»Ein Chorbaum inmitten der Stadt«

29. Juni 2012 von redaktionguh  
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Die Kantorei St. Johannis in Neustadt (Orla) führte vor 100 Jahren erstmals Joseph Haydns »Schöpfung« auf

Es fanden sich fast 850 Zuhörer ein, um das einzigartige Werk zu erleben«, berichtet ein Chronist über das erste Konzert der Kantorei St. Johannis in Neustadt (Orla), in dem vor einhundert Jahren Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« erklang. Dem »vollen Erfolg« sei in 25 Proben eine »äußerst mühevolle Einstudierung« vorausgegangen, heißt es da weiter. Das Jubiläum bietet nun den Anlass, das anspruchsvolle Werk erneut aufzuführen. Der von Anna Mertens geleitete Chor, zu dem heute 43 Sängerinnen und Sänger im Alter von 25 bis 83 Jahren gehören, musiziert dabei gemeinsam mit der Kantorei St. Peter aus Eisenberg und dem Reußischen Kammerorchester Gera.

Die Kantorei St. Johannis in Neustadt (Orla) im Konzert. Foto: privat

Die Kantorei St. Johannis in Neustadt (Orla) im Konzert. Foto: privat

Die Initiative zur Gründung der Kantorei ging im November 1911 von Kantor Albin John aus, der es »im Interesse eines guten Chorgesanges« als wünschenswert bezeichnete, »wenn in den Festmotetten des Kirchenchores neben den Knabenstimmen der Kurrende auch junge Damen mitwirken, um die den Knabenstimmen eigentümliche Schärfe und Härte durch ihren weicheren Klang zu mildern und dem Gesange einen volleren, schöneren Ton zu geben«. Im Einverständnis mit den Vorständen der Gesangvereine »Harmonie« und »Singkränzchen« richte er an die »sehr verehrten jungen Damen die herzliche Bitte, im Kirchenchor mitzuwirken und dadurch das schöne, erhabene Werk eines guten Kirchengesanges fördern zu helfen«. Waren es bei der ersten Probe im November des Jahres noch 20 Damen und 11 Herren, die dem Ruf des Kantors folgten, vermehrte sich die Mitgliederzahl bis zur Aufführung der »Schöpfung« auf 42 Sopran-, 35 Alt-, 16 Tenor- und 12 Bassstimmen.

Anlässlich seines Gründungsjubiläums pflanzte der heute überregional wirkende und ökumenisch ausgerichtete Chor im vergangenen Jahr gemeinsam mit der evangelischen Pastorin Claudia Romisch, dem katholischen Pfarrer und Chorsänger Werner Ciopca und Bürgermeister Arthur Hoffmann inmitten der Stadt einen Chorbaum. So ist die Kantorei in der Stadt fest verwurzelt.

(mvh)

Aufführungstermine: 30. Juni, 19.30 Uhr, Stadtkirche St. Peter, Eisenberg; 1. Juli, 19.30 Uhr, Stadtkirche St. Johannis, Neustadt (Orla), Leitung: Kantor Sven Werner und Kantorin Anna Mertens

Gott kommt zu uns – unverhofft und überraschend!

29. Juni 2012 von redaktionguh  
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Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. / Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. / Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

Evangelisches Gesangbuch 428, Strophe 1

Ja ist denn heut’ schon Weihnachten?« – Diese Frage könnte sich uns stellen, wenn wir am 4. Sonntag nach Trinitatis das Wochenlied aufschlagen. Tatsächlich hat dieses Lied mit seiner Aufforderung »Komm!« recht häufig seinen Platz in der Adventszeit. Warum also gerade jetzt und heute so ein Lied, wo die Temperaturen steigen, jedermann den Sommerurlaub plant und an die Adventszeit wirklich noch überhaupt nicht zu denken ist?

Sebastian Fuhrmann, Kantor in Meiningen

Sebastian Fuhrmann, Kantor in Meiningen

Gott ist überraschend! Er kommt in unsere Welt, auch wenn uns nicht der Sinn danach steht. Dabei haben wir sein Kommen bitter nötig! Hans von Lehndorff dichtete diese Zeile im Jahr 1968, auch heute wirken sie zeitlos. In unser reiches Land, unsere laute Stadt, unser festes Haus und in unser dunkles Herz soll Gott kommen. Man könnte wohl noch hinzufügen: Komm in unsre stolze Kirche!

Hans von Lehndorff durfte persönlich erleben, wie Gott in seine Glaubenswelt ganz ohne Ankündigung – nahezu gegen seinen eigenen Willen – Einzug halten konnte. Als junger Arzt im Zweiten Weltkrieg wurde er eher zufällig durch unerschrockene Christen der Bekennenden Kirche zu einer lebensnahen Frömmigkeit geführt, wie er sie vorher nicht gekannt hatte. Sein Liedtext zeugt von der Bereitschaft, Gottes unerwartetes, überraschendes Wirken im Leben anzunehmen.

Überraschend, das ist auch die Melodie von Manfred Schlenker. Selbst erfahrene Sänger werden beim ersten Singen des Liedes über ein oder zwei Stellen ­stolpern, geradezu streng und spröde mutet das Lied an, komponiert in der alten Kirchentonart Dorisch. Doch beim wiederholten Singen setzt es sich unweigerlich im Ohr fest und klingt in uns weiter – nicht nur in der Adventszeit!
Sebastian Fuhrmann, Kantor in Meiningen

Kultur- und Lebensraum Elbe

29. Juni 2012 von redaktionguh  
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Elbekirchentag: Zum fünften Mal treffen sich Naturschützer, Elbnutzer und Politker

Zum 5. Elbekirchentag am 30. Juni und 1. Juli in Meißen wird auch über die Elbgestaltung diskutiert. Gibt es ein tragfähiges Zukunftskonzept für den Strom?

Den einen galt es als notwendig, den anderen war es ein Dorn im Auge: Das angestrebte Bauwerk über die Elbe wurde von Gemeinden und Gewerbetreibenden angeregt und vorangetrieben. Als es 1893 vollendet wurde, war die Kritik harsch: »Durch den Bau einer Auslegerbrücke hätte man eine noch sicherere und dabei einfachere Konstruktion […] erhalten, deren Umrisse […] in der Landschaft günstiger wirken würden […].« Oder aber: Es »sind viele abfällige Urteile entstanden. Man bedauert, daß die Landschaft durch die Eisenkonstruktion sehr beeinträchtigt sei«. Weiter moniert wurde, dass nur wenig Geld zum Bauen zur Verfügung stand und dass nur ein Abriss Abhilfe verspräche. Anders wäre ein geeignetes Landschaftsbild nicht wiederherzustellen. Das so gescholtene Bauwerk, die Loschwitzer Brücke in Dresden, als »Blaues Wunder« bekannt, steht noch und sie genießt mittlerweile hohes Ansehen. Als ein Wahrzeichen der Stadt war sie 2007 auch für den Preis »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland« nominiert. Ein Sinnbild für die Bedeutung des Lebensraums Elbe?

Ob Meißen, Dresden, Wittenberg, Magdeburg (im Bild) oder Hamburg – historisch bedeutende Städte liegen entlang der Elbe. Foto: grs1305/Pixelio.de

Ob Meißen, Dresden, Wittenberg, Magdeburg (im Bild) oder Hamburg – historisch bedeutende Städte liegen entlang der Elbe. Foto: grs1305/Pixelio.de

Um diese Bedeutung auszuleuchten gehört sicher noch mehr dazu. Die Elbe wird als Wasserstraße genutzt, und auch der Hochwasserschutz erfordert bauliche Eingriffe am Fluss. Das Gewässer gräbt sich immer tiefer in sein Bett. Dies zieht neben dem Absinken des (Grund-)Wasserspiegels auch die dem Fluss benachbarten Auen und landwirtschaftlichen Flächen in Mitleidenschaft. Gleichwohl gehören die naturbelassenen Flusslandschaften mit ihren Uferzonen zu den artenreichen Naturräumen hierzulande. Wer sich der Naturbeobachtung hingibt oder die Elbe als Erholungs- und Freizeitgebiet entdeckt hat, weiß um diese Bedeutung. All diese Beispiele zeigen, wie reichhaltig die verschiedenen Einwirkungen des Menschen auf einen Fluss sein können und welche Möglichkeiten dieser den Menschen bietet.

Gesprächsbedarf im Lebensraum Elbe besteht bei den Themen Schifffahrt, Fischerei, touristische Nutzung, Hochwasserschutz, Erosion der Fluss-Sohle am Mittellauf, Naturschutz, Auenschutz, um nur einige zu nennen. Es geht um Einklang und Widerstreit von ökonomischen, ökologischen, kulturellen und verkehrlichen Zwecken. Dabei wird auch versucht, zukünftige Klimaentwicklungen in die Planungen mit einzubeziehen. Und hier sind wir mittendrin im Kultur- und Lebensraum Elbe. So dynamisch der Fluss ist, so dynamisch sind die unterschiedlichen Bestrebungen, die weitere Gestaltung der Elbe in Angriff zu nehmen. Verschiedene Anschauungen treffen dabei aufeinander. Die Kirchen, Umweltverbände, die Verbände der Binnenschifffahrt, der Häfen, der Verlader und des Tourismus, die Wasserschifffahrtsämter und -direktionen sind einige der beteiligten Akteure. Eine einzige Perspektive wird jedoch keinem Fluss gerecht – der einzigartigen Elbe schon gar nicht. Das »Gesamtkonzept Elbe« der Bundesministerien für Verkehr und Umwelt wie der Wirtschaft lädt zu einem gesellschaftlichen Prozess zur zukünftigen Gestaltung des Lebensraums Elbe ein; die Elbanrainerkirchen haben ein Positionspapier zur Zukunft der Elbe verfasst. Ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Elbe wird wohl nur im konzertierten Vorgehen aller Beteiligten erfolgreich erstellt und umgesetzt werden können. Dadurch erfährt der Lebensraum Elbe seine Bedeutung!

Beim Elbekirchentag in Meißen soll dieser Kultur- und Lebensraum mit zahlreichen Aktionen gewürdigt werden. Zudem wird auch der Diskussion zur weiteren Elbgestaltung und Nutzung des Flusses Raum gegeben.
Jörg Michel

Der Autor ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie Meißen.
www.elbekirchentag.de

Mit Fünfzig auf die Schulbank

27. Juni 2012 von redaktionguh  
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Mit der Ausbildung zum Diakon erfüllt sich für Manfred Popko ein Lebenstraum

Auf seinem täglichen Weg zum Vogelshof, dem Behinderten-Bereich des Wilhelm-Augusta-Stiftes in Schleusingen, hat Manfred Popko gelegentlich auch einen Blick auf Weisheiten am Rande. Mitarbeiterinnen der sozialen Betreuung haben im Gang liebevoll Kalenderblätter drapiert – mit Botschaften weit über den Tag hinaus. Manfred Popko, zuständig vor allem fürs Qualitätsmanagement in diesem Haus, hat darunter einen Lieblingsspruch: »Die Freude an kleinen Dingen bringt uns das große Glück nah.«

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Sie kennen sich gut: Manfred Popko, der angehende Diakon, und Christina Schmidt, Bewohnerin des Wilhelm-Augusta-Stiftes in Schleusingen. – Foto: Karl-Heinz Frank

In der Tat sind es die kleinen Dinge, die die Zufriedenheit im Alltag des studierten Altenpflegers ausmachen. Über Pflegevisiten hinaus zieht es den 51-Jährigen gerade auch in diesen Bereich des Stiftes, das seit über 120 Jahren unter dem Dach der Diakonie älteren, pflegebedürftigen sowie körperlich und geistig behinderten Menschen ein Zuhause gibt. Für ihn ein ganz eigenes Geben und Nehmen, das aus Herz und Seele spricht und sich über den Augenblick hinaus als Impulsgeber speichert. Seit 1984, als er hier seine Arbeit aufnahm, ist das so geblieben. Doch die Ruhe und die geduldige Fürsorge, die Manfred Popko dabei an den Tag legt, machen nur eine Facette seines Wesens aus. Wer genauer hinschaut, erblickt hinter der steten Verantwortung für dieses »Einer trage des anderen Last« und dem Respekt vor dieser Aufgabe ein Stück von dem ideellen Gerüst, das dieses Pensum trägt.

Aus dem vielgestaltigen Zusammenspiel von Lebensgeschichte und Lebenserfahrung heraus ist nachvollziehbar, was es für Popko bedeutet, wenn sich jetzt einer seiner Lebensträume erfüllt: die Ausbildung zum Diakon. Vor dreißig Jahren hatte er dazu schon einmal Anlauf genommen, unmittelbar nach seiner Zeit in der Jungen Gemeinde in Halle-Neustadt. Erzogen in einem christlich-aktiven Elternhaus und hineingewachsen in eine gesellschaftskritische Biermann-Zeit aber überwog damals die Erkenntnis, noch zu jung für diese Aufgabe zu sein. Heute, dreißig Jahre später und um viel praktische Erfahrung im Umgang mit Hilfebedürftigen reicher, genießt er regelrecht seine derzeitige Ausbildung am Diakonischen Bildungsinstitut (DBI) Johannes Falk in Eisenach. Praktisch heißt das für ihn, einmal im Monat freitags und samstags dort die Schulbank drücken, dazu viermal jährlich eine durchgehende Woche, zwei Jahre lang.

Manfred Popko ist überzeugt, dass ihm nichts Besseres widerfahren konnte: »Die Diakonenausbildung stärkt meinen Glauben und gibt mir viel Kraft im Beruf.« Sein christlicher Glaube, das ist für ihn nichts Statisches, er geht einher mit eigener Entwicklung, auch mit Neuinterpretation und Hinterfragen. Nächstenliebe bedeutet für ihn gedankliche Nähe, bedeutet Zuhören, bedeutet, im Alltag seines Senioren-und Pflegeheimes die Latte immer ein Stück über die Standards zu legen. Und es bedeutet ihm viel, vor Ort die Arbeit aus theologischer Sicht verständlich zu machen.

Die erste Prüfung ist gemeistert: »Kommunizieren von Evangelium und christlicher Religion« war das Thema. Der Schleusinger hat es in Form von Mitarbeiter-Andachten praktikabel gemacht. Dass manche seiner Kommilitonen (u. a. aus der Schweiz und aus Hamburg kommend) zwanzig Jahre jünger sind, stört weder ihn noch die anderen. Zu seinem Fünfzigsten hat sich der angehende Diakon mit einer Kawasaki ein bisschen Chopper-Feeling gegönnt. Das taugt, um nach der Arbeit den Kopf freizubekommen.

Hannelore Frank

Das Diakonische Bildungsinstitut Johannes Falk in Eisenach ermöglicht eine Aus- und Weiterbildung in sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufen. Der nächste Kurs zur berufsbegleitenden Diakonenausbildung beginnt im September 2012.

www.dbi-falk.de

Keine Zeit der Waffen

26. Juni 2012 von redaktionguh  
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Frieden ist nicht in Sicht. Nachdem die UN ihre Beobachtermission in Syrien ausgesetzt hat, scheint die Situation noch aussichtsloser. Die Bilder aus den umkämpften Städten sind unerträglich. Warum aber hat Assad noch immer Anhänger? Unter ihnen sind auch viele der zehn Prozent Christen des Landes. Weil in Syrien unter Assad noch eine relative Sicherheit für Religionsgemeinschaften herrscht, so sagte es zumindest der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo. Die Christen fürchten, dass mit dem Sturz des Diktators radikale Muslime das Zepter übernehmen und sie Privilegien und Schutz verlieren. Doch ob die Rechnung aufgeht? Erstens schließen sich immer mehr, vor allem junge Christen den muslimischen Demonstranten an. Zweitens könnte das zögerliche Verhalten die Kirche spalten und zudem den Hass von radikalen Muslimen auf Christen schüren.

Es ist ein Dilemma, in dem die syrische Kirche steckt. Auch der Blick auf die Entwicklungen in den Ländern des »Arabischen Frühlings« nährt keinen Optimismus.

Militärisches Eingreifen wie in Libyen oder in Afghanistan kann keine Lösung sein. Es ist nicht immer klar, wer da wirklich unterstützt wird. Die Geschichte zeigt vielfach, dass unsere Vorstellungen nicht greifen – seien es die vom Sozialismus einst unter der Sowjetmacht in Afghanistan oder heute die von der westlichen Demokratie.

Man könnte träumen von einem Martin Luther King oder einem Gandhi, die sich der Gewalt friedlich entgegenstellen. Christen vielleicht? Da müssten sie weniger Angst haben vor einem ungewissen Danach. Gemeinsam mit Muslimen? Das sind Träume – doch es sind unsere, nicht die der geschundenen Syrer. Deshalb kann jetzt nur die Zeit der Diplomatie sein, nicht der Waffen – und die Zeit des Gebets, nicht der Vorwürfe.

Dietlind Steinhöfel

Orientalische Begegnung

25. Juni 2012 von redaktionguh  
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Migration: Syrische Frauen berichteten über ihre Heimat und ihr Leben in Thüringen


Zu einem syrischen Abend hatte die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein am 8. Juni nach Saalfeld-Gorndorf eingeladen. Er bildete den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, in der Migrantinnen und Migranten ihr Land und ihr Leben vorstellen.

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»Viele Speisen bedeutet viel Liebe.« Die syrischen Frauen kochten für ihre Gäste: Alifa Mero, Hajer Ali und ihre Mutter Faha Suleiman (v. l.). – Foto: Ulrike Eisner

Die Gäste haben sich eingefunden; die Tische sind gedeckt; es riecht nach orientalischen Gewürzen. »In Syrien kocht man zu Festen immer viele Hauptspeisen. Viele Speisen, das bedeutet viel Liebe. Dieser Abend ist eine Liebeserklärung!«, lacht Claudia Penzold, Mitarbeiterin der Gemeinwesenarbeit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein. Sie hatte zusammen mit Frauen aus Syrien zum syrischen Abend ins Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf in Saalfeld eingeladen. Er ist der Auftakt einer Veranstaltungsreihe, in der Migranten mit Einheimischen Lebenserfahrungen austauschen sollen. Und das Interesse ist groß: Mehr als 30 Besucherinnen und Besucher haben sich anlocken lassen. Anhand von selbstgestalteten Schautafeln geben die Frauen einen Einblick in den syrischen Alltag. Die große Politik bleibt an diesem Abend draußen. »Wir wollten einen offenen Abend organisieren und zeigen, was gemeinsam ist, nicht, was uns trennt«, erläutert Claudia Penzold die Idee. Und deswegen sollen die Gäste deren Heimatland vor allem durch die Sinne erfahren.

Beim Essen kommt man miteinander ins Gespräch. Faha Suleiman und ihre Tochter Hajer Ali leben seit Dezember 2010 in Saalfeld. Die sechs Geschwister gehen hier zur Schule, die jüngeren besuchen den Kindergarten. »Wir sind nach Deutschland gekommen, weil wir als Kurden in Syrien nicht einmal Pässe besitzen durften«, erklärt Faha Suleiman. In Saalfeld fühle sie sich sehr wohl, obwohl die Sorge um die Familie in Syrien groß sei. Auch wenn ihre Angehörigen nicht unmittelbar von den Unruhen betroffen seien, schätzt sie die Lage im Land als kritisch ein. »Alles ist durch den Krieg teurer geworden, vor allem Benzin und Lebensmittel. Es ist momentan sehr schwer, in Syrien zu leben«, urteilt sie.

Nach Angaben der Thüringer Landesregierung lebten im Januar dieses Jahres 541 Menschen syrischer Staatsangehörigkeit im Freistaat. Viele haben in den letzten Wochen und Monaten ihre Heimat verlassen und Zuflucht in Deutschland gesucht. Oft sind es Familien mit Kindern, die sich aufmachen, um der Not des Bürgerkrieges zu entgehen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden die Flüchtlinge auf die einzelnen Bundesländer verteilt.
In Thüringen ist Eisenberg der zentrale Anlaufpunkt. Ein Verteilerschlüssel sorgt für die Aufteilung der Migranten auf die Kommunen. Flüchtlinge, die in den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt kommen, finden zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft in Beulwitz eine Wohnung. Dort angekommen, ist Petra Maar vom Landratsamt Ansprechpartnerin für die ersten Belange.

»Integration bedeutet auch immer Teilhabe«, betont Claudia Penzold. Aus diesem Grund haben sich in den letzten drei Jahren vielfältige Projekte mit unterschiedlichen Akteuren entwickelt, die Saalfeldern und Migranten die Möglichkeit geben, aufeinander zuzugehen und Vorurteile abzubauen. So ist aus einem generationsübergreifenden internationalen Kochprojekt in den letzten Jahren ein Kochbuch mit dem Titel »Beulwitz is(s)t – vielfältig und bunt« entstanden. »In Saalfeld haben wir das Glück, ein gut funktionierendes Netzwerk zu haben, an dem sowohl professionelle als auch ehrenamtliche Akteure beteiligt sind«, sagt Claudia Penzold.
Ellen Könneker vom Flüchtlingsrat Thüringen hingegen betont, dass in anderen Landkreisen großer Aufholbedarf besteht, was die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort betrifft. »Die Beratungsstrukturen sind zum Teil sehr dünn, wir haben wenige hauptamtlich qualifizierte Berater«, gibt sie zu bedenken und fügt hinzu: »Es sei denn, man kann sich einen Rechtsanwalt leisten.«
Die 19-jährige Hajer Ali blickt optimistisch nach vorn. »Ich möchte einen guten Schulabschluss machen und später als Journalistin arbeiten«, sagt sie. Integration ist eben auch Zukunft.

Ulrike Eisner

Musizieren vertreibt den Teufel

23. Juni 2012 von redaktionguh  
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Landesposaunenfest: 500 Musiker spielten fröhlich in Nordhausen auf

Wie passend war wieder einmal die Tageslosung: »Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben.« – »Wein haben wir nicht, aber einen guten Korn«, sagte Michael Bornschein. Zum bekannten Nordhäuser Doppelkorn gesellte sich für ein Wochenende der Nordhäuser Doppelklang. »Gott zur Ehre – Den Menschen zur Freude«, lautete das Motto des Landesposaunenfestes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

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Bläserserenade auf dem Theaterplatz Nordhausen: Dirigent Matthias Schmeiß hatte den Überlick. – Foto: Marcus Wiethoff

Rund 500 Bläser kamen dazu am 16. und 17. Juni in der Südharzstadt zusammen, um gemeinsam zu musizieren, das neue Mitteldeutsche Bläserheft zu entdecken und natürlich im ganzen Kirchenkreis Südharz aufzutreten.

Zur Abschlussveranstaltung auf dem Petersberg mit Landesbischöfin Ilse Junkermann glänzte ein Meer aus Blechblasinstrumenten im Sonnenschein. Und viele Gäste kamen, um zuzuhören. Posaunenobmann Pfarrer Stephan Eichner entdeckte einen weiteren Doppelklang: die Blechbläserauswahl mit dem von Kantor Carsten Mieseler dirigierten Chor. »Blasinstrumente sollen ›mobile Orgeln‹ sein und das Singen begleiten, besonders dort, wo man mit einer Orgel normalerweise nicht hinkommt«, sagte er. Freiluftgottesdienste und das Turmblasen seien solche Anlässe. Eichner dankte besonders Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die sich für das Landesposaunenfest in Nordhausen eingesetzt habe. Am Petriturm, unter dem die Chöre spielten, stand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Kirche, in der am 16. Februar 1522 die erste evangelische Predigt in Nordhausen gehalten wurde. »Aber wir haben auch einen guten ökumenischen Doppelklang in unserer Stadt«, betonte Barbara Rinke und zeigte in Richtung Dom, an dem vor 1085 Jahren Nordhausen gegründet wurde.

Mehrfach spielten die Bläserchöre einzeln oder gemeinsam auf öffentlichen Plätzen. Es gab gleichzeitige Bläsergottesdienste in sechs Kirchen. In der Nordhäuser Blasii-Kirche war am Sonnabend der Auswahlchor der EKM zu hören. Er ließ erstmalig die Reformationskantate, die der Hildburghäuser Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik eigens komponiert hatte, erklingen. Zuvor spielten die Posaunenchöre eine Bläserserenade auf dem Theaterplatz, die viele Gäste anlockte. Erfreulicherweise hatte sich exakt zu diesem Zeitpunkt das Regenwetter verzogen. Die Serenade krönte ein Ehrengast: Justus Jonas, Freund Luthers und ein Bürger Nordhausens. Verkörpert wurde er von Superintendent Michael Bornschein, der in Sprache und Verkleidung authentisch wirkte und viel Applaus bekam. Ganz Luthers Freund, hielt er in derben Worten dem Volk den Spiegel vor und forderte zu mehr Gottvertrauen auf. »Zu singen und zu musizieren vertreibt den Teufel und die Angst«, ließ er wissen.

Die Begeisterung vom Landesposaunenfest in der Kornstadt sollen die Bläserinnen und Bläser in ihre Gemeinden tragen – und zum Beispiel dem Aufruf des Posaunenwerks in Deutschland folgen und am 27. Oktober, 17 Uhr, von Türmen und auf Plätzen im ganzen Land spielen und damit im Themenjahr »Reformation und Musik« im Geiste mit den Musikern aus nah und fern verbunden sein. Zudem werden zeitgleich je vier Bläser aus allen Posaunenwerken zu einer zentralen Bläserfeierstunde in die Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg eingeladen.

Marcus Wiethoff

Staffelstab übernommen

23. Juni 2012 von redaktionguh  
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Liebe Leserinnen und Leser,

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Dietlind Steinhöfel

jeder Abschied bedeutet auch einen Neubeginn. Martin Hanusch hatte es in seiner letzten Kolumne als Chefredakteur von »Glaube+Heimat« geschrieben. Nun übernehme ich nach fünf Jahren gemeinsamer Arbeit im fliegenden Wechsel den Staffelstab. Martin Hanusch hat als engagierter Journalist unsere Kirchenzeitung geprägt, streitbare Themen gebracht und die Regionalseiten eingeführt. Wir werden seine Impulse vermissen.

Doch mit den Kolleginnen und Kollegen werde ich weiter die Themen unserer Kirche und unserer Zeit aufspüren, um Sie zu informieren und über diese mit Ihnen zu diskutieren.

Für mich gehört »Glaube+Heimat« zu meinem Leben. Mit 28 Jahren hatte ich hier mein Volontariat absolviert und damit meine journalistische Laufbahn begonnen.

1990 habe ich die Gründung der evangelischen Kinderzeitschrift »Benjamin« angestoßen und war dort zwölf Jahre Chefredakteurin. Danach bot sich ein Betätigungsfeld in der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2007 bin ich wieder in der Weimarer G+H-Redaktion und freue mich vor allem auf jede Begegnung vor Ort in den Gemeinden und die Geschichten, die das Leben dort schreibt. Auch auf Ihre streitbaren Leserbriefe bin ich weiter gespannt!

Ihre Dietlind Steinhöfel

Erbarmen und Herzlichkeit braucht jeder Mensch

22. Juni 2012 von redaktionguh  
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Gib mir durch dein Barmherzigkeit den wahren Christenglauben,
auf dass ich deine Gütigkeit mög’ inniglich anschauen,
vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächsten gleich wie mich.

Evangelisches Gesangbuch 232, Strophe 3

Was ist der Glaube, das Leben, das tagtägliche Tun ohne die Barmherzigkeit?

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Johannes Schymalla, Domkantor in Stendal

Als Vater von einem zweijährigen Sohn erlebe ich, wie mein Sohn auf Menschen reagiert. Menschen, die ihm zugewandt und geduldig sind, die ihm ein Lächeln schenken, und vor allem Menschen, die Wärme und Herzlichkeit ausstrahlen, ziehen ihn an. In ganz kurzer Zeit erspürt er die Situation und schenkt demjenigen großes Vertrauen. Er weiß sich geborgen, weiß sich angenommen und ist glücklich.

Erbarmen und Herzlichkeit braucht jeder Mensch im doppelten Sinne. Wenn wir beides nicht erhalten, werden wir nicht als fühlendes Wesen wahrgenommen, wir empfinden uns als nicht geachtet und resignieren. Können wir keine Herzlichkeit geben und ausstrahlen, können wir nicht herzlich sein, erstirbt ein Teil von uns. Das Lebensfeuer erlischt und wir werden kalt. Mitmenschen fröstelt es bei der Begegnung mit uns, obwohl wir uns vielleicht korrekt verhalten.

Das Gesagte soll jetzt nicht zu einem Friede, Freude, Eierkuchen führen. Wir schütten über alles die Harmoniesoße, und allen geht es gut. Nein! Aber ich denke, bei allen Konflikten und Problemen, die sich ergeben, ist es wichtig, darauf zu achten, nicht zu einem Prinzipienreiter zu werden, der weiß, was gut und böse ist, dem es anscheinend nur um die Sache geht und der dabei den Menschen vor sich nicht mehr sieht.

Menschen machen Fehler. Ja! Aber ohne Erbarmen, Verzeihung und Herzlichkeit wird es keine Annäherung geben.

Wenn Jesus uns etwas aufgetragen hat, dann Barmherzigkeit zu üben, den anderen anzunehmen, so wie Gott uns annimmt.

Johannes Schymalla, Domkantor in Stendal

Zeitgenössische Werke sind Teil eines jeden Programmes

22. Juni 2012 von redaktionguh  
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30 Jahre Collegium Canticum Novum – Jubiläumskonzert in Quedlinburg

Pfingsten des Jahres 1982 fanden sich 16 junge Sängerinnen und Sänger im kleinen Ort Hedersleben am Rande des Harzes zusammen, um eine Chorgemeinschaft zu gründen. Geboren war die Idee in den Jugendsingwochen auf Schloss Mansfeld, die damals unter der Leitung von Carl-Gustav Naumann und Wolfgang Kupke standen. Seither treffen sich die Mitglieder des Collegium Canticum Novum sechs bis acht Mal im Jahr, um an wechselnden Orten miteinander zu singen. Konzerte und musikalische Gottesdienste finden dabei in Dorfgemeinden genauso wie in bekannten Konzertkirchen dankbare Zuhörer.

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Das Collegium Canticum Novum heute – Foto: privat

Mit seinem Namen will der Chor auf das Psalmwort »Cantate Dominum canticum novum« Bezug nehmen wie auch auf Werke zeitgenössischer Komponisten verweisen, die Teil eines jeden Programms sind. Derzeit besteht der Chor aus etwa 40 aktiven Sängerinnen und Sängern. Sie sind in unterschiedlichen Berufen tätig und kommen aus den verschiedenen Regionen vornehmlich der neuen Bundesländer.

Neben den Werken von Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts liegt der Schwerpunkt des Repertoires auf der Musik von 1550 bis 1750. Inzwischen ist der Chor mit seinen A-cappella-Konzertprogrammen, die jährlich wechseln, in nahezu allen Teilen Deutschlands und in der Schweiz zu Gast gewesen. Dazu gehörten unter anderem Auftritte zu Kirchentagen in Erfurt und Leipzig, in der Leipziger Thomaskirche, der Dresdner Kreuzkirche, bei den Merseburger Orgeltagen, Konzerte zu Jubiläen der Johann-Nepomuk-David-Gesellschaft und zu den Feierlichkeiten des 200. Geburtstages von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf bei der Herrnhuter Brüdergemeine, wo ein eigens hierfür komponiertes größeres Werk des Dresdner Komponisten Manfred Weiss uraufgeführt wurde. Konzertreisen auf der Insel Usedom gehören seit vielen Jahren zu den Konstanten der Chorarbeit.

Seit der Gründung des Chores ist Matthias Mücksch sein musikalischer Leiter. Seit 1993 hat er als Kapellmeister an den Sächsischen Landesbühnen Dresden-Radebeul ein umfangreiches Repertoire im Musiktheater- und Konzertbereich dirigiert; inzwischen ist er an diesem Theater auch als Chefdisponent beschäftigt, hat einen Lehrauftrag als Dozent für Orchesterleitung an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und widmet sich der musikalischen Weiterbildung von Kirchenmusikern in verschiedenen Formen.

Cordula Timm-Hartmann

Zu den Jubiläumskonzerten am 23. Juni, 20 Uhr, in der Quedlinburger Stiftskirche St. Servatii (innerhalb des Quedlinburger Musiksommers) und am 24. Juni, 16 Uhr, in der Bernburger Sankt-Bonifatius-Kirche laden die Sängerinnen und Sänger des Collegium Canticum Novum herzlich ein.

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