Ein neues Dach für die Kirche

28. August 2012 von redaktionguh  
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Zuchau feiert mit Mitmach-Gottesdienst die Wiedereinweihung

»Es standen Leute da, die ich noch nie gesehen hatte!« Pfarrer Ulf Rödiger staunte über die wohl 20 Frauen und Männer aus Zuchau, die nach dem Sanierungsende anpackten und die Kirche für den Einweihungsgottesdienst sauber machten. 68 der 320 Bewohner von Zuchau bei Calbe sind Gemeindeglieder. Aller vier Wochen ist Gottesdienst in der etwa tausendjährigen Kirche St. Laurentii mit ihrem markanten, sogenannten Sachsenturm. Einmal im Monat trifft sich der Gemeinde- bzw. Seniorenkreis. Der Vorschulkreis des Kirchspiels im Saale-Elbe-Winkel kommt in Zuchau zusammen.

Die tausendjährige Kirche in Zuchau mit neuem Dach und neuem Kreuz auf dem Vorbau. Der Sachsenturm trägt traditionell kein Kreuz. – Foto: privat

Die tausendjährige Kirche in Zuchau mit neuem Dach und neuem Kreuz auf dem Vorbau. Der Sachsenturm trägt traditionell kein Kreuz. – Foto: privat

Dabei war die Kirche gut ein Jahr lang Baustelle, weil die Dächer von Turm und Schiff saniert werden mussten. »Nach dem barocken Umbau 1739 waren die stabilisierenden Andreaskreuze nicht mehr intakt; die Nordwand war um etwa einen halben Meter herausgeschoben. Deshalb mussten jetzt Zuganker eingebaut werden«, erläutert Ulf Rödiger, warum das Dachdecken keine einfache Aufgabe war. Zudem verzögerten sich die Bauarbeiten wegen dringenderer Aufträge der Firma immer wieder. Doch am Johannistag feierte die Gemeinde die Wiedereinweihung mit einem Mitmach-Gottesdienst.

Das ist eine sehr spontane Art, den Gottesdienst zu feiern, die die Gemeinde aus der Zuschauerrolle holt und aktiv werden lässt. Die Idee dazu brachte Viola Otto mit, eine junge Mutter, die in das alternde Dorf zog, in der Kirche Anklang fand und andere junge Mütter aktivieren konnte, erzählt Ulf Rödiger. Außerdem initiierte sie die Mitmach-Konzerte, in denen Zuchauer für Zuchauer spielen. Das gefällt so gut, dass es inzwischen zweimal jährlich zu erleben ist – Akkordeon, Keyboard, Geige erklingen.

Und so war dann auch der Einweihungsgottesdienst ein Mitmach-Konzert, zu dem der Pfarrer den geistlichen Inhalt beitrug. Andere bereicherten ihn mit Informationen über die Bräuche zur Sommersonnenwende. Und die ganze Gemeinde freute sich über das neue Antependium, das Viola Otto nach Hinweisen von Pfarrer Rödiger auf weißen Damast gemalt hatte. Das alte wirkte inzwischen zu schäbig, fand sie und bot (preiswerte) Abhilfe an. Das Eindecken des Altars gehörte, getreu der Mitmach-Idee, zum Gottesdienst.

Die gut 142000 Euro teuren Bauarbeiten, die die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler mit 15000 Euro unterstützte, bescherten Zuchau ein Kreuz auf der Vorhalle, in der Vorhalle eine neue Deckengestaltung, die Sanierung der Dächer und die Sicherung des Kirchenschiffes. Weitere Geldgeber waren der Kirchenkreis Egeln, die Lotto-Gesellschaft und das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten. Doch es muss weitergehen. Im nächsten Jahr sollen die Entwässerung des Kirchplatzes und die Trockenlegung der Kirche folgen. Das Schiff soll den – seit Jahrunderten fehlenden – Putz bekommen. Und in einem nächsten Bauabschnitt ist an die Wiederherstellung des Sternenhimmels an der barocken Tonnendecke gedacht.

Die Erfahrungen mit dem ersten Bauabschnitt lassen Pfarrer Rödiger hoffen, dass über den Kirchenbau die Gemeinde wächst und die Arbeit mit den Familien weitergeht. Viola Ottos Tochter Lilli Fee ist jedenfalls dabei: Die Schulanfängerin träumt davon, dass die Orgel wieder spielt und sammelt dafür Geld in ihrer Sparbüchse.

Renate Wähnelt

Eine gute Verbindung

28. August 2012 von redaktionguh  
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Wittenberg: Geschäftsstelle der Lutherweg-Gesellschaft am 16. August eröffnet

Für Reiner Haseloff ist der Lutherweg ein idealer Werbeträger für das Reformationsjubiläum 2017. Deshalb eröffnete der sachsen-anhaltische Ministerpräsident am 16. August in Wittenberg nicht nur die neue Geschäftsstelle der Lutherweg-Gesellschaft. Der CDU-Politiker übernahm auch die Schirmherrschaft über den 410 Kilometer langen Lutherweg durch Sachsen-Anhalt, der seit 2008 auf einer Nord- und einer Südroute mit über 40 Stationen die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg miteinander verbindet. Tourismusverbände, Kommunen und Kirchen arbeiten hier, gefördert vom Land, zusammen. Dass Pilgern im Trend liegt, weiß Haseloff, und er selber begibt sich manchmal auf den Weg, der Landschaft mit Geschichte verbindet. Von dessen Weiterentwicklung erhofft er sich langfristige Auswirkungen. »Ich wünsche dem Lutherweg alles Gute«, so der Ministerpräsident. »Ich bin gerne Schirmherr.«

Sie werben für die Jubiläen im Land: Ministerpräsident Reiner Haseloff (Mi.), der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig (li.) und Pfarrer Jürgen Dittrich (re.) bei der Eröffnung der Geschäftsstelle der Lutherweg-Gesellschaft. Der Kirchenpräsident hat gegen die Hitze beim Wandern Abhilfe im Gepäck: einen Fächer, der zudem an das diesjährige 800-jährige Bestehen Anhalts erinnert. – Foto: Thomas Klitzsch

Sie werben für die Jubiläen im Land: Ministerpräsident Reiner Haseloff (Mi.), der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig (li.) und Pfarrer Jürgen Dittrich (re.) bei der Eröffnung der Geschäftsstelle der Lutherweg-Gesellschaft. Der Kirchenpräsident hat gegen die Hitze beim Wandern Abhilfe im Gepäck: einen Fächer, der zudem an das diesjährige 800-jährige Bestehen Anhalts erinnert. – Foto: Thomas Klitzsch

Dass der »kleinere Bruder des Jakobsweges« an Gewicht gewinnt, freut auch Jürgen Dittrich. Der frühere Ballenstedter Kreisoberpfarrer ist seit dem Frühjahr der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft. Dass die neue Geschäftsstelle nun in Wittenberg in der Lutherstraße 17 ihren Sitz hat, nennt er einen erfreulichen Zufall. Dittrich will sich unter anderem der thematischen Profilierung der Stationen widmen.

Laut Satzung ist es Zweck der Lutherweg-Gesellschaft, »für die Förderung und Pflege der Lutherwege in Deutschland Sorge zu tragen«. Mitglieder können natürliche und juristische Personen werden. Derzeit sind es nach Angaben von Dittrich 17, unter ihnen Kirchen, Tourismusverbände, Kommunen, aber auch Einzelpersonen. Die Leiterin der Tourismusinformation in Zerbst, Viola Tiepelmann, überbrachte die Nachricht, dass die Stadt der Lutherweg-Gesellschaft beitreten wolle. Vereinsziele sind unter anderem die Vernetzung der authentischen Lutherstätten, geistliche Angebote auf dem Lutherweg zu unterbreiten sowie zur Pflege der Kultur des Landes und der Heimatgeschichte beizutragen.

Einer der Urheber des Lutherweges ist der im Juni dieses Jahres verstorbene Landwirt Wolf von Bila aus Wohlsdorf bei Köthen. Er wandte sich im August 2006 an die Landeskirche Anhalts mit dem Vorschlag, die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg mit einem Pilgerweg zu verbinden. Mit seiner Beharrlichkeit vermochte er zu überzeugen. 2007 konstituierte sich ein landeskirchlicher Arbeitskreis. Am 28. März 2008 wurde in Höhnstedt bei Eisleben der Lutherweg für Sachsen-Anhalt eröffnet, am 5. November 2008 die Lutherweg-Gesellschaft gegründet.

Inzwischen haben andere die Idee aufgegriffen – zuerst Thüringen. Der Thüringer Lutherweg, der bei Stolberg im Harz an den sachsen-anhaltischen Weg anschließt, soll einmal rund 900 Kilometer lang werden. Auch im Freistaat Sachsen ist die erste Etappe von Torgau nach Bad Düben eröffnet worden; 300 Kilometer sind vorgesehen. Im September wird eine rund 80 Kilometer lange Pilgerstrecke im Raum Coburg in Bayern eröffnet. In Hessen gründet sich im September ein Trägerverein, der den Lutherweg von Worms nach Eisenach ausarbeiten will.

Der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig sieht im Lutherweg zudem ein verbindendes Element zwischen den Bundesländern, dass sich weiter entfalten kann. Die Kirchengemeinden entlang der Strecke müssten sich auf die unterschiedlichen Menschen einstellen und die Kirchen zuverlässig offen halten. Hier sei Gastfreundschaft gefragt.

Angela Stoye

www.lutherweg.de
www.lutherweg-thueringen.de
www.lutherweg-sachsen.de

»Wir wissen, wie Deutschland tickt«

27. August 2012 von redaktionguh  
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Bibelmobil: Wo Informationen rund um Glauben, Bibel und Reformation an die Menschen gebracht werden


Seit 20 Jahren tourt das Bibelmobil durchs Land und schreibt Erfolgsgeschichte – die finanziell dennoch immer wieder am seidenen Faden hängt.

Naemi Weigel staunt beim Blick durch das Mikroskop. Mit bloßem Auge sind auf dem kaum postkartengroßen Filmstück nur graue Blöcke zu erkennen. Doch nachdem Mutter Carina sie hochhebt, entpuppen sich unter der Vergrößerung die Blöcke als Ansammlung von Tausenden geordneten Buchseiten. »Die kleinste Bibel der Welt«, verkündet Stephan Naumann. »Mikrofiche« heißt der Fachausdruck für so ein Filmstück, auf dem die ganze Bibel Platz findet. Sozusagen als Gegenbeispiel zur Miniaturisierung legt Stephan Naumann die Nachbildung einer hebräischen Schriftrolle auf den Tisch.

Naemi Weigel und ihre Mutter Carina aus Grünstädtel im Erzgebirge staunen beim Blick durch das Mikroskop im Bibelmobil. Sie besuchten den rollenden ­Infostand bei der Bad Blankenburger Allianzkonferenz. – Foto: Harald Krille

Naemi Weigel und ihre Mutter Carina aus Grünstädtel im Erzgebirge staunen beim Blick durch das Mikroskop im Bibelmobil. Sie besuchten den rollenden ­Infostand bei der Bad Blankenburger Allianzkonferenz. – Foto: Harald Krille

Mikroskop, Bibel-Mikrofiche und Schriftrolle gehören zur umfangreichen Ausstattung des Bibelmobils der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Der umgebaute Doppeldeckerbus tourt seit 20 Jahren durch ganz Deutschland. In seinem Inneren finden sich Sachinformationen rund um die Bibel, Bücher zum Thema und im Oberdeck ein Kinoraum, in dem etwa die Filme zu den 10 Geboten gezeigt werden.

Seit neuestem ist der Bus als »Reformationsmobil« unterwegs. Unter anderem mit dem funktionsfähigen Nachbau einer Druckerpresse aus Gutenbergs Zeiten und einer großen Holztür, an der die Besucher ihre Thesen zu Kirche und Gesellschaft nageln können. »Wir wollen den Zusammenhang von Bibel, Glauben, Reformation und Martin Luther nicht nur auf der Hochebene von Theologie, Philosophie vermitteln, sondern auch die ›normalen‹ Menschen auf der Straße erreichen«, betont Dirk Möller von der Geschäftsstelle des Bibelmobils.

Bibelmobil-Mitarbeiter Stephan Naumann bringt es auf den Punkt: »Wir wissen, wie Deutschland in Sachen Glauben tickt, weil wir im ganzen Land unterwegs sind, in Schulen, Fußgängerzonen und auf Marktplätzen.« Dass sich kaum jemand für den Glauben interessiere, sei Blödsinn. Allerdings müsse es die Kirche noch lernen, Atheisten auf Augenhöhe zu begegnen. Selbst dem kämpferischen Atheismus geht es zumeist um die Kritik an der Institution Kirche, wobei nicht zwischen evangelisch und katholisch unterschieden werde. »Die Gottesfrage ist dagegen oft offen«, weiß Naumann. Erschwert würden die Gespräche durch die vor allem im Osten verbreitete Wissenschaftsgläubigkeit, »aber bisweilen auch durch ›bibeltreue‹ Christen, die wissenschaftliche Erkenntnisse nicht wahrnehmen wollen«.

Die Statistik dieser »Volksmission« im besten Sinne kann sich sehen lassen: Möller verweist auf rund 115 Einsatztage und 16000 Besucher pro Jahr. Wobei nur die gezählt werden, die im Rahmen von Schulprojekten oder Straßeneinsätzen zum Gespräch oder zu Unterrichtseinheiten in den Bus kommen. Eindrücklich sind allerdings auch die Kosten: »Jeder Einsatztag kostet uns real 1600 Euro«, sagt Möller und rechnet vor, dass neben den Mitarbeitern ja auch Diesel, Unterhaltskosten, TÜV und Versicherungen hinzukommen. Die einladenden Gemeinden zahlen aber nur einen Bruchteil dessen. Das Gros der Kosten wird von der EKM, der sächsischen Landeskirche, der kleinen anhaltischen Kirche und vielen Spendern und Sponsoren getragen.

Dennoch bleibt jedes Jahr eine neue Zitterpartie. »Wir leben von der Hand in den Mund«, sagt Möller lakonisch. Zwar gebe es immer wieder viel Schulterklopfen, doch wenn es dann um die konkreten Zuschüsse ginge … Umso dankbarer sei man etwa für die jährliche EKM-weite Kollekte oder für die Hilfe des Fördervereins. Zu den nächsten Einsätzen in Mitteldeutschland gehört vom 7. bis 9. September der »Tag der Sachsen« in Freiberg und am 21. September der Besuch in der Evangelischen Schule in Mühlhausen.

Harald Krille

www.bibelmobil.de

Vom Gotteslob zur Unbeschwertheit

26. August 2012 von redaktionguh  
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Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein.
Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein.
Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß …
Evangelisches Gesangbuch 289, Strophe 1

Mögen Sie Herausforderungen? Das Wochenlied des Theologen Johann Gramann aus Königsberg stellt uns eine solche für die nächsten Tage.

Frank Plewka, Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM

Frank Plewka, Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM

Um 1530 formuliert er im Auftrag des Herzogs Albrecht von Preußen und in Anlehnung an den Psalm 103: »Nun lob mein Seel, den Herren.« Eine schwere Aufgabe, die uns mit der ersten Strophe des Liedes aufgetragen ist. Gerade auch deswegen, weil wir Menschen uns nicht so gern sagen lassen wollen, was wir zu tun haben. Wir modernen und oftmals profitorientierten Menschen fragen sofort »Warum?« und »Was bekomme ich dafür?«.

Gramann beantwortet diese Fragen. Wir sollen nicht im Sinne von Gewinnoptimierung in Vorleistung treten, um nachträglich etwas erwarten zu können. Nein, wir sollen den Herrn loben für das, was wir bereits erhalten haben und weiterhin bekommen werden. Im weiteren Verlauf der Strophe gibt er uns dafür einige Bespiele: »Sein Wohltat tut er mehren … Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß …«

Angesichts persönlicher und weltweiter Sorgen und Problemen ist uns zwar nicht immer zum Loben zumute, aber wir dürfen es lernen. Die Melodie von Hans Kugelmann kann uns dabei unterstützen. In ihrem schwingenden Takt hilft sie, den schweren Tritt zu verlassen und ermutigt, die Sorgen um unser Leben abzugeben. Weil wir wissen, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, dürfen wir die unbeschwerten Seiten des Lebens entdecken und genießen und dürfen unseren Lebensweg leicht und behände gehen. Und daraus kann unser Dank entstehen, der uns zu lobenden Menschen werden lässt. Jeden Tag neu!

Frank Plewka,
Landesposaunenwart im Posaunenwerk der EKM

Angemessen?

25. August 2012 von redaktionguh  
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Die Geschichte um den Prozess gegen die jungen Frauen der russischen Band »Pussy Riot« ist eine Geschichte der Unangemessenheiten. Das beginnt für manchen sicher schon beim Namen der Band, der übersetzt »Muschi-Aufruhr« lautet. Ohne Zweifel unangemessen war auch ihr Auftritt am 21. Februar dieses Jahres in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Ein Protest gegen den erneut zur Präsidentenwahl sich stellenden Wladimir Putin und die ihn unterstützenden Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche sollte das »Punkgebet« werden. Doch ob der Wortwahl – unter anderem war von der »Scheiße des Herrn« die Rede – fühlten sich Gottesdienstbesucher zu Recht vor den Kopf gestoßen. Wobei man freilich auch fragen muss, ob die massive orthodoxe Wahlhilfe für den umstrittenen Alleinherrscher Russlands angemessen war?

Dass der Staat Weltanschauungen, Religionen und deren Ausübung ebenso wie die Freiheit der Kunst unter seinen besondern Schutz stellt, ist durchaus angemessen. Davon profitieren auch wir in Deutschland. Es sei nur an die Serie von Gottesdienststörungen vor einigen Jahren durch einen Berliner Wirrkopf und seine Helfershelfer erinnert. Auch sie fanden sich zu Recht vor den Schranken des Gerichts wieder.

Als völlig unangemessen muss man aber die monatelange Untersuchungshaft der jungen Frauen in Moskau und ganz und gar die vom Gericht verhängte Strafe von zwei Jahren Arbeitslager empfinden. Und sicher auch die Reaktion von Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche, die im Vorfeld lautstark eine harte Bestrafung forderten. Dass aus gleicher Richtung nun die Forderung nach »Begnadigung« kommt, kann man als erstes Zeichen für einen endlich angemessenen Umgang mit dem Vorgang betrachten. Oder auch als einen fiesen Propagandatrick. Hoffen wir, dass sich diese Einschätzung auch als unangemessen erweist.

Harald Krille

»Dass ich hier Sitzfleisch habe«

25. August 2012 von redaktionguh  
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Kirchenkreis: Der neue Superintendent ist in und um Gotha kein Unbekannter


Die Sondersynode des Kirchenkreises Gotha wählte Friedemann Witting mit großer Mehrheit am 10. Juli zum Superintendenten. Nach zehn wechselvollen Jahren soll er nun Ruhe in das Amt bringen.

Oberpfarrer Friedemann Witting ist ein Mann mit analytischem Blick und klaren Vorstellungen. Dabei wirkt er durchaus jungenhaft. Ihm ist bewusst, was von ihm als neuen Superintendenten erwartet wird: »Dass ich hier Sitzfleisch habe.« Denn in den vergangenen zehn Jahren gab es aus unterschiedlichen Gründen mehrere Wechsel im Amt, sodass die Synode durch die Wahl des 42-jährigen Theologen auf Kontinuität hofft. Außer der erhofften Kontinuität zeichnetet den künftigen Superintendenten noch etwas anderes aus. Der Pfarrer kennt den Kirchenkreis Gotha gut und sieht sein Potenzial. »Das Spannende ist die ländlich geprägte Struktur im Zusammenspiel mit einer Stadt wie Gotha, die als Residenzstadt Akzente setzt.« Die Stadt an der A 4 sei wirtschaftlich gut aufgestellt und habe so auch demografisch weniger Probleme. »Wenn man hier Kirche gut vertritt, hat sie auch eine Perspektive«, ist er sicher.

Auch wenn Friedemann Witting erst im Oktober offiziell in sein Amt eingeführt wird, kümmert er sich bereits um die Geschäfte. – Foto: Dietlind Steinhöfel

Auch wenn Friedemann Witting erst im Oktober offiziell in sein Amt eingeführt wird, kümmert er sich bereits um die Geschäfte. – Foto: Dietlind Steinhöfel

Seit 1998 hatte Witting die Pfarrstelle in Goldberg inne und manche älteren Kollegen haben ihn schon als Vikar erlebt. All die Jahre habe er aus der Sicht des Dorfpfarrers geschaut. Nun sei eine übergreifende Perspektive angesagt. Immerhin begleitet er alle Veränderungen schon länger als Vorsitzender des Strukturausschusses der Kreissynode. Er verschließt nicht die Augen vor den Entwicklungen in der Gesellschaft, die auch auf die Kirche Einfluss haben, die nach seiner Beobachtung aber noch nicht wirklich wahrgenommen werden. »Das Gemeindeverständnis ist sehr in Bewegung geraten, da fehlen uns die richtigen Antworten«, betont Friedemann Witting. Die Leute seien mehr an Projekten und Themen interessiert, suchen sich ihre Gemeinden selbst. »Wir müssen unser Kirche-Sein anders verstehen. Wohn- und Meldeort sind nicht mehr zwingend der Ort, wo man sich als Christ hinorientiert und als Kirchenmitglied engagiert. Wir haben die Lebenswirklichkeit der Menschen noch lange nicht verstanden«, ist seine Analyse. Dabei werde aus landeskirchlicher Perspektive die Netzwerkkirche noch nicht als etwas Positives wahrgenommen.

»Ich träume davon, dass sich ein Kirchenkreis als Gemeinde versteht«, sagt er. Wer mitarbeitet – haupt- oder ehrenamtlich – solle hinter einem gemeinsamen Arbeitsprojekt stehen und einem gemeinsamen Verständnis von Kirche. Das »Personal«, das die Botschaft weitergibt, ist ganz entscheidend. Ihm müsse man abspüren, dass Christ-Sein mit Nähe zu tun hat, mit Hoffnung, mit Liebe, mit Freude. Deshalb sei es ihm wichtig, in den öffentlichen Raum zu gehen, wie in die Polizeiseelsorge, in die Schule.

Im Landkreis Gotha gehören 25 Prozent der Kirche an. Aber auch für die anderen 75 Prozent müsse Kirche da sein. »Wenn wir überzeugend in dieser Welt präsent sind, werden die Leute die einladenden, offenen Türen wahrnehmen.«

Der designierte Superintendent erwartet auch von der Landeskirche mehr Verständnis für die Basis. Wenn jetzt schon wieder davon geredet würde, dass man größere Einheiten im Blick auf die Kirchenkreise braucht, verunsichere das nur. Kirche habe was mit Beheimatung zu tun, und dafür seien große Strukturen nicht geeignet. Es würde viel zu viel über Geld und Strukturen geredet. Er wünsche, viel stärker die missionarische Arbeit zu fördern, sprich zu finanzieren.

Friedemann Witting ist anzumerken, dass er mit seiner ganzen Person Pfarrer ist. Dabei sei das gar nicht sein erster Studienwunsch gewesen. In DDR-Zeiten habe er als Pfarrerssohn und jemand, der nicht der sozialistischen Jugendorganisation FDJ angehörte, keine andere Chance gehabt. Er hätte sich zunächst für Germanistik und Bibliothekswissenschaften interessiert. Doch als am Ende der Bausoldatenzeit 1990 alle Möglichkeiten offen standen, »war mir klar, dass ich Pfarrer werden will«.

Für die evangelische Kirche hat Gott hier eine gute Entscheidung getroffen. Das bestätigt auch der zuständige Regionalbischof, Propst Reinhard Werneburg: »Friedemann Witting ist auf der einen Seite sehr bodenständig, auf der anderen hat er einen weiten Blick in die vielen Arbeitsbereiche unserer Kirche. Ich schätze seine hohe Verlässlichkeit und die Beharrlichkeit, mit denen er einmal beschlossene Vorhaben umsetzt.«

Noch wohnt er in Goldbach und fährt bei gutem Wetter die sieben Kilometer mit dem Fahrrad ins Büro, mit Helm versteht sich. »Ohne Helm lässt mich meine Frau nicht raus«, sagt er verschmitzt. Schließlich müsse er Vorbild sein für seine vier Kinder. Und die freuen sich schon auf die Wohnung in Gotha, weil dann der Schulweg kürzer ist.

Dietlind Steinhöfel

Verabschiedung von Superintendent Michael Lehmann, 26. August, 17 Uhr, Augustinerkirche

Familienbildungshaus in Sausedlitz wird im September eingeweiht

22. August 2012 von redaktionguh  
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Foto: Andreas Bechert

Foto: Andreas Bechert

Der Termin für die Einweihung des neuen Familienbildungshauses an der Kirche in Sausedlitz im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch rückt näher. Am 21. September soll es soweit sein. Dieser Tage nahmen die Elektriker die letzten Installationen vor. Fast alle Räume sind komplett ausgestattet und erstrahlen im neuen Glanz. Im Haus stehen nun 13 Schlafräume und drei Seminarräume zur Verfügung. Hinzugekommen ist auch eine moderne Küche samt Ausstattung. Doch auf dem Außengelände gibt es noch einiges zu tun.
So muss zum Beispiel ein neuer Holzzaun gebaut werden, um die Einfriedung des Geländes zu komplettieren, und es muss aufgeräumt werden. Superintendent Christian Stawenow hat deshalb für dieses Wochenende freiwillige Helfer zum Arbeitseinsatz »Zaunbau und Freizeit« eingeladen.

Im Geschichtsbuch geblättert

21. August 2012 von redaktionguh  
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Die Gemeinden Untermaßfeld und Obermaßfeld feierten ihr 1175-jähriges Jubiläum

Die Gemeinden Untermaßfeld und Obermaßfeld blicken auf ihre 1175-jährige Geschichte zurück. Dieses Jubiläum wurde in Obermaßfeld Ende Juli begangen, die Untermaßfelder feierten Anfang August. Auf dem Programm standen Festgottesdienste, Vorträge und ein Festumzug.

Geschichtsunterricht auf unterhaltsame Art: Festumzug in Obermaßfeld-Grimmenthal. Foto: Wolfgang Swietek

Geschichtsunterricht auf unterhaltsame Art: Festumzug in Obermaßfeld-Grimmenthal. Foto: Wolfgang Swietek

Hinsichtlich ihrer Geschichte berufen sich die beiden Orte Obermaßfeld und Untermaßfeld auf dieselbe Urkunde, denn zur Zeit ihrer Gründung gab es die Unterscheidung zwischen Ober- und Untermaßfeld noch nicht. Damals war nur von Maßfeld, richtiger Mahesfeld, die Rede. Erst später wird deutlich, dass Untermaßfeld gemeint ist, wenn es um die Gerichtsbarkeit, das Amt Maßfeld, geht. Im Herrschaftssitz der Henneberger Grafen, dem Wasserschloss, der heutigen Justizvollzugsanstalt, wurde Gericht gehalten für die gesamte Region. Selbst wer in Meiningen mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, wurde im Amt Maßfeld, also in Untermaßfeld, verurteilt. Übrigens nicht nur während der Zeit der Hexenverbrennungen, ein Tatbestand, der dem Berg oberhalb des Bahnhofes bis heute seien Namen Hexenberg verliehen hat.
Bevor beide Orte eigenständig wurden, verliefen manche Entwicklungen in den ersten Jahrhunderten ähnlich. Kirchengeschichte und Geschichte der Dorfentwicklung waren oft eng miteinander verknüpft. So profitierten beide Gemeinden von der strengen Gläubigkeit des regierenden Henneberger Grafen, der im Jahr 1498 das benachbarte Grimmenthal zu einem bedeutenden Wallfahrtsort ausbaute. Von den Einnahmen wurden in den drei Nachbarorten Einhausen, Ober- und Untermaßfeld imposante Brücken über die Werra gebaut – noch heute in diesen Orten die einzige Flußquerung. Nur sind im Gegensatz zur damaligen Zeit beim Betreten der Brücken keine Zölle mehr zu entrichten. Von Untermaßfeld ist überliefert, dass der Brückenwärter lange Zeit so viele Einnahmen erzielte, dass davon nicht nur die Brücke erhalten, sondern etliche Bauten wie Schule und Gemeindeamt errichtet werden konnten.

»Am 15. August 837 wird erstmals ein Ort ›Mahesfeld‹ im Grabfeld erwähnt. Wenn auch letztlich nicht eindeutig zu bestimmen ist, ob sich diese Nennung auf Ober- oder Untermaßfeld bezieht, so ist doch sehr wahrscheinlich die Entstehung beider Orte so eng miteinander verknüpft, dass wohl beide mit einem gewissen Recht dieses Jubiläum für sich in Anspruch nehmen«, hatte Martin Heinze, der langjährige Pfarrer von Untermaßfeld, in seiner Schrift »Die Kirche gehört ins Dorf« geschrieben.
Hier wurde der berühmte Minnesänger Wolfram von Eschenbach zum Ritter geschlagen, wie es im Lied vom (Sänger-)Krieg auf der Wartburg (wohl um 1250) berichtet wird. Das Wohl und Wehe beider Orte ist mit der Geschichte der Grafen von Henneberg verbunden. Bauernkrieg und Dreißigjähriger Krieg brachten teils große Verwüstungen über die Orte, die sich nur langsam davon erholten. Erst zwei Jahrhunderte später erreichten sie wieder ihre ursprüngliche Größe.

Bedeutende Kirchenmänner hatten viele Jahre in Untermaßfeld die Pfarrstelle inne. So wird berichtet, dass Friedrich Schiller 1783 während seines Aufenthaltes im nahen Bauerbach engen Kontakt mit dem Magister Johann Christoph Rasche hielt, der von 1763 bis 1805 Pfarrer in Untermaßfeld und als Theologe wie als ­Numismatiker in ganz Europa bekannt war.
Wie in einem lebendigen Geschichtsbuch konnten die Besucher während des Festumzuges in Obermaßfeld-Grimmenthal blättern – Geschichtsunterricht auf unterhaltsame Art. Dargestellt wurden historische Ereignisse und Daten wie die Gründungszeit der Orte um 800 durch ­Besiedlung fränkischer Stämme und das Jahr 837, als ein »Mahesfelder« ­seinen Besitz dem Kloster Fulda schenkte.

Wolfgang Swietek

Diasporahilfe gewährleistet

20. August 2012 von redaktionguh  
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Nachdem der Landeskirchenrat der EKM dem »Gustav-Adolf-Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen« seine Auflösung zum 1. August mitgeteilt hatte, legte dessen Vorstand Widerspruch ein. Dietlind Steinhöfel sprach mit dem Vorsitzenden des neuen GAW der mitteldeutschen Kirche, Propst Reinhard Werneburg.

Propst Werneburg

Propst Werneburg

Herr Werneburg, es gibt sowohl in der einstigen Kirchenprovinz als auch in Thüringen noch ein Gustav-Adolf-Werk (GAW), aber auch eins der EKM. Wie ist das einzuordnen?
Werneburg:
Der Superintendentenkonvent hat sich vergangenes Jahr deutlich dafür ausgesprochen, die Gustav-Adolf-Werke unserer Landeskirche zusammenzuführen. Auf diese Forderung hin ist durch eine Arbeitsgruppe der Zusammenschluss versucht worden. Der ist jedoch nicht zustande gekommen. Nun hat sich am 3. März in Lützen das GAW für die EKM gegründet. Am 26. April war die kons­tituierende Sitzung. Inzwischen ist die Satzung bestätigt und das Werk im Vereinsregister eingetragen. Im Oktober werden wir auf einer Klausursitzung die inhaltliche Strategie festlegen.
Das GAW der KPS wird seine Auflösung im September beschließen. Es ist folgerichtig, dass wir in der gemeinsamen Kirche ein gemeinsames Werk bilden.
Das GAW unterstützt evangelische Minderheitskirchen weltweit. Das GAW der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat seine Geschäftsstelle in Leipzig. In den Landeskirchen gibt es sogenannte Hauptgruppen. Diese waren in unseren ehemaligen Landeskirchen unterschiedlich organisiert. In der KPS gab es einen eingetragenen Verein, in Thüringen ein unselbstständiges Werk der Landeskirche.

Der Thüringer Vorstand hat Sorge, dass die Aufgaben, die er bisher erfüllt hat, nicht mehr geleistet werden. Ist das so?
Werneburg:
Natürlich werden die Diasporakirchen nicht im Regen stehen gelassen. Jährlich wird ein Projektkatalog im GAW der EKD ­erarbeitet. Hierfür sammeln die Diasporakirchen vor Ort wichtige Vorhaben. Die Hauptgruppen der Landeskirchen können eigene Schwerpunkte setzen, das betrifft die Auswahl der Länder und die Art der Projekte, also soziale, diako­nische oder missionarische. Die Hauptgruppen der EKD arbeiten gut zusammen.
In unser Werk sind natürlich alle zum Mittun eingeladen.

Wie ist das GAW der EKM strukturiert?
Werneburg:
Wir haben einen Vorstand und die Mitgliederversammlung. Das sind Einzelpersonen, ­Kirchengemeinden und Kirchenkreise. Alle Superintendenten streben die Mitgliedschaft ihrer Kirchenkreise an. Das müssen jedoch die Kreissynoden entscheiden. Inzwischen sind rund 20 Kirchenkreise Mitglied. Einmal im Jahr zum Jahresfest wird die Mitgliederversammlung einberufen. Im nächsten Jahr haben wir das auf den mitteldeutschen Kirchentag in Jena gelegt, auch um das GAW und sein Anliegen vorzustellen. Zur Herbstsynode soll der Vorstand durch die Landesbischöfin eingeführt werden.

Kirche am See

20. August 2012 von redaktionguh  
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Seelsorge: Für einen Urlaub in der Campingkirche braucht man Mut und Offenheit

Seit etwa 20 Jahren gibt es die »Campingkirche« in der Nähe von Eisenach am Altenberger See.

Mit dem Krümelmonster und Kermit können Christiane Herger (links) und Nadine Schneider auch auf biblische Entdeckungstour gehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Mit dem Krümelmonster und Kermit können Christiane Herger (links) und Nadine Schneider auch auf biblische Entdeckungstour gehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Die Wartburg und Eisenach, die Drachenschlucht und Schloss Wilhelmsthal: Lohnenswerte Ausflugsziele sind vom Campingplatz am Altenberger See zu erreichen. Von Wald umgeben ist der See eine Oase. Seit rund 20 Jahren bietet er noch eine andere Besonderheit während der Sommerferien: die Campingkirche – ein Partyzelt mit Stühlen, einem Tisch am Rand des Platzes. Christiane und Joachim Herger aus Gotha gehören ­einer evangelischen Freikirche an und verbringen hier zum zweiten Mal ihren Urlaub, um Gästen ein Angebot der Stille, des Gesprächs und der Seelsorge zu machen.
»Es gehört Mut dazu, sich auf so einen Campingplatz zu begeben und in der Öffentlichkeit zu sagen: Wir sind hier Kirche«, sagt Pfarrer Matthias ­Ansorg, zu dessen Aufgaben dieser Arbeitszweig des Gemeindedienstes der mitteldeutschen Kirche (EKM) gehört. Doch die Hergers, denen für eine Woche Diakonin Nadine Schneider (33) zur Seite steht, sehen das gelassen. »Gott überlastet uns nicht«, so der 49-jährige Industrieelektroniker.

Den Anstoß, den Urlaub auf diese Weise zu verbringen, gab ihm ein Kollege. Dieser kannte die »Kirche unterwegs« von Kurhessen-Waldeck am Edersee und vermittelte den Kontakt. »Dort war ein großes Team von neun Leuten zwischen 17 und 65«, sagt ­Herger. Vor dem ersten Einsatz habe er ­einen Workshop besucht, sich mit Fragen der Kurzpredigt und der Arbeit mit Kindern befasst. Im Jahr darauf hätten sie sich umgeschaut, ob es nicht in Thüringen etwas in der Art gäbe, und sind auf die Zeltkirche am Altenberger See gestoßen.

»Ich habe große Freude daran, Menschen von Christus zu erzählen«, sagt Joachim Herger. Er selbst habe schwere persönliche Zeiten durchlebt und sei von Christus befreit worden. »Ich weiß, wovon ich spreche«, betont er. Und er möchte Menschen, die Gottes Liebe nicht kennen, eine Tür öffnen. Christiane Herger, die 45-jährige Musiklehrerin, sieht das genauso. Sie hörten von echter Not bei Menschen, die mal so vorbeikommen. »Wir können anbieten, dass Jesus hilft. Und wenn Gott angefangen hat, wird er auch weitertun«, ist sie sich sicher.

Den Hergers selbst ist die eigene Seelenpflege genauso wichtig. »Wenn ich morgens nicht bete und in der ­Bibel lese, dann fehlt mir die Kraft für den Tag«, bekennt Joachim Herger. Den morgendlichen Lobpreis brauchen sie. Und den Frieden unter­einander und mit Gott, ergänzt seine Frau. Zudem solle man nicht zu hohe Erwartungen haben. Es kommen nicht die Massen, aber doch am Morgen immer ein paar Kinder. Am Abend zum Kino die Erwachsenen.

»Wir planen Angebote«, so Christiane Herger, »aber das ist nur eine Seite. Die andre ist, was Gott tut. Die Leute gehen vorbei, lesen den Aufsteller. Es ergibt sich ein Fünf-Minuten-Seelsorgegespräch oder nur so ein Gespräch. Das macht 50 Prozent der Kontakte aus.« Die Leute sind offen und neugierig. Es fällt auch mal ein Satz wie: »Ich bin zwar evangelisch, aber nicht so schlimm gläubig.«

Vormittags zur Kinderzeit werden biblische Geschichten erzählt – sehr lebendig. Da wird schon mal ein Schlauchboot geholt, um die Sturmstillung zu demonstrieren – allerdings nicht auf dem Wasser, das sei zu gefährlich. Nadine Schneider und Christiane Herger agieren oft mit Kermit und dem Krümelmonster, die den Kindern aus der Sesamstraße bekannt sind. Es ist zu spüren, dass sie diese Aufgabe gern tun. Matthias Ansorg sieht allerdings, dass es für die Ehrenamtlichen ein großer Aufwand ist. »Ich sage ­ihnen immer, dass sie auch Urlaub machen sollen.«

Ursprünglich ist die Campingkirche am Altenberger See aus dem Verein »Kirche unterwegs« erwachsen. Der Imker Dieter Kremerskothen kam aus Hessen nach Thüringen und kannte diese Art Urlauberbe­treuung. Anfang der 1990er Jahren stieß er die Vereinsgründung an. Die Campingplatzbetreiber am Altenberger See waren und sind sehr aufgeschlossen. Der Verein stemmte die ersten Jahre die Initiative allein. Nun hat der Gemeindedienst die Organisation in der Hand. Ansorg sucht immer wieder Menschen, die sich dafür begeistern lassen. »Jeder kann es auf seine Weise machen.« Nadine Schneider nennt die wichtigsten Gaben: »Man braucht Zeit, ein offenes Ohr und ein weites Herz.«
Dietlind Steinhöfel

www.campingkirche.de

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