Alle Erwartungen übertroffen!

28. November 2012 von redaktionguh  
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Rekordergebnis beim bestens besuchten Trödelmarkt in der Weimarer Johanneskirche

Der Ansturm war enorm – das Ergebnis sensationell: Der Trödelmarkt in der Weimarer Johanneskirche zugunsten der Projektarbeit mit Kindern erbrachte am 10. und 11. November ein Rekordergebnis von 15328 Euro. Seit Ende Oktober waren 35 Helferinnen und Helfer sowie ­deren Kinder damit beschäftigt, die Sachspenden in Empfang zu nehmen, zu sortieren und entsprechend zu präsentieren.

»Man muss die Leute ins Boot holen und begeistern«, ist sich Heidrun Scholz als Hauptorganisatorin sicher. Dabei schwärmt sie vom Miteinander aller Beteiligten und der einzigartigen Atmosphäre des Marktes, der auch Auswärtige anlockt und ein Ort der Begegnung ist. Dazu gehört das »Café«, für das 65 Kuchen gespendet wurden. »Alles ist mit Liebe gemacht.«

Foto: Christa Nöhren/Pixelio

Foto: Christa Nöhren/Pixelio

Als Gemeindepädagogin in Oberweimar tätig, fasste Heidi Scholz 1992 den Entschluss, ein bislang unerschlossenes Gebiet zu betreten: Religionsunterricht in der Schule. Da es damals an Lehrkräften mangelte, war das Arbeitspensum enorm. Sie unterrichtete 27 Klassen in neun Schulen und hatte mit allen Schularten zu tun. Dabei zeigte sich, dass zwei Drittel der Schüler aus atheistischen Familien stammten. Um ihnen Einblicke in das kirchliche Leben zu ermöglichen, lud sie in den Winterferien zu Kinder­tagen in die Johanneskirche ein. Die Zahl von anfangs 40 Teilnehmern verdoppelte sich bereits im Folgejahr. Um dem wachsenden Ansturm gerecht zu werden, wurden Gruppen gebildet. Aus dem Kreis der Eltern formte sich ein engagierter Helferkreis, der bald zu einem festen Team zusammenwuchs. Eine Fülle neuer Ideen wurde geboren, die seither ganzjährig für Höhepunkte sorgen.

Da die der Kirchengemeinde zur Verfügung stehenden Mittel dafür nicht ausreichten, wurde die Idee eines Trödelmarktes geboren. Aus seinem Erlös werden, so ist von Heidi Scholz zu erfahren, nicht nur die Kindertage finanziert, sondern auch die Schulanfänger- und Theatergottesdienste, Musical-Aufführungen, die Aktion »Kirchenschlaf« zum Schuljahresende, Ausflüge sowie Kinderhilfsprojekte im In- und Ausland.

In diesem Jahr geht eine Spende an die Klinik-Clowns, die im Weimarer Klinikum erkrankte Kinder zum Lachen bringen. Die Proben für das Weihnachtsmusical sind bereits angelaufen. Heidi Scholz erzählt, dass es in der Johanneskirche ein Kostümlager mit 500 selbstgenähten oder gespendeten Kostümen gibt. Auch Ton- und Lichttechnik konnten angeschafft werden. Der Gemeindepädagogin bereitet es große Freude, Kinderbücher szenisch einzurichten und mit diesen auch andernorts zu gastieren. Einladungen sind also willkommen!

Michael von Hintzenstern

Glaubenszeugnis aus Stein

28. November 2012 von redaktionguh  
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In der Gernröder Stiftskirche ist das »Heilige Grab« wiedereröffnet worden

Die Melodie des Chorals »Christ ist erstanden« füllte die Stiftskirche. Langsam hob sich die Leinwand, die die Sicht versperrte und zugleich als Projektionsfläche für Informationen diente. Zentimeter für Zentimeter trat hervor, was in den vergangenen Jahren nur durch die Glaswand des »Einhausung« genannten Schutzraumes sichtbar war: Skulpturen und Ranken aus honigfarbenem Gestein, dazu eine Pforte.

Langsam hebt sich der Vorhang: Was von dem Reliefschmuck des »Heiligen Grabes« in der Stiftskirche in Gernrode erhalten geblieben ist, zeigt sich nun in voller Schönheit. Foto: Jürgen Meusel

Langsam hebt sich der Vorhang: Was von dem Reliefschmuck des »Heiligen Grabes« in der Stiftskirche in Gernrode erhalten geblieben ist, zeigt sich nun in voller Schönheit. Foto: Jürgen Meusel

Das »Heilige Grab« in der romanischen Stiftskirche in Gernrode wurde am 15. November wieder eingeweiht. Die älteste Nachbildung des Grabes Christi nördlich der Alpen war seit 2003 wegen erheblicher Schäden gesperrt. Der ab 2007 laufenden Sanierung und Restaurierung gingen umfangreiche Forschungen voraus, um ein Gesamtkonzept für dieses einzigartige Denkmal erarbeiten zu können. Vier aufeinanderfolgende Bauabschnitte waren erforderlich – und  etwa 900000 Euro. Der Bund, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Kreissparkasse Harz, das Land Sachsen-Anhalt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit der Bodensteinstiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Rudolf-August-Oetker-Stiftung, die Stiftung KiBa, der Landkreis Harz, die Stadt Quedlinburg, zu der Gernrode gehört, sowie die Landeskirche Anhalts waren an der Förderung beteiligt. Pfarrer Andreas Müller, der im Festakt den Förderern und Spendern dankte, bezog in seine Wor-te eine Skulptur in der Grabkammer  ein: die der drei Frauen, die am Ostermorgen das leere Grab entdecken.

Kunstwerk für künftige Generationen erhalten

»Wer wälzt den Stein von der Tür? Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Jahren oft gestellt«, so Müller mit Verweis auf die vielen komplizierten Arbeitsschritte. Ausdrücklich lobte er die Arbeit der Restauratoren Corinna Grimm, die 2004 erste Schadensgutachten erstellte, und Thomas Schmidt. Elisabeth Rüber-Schütte, Abteilungsleiterin für Bau- und Kunstdenkmalpflege beim sachsen-anhaltischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, verwies auf den hohen wissenschaftlichen Stand der Arbeiten und die »fruchtbare Kooperation« der beteiligten Partner. Der dabei angewendete »ganzheitliche Projektansatz« sollte Vorbild für andere Vorhaben sein. Sie wünschte dem »Heiligen Grab« künftig »Beachtung, behutsame Nutzung und Pflege«.

Von denen, die Geld für die Restaurierung gaben, ergriff Claus Friedrich Holtmann das Wort. Der Vorstandsvorsitzende der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführen-de Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes hob den hohen Denkmalwert des »Heiligen Grabes« hervor. Es freue ihn, mit dazu beigetragen zu haben, »diesen wichtigen Ort entlang der ›Straße der Romanik‹ für künftige Generationen zu erhalten«. Matthias Puhle, Abteilungsleiter im Kultusministerium, verwies auf die identitätsstiftende Wirkung des Kunstwerkes. Und: »Die Stiftskirche Gernrode wird mit Sicherheit zu einer noch stärker frequentierten Pilgerstätte für Kulturtouristen werden als es bisher schon der Fall war.« Kirchenpräsident Joachim Liebig würdigte das Grab als »herausragendes Beispiel kirchlicher Tradition – nicht nur in Mitteldeutschland«. »Es zeigt in überragender Weise die tiefen Wurzeln unseres Glaubens in unserer Region und ist damit eine beständige Erinnerung, diese Wurzeln wieder fruchtbar werden zu lassen.«

Angela Stoye

Es geht nur gemeinsam

27. November 2012 von redaktionguh  
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Modell: Im Kirchenkreis Jena wird der Strukturprozess wissenschaftlich begleitet

Die Streichung und Zusammenlegung von Pfarrämtern beschäftigt die Kirchengemeinden landauf und landab.

Die Kreissynoden hatten in den vergangenen Wochen zum Teil weitreichende Entscheidungen zu treffen, wie die Kreissynode von Jena. Aber etwas läuft anders im ostthüringischen Kirchenkreis: Er hat sich Hilfe von außen geholt.

»Mein theologischer Ansatz ist, dass wir perspektivisch gemeinsam und gabenorientiert arbeiten müssen«, sagt Diethard Kamm, seit 1999 Superintendent in Jena. »Und so etwas geht nur in Regionen, weil ich niemanden kenne, der alle Gaben besitzt.« Die Umsetzung blieb nicht ohne Widerstand. Vor allem hatten viele das Gefühl, die Regionalisierung sei »am Reißbrett« entstanden, obwohl zuvor die Kreissynode eingebunden war, erinnert sich Kamm. Der Eindruck »Wir haben zwar zugestimmt, es aber eigentlich nicht gewollt« schwebte im Raum.

Der Kirchenkreis ging auf Rüdiger Trimpop vom Lehrstuhl Arbeits-, Betriebs- und Organsiationspsychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu, um den Prozess wissenschaftlich begleiten zu lassen und Erfahrungen aus Umsetzungsprojekten in der Wirtschaft zu nutzen. Der Professor für ­Arbeitspsychologie und die junge ­Psychologin Iris Seliger sind auch in der jetzt folgenden Umsetzungsphase in den gelebten Alltag dabei. Nun wird die Struktur mit Leben erfüllt. Iris Seliger, selbst evangelisch und Kennerin der kirchlichen Stukturen, führte zunächst Interviews mit Haupt- und ­Ehrenamtlichen im Kirchenkreis. Sie erstellt in ihrer Diplomarbeit eine Bestandsanalyse. Auf dieser Grundlage wurden Vorschläge für Veränderungen erarbeitet. »Über ein Jahr haben wir zusammengesessen«, erzählt die junge Frau, die nun die Begleitung im Rahmen ihrer Doktorarbeit weiterführt. Doch der Eindruck, dass »die oben« entscheiden, war noch lange nicht ausgeräumt. Anfangs sei eine Gruppe von rund 20 Leuten alle vier Wochen, in der Endphase jede Woche zusammengekommen. Inhaltliche Konzepte wurden erarbeitet und geprüft, wie sie zu erreichen wären. Die einzelnen Vorschläge wurden in die Gemeinden gegeben.

Foto: Lars/Wikipedia

Foto: Lars/Wikipedia

»Der Prozess ist nicht zu Ende. Es reicht nicht, Strukturen zu verändern, sondern wir müssen sie mit Inhalten füllen«, ergänzt Diethard Kamm. Der Kontakt zur Universität und Iris Seliger habe Professionalität in den Prozess gebracht. Die Befragten seien offener gewesen als gegenüber dem Superintendenten. Nicht nur der Kirchenkreis, mit knapp 20000 Gemeindegliedern einer der kleinsten in der EKM, habe profitiert, sondern ebenso die 29-jährige Psychologin. »Im Prozess haben wir alle gelernt und sind gewachsen, die Gemeindeglieder, die Hauptamtlichen und auch die Begleiter«, bescheinigt Kamm.
»Aus meiner heutigen Sicht war das die einzige Möglichkeit, eine optimale Struktur zu gestalten«, beurteilt die Präses der Kreissynode, Katharina Elsässer, die wissenschaft­liche Begleitung. »Zwar können nicht alle Forderungen und Wünsche erfüllt werden, aber vieles wurde genau geprüft und man konnte entgegenkommen.« Vor allem in den ländlichen Gemeinden sei der Wunsch nach mehr Personal im Verkündigungsdienst sehr laut geäußert worden, »zum Teil berechtigt«. Trotzdem empfindet die Präses, dass es recht harmonisch zuging. Durch die Sicht von außen seien die Diskrepanzen ­relativiert worden. »Es hilft sehr, wenn jemand moderiert«, sagt sie.

Es sei viel Sensibilität erforderlich gewesen, blickt Iris Seliger zurück. Vertrauen musste aufgebaut, das Projekt ernst genommen werden. Genauso sei der Umgang mit Zeit ein wichtiger Faktor: Man müsse Druck aufbauen, aber nicht so viel. Denn gerade die Ehrenamtlichen fühlten sich bei diesem hohen Einsatz überfordert.

»Frau Seliger hat uns immer wieder ermahnt, dass wir den Prozess zum Abschluss bringen und dabei gelassen bleiben«, ergänzt der Super­intendent. »Wir sind auch deshalb drangeblieben, weil es Geld gekostet hat.« 10000 Euro wurden bisher investiert, 5000 hatte die Landeskirche dazugegeben. Damit konnte ein kleiner Teil von Hunderten an Arbeitsstunden der Doktorandin vergütet werden. Damit es weitergeht, hat die Kreissynode am vergangenen Sonnabend noch einmal 10000 Euro im Haushalt bewilligt.

»Es ist ein schmerzlicher Prozess, sich von Gewohntem zu verabschieden. Da muss Raum für Trauerarbeit sein«, sagt Diethard Kamm. »Trotzdem: Wenn wir immer weniger berufliche Mitarbeiter haben, müssen wir uns was einfallen lassen. Die Leute sollen nicht von A nach B gehen ­müssen. Die Kirche offen halten, das Evangelium lesen – das können auch Gemeindeglieder. Aber sie brauchen dazu eine klare Beauftragung ihrer Gemeinde. Ich habe die Vision, dass man sich in zehn Jahren gar nicht mehr vorstellen kann, mal nicht im Team gearbeitet zu haben.«

Arbeitskreise aus Haupt- und Ehrenamtlichen machen sich vor Ort ­inzwischen weiter Gedanken über die Zukunft, begleitet von der jungen Psychologin. Die Zeitinvestition würde sich lohnen, meint Iris Seliger, weil langfristig eine Entlastung eintrete. Die Ehrenamtlichen brauchen Rückendeckung und Motivation von den Hauptamtlichen. Wichtig sei zudem, eine Sicht auf den gesamten Kirchenkreis zu entwickeln. Jedenfalls, so Iris Seliger, sei es »sehr spannend, weil es wenige Modelle gibt in der Orga­nisationspsychologie, die Non-Profit-Organisationen im Blick haben, schon gar nicht die Kirche«.

Dietlind Steinhöfel

www.uni-jena.de/Leitung_p_145279. html

Klug werden

26. November 2012 von redaktionguh  
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Friedhöfe sind Orte des Friedens, der Trauerarbeit und der Begegnung mit der Endlichkeit des Lebens. Oft sind sie von einer schützenden Mauer umgeben, um den Lärm der Straße, das pulsierende Leben fernzuhalten. Wird der Tod so auch dem Leben ferngehalten?

»Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« Es wird nicht dieser Satz aus dem 90. Psalm gewesen sein, der die ARD veranlasste, eine Themenwoche »Leben mit dem Tod« auszustrahlen. Zu begrüßen ist das allemal.

Tote sehen wir im Fernsehen zur Genüge – in Actionfilmen, in Krimis und leider auch in den Nachrichten. Doch der nahe Tod, der unsere Familie und uns selbst betrifft, bleibt oft außen vor. So war die ARD-Sendung »Günther Jauch« am vergangen Sonntagabend schon bewegend und machte nachdenklich, in der ein Student, der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, ein Bestattungsunternehmer – drei Menschen mit der Diagnose: unheilbar erkrankt – sprachen.

Wie würde man selbst mit dieser Diagnose umgehen? Wird man »klug«? Und was heißt »klug«? Sein Testament schreiben? Die Dinge für die Nachwelt ordnen? Auch wenn Testament und Patientenverfügung dazugehören, so ist doch das Klugwerden zuerst eins fürs ­Leben. Lernen, was wirklich zählt; beseitigen, was mich von meinem Schöpfer trennt.

Angesichts des Todes erwacht in vielen Menschen die Sehnsucht, dass »da doch noch etwas ist«. Warum dann erst? Man muss den Tod nicht »an den Küchentisch« holen, wie es die Theologin Margot Käßmann in der ARD-Sendung formulierte. Ein Gang über den Friedhof, wo Namen von längst vergangenem Leben erzählen, kann ermutigen, sich des eigenen Todes bewusst zu werden. »Der Tod gehört zum Leben« wird zwar oft geäußert, das zu verinnerlichen und klug zu werden ist jedoch eine andere Sache.

Dietlind Steinhöfel

Begraben wie ein Hund?

25. November 2012 von redaktionguh  
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Kirchenjahr: Zum Ewigkeitssonntag werden Gräber geschmückt – nicht nur für Menschen

Der Umgang mit dem Tod verändert sich. Neben Bestattungen »auf der grünen Wiese« gibt es aufwendig ­gestaltete Tiergräber.

Ich weiß nicht, wie oft wir zum Hundefriedhof in Barsberge im heutigen Landkreis Stendal pilgerten. Nahe am gastlichen Forsthaus war er Ziel des Wochenendausfluges und von Schulwandertagen. Längst fortgezogen, besuchte ich selbst mit meinen Töchtern noch diese für uns magische Stätte. »Dem treuen Nimroth« stand auf dem Grabstein für den ersten Hund, der hier seine Ruhe fand. Nimroth, der treue Hund des Försters Hahn, hat sein Herrchen einst bei dichtem Nebel sicher aus der damaligen sumpfigen Gegend des Goldfischteiches nach Barsberge geführt. Als Dank dafür begrub ihn Förster Hahn 1878 in der Nähe des Forsthauses und stellte einen Grabstein auf. Dieses war der Beginn für den ältesten erhaltenen Hundefriedhof der Welt, älter noch als der Pariser Tierfriedhof von Asnières, den die Behörden 1899 gestatteten.

Schien der Gedanke, ein Haustier nach dessen Tod auf einem Friedhof zu begraben oder einzuäschern, vor wenigen Jahrzehnten noch abwegig, boomt die Branche wie nie zuvor. Etwa 80000 in Krematorien verbrannte Tiere und weitere 10000 Neuzugänge auf einem der bundesweit 120 Tierfriedhöfe sprechen ebenso eine eigene Sprache wie die knapp 30 Millionen Euro Umsatz der Tierbestatter-Branche. Tendenz steigend.

Foto: Markus Scholz/Picture alliance/dpa

Foto: Markus Scholz/Picture alliance/dpa

Nur ein neues Geschäftsfeld oder doch ein Signal für uns? Für den einen gilt ein Tierfriedhof als Gipfel der Gefühlsduselei, für den anderen gehört die Bestattung in der geweihten Erde des Friedhofes zu den Privilegien des Menschen als besondere Schöpfung Gottes. Doch waren nicht auch Tiere im Paradies, sind sie nicht von Erde genommen wie Menschen und gehen dahin zurück (1. Mose 2,19)? Von Martin Luther erzählt man sich: Als ein Mann, dessen Hund gestorben war, Luther fragte, ob der ins Paradies komme, bejahte er: »Glaubst du denn, dass das Reich Gottes eine Wüste ist?«
Wenn Menschen mit ihren Katzen, Hunden, Wellensittichen und Pferden über Jahre zusammenwuchsen, sollen sie ihnen eine letzte Ehre erweisen, ihnen Dank sagen für das gemeinsame Wegstück oder wie beim treuen Nimroth für das, was sie dem Menschen Gutes auch für die Seele taten.

Die ein Leben lang Liebkosten und Gehätschelten sind die Erwählten unter den Tieren, und der Mensch stellt sich ihnen fast gleich. Längst zählen Tierbestattungen mit Trauermusik, Leichenwagen und dem Pfarrer, der am Grab redet, zumindest in den USA zur Normalität. Das viel zitierte »Begraben wie ein Hund« erhält dadurch eine neue Bedeutung. Schließlich bringen immer mehr Menschen ihre Anverwandten ohne Trauerfeier unter die Erde. Der Tod eines Verwandten wird heute mehr verdrängt als früher, als es solche Rituale wie eine Totenwache gab. Nur rasch das Grab schließen, um danach wieder den Alltag zu leben. Was sagt es über die Mitmenschlichkeit, wenn Tierliebe nicht selten kräftiger ist als eine Mensch-zu-Mensch-Beziehung?

Längst soll die Katze nicht mehr Mäuse fangen oder der Hund seinem Jagdinstinkt folgen. Die Tiere wuchsen zu Gefährten für zutiefst einsame Stadtmenschen. Vielleicht ist es auch eine Quäntchen Überlegenheit und Unsicherheit: Ein Tier bleibt ein »Kind«, das verlässt und enttäuscht ­einen nicht. Und Beziehungsbrüche drohen ebensowenig. Traurig, wenn sie die einzigen Gefährten, die letzte »Bezugsperson« im Alltag sind.
Nein, Tierbestattungen auf entsprechenden Friedhöfen sind keine Vermenschlichung, sondern Wertschätzung, wenn man Meerschweinchen, Hund oder Katze damit in Gottes große, weite Hand befiehlt. Warum lassen wir diese Wertschätzung aber im Alltagsleben unseren Mitmenschen oft so wenig angedeihen?

Uwe Kraus

Eine Stimme, die aufweckt und zum Jubelgesang führt

24. November 2012 von redaktionguh  
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»Wachet auf«, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, »wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde«; sie rufen uns mit hellem Munde: »Wo seid ihr klugen Jungfrauen?«
Evangelisches Gesangbuch 147, Strophe 1

Düdüdü-dü … düdüdü-dü … Ach nein – ist es schon wieder früher Morgen?!? Wie das Klingeln des Weckers für erwiesene Langschläfer und Morgenmuffel wirkt, kann auch das »Wachet auf« manchmal unangenehm sein: wenn »die Stimme« anfängt, mit mir zu sprechen, obwohl ich sie in dem Moment gar nicht gefragt oder darum gebeten habe. Ich wollte so gern in meiner »festen Burg« bleiben, hatte mich eingeigelt und mit Vorstellungen so schön eingerichtet. Jetzt wird alles über Bord geworfen, infrage gestellt: Ich soll mir Gedanken machen über kluge und unkluge Jungfrauen – und am Ende der Überlegungen sind die »Klugen« natürlich das »leuchtende Vorbild«.

Katja Bettenhausen, Propsteikantorin, Rudolstadt

Katja Bettenhausen, Propsteikantorin, Rudolstadt

So die erste Trotzreaktion, wenn es bei dem Lied von Philipp Nicolai (Text und Melodie) von 1599 nur um den Text der ersten Strophe ginge. Zum Glück rührt die Melodie im sogenannten ionischen Oktavraum nicht nur an, sondern reißt beim Erklimmen der »Zinnen« regelrecht mit! Geradezu eine Hymne der Kirchenmusik ist der Bachsatz zur dritten Strophe mit »Gloria sei dir gesungen«. Wer mitempfindet, für den färbt sich musikalische Übersetzung von »Wachet auf« in Dunkelrot-C-Dur nach Leuchtend-Orange-D-Dur beim »Gloria« – eine Erhöhung hin zum Jubelgesang der zwölf Jünger (Perlen) auf den Fürsten Jesus Christus (Thron).
Interessanterweise steht »Wachet auf« im Evangelischen Gesangbuch unter der Rubrik »Ende des Kirchenjahres«, während es im katholischen »Gotteslob« ein bekanntes Adventslied ist. Hier lässt sich mit dem Ewigkeitssonntag ein wunderbares Scharnier bilden vom Ende hin zum neuen Anfang. Vielleicht lässt mit diesem Lied auch ein Aufeinander-Zugehen der Konfessionen ermöglichen.
Katja Bettenhausen, Propsteikantorin, Rudolstadt

Befreiende Beichte

20. November 2012 von redaktionguh  
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Kirchenjahr: Mit Schuld umgehen lernen heißt nicht, sich kleinzumachen

Der bevorstehende Buß- und Bettag erinnert an ein fast vergessenes Ritual: die Beichte. Auch Protestanten entdecken sie wieder. Der Mensch braucht sie, weil er nicht ­allein mit Schuld fertig wird.

Nach Jahrzehnten der Verdrängung der Schuld aus dem öffentlichen Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren die gesellschaftliche Gemütslage tiefgreifend verändert: Es ist modern geworden, in der Öffentlichkeit Schuld zu bekennen. Das gilt für die Medien und die Unterhaltungsindustrie ebenso wie für die Politik. Talkshows werden immer wieder als säkulares Beicht- und Bußinstitut bezeichnet.

Viele Zeitgenossen spüren, dass die Welt und ihr persönliches Leben nicht so sind, wie sie sein sollten. Gleichzeitig ist folgende Beobachtung für unsere Gesellschaft charakteristisch: Mehr und mehr ist das Angebot Gottes, um Jesu Christi willen Menschen die Sünden zu vergeben, in Vergessenheit geraten – oder für unzeitgemäß erklärt worden.

Die Erkenntnis persönlichen und gesellschaftlichen Fehlverhaltens bei gleichzeitiger Zurückdrängung des vergebungsbereiten Gottes hat nach Überzeugung des Philosophen Odo Marquard den heutigen Menschen in eine prekäre Lage gebracht: Er muss mit seiner Schuld und Schuldverflochtenheit allein fertig werden.

Als Konsequenz findet er sich in einer »Übertribunalisierung« seiner Lebenswirklichkeit vor. Psychotherapien können zwar erklären, welche Prägungen dazu führen, dass jemand immer wieder an der gleichen Stelle schuldig wird, und auf welche Weise übertriebene Schuldgefühle entstehen. Die damit verbundene emotionale Entlastung soll nicht bestritten werden. Die Vergebung wirklicher Schuld übersteigt jedoch die Möglichkeiten psychotherapeutischen Handelns.

Angesichts dieser Situation sehe ich in Zukunft eine gute Chance, die biblisch-reformatorische Rede von Schuld und Vergebung wiederzugewinnen. Allerdings nur dann, wenn Schulderkenntnis und Schuldbekenntnis als Zeichen der Würde des Menschen erkannt werden!

Sündersein darf nicht als Ausdruck einer zerknirschenden, entmündigenden und kleinmachenden Erfahrung missverstanden werden, sondern muss als heilsam rettende Erfahrung begriffen werden. Das Stehen zu seinem Sündersein ermöglicht Menschen, heilsam bei sich selbst einzukehren.

Ein Beichtstuhl, wie in der katholischen Kirche üblich, ist für die Beichte nicht nötig, sondern wichtig sind Gesprächsatmosphäre und Vertrauen. Jeder in der ­evangelischen Kirche Ordinierte unterliegt dem Beichtgeheimnis und ist somit auch juristisch geschützt. Foto: Pixelwolf/Fotolia

Ein Beichtstuhl, wie in der katholischen Kirche üblich, ist für die Beichte nicht nötig, sondern wichtig sind Gesprächsatmosphäre und Vertrauen. Jeder in der ­evangelischen Kirche Ordinierte unterliegt dem Beichtgeheimnis und ist somit auch juristisch geschützt. Foto: Pixelwolf/Fotolia

Ein Weiteres kommt hinzu: Schuldigwerden gehört zum Menschsein – auch zum Leben als Christ – wesentlich dazu. Ich nehme mein Menschsein dadurch ernst, dass ich meine Schuld eingestehe.
Eine Leugnung, Bagatellisierung oder Verdrängung meiner Schuld würde demgegenüber eine Missachtung meines Menschseins bedeuten. Dass die christliche Rede von Sünde und Schuld dem Menschen seine ­Verantwortlichkeit zurückgibt und zur Stärkung seines Selbstwertgefühls beiträgt, wird nicht von heute auf ­morgen im öffentlichen Bewusstsein Eingang finden. Hier sind auf Seiten von Theologie und Kirche Fantasie und Beharrlichkeit erforderlich.

Lange Zeit missbrauchte die Kirche die Rede von Sünde und Schuld dazu, Menschen in Angst und Abhängigkeit zu halten. Darum ist die Abwehr gerade gegenüber dieser Dimension kirchlicher Verkündigung nur zu verständlich. Es ist höchste Zeit, unterschiedliche alte und neue Formen des Umgangs mit Schuld und Vergebung anzubieten, damit Menschen die Botschaft von der Rechtfertigung allein aus Gnaden wieder praktisch erfahren können.

Die »Thomasmesse« (eine moderne Gottesdienstform aus Schweden, die seit 1993 auch in Deutschland gefeiert wird, d. Red.) hat viel versprechende Formen der Einzelbeichte während des Gottesdienstes entwickelt. Meditative Beichtformen bieten besonders für Jugendliche und junge Erwachsene die Chance, Beichte im Vollzug kennenzulernen.

Peter Zimmerling
Peter Zimmerling ist Professor für Praktische Theologie in Leipzig.

Protestanten in der Politik

19. November 2012 von redaktionguh  
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Mit der Urwahl bei den Grünen scheint sich ein Trend fortzusetzen: Die politischen Spitzen in Deutschland kommen mehr und mehr aus dem Osten der Bundes­republik und sind protestantisch – zunächst Angela Merkel als Kanzlerin, dann Joachim Gauck als Bundespräsident und nun die bündnisgrüne Katrin Göring-Eckardt als eine Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Bundestagswahl. Nebenbei sei erwähnt, dass auch Peer Steinbrück, wenn auch nicht aus dem Osten, so doch evangelischer Christ ist.

Katrin Göring-Eckardt

Katrin Göring-Eckardt

Die Protestanten seien unverhältnismäßig gut repräsentiert, heißt es in einem Artikel des Evangelischen Pressedienstes. Gehen wir nach Quote, ist das richtig. Denn jeweils nur etwa 30 Prozent der Bundesbürger gehören der katholischen bzw. der evangelischen Kirche an, fünf Prozent sind Muslime. Knapp 30 Prozent sind ohne Religion. Aber geht es um Zahlen und Quoten, um Religion oder um glaubwürdige Politik? Vielleicht trauen die Menschen den genannten Politikerinnen und Politikern einen anderen Blick auf die Gesellschaft und damit auf ihre eigene ­Situation zu. Der Wunsch nach ­einem neuen Politikstil zeigt sich ja nicht zuletzt im zumindest kurzzeitigen Erfolg der Piraten.

Als Christen können wir uns freuen, wenn uns Menschen mit christlichen Wertmaßstäben regieren. Katrin Göring-Eckardt hat schon als Präses der EKD-Synode und Kirchentagspräsidentin gezeigt, dass sie die leisen Töne anschlägt und die Dinge differenziert anschaut. Auch macht sie kein Geheimnis aus ihrem Bekenntnis zum christlichen Glauben und hat damit auch in der eigenen Partei nicht nur Freunde.

Einen Vorteil für die Kirche allerdings sollte niemand erwarten oder erhoffen. Unsere Hausaufgaben müssen wir selbst erledigen, weil Staat und Kirche getrennt bleiben müssen. Alles andere wäre dann wirklich unverhältnismäßig.

Dietlind Steinhöfel

Christenlehre kein »Binnenangebot«

19. November 2012 von redaktionguh  
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Landessynode diskutierte Bildungs- und Finanzfragen

Das Thema Bildung in seinen verschiedenen Ausprägungen bestimmte die Aussprache bei der Tagung der Landessynode vom 8. bis 10. November in Bernburg. So plädierte der Synodale Ullrich Hahn aus Garitz für evangelische Schulen. »Chancen, und seien sie noch so klein, sollten wir ergreifen.« Für Schulen müsse »nachgerüstet« werden, gespart werden könne an anderer Stelle. Pfarrer Wolfram Hädicke aus Köthen indessen gab zu bedenken, dass das gute Netz an Grundschulen nicht überdehnt werden dürfe. »Sonst übernehmen wir uns als Landeskirche, denn daraus ergeben sich Verpflichtungen für einen langen Zeitraum.«

Erneut tagten die Synodalen im Saal des Gemeindehauses der Kanzler von Pfau’schen Stiftung – im Vordergrund das präsidium, bestehend aus (von li.) Ursel Luther-von Bila, Leiterin des Finanzamtes Staßfurt; dem Präses Andreas Schindler und dem Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter. Foto: Johannes Killyen

Erneut tagten die Synodalen im Saal des Gemeindehauses der Kanzler von Pfau’schen Stiftung – im Vordergrund das präsidium, bestehend aus (von li.) Ursel Luther-von Bila, Leiterin des Finanzamtes Staßfurt; dem Präses Andreas Schindler und dem Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter. Foto: Johannes Killyen

»Unsere Schulen sind profiliert. An ihnen wird gute Arbeit geleistet – unter oft nicht einfachen Bedingungen«, lobt der Bildungsdezernent der Landeskirche, Oberkirchenrat Manfred Seifert. Mit Blick auf weitere Schulgründungen gab er zu bedenken, dass das Potenzial an Eltern, die ihr Kind auf eine freie Schule schicken würden, begrenzt sei. »Sollte sich aber Nachfrage ergeben, müssen wir reagieren.« Seifert hob in seinem Bericht vor der Synode hervor, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine Aufgabe der gesamten Landeskirche sei: »An ihr sollten alle Gemeinden und Einrichtungen, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende Anteil nehmen.« Trotz der demografischen Entwicklung sei das nach wie vor stabilste Angebot die wöchentliche Christenlehre, die mit ihrer hohen Zahl teilnehmender ungetaufter Kinder kein kirchliches »Binnenangebot« sei.

Die Landessynode würdigte die Arbeit der ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden auf dem Gebiet der Gemeindepädagogik. Darin heißt es aber auch, dass »die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation vordringlich Aufgabe der Kirche und all ihrer Gliederungen sein muss«. Die Kirchengemeinden einer Region sollten enger zusammenarbeiten, Ehrenamtliche besser begleitet werden. Bei der Neueinstellung von Pfarrern sei stärker auf deren gemeindepädagogische Kompetenz zu achten.

Der neue Finanzdezernent der Landeskirche, Rainer Rausch, stellte den Synodalen einen Haushalt ohne große Abweichungen beim Vergleich der Jahre 2012 und 2013 vor. »Die Sum-me der Einnahmen und die Summe der Ausgaben (jeweils rund 14,7 Millionen Euro) sind fast deckungsgleich«, sagte er. Verglichen mit dem Gesamtergebnis des Jahres 2011 sind es indessen rund zwei Millionen Euro weniger. Es komme nicht darauf an, dass es jedes Jahr mehr wird. »Wir haben uns an den Gegebenheiten des Jahres 2012 orientiert, weil uns insoweit kein Geld gefehlt hat, um die vielfältigen kirchlichen Aufgaben zu erfüllen.«

72 Prozent des Haushaltes für 2013 fließen aus drei Quellen: Die Kirchensteuereinnahmen machen mit rund 3,9 Millionen Euro 26 Prozent aus. Aus dem EKD-Finanzausgleich kommen rund 4 Millionen Euro (27 Prozent). Als nächstes folgen Staatsleistungen in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro (19 Prozent). Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Gerhard Erfurth aus Freckleben, dankte in der Aussprache den Geberkirchen. »Es ist unsere Pflicht, gewissenhaft und sparsam mit diesen Mitteln umzugehen.«

Die Synodalen informierten sich über den grundlegenden Umbau der Evangelischen Grundschule in Dessau, die die Landeskirche am 6. Juni dieses Jahres in ihre Trägerschaft übernommen hatte. Bis Ende nächsten Jahres fließen rund 5,5 Millionen Euro in das Projekt. Für die Sanierung genehmigte die Synode einen Sonderhaushalt als eine Investition in die Zukunft.
Angela Stoye

Ein Bruder in Christus

19. November 2012 von redaktionguh  
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Am 20. November wird der Bischof des Bistums Erfurt, Joachim Wanke (71), in den Ruhestand verabschiedet. Er bekleidete seit 1981 dieses Amt in Erfurt. Drei evangelische Wegbegleiter äußern sich:

Christoph Kähler (2001 bis 2009 Thüringer Landesbischof): Als Joachim Wanke 1980 als Bischof berufen wurde, kannte ich ihn bereits. Denn einmal im Jahr trafen sich die Neutestamentler der DDR in Wittenberg und berichteten sich gegenseitig über ihre Forschung. Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren anregend und setzten Maßstäbe. Darum bedauerte ich damals einerseits, dass der kluge und genaue Ausleger des Neuen Testaments dem Fach verlorenging. Andererseits konnte ich mir gut vorstellen, dass die Sorgfalt im Umgang mit den biblischen Texten auch im Umgang mit den anvertrauten Menschen erkennbar wird. Diese Hoffnung hat nicht getrogen.

Joachim Wanke

Joachim Wanke

Dass das katholische Bistum ähnliche Kürzungen vornehmen musste wie wir in der evangelischen Kirche, gehört zu dem bitteren Erbe der beiden deutschen Diktaturen. Joachim Wanke hat darum die kirchliche Herausforderung in Ostdeutschland oft in einem Bild beschrieben: Es gilt, den geistlichen Grundwasserspiegel zu heben! Damit war auch eine gemeinsame ökumenische Grundaufgabe bezeichnet, die keine Kirche für sich lösen kann. So erinnere ich mich besonders gern an das Elisabethjahr 2007. Denn in dieser Zeit haben wir gemeinsam und jede Kirche für sich eine junge, engagierte Christin besser kennengelernt und einer erstaunten Öffentlichkeit überraschend anderes und Anziehendes aus dem »finsteren Mittelalter« gezeigt. Dankbar bin ich für seine verläss­lichen Zusagen bei Fragen, wo wir zunächst verschiedener Meinung waren, wie beim Religionsunterricht am Christlichen Gymnasium Jena. Kurz, wir haben Joachim Wanke als Bruder in Christus kennengelernt.

Elfriede Begrich (1999 bis 2010 Pröpstin in Erfurt): Ich denke, dass er im Herzen ein größerer Ökumeniker ist, als das Amt es zulässt. ­Bischof Wanke erlebte ich als ­Herzensökumeniker, der seine Grenzen akzeptiert.

Roland Hoffmann (1992 bis 2001 Thüringer Landesbischof): Am meisten beeindruckt mich heute noch, dass ich von Bischof Wanke zu den Priesterweihen geladen war. Ich konnte als evangelischer Gast immer ein Grußwort sprechen. Das war damals einmalig in ganz Deutschland und ein Ausdruck der Ökumene, die zwischen uns in Thüringen gewachsen war. Joachim Wanke war ein standfester Katholik und hat auch in kritischen Zeiten verlässlich zu seiner Kirche gestanden. Bei uns Evangelischen ist es ja oft so, dass Kritik gleichbedeutend wahrgenommen wird mit einer Distanzierung von der eigenen Kirche. Von ihm kam immer ganz klar das Bekenntnis: Ich bin katholischer Christ.

Wir haben zudem eine Verbindung besonderer Art: Wir sind beide in Schlesien geboren. Unsere Heimatorte liegen etwa 50 Kilometer voneinander entfernt.

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