Mut zur Lücke

28. April 2012 von redaktionguh  
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Landesbischöfin fordert auf, neue Wege zu gehen

Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, hat sich für eine Neuausrichtung der kirchlichen Arbeit ausgesprochen. Angesichts der demografischen Veränderungen und einer fortschreitenden Säkularisierung sei ein weiterer Rückbau nicht mehr verkraftbar, stattdessen sei ein »richtiger Umbau« erforderlich, sagte sie am 20. April zum Auftakt der in Drübeck tagenden Landessynode. Wenn die Strukturen auf lange Sicht nicht verändert würden, »dann überfordern wir uns und alle Mitarbeitenden auf Dauer«. Es brauche deshalb neue Konzepte und auch den Mut zur Lücke. »Wer keinen Mut zur Lücke hat, der braucht Lückenbüßer.«

    Landesbischöfin Junkermann fordert, Gemeinde neu zu denken. Foto: Matthias Bein

Landesbischöfin Junkermann fordert, Gemeinde neu zu denken. Foto: Matthias Bein

Die Strukturveränderungen der letzten Jahre hätten in den Gemeinden den Eindruck verfestigt, das letzte Glied in einer Kette von oben nach unten zu sein, räumte sie ein. Nun müsse es gelingen, Kirche wieder bewusst als gegenseitige und wechselseitige Verantwortungsgemeinschaft zu gestalten.
Als Beispiele für einen bereits begonnenen Umbau nannte sie die neu konzipierte Konfirmandenarbeit sowie neue Gottesdienst- und Gemeindeformen. Auch die Verantwortung der Kirchenkreise im neuen Finanzgesetz sei ein wichtiger und richtiger Schritt in diese Richtung. Allerdings bräuchten die Gemeinden, Regionen und Kirchenkreise mehr Entscheidungsräume, mehr Freiheiten und Rechte. Deshalb sollten nach der vollzogenen Rechtsangleichung der früheren Landeskirchen von 2014 an gezielt Gesetze und Regelungen daraufhin überprüft werden, wie Verwaltung vereinfacht und Entscheidungsspielräume erweitert werden könnten.
Notwendig sei es außerdem, die Gemeinde neu zu denken – »von allen Getauften her und nicht vom besonderen Amt her«. Eine Grundeinsicht der Reformation sei es gewesen, dass alle durch die Taufe berufen seien, unterstrich die Landesbischöfin. Mit dieser Ansicht habe die Reformation eine ganze Kultur und Gesellschaft verändert. Allerdings sei das »Priestertum aller Gläubigen« von den Reforma­toren selbst nicht ganz durchge­halten worden. Ansätze, die es im Kirchenbund der DDR gegeben habe, wie die Kirche als Lerngemeinschaft und als Beteiligungskirche zu verstehen, seien mit der friedlichen Revolution zu schnell und zu stark abgebrochen worden, so Ilse Junkermann.
Heute werde immer deutlicher, dass der strukturelle Rückbau neue Einstellungen brauche und zwar bei den Hauptberuflichen genauso wie bei den Neben- und Nichtberuflichen, den ehrenamtlich Engagierten. Allen Tendenzen der Gemeinde, sich selbst genug zu sein oder für sich bleiben zu wollen, müsse dabei entschieden widersprochen werden. »Die Gemeinde und Kirche ist nicht für sich selbst da«, betonte die Landesbischöfin.

Martin Hanusch

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