Bewahrung einer Kostbarkeit

31. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Dankgottesdienst anlässlich der Restaurierung der Marienkapelle in Christes

Die aus dem 15. Jahrhundert stammenden, mit Kalkfarben aufgetragenen Wandbilder in der Marienkapelle sind der größte Schatz der ­Kirche zu Christes (Kirchenkreis Henneberger Land). Blickfang dort ist eine Darstellung der Mutter Maria, die das Jesuskind an ihrer Brust nährt. Weitere Heilige säumen die Wände des kaum zehn Quadratmeter großen Raumes. Fachleute schwärmen von einem wahren Kleinod. Für dessen Fortbestand wurde in den vergangenen Monaten gesorgt – im Zuge komplizierter Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen.

Die Marienkapelle verkörpert den vermutlich ältesten Teil des Gotteshauses. Dieses wurde um 1440 errichtet – finanziert aus den reichlich sprudelnden Einnahmen, die der »Christusborn«, ein angeblich wundertätiger Brunnen, dem Ort bescherte.

Außer einigen Kirchgängern aus dem Dorf waren es in jüngerer Zeit vor allem Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und Restauratoren, welche die Marienkapelle aufsuchten. Dies dürfte sich ändern, wenn in Kürze ein 2010 begonnenes Restaurierungsprojekt abschließt und die Marienkapelle für Besucher geöffnet wird.

Diplomrestauratorin Susan Nitsche bei Retuschearbeiten. Foto: Jürgen Glocke

Diplomrestauratorin Susan Nitsche bei Retuschearbeiten. Foto: Jürgen Glocke

Wer klare und kontrastreiche Darstellungen in frischen, leuchtenden Farben erwartet, könnte enttäuscht sein. Eine Übermalung wäre nach Meinung von Experten an der restauratorischen Aufgabe vorbeigegangen. Vielmehr hatten sich die Erhaltungsmaßnahmen in dem »einmaligen und nahezu unberührten Kleinod« darauf konzentrieren müssen, schädigende Faktoren einzudämmen, ein günstigeres Raumklima zu schaffen und bedrohte Teile der Malereien zu sichern. Eingegriffen wurde dabei hauptsächlich dort, wo die Lesbarkeit der Malerei gestört war. Im Ergebnis findet der Betrachter einen Kompromiss vor, allerdings einen, der die Patina der Geschichte bewahrt. Wer etwas Zeit mitbringt und sich mit dem Werk ­beschäftigt, wird erkennen, dass die behutsamen lokalen Eingriffe der ­Restauratorin Susan Nitsche an den Fehlstellen in Putz-, Tünch- und Malschichten durchaus ein besseres Gesamtbild geschaffen haben. Dieses ist zudem dank konservatorischer Maßnahmen langfristig geschützt.

Der zu bewältigende Handlungsumfang war immens, der Zustand der mittelalterlichen Wandmalereien desolat. Als Hauptfeind wurde die hohe Feuchtigkeit im Raum ermittelt. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere die Bau- und Gemäldesubstanz schädigende Einflüsse wie Schmutz, Abwitterung, Mauerwerksbewegungen, Kritzeleien, Algen, Bakterien, Übermalungen und Hausschwamm festgestellt. Erschwerend kam hinzu, dass mehrere Farbschichten und Darstellungsebenen übereinander lagen.

Als Erstes galt es, die Schadursachen zu eliminieren, insbesondere das Eindringen von Feuchtigkeit durch Einbau eines neuen Fußbodens zu verhindern. Erst dann folgten weitere Arbeitsschritte wie die Konservierung des Malereibestands, Schließung der Fehlstellen, Oberflächenreinigung, Überarbeitung ästhetisch störender alter Kittungen sowie die ­Aufstellung eines konservatorischen Pflegeplans.

Mit einem Dankgottesdienst am Reformationstag, um 14 Uhr will die Kirchengemeinde Christes im Beisein von Pröpstin Marita Krüger und Superintendent Martin Herzfeld den ­Abschluss der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten in der Marien­kapelle feiern. Und allen danken, die mit Tat und Geld zum Gelingen beitrugen. Dazu zählen nicht zuletzt ­Zuschussgeber wie die Kirchliche ­Stiftung Kunst- und Kulturgut in der ­Kirchenprovinz Sachsen, das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Schmalkalden-Meiningen und die Gemeinde Christes. Den Gesamtkostenaufwand der Arbeiten 2011 und 2012 bezifferte Gemeindepfarrerin Silke Sauer auf mehr als 90000 Euro.

Jürgen Glocke

Miteinander statt Konkurrenz

30. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Ehrenamt: In Kirche und Diakonie haben sich Haupt- und Ehrenamt in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert

Das Priestertum aller Getauften ist ein Kern reformatorischer Lehre. Doch die Praxis hat manche Tücken.

Wenn die Evangelische Landeskirche Anhalts am Reformationstag in der Paulus­kirche Dessau-Roßlau Ehrenamtliche mit dem »Anhalter Kreuz« auszeichnet, ist das für die Geehrten und die Landeskirche ein Festtag und die öffentliche Würdigung eines Amtes, das oft im Stillen ausgeführt wird. Ob als Lektor, Mitglied im Gemeindekirchenrat, ob im Besuchsdienst, im ­Kindergottesdienst, als Kirchenführer oder in der Seelsorge – nicht nur in Anhalt, auch in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sind in Kirche und Diakonie ungezählte Menschen ehrenamtlich aktiv. Und die Hauptamtlichen danken es ihnen nicht nur durch Auszeichnungen, sondern oft auch durch Ehrenamtstreffen und so manche kleine Geste.

Trotzdem ist das Miteinander nicht immer ungetrübt. Eine engagierte Thüringerin* beklagte, dass sie während eines Kindertages in der Kirchengemeinde völlig allein gelassen wurde. Lehrer brachten zu ihrem Workshop im Gemeinderaum eine Förderschulklasse und … verschwanden. Ihr vorbereitetes Programm hätte sie vergessen können, da sie nur ­damit beschäftigt war, die Kinder zu bändigen. Und ihr war es nicht allein so ergangen. »Noch mal können sie nicht mit mir rechnen«, sagt die Ehrenamtliche in ihrer ersten Enttäuschung. Inzwischen gibt es jedoch Gespräche mit den Gemeindepädagogen und dem Superintendenten.

Ein Prädikant*, der regelmäßig und zuverlässig in einem Dorf Dienst tut und zudem noch weitere Gottesdienstvertretungen übernommen hatte, klagt über Spannungen mit dem zuständigen Pfarrer. »Ich mache das alles neben meinem vollen Job und habe überhaupt nicht die Absicht, dem Pfarrer etwas wegzunehmen«, sagt er gegenüber der Kirchenzeitung. Er verstehe nicht, weshalb der Hauptamtliche ihn als Konkurrenz empfinde.

Sich gegenseitig stützen, achten und wahrnehmen – so kann jedes Ziel erreicht werden. Foto: Contrastwerkstatt/Fotolia.com

Sich gegenseitig stützen, achten und wahrnehmen – so kann jedes Ziel erreicht werden. Foto: Contrastwerkstatt/Fotolia.com

Eigentlich ist die Trennung klar: der Hauptamtliche hat das Kanzelrecht und befürwortet den Einsatz ­eines Lektors oder Prädikanten.
Auch Claudia Neumann, Pfarrerin beim Gemeindedienst der EKM, weiß, dass solche Spannungen entstehen – vor allem, wenn die Dinge nicht ausreichend besprochen werden. Es gäbe immer zwei unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Aufgabe – die vom Haupt- und die vom Ehrenamt­lichen. »Oft ist die Erwartungshaltung beiderseits hoch. Und wenn sie sich gegenseitig Druck machen, verlieren sie an Kraft.« Sich Zeit und den anderen wichtig nehmen sei ein Tipp, den sie geben könne. Doch Zeit sei oft zu knapp. Gerade die Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst wie Lektoren und Prädikanten könnten Ängste bei den Pfarrern hervorrufen. »Ihre Predigten werden oft sehr geschätzt von den Gottesdienstbesuchern, weil sie mit einer vergleichsweise ähnlichen Sicht wie die Gemeinde auf die Texte schauen.«
Zudem habe sich Haupt- und Ehrenamt verändert. Pfarrer und Pfarrerinnen müssten Teamarbeit lernen; Ehrenamtliche suchten sich genau aus, was sie übernehmen wollten und wo sie sich kompetent fühlten. »Wo alte Vorstellungen auf neue Gege­benheiten treffen, knirscht es«, hat Claudia Neumann erfahren. »Aber Klage hilft nicht weiter.«

Der Gemeindedienst habe jetzt eine »Arbeitshilfe Ehrenamt« erar­beitet. Hier werden Anregungen zur ­Gewinnung Ehrenamtlicher gegeben und wie das Miteinander gut gestaltet werden kann. Das offene Gespräch gehört dazu – und so kann ganz sicher auch in den oben genannten Beispielen der Konflikt aus der Welt geräumt werden. Denn auch Pfarrer und Prädikant stehen inzwischen im Gesprächsprozess. Schließlich geht es um eine gemeinsame Sache, wo die Kräfte gebündelt und nicht im Streit verschlissen werden sollten.
Dietlind Steinhöfel

* Die Namen und Orte sind der Redaktion bekannt und werden bewusst nicht erwähnt, um die laufenden Gespräche nicht zu belasten.
Die Arbeitshilfe kann über den Gemeindedienst bestellt werden.

www.gemeindedienst-ekm.de

Ein Lied holt die Reformation zurück

29. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Ach Gott, vom Himmel sieh darein und lass dich des erbarmen, wie wenig sind der Heilgen dein, verlassen sind wir Armen. Dein Wort man lässt nicht haben wahr, der Glaub ist auch verloschen gar bei allen Menschenkindern.

Evangelisches Gesangbuch 273, Vers 1

Dieses Lied von Martin Luther ist schon fast 500 Jahre alt. Die Textgrundlage ist Psalm 12, der schon vor etwa 1500 Jahren entstand. Wir würden heute wohl andere Worte wählen, aber die beschriebene Situation ist uns bekannt. Wir leben in einer Umwelt, in der die meisten Menschen von Gott nichts wissen und bekennende Atheisten sind.

Christine Bick, Kantorin in der Region Quedlinburg

Christine Bick, Kantorin in der Region Quedlinburg

Zu Luthers Zeiten war das anders. Alle Menschen waren getauft und gehörten der Kirche an. Aber die Kirche war zu einer Institution geworden, die eigene Gesetze und Rechtsprechung entwickelt hatte und ihre Macht missbrauchte. Luther kritisierte diese Zustände. Das Lied Luthers wurde schon bald nach seiner ersten Veröffentlichung als reformatorisches Bekenntnislied verstanden und verwendet. In Lübeck beispielsweise kam es zu einer Auseinandersetzung nach der vom Rat durchgesetzten Vertreibung zweier reformatorischer Prediger. Evangelisch gesinnte Bürger fingen an, die katholischen Messen durch das laute Singen von »Ach Gott, vom Himmel sieh darein« zu unterbrechen.

Die wachsende Bewegung und Unruhe in der Stadt erreichte zunächst die Rückberufung der beiden Prediger und zwei Jahre später die Einführung der reformatorischen Kirchenordnung. Heute wird dieses Lied nicht mehr oft gesungen. Aber unser Bitten um Gottes Erbarmen bleibt. In einer Zeit, wo Geld, Arbeit, Kleidung und Konflikte unseren Tag schnell bestimmen, sollten wir uns jeden Tag neu die Frage stellen: Wo ist Gott in meinem Leben? Im Lied heißt es: »Darum spricht Gott: (…) Mein heilsam Wort soll auf den Plan, getrost und frisch sie greifen an und sein die Kraft der Armen.«
Möge uns Gott durch sein Wort stärken und die Kraft schenken, unseren Glauben bewusst im Alltag zu leben.

Christine Bick, Kantorin in der Region Quedlinburg

Hoffnung weitergeben

29. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Es gibt Lutherwege, Luthernächte, Luthermusik, nachgestellte Thesenanschläge und mitunter auch Martin-Luther-Partys. Rund um das Gedenken an die Reformation sind offenbar der Fantasie der Veranstalter keine Grenzen gesetzt. Manches mag wohlmeinend sein. Bei manchem würde sich der Mönch und Universitätslehrer aus Wittenberg wohl im Grabe umdrehen. Denn wenn er eines nicht wollte, dann war es das Brimborium,

das in der damaligen Kirche um irdische Personen und Ereignisse gemacht wurde.
Da mögen die Themenjahre innerhalb der Lutherdekade, die wir bis zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags von 1517 begehen, vielleicht einige Kontrapunkte setzen, um die Anliegen der Reformation in den Blick zu rücken. In diesem Jahr war es die Musik, waren es die Lieder, die zu allen Zeiten dazu dienen, die Gedanken der Menschen auszusprechen und durch gern gehörte Klänge zu verbreiten.

Das kommende Jahr steht unter dem Thema »Reformation und Toleranz«. Wenn wir es nicht schon immer wissen, werden wir dann darauf gestoßen: Reformation heißt Veränderung, und Veränderungen sind oft mit Konflikten verbunden. Damit umzugehen, ist eine ständige Herausforderung – nicht nur für Christen.

Doch wir Christen haben dafür Handwerkszeug, nicht erst seit Luther. Wir haben die Nächstenliebe, um die Ängste des Gegenübers im Blick zu behalten, und wir haben die Freiheit eines Christenmenschen, die uns Luther vorgelebt hat, um nicht nach dem Motto zu verfahren »Buckel krumm und Klappe halten«. Das offene Wort der Kirchen, ihre Aufrufe zu Gemeinschaft und Versöhnung werden nicht erst in diesem Themenjahr gefragt sein. Bei allen Konflikten in unserer Welt können wir vor allem eines: die Botschaft der Hoffnung weitergeben. Und das wäre ganz im Sinne von Luther.

Christine Reuther

Der lange Weg zum Geläut

27. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Glockenweihe in der Christusgemeinde in Magdeburg

Nur ein einziges Mal läuteten die drei Glocken der Christusgemeinde aus dem Magdeburger Stadtteil Hopfengarten gemeinsam: Zur Wiedereröffnung des Deutschen Nationaltheaters in Weimar 1948. »Die Glocken waren in Apolda gegossen worden und die Glockengießerei hatte sie wohl gerade zur Hand«, vermutet Christoph von Knorre, Vorsitzender des Gemeindebeirats der Christusgemeinde im Kirchspiel Süd. Die Geschichte um das Geläut der Gemeinde ist bemerkenswert und findet dank beherzter Gemeindeglieder nun ein glückliches Ende.

Die Hopfengarten-Siedlung im Süden Magdeburgs entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. In den 1930er Jahren wurde der Gemeindesaal fertig. »Es waren noch Kirche und Glockenturm geplant«, sagt Christoph von Knorre. Gebaut wurden sie nicht.

Der Glockenturm der Christusgemeine in Magdeburg erhielt in der vorigen Woche das Dach. Am 28. Oktober ist Glockenweihe. – Foto: Viktoria Kühne

Der Glockenturm der Christusgemeine in Magdeburg erhielt in der vorigen Woche das Dach. Am 28. Oktober ist Glockenweihe. – Foto: Viktoria Kühne

Nach dem Krieg bargen Mitglieder der Christusgemeinde aus der zerstörten Petrikirche im Stadtzentrum Bruchstücke der dortigen Glocken, die in Apolda für die Christusgemeinde zum Dreiergeläut gegossen wurden. Im Hopfengarten jedoch gab es keinen Glockenstuhl. So standen die Glocken nach ihrem Weimarer Einsatz zunächst in Magdeburg herum. Die Währungsreform zerschlug die Baupläne für einen Glockenturm. »Danach gab es immer neue Schwierigkeiten. Der Bau wurde politisch verhindert«, schlussfolgert von Knorre. Nachzulesen ist das in einer Broschüre, für die sich Günther Pampel, ebenfalls Mitglied im Gemeindebeirat, in die Archive gearbeitet hat. Die Glocken hat die Christusgemeinde schließlich per Mietvertrag vergeben. Eine läutete im Stadtteil Prester in der Immanuel-Kirche, bis diese entweiht und zur Gaststätte wurde. Seitdem ruhte sie in der benachbarten Gemeinde und schwieg. Die anderen beiden kamen in den Norden der Stadt zur Hoffnungsgemeinde, die in den 1980er Jahren ein Gemeindezentrum mit Glockenturm im Neubaugebiet neu bauen konnte.

Nach der Wende reifte in der Christusgemeinde der Entschluss, nun endlich einen Glockenturm zu errichten. »Die Zeit dafür war einfach ran. Wir wurden ja gar nicht als Gemeinde wahrgenommen«, weist von Knorre auf das versteckt liegende Gemeindehaus. Mut und Engagement gehörten dazu, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Glocken-Mietverträge wurden gekündigt. Der Architekt Götz Grosche entwarf den Turm, Kirchenkreis, Landeskirche und die Gemeinde finanzieren die gut 105000 Euro zu jeweils rund einem Drittel. »Wir hatten uns das Ganze kostengünstiger vorgestellt«, blickt von Knorre zurück. Das Projekt fand Anklang, die Geldsumme zunächst nicht. Langer Atem war nötig, zumal sich die Hoffnung auf die Glockenstiftung der Ostdeutschen Sparkassen zerschlug. Doch die Spendenbereitschaft in der Gemeinde war letztlich groß. »Die Älteren haben offenbar auf die Glocken gewartet; die Jüngeren wussten gar nicht, dass wir welche haben«, stellten von Knorre und die Mitstreiter fest.

Zu den Spendern gehört die katholische Gemeinde, die das Gotteshaus nach dem Krieg mit nutzte.

Die aktiven Gemeindeglieder sind durch das Projekt enger zusammengerückt, freut sich der Vorsitzende. Doris Kunze und Brigitte Dömeland gehören zu den eifrigen Mitstreitern. Wie viel Kraft in dem gut drei Jahre dauernden Projekt steckt, verblasst angesichts des ersehnten Ergebnisses.

Die Gemeinde stellte ihr Glockenturm-Projekt in der Siedlung vor und traf durchweg auf positive Resonanz – im Gegensatz zu den 1950er Jahren. Geläutet wird montags bis freitags um 18 Uhr mit einer Glocke und nur kurz, Sonnabends ein bisschen länger. Eine halbe Stunde vor und zum Gottesdienst und natürlich bei anderen Gemeindeaktivitäten ertönt das volle Geläut. Außerdem zur Erinnerung an die Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg am 16. Januar.

Renate Wähnelt

Der Kirchspiel-Gottesdienst zur Einweihung der Glocken am 28. Oktober beginnt um 11 Uhr im Ahornweg 2a.

Mit Wärme Dinge zum Besseren wenden

26. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Pröpstin i. R. Dorothee Mücksch feiert ihren 75. Geburtstag

Jedes Jahr ein bisschen weniger machen, das hat Dorothee Mücksch ­ihrem Mann versprochen. Ein bisschen Tribut muss sie dem Alter zollen, auch wenn es schwerfällt.

Nicht nur in Aschersleben, wo sie seit Langem wohnt und wirkt, kennt man die lebhafte, agile Frau. Vielen ist Dorothee Mücksch als erste Frau der Kirchenprovinz Sachsen im Propstamt in Erinnerung. Mehr Wert aber legt sie darauf, dass sie 1968 als erste verheiratete Frau zur Pfarrerin ordiniert wurde. Nach dem Theologiestudium und dem Ersten Staatsexamen an der Humboldt-Universität war es nicht selbstverständlich, dass sie überhaupt eine Vikariatsstelle bekam. »Das war in Quedlinburg, mein Mann hatte eine Pfarrstelle im benachbarten Neinstedt«, erzählt sie. Das Vikariat mit drei kleinen Kindern – eine Bemerkung am Rande, aus der mitschwingt, dass die Zeit nicht leicht war. Für ihre Ordinierung musste sie aber nicht kämpfen, betont sie. »Vielleicht war die Zeit einfach reif.«

Dorothee Mücksch ist eine lebhafte Gesprächspartnerin, die genau weiß, was sie sagen will, und ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen vermag. Foto: Michael Uhlmann

Dorothee Mücksch ist eine lebhafte Gesprächspartnerin, die genau weiß, was sie sagen will, und ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen vermag. Foto: Michael Uhlmann

Wie für das Propstamt in Quedlinburg. »Mein Vorgänger war Bernhard Brinksmeier; er war den Mitarbeitern sehr zugewandt«, erinnert sie sich. Sein Vorbild wirkte: keine Kirche, kein Pfarrhaus, die sie nicht kennt. Zu besonderen Anlässen besucht Dorothee Mücksch heute noch »ihre« Ehemaligen – und ist traurig, dass sich kaum jemand von deren Kollegen blicken lässt.
Für andere da sein, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft, das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben als Katechetin, als Pfarrerin, im Ehrenamt. Und nicht zuletzt als Mutter, bei der auch die erwachsenen Kinder Zuspruch und Trost suchen.

Bildung vermitteln und Zuwendung zur Jugend sind Dorothee Mücksch wichtig. Folgerichtig gehörte sie zu den Gründern der Evange­lischen Grundschule, einige Jahre später der Adam-Olearius-Sekundar-schule in Aschersleben. Und sie ist immer noch dabei. Auch als Lehrerin für Religion. »Notgedrungen. Dafür bin ich zu alt. Aber ehe gar kein Reli­gionsunterricht möglich ist, weil ein Lehrer fehlt …«

Auch in der Kommunalpolitik auf Stadt- wie auf Kreisebene ist sie tätig. In die CDU trat sie erst im Ruhestand ein. »Ich bin 1998 schon ausgeschieden, konnte doch nicht herumreisen und Pfarrer zum frühen Ruhestand bewegen, ohne ihn selbst zu praktizieren«, erinnert sie sich. Konsequent zog das Pfarrerehepaar Mücksch aus der Dienstwohnung an den Stadtrand und gab alle Amtsgeschäfte an die Nachfolger ab. Aber gelehrt hat sie weiter, Kunstgeschichte in der Volkshochschule.

»Die Theologie steht bei meinem Mann, bei mir finden Sie Schöngeistiges und die Kunst«, weist sie auf die Bücherwand hinter sich. Da blitzt Schalk auf. Der dürfte ihr helfen, wenn sie etwas bewegen will, hartnäckig, mit Wärme für die Sache und mit Achtung vor dem Gegenüber. Zum Beispiel den Schulbau oder die Neo-Rauch-Galerie – gegen alle finanzpolitischen Bedenken. »Ich schicke alle Gäste in die Galerie, auch zu meinem Geburtstag«, freut sie sich auf die große Familie, die zum 25. Oktober anreisen wird.

Dazu gehören ihr Bruder Lothar de Maizière und ihr Cousin Thomas de Maizière. Probleme mit der Politprominenz in der Familie? »Ich bin ich und mein Bruder ist mein Bruder«, die lapidare Antwort.

Renate Wähnelt

Auf gute Nachbarschaft

24. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Wohnen im Alter: Das Seniorenwohnprojekt in Saalfeld setzt auf Gemeinschaft


Im Alter selbstbestimmt leben, Geselligkeit pflegen und wenn nötig, Hilfe in Anspruch nehmen. Das Seniorenwohnprojekt in Saalfeld erfüllt diese Bedürfnisse.

»Wir fühlen uns sauwohl hier.« Wer das Seniorenwohnprojekt in der Saalfelder Brudergasse betritt, bekommt diesen Satz auf die eine oder andere Art öfter zu hören. Der im Juni dieses Jahres fertiggestellte Wohnkomplex umfasst 17 Wohnungen, die kürzlich zum »Tag der offenen Tür« teilweise auch besichtigt werden konnten.

Doch bis das Haus, das sich nahtlos ins historische Ensemble der Saalfelder Altstadt einfügt, bezugsfertig stand, war es ein weiter Weg, wie Martin Gebhardt sagt. Der Leiter des Bereichs Altenhilfe in der Diakoniestiftung »Weimar Bad Lobenstein« hat das zähe Ringen um die Gestalt des Projekts hautnah mitbekommen: »›Betreutes Wohnen‹ wollen viele Senioren schon wieder nicht mehr; die wollen über ihr Leben so lange wie möglich selbst bestimmen.« Auch sorge die dann zwangsläufige Betreuungspauschale für Unmut. »Wir haben daher jetzt das Thema ›Nachbarschaft‹ zum Schwerpunkt gemacht«, begründet Gebhardt die Entscheidung für eine Wohnform, bei der die Senioren ganz normale Mieter in eigenen Mietwohnungen sind.

Außenansicht auf das Seniorenwohnprojekt in der Saalfelder Brudergasse. – Foto: Rainer Borsdorf

Außenansicht auf das Seniorenwohnprojekt in der Saalfelder Brudergasse. – Foto: Rainer Borsdorf

Und dennoch weist das Haus in der Brudergasse einige Besonderheiten auf: Zudem gibt es einen Tagespflege-Bereich, in dem Senioren mit Pflegebedarf betreut werden. Ein Fahrdienst holt und bringt die Leute aus dem ganzen Landkreis. Und immer wieder sind auch Mieter aus dem Haus bei den geselligen Runden dabei, die die Pflegeschwestern organisieren. »Wir tun hier vor allem was gegen die Einsamkeit der Senioren«, meint dazu Pflegedienst-Leiterin Veronika Fleck. Dem dient auch der fast 50 Quadratmeter große Gemeinschaftsraum im Haus, der über eine voll ausgestattete Küche verfügt und von den Mietern selbst gestaltet wurde – ebenso wie die Blumenrabatte hinterm Haus. Zurzeit blühen hier noch die Dahlien. Maßgeblichen Anteil daran hat Renate Reiss, die gleich gegenüber mit ihrem Mann eine Wohnung mit Terrasse bewohnt. Ihr Mann ist Rollstuhlfahrer und wollte mit seinen 73 Jahren erst nicht umziehen, aber: »In unserer alten Wohnung konnte er nur noch zwischen Wohn- und Schlafzimmer pendeln; für alles andere musste das Rote Kreuz kommen. Der wäre dort kaputtgegangen.« Inzwischen schwärmen beide von ihrer »Traumwohnung«.

Ähnlich begeistert sind auch Lisbeth und Werner Ziermann. Allerdings gäbe es einen Wermutstropfen: »Ursprünglich wurde hier mit ›Wohnen für Ältere mit kleinem Geldbeutel‹ geworben«; davon könne nun bei einer Kaltmiete von 5,30 Euro pro Quadratmeter keine Rede mehr sein. Trotzdem sind die Eheleute zufrieden: »Für den Standard hier ist es okay«, finden sie.

»Wohnen für Ältere mit kleinem Geldbeutel« – Martin Gebhardt erinnert sich an diesen Slogan, der allerdings noch aus der Zeit stamme, bevor die Diakonie der Träger des Projektes wurde. »Das war damals eine Initiativgruppe mit völlig unrealistischen Ideen, von denen ist keiner hier eingezogen.« Auch sonst seien von den ursprünglichen Interessenten nur zwei übrig geblieben. Gebhardt ist bewusst, dass die Miete kein »Schnäppchen« ist, jedoch bleibe sie dank eingesetzter Fördermittel für die nächsten Jahre unverändert. Und er fügt hinzu: »Barrierefreies, modernes Wohnen hat nun mal seinen Preis, zumal wir wegen der Innenstadt-Lage zahlreiche Auflagen erfüllen mussten.«

Die zentrumsnahe Lage haben auch Monika und Klaus Müller schnell schätzen gelernt. Doch noch mehr begeistert sind sie von der Atmosphäre im Haus, zu der ihrer Meinung nach Mathilde Zimmermann, Verwaltungsangestellte der Diakonie, entscheidend beiträgt. Sie und die anderen Angestellten seien die »Engel des Hauses«. Nun müsse man die an sich schon gute Nachbarschaft zu den anderen Mietern nur noch mit Leben erfüllen.

Rainer Borsdorf

Erwartungen übertroffen

24. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Der 1. Gemeindekongress der EKM gab viele Impulse

Über 900 Christen kamen zum 1. Gemeindekongress der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am 13. Oktober nach Halle. Einige Stimmen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat »Glaube+Heimat« eingefangen:

Olaf Ruch ist Präses der Kreissynode Hildburghausen-Eisfeld. – alle Fotos: Dietlind Steinhöfel

Olaf Ruch ist Präses der Kreissynode Hildburghausen-Eisfeld – alle Fotos: Dietlind Steinhöfel

Olaf Ruch: Ich bin mit großen Erwartungen hergekommen und die sind übertroffen worden. Wer sagt, Kirche sei nicht vielfältig, der wird hier eines Besseren belehrt. Es präsentieren sich ganz unterschiedliche Initiativen von Sonneberg bis Salzwedel – eine große Vielfalt, die für die eigene Arbeit Impulse gibt.

Wir haben uns zum Beispiel beim Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau Anregungen geholt, wie Jugendfreizeiten kostengünstig organisiert werden können, damit vielen Jugendlichen das Angebot ermöglicht wird und die Eltern sich das leisten können.

Es wird durch Haupt- und Ehrenamtliche so viel gute Arbeit geleistet, dass wir in der EKM ruhigen Gewissens in die Zukunft schauen können. Da muss uns mit Gottes Hilfe nicht bange sein. Die 50000 Euro, die von der EKM-Synode für diese Tagung bereitgestellt wurden, sind wirklich sehr gut angelegt. Der Gemeindekongress ist gut geeignet, dass wir uns gegenseitig wahrnehmen, und ein wichtiger Beitrag zum Zusammenwachsen unserer Landeskirche.

Die Kirchenältesten Hildegard Bischoff (lins) und Ingrid Kirsch aus dem Kirchenkreis Stendal nehmen wertvolle Eindrücke mit nach Hause.

Die Kirchenältesten Hildegard Bischoff (lins) und Ingrid Kirsch aus dem Kirchenkreis Stendal nehmen wertvolle Eindrücke mit nach Hause.

Hildegard Bischoff und Ingrid Kirsch, Kirchenälteste aus dem Kirchenkreis Stendal:
Bischoff:
Wir kommen aus den kleinsten Gemeinden unseres Kirchenkreises. Aber wir nehmen viel mit, was wir machen können. Allerdings fehlen in unseren Gemeinden die Kinder. Wir haben viele Ideen gesammelt. Auch das Gespräch mit der Bischöfin war interessant. Das hat gezeigt, dass es überall die gleichen Probleme gibt. Unsere Landesbischöfin, finde ich, ist eine sehr offene Frau, die unsere Fragen konkret beantwortet.

Kirsch: Ich bin auf der einen Seite begeistert, dass sich so viele Gemeinden und Kirchenkreise vorstellen und dass es so viele Projekte gibt. Die andre Seite ist, dass kaum junge Leute da sind. Die Jugend fehlt wohl überall ein bisschen oder sie hat andere Orte.

Doch es ist schön, dass man so ungezwungen miteinander reden kann, einfach auf Leute zugeht, die man gar nicht kennt, und Kontakte knüpft. Ich fühle mich in der Kirche und in kirchlichen Kreisen einfach zu Hause.

Am Stand aus Mühlberg an der Elbe im Kirchenkreis Bad Liebenwerda gab Antje Wurch Auskunft.

Am Stand aus Mühlberg an der Elbe im Kirchenkreis Bad Liebenwerda gab Antje Wurch Auskunft.

Antje Wurch, Gemeindepädagogin aus Bad Liebenwerda:
Wir präsentieren an unserem Stand das Ökumenische Haus der Begegnung und Stille im Kloster Marienstern Mühlberg/Elbe. Wir bekommen gute Resonanz und Gespräche. Und es kommen natürlich auch Fragen: Wo liegt denn Mühlberg? Um so etwas zu beantworten, stehen wir ja hier.

Ich hab mich auch umgesehen, weil wir uns in die Standbetreuung reingeteilt haben. Denn es gibt hier einen Pool von Ideen, den ich mir nicht entgehen lassen will. Man sieht doch, wie lebendig Kirche sein kann; das macht uns Mut. Es ist interessant zu sehen, was die Kollegen in den anderen Kirchenkreisen machen. Ich nehme viele Anregungen auf und habe auch gleich Ansprechpartner dazu, wie zum Beispiel den Pilgerweg zu Kirchen im Kirchenkreis.

Ich würde mir wünschen, dass etwa alle drei Jahre so ein Gemeindekongress organisiert werden kann.

Ulrike Bufe (links) und Bärbel Hamal kommen aus dem Kirchenkreis Gera und waren von der Vielfalt beim Gemeindekongress angetan.

Ulrike Bufe (links) und Bärbel Hamal kommen aus dem Kirchenkreis Gera und waren von der Vielfalt beim Gemeindekongress angetan.

Ulrike Bufe und Bärbel Hamal, aus Gera-Langenberg:
Hamal:
Wir sind ganz »normale« Gemeindeglieder. Mir hat zum Beispiel gefallen, wie am Stand der Weimarer Kinder- und Familienkirche eine Familienkirche gebaut wurde. So was kann man nachmachen. Auch der Workshop zu den Andachten hat gute Impulse gegeben, die wir zu Hause ausprobieren können.

Bufe: Es ist eine lockere und angenehme Atmosphäre. Nur schade, dass der Kreativ-Workshop wegen Krankheit ausgefallen ist. Aber es hat uns alles sehr gut gefallen.

Ansteckende Gemeinsamkeit

23. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Pfarrbereich Colbitz lädt seit 20 Jahren zu Familienfreizeiten ein

»Wir Alten sind sowieso da. Kümmert euch um die Jungen«, war die klare Aufforderung aus einigen Kreisen heraus an das Pfarrerehepaar Gabriele und Dieter Kerntopf in Colbitz, als sich vor mehr als 20 Jahren alles änderte. Die beiden beherzigten die Aufforderung. So konnten sie beim Gemeindekongress in Halle ihre Familienfreizeiten vorstellen. Ein seit genau 20 Jahren alljährlich wiederkehrendes Projekt.

»Die Idee wurde im damaligen Gesprächskreis geboren, nicht nur monatlich für zwei Stunden zusammenzukommen, sondern ein ganzes Wochenende unter ein Thema zu stellen und gemeinsam darüber nachzudenken. Von anfänglich 24 Teilnehmern hat es sich bis auf 55 gesteigert. Inzwischen fahren Kinder aus den ersten Jahren mit ihren Kindern mit«, freut sich Dieter Kerntopf.

Die Familien stellen die Ergebnisse der thematischen Arbeit vor, Collagen zur Klimakampagne 2011, als Mötzow das Ziel der Freizeit war. – Foto: privat

Die Familien stellen die Ergebnisse der thematischen Arbeit vor, Collagen zur Klimakampagne 2011, als Mötzow das Ziel der Freizeit war. – Foto: privat

Natürlich war das Interesse in Halle an Projekt und Erfolg groß. Gerade nach den Anfängen fragten die Besucher beim Gemeindekongress, nutzten gern das Wissen und die Erfahrungen der Colbitzer, um Eigenes zu probieren. Welche Themen können mit den Familien bearbeitet werden, wie gehen die Colbitzer methodisch vor? »Neben der Vollversorgung in diesen Tagen, damit sich alle uneingeschränkt dem Thema widmen können, gibt es altersbezogene Angebote für Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene. Deshalb musste der Mitarbeiterkreis erweitert werden. In den letzten Jahren sind Gemeindepädagogin Gabriele Küster als Begleiterin der Schulkinder und Gemeindepädagoge Karl-Michael Schmidt für die Jugendlichen dabei. Die Vorschul- und Krabbelkinder werden von Ehrenamtlichen betreut«, gab Dieter Kerntopf gern Auskunft.

Das Pfarrerehepaar widmet sich der Erwachsenengruppe. Und auch die werde häufig noch aufgeteilt, damit jeder zu Wort kommen kann oder um Frauen- und Männermeinungen unverfälschter herauszuarbeiten. Beim Thema »Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?« vor zwei Jahren in Arendsee sei es spannend gewesen, wie unterschiedlich Ehefrauen und Ehemänner nach vorn blickten. Das wäre in gemeinsamer Gruppe wohl anders gewesen, vermutet der Pfarrer.

Die Themenpalette der Wochenend-Freizeiten ist breit: Da ging es biblisch zu mit Daniel in der Löwengrube oder dem barmherzigen Samariter, da spielte der Familienalltag eine Rolle unter der Fragestellung »Kinder und Fernsehen: Was lässt sich steuern?«. In diesem Jahr in Clausthal-Zellerfeld hieß das Thema »Ziehe deine Schuhe aus – Heilige Orte in der Kirche«. Im vorigen Jahr widmeten sich die Teilnehmer der Kampagne der Landeskirche »Klimawandel – Lebenswandel«.

Fester Bestandteil ist die Präsentation der Ergebnisse, die auch die Kongress-Besucher in Halle in Augenschein nehmen konnten. Zumeist sind es Collagen, die die Erkenntnisse veranschaulichen. Ebenso gehört zum Programm eine mehr touristische Unternehmung, Grillen oder Lagerfeuer an einem Abend.

Die Hälfte der Mitfahrenden sind Kinder und Jugendliche, die andere Hälfte Erwachsene. Es sind auch Familien dabei, in denen nur ein Ehepartner zur Kirchengemeinde gehört. Im Laufe der Jahre sind auch Familien mitgefahren, die nicht oder nicht mehr zur Kirchengemeinde gehören. Sie wurden von Freunden eingeladen. »Die Familien schwärmten ihren Freunden etwas vor, die dann mitkamen. Und dann wollten Kinder sich taufen lassen«, kann Dieter Kerntopf handfeste Erfolge vorweisen.

Immer wieder aber legte Kerntopf den Stand-Besuchern in Halle ans Herz, geduldig zu sein, mit Gelassenheit und Fantasie Gemeindeleben zu gestalten. Auch die Colbitzer Familienfreizeiten mussten wachsen. »Die Langfristigkeit der Wirkung macht doch Kirchenarbeit aus. Wir sollten uns nicht durch aktuelle Zahlen verrückt machen lassen, egal ob Teilnehmer- oder Gemeindegliederzahlen, so wichtig diese auch sind und so wichtig die Finanzen sein mögen. Am wichtigsten ist, überhaupt anzufangen«, sagt er.

Auch um sich über solche weiterreichenden Themen mit Haupt- und Ehrenamtlichen auszutauschen, bot der Gemeindekongress eine Plattform. Dieter Kerntopf, als Organisator von Kreiskirchentagen mit den Vorbereitungen von Großveranstaltungen vertraut, zollt den Machern uneingeschränkte Hochachtung: »Das war eine schöne und gute Sache und sehr gut vorbereitet, sehr professionell.«

Im Pfarrbereich Colbitz will – neben anderem – die nächste Familienfreizeit vorbereitet werden.

Renate Wähnelt

Verlegenheit?

22. Oktober 2012 von redaktionguh  
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Es ist nicht das erste Mal, dass das Norwegische Nobelkomitee für Überraschungen gut ist. Denn nach den Reaktionen vieler Politiker zu urteilen, ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union eine solche. Denn niemand hatte damit gerechnet, dass Europa ein Vorbild für Frieden und Versöhnung ist und die bedeutendste internationale Auszeichnung verdient hätte. Die Entscheidung überraschte ähnlich wie die Auszeichung vor drei Jahren an den US-Präsidenten Barack Obama, der, wie er selbst damals sagte, »am Anfang und nicht am Ende seiner Arbeit auf der Weltbühne« stand. »Verglichen mit einigen Großen der Geschichte, die diese Auszeichnung erhalten haben, … sind meine Verdienste gering.« Verteilt das Osloer Komitee erneut Vorschusslorbeeren, diesmal an die EU?

Es ist freilich wahr: Wer die Augen nicht vor den geschichtlichen Ereignissen verschlossen hält, darf sich stolz und glücklich schätzen, in Europa seit mehr als 60 Jahren im Frieden zu leben. Das ist umso bedeutungsvoller, da es auf unserem Kontinent bis 1945 wenig friedlich zuging. Doch trotz aller Dankbarkeit und Freude über das jahrzehntelange friedliche Miteinander der europäischen Staaten kann nicht darüber hinweggesehen werden, dass der Zusammenhalt in der EU in Gefahr ist. Je länger die Finanzkrise dauert, umso öfter melden sich Zweifel über den Fortbestand der Wirtschaftsunion und der Erweiterungspolitik in der EU. Die wirtschaftlichen Probleme und die sozialen Unruhen in manchen Ländern lassen die Sorge um den inneren Frieden in Europa wachsen. In dieser ernsten Situation verleiht das fünfköpfige Gremium in Oslo der EU den Friedensnobelpreis und lenkt damit den Blick auf das Kostbarste, das es in dieser Welt zu erhalten gilt: den Frieden. Dagegen kann niemand etwas einwenden, wenngleich die Entscheidung des Nobelkomitees wie eine Verlegenheitslösung anmutet.

Sabine Kuschel

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