Buntes Fest an der Wiege Anhalts

30. Mai 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

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Kirchentag: Die Besucher in der Harzstadt Ballenstedt erwartet ein vielfältiges Programm

Einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres »Anhalt 800« rückt näher. Am 9. und 10. Juni ist Ballenstedt Gastgeberin für den neunten anhaltischen Landeskirchentag.

Rund 2500 Besucher werden zu dem Fest rund um das Schloss erwartet. Es steht unter dem Motto »Ein’ feste Burg«. Das ist durchaus doppeldeutig gemeint. Denn im Themenjahr der Lutherdekade »Reformation und Musik« spielt es erstens auf einen Psalm und den berühmten Lutherchoral »Ein’ feste Burg ist unser Gott« an. Zweitens erinnert es an die mittelalterliche Burgruine Anhalt hoch über dem Selketal, welche dem Land den Namen gab.

Pfarrer Theodor Hering (Ballenstedt), Pfarrerin Anke Dittrich (Harzgerode), Kirchenpräsident Joachim Liebig, Bettina Fügemann, Leiterin des Ballenstedter Bürgeramtes, und Kirchenmusiker Eckart Rittweger (Gernrode) laden stellvertretend für alle Mitwirkenden zum Landeskirchentag ein.  Foto: Jürgen Meusel

Pfarrer Theodor Hering (Ballenstedt), Pfarrerin Anke Dittrich (Harzgerode), Kirchenpräsident Joachim Liebig, Bettina Fügemann, Leiterin des Ballenstedter Bürgeramtes, und Kirchenmusiker Eckart Rittweger (Gernrode) laden stellvertretend für alle Mitwirkenden zum Landeskirchentag ein. Foto: Jürgen Meusel

»Es lag nahe, an die Wiege Anhalts zurückzugehen«, sagt Kirchenpräsident Joachim Liebig am 16. Mai in Ballenstedt bei der Vorstellung des Programms. Er freut sich, dass zum Kirchentag nicht nur Besucher aus Partnerkirchen kommen sondern in ökumenischer Offenheit auch aus anderen Konfessionen. Prominente Gäste sind unter anderem der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber und Bischof Trevor Williams von der Church of Ireland.

»Der anhaltische Kirchentag ist auch für unsere Stadt ein wichtiger Höhepunkt im Jubiläumsjahr ›Anhalt 800‹«, auf den man stolz sei, sagt Bettina Fügemann. Die Leiterin des Bürgeramtes der Stadt lobt die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit. Sie betont: »Wir wollen mit dem Fest neben den Christen auch Menschen ansprechen, die der Kirche weniger verbunden sind.«

Der amtierende Kreisoberpfarrer Theodor Hering hofft auf einen »Kirchentag in gelassener Fröhlichkeit«, der »Orientierung des Glaubens in einer mobilen Welt geben soll«. Pfarrerin Anke Dittrich aus Harzgerode, die für den Markt der Möglichkeiten zuständig ist, ist schon jetzt überrascht. Mit 30 bis 40 Stände-Anmeldungen hatte sie gerechnet, jetzt sind es »74 Stände und 318 laufende Meter«. Zudem gib es auf der kleinen Marktbühne ein wechselndes Programm, und auf der großen Wiese am Modell der Burg Anhalt Angebote der »Familienkirche« für die jüngsten Besucher. »Ich hoffe, dass sich der Markt zu einem Ort entwickelt, wo man über Gott und die Welt reden kann.«

Schon am 9. Juni steht Ballenstedt-Besuchern mit der Aufführung von Händels Oratorium »Der Messias« im Schlosshof ein erster Höhepunkt bevor (17 Uhr). Seit Wochen probt der Gernröder Kirchenmusiker Eckart Rittweger mit rund 200 Sängerinnen und Sängern, die sich zu einem Mitmach-Chor vereinigen und von einem Orchester begleitet werden. Zudem gibt es am Sonnabend unter dem Motto »Wie groß soll eine Kirche sein?« eine Tagung, bei der über Kirchen und ihre Organisationsformen diskutiert werden soll.

Angela Stoye

Vollständiges Programm im Internet:
www.anhaltischer-kirchentag.de

Informationen und Anmeldung zur Tagung bei Kornelia Pietsch im Landeskirchenamt, Telefon (0340)2526210 oder E-Mail <kornelia.pietsch@kircheanhalt.de>

Zwei Männer – zwei Wege

29. Mai 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Akademietagung in Neudietendorf zu Lothar Kreyssig und Walter Grundmann

Der eine widersteht in der Nazizeit, der andere tritt bereits 1930 in die NSDAP ein. Unterschiedlicher können Lebenswege von Zeitgenossen kaum sein. Mit den beiden »kirchenpolitischen Protagonisten des 20. Jahrhunderts in Mitteldeutschland« Lothar Kreyssig und Walter Grundmann befasste sich eine Tagung der Evangelischen Akademie Thüringen vom 11. bis 13. Mai in Neudietendorf.

Das Wirken der beiden Kirchenmänner gehört zum Erbe, das die Kirchenprovinz und die Thüringer Landeskirche in die EKM einbrachten. Beide gehörten einer Generation an. Kreyssig wurde 1898 in Flöha in Sachsen, Grundmann 1906 in Chemnitz geboren. Beide haben in der Weimarer Zeit, im sogenannten Dritten Reich und danach als Mitglieder ihrer Kirchen gelebt und gewirkt.

Lothar Kreyssig

Lothar Kreyssig

Lothar Kreyssig widersteht als Richter der Zerstörung des Rechts durch das »Führerprinzip« und weiß sich als Christ durch sein Gewissen gebunden. Er wendet sich gegen die Ermordung Behinderter in der Euthanasie-Aktion der Nazis und wird zwangspensioniert. Nach dem Ende der Nazizeit leistet er als Konsistorialpräsident und Präses der Synode der Kirchenprovinz Sachsen wichtige Beiträge zur geistlichen Erneuerung nach der zerstörerischen NS-Herrschaft. Bleibend mit seinem Namen verbunden ist die von ihm begründete »Aktion Sühnezeichen«.

Walter Grundmann tritt als NSDAP-Mitglied 1933 den »Deutschen Christen« bei, wird 1936 Professor für Neues Testament und völkische Theologie in Jena. Von hier aus gründet er drei Jahre später das »Institut zur Erforschung des jüdischen ­Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« mit Sitz in Eisenach. Die als »Entjudungsinstitut« bezeichnete Einrichtung sollte alles Jüdische aus Neuem Testament, Gesangbuch und Katechismus entfernen. Auch Jesus sollte aus dem Judentum herausgelöst werden. Nach dem Kriegsende verliert er seine Professur, wird aber nach ­wenigen Jahren in kirchlichen Einrichtungen eingestellt und wirkt als geachteter und einflussreicher theologischer Lehrer in Eisenach.

Walter Grundmann

Walter Grundmann

Neben den Biografien wurden zentrale Aspekte ihres Denkens und Wirkens beleuchtet. Es ging um den Umgang mit der Bibel – zum einen bei dem »liberalen Bibelwissenschaftler« Grundmann, der sich in den Bann des Nationalsozialismus hatte ziehen lassen (Karl-Wilhelm Niebuhr, Professor für Neues Testament in Jena), zum ­andern bei dem Juristen Kreyssig, dessen Bibelverständnis einen »Schlüssel zum Verstehen seiner Aktivitäten« darstellte (Axel Noack, Professor für neuere Kirchengeschichte in Halle). Und es ging um das Rechtsverständnis, das bei Grundmann durch die ­Anerkennung des »Führerprinzips« für Kirche und Staat bestimmt war (Tobias Schüfer, Studienleiter in der Vikarsausbildung der EKM), bei Kreyssig durch die Bindung an sein Gewissen (Erardo Rautenberg, Generalstaatsanwalt Brandenburg). Die Teilnehmer hatten zudem in drei Workshops Gelegenheit, der Frage ­genauer nachzugehen, wie die beiden Zeitgenossen so unterschiedliche Wege haben gehen können – in der Nazizeit und danach. Die Diskussionen gaben wichtige Impulse zu neuer Erkenntnis der beiden Personen als auch zum historischen Kontext, speziell der kirchlichen Entnazifizierungs-Praxis.

Gerhard Zachhuber

Käßmann: Singen bewegt unser Herz

28. Mai 2012 von redaktionguh  
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Vom Marktplatz in Wittenberg strahlt am 3. Juni das ZDF ein en Gottesdienst mit Margot Käßmann aus zum Thema »Singen bewegt«. Martin Hanusch sprach mit der ­Luther-Botschafterin der EKD.

Frau Käßmann, Musik ist allgegenwärtig, aber gesungen wird in der Öffentlichkeit kaum noch. Woran liegt das?
Käßmann:
Viele haben offenbar Angst, sich beim Singen zu blamieren, weil uns durch die perfekte ­Digitaltechnik und die Stars vorgegaukelt wird, alles müsse perfekt sein. Dabei hat eine Studie gerade gezeigt, dass wer singt, das eigene Immunsystem stärkt, unabhängig von schiefen Tönen. Es ist ein ­Armutszeugnis, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie viele Kinder heute aufwachsen, ohne selbst zu singen »Die Seelen verstummen«, sagt der Gesangspädagoge Adamek, wenn nicht gesungen wird.

Margot Käßmann

Margot Käßmann

Für die Reformatoren war der ­Gesang ein wichtiges Transportmittel für ihre Botschaft. Musik spricht emotional an. Nutzt die Kirche das zu wenig?
Käßmann:
In unseren Kirchen spielt die Musik weiter eine sehr bedeutende Rolle. Ein evangelischer Gottesdienst ist vielerorts ohne die Orgel, ohne Posaunenchöre gar nicht vorstellbar. Luther hat gesagt, nichts auf Erden sei kräftiger als die Musik, denn sie mache die Traurigen fröhlich und die Fröhlichen traurig. Mir erzählen Menschen immer wieder, dass sie besonders gerne wegen der Musik und des Singens in die Kirche gehen. Und vergessen wir nicht: Unsere Kirchen sind in erster Linie wegen ihrer großartigen Chöre und Musikgruppen unverzichtbare Kulturträgerinnen in unserem Land.

Singen bewegt, heißt es beim ZDF-Fernsehgottesdienst aus Wittenberg. Wozu soll es bewegen?
Käßmann:
Singen bewegt unser Herz und unsere Seele. »Wer singt, betet doppelt!«, hat einmal der Kirchenvater Augustinus gesagt. Recht hat er! Und in Martin Luthers berühmtem Weihnachtslied heißt es nicht umsonst: »Der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will!« Singen lobt Gott und stärkt für den Alltag in der Welt, in dem ich mich als Christ und Christin zu bewähren habe.

Die alten Choräle erreichen junge Leute kaum. Brauchen wir mehr neue Lieder?
Käßmann:
Die kann es gar nicht genug geben, aber wir haben viele neue Lieder. Vor dem Kirchentag in Hannover im Jahre 2005 gab es erstmals eine Liederwerkstatt, die seitdem regelmäßig durchgeführt wird. Die kurhessische Kirche hat in diesem Jahr einen Wettbewerb für Passionslieder veranstaltet, zu dem sehr schöne Lieder entstanden sind. Und seit etwa zwanzig Jahren – da kam der erste Teil von Sister Act in die deutschen Kinos – bereichern Gospelchöre mit begeisterten Sängerinnen und Sängern unsere Kirchen. Es geschieht also eine ganze Menge, und die Ergebnisse sind sehr beeindruckend. Aber auch junge Menschen lernen immer wieder die alten Choräle lieben, denn sie sind einfach zu gut, als dass man sie vergessen könnte! Um eine Balance zwischen Tradition und Innovation geht es.

Immer der gleiche oder doch ein neuer Geist?

27. Mai 2012 von redaktionguh  
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Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll die Herzen deiner Gläubigen.
Evangelisches Gesangbuch 125, Vers 1

Komm, Heiliger Geist« – wirklich – wohin?! »Erfüll die Herzen deiner Gläubigen« – wirklich – womit?! Was passiert, wenn der Heilige Geist etwas eingibt, was wir nicht kennen oder wollen oder vertragen?
Das große Pfingstlied geht zurück auf die Urbitte der Christenheit: »Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen« (vgl. auch EG 156). In der Urform war der Gesang eine Psalm-Antiphon, also ein Rahmenvers. Solche Antiphonen haben sich durchaus verselbstständigt, sind bereits im Mittelalter Vorlagen zu Liedern geworden, waren bekannt und verbreitet. Luther hat diese eine Strophe zur Grundlage seines Liedes genommen.

Beate Besser, Kirchenmusikdirektorin in Schönebeck

Beate Besser, Kirchenmusikdirektorin in Schönebeck

Wie auch in anderen Liedern fügt er weitere Strophen mit verdichteter reformatorischer Theologie an. Bereits in der ersten Strophe verändert Luther das Original und fügt um der Trinität willen den »Herre Gott« ein.
In seinem weiteren Pfingstlied (Evangelisches Gesangbuch 126) nimmt er den Heiligen Geist als Schöpfer (!) auf. Die Melodie ist lang, gliedert sich jedoch in zwei mal vier Zeilen, die bis auf wenige Töne ganz gleich sind, gefolgt vom österlichen »Halleluja«.
Viele Komponisten haben sich dieser Melodie und dem von ihr getragenen Text angenommen. Soweit, so gut und bedeutend. Aber reicht das? Muss ein inzwischen wenig bekanntes Lied weiter gesungen werden, nur weil es einmal wichtig war und eine lange Rezeptionsgeschichte hat?

Nicht umsonst sind immer wieder neue Lieder zum Thema »Pfingsten« entstanden, etwa jenes mit dem Refrain »Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft«. Hier sind gleich zwei der Unterthemen, das »Verbinden« und das »Leben-Schaffen«, aufgenommen. Und das in einer Sprache, die wir sprechen und verstehen. Der Heilige Geist weht nicht nur, wo er will und verändert Menschen, sondern er verändert sich auch und braucht das immer neue Lied!

Beate Besser, Kirchenmusikdirektorin in Schönebeck

»Die Kirche sind auch wir«

26. Mai 2012 von redaktionguh  
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Gemeinde: In Klostermansfeld hat der Gemeindekirchenrat die Geschicke selbst in die Hand genommen

Pfingsten feiern die Christen den Geburtstag der Kirche. Zum Feiern ist manchen Gemeinden trotzdem nicht zumute, weil die Pfarrbereiche größer werden und die Mitarbeiter nicht überall vor Ort sein können. In Klostermansfeld hat die Gemeinde aus der Not eine Tugend gemacht.

Wollen das kirchliche Leben in Klostermansfeld wachhalten: Carina Kirchberg, Gerhard Kola, Friedrich Propst, Astrid Seewald (v. l. n. r.). Foto: Kathrin Labitzke

Wollen das kirchliche Leben in Klostermansfeld wachhalten: Carina Kirchberg, Gerhard Kola, Friedrich Propst, Astrid Seewald (v. l. n. r.). Foto: Kathrin Labitzke

Regelmäßige Gottesdienste ohne Pfarrer, geht das? Für die meisten Christen gehört zum sonntäglichen Kirchgang immer noch die Predigt eines Pfarrers dazu. Doch genau das ist es, was die Kirchengemeinde Klostermansfeld von anderen Gemeinden unterscheidet. Seit dem Weggang ihres Pfarrers vor vier Jahren hat der sechsköpfige Gemeindekirchenrat (GKR) das Heft des Handelns in die eigenen Hände genommen. »Unsere Kirche liegt uns am Herzen, deshalb sichern wir jeden Sonntag den Gottesdienst ab«, so die einhellige Überzeugung der Mitglieder des Gemeindekirchenrats von St. Marien.

Ganz freiwillig haben sich die Klostermansfelder freilich nicht dazu entschlossen. Nach der Vakanz und einem Zwischenspiel mit einer Gemeindepädagogin im Entsendungsdienst gehört die Gemeinde mit ihren 230 Mitgliedern seit Anfang des Jahres zum Kirchspiel Mansfeld. Da der dortige Pfarrer Matthias Paul bereits für mehr als zehn Gemeinden zuständig ist, kann er nicht überall am Sonntag Gottesdienste feiern. Aus diesen Gründen hat der GKR beschlossen, zweimal im Monat den Gottesdienst selbst zu übernehmen. Am vergangenen Sonntag etwa war der ehrenamtliche Lektor Friedrich Propst an der Reihe. Die anwesenden Gemeindemitglieder wissen solches Engagement zu schätzen. »Es ist schön, dass unsere Kirche offen steht«, sagt einer der Besucher. Dabei spielt es für die meisten Kirchgänger keine Rolle, ob der Pfarrer predigt oder ein GKR-Mitglied das Wort Gottes verkündet.

Denn leicht machen es sich die Kirchenältesten damit nicht. Vor jeder Predigt bereiten sie sich intensiv auf den Gottesdienst vor. Dabei nutzen sie auch die Möglichkeiten des Internets. »Aber einfach nur eine Lesepredigt aus dem Netz zu ziehen, kommt für mich nicht infrage«, meinte Friedrich Propst. Alle ehrenamtlichen Lektoren seien bemüht, »aktuelle Themen einzubeziehen«.

»Wir wollen unseren Gemeindegliedern die Regelmäßigkeit bewahren«, schildert Carina Kirchberg die Beweggründe. »Deshalb wollen wir den Standort Klostermansfeld als Stätte der Verkündigung des Evangeliums beibehalten«, so die 66-jährige Kirchenälteste. Neben ihr sind der Vorsitzende Gerhard Kola und die anderen GKR-Mitglieder sowie Pfarrer Matthias Paul die treibenden Kräfte für das Offenhalten der Kirche.

Der Einsatz kommt nicht von ungefähr. So ist St. Marien in den vergangenen Jahren aufwendig saniert worden. Heute liegt die 1170 geweihte Kirche nicht nur an der »Straße der Romanik« sondern auch am Lutherweg sowie am Jakobus-Pilgerweg. Täglich von 9 bis 11 Uhr steht sie Besuchern offen, außerdem gibt es die Möglichkeit zu angemeldeten Führungen. Zwei ausgebildete Kirchenführer stehen dafür bereit, um den Gästen aus dem In- und Ausland die romanische Klosterkirche zu zeigen. »Vor 14 Tagen hatten wir Besuch von Kanadiern«, erzählte Astrid Seewald stolz. Für alle Mitglieder des Gemeindekirchenrats sei es zudem ein Traum, »ins Verzeichnis offener Kirchen zu kommen«.

Aber auch sonst sind die sechs zum Gemeindekirchenrat gehörenden Klostermansfelder bemüht, die vorhandenen Ressourcen, auch im Hinblick auf das Lutherjubiläum 2017, zu nutzen. Ganz bewusst und trotz der schwierigen demografischen Entwicklung wollen sie die Kirche mit Leben füllen und den Glauben wachhalten. Dafür setzten sie alle Kräfte und unzählige ehrenamtliche Stunden ein. Demnächst wird es in der Kirchengemeinde auch wieder regelmäßige Gemeindenachmittage geben und am 9. Juni ist ein Konzert des Elternchores der Kreismusikschule Sangerhausen mit kirchlicher als auch weltlicher Musik geplant. »Denn die Kirche«, finden die GKR-Mitglieder, »sind auch wir.«

Kathrin Labitzke

www.ev-kloster-kirche.de

Lohma kämpft im Fernsehen

25. Mai 2012 von redaktionguh  
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Stiftung KiBa stellt »himmlische halbe Million« zur Verfügung

Die Kirche in Lohma bei Schmölln könnte ein Schmuckstück sein. Doch schon seit über 20 Jahren gleicht das 1487 erstmals erwähnte Kleinod einer Baustelle. Fußboden, Gestühl und Orgel sind ausgebaut, die wertvolle Stuckdecke nur zum Teil restauriert. Auch der Außenputz fehlt. Einzig und allein Dach und Turm wurden vor einigen Jahren erneuert, um fortschreitende Schäden zu verhindern. Trotzdem finden gelegentlich noch Gottesdienste, Trauungen und Taufen statt.

Die Kirche steht Pfingstmontag im Rampenlicht. Foto: Ilka Jost

Die Kirche steht Pfingstmontag im Rampenlicht. Foto: Ilka Jost

Nun gibt es für die Lohmaer Hoffnung. Das Dorf geht am Pfingstmontag in der Show »Mach dich ran« des MDR-Fernsehens an den Start. In der Sendung, in der ab 19.50 Uhr jeweils ein Ort aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt in der Stadthalle Zwickau gegeneinander antreten, geht es um eine »himmlische halbe Million« für sanierungsbedürftige Dorfkirchen. Das Geld wird von der Stiftung »KiBa« (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland) zur Verfügung stellt.

Dem Sieger winken 300.000 Euro, dem Zweit- und Drittplatzierten 150.000 bzw. 50.000 Euro. Natürlich streben die Lohmaer nach dem ersten Platz. »Mit dem Geld könnten wir ­unsere ganze Kirche sanieren. Für uns ist aber jede Platzierung ein Gewinn. Wir sind überglücklich, dass wir aus über 50 Kirchen ausgewählt wurden, nachdem es 2008 mit der Teilnahme nicht geklappt hatte. Bei der Anmeldung wäre es fast zu einer Verwechslung mit dem anderen Lohma in unserem Kirchenkreis gekommen«, berichtet Birgit Tscheuschner.

Sie ist die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats und Mitglied im Freundeskreis der Kirche, der sich seit 2006 für eine Restaurierung stark macht. Bisher wurden 30.000 Euro verbaut, die sich aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde, Lottomitteln und Spendengeldern zusammensetzen. In die Teilnahme setzen die Lohmaer große Hoffnung, denn die Kirche soll für sie wieder das Zentrum im Ort werden. »Wenn die Instandsetzung abgeschlossen ist, wollen wir das Gemeindeleben neu aufbauen, mit Gottesdiensten und Gemeindefesten«, so Birgit Tscheuschner.

Im Vorfeld wurden die drei Kirchen – für Sachsen geht Burkhardswalde und für Sachsen-Anhalt Großwirschleben an den Start – bereits in der MDR-Montagssendung »Mach dich ran« vorgestellt. Lohma war am 7. Mai als erster Ort an der Reihe, wo Marlis Geidner-Girot das Dorf würdig vertreten hat. Gut geschlagen hat sich auch Karla Göthe aus Nöbdenitz, die in der Sendung einen Gewinn in Höhe von 905 Euro erzielen konnte. Das Geld will sie für das von ihr initiierte Projekt »Mehrgenerationenkochen« zur Verfügung stellen, das sich noch im  Aufbau befindet. Geplant ist, im Nöbdenitzer Kirchgemeindehaus eine Küche einzurichten, wo vor allem die jüngere Generation an die gesunde Ernährung herangeführt werden soll. Lohma gehört zum Kirchspiel Schmölln und zur Kirchengemeinde Nöbdenitz, für die Pfarrer Dietmar Wiegand zuständig ist. Im Ort leben 200 Einwohner, davon 45 Gemeindeglieder.

Ilka Jost

Fromm und politisch

25. Mai 2012 von redaktionguh  
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Die Kirchen können Joachim Gauck dankbar sein. Der Bundespräsident hat auf dem Katholikentag in Mannheim Klartext gesprochen: Ohne Christen sehe dieses Land in Politik und Gesellschaft anders aus. Selten hat ein deutsches Staatsoberhaupt so deutlich ausgesprochen, dass der christliche Glaube keineswegs Privatsache ist, sondern mitten hinein in die Gesellschaft gehört. Gerade Pfingsten erinnert uns daran, dass die frohe Botschaft aller Welt gilt.

Theologe und Politiker Joachim Gauck

Theologe und Politiker Joachim Gauck

Mit seinem Votum hat der Bundespräsident aber nicht nur mit dem weitverbreiteten Vorurteil aufgeräumt, der christliche Glaube hätte in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Im Gegenteil. Die Stärke und das Wohlergehen Deutschlands resultieren nach seiner Ansicht ganz wesentlich daraus, dass der christliche Glaube immer wieder politisches Handeln provoziert hat. Schon aus Eigennutz ermuntert das Staatsoberhaupt Christen zum weiteren Engagement. Er weiß nämlich nur zu genau, dass die ­Politik Menschen braucht, »die an eine Sache glauben, die größer ist als sie selbst«.

Das ist aber nur die eine Seite der deutlichen Ansage. Wenn der Bundespräsident sich mehr Christen in der Politik wünscht, heißt das nämlich auch, dass diese offen und öffentlich zu ihrem Glauben stehen und sich nicht hinter Kirchenmauern zurückziehen dürfen. Fromm sein und politisch sein sind keine Gegensätze. Das wiederum müssen sich die Kirchen ins Stammbuch schreiben lassen, die sich zuletzt in den aktuellen Debatten um Eurokrise und Familienpolitik sehr zurückgehalten haben. Der Auftrag, die Nöte der Menschen zu sehen und sie beseitigen zu wollen, sind jedoch ganz biblische Anliegen. Das gilt nicht nur in Sonntagsreden, sondern immer und überall. Es ist gut, dass der Theologe und Politiker Joachim Gauck die Kirchen an diese Verantwortung erinnert hat.

Martin Hanusch

Großwirschleben »macht sich ran«

25. Mai 2012 von redaktionguh  
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Spielshow um Geld zur Kirchensanierung wird Pfingstmontag im MDR-Fernsehen übertragen

Reges Interesse fanden Anfang Mai die Dreharbeiten eines MDR-Teams für die »Mach dich ran«-Sendung am 14. Mai, in der sich Großwirschleben vorstellen konnte. Die Spielshow wird am 28. Mai von 19.50 bis 21.45 Uhr im MDR-Fernsehen übertragen. Foto: Engelbert Pülicher

Reges Interesse fanden Anfang Mai die Dreharbeiten eines MDR-Teams für die »Mach dich ran«-Sendung am 14. Mai, in der sich Großwirschleben vorstellen konnte. Die Spielshow wird am 28. Mai von 19.50 bis 21.45 Uhr im MDR-Fernsehen übertragen. Foto: Engelbert Pülicher

Pfingstmontag wird es spannend. Denn am Abend treten Tino Amelang und drei Unterstützer aus Großwirschleben im MDR-Fernsehen an, um in der großen »Mach dich ran-Show« Geld für ihre marode Dorfkirche zu gewinnen. Bei dem Wettstreit sieht dem Vorsitzenden des Dorfbauvereins Sankt Bonifatius nicht nur das Publikum vor den heimischen Bildschirmen zu, sondern auch Großwirschlebener, die in Bussen nach Zwickau mitfahren. Aus der dortigen Stadthalle wird die Sendung ausgestrahlt. Und natürlich sind alle diejenigen dabei, die sich in Großwirschleben im Freien vor der großen Leinwand am Ufer der Saale versammeln. Dort beginnt am 28. Mai um 17 Uhr das Vorprogramm mit Musik und Interviews und späterer Zuschaltung ins Fernsehen.

Außer Großwirschleben treten Burkhardswalde in Sachsen und Lohma in Thüringen in den Wettstreit um die »himmlische halbe Million« Euro, die die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBA) zur Verfügung stellt. Dem Sieger winken 300.000 Euro, das zweitplatzierte Dorf erhält 150.000 Euro und der dritte Teilnehmer immerhin noch 50.000 Euro.

Und das Geld wird dringend benötigt in dem Dorf bei Bernburg, in dem rund 350 Menschen leben. Denn die im Kern spätromanische Bonifatiuskirche ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. Noch in diesem Jahr soll die Dachsanierung beginnen. Bis 2014 folgen Putz, Mauerwerk, Innenraum und Turm. Unter der Empore wird zudem ein 38 Quadratmeter großer Gemeinderaum eingebaut, der auf vielfältige Weise und auch von örtlichen Vereinen genutzt werden kann.

Im Dorf ist die Freude über die Teilnahme an der »Mach dich ran-Show« groß. Denn nicht nur der Sanitär- und Heizungsbaumeister Tino Amelang will, dass die Kirche im Dorf bleibt. »Das ganze Dorf kämpft um die Kirche«, sagt Gemeindepfarrerin Renate Lisock.

Angela Stoye

www.stiftung-kiba.de

Glaube ist Lebenshilfe

23. Mai 2012 von redaktionguh  
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20 Jahre Religionsunterricht, wachsendes Interesse an evangelischen Schulen – hat das Auswirkungen auf die Kirche? Dietlind Steinhöfel sprach mit dem früheren Bischof Axel Noack, heute Professor für neuere Kirchengeschichte in Halle und Vorsitzender der Johannes-Schulstiftung.

Haben Religionsunterricht und evangelische Schulen Auswirkungen auf Kirchenmitgliedschaft?
Noack:
Ich möchte das sehr hoffen, weil wir uns nicht schämen dürfen, Mitglieder haben zu wollen. Wir brauchen sie und das sollen wir sagen. Allerdings geht es uns zuerst um die uns anvertrauten Kinder: Weil die Hilfe zum Glauben wirkliche Hilfe zum konkreten Leben ist. Deshalb müssen unsere Versuche und unsere Mühe, ihnen zu Kenntnissen und eigenem Glauben zu helfen, vor allem an diesen Schülerinnen und Schülern orientiert sein.

Und nicht zuletzt: Unser Land braucht dringend Menschen, die von einer Überzeugung gehalten sind und nicht gleich umfallen, wenn es schwierig wird. Der Glaube an Jesus Christus ist so eine Überzeugung, die durch das Leben und das Sterben zu tragen vermag. Davon sind wir überzeugt, wenn wir uns für den Reli­gionsunterricht einsetzen.
Wenn wir unseren Dienst an den Kindern ordentlich versehen, dann mag Gott es schenken, dass das auch Auswirkungen auf die Kirchenmitgliedschaft hat.

Axel Noack

Axel Noack

Kann sich das Bild von Kirche bei Menschen wandeln, die auf diese Weise mit evangelischen Christen und Institutionen in Kontakt kommen?
Noack:
Für gar nicht so wenige ist der Religionsunterricht der allererste Kontakt zu Glauben und Kirche. Da geht es nicht so sehr um die »Veränderung« von Bildern. Vielleicht müssen auch wir unser Bild von den sogenannten »Konfessionslosen« ändern, jedenfalls haben wir sehr genau hinzusehen. Oft ­genug werden wir von einer wirklichen »Beziehungslosigkeit« der Menschen zu unseren Themen und Institutionen ausgehen müssen. Es ist immer als ein kleines Wunder anzusehen, wenn kirchenferne Eltern ihre Kinder zum Reli­gionsunterricht anhalten. Manchmal können sie den Grund dafür nicht wirklich angeben. Und manchmal werden sie auch nicht wirklich dahinter stehen: »Reli­gionsunterricht? Na ja, schaden kann es ja eigentlich nicht …«
Da liegt eine schöne und schwere Herausforderung für unsere Lehrerinnen und Lehrer.

Ändert sich die Kirche durch neue Mitglieder, die aus einem völlig säkularen Umfeld stammen?
Noack:
Das ist genau die Frage, die uns bewegen muss: Wollen wir wirklich, dass neue, ganz andere Menschen hinzukommen und ­halten wir es aus, dass dann auch unsere Kirche anders werden wird. Es ist die ernste Frage danach, ob wir die Menschen um uns her wirklich mögen. Wenn nicht, werden wir sie mit dem Evangelium nur schwer erreichen. Ja, wir stehen vor der Aufgabe genau hinzusehen und danach zu suchen, wo Gottes Wort die heutigen Menschen betrifft. Dazu müssen wir sie kennen und an ihrem Leben Anteil nehmen.

Eine Taufpremiere im Waldtheater

22. Mai 2012 von redaktionguh  
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Im Henneberger Land wird erstmals zu einem Tauffest auf den Suhler Friedberg eingeladen

Im Evangelischen Kirchenkreis Henneberger Land steht ein für die Region bislang einmaliges Ereignis bevor: Am 28. Mai wird in Suhl auf dem Friedberg zum ersten Mal zu einem Tauffest eingeladen, dessen Kulisse das einstige Waldtheater bildet. Dort werden ab 14 Uhr von mehreren Pfarrerinnen und Pfarrern des Kirchenkreises in einem festlichen Gottesdienst die Taufen vollzogen. Danach feiern die Täuflinge und deren Familien bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken ihre Taufe.

Noch ist es sehr ruhig im ehemaligen Waldtheater auf dem Suhler Friedberg. Am Pfingstmontag wird es sich zum Tauffest mit einer feiernden Gemeinde ­füllen. Foto: Norbert Seidel

Noch ist es sehr ruhig im ehemaligen Waldtheater auf dem Suhler Friedberg. Am Pfingstmontag wird es sich zum Tauffest mit einer feiernden Gemeinde ­füllen. Foto: Norbert Seidel

»Mit dem besonderen Fest am besonderen Ort möchten die Kirchen­gemeinden im Henneberger Land ­interessierten Menschen den Zugang zur Taufe erleichtern«, erklärt Superintendent Martin Herzfeld das An-
liegen. Menschen, die sich schon ­länger mit dem Gedanken tragen, dass sie sich selbst oder ihre Kinder taufen lassen wollen, falle es aus seiner Erfahrung heraus leichter, wenn es dafür auf diese Weise einen Anlass und ein herausgehobenes Fest gibt. »Das Tauffest bietet die schöne Möglichkeit, die Einladung zu Gott und zum Leben zu feiern«, sagt Martin Herzfeld.

Zu den Christvespern 2011 waren im gesamten Kirchenkreis die Einladungen für das zu Pfingsten geplante Tauffest ausgeteilt worden. Es folgte eine Zeit des Gespanntseins, wie groß die Resonanz sein wird. Die Initiatoren sollten nicht enttäuscht werden, denn für dieses Premierenfest gibt es die erfreuliche Zahl von 24 Taufbewerbern. Ein Drittel davon sind Erwachsene, zwei Drittel Kinder. Sie werden gemeinsam bei einem festlichen ­Gottesdienst unter freiem Himmel die Taufe erhalten. Ein idyllischer Rahmen ist in dem 1929/30 erbauten und bis 1978 bespielten Waldtheater vorhanden. Sitzbänke werden aufgestellt und natürlich auch mehrere »Taufsteine«. Das notwendige, Leben spendende Wasser kommt von einer Quelle, die es in unmittelbarer Nähe auf dem Berg gibt.

Eine traditionsreiche Suhler Stätte wird für diesen Anlass also neu mit Leben erfüllt. Und was passt da besser als eine Taufe, denn die Einladung zur Taufe ist Einladung zum Leben: Wer sich taufen lässt, fängt neu an. Das alte Leben wird symbolisch abgewaschen. Und das Leben erhält einen festen Grund, der nie wieder verloren geht, auch nicht in Lebenskrisen. In Vorbereitung auf das Tauffest wurden im Kirchenkreis Glaubenskurse angeboten, in Suhl beispielsweise mit dem ­Titel »Christ werden – Christ bleiben«. Zum Tauffest am Pfingstmontag im Waldtheater auf dem Suhler Friedberg sind neben den Kirchengemeinden auch Gäste herzlich willkommen.
Steffi Seidel

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