Musizieren vertreibt den Teufel

23. Juni 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Landesposaunenfest: 500 Musiker spielten fröhlich in Nordhausen auf

Wie passend war wieder einmal die Tageslosung: »Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben.« – »Wein haben wir nicht, aber einen guten Korn«, sagte Michael Bornschein. Zum bekannten Nordhäuser Doppelkorn gesellte sich für ein Wochenende der Nordhäuser Doppelklang. »Gott zur Ehre – Den Menschen zur Freude«, lautete das Motto des Landesposaunenfestes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

mitteldt_26-12_2

Bläserserenade auf dem Theaterplatz Nordhausen: Dirigent Matthias Schmeiß hatte den Überlick. – Foto: Marcus Wiethoff

Rund 500 Bläser kamen dazu am 16. und 17. Juni in der Südharzstadt zusammen, um gemeinsam zu musizieren, das neue Mitteldeutsche Bläserheft zu entdecken und natürlich im ganzen Kirchenkreis Südharz aufzutreten.

Zur Abschlussveranstaltung auf dem Petersberg mit Landesbischöfin Ilse Junkermann glänzte ein Meer aus Blechblasinstrumenten im Sonnenschein. Und viele Gäste kamen, um zuzuhören. Posaunenobmann Pfarrer Stephan Eichner entdeckte einen weiteren Doppelklang: die Blechbläserauswahl mit dem von Kantor Carsten Mieseler dirigierten Chor. »Blasinstrumente sollen ›mobile Orgeln‹ sein und das Singen begleiten, besonders dort, wo man mit einer Orgel normalerweise nicht hinkommt«, sagte er. Freiluftgottesdienste und das Turmblasen seien solche Anlässe. Eichner dankte besonders Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die sich für das Landesposaunenfest in Nordhausen eingesetzt habe. Am Petriturm, unter dem die Chöre spielten, stand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Kirche, in der am 16. Februar 1522 die erste evangelische Predigt in Nordhausen gehalten wurde. »Aber wir haben auch einen guten ökumenischen Doppelklang in unserer Stadt«, betonte Barbara Rinke und zeigte in Richtung Dom, an dem vor 1085 Jahren Nordhausen gegründet wurde.

Mehrfach spielten die Bläserchöre einzeln oder gemeinsam auf öffentlichen Plätzen. Es gab gleichzeitige Bläsergottesdienste in sechs Kirchen. In der Nordhäuser Blasii-Kirche war am Sonnabend der Auswahlchor der EKM zu hören. Er ließ erstmalig die Reformationskantate, die der Hildburghäuser Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik eigens komponiert hatte, erklingen. Zuvor spielten die Posaunenchöre eine Bläserserenade auf dem Theaterplatz, die viele Gäste anlockte. Erfreulicherweise hatte sich exakt zu diesem Zeitpunkt das Regenwetter verzogen. Die Serenade krönte ein Ehrengast: Justus Jonas, Freund Luthers und ein Bürger Nordhausens. Verkörpert wurde er von Superintendent Michael Bornschein, der in Sprache und Verkleidung authentisch wirkte und viel Applaus bekam. Ganz Luthers Freund, hielt er in derben Worten dem Volk den Spiegel vor und forderte zu mehr Gottvertrauen auf. »Zu singen und zu musizieren vertreibt den Teufel und die Angst«, ließ er wissen.

Die Begeisterung vom Landesposaunenfest in der Kornstadt sollen die Bläserinnen und Bläser in ihre Gemeinden tragen – und zum Beispiel dem Aufruf des Posaunenwerks in Deutschland folgen und am 27. Oktober, 17 Uhr, von Türmen und auf Plätzen im ganzen Land spielen und damit im Themenjahr »Reformation und Musik« im Geiste mit den Musikern aus nah und fern verbunden sein. Zudem werden zeitgleich je vier Bläser aus allen Posaunenwerken zu einer zentralen Bläserfeierstunde in die Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg eingeladen.

Marcus Wiethoff

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.