Singen zum Wohle der Bedürftigen

30. April 2013 von redaktionguh  
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Kindermusical »Elisabeth« erlebte in Weimars Johanneskirche begeisterte Aufführung

Foto: Thomas Müller

Foto: Thomas Müller

Auf große Resonanz ist am 21. April die Aufführung des Musicals »Elisabeth« in der Weimarer Johanneskirche gestoßen, das von Gemeindepädagogin Heidi Scholz mit Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren einstudiert wurde. Es erzählt von den Holzwürmern Boris und Bohra, die erleben, wie die vierjährige ungarische Prinzessin Elisabeth auf die Wartburg gebracht wird, um den Landgrafensohn Hermann zu ehelichen. Nach dessen frühem Tod heiratet sie einige Jahre später seinen Bruder Ludwig.

Die Holzwürmer sind beim Schloss­putz und der prächtigen Hochzeit ­dabei, werden aber auch Zeugen, wie Elisabeth nach dem Tod Ludwigs auf Reichtum und Krone verzichtet, um sich ganz den Armen zu widmen.

Das Singspiel von Gabi und Amadeus Eidner beschreibt das außergewöhnliche Wesen dieser Frau, die bis heute als Vorbild christlicher Nächstenliebe wirkt. Die Kostüme gestaltete Sibylle Auf der Heyde.

Zu weiteren Präsentationen des Musicals wird am 28. April, 10 Uhr, in die Kirche von Oberweimar und am 4. Mai, 16 Uhr, ins Gemeindezentrum Weimar-West eingeladen.

Bei zwei Schulaufführungen und der Premiere wurden 395 Euro für das Projekt »Weimarer Tafel plus« gespendet, das kostenfreie Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche ermöglichen soll. Dabei erweist es sich als Glücksfall, dass die Spendenbeträge von der Share Value Stiftung jeweils verdoppelt werden.
(mkz)

Boxenstopp bei Gott

29. April 2013 von redaktionguh  
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Neuer Gottesdienst ist erfolgreich an den Start gegangen

Gastwirt Dieter Wolter in Schollene öffnete seine Türen für den Boxenstopp. Der neue Gottesdienst des Pfarrbereiches Schönhausen mit seinen gut 800 Mitgliedern hatte am Nachmittag des 20. April in seinem Restaurant Premiere. Er begann mit fröhlichem Kaffeeklatsch. Währenddessen konnten die Besucher aus dem Osten des Kirchenkreises Stendal sich ganz in Ruhe den etwas anderen Gottesdienstraum anschauen. In die gesellige Runde hinein fing die Band der Jungen Gemeinde an zu spielen. So begann der Gottesdienst für die ganze Familie, über dem das Thema »Glück muss man haben!« stand.

Auf die Idee kamen die Organisatoren auf dem Gemeindekongress in Halle. Sie orientierten sich an dem »Himmlisch anderen Gottesdienst« im nordthüringischen Oldisleben.

Beim Boxenstopp sinnierten im Anspiel Menschen im Wartezimmer darüber, was für sie Glück ist. Foto: Dorit Lau-Stöber

Beim Boxenstopp sinnierten im Anspiel Menschen im Wartezimmer darüber, was für sie Glück ist. Foto: Dorit Lau-Stöber

Er hat einen missionarischen Ansatz und es kamen auch einige Nicht-Gemeindeglieder. Vor dem Betreten einer Gaststätte haben sie weniger Scheu als vor einer Kirchenschwelle.
Ein witziges Anspiel hatten die Organisatoren aus der Kirchengemeinde Schollene vorbereitet. Sie karikierten die Situation im Wartezimmer eines Arztes. Die Patienten beschrieben ihre Vorstellung von Glück. Der reiche Kindersegen, die Gesundheit, die Schönheit der Natur, der Glaube an Gott oder auch der Lottogewinn – für jeden bedeutet Glück etwas anderes.

Im Zentrum des Gottesdienstes stand die Fragen-Box. Sie war schnell gefüllt mit Fragen zum Thema Glück, Gemeinde oder Glauben. Pfarrer Ralf Euker hatte zur Beantwortung jeweils maximal eine Minute Zeit. Eine große Bandbreite an Fragen musste er beantworten: Ist es Zufall, Glück zu haben? Warum ist es so schwer, an Gott zu glauben? Wo ist Ihre Heimat, Herr Pfarrer? Eine sehr unterhaltsame und kompetente Talkrunde konnten die gut 80 Besucher auf diese Weise erleben. »Die Box funktionierte gut, weil jeder anonym bleiben konnte«, erzählt Ralf Euker. Und obwohl er als ausschweifender Redner verschrien sei, habe ihm die Zeitvorgabe keine Probleme bereitet. »Eine Minute ist ganz schön lang!« In eine zweite Box warfen die Besucher persönliche Anliegen, die in das Abschlussgebet mit aufgenommen wurden.

Auch die vielen Kinder wurden glücklich. Die Kinder-Box mit vielen kreativen Beschäftigungsmöglichkeiten wartete auf sie.

Boxenstopp soll zum »Auftanken« dienen, soll eine Erfrischung für die Seele sein, eine Auszeit im Rennen des Alltags. Ein zweiter Boxenstopp ist für Oktober geplant. In einem anderen Ort des Pfarrbereichs, mit einem anderen Redner, aber wieder nicht in der Kirche. Und wieder ausdrücklich als Einladung an alle im Pfarrbereich Wohnenden.
(wäl)

Miteinander unterwegs sein

29. April 2013 von redaktionguh  
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Kristina Kühnbaum-Schmidt wird am Sonntag eingeführt

Sie schätzt an ihrem Beruf den ­Kontakt mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. »Das Schöne ist, mit Menschen zu tun zu haben, die gerade großes Glück und große Freude erleben«, sagt Kristina Kühnbaum-Schmidt. Genauso wichtig sei es ihr, für Menschen dazusein, die Leid tragen und in Trauer sind. Die neue Regionalbischöfin für den Propstsprengel Meiningen-Suhl wird am 28. April (14.30 Uhr, Stadtkirche Meiningen) in ihr Amt eingeführt.

November 2012: Die Landesbischöfin gratuliert der neu gewählten Pröpstin. Foto: EKM/Gerhard Seifert

November 2012: Die Landesbischöfin gratuliert der neu gewählten Pröpstin. Foto: EKM/Gerhard Seifert

Sie habe sich gefreut, als sie von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gefragt wurde, ob sie diese Verantwortung übernehmen wolle. Bei ihrer Entscheidungsfindung habe sie sehr viel Positives in der hiesigen Kirche gesehen. Zum Beispiel gefalle ihr, wie die EKM auf den kirchlichen Strukturwandel reagiert. »Das finde ich spannend.« Sie weiß aber auch, dass die veränderten Strukturen noch nicht überall voll akzeptiert sind, hier und dort Beschwerden verursachen. »Solche Veränderungsprozesse rufen immer ganz unterschiedliche Gefühle und Gedanken wach. Die sind alle wichtig.« Es wäre nicht gut, meint sie, wenn übersehen würde, dass es dem einen oder der anderen noch an dieser oder jener Stelle schwerfällt, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. »Diese unterschiedlichen und auf den ersten Blick manchmal widersprüchlichen Erfahrungen gehören zusammen.« Widersprüche, gegensätzliche Auffassungen könne sie gut aushalten. »Das ist – glaube ich – eine Stärke«, sagt Kühnbaum-Schmidt von sich.

Sie wurde 1964 in der Nähe von Braunschweig geboren. Mit Kirche in Berührung gekommen sei sie im Kindergottesdienst, wo es zu den ­biblischen Geschichten die »schönen Sammelbildchen« gab, sagte sie in ­Erfurt nach ihrer Wahl zur Regionalbischöfin im November 2012.

Nach dem Theologiestudium arbeitete sie als Pfarrerin in Braunschweig. Daneben war sie in der Landeskirche Braunschweigs im pastoralpsychologischen Dienst, als Dozentin am Predigerseminar sowie als Studienleiterin der Evangelischen Akademie tätig. Kühnbaum-Schmidt ist verheiratet und hat eine Tochter.

Als Theologin ist ihr die Vorstellung vom wandernden Gottesvolk wichtig – dem Gottesvolk, das unterwegs und eben noch nicht angekommen ist – ein Aspekt, den auch die diesjährige Jahreslosung anspricht: »Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.« Wesentlich für sie sei, »dass wir als Menschen alle auf Erden Gäste und Fremdlinge sind, angewiesen auf Gastfreundschaft«. In dieser biblischen Aussage erkennt sie einen »theologisch ganz wichtigen Gedanken, nämlich dass nicht alles schon fertig, sondern im Werden ist. Und dass wir uns dabei als Schwestern und Brüder brauchen und aufeinander angewiesen sind.«

Sabine Kuschel

Zum Propstsprengel Meiningen-Suhl gehören die Kirchenkreise Arnstadt-Ilmenau, Bad Salzungen-Dermbach, Henneberger Land, Hildburghausen-Eisfeld, Meiningen, Rudolstadt-Saalfeld und Sonneberg.

Kann Steuer Sünde sein?

29. April 2013 von redaktionguh  
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Die Empörung ist groß: Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat Steuern ­hinterzogen und sich selbst beim Finanzamt angezeigt. Noch ist unklar, um welche Summen es geht. Fest steht: Hoeneß hat sein Geld gehamstert, statt seinen Anteil dem Gemeinwesen beizusteuern.

Nun ist allerorten von Hoeneß als »Steuersünder« die Rede. Das fremdgewordene Wort »Sünde« ­feiert fröhliche Wiederkehr. Der Volksmund weiß, dass bei Geld nicht nur die Freundschaft aufhört, sondern oft genug die Sünde anfängt: das egoistische Verhalten, das nur den eigenen Vorteil sucht.

Gott sei Dank wurzelt unser Land noch auf dem Mutterboden biblischer Überlieferung und qualifiziert Steuerhinterziehung als Sünde, nicht als Kavaliersdelikt. Gott sei Dank gibt es noch ein Bewusstsein darüber, dass der Einzelne eine Verantwortung für die Gemeinschaft hat und dass Geld nicht nur zu horten, sondern auch zu ­teilen ist.

Doch eigentlich kann einem der millionenschwere Fußballboss leidtun. Nicht wegen der bevorstehenden Konsequenzen und seines Imageverlustes. Wohl aber wegen seiner offensichtlich unstillbaren Gier, die ihn blind werden ließ für das große Ganze.

»Beneide nie einen Millionär«, sagte einmal der lateinamerikanische Theologe Jon Sobrino und spielte auf die Fesseln des Geldes an. Eine Million genügt nicht, eine nächste muss her – rastlos dreht sich die endlose Spirale des Strebens nach immer mehr.

Jesus hat diese innere Not erkannt. Er ist kein Moralapostel, wenn er dem reichen Jüngling empfiehlt, seinen Besitz zu verkaufen und das Geld zu spenden. Jesus will erlösen vom Mammon, dem falschen Gott der Gier. Jesus weiß: Hängt man nicht mehr am Geld, hat man einen Schatz im Himmel.

Stefan Seidel

Lob Gott getrost mit Singen

28. April 2013 von redaktionguh  
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Kirchenmusik: Ein wichtiger Dienst bei der Verkündigung der Frohen Botschaft

Wenn es am Sonntag Kantate in den Kirchen singt und klingt, sind viele Ehrenamtliche im Einsatz.

Thomas Wiesenberg könnte ein Lied von der Arbeitsbelastung eines Kirchenmusikers singen. Doch der Kreiskantor des Kirchenkreises Egeln zählt eher nüchtern auf: Rund um Ostern standen elf Gottesdienste und drei Konzerte auf seinem Arbeitsplan. Sonst hat er für das Ascherslebener Kirchspiel zwei Gottesdienste am Sonntag zu spielen, dazu kommen besondere Gottesdienste an Sonnabenden mit einem geraden Datum. Die sind für Familien und solche, die ungern am Sonntag früh aufstehen oder auch gern einmal einen Gottesdienst ohne traditionelle Liturgie erleben wollen.

Tausende Sängerinnen und Sänger trafen sich zum Propsteichortag wie hier in Magdeburg im vergangenen Jahr am 8. Juli. Foto: Viktoria Kühne

Tausende Sängerinnen und Sänger trafen sich zum Propsteichortag wie hier in Magdeburg im vergangenen Jahr am 8. Juli. Foto: Viktoria Kühne

Am Sonntag Kantate, so der Kirchenmusiker, wird in der Ascherslebener St.-Margarethen-Kirche auf jeden Fall das »Lob Gott getrost mit Singen« erklingen (Evangelisches Gesangbuch 243). »In der Bibel wird viel und oft gesungen«, sagt er. Zudem komme der Kammerchor des evangelischen Sängerbundes. »Wir haben immer mal wieder andere Kantoreien und Chöre zu Gast. In der Kirchenmusik ist Abwechslung durchaus erwünscht.« So saßen seine Sänger auch schon in den Kirchenbänken, sodass der Gemeindegesang vierstimmig erklang. Drei hauptamtliche Kirchenmusiker arbeiten im Kirchenkreis Egeln, der von Ost nach West 80 Kilometer misst; mehr gibt der Etat nicht her. »Weniger geht nicht, weil man wenigstens in den Städten Oschersleben, Aschersleben und Schönebeck, einst selbst Kirchenkreise, präsent sein muss.«

Nicht in allen Orten könne man ausreichend Musik bieten. »In einem Jahr schafft man es leider nicht in jede Gemeinde.« So feiern Nachbargemeinden gemeinsam Gottesdienste, »wovon die kleineren sogar profitieren, in denen die Besucherzahl gelegentlich einstellig bleibt«. Umgekehrt kommen seine Sänger in der Kantorei ebenso wie seine Turmbläser aus den umliegenden Orten in die Stadt. Und Kontakte in die angrenzende anhaltische Kirche werden ebenso gepflegt. So wollen im Sommer die Kantoreien Gernrode, Ballenstedt, Aschersleben und Neinstedt die Tangomesse »Misa a Buenos Aires« von Martin Palmeri aufführen.

Als Kirchenmusiker schmerzt es ihn natürlich, dass in der Hälfte der Gemeinden sonntags im Gottesdienst ohne Begleitung gesungen wird, manche helfen sich mit Musik von CDs aus, die über den Gemeindedienst der EKM zu beziehen sind. »Nicht jede Kirche hat eine intakte Orgel, sodass am Klavier oder Keyboard begleitet wird. Das gute alte Harmonium hat ausgedient. Es spielt keiner mehr, aber oft steht es noch da.« Ein paar Musiklehrer, zu denen gute Kontakte bestehen, oder Gemeindeglieder helfen. »Ohne die Ehrenamtlichen würde es noch ärmer aussehen.«

Immerhin zählt die Kirchemusik der EKM fast 19000 Ehrenamtliche an Orgel, in Chören oder als Chorleiter. Das ist die größte Ehrenamtsgruppe, mehr als in den Gemeindekirchen­räten, und sie bestreiten rund 6000 kirchenmusikalische Veranstaltungen im Jahr. In der Landeskirche Anhalts gibt es rund 1500 Ehrenamtliche in 40 Kirchen- und 15 Posaunenchören zudem nebenamtliche Organisten. Zu Kantate werden die meisten von ihnen im Einsatz sein, damit in möglichst vielen Kirchen das Lob Gottes musikalisch erklingt. Viele der ehren- oder nebenamtlichen Organisten und Chorleiter nehmen Angebote zur Qualifizierung an, lassen sich als C- oder D-Kantor ausbilden.

Der Landeskirchenmusikdirektor der EKM, Dietrich Ehrenwerth, weiß um die Sorgen seiner Kollegen. »Doch wir brauchen keinen Abgesang auf die Kirchenmusik anzustimmen. Ich schaue gern ins Land, weil sie grünt und blüht. Ja, die Chöre und die Organisten werden älter, junge Leute wandern ab.« Unterdessen sei die Zahl der Stellen gleichbleibend. »Wenn ich miterlebe, wie die Stellenneubesetzungen laufen, fühle ich mich beglückt. Da sitzen viele fröhliche Menschen in den Findungskommissionen, denen man in jeder Faser anmerkt, sie wollen hochwertige Musik im Kirchenraum und schauen genau, wer da kommt.«
Er habe beobachtet, wie stark sich die Chöre und Gruppen selbst daran beteiligen. »Die kommen am Sonnabendnachmittag zusätzlich – aus Interesse am Neuen und um eine tolle Vorstellung der Bewerber zu ermöglichen. Ich fahre nach solchen Terminen stets beglückt nach Hause.«

Uwe Kraus

Musik stärkt Glauben, Hoffnung und Liebe

27. April 2013 von redaktionguh  
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Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Psalm 98, Vers 1

Sie hatte kein leichtes Leben. Und im Trauergespräch versichern mir die Angehörigen: »Nein, das Wort ›Gott‹ hat unsere Mutter nicht in den Mund genommen.« Wenig später erkundige ich mich nach den besonderen Interessen der Verstorbenen. Die Freude am Garten fällt der Familie bald ein. Und: »Sie hat so gern gesungen.« Ich möchte noch etwas mehr erfahren über diese Frau, die ich ja nicht kannte. Wie sie gedacht und gefühlt haben könnte. Und frage weiter, welche Lieder das denn waren. Und dann freue ich mich über die Antwort: »Großer Gott, wir loben dich.«

Auch wenn ich das den Angehörigen nicht so sagen muss: Ich freue mich, dass das Wort »Gott« eben doch ins Leben der Verstorbenen gehört hat. Und nicht nur nachher in der Trauerrede auf dem Friedhof vorkommen wird.

Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Sömmerda

Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Sömmerda

Ich freue mich aber auch, weil wir uns so ähnlich sind, diese mir unbekannte Sängerin und ich. Wenn ich singe, kommt mir das Wort »Gott« und alles, was mit Ihm zu tun hat, auch besonders leicht über die Lippen. Die steilsten Glaubensbeteuerungen, gewöhnungsbedürftige Psalmworte – ganz egal, ob in Bach-Kantaten oder in swingenden Gospeln, in ­alten oder neuen Liedern: Wie könnte ich etwas ­hinterfragen, wenn die Musik so herrlich ist! Wie könnte ich etwas anzweifeln, was mir doch so guttut? Wenn ich singe, egal ob allein in der Küche beim Kartoffelschälen oder in wunderbaren Chören in einer Kirche: Ich verlasse meine Selbst-Umlaufbahn. Ich atme freier. Ich fühle weitherziger. Ich hoffe über meine Erfahrungen und über logische Grenzen hinaus.

Dass es überhaupt Musik gibt, die Menschen – mindest vorübergehend – bewegt und verändert, Musik, die in uns Glauben, Hoffnung und Liebe stärken und uns so von innen her neu machen kann und auch äußerlich irgendwie schöner, ist das nicht wirklich göttlich? Auf jeden Fall ist es ein riesiges Wunder. Eins, das mich immer wieder neu begeistert.

Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Sömmerda

Festung Europa

23. April 2013 von redaktionguh  
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Mitten in Europa liegt Deutschland – und sitzt gerade deshalb zwischen allen Stühlen. Nicht nur wegen des Euro. Es rückt in ­einem sensiblen Bereich ins moralische Abseits: im Umgang mit Asylsuchenden und Flüchtlingen. Der Bürgerkrieg in Syrien macht das auf fatale Weise deutlich.

Gerade mal 5000 syrische Flüchtlinge will Deutschland in diesem Jahr aufnehmen; das hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zugesichert. Gewiss ließe sich streiten, ob diese Zahl angemessen ist. Sie ist auf jeden Fall eine humanitäre Geste, mehr aber nicht. Syriens Nachbarländer haben Hunderttausende aufgenommen. Auch die Bevorzugung christlicher Flüchtlinge leuchtet wegen der kulturellen Nähe nur oberflächlich ein. Sie bedeutet in ihrer Konsequenz, dass ein Muslim nur deswegen nicht willkommen ist, weil er Muslim ist.

Schon mit der Aufnahme verfolgter Iraker hat sich Deutschland schwergetan, sich mühsam »Kontingente« für Flüchtlinge abringen lassen. Für Syrer erweist sich Deutschland zunehmend als Festung. Und Deutschland sitzt tief im Innern am warmen Kamin, an den Zinnen der Burg patrouillieren ­andere. Die Dramen auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, in den spanischen Afrika-Enklaven Cëuta und Melilla oder an den Gestaden der Kanaren zeichnen ein garstiges Bild, wie Deutschland sich die Habenichtse und Bedrängten dieser Welt vom Leibe hält.

Nun lassen sich die Probleme nicht lösen, indem man alle nach Deutschland holt, die unter ihnen leiden. Asyl allein schafft noch keinen Frieden. Doch es rettet Menschenleben. Wenn die europäischen Freunde nun auf Deutschland zeigen und sagen, der reiche Nachbar in ihrer Mitte werde seiner Verantwortung nicht gerecht, wird man ihnen schwerlich widersprechen können.

Wolfgang Weissgerber

Ein Jahr lang feiern

23. April 2013 von redaktionguh  
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Kirchengemeinde Nöbdenitz begeht die Ersterwähnung ihrer Kirche 1313

Mit einer Reihe von Veranstaltungen begeht die Kirchengemein­de Nöbdenitz (Kirchspiel Schmölln) die Ersterwähnung ihres Gotteshauses vor 700 Jahren. Da kein Zweifel besteht, dass es hier bereits früher eine Kirche gab, stehen die Feierlichkeiten unter dem Motto »Über 700 Jahre ­Kirche in Nöbdenitz«.

»Wir wollten keinesfalls ein einmaliges Fest begehen, sondern ein ganzes Jahr feiern, sagt Wolfgang Göthe, einer der Hauptinitiatoren. »Deshalb wurden die ehemaligen Pfarrer, die noch bei guter Gesundheit sind, zu einer Gastpredigt eingeladen. Viele von ihnen haben zugesagt.«

Die ersten Veranstaltungen sind bereits auf großes Interesse gestoßen. So gestalteten sich Anfang April Lesung und Gast-Gottesdienst des ehemaligen Nöbdenitzer Pfarrers Thomas Perlick zu einem bewegenden Wiedersehen. Heute in Römhild tätig, ­präsentierte er Kostproben aus seinen Büchern und predigte in Reimform, was im 19. Jahrhundert durchaus üblich war.

In Nöbdenitz gab es schon vor über 700 Jahren eine Kirche, auch wenn das heutige Gotteshaus Ende des 19. Jahrhunderts auf den Grundmauern des Vorgängerbaus komplett neu errichtet wurde. Gegenüber steht die »Tausendjährige Eiche«. Foto: Marlene Hofmann

In Nöbdenitz gab es schon vor über 700 Jahren eine Kirche, auch wenn das heutige Gotteshaus Ende des 19. Jahrhunderts auf den Grundmauern des Vorgängerbaus komplett neu errichtet wurde. Gegenüber steht die »Tausendjährige Eiche«. Foto: Marlene Hofmann

Der Kalender der Kirchengemein­de, zu der mit Nöbdenitz, Posterstein und Lohma drei Kirchen gehören, ist prall mit Veranstaltungen gefüllt. So wird Ende des Monats die ehemalige Pfarrerin Renate Ellmenreich aus Mainz erwartet, die von 1976 bis 1980 in Nöbdenitz wirkte. Sie berichtet am 27. April von ihrem Aufenthalt im Libanon, wo sie sich dem interreligiösen Dialog widmete, und predigt tags darauf. Zu Himmelfahrt ist ein Gottesdienst im Grünen geplant, zu Johanni (23. Juni) wird die Nöbde­nitzer Schautafel am Lutherweg mit Johannisfeuer und Bläsermusik eingeweiht und am 18. August folgt der »eigentliche« Festgottesdienst zum ­Jubiläum.

Die zum Kirchspiel Schmölln gehörige Gemeinde zählt 250 Mitglieder und ist schon früher durch das Engagement ihrer Mitglieder aufgefallen. Die stemmen derzeit mehrere Großprojekte gleichzeitig: Die Sanierung der Kirche Lohma in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Kirche Lohma, das Projekt »Mehr-Generationen-Ko­chen« zusammen mit der ortsansässigen Arztpraxis, den Anschluss an den Thüringer Lutherweg und den Ausbau eines Seitengebäudes des Pfarrhofs zu einer Kultur- und Bildungswerkstatt. In Posterstein, dessen Burgkirche für ihr einzigartiges barockes Schnitzwerk bekannt ist, soll enger mit dem Museum zusammengearbeitet werden. Darüber hinaus finden regelmäßig Christenlehre, Seniorenkreis und Frauenkreis statt.

Fast die gesamte Verwaltung erfolgt durch den Gemeindekirchenrat. Dietmar Wiegand, der amtierende Pfarrer, findet dafür lobende Worte: »Da mein Pfarramtsbereich zehn Dorfkirchen sowie einen Seelsorgebereich in Schmölln mit insgesamt 1400 Gemeindegliedern umfasst, kann ich nicht alle Veranstaltungen in Nöbdenitz selbst wahrnehmen, freue mich aber sehr auf die möglichen Begegnungen mit den Vorgängerinnen und Vorgängern im Amt.« Besonders dankbar sei er für die eigenverantwortliche Arbeit der Kirchengemeinde Nöbdenitz, deren Stellenanteil am 2011 vergrößerten Kirchspiel Schmölln I um die Hälfte reduziert wurde.

Marlene Hofmann

Neue Ideen und frischer Wind

22. April 2013 von redaktionguh  
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Jugend: Zukunftskonferenz in Lutherstadt Wittenberg fordert verbindliche Absprachen

Bei der Zukunftskonferenz der Evangelischen Jugend in Mitteldeutschland vom 12. bis 14. April in Lutherstadt Wittenberg ging es nicht um Symbole. Die Teilnehmer versuchten, konkrete Ideen zu entwickeln, wie Kirche morgen sein könnte.

Karolin Pott (17) sagt, sie sei ohne besondere Erwartungen nach Wittenberg gekommen. Aber Vorstellungen davon, wie Kirche sich verändern müsse, die hat sie. Kirche muss »offener« werden, erklärt sie vor Beginn der Zukunftskonferenz. Und dass Jugendliche stärker wahrgenommen werden müssen; sie bringen »neue Ideen, frischen Wind«. Am Sonntag sitzt Karolin, Gymnasiastin aus Magdeburg und Mitglied im Landesjugendkonvent der mitteldeutschen Kirche (EKM), auf dem Schlosshof. Sie wirkt glücklich. Am Vortag war sie recht angespannt. Sie selbst spricht von einer »Verwirrungsphase«, in die sie vorübergehend geraten war. Was nicht verwundert – die Zukunftssuche der über 50 Jugendlichen aus der gesamten Landeskirche war komplex und außerordentlich vielstimmig.

Ihre Thesen diskutierten die jungen Christen mit den Synodalen auf dem Wittenberger Marktplatz. Dabei der neue Präses Steffen Herbst (2. v. r.). Foto: EKM/Seifert

Ihre Thesen diskutierten die jungen Christen mit den Synodalen auf dem Wittenberger Marktplatz. Dabei der neue Präses Steffen Herbst (2. v. r.). Foto: EKM/Seifert

Das Motto der Konferenz, zu der die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, das Evangelische Kinder- und Jugendbildungswerk Magdeburg und das Kinder- und Jugendpfarramt der EKM eingeladen haben, lautet »Deine Kirche – ohne mich. Jugend will mehr!« Damit die Teilnehmer nicht bloß im eigenen Saft schmoren, sind Erwachsene aus Kirchenkreisen und Mitarbeitende der Landeskirche vor Ort anwesend. Nicht alltäglich, wie Pascal Engel findet, der die Tagung neben Jutta Weimar moderiert. Es handele sich hier eben nicht um »Quotenjugendliche«.

Tatsächlich kommt es zu Begegnungen auf Augenhöhe mit Verantwortlichen der Landeskirche. Am Sonnabendmittag kommunizieren die jungen Leute ihre Thesen auf dem Wittenberger Marktplatz mit den Landessynodalen, die zeitgleich in der Lutherstadt ihre Frühjahrstagung abhalten. Und die hören zu und diskutieren mit. Auf ihrer Zukunftskonferenz arbeiten die Jugendlichen in gemischten Teams und in »Neigungsgruppen« sowie im Plenum. Diskutiert wird ergebnisoffen, jede Meinung ist wichtig, erklärt Weimar. Sie kommt aus Berlin und berät sonst unter anderem Unternehmen. Um diese Pluralität zu strukturieren, beschreiben die jungen Leute meterweise Papier. Es entstehen Mind-Maps, Malwer­ke, Präsentationen. Und weil nur der Zukunft gut ­gestalten kann, der die Vergangenheit kennt, arbeiten sie sich von 1983 (»Was hatten wir?«) zur Gegenwart (»Was haben wir?«) ins Jahr 2017 zu ­ihrer Wunschkirche vor.

Diese Kirche, so heißt es am Sonntag, geht auf Menschen zu. Und jene, die Kirche gestalten, also auch die Jugendlichen von heute, »sind offen gegenüber Neuem (…), anderen Religionen und Weltanschauungen«. Es geht um »verbindliche Absprachen«, Wertschätzung, Dankbarkeit, um Gerechtigkeit und, da ist sie wieder, Mitsprache. Von deren Notwendigkeit überzeugt ist auch Landesjugendpfarrer Andreas Holtz. Es seien die Jugendlichen, welche »die Veränderungen in unserer Kirche und Gesellschaft am stärksten durchleben«. Man müsse ihnen Raum bieten, Begleitung, Unterstützung. Wie das konkret aussehen könnte? Etwa müsse der Landesjugendkonvent gestärkt werden – »als politische Institution unserer Kirche«.

Zu den auf der Konferenz diskutierten Themen und von ihr ausgehenden Impulsen, die viel versöhnlicher ausfallen, als man dies angesichts des Tagungsmottos hätte vermuten können, sagt Holtz: »Es scheint, als müsse sich gar nicht so viel ändern, als müsse man nur die Verschüttungen wegnehmen.« Und, ja, dass sie jetzt dranbleiben wollen, erklären die Jugendlichen selbst und verabreden am Sonntag »erste Schritte«, bevor sie mit einer kleinen Luther-Skulptur zum Gruppenfoto auf den Schlosshof ziehen. Es ist der erste wirklich frühlingwarme Tag in diesem Jahr. Man strahlt. Man hat auch Grund dazu.

Corinna Nitz

Von Liebe und Tod

22. April 2013 von redaktionguh  
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Theaterpredigt in Dessau zu Richard Wagners »Siegfried«

Fühltest du nicht grieselnd/Grausen die Glieder dir fahen?/Glühender Schauer schüttelt die Glieder,/in der Brust bebend und bang/berstet hämmernd das Herz?« So stammelt in Stabreimen der Ziehvater Zwerg. Doch Siegfried, der halbstarke Held aus der Niebelungensage, weiß gar nicht, wovon Mime eigentlich spricht. Angst? Furcht? Nie gehört. Richard Wagner hat in seinem Musikdrama »Siegfried«, das gerade am Anhaltischen Theater Dessau in einer bemerkenswerten, der Bauhaus-Ästhetik verpflichteten Form zu sehen ist, das alte Märchen »von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen« neu erzählt.

Der Journalist, Autor und Schauspieler Andreas Hillger bei der Theaterpredigt in der Johanneskirche Dessau. Fotos (2): Lutz Sebastian

Der Journalist, Autor und Schauspieler Andreas Hillger bei der Theaterpredigt in der Johanneskirche Dessau. Fotos (2): Lutz Sebastian

Die pathologische Furchtlosigkeit und damit verbundene, durchaus verzweifelte Suche Siegfrieds nach etwas, das ihm Angst einflößen möge, fordern zugleich Widerspruch heraus, denn Furcht ist integraler Bestandteil des Lebens. Es war deshalb ein spannender Ansatz des Dessauer Journalisten und Autors Andreas Hillger, bei der zwölften Dessauer Theaterpredigt am Sonntag in der Kirche St. Johannis das christliche »Fürchtet euch nicht!« demjenigen entgegenzustellen, der »das Fürchten nie erfuhr« – nämlich Siegfried.

Hillger wies darauf hin, dass die Dialektik der beiden Ansätze durchaus auch in Wagners Kompositionsplänen zum Ausdruck kommt: Der spätere Bayreuther Meister legte mit »Siegfrieds Tod« Ende 1848 den Grundstein für den »Ring des Nibelungen«, arbeitete gleichzeitig jedoch an dem Passionsspiel »Jesus von Nazareth«. Das freilich kam über Textentwürfe nie hinaus, da Wagner dem Stoff keine Aufführungschancen einräumte.

Der Autor, der Protestant und in der Evangelischen Jugend in Dessau sozialisiert ist, beschrieb vor knapp 200 Besucherinnen und Besuchern in der Dessauer Johanniskirche die große Kluft, welche die christliche Botschaft von germanischer Mythologie trennt. Da jubelt Brünnhilde am Ende des »Siegfried« über »leuchtende Liebe und lachenden Tod«. Während im unkomponierten Drama »Jesus von Nazareth« Liebe den Tod überwindet. »Zwar begegnet uns auch im ›Ring des Nibelungen‹ ein Gott, der die alte Welt mithilfe eines Menschen zerstören und einer neuen Ordnung Platz geben will«, betonte Hillger. »Aber dieser Wotan, der gelegentlich an seiner eigenen Endzeitsehnsucht zu zweifeln scheint und das rollende Rad doch nicht mehr hemmen kann, arbeitet dabei ja auch an seinem eigenen Untergang, an der totalen Negation im Gegensatz zur großen Bejahung des Neuen Testaments.«

Mezzosopranistin Rita Kapfhammer

Mezzosopranistin Rita Kapfhammer

Siegfried lernt am Ende bekanntlich doch noch das Fürchten, freilich nicht durch die Macht eines Drachen, sondern im Anblick einer schlafenden Frau – Brünnhilde. Die Liebe mit ­ihren Höhen und Tiefen, die für den Helden komplettes Neuland ist, wurde – vor und nach der Predigt – in Wagners Wesendonck-Liedern auf ganz anderer Ebene verhandelt: in ­einer wunderbaren Interpretation mit der Mezzosopranistin Rita Kapfhammer vom Anhaltischen Theater und Kirchenmusikdirektorin Martina Apitz aus Köthen an der Orgel. In Erinnerung blieb schließlich auch Andreas Hillgers Aufruf, gegenwärtigen Sparbestrebungen in der Kulturpolitik des Landes Sachsen-Anhalt protestantisch engagiert entgegenzutreten.

Paul Erdmann

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