Ein neues Dach für die Kirche

28. August 2012 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Zuchau feiert mit Mitmach-Gottesdienst die Wiedereinweihung

»Es standen Leute da, die ich noch nie gesehen hatte!« Pfarrer Ulf Rödiger staunte über die wohl 20 Frauen und Männer aus Zuchau, die nach dem Sanierungsende anpackten und die Kirche für den Einweihungsgottesdienst sauber machten. 68 der 320 Bewohner von Zuchau bei Calbe sind Gemeindeglieder. Aller vier Wochen ist Gottesdienst in der etwa tausendjährigen Kirche St. Laurentii mit ihrem markanten, sogenannten Sachsenturm. Einmal im Monat trifft sich der Gemeinde- bzw. Seniorenkreis. Der Vorschulkreis des Kirchspiels im Saale-Elbe-Winkel kommt in Zuchau zusammen.

Die tausendjährige Kirche in Zuchau mit neuem Dach und neuem Kreuz auf dem Vorbau. Der Sachsenturm trägt traditionell kein Kreuz. – Foto: privat

Die tausendjährige Kirche in Zuchau mit neuem Dach und neuem Kreuz auf dem Vorbau. Der Sachsenturm trägt traditionell kein Kreuz. – Foto: privat

Dabei war die Kirche gut ein Jahr lang Baustelle, weil die Dächer von Turm und Schiff saniert werden mussten. »Nach dem barocken Umbau 1739 waren die stabilisierenden Andreaskreuze nicht mehr intakt; die Nordwand war um etwa einen halben Meter herausgeschoben. Deshalb mussten jetzt Zuganker eingebaut werden«, erläutert Ulf Rödiger, warum das Dachdecken keine einfache Aufgabe war. Zudem verzögerten sich die Bauarbeiten wegen dringenderer Aufträge der Firma immer wieder. Doch am Johannistag feierte die Gemeinde die Wiedereinweihung mit einem Mitmach-Gottesdienst.

Das ist eine sehr spontane Art, den Gottesdienst zu feiern, die die Gemeinde aus der Zuschauerrolle holt und aktiv werden lässt. Die Idee dazu brachte Viola Otto mit, eine junge Mutter, die in das alternde Dorf zog, in der Kirche Anklang fand und andere junge Mütter aktivieren konnte, erzählt Ulf Rödiger. Außerdem initiierte sie die Mitmach-Konzerte, in denen Zuchauer für Zuchauer spielen. Das gefällt so gut, dass es inzwischen zweimal jährlich zu erleben ist – Akkordeon, Keyboard, Geige erklingen.

Und so war dann auch der Einweihungsgottesdienst ein Mitmach-Konzert, zu dem der Pfarrer den geistlichen Inhalt beitrug. Andere bereicherten ihn mit Informationen über die Bräuche zur Sommersonnenwende. Und die ganze Gemeinde freute sich über das neue Antependium, das Viola Otto nach Hinweisen von Pfarrer Rödiger auf weißen Damast gemalt hatte. Das alte wirkte inzwischen zu schäbig, fand sie und bot (preiswerte) Abhilfe an. Das Eindecken des Altars gehörte, getreu der Mitmach-Idee, zum Gottesdienst.

Die gut 142000 Euro teuren Bauarbeiten, die die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler mit 15000 Euro unterstützte, bescherten Zuchau ein Kreuz auf der Vorhalle, in der Vorhalle eine neue Deckengestaltung, die Sanierung der Dächer und die Sicherung des Kirchenschiffes. Weitere Geldgeber waren der Kirchenkreis Egeln, die Lotto-Gesellschaft und das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten. Doch es muss weitergehen. Im nächsten Jahr sollen die Entwässerung des Kirchplatzes und die Trockenlegung der Kirche folgen. Das Schiff soll den – seit Jahrunderten fehlenden – Putz bekommen. Und in einem nächsten Bauabschnitt ist an die Wiederherstellung des Sternenhimmels an der barocken Tonnendecke gedacht.

Die Erfahrungen mit dem ersten Bauabschnitt lassen Pfarrer Rödiger hoffen, dass über den Kirchenbau die Gemeinde wächst und die Arbeit mit den Familien weitergeht. Viola Ottos Tochter Lilli Fee ist jedenfalls dabei: Die Schulanfängerin träumt davon, dass die Orgel wieder spielt und sammelt dafür Geld in ihrer Sparbüchse.

Renate Wähnelt

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