Ein Ort der Faszination

31. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Zum »Kunstgarten« auf dem Johannisfriedhof in Jena kamen auch Künstler aus Erlangen

Es sind jedes Jahr mehr geworden. Zuerst kamen nur die Freunde, jetzt verschicken wir Anmeldungen und müssen auswählen«, schildert Grit Leinen den wachsenden Zuspruch des »Kunstgartens« auf dem Jenaer Johannisfriedhof, den dieser bei Künstlern und Publikum erfährt. Und so strömten auch am vergangenen Sonnabend trotz Regens die Besucher wallfahrtsähnlich an den »besonderen Ort«. Dabei hatten die Beteiligten alle Hände voll zu tun, ihre Bilder und Objekte bei herannahenden Regenwolken mit Planen und Schirmen zu schützen.

Die Idee zum »Kunstgarten« hatte Grit Leinen 2006, als Jena den »Thüringentag« ausrichtete. Statt über fehlende Ausstellungsmöglichkeiten zu klagen, wollte sie mit hiesigen Künstlern etwas tun, das sich vom Kommerz abhebt. Der Johannisfriedhof, diese Oase mitten in der Stadt, schien genau der richtige Ort zu sein, um sich selbstorganisiert zu verabreden. Das Areal wurde dekoriert, an Ständen Selbsthergestelltes angeboten, das Publikum zum Mitmachen angeregt. Das kam gut an.

Die Künstlerin Eve Trzewick (links) im Gespräch mit Christine Theml, die seit 20 Jahren im Jenaer Schillerhaus tätig ist, während der Ausstellung im »Kunstgarten« der Friedenskirche in Jena. – Foto: Jürgen Scheere

Die Künstlerin Eve Trzewick (links) im Gespräch mit Christine Theml, die seit 20 Jahren im Jenaer Schillerhaus tätig ist, während der Ausstellung im »Kunstgarten« der Friedenskirche in Jena. – Foto: Jürgen Scheere

Bettina Kübler, eine Textilgestalterin, die von Anfang an dabei ist, weiß, warum sie nicht auf den Kunstgarten verzichten will: »Das liegt auf der Hand. Der Johannisfriedhof ist einer der wenigen Orte in Jena, der richtiges Flair hat, eine gute Energie. Es macht nicht die Masse, es macht die Qualität.« Für Eve Trzewick, die Schrottcollagen und Fotografien präsentierte, steht der Verkauf nicht im Mittelpunkt: »Es geht um das Lustwandeln in dieser schönen Umgebung, an diesem friedfertigen Ort.« Insgesamt waren Arbeiten von über 30 Künstlern zu sehen. Malerei, Plastik, Schmuck, Textil, Installationen und Filme – jede Sparte hatte ihren Platz.

Von der gerade erst nach Jena gezogenen Handbuchbinderin Marion Günther ist zu erfahren, dass sie der Ruf des Kunstgartens schon in Gotha erreicht habe. Doch sie hätte nicht teilnehmen können, weil nur hiesige Künstler zugelassen sind und der Wohnort ein entscheidendes Auswahlkriterium sei. Sie gestaltet nicht nur fantasievollen Papierschmuck, sondern schreibt auch Gedichte.

Barbara Biegel zeigte Kurzfilme in Slow-Motion-Technik, die sich mit Themen aus der Stadtgeschichte, mit Menschen, Örtlichkeiten und Traditionen beschäftigen. Auch sie ist froh, dabei sein zu können.

Anlässlich der 25 Jahre währenden Städtepartnerschaft zwischen Jena und Erlangen hat Grit Leinen in diesem Jahr außerdem die »Gruppe plus: Andersartig« des dortigen traditionsreichen Kunstvereins eingeladen, dessen Mitglieder von der einzigartigen Atmosphäre des »Kunstgartens« begeistert waren. Unter dem Titel »JENACHVERLANGEN« ist ihnen bis zum 12. August eine Ausstellung im Johannisturm gewidmet. Man traf sich mit den Kollegen zum »Künstlerfrühstück«, um über Arbeitsbedingungen, Projekte und gemeinsame Unternehmungen zu reden. Es ist zu vermuten, dass daraus weitere Ideen erwachsen, die auch Jenaer Künstler nach Erlangen führen.

Das Schöne am Kunstgarten sind nicht nur die Staffeleien und Stände, die auf dem gesamten Gelände des Johannisfriedhofs verteilt sind. Das Schöne ist die Stimmung, das ungezwungene Beieinandersein, das sind die Gespräche und die Aktionen, die sich spontan ergeben. Und so freuten sich auch die Organisatoren, zu denen neben Grit Leinen auch Ralf Kleist von der evangelischen Kirchengemeinde gehörte, als am Nachmittag die grauen Wolken der Sonne weichen mussten.

Doris Weilandt

Vorschulkinder auf Entdeckungsreise in der Kirche

30. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Comments Off

Eltern-Kind-Treff in Roßla führt spielerisch in die Welt des Glaubens

Vor drei Jahren wurde in Roßla ein besonderer Eltern-Kind-Treff etabliert. Das Pfarrerehepaar Folker und Mareike Blischke laden einmal im Monat Kinder zwischen ein und sechs Jahren zu einem Kindernachmittag in das Pfarrhaus, beziehungsweise in das »Haus des Dankens« ein. Es ist ein kirchliches Angebot, das sich an Eltern und Kinder richtet, die bisher keiner Gemeinde angehören, aber etwas über den christlichen Glauben erfahren möchten. »In Kelbra gibt es die evangelische Kindertagesstätte ›Schmidtsche Stiftung‹ und in Sangerhausen die Ökumenische Kindertagesstätte ›Sankt Martin‹. Etwas Vergleichbares besteht in Roßla nicht«, sagt Folker Blischke. »Deshalb wollen wir diese Möglichkeit anbieten, sich mit dem Glauben vertraut zu machen.«

Mareike Blischke mit Puppe Emely begrüßt die Kinder im »Haus des Dankens« und bereitet sie auf die Entdeckungen in der Kirche vor. – Foto: Steffi Rohland

Mareike Blischke mit Puppe Emely begrüßt die Kinder im »Haus des Dankens« und bereitet sie auf die Entdeckungen in der Kirche vor. – Foto: Steffi Rohland

In spielerischer Weise bringt Mareike Blischke den Kindern die christlichen Feste näher. Meist geschieht das mit Bildergeschichten. Aber an diesem Dienstag will sie mit den Kindern und ihren erwachsenen Begleitern auf Entdeckungstour in die Trinitatiskirche gehen. Und es gab noch etwas Besonderes: Zwei Vertreter des Lions-Clubs Rosenstadt Sangerhausen überreichten dem Ehepaar Blischke einen Scheck über 400 Euro. Sie sollen für den Eltern–Kind-Treff verwendet werden, um Mal- und Bastelmaterial oder Spielgeräte zu kaufen. »Wir möchten uns in dieser Form bei Pfarrer Blischke bedanken», sagte Andreas Schlömer, Vorsitzender des Lions-Förderkreises. »Er hatte uns in einem Vortrag ›Die Rolle und Stellung der Kirche in unserer schnelllebigen Zeit und die Verantwortung eines jeden für die Kinder‹ eine interessante Diskussionsgrundlage gegeben.«

Während die Erwachsenen bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen, greifen die Kinder begeistert zu Hula-Hoop-Reifen und Dreirad. Oder sie messen ihre Geschicklichkeit beim Ringewerfen. Die Kinder finden auf diese Art auch am Nachmittag nach dem Besuch der Kindereinrichtungen einen Spielgefährten. Das ist auf den kleinen Dörfern nicht immer der Fall.

Wenig später gibt es im »Haus des Dankens« ein Begrüßungslied. Mit der Handpuppe Emely bereitet Mareike Blischke die Kinder auf die Entdeckungstour in der Kirche vor. Damit die Kinder auch aufpassen, hat sie eine große Kirche auf Papier gemalt und lässt alle bekannten Gegenstände eines Kircheninnenraumes aufkleben. Die spezielle Ausstattung der Roßlaer Trinitatiskirche wie die Orgel, die Emporen und die Kanzelfiguren entdecken die Mädchen und Jungen schließlich mit viel Forscherdrang an Ort und Stelle.

Steffi Rohland

Nur Spaß und Spiele?

29. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Jetzt laufen sie wieder, springen und fechten, schwimmen und reiten, turnen und rudern. Es fliegen Pfeil und Kugel, rollen Bälle, werden Speere geschwungen und Fäuste. Jede Menge Spiel und Spaß soll es geben bis 12. August – in fast 30 Sportarten: Über 10000 Sportler aus 200 Ländern treffen sich in London zu den Olympischen Sommerspielen. Und die Sportbegeisterten aus aller Welt werden mit ihnen fiebern, werden vor Ort oder im Fernsehen Siege bejubeln und mit den Verlierern trauern. Spiele eben.

Doch nach Spaß sieht es nicht aus, wenn im Vorfeld in den deutschen Medien beklagt wird, dass es hierzulande keine Athleten mehr gebe, dass die Zahl der gewonnenen Medaillen seit Jahren abnehme. Von Sportlern war zu hören, die mangelnde Förderung ihrer Disziplin in Deutschland beklagen. Von klaren Medaillenvorgaben für einzelne Sportarten war die Rede – sonst falle nach den Spielen die Förderung ganz weg.

Das Wort vom »Dabei sein ist alles« scheint nicht mehr zu gelten. Der Slogan »Schneller, höher, weiter« scheint zu dominieren. Dabei wissen wir aus Erfahrung, dass staatlich geförderter Sport, wie es zu DDR-Zeiten geschah, zwar viele Siege einbrachte. Aber um welchen Preis. Nicht wenige Sportler bezahlten die Medaillenjagd mit ihrer Gesundheit. Und auch heute ist mancher Athlet bereit, zu unlauteren Mitteln zu greifen um des Sieges willen.

Dabei sollen doch die Spiele ein Wettkampf sein, sollen eben Spaß machen. Und sie werden ein Kräftemessen von Sportlern sein, deren Länder vielleicht politisch schwer miteinander umgehen können. Insofern kann man den Spielen nur wünschen, dass es entspannte Kämpfer gibt, faire Sieger und Trost für die Verlierer. Zumindest die deutschen Sportpfarrer, die mit in London sind, werden dazu einiges anzubieten haben.

Christine Reuther

Er ist barmherzig und sehr gut

27. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

O gläubig Herz, gebenedei und gib Lob deinem Herren!

Evangelisches Gesangbuch 318, Strophe 1, Vers 1

Auf eindrückliche Weise wird hier die Barmherzigkeit, Güte und Zuneigung des Höchsten zu den Menschen gesungen! Die ersten sieben Strophen können sich gar nicht genug daran tun, diese Eigenschaften Gottes und den Umgang mit den Seinen in immer neuen Wendungen zu beschreiben. Die beiden Schlußstrophen gehen von der reinen Betrachtung über in ein Gebet um Aufrichtigkeit und geistliche Erleuchtung.

Gottfried Steffen

Gottfried Steffen

Der böhmische Liederdichter Michael Weisse erweist sich hier als Meister des treffenden Wortes aus gläubigem Herzen. Was er auch in acht weiteren Texten in unserem Gesangbuch tut, etwa dem schönen »All Morgen ist ganz frisch und neu« (EG 440) oder in dem Osterlied »Gelobt sei Gott im höchsten Thron« (EG 103). Es fällt auf, dass in seinem christlichen Lob- und Danklied nirgenwo der Name Jesu Christi erwähnt wird.

Hier bietet der 103. Psalm Erhellung: Es ist unübersehbar, dass er dem Autor als Leitfaden diente, sowohl inhaltlich als auch in der Gestaltung der Strophen.

Diesen ist eine Weise von Michael Prätorius beigegeben, die dem frohen und zugleich meditativen Charakter des Textes entspricht. Interessant wäre, bei der Realisierung des Liedes mal bestimmte Strophen auf Luthers Weise »Nun freut euch lieben Christeng’mein« zu singen.

Nicht ganz leicht hat man es mit dem altertümlichen Wort »gebenedei«, in dieser Formulierung wohl mit »segne« zu übersetzen. Dabei fällt mir ein Erlebnis mit Altkantor Alfred Stier ein, der uns darüber aufklärte, wie wunderbar im Evangelischen Gesangbuch 232, Strophe 1, die drei Töne über dem Wort »Tröster« doch dessen Eigenart ausdrücken würden. Darum: singen Sie doch einfach dieses alte Wort, da blüht es auf und wird schön!

Gottfried Steffen, Kantor i.R. in Sömmerda

Erste Kinderwallfahrt nach Jena-Ziegenhain

25. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Foto: Thomas Beier/TLZ

Foto: Thomas Beier/TLZ

Die Christenlehre-Kinder aus der Jenaer Lutherhausgemeinde unternahmen am 12. Juli eine besondere ­Schul­jahresabschlusswanderung. Als Pilger zogen sie mit Wallfahrtsfahnen durchs Ziegenhainer Tal und standen dabei unter dem Schutz ihrer Pilgermuscheln und unter Aufsicht von Ritter Mutherz von der Kirchburg. Ziel war das Gotteshaus von Ziegenhain. Die Kinder entdeckten hierbei ein Stück Orts- und Kirchengeschichte, denn hier war einst ein berühmter Wallfahrtsort.

Ein Hauch von Ewigkeit

24. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Comments Off

Klosterkirche von Jerichow ist ein Besuchermagnet an der »Straße der Romanik«

Reine Romanik: Blick in die einladende Klosterkirche von Jerichow. Foto: Günter Schau

Reine Romanik: Blick in die einladende Klosterkirche von Jerichow. Foto: Günter Schau

Hier sehen Sie noch Ausmalungen aus der Anfangszeit«, sagt Sonja Reinhardt und deutet auf die Bogenleibungen im Refektorium des Klosters Jerichow. Aufmerksam lauscht die Besuchergruppe aus der Schweiz den Ausführungen der Kirchenführerin. Bis heute verdankt der Ort Jerichow seinen Ruhm vor allem dem Kloster, das in der Spätromanik aus den typischen, vor Ort gefertigten Backsteinen erbaut worden ist.
Auch sonst mangelt es dem Ensemble im Elbe-Havel-Winkel nicht an Superlativen. Die Klosterkirche gilt als der älteste Backsteinbau östlich der Elbe und eine der schönsten Kirchen an der »Straße der Romanik«.
In Reiseführern wird die Anlage gern als eines der bedeutendsten europäischen Ensembles dieser Epoche beschrieben. Reinste Romanik sei hier zu sehen, lobt auch die Kirchenführerin. Bei einem Bauwerks-Ranking hat das Kloster mit drei Sternen sogar das Maximum erzielt. Ein neugestalteter Eingangsbereich sorgt inzwischen für einen angemessenen Empfang der Besucher. Schließlich ist das Kloster eines der Vorzeigeobjekte der Romanikroute, die in Sachsen-Anhalt 80 Kirchen und andere Gebäude miteinander verbindet.

»Rund 36000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Anlage besucht«, erzählt Pfarrer Christoph Enders. Tendenz weiter steigend. Die Besucher informieren sich im Backsteinmuseum über die Geschichte des Backsteines in der Elb-Region und das klösterliche Leben, das es heute nicht mehr gibt. Der Orden der Prämonstratenser gründete das Kloster 1144, vier Jahre später folgte der Neubau an der heutigen Stelle. Damals markierte die nah gelegene Elbe die Grenze zwischen dem unter Otto I. gegründeten Reich und den slawisch besiedelten Gebieten im Osten. Das Kloster Jerichow wurde auf Geheiß des Bischofs von Havelberg gebaut, damit »durch den heiligen Lebenswandel der Brüder jenes schlechte und böse Volk gebessert werden möge«.

Dünn besiedelt ist die Gegend bis heute. Doch dafür hat die Region umso mehr mittelalterliche Baudenkmale zu bieten. »Das ist hier das Burgund Deutschlands«, schwärmt Pfarrer Enders. Von den 400 Kirchen der Altmark ist etwa die Hälfte romanisch geprägt. Auch die Besucher wissen das reiche historische Erbe neben der reizvollen Natur zu schätzen. »Die Schlichtheit der romanischen Kirche und des Kreuzganges ist schon faszinierend«, findet Maria Mund aus ­Ratingen. Einen Schritt weiter geht ein R. Stottmeister aus Düsseldorf in seinem Eintrag im Gästebuch: »Wunderbare Anlage«, steht da zu lesen, »man spürt den Hauch der Ewigkeit.«
Günter Schau

www.stiftung-kloster-jerichow.de

Ausflugsziele in der Umgebung Jerichows

Ein Abstecher in die alte Kaiser- und Hansestadt Tangermünde gehört unbedingt dazu. Aber auch die Dorfkirchen von Großwulkow, Kleinwulkow, Briest, Melkow und Wust sind einen Besuch wert. Wer auf dem Elberadweg unterwegs ist oder auf den Spuren der preußischen Geschichte wandeln will, kommt hier ebenfalls voll auf seine Kosten. Die Kirche in Wust etwa bietet das Grab Hans Herrmann von Kattes, der nach dem Fluchtversuch des Kronprinzen Friedrich 1730 enthauptet wurde. In der Schönhausener Dorfkirche findet sich schließlich die Geschichte der Familie Otto von Bismarcks in Stein gemeißelt, ein Museum informiert zudem über den »Eisernen Kanzler«.
Ein Tagesprogramm für Gemeindegruppen bietet der Geschichtskreis und die Marionettenbühne im Kirchspiel Wulkow-Wust an. Kontakt unter Telefon (039341)406.

Dem Himmel ein Stück näherkommen

24. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Spiritualität: Immer häufiger suchen Menschen Stille und Nähe zu Gott

Es gibt eine tiefe Sehnsucht nach Spiritualität innerhalb und außerhalb der Kirchen.  Menschen sind auf der Suche nach emotionaler und geistiger Autonomie als Schutz gegen das hektische und unsichere Leben. Zwei Frauen erzählen von dieser Suche.

Kloster oder Jakobsweg – so verschieden die Menschen, so unterschiedlich ist ihre Suche nach innerer Balance. Foto: Bilderbox.com

Kloster oder Jakobsweg – so verschieden die Menschen, so unterschiedlich ist ihre Suche nach innerer Balance. Foto: Bilderbox.com

Eines Abends schloss ich auf dem Weg zu einem Seminar das Burgtor hinter mir. Ich fühlte mich geborgen im Schutze der Burg, und in mir breitete sich ein tiefer Friede aus. Der Alltag mit all seinen Zwängen blieb draußen«, erklärt Christine Marbeiter, Chefsekretärin an der Münchner Uniklinik, die Wirkung, die die thüringische Burg Bibra immer wieder auf sie hat. Regelmäßig schließt sie die Welt für ein Wochenende aus, um bei den Seminaren von Elisabeth Freifrau von und zu Bibra zu sich und zu Gott zu finden. Seit vielen Jahren steht der Termin fest in ihrem Kalender. Auf der Burg kommen Menschen zusammen, berichtet sie, die Probleme in Ehe, Familie oder Beruf haben, die in Lebens- oder Glaubenskrisen stecken, einfach nur Ruhe suchen oder ihre Gottesbeziehung beleben möchten. Immer wieder einmal sind auch Atheisten dabei, die sich auf die Bibelarbeit einlassen.

Bei einem Frauenfrühstück im bayerischen Ottobrunn hatte Christine Marbeiter Frau von Bibra kennengelernt. »Ich begriff damals sofort: Diese Frau kann mir etwas geben, denn was sie sagt und lebt, ist überzeugend. Sie ist authentisch und lebensbejahend, ohne die Wirklichkeit auszublenden. Im Laufe der Jahre hat sich meine Gottesbeziehung intensiviert, aus der heraus ich auch meinen Alltag gestalte. Ich gehe Schritte, die ich ohne Bibra wahrscheinlich nicht gegangen wäre. Ich habe unendliches Vertrauen in diesen großen Gott«, beschreibt die 59-Jährige ihren persönlichen Wandel im Laufe der Jahre.

Ihr Leben sei entspannter geworden, sie lebe nicht mehr aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen. Heute, sagt sie, treffe sie ihre Entscheidungen vor und mit Gott und dann stehe sie auch dazu. »Ich bin selbstverantwortlicher geworden.«

Einen ganz anderen Weg suchte Susanne Pautz-Nissen (49) aus dem thüringischen Kleinwenden (Kirchenkreis Südharz) für sich. Die bei der Stadt Sondershausen angestellte Architektin ging in die Welt hinaus und wanderte einen Teil des Jakobspilgerweges. Dabei bezeichnet sie sich selbst nicht als Weltenbummler, sportlichen oder ausgesprochen religiösen Menschen. Das Buch des ­Komikers und Entertainers Hape Kerkeling hatte sie 2010 zur Pilgerreise motiviert. Sie hätte sich bewusst für die kalkulierbare Herausforderung entschieden.

Etliche Aufschneider seien ihr auf dem Weg begegnet, die sich mit Kilometern und der Zahl ihrer Pilgerreisen brüsteten. »Dabei muss sich doch jeder von uns über das freuen, was seinen eigenen Zielen entspricht«, entrüstet sie sich. »Ich selbst war immer wieder stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Die Zeit des stillen Wanderns, die abendliche Meditation in den Kirchen, die teils intensiven Gespräche in den Herbergen werde ich nie vergessen. Rückblickend bin ich wohl seitdem im Alltag etwas ­gelassener geworden. Vielleicht auch, weil ich festgestellt habe, dass ich mit meinem Leben, so wie es ist, zufrieden bin. Ich habe viel über meine ­Familie und mein berufliches Leben nachgedacht in dieser Zeit«, sagt sie gedankenverloren.

»Auf jeden Fall werde ich so etwas noch einmal machen, dieses Mal den weniger belaufenen portugiesischen Weg.«

Die eine zurückgezogen mit hochgeschätzter Gesprächspartnerin, die andere in der Welt unterwegs, allein mit sich selbst – der Unterschied könnte kaum größer sein. Und doch haben beide auf ihre Art Ängste abgebaut und Vertrauen in Gott oder sich selbst gefunden. Gestärkt und gelassener sind sie in den Alltag zurückgekehrt.

Regina Englert

Friedemann Witting gewählt

23. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

Comments Off

Friedemann Witting

Friedemann Witting

Gotha (mkz) – Im Rahmen einer Kirchenkreis-Sondersynode wurde am 10. Juli ein neuer Superintendent für den Kirchenkreis Gotha gewählt. Die Synodalen gaben mit großer Mehrheit dem einzigen Kandidaten, Oberpfarrer Friedemann Witting, ihre Stimme. Die Wahl war nötig geworden, da der derzeitige Superintendent Michael Lehman am 1. August als Personaldezernent ins Landeskirchenamt wechselt. Witting wird Mitte Oktober in sein Amt eingeführt. Bis dahin wird er die Geschäfte kommissarisch leiten.

Friedemann Witting wurde 1970 in Schleiz geboren. Er studierte in Jena und Kiel Evangelische Theologie und begann 1996 sein Vikariat in Arnstadt. 1998 wurde er in die Pfarrstelle Goldbach im Kirchenkreis Gotha entsandt, die er bis jetzt innehat. Pfarrer Witting ist verheiratet und hat vier Kinder. Als Oberpfarrer vertrat er während einer Vakanz in den Jahren 2008/2009 schon einmal den Superintendenten. Der Theologe ist zudem Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerkes Gotha.

Nasse Füße bei der »Schöpfung«

23. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Gemeindeleben: Südharzer Bibelolympiade lockte am 15. Juli Kinder und Erwachsene

Der Kirchenkreis Südharz veranstaltet seit fünf Jahren eine »Bibelolympiade«. ­Gemeindepädagoginnen und ­ehrenamtliche Helfer entwickeln hierzu anhand biblischer Geschichten sportliche Disziplinen.

Ich bin ein Bibelentdecker, dem Geheimnis auf der Spur. Meine Tour führt mich heute durch Geschichten, ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus …«, so klang es am vergangenen Sonntag aus 235 Kehlen beim Eröffnungsgottesdienst des Kirchenkreis-Familientages mit 5. Südharzer Bibelolympiade in Haynrode. Biblische Geschichten wurden hier an 30 Stationen mit Wissen und Geschicklichkeit verbunden. Bis zu 50 Kilometer waren die Kindergruppen und ­Familien dafür angereist.

Bibelolympiade: Kinder und Wasser ist immer ein großer Spaß. Foto: Ines Delert

Bibelolympiade: Kinder und Wasser ist immer ein großer Spaß. Foto: Ines Delert

Großen Spaß hatten sie an diesem Tag zum Beispiel mit der Schöpfungsgeschichte. Hierbei musste nach dem Vorlesen der Bibelgeschichte Wasser mit Suppenkellen aus einem Bottich geschöpft werden. Es galt, die am Grund liegenden Steine, das »Land«, trockenzulegen. Im Eifer des Gefechts wurde beim Schöpfen zum Leidwesen mancher Eltern und zur Freude der Kinder keine Rücksicht auf eigene oder fremde Schuhe genommen. Anschließend musste die zuvor gehörte Geschichte noch einmal nacherzählt werden. Einige Gruppen entwickelten richtige Wettkampfstrategien. Wie die Mädchenmannschaft vom KILA (Nordhäuser Kinderladen), die vorab eine spezielle Geschichtenerzählerin ausgewählt hatte.

Wirklicher Bibelentdecker war bei der Bibel-Olympiade in Wahrheit jedoch manch Erwachsener, der eigentlich nur in Begleitung der Kinder mitgekommen war. Besonders fiel dies bei der gemischten sechsköpfigen Gruppe aus Wernigerode, Hauröden und Bleicherode auf. Während Justin (8) die Bibelgeschichten ohne zu zögern nacherzählte, die er doch alle schon aus »Reli« kannte, staunte Vater Veit Teichmüller, der seinen Sohn Yanneck (8) begleitete, über die Kenntnisse der Kinder.

»Für mich waren die meisten Geschichten neu, ich bin kein Kirchgänger. Aber die Kinder …«, wiederholte er staunend, »einfach toll. Und was die Kleinen mit acht und neun Jahren schon alles beim Bibel-Quiz wussten – große Klasse. Wir haben 90 von 100 Punkten bekommen!« Auch Vater ­Michael Hesse musste eingestehen, dass die eigene Christenlehre doch ­einige Zeit zurückliege und er im Gegensatz zu den Kindern schon richtig habe nachdenken müssen. Einziger Wermutstropfen war für manche Eltern, dass alle Kinder dieselben ­Auf­gaben erledigen mussten. So Kleine sollten schon drei Minuten lang eine Ein-Liter-Flasche am ausgestreckten Arm halten. Das sei ungerecht, monierte Yannecks Vater mit einem Zwinkern im Augenwinkel.

»Viele Eltern kämpften wie die Löwen um die Punkte ihrer Kinder«, bestätigte Jonas Echtermeier (13), der als Konfirmand Disziplin Nummer sieben betreute: Krafttraining mit »Simson«, eben jene Wasserflaschen. Die Kinder hingegen sahen das Ganze recht entspannt. Ihnen hat es einfach nur Spaß gemacht. Der siebenjährige Leonardo Hofer fand das Flaschenheben sogar am besten. Alle, bis auf die dreijährige Greta, hätten es geschafft, das sei doch toll. Nur als Team kamen sie bei den Spielen ans Ziel. Dieses gemeinschaftsbildende Erlebnis wird sicherlich positiv in den Kinderstunden nachwirken.
»Auch, wenn wir klein sind, zusammen schaffen wir schon was«, strahlte Leonardo auf dem Nachhauseweg und hielt dabei seinen soeben gewonnenen Leuchtstein fest in der Hand.

Regina Englert

Vorbilder und Geschäft

23. Juli 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Die Identifikation mit einem Vorbild löst nach dem Psychoanalytiker Sigmund Freud einen psychodynamischen Prozess aus. Das Lernen am Vorbild kann positive Effekte haben, sofern das Idol mit den entsprechenden Eigenschaften ausgestattet ist.

Die Vorbilder heute sind vor allem Stars, Schauspieler, Fußballer – aber auch Kirchengrößen wie Papst Johannes Paul II. Politiker haben weniger Chancen, zum Idol aufzusteigen. Eine Ausnahme bildet Nelson Mandela. Er wird nicht nur in seiner Heimat Südafrika hoch geschätzt. Aber vor allem dort.

Was ist jungen Menschen wichtig an ihren Vorbildern? Sind es besonders hervorragende Charaktereigenschaften: ein fester Glaube bei dem einen, ein unbestechliches Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit bei dem anderen? Oder ist es der Wunsch, wie ein Star berühmt und schön zu sein und reich zu werden? Die Motivation zur Auswahl ist wohl heute wie früher immer sehr unterschiedlich gewesen.

Aber eines hat sich offensichtlich geändert: Sind Menschen für andere anziehend, ist sofort eine Industrie da, die daraus Kapital schlägt. So lässt sich, wie der Evangelische Pressedienst meldete, mit Fan-Artikeln von Nelson Mandela, der jetzt 94 Jahre alt wurde, viel Geld verdienen (s. Seite 2). Der erste schwarze Präsident des Landes, der Freiheitskämpfer, der fast 20 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hat, wird zur Ware. Was bleibt von seiner Botschaft? Was verinnerlichen jene, die ein Mandela-Shirt tragen oder aus einer Mandela-Tasse trinken? Erinnern sie sich mit jedem Schluck Kaffe an das Anliegen des Kämpfers gegen die Apartheid in ihrem Land?

Immerhin wirbt ein neu gegründetes Unternehmen, das unter der Häftlingsnummer Mandelas firmiert, für ihre Produkte mit Zitaten aus seiner Autobiografie. Ein paar Inhalte sind gut fürs Geschäft …

Dietlind Steinhöfel

nächste Seite »