und viele alte Kirchen stehen zur Besichtigung offen. Ein besonderes Angebot für Pedalritter ist die erst im vergangenen September Jahr eröffnete, künstlerisch gestaltete Radfahrerkapelle in einem Nebenraum der Kirche in Opperode im Harz. Foto: Jürgen Meusel

Das 800-jährige Anhalt lässt sich auch gut mit dem Rad erkunden und viele alte Kirchen stehen zur Besichtigung offen. Ein besonderes Angebot für Pedalritter ist die erst im vergangenen September Jahr eröffnete, künstlerisch gestaltete Radfahrerkapelle in einem Nebenraum der Kirche in Opperode im Harz. Foto: Jürgen Meusel

Landeskirche plant zum Jubiläum »800 Jahre Anhalt« ein vielfältiges Programm.

Knapp zwei Wochen vor dem offiziellem Eröffnungsfestakt in Dessau-Roßlau hat die anhaltische Landeskirche ihren Beitrag zum 800. Gründungsjubiläum der historischen Region Anhalt präsentiert.

Bei der Fülle von Programmpunkten wird deutlich, dass die Organisatoren in möglichst jedem Winkel der fünf Kirchenkreise die Geschichte der acht Jahrhunderte erfahrbar machen wollen. Schließlich gebe es ein eigenes vitales Interesse daran, dass der »Traditionsraum« wiederentsteht, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig am 23. Januar in Dessau-Roßlau. So sei die gleichnamige Evangelische Landeskirche die einzige noch bestehende öffentlich-rechtliche Institution in den alten Grenzen – und werde dies auch bleiben.

Auch gegenüber früheren Kritiken, es handele sich bei dem Jubiläum um eine »rein retrospektive Veranstaltung mit Nostalgie«, zeigte sich Liebig optimistisch. »Zum Ende dieses Jahres werden wir sagen können: Das meiste hat ganz vorzüglich funktioniert.« Häufig sind weitere Träger wie etwa Kommunen und Vereine einbezogen. Jeder der Kirchenkreise hat eigene Programm-Ideen entwickelt.

Als Höhepunkt des landeskirchlichen Beitrages zum Jubiläum gilt der neunte Anhaltische Kirchentag im Juni in Ballenstedt. »Er soll kein innerkirchliches Fest werden, sondern nach dem Anspruch der gesamten Landeskirche für alle Menschen offen stehen«, so Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich. Unter dem Motto »Ein’ feste Burg« sind unter anderem eine Diskussion mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sowie dem Magdeburger katholischen Bischof Gerhard Feige und dem evangelischen Bischof Friedrich Weber aus der Braunschweiger Landeskirche geplant.

Vorbereitet wird auch ein »Ökumene-Dorf«, bei dem sich Kirchen aus dem Harz präsentieren. Ballenstedt befindet sich nur wenige Kilometer von der Burgruine Anhalt entfernt, die dem Gebiet seinen Namen gab. Der Burgberg soll Ende Juni von Ministerpräsident Haseloff als »Gedenkort« ausgewiesen werden. »Der Mythos Anhalt lebt«, wirbt Dittrich.

Im Kirchenkreis Köthen wird zu zwei Radtouren unter dem Motto »Grenzerfahrung« eingeladen. Sie führen entlang der noch heute durchaus »absonderlichen« Grenzen Anhalts, wie Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter einräumte. Zu einem Konzert »800 Takte für Anhalt 800« im September in der Dessauer Petruskirche erwartet der Kirchenkreis mehr als 1000 Chorsänger aus Gemeinden der ganzen Landeskirche.

Gewissermaßen wie ein roter Faden zieht sich durch das Jahr die 2011 in Bernburg als erste Station gestartete Wanderausstellung »Von der Wiege bis zur Bahre – gelebter Glaube in Anhalt«. Sie ist aktuell in Zerbst zu sehen und soll nach Köthen, Ballenstedt und Coswig weiterziehen.

Anhalt war 1212 nach dem Tod von Herzog Bernhard selbstständiges Territorium geworden. Das Gebiet, das die Bezeichnungen Fürstentum und später Freistaat sowie Land führte, wurde Ende 1945 aufgelöst.

Karsten Wiedener

www.anhalt800.de

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