Sein Lebensthema: Passion

31. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Eine Ausstellung in der Propstei Zella/Rhön zeigt Werke des Holzbildhauers Manfred Vogel

Der Leidensweg Jesu Christi bis hin zu Kreuzigung und Tod ist ein Thema, das den Holzbildhauer Manfred Vogel aus Empfertshausen (Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach) von Kindheit an beschäftigt. Seit er in den Schnitzerhänden seines Vaters und des Großvaters Figuren entstehen sah, die Schmerz und Enttäuschung und doch auch Hoffnung ausdrückten, war er fasziniert von diesem Mann, von seinem Leben, Wirken und Leiden. So wurde Jesus Christus eines der Hauptmotive im Schaffen Manfred Vogels, nachdem er 1954 der ­Familientradition folgend die Holzbildhauerlaufbahn einschlug.

Wer Glück hat, kann Manfred Vogel bei der Arbeit zuschauen. An bestimmten Ausstellungstagen kommt der Rhöner Künstler zum Schauschnitzen in die Propstei Zella. Hier meißelt er Christus aus einer Astgabel heraus. Sie ist aus dem sehr harten Holz des Weißdorns. Foto: Jürgen Glocke

Wer Glück hat, kann Manfred Vogel bei der Arbeit zuschauen. An bestimmten Ausstellungstagen kommt der Rhöner Künstler zum Schauschnitzen in die Propstei Zella. Hier meißelt er Christus aus einer Astgabel heraus. Sie ist aus dem sehr harten Holz des Weißdorns. Foto: Jürgen Glocke

»Solange du keinen Christus schnitzen kannst, bist du kein Schnitzer.« Dieser Ausspruch des Vaters war zunächst ein wesentlicher Ansporn bei seiner Arbeit. Die Herausforderungen auf dem Weg zur Vervollkommnung: das Leiden und die Hoffnung des Gemarterten ausdrücken und ein authentisch anmutendes Mienen- und Muskelspiel so in das Holz schneiden, dass das Werk am Ende den Betrachter berührt. Doch mit jeder geschaffenen Skulptur, mit jeder neuen Darstellungsfacette kamen auch veränderte Sichtweisen und ­Fragen zur Person Jesu hinzu. Die ­Passion wurde für Manfred Vogel zu einem Lebensthema.

Der längst weit über die Grenzen seines Heimatortes bekannte und ­geachtete Schnitzer musste 71 Jahre alt werden, ehe er dem Thema Passion eine eigene Ausstellung widmen konnte. Dazu gedrängt wurde er schon lange von Freunden, Bewunderern und Galeristen. Doch es fehlte ihm die Zeit, insbesondere seit durch seine Elisabeth-Skulptur für das Elisabeth-Jahr 2007 in Thüringen ein Bekanntheitsboom ausgelöst wurde, der viele Aufträge nach sich zog. Selbst Papst Benedikt nennt eine Arbeit Vogels sein Eigen: eine Rose, ganz schlicht und wunschgemäß vergoldet.

Mehr als ein Jahr hat Manfred Vogel auf seine Passion-Ausstellung hingearbeitet, hat sich auf vielen Ebenen mit der Passion beschäftigt und sich inspirieren lassen, hat entworfen, verworfen, neu konzeptioniert und geschnitzt. Über 100 Besucher kamen zur Eröffnung am 26. Februar, wenige Tage nach dem Beginn der kirchenkalendarischen Passionszeit, in die Gewölbe der Propstei im Nachbarort Zella. Ein Gang durch die Präsentation zeigt, dass sich der Bildhauer nicht mit traditionellen Herangehensweisen begnügt, sondern seine Handschrift um moderne Facetten erweitert hat. Die Publikumsreaktionen verdeutlichen, dass dies den Zugang für alle Altersgruppen erleichtert.

Neben der Suche nach der vollkommensten Darstellung beschäftigten den Künstler ganz spezielle Fragen: Wurde Jesus die Dornenkrone bereits nach seiner Verurteilung aufgesetzt oder erst vor der Kreuzigung? Manfred Vogel favorisiert die erste ­Variante. Abweichend von der Mehrheitsmeinung auch seine Auffassung über Ausführungsdetails der Kreuzigung. In der Kreuzigungsgruppe mit Maria und dem Jünger Johannes hat Vogel deshalb Jesus mit seitlich an den senkrecht stehenden Balken genagelten Füßen dargestellt. Diese Art der Kreuzigung erscheine ihm aus »statischen« Gründen wahrscheinlicher.

Absoluter Blickfang in der Ausstellung ist eine 130 Zentimeter große, aus Lindenholz – Vogels bevorzugtem Material – gefertigte Statue vom auferstehenden Christus. Fast drei Jahre hat er daran gearbeitet. Der Strahlenkranz im Hintergrund, der schlichte Faltenwurf des Gewands, das schmerzfreie Antlitz – all das strahlt eine besondere, anrührende und einnehmende Ruhe aus, die die Besucher lange verweilen lässt.

Welche Wirkung erhofft sich der Künstler Manfred Vogel von seinen Werken? »Dass die Betrachter vom Thema Passion gepackt werden. Dass sie sich fragen: Wer war dieser Mann? Für mich ist Jesus die außergewöhnlichste und einzigartigste Persönlichkeit aller Zeiten.«

Jürgen Glocke

Die Passion-Ausstellung in der Propstei Zella/Rhön ist noch bis zum 15. April zu ­sehen.
Geöffnet ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr,
samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Bauhof vor dem Aus

31. März 2012 von redaktionguh  
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Die Jugendwerkstatt Bauhof hat sich unter anderem um jugendliche Schulverweigerer gekümmert. Nun droht der traditionsreichen Sozialeinrichtung das Aus. Foto: Jens Schlüter

Die Jugendwerkstatt Bauhof hat sich unter anderem um jugendliche Schulverweigerer gekümmert. Nun droht der traditionsreichen Sozialeinrichtung das Aus. Foto: Jens Schlüter

Projekte sollen weitergeführt werden.

Innerlich heulen wir alle hier«, sagt Horst Koth. Der Geschäftsführer der Jugendwerkstatt Bauhof in Halle musste am 6. März den schweren Gang antreten und für die traditionsreiche Sozialeinrichtung Insolvenz anmelden. Was den Geschäftsführer dabei am meisten wurmt: Die Jugendwerkstatt, die seit 20 Jahren existiert, hätte diese Probleme nicht haben müssen. »Wir sind nicht überschuldet und es fehlt auch nicht an Aufträgen«, betont er. Grund für die Insolvenz ist allein die fehlende Liquidität.

Bauhof-Logo-14-2012Eine Ursache sieht der Geschäftsführer in den ausstehenden Geldern, insgesamt mehr als 300000 Euro. Nachdem über Monate und Jahre Projekt- und Fördermittel der öffentlichen Hand nicht gezahlt wurden, musste er  die Notbremse ziehen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Einrichtung in solche Schieflage gerät.

Bereits 2007 drohte das Aus. Damals konnte es jedoch abgewendet werden, weil der Diakonieverbund Kyffhäuser als Träger eingesprungen ist. Auch heute gibt es an der inhaltlichen Arbeit der Einrichtung, die sich um Jugendliche und Erwachsene in Notlagen kümmert, nichts zu bemängeln.

Nun müssen rasch Lösungen her, damit wenigstens die Projekte weitergehen können. »Es ist wenige Sekunden vor zwölf«, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Den 56 Mitarbeitern droht bei einer Abwicklung die Kündigung, falls sie nicht übernommen werden. Betroffen sind aber auch die 70 Jugendlichen, die die Angebote der Jugendsozialarbeit nutzen, und mehrere Hundert Hilfesuchende in den Beratungsdiensten.

Noch besteht Hoffnung, dass die Arbeit in Teilen weiterläuft, dann zwar nicht mehr unter dem Label »Bauhof«, aber zumindest inhaltlich. Bis zum letzten Moment sucht der Insolvenzverwalter neue Träger. Es sei traurig, dass der Bauhof als solcher vermutlich abgewickelt werden müsse, sagt Flöther. »Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt.«

Martin Hanusch

Aus dem Geist des Wortes

30. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Sieben Kompositionen erklingen sieben Monate in der Friedenskirche Jena

Frieden suchen, Frieden finden, Frieden wahren« – unter diesem Motto erklingt vom 1. April bis 31. Oktober in der Friedenskirche Jena fortwährend eine siebenteilige Klanginstallation des Berliner Komponisten Michael Muschner, die sich auf die Historie und Architektur des Gotteshauses bezieht und auf der Basis biblischer Texte entstanden ist. Sie ist nicht nur zu den Öffnungszeiten von 13 bis 20 Uhr zu hören, sondern kann rund um die Uhr in geringer Lautstärke auch im angrenzenden Johannisfriedhof wahrgenommen werden:
214 Tage,
5136 Stunden,
308160 Minuten.

Gotthard Lemke und Michael Muschner bei der Präsentation des Langzeitprojektes, das nicht nur im Kirchenraum erklingt, sondern auch 24 Stunden am Tag ununterbrochen auf dem historischen ­Johannisfriedhof zu hören ist. Zu jeder der monatlich wechselnden Kompositionen gibt es eine Textpostkarte, auf der mit einem Bibelwort und ­einem Luther-­Kommentar die Friedensbotschaft verkündet wird. Foto: TLZ/Lioba Knipping

Gotthard Lemke und Michael Muschner bei der Präsentation des Langzeitprojektes, das nicht nur im Kirchenraum erklingt, sondern auch 24 Stunden am Tag ununterbrochen auf dem historischen ­Johannisfriedhof zu hören ist. Zu jeder der monatlich wechselnden Kompositionen gibt es eine Textpostkarte, auf der mit einem Bibelwort und ­einem Luther-­Kommentar die Friedensbotschaft verkündet wird. Foto: TLZ/Lioba Knipping

Ein Werk, das traditionelle Dimensionen sprengt und der »offenen Kirche« eine besondere Anziehungskraft verleihen wird. Wie der Klangkünstler auf einer Pressekonferenz erläuterte, ist seine Komposition »untrennbar mit der Friedenskirche verbunden, mit ihrem Gebäude, das dem Klang ­einen Raum gibt, ihren Akteuren, die dem Projekt ihre Stimme geben, und ihrer Theologie, in der die Musik begründet ist«. Er habe eine »geistliche Musik« geschaffen, »die in den histo­rischen Kirchenraum hineinkomponiert ist und seine Aura erstrahlen lässt«.

Pfarrer Gotthard Lemke hat hierfür sieben Bibelworte und die dazu gehörigen Kommentare Luthers ausgewählt, in denen die Friedensbotschaft verkündet wird. In jeder der sieben Phasen ist eine neue Komposition zu hören, die jeweils am ersten Sonntag eines Monats mit einem Gottesdienst zum »WortWechsel« und einer besonderen künstlerischen Intervention eröffnet wird.

Die erste Phase vom 1. April bis 5. Mai dauert 35 Tage und steht unter dem Bibelwort »Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist« (Römer 14,17). Mit einer besonderen kleinen Liturgie wird dann das verklingende Stück verabschiedet und das beginnende begrüßt.

Im Vorfeld wurden die ausgewählten Texte von Pfarrer Lemke verlesen und von Michael Muschner aufgenommen, der das vielfältige Spektrum der menschlichen Stimme als Ausgangspunkt und Klangmaterial für den musikalischen Kompositionsprozess verwendete. Er hat »geradezu ­mikroskopisch« in die Sprache hineingehört und aus den akustischen Bausteinen etwas Neues entstehen lassen. Dabei tritt »die semantische Ebene«, der Inhalt, »in den Hintergrund, es bleibt der reine Klang«.

Damit die Botschaft nicht auf der Strecke bleibt, wurde zu jeder Komposition eine Textpostkarte erstellt, die dem Hörer das Projekt und die Bedeutungsebene des Textes nahebringt.

Bei der Verarbeitung des »Rohmaterials« hat der erfahrene Künstler, der ähnliche Projekte bereits in Berlin, Pforzheim und Wittenberg realisierte, spezielle Klangbearbeitungsprogram­me am Computer genutzt. Seine pulsierenden atmosphärischen Schwebungen weisen ins Imaginäre und beflügeln die Fantasie.

Jede einzelne Komposition besteht aus vier unabhängigen Klangschichten unterschiedlicher Dauer, die sich im Verlauf der Präsentation in ihrer zeitlichen Beziehung zueinander verschieben. »Im Laufe eines Monats«, so Muschner, »verändert die Musik in diesem Permutations-Ablauf immer wieder ihre Gestalt: Sie wiederholt sich nie, 30 mal 24 Stunden lang.«

Dabei gibt es ein besonderes Raum-Klang-Erlebnis, da die einzelnen Schichten des Werkes über die 20 Wiedergabekanäle eines Lautsprechersystems im Kirchenschiff positioniert sind. So kann eine Bewegung der Klänge im Kirchenraum wahrgenommen werden. Der akustische Eindruck ist an jeder Hörposition ein anderer. Darüber hinaus kann das räumliche Volumen in seiner Gesamtheit erfahren werden.

Um eine optische Ablenkung zu vermeiden, sind die Lautsprecher so im Innenraum der Kirche eingebaut, dass sie visuell kaum wahrgenommen werden können. Die Deckengewölbe des Kirchenschiffes dienen »als akustische Linsen«. Die Gesamtkosten des Projektes betragen 35000 Euro, die zum Großteil vom Land Thüringen, aber auch von »JenaKultur« und dem Kirchenkreis Jena aufgebracht wurden.

So ist die Friedenskirche in den nächsten sieben Monaten erfüllt vom Klang des Wortes der Bibel!

In einem Gästebuch können die Besucher ihre Höreindrücke zu Papier bringen.

Michael von Hintzenstern

Geschichten in Blau und Weiß

30. März 2012 von redaktionguh  
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Bibelturm Wörlitz zeigt Bibelfliesen.

Auf dieser Fliese ist Jesus als der gute Hirte dargestellt, der die Schafe seiner Herde vor dem Wolf schützt. Foto: Landeskirche

Auf dieser Fliese ist Jesus als der gute Hirte dargestellt, der die Schafe seiner Herde vor dem Wolf schützt.
Foto: Landeskirche

Mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnt am 1. April die Besuchersaison für den Bibelturm Wörlitz und die Kirche St. Petri (14 Uhr). Im Anschluss wird die Wanderausstellung »Mit Bilderfliesen durch die Bibel« eröffnet, die bis 2. Mai zu den regulären Öffnungszeiten der Petrikirche gezeigt wird.

Der katholische Propst Gerhard Nachtwei wird am Palmsonntag die Gottesdienstbesucher mit geweihten Palmkätzchen begrüßen. Durch den Gottesdienst führt Ortspfarrer Thomas Pfennigsdorf unter Beteiligung von Inspektor Thomas Käßner vom Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt. Die Predigt hält Pastorin Carolin Seifert von der methodistischen Kirche Dessau. Musikalisch ausgestalten werden den Gottesdienst Kantorin Susanne Simon und die »Gospelteens«.

In der Ausstellung werden 200 bis 300 Jahre alte Fliesen mit biblischen Motiven gezeigt, die in Friesland als Raumschmuck gebräuchlich waren. Erarbeitet hat sie das Bibelfliesenteam aus der Stadt Norden. Derartige Kacheln sind in den Niederlanden ab dem frühen 17. Jahrhundert bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert fanden sie als erschwingliche Massenware ihren Weg auch nach Deutschland.

Die Ausstellung möchte nicht zuletzt auf die Bibelfliesen im Schloss Oranienbaum hinweisen, die im Rahmen der Ausstellung »Dutch Design« ab Ende April im Kellergeschoss des Schlosses betrachtet werden können.

www.bibelturm.de
www.fliesenbibel.de

»Ökumene-Wasser« für zuhause

30. März 2012 von redaktionguh  
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Günther Beckstein war zu Gast beim Ökumenetag in Magdeburg

Mit Krügen in ganz eigener Form und Größe und unterschiedlich hoch gefüllt schritten die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Sachsen-Anhalt zu einem kupfernen Kessel. In ihn gossen sie das Wasser aus ihren Gefäßen, das sich dort vermischte. Beim Abschlussgottesdienst des Ökumenetages am vergangenen Sonnabend (24. März) in der Magdeburger katholischen Kathedrale St. Sebastian wurde dieses originelle Zeichen der Verbundenheit zum ersten Mal gesetzt.

Günther Beckstein.<br />
Foto: Bayrische Staatskanzlei

Günther Beckstein.
Foto: Bayrische Staatskanzlei

Bald war der Kessel allerdings wieder leer, denn die rund 50 Gottesdienstbesucher füllten sich von dem zusammengeführten Wasser kleine Glasflaschen mit ACK-Aufschrift ab, um sie mit in ihre Heimatgemeinden zu tragen. Die »Mixtur« solle Symbol für die gemeinsame Quelle und für die unterschiedlichen Gaben sein, sagte der evangelische Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Ballenstedt, Jürgen Dittrich, der zugleich Vorsitzender der ACK in Sachsen-Anhalt ist.
Prominentester Gast des Ökume­netages war Günther Beckstein, der ­frühere bayerische Ministerpräsident und Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dittrich hatte den CSU-Politiker – ein Protestant im katholisch geprägten Bayern – als »wahrhaft ökumenische Persönlichkeit« begrüßt.

Becksteins Vortrag im Roncalli-Haus trug den Titel »Dem Allerhöchsten verantwortlich – Ökume­ne, Christentum, Politik«. Er sprach über das Spannungsfeld christlicher Politiker, die sich zwischen Christsein und politischer Macht bewegen, und über die Beziehungen zwischen Kirchen und Konfessionen. Unterschiede sollten als Bereicherung erfahren und Ökumene »im Bewusstsein, dass unsere Gemeinsamkeiten stärker sind als das Trennende«, gepflegt werden, betonte Beck. Außerdem beklagte er einen Mangel an ethischen Werten in der modernen Wirtschaft.

Eingeladen hatten zu dem Ökumenetag die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die Evangelische Landeskirche Anhalts und das katholische Bistum Magdeburg. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Kommission für pastorale Fragen der drei Kirchen. Die ACK in Sachsen-Anhalt hat sich in ihrer heutigen Form 1993 konstituiert. Ihr gehören derzeit zwölf Kirchen und Glaubensgemeinschaften an, drei weitere verfügen über einen Gaststatus.

Karsten Wiedener

www.ack-sachsenanhalt.de

Verwaltung und Seelsorge

27. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Am vergangenen Sonntag wurde der Superintendent von Gotha, Michael Lehmann (46), im dritten Wahlgang zum neuen Personaldezernenten im Landeskirchenamt der EKM gewählt. Dietlind Steinhöfel sprach mit dem Theologen.

Michael Lehmann

Michael Lehmann

Herr Lehmann, zunächst Glückwunsch zur Wahl. Vom Superintendenten in die Verwaltung – fällt Ihnen der Schritt aus der Praxis schwer?
Lehmann: Ich sehe nicht, dass mich dieser Schritt aus der Praxis herausführt. Ich verstehe die Funktion eines Personaldezernenten zuerst als pastorale Aufgabe. Die seelsorgerliche Betrachtungsweise ist mir vor allen anderen sehr wichtig. Den Mitarbeitern im Verkündigungsdienst wurden im Prozess des Zusammenwachsens beider Kirchen erhebliche Transformationsprozesse zugemutet.

Noch wichtiger ist: Der demografische Wandel und die Säkularisierung unserer Gesellschaft verändern die Berufsbilder, die Ansprüche an die kirchlichen Berufe wandeln sich und steigen. Ich glaube, dass die landeskirchliche Ebene hier zuallererst den seelsorgerlichen Blick braucht. Darum will ich mich meiner neuen Aufgabe als ein ordinierter Pfarrer meiner Kirche stellen.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Personaldezernenten aus?
Lehmann: Ein Personaldezernent muss erstens wissen, dass sein Amt im Wesentlichen ein stilles Amt ist. Die beste Personalabteilung ist sicher die, die ihre Arbeit lautlos und reibungslos verrichtet. Dazu gehört auch, dass mögliche Probleme mit den Betroffenen selbst und nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Zweitens darf dieses Amt auch ein deutlich hörbares Amt sein: Wenn junge Menschen ermuntert werden sollen, ein Theologiestudium oder eine kirchliche Ausbildung zu beginnen, wenn wir auf die beruflichen Perspektiven in unserer Landeskirche aufmerksam machen wollen, wenn wir die Hauptberuflichen für Fort- und Weiterbildungen werben. Drittens weiß ein guter Personaldezernent, dass sein Amt in das Miteinander aller Personalverantwortlichen eingebettet ist. Denken Sie nur an eine Pfarrstellenbesetzung: Hier sind alle kirchlichen Ebenen beteiligt, und alle sollten an einem Strang ziehen.

Der Kirchenkreis Gotha verliert mit Ihnen innerhalb von 14 Jahren den vierten Superintendenten. Sind Sie optimistisch, was Ihre Nachfolge an dieser Stelle angeht?
Lehmann: Ich verlasse Gotha ungern. Der Kirchenkreis und auch die Augustinergemeinde, in der ich als Pfarrer arbeite, sind mir ans Herz gewachsen. Dennoch glaube ich, dass wir in den drei Jahren gute Arbeit geleistet haben. Der Kirchenkreis ist nach dem Wechsel des Finanzsystems gut aufgestellt. Wir haben keine Pfarrstellenvakanzen. Wir können uns in der Kirchenkreissozialarbeit engagieren. Wir stellen den Gemeinden erhebliche Mittel zur Verfügung. Hier ist mir besonders die Förderung der ehrenamtlich verantworteten Kirchenmusik wichtig. Wer sich auf das Superintendentenamt bewirbt, darf sich auf großartige Mitarbeiter und lebendige Gemeinden freuen.

Menschen mit Blut und Herz

27. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kirchenkreis Altenburger Land lud zum Themenabend gegen Fremdenfeindlichkeit ein

Zurzeit leben 1364 Ausländer im Altenburger Land. Das sind etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung. Um ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen, hat der Kirchenkreis Altenburger Land am 15. März zu einem Themenabend in den Gasthof von Kosma eingeladen, bei dem Menschen mit Zuwanderungsgeschichten im Mittelpunkt standen. Das Motto lautete »Ach, das hab’ ich nicht gewusst«. Denn oft wird aus Unkenntnis über andere Kulturen und Religionen geurteilt.

»Die Erfahrung zeigt, dass Vorurteile und ausgrenzende Gedanken da besonders lebendig sind, wo es kaum Begegnungen mit Betroffenen gibt«, betont in diesem Zusammenhang Superintendentin Anne-Kristin Ibrügger.

Beim Themenabend in Kosma: Kirchenkreissozialarbeiter Christoph Schmidt (rechts) bat Marija und Grigorij Awakimjan, von ihrer Flucht aus der Region Bergkarabach zu erzählen. – Foto: Ilka Jost

Beim Themenabend in Kosma: Kirchenkreissozialarbeiter Christoph Schmidt (rechts) bat Marija und Grigorij Awakimjan, von ihrer Flucht aus der Region Bergkarabach zu erzählen. – Foto: Ilka Jost

Zur Veranstaltung, die von der Katholischen Pfarrei Altenburg/Schmölln, der Caritas, der Diakonie Ostthüringen und dem Netzwerk Integration unterstützt wurde, fanden sich Verantwortliche aus Kirche, Politik, Bildung sowie interessierte Bürger ein, um mit Migranten und Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen.

Am Schluss des Abends, bei dem 130 Besucherinnen und Besucher anwesend waren, stand eine Podiumsdiskussion. »Mit diesem Erfolg hatten wir nicht gerechnet«, freute sich Kirchenkreissozialarbeiter Christoph Schmidt. Besonders bewegten die Einzelschicksale und vielfältige Alltagserfahrungen, die häufig von Diskriminierung und Ausgrenzung begleitet sind.

In fließendem Deutsch schilderte Hedi Mariwan, wie sie mit ihren Eltern und ihren sieben Geschwistern im Asylbewerberheim Schmölln wohnt. Die Irakerin besucht die neunte Klasse der Schmöllner Regelschule »Am Eichberg«. Sie hat sehr gute Noten und kommt mit ihren Mitschülern gut klar. »Im Heim ist es sehr eng, wir leben zu zehnt in drei kleinen Zimmern. 22 Personen müssen sich Toilette und Dusche teilen. In der Nacht ist es oft sehr laut und ich kann schlecht schlafen«, erzählt die aufgeschlossene junge Frau, die seit elf Jahren in Deutschland wohnt. Sehr unangenehm sei auch das Einkaufen mit den Gutscheinen. »Manchmal fühlen wir uns wie Diebe, wenn die Leute so auf uns schauen«, sagt sie.

Auch Marija und Grigorij Awakimjan haben anfangs im Schmöllner Heim gelebt. Nach einem Klinikaufenthalt von Marija hat man sich dafür stark gemacht, dass das Ehepaar eine Wohnung in Altenburg-Nord bekommt. Denn die junge Frau kam mit der Situation im Heim nicht klar, was zu psychischen Problemen führte. Schon als Kinder mussten Marija und Grigorij ihre Heimat verlassen und aus Bergkarabach, einer von Armenien und Aserbaidschan umkämpften Region im Südkaukasus, nach Russland flüchten. Von dort kamen sie vor drei Jahren nach Deutschland.

Die beiden Armenier sind mit dem christlichen Glauben verbunden und wurden 2010 in der evangelischen Stadtkirche von Schmölln getauft. »Wir haben schon viel Hilfsbereitschaft erfahren, aber auch Ablehnung. Dabei sind wir doch Menschen wie alle, mit Blut und Herz«, formulierte es Marija Awakimjan sehr treffend.

Dass die Lebensumstände der Flüchtlinge im Altenburger Land bisher kaum bekannt sind, zeigte die Podiumsdiskussion, an der die im Kreistag vertretenen Fraktionen teilnahmen. Unabhängig vom Parteibuch herrschte bei allen Betroffenheit. Die Vertreter der Politik kündigten an, das Thema im Kreistag und in den Ausschüssen zu behandeln. Dabei solle das Netzwerk für Integration und der Freundeskreis Asyl einbezogen werden.

Ilka Jost

Eine saftige Spende

26. März 2012 von redaktionguh  
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Aktion: Wer hier ein Bäumchen erwirbt, hilft mehrfach und hat selbst jahrelang Freude


Der Gärtner Dieter Holzapfel will eine alte Apfelsorte erhalten und gleichzeitig Gutes tun. Mit dem Erlös unterstützt er die Christoffel-Blindenmission.

Baumblüte – prachtvoller Höhepunkt des Frühlings und gesundes Genussversprechen für den Herbst. – Foto: K.-U. Häßler/Fotolia.com

Baumblüte – prachtvoller Höhepunkt des Frühlings und gesundes Genussversprechen für den Herbst. – Foto: K.-U. Häßler/Fotolia.com

Manche Aktionen sind gleich in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Zum Beispiel die von Dieter Holzapfel aus Hirschroda bei Dornburg. Dem studierten Gärtner und Mitarbeiter im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland liegt die Erhaltung alter Gemüsearten und Obstsorten am Herzen. Und die Kirche auch – im speziellen Fall die Christoffel-Blindenmission. Seine Idee mitzuhelfen, dass die guten Gene einer Apfelsorte, die seit 1653 nachgewiesen ist, nicht aussterben, kommt beiden Anliegen zugute.

Der Spendenerlös seiner Sämlinge des Meininger Zwiebelborsdorfers gibt zum einen die Widerstandsfähigkeit und Gesundheit eines bemerkenswerten Vertreters dieser Sorte weiter und soll zugleich Menschen in Afrika oder anderswo das Augenlicht retten. Überdies sensibilisiert die Aktion Kirchengemeinden und Privatpersonen in Sachen Schöpfungsbewahrung wie Nächstenliebe und gibt ihnen die Möglichkeit, auf eine Art und Weise zu helfen, die Friedhöfe und Gärten schmückt und alle Jahre wieder Freude bringt.

Aufmerksam geworden auf diese Apfelsorte ist Dieter Holzapfel durch ein Buch des ehrenamtlichen Naturschützers und Baumliebhabers Wolfram Voigt über »Die ältesten Bäume des Saale-Holzland-Kreises und Jenas«. Dort wird ein erstaunlich großes Exemplar des überaus selten gewordenen Meininger Zwiebelborsdorfers gezeigt, das in der Jägersdorfer Flur bei Kahla steht, einen Stammumfang von fast drei Metern hat und auf ein für Apfelbäume höchst ungewöhnliches Alter von mindestens 150 Jahren geschätzt wird. Wer so langlebig ist, muss gutes Genmaterial haben und ein robustes Naturell.

Nun stehen im 750 Jahre alten Pfarrgarten und ehemaligen Weinberg bei Apolda 100 kleine Apfelbäumchen in Reih und Glied. Eigentlich waren es 150 Sämlinge, aber die Wühlmäuse haben sie um ein Drittel dezimiert und so dafür gesorgt, dass nach der Aussaat 2008 die nötigen Nachfolgearbeiten mit Hochputzen und mehrfachem Verpflanzen gerade noch zu schaffen waren.

Überraschend hat sich inzwischen herausgestellt, dass der Mutterbaum offensichtlich von einem Zierapfel befruchtet worden sein muss, der mehr als einen Kilometer entfernt steht. Nun kann man gespannt sein, wie sich die Eigenschaften vererben. Die Blüten jedenfalls sind bemerkenswert schön, sagt Dieter Holzapfel. Wie die Früchte aussehen, wird sich in zwei bis drei Jahren herausstellen. Die Wuchshöhe erreicht wohl nicht die Ausmaße des Mutterbaumes. Das muss aber kein Nachteil sein, findet der 59-Jährige. Eine kleine Allee zur Dorfkirche hin, einen Hain aus blühenden Apfelbäumen auf dem Friedhof oder zwei Bäume am Hauseingang kann er sich gut vorstellen. Als vorzüglicher Pollenspender auf einer Streuobstwiese sind die Abkömmlinge des Meininger Zwiebelborsdorfers ebenfalls empfehlenswert. Dass sie ein langes Leben haben, liegt in den Genen.

In diesem Jahr sollen die Apfelbäumchen ihren endgültigen Standort finden. Bis zum Mai kann man sie pflanzen oder dann im Herbst, wenn sie über zwei Meter hoch sein werden, mit einer kleinen Krone und vielen feinen Wurzeln. Interessenten setzen sich am besten mit Dieter Holzapfel in Verbindung.

Den Käufern wird er ein Begleitschreiben mitgeben, damit die Bäumchen fachgerecht gepflanzt und erzogen werden können. Und sie bekommen einen Überweisungsschein in die Hand, der die fällige Spende von 25 Euro an die Christoffel-Blindenmission auf den direkten Weg bringt.

Schon für 20 Euro kann durch eine Operation das Augenlicht eines Menschen mit einer Trachominfektion gerettet werden. Die Verhütung und Heilung von Blindheit ist ein Schwerpunkt der Arbeit dieses überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes, das sich seit über 100 Jahren um behinderte Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa kümmert. Die Apfelbäumchen aus dem Garten von Dieter Holzapfel werden ihren bescheidenen Beitrag leisten ganz nach dem Vorhaben, trotz drohendem Weltuntergang einen Apfelbaum pflanzen zu wollen. Ein schönes Motto und Hoffnungsbild – auch wenn es kein echtes Lutherzitat ist.

Christine Lässig

Kontakt: Dieter Holfzapfel, Telefon (036427) 22432, E-Mail dholzapfel@arcor.de

Überbewertet?

26. März 2012 von redaktionguh  
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gauckAuf einmal spielt die Konfessionszugehörigkeit des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck doch noch eine Rolle. Zwar beeilen sich führende Politiker und auch Kirchenvertreter, das Thema herunterzuspielen. Er halte die Frage nach der Konfession bei Persönlichkeiten im Blick auf hohe Staatsämter in Deutschland für »hoffnungslos überbewertet«, so der katholische Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Aber allein die Tatsache, dass darüber diskutiert wird, zeigt doch eine gewisse Unsicherheit.

Früher, in der alten Bundesrepublik, war eine protestantische Doppelspitze jedenfalls undenkbar. Es galt die Regel, wenn der Bundeskanzler katholisch ist, gehört der Bundespräsident zur evangelischen Kirche – und umgekehrt. Diese Regel hat sich längst überholt. Heute, in der Berliner Republik, ist es egal. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, erscheint doch folgerichtig. Deutschland ist eben nicht protestantischer geworden, wie Lothar de Maiziere nach der Wende vermutete, sondern entkirchlichter.

So wurde Joachim Gauck nicht wegen seiner Vergangenheit als evangelischer Pastor ins höchste Staatsamt gewählt, sondern weil er sich als glaubwürdiger Kandidat empfohlen hat. Für die evangelische Kirche ist es sicher schön, dass sie dadurch in den Fokus rückt, profitieren wird sie davon aber kaum.

Künftig könnte es sich sogar als hinderlich erweisen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Gauck, um sich als Präsident aller Deutschen zu erweisen, sehr bewusst darauf achten wird, nicht als Repräsentant der evangelischen Kirche zu erscheinen. Schon jetzt kommt mitunter der Vorwurf, er agiere zu pastoral. Vermutlich wird er deshalb den Rat des Wiener Theologieprofessors Ulrich Körtner beherzigen. »Das Amt des Bundespräsidenten ist nicht die Fortsetzung des Pfarrdienstes mit anderen Mitteln, das Schloss Bellevue keine Kirche und das Rednerpult in der politischen Arena keine Kanzel.« Ein Christ im höchsten Staatsamt bleibt er trotzdem.

Martin Hanusch

Wenigstens wollen können wir das

26. März 2012 von redaktionguh  
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O Mensch bewein dein Sünde groß, darum Christus seins Vaters Schoß äußert und kam auf Erden.
Evangelisches Gesangbuch 76,1

Na toll, weinen soll ich über meine Sünde und das Ganze dann auch noch besingen. Irritiert hat mich das schon als junge Sängerin. Da habe ich diesen Choral als Schlusschor (Teil 1) von Bachs Matthäuspassion mitsingen dürfen. Text, Melodie und Chor mit Orchester, das ging durch und durch.

WzW-13-2012

Christine Widiger, Kantorin in Blankenhain

Dass ich viel falsch mache, war mir klar – und das lag nicht nur an von mir erzeugten falschen Tönen. Jesus, der Tote zum Leben erweckt, Krankheiten heilt, Beziehungen ordnet und überhaupt alles richtig macht, der trägt die Folgen meiner Fehlentscheidungen, meines Versagens, die schwere Last am Kreuz – lange. Furchtbar! Und dabei singen wir die 21 Strophen, die den Passionsweg erzählen, gar nicht mehr. Nur die erste und letzte Strophe, eine eindringliche Mahnung, auf die Sünde zu verzichten, stehen noch in unserem Gesangbuch.

Das klingt, als hebe ein Lehrer den strengen Zeigefinger. Tatsächlich stammt die Dichtung von einem Schuldirektor, zugleich erster lutherischer Kantor an St. Sebald in Nürnberg. Sebald Heyden (1499–1561) veröffentlichte 1525 diese Nacherzählung der Leidensgeschichte Jesu, die »Große Passion« und wurde zum Schöpfer des ältesten evangelischen Passionsliedes überhaupt. Die Melodie stammt von Matthias Greiter (1490–1550), Kantor in Straßburg.

Trotzdem ist dieser Choral kein schönes Lied. Es ist ein Streitlied gegen unser Machtstreben, unsere Selbstüberschätzung – damals wie heute. Und doch ein großer Lobgesang auf Jesus, der es geschafft hat, mit unendlicher Liebe die Beziehung zwischen Gott und Menschen in Ordnung zu bringen. Und das gilt. Für immer. Und für jeden, der in diese Beziehung hinein will.

Zusammen mit dem, dessen »Wort so helle scheint«, ist es vielleicht zu schaffen, »der Sünde feind« zu sein. Wenigstens wollen können wir das. Alles andere hat er ja schon getan »wohl an dem Kreuze lange.« Was für ein wunderbarer, großer Gesang!

Christine Widiger

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