»Hildburghäuser Union« war ihrer Zeit voraus

30. Juli 2013 von redaktionguh  
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Kirchengeschichte: 1825 vereinigten sich in Hildburghausen die lutherische und die reformierte Kirchengemeinde


Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts war in Hildburghausen Abendmahlsgemeinschaft von lutherischen und reformierten Christen möglich.

Als ein »tolles Beispiel mündiger Gemeinde« wertet Michael Kühne, unlängst als Superintendent des Kirchenkreises Hildburghausen-Eisfeld verabschiedet, die »Hildburghäuser Union«. 1825 hatten sich in Hildburghausen die lutherische und die reformierte Kirchengemeinde zu einer »Vereinigten evangelisch-protestantischen Kirche« zusammengeschlossen. Im Kontext der Kirchengeschichte betrachtet, ist dieses Ereignis eine Besonderheit. Denn seit der Reformationszeit bis 1973 waren Lutheraner, Reformierte und Unierte aufgrund der Lehrstreitigkeiten gespalten, ein gemeinsames Abendmahl war ausgeschlossen. Erst die Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) stellte 1973 Kirchengemeinschaft zwischen den evangelischen Kirchen lutherischer und reformierter Prägung in Europa her. Umso bedeutsamer, dass in Hildburghausen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, lange vor der Leuenberger Konkordie eine Einheit zwischen lutherischen und reformierten Christen möglich war, die nicht von oben verordnet, sondern auf Wunsch der Gemeinden zustande gekommen sei, erklärt Kühne. Zur besseren Einordnung erinnert der promovierte Theologe daran, dass es bei der Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 1945 wegen der Lehrunterschiede zwischen Lutheranern, Reformierten und Unierten kein gemeinsames Abendmahl gegeben habe. Und drei Jahre später, 1948 auf der Wartburg in Eisenach, wo sich die EKD ihre Grundordnung gab, wäre sie beinahe gescheitert an dem lutherischen Votum. Die Lutheraner hätten erklärt, dass sie mit den Reformierten und Unierten keine gemeinsame Kirche bilden könnten, bestenfalls einen Bund bekenntnisverschiedener Kirchen.

Die Apostelkirche in Hildburghausen war die Kirche der vereinigten Gemeinden – Foto: Eva Henneberger

Die Apostelkirche in Hildburghausen war die Kirche der vereinigten Gemeinden – Foto: Eva Henneberger

Erst die Leuenberger Konkordie beendete diese Streitigkeiten. Im März 1973 fanden auf dem Leuenberg bei Basel die beteiligten lutherischen, reformierten, unierten und vorreformatorischen Kirchen zu einer gemeinsamen Auffassung von Taufe, Abendmahl und Evangelium und erklärten die gegenseitigen Verwerfungen der Reformation als nicht mehr zutreffend. Seither erkennen sie die Ordinationen gegenseitig an, erklären Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und verpflichten sich zur Verwirklichung der Kirchengemeinschaft in Zeugnis und Dienst.

Die »Hildburghäuser Union« im Jahre 1825 könne als ein sehr früher Vorläufer der Leuenberger Konkordie, deren 40-jähriges Jubiläum in diesem Jahr gefeiert wird, betrachtet werden, so Michael Kühne. Und noch ein anderes Jubiläum wird 2013 gefeiert, das ebenfalls im Zusammenhang mit der Union in Hildburghausen Anfang des 19. Jahrhunderts steht: 450 Jahre Heidelberger Katechismus, der am weitesten verbreitete Katechismus der reformierten Kirche.

Diese beiden Jubiläen, so Kühne, waren Anlass, die lokalgeschichtliche Besonderheit von Hildburghausen vor knapp 200 Jahren ans Tageslicht zu heben.

In Hildburghausen kennt sich Karl-Heinz Roß mit der Geschichte gut aus. Seit seinem 14. Lebensjahr beschäftigt sich der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates interessehalber mit regionaler Kirchengeschichte. Detailliert beschreibt er die Entstehung der hugenottischen Gemeinde Anfang des 18. Jahrhunderts, der einzigen in Südthüringen. Lediglich in Weimar habe es noch eine weitere von kurzer Lebensdauer gegeben.

Zur Gemeinde in Hildburghausen gehörten französisch-reformierte und deutsch-reformierte Christen. Nachdem Ernst, Herzog von Hildburghausen, 1 711 Glaubensflüchtlingen erlaubt hatte, sich in Hildburghausen anzusiedeln, machten zwölf Familien aus Frankreich den Anfang, gefolgt von Pfälzern und Waldensern aus Enns, erzählt Roß. Aufgrund der zweisprachigen Gemeinde sei in den Gottesdiensten deutsch und französisch gepredigt worden.

Die Hugenotten hatten sich in der Neustadt, das heißt außerhalb der Stadtmauern im nördlichen Teil von Hildburghausen, angesiedelt. »Sie haben die Neustadt aufgebaut«, so Karl-Heinz Roß. Zu den bereits vorhandenen Gebäuden seien weitere hinzugekommen: unter anderem das Pfarrhaus, die heutige Superintendentur, und die reformierte Kirche, die 1722 eingeweiht wurde. Seit 1828 allerdings gehört letztere der katholischen Kirche.

Im Miteinander von reformierten und lutherischen Christen wuchs das Bewusstsein der inneren Zusammengehörigkeit. Wie die Unionsurkunde, am 1. November 1824 unterzeichnet, festhält, sollte die innere Einheit der beiden protestantischen Gemeinden auch äußerlich erkennbar sein. Dies sei einzigartig, betont Kühne. Während Kirchen-Unionen des 19. Jahrhunderts meist auf landesherrlichen Willen zustande kamen, sei in Hildburghausen die gewonnene Erkenntnis von der inneren Einheit Grund für den Zusammenschluss gewesen, nicht die schrumpfende Zahl an Gemeindemitgliedern.

Eine weitere Besonderheit der Hilburghäuser Kirchen-Vereinigung: Die beiden Bezeichnungen lutherisch und reformiert wurden aufgegeben und es entstand eine vereinigte evangelisch-protestantische Kirche, bei Anerkennung der Bekenntnisunterschiede, aber »ohne ferneren Unterschied der Konfession«. Die gemeinsame Kirche wurde die Apostelkirche.

Am 16. Januar 1825 zogen die Reformierten in einer Prozession in die Apostelkirche. Die mit den lutherischen Christen gemeinsame Abendmahlsfeier wurde »nach neuem Ritus« gefeiert. Weißes, ungesäuertes, in längliche Stücke geschnittenes Brot, wurde von dem Geistlichen gebrochen und den Kommunikanten gereicht, so auch der Kelch.

Bereits 14 Tage später, am 30. Januar 1825, war die Wahl eines gemeinsamen Gemeindekirchenrates. Auch diese Tatsache zeuge vom Geist des damaligen Zusammenschlusses, so Kühne, vom Ernst und der Entschlossenheit zur Einheit.

Sabine Kuschel

Niemanden ausgrenzen

29. Juli 2013 von redaktionguh  
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Es kehrt noch lange keine Ruhe ein in die Diskussion über das Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Jetzt fordern 50 Pfarrer aus Baden die Rücknahme als »Orientierungshilfe«. Andererseits verteidigt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung die Schrift und sagt, es sei nicht um eine »katechismusartige Neuorientierung« von Ehe und Familie, sondern um eine »familienpolitische Akzentsetzung« gegangen.

Wird mit dem Papier wirklich der traditionellen Ehe der Garaus gemacht, wie manche befürchten, oder erkennt es nicht vielmehr an, dass auch zum Beispiel homosexuelle Paare bis ans Lebensende unter Gottes Segen treu zueinander stehen wollen? Dass Patchworkfamilien vor allem unter dem Aspekt von zuvor gescheiterten Ehen gesehen werden, ist wohl richtig. Aber auch verwitwete Mütter und Väter finden sich zusammen und bilden eine neue Familie, eine Patchworkfamilie. Gut, wenn es eine Kirche gibt, die ihnen allen Heimat sein kann und in der sie auch über Probleme des Zusammenwachsens ­reden können.

Menschen brauchen die Chance auf einen Neuanfang. Auch jene, deren Ehe scheitert, weil ihre sexuelle Orientierung nicht auf das andere Geschlecht ausgelegt ist und die nun mit einem gleichgeschlechtlichen Partner leben.

Es ist gut, wenn die evangelische Kirche alle diese Menschen nicht ausgrenzt, sondern sie ernst nimmt. Das EKD-Papier ist zumindest ein Versuch, Familie nicht auf Vater, Mutter, Kinder zu beschränken. Das Geflecht der Blutsverwandten und angeheirateten Menschen gehört dazu. Und wenn in der großen Sippe ein lesbisches oder schwules Paar lebt – wer schließt es aus? Hoffentlich niemand, dem das Evangelium etwas bedeutet.

Dietlind Steinhöfel

Das war der Hammer!

29. Juli 2013 von redaktionguh  
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Handwerkerwochenende im Kinder- und Jugendzentrum Quedlinburg

Viele bunte Gartenstühle gibt es jetzt in der »Haltestelle«. Das erste Ferienwochenende war in dem evangelischen Kinder- und Jugendzentrum in Quedlinburg ein arbeitsreiches. Die Kinder waren eingeladen, sich unter dem Motto »Die Kirche hat ’nen Hammer!« als Handwerker zu betätigen und ihre »Haltestelle« zu verschönern und instand zu setzen. Die Idee zu dem Projekt, zu dem fast 40 Mädchen und Jungen kamen, hatte Vikarin Franziska Kaus. »Für die Kinder war es ein großer Spaß. Sie waren so eifrig beschäftigt, dass manche sogar gefragt haben, wann die Pause endlich vorbei ist und sie weiterarbeiten können«, berichtet sie. »Und für uns ist die Idee aufgegangen: Wir wollten den Kindern zeigen, was sie alles mit ihren Händen schaffen können.«

Lukas ließ sich auch von seiner älteren Verletzung nicht abhalten, beim Handwerkertag dabei zu sein. – Foto: Haltestelle/Franziska Kaus

Lukas ließ sich auch von seiner älteren Verletzung nicht abhalten, beim Handwerkertag dabei zu sein. – Foto: Haltestelle/Franziska Kaus

Blumenkästen sind entstanden, eine Kräuterspirale, die Ziegel einer baufälligen Mauer wurden geputzt und zu einer neuen Mauer gefügt, eine Gartentür wurde hergerichtet. Die Kinder – viele von ihnen fahren in den Ferien nicht weg – erlebten, dass sie und ihre Arbeit wertvoll sind. Das etwa 20-köpfige Projektteam konnte fast eine persönliche Betreuung und Anleitung der Kinder gewährleisten.

»Ich habe viel Unterstützung gefunden. Handwerker halfen, allerdings nicht direkt bei der Arbeit, dafür fehlt ihnen die Zeit. So haben vom Abiturienten bis zur Großmutter, vom Hobbybastler bis zur Architektin Ehrenamtliche aus der Gemeinde die Kinder betreut«, freut sich die angehende Pastorin, dass es auch gelungen ist, das Jugendzentrum in der Gemeinde bekannter zu machen. Dazu trug auch das Abschlussfest bei, für das Kinder eine Kartoffelsuppe kochten. Vom Rezeptlesen über das Einkaufen bis zum Schnippeln und Pürieren erlebten sie Handwerk in der Küche. Wiederholung erwünscht, sagt Franziska Kaus.

Renate Wähnelt

Den Pokal des Propstsprengels Halle-Wittenberg gewann die Partnerstadt

29. Juli 2013 von redaktionguh  
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Knapp 200 Läuferinnen und Läufer sind am 14. Juli in Hettstedt für einen guten Zweck auf die Strecke gegangen: Die evangelische Kirchengemeinde von Hettstedt hatte zum zwölften Jakobuslauf um den Pokal des Propstsprengels Halle-Wittenberg eingeladen. Nach einem Gottesdienst auf dem Marktplatz startete der Lauf auf fünf Strecken zwischen einem Kilometer und der Halbmarathon-Distanz.

Foto: Kirchengemeinde Hettstedt

Foto: Kirchengemeinde Hettstedt

Die Hälfte der Einnahmen aus den Startgeldern ist nach den Worten von Pfarrer Sebastian Bartsch für einen Kindergarten in Tansania bestimmt.

Der Wettlauf folgte einem Abschnitt des Pilgerwegs zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela. Beim Jakobuslauf konnten deshalb auch Wanderstrecken über drei und sieben Kilometer gelaufen werden.

Der Wanderpokal für die teilnehmerstärkste Kirchengemeinde ging nach Bergkamen (Nordrhein-Westfalen), eine Partnerstadt von Hettstedt. Propst Johann Schneider überreichte den Pokal (Foto: hinten, 2. v. l.). Auf den zweiten Platz kam die Gemeinde von Lutherstadt Eisleben.

(mkz)

»Bis dass der Tod euch scheidet«

28. Juli 2013 von redaktionguh  
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Thema: Treue zwischen Anspruch und Wirklichkeit


In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sind 7,5 Prozent der Pfarrerinnen, Pfarrer und ordinierten Gemeindepädagogen geschieden. Die Autorin schaut in zwei Familien hinter die Kulissen.

Bis dass der Tod euch scheidet, geloben sich die Eheleute vor dem Altar. Doch derzeit wird in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jede dritte Ehe geschieden. In Pfarrhäusern scheitert immerhin noch jede fünfte. Gründe dafür sind oftmals das Arbeitspensum und die Dienstzeiten von Pfarrerin oder Pfarrer. Für alle immer erreichbar, nur nicht für die eigene Familie. Dies war auch einer der Trennungsgründe bei einem Thüringer Pfarrer, der aus Rücksicht auf seine Frau anonym bleiben möchte. Sein Beispiel jedoch zeigt, dass dieses Scheitern nicht nur negative Konsequenzen haben muss. Als seine Ehe zerbrach, ging er ganz offensiv damit um und informierte den Gemeindekirchenrat. Scheinbar wurde dadurch sogar eine Tür auf- und nicht zugestoßen. Unerwartet häufig vertrauen die Menschen seither dem getrennt lebenden Seelsorger ihre persönlichen Lebenskrisen an. Er ist nun einer wie sie, einer, der eben auch scheitern kann; das schafft Nähe.

Spurlos ging das Hineinwachsen in die neue Rolle jedoch an dem Pfarrer nicht vorüber. Sein größtes Problem dabei war sein eigenes schlechtes ­Gewissen, das moralische Über-Ich lastete ihm sein Scheitern an. »Warum soll die Gemeinde glauben, was ich predige, wenn ich es selbst nicht schaffe, danach zu leben?«, fragte er sich immer wieder. »Die stärksten Regeln sind die, die es aushalten, gebrochen zu werden«, resümiert er heute für sich. Für ihn persönlich bedeutet dies, dass ihn das Scheitern seiner Ehe frei macht für die wahre Liebe. Er bekommt eine neue Chance, das Gebot zu befolgen. »Nur die Argusaugen, mit denen meine Besuche bei weiblichen Gemeindegliedern zurzeit überwacht werden, stören mich noch«, erzählt er schmunzelnd.

Andere können demnächst ihre Goldene Hochzeit feiern. Eine von ­ihnen ist Marta B.*, deren Augen mit freundlichen Lachfältchen verziert sind und die doch viel zu oft traurig ist. Warum die Ehe der ehemaligen Kirchenältesten auch die »schlechten Tage« überstanden hat, erklärt sie ganz nüchtern: »Wir wurden so erzogen. Was man anfängt, das bringt man zu Ende. Und so wollten wir auch unser gegenseitiges Versprechen immer halten.« Ihr strenger Vater ließ da keine Zweifel aufkommen. Er bestimmte später auch ihr Eheleben, man wohnte gemeinsam in einem Haus. Ja, ihr Mann habe bestimmt oft die Faust in der Tasche geballt, da ist sie sich sicher. Er habe seinen Zorn wohl im Sport ausgelebt; sie selbst habe kein böses Wort von ihm gehört. Andererseits halfen die Großeltern bei der Erziehung der drei Kinder, während man selbst im Vier-Schicht-System arbeitete.

Foto: Iakov Filimonov/Fotolia

Foto: Iakov Filimonov/Fotolia

Darauf, dass ihr Alltag ein bisschen selbstbestimmter wird, haben die beiden lange warten müssen. Die von ihnen gepflegte Mutter wurde 100 Jahre alt. Und nun streiten Martas Brüder auch noch vor Gericht um die Bestattungskosten mit ihr. Die Frau, die immer alles für alle gemacht hat, ist mittlerweile selbst gesundheitlich angegriffen. Am meisten stört sie daran, dass ihr Mann nun auf sie Rücksicht nehmen muss. »Wenn wir uns nicht mehr gegenseitig helfen können, dann gehen wir ins Heim«, sagt sie und ihre Augen röten sich. »Unsere Kinder sollen uns nicht pflegen müssen.« Die Einhaltung des Generationenvertrages hat sie selbst sehr viel Lebenskraft gekostet. Ohne ihren Mann und das Wissen, sich blind auf ihn verlassen zu können, hätte sie all dies nicht so überstanden.

Regina Englert

* Name geändert, Personen auf dem Foto sind nicht identisch mit den genannten.

Talente entdecken und zum Mitmachen ermutigen

27. Juli 2013 von redaktionguh  
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Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
Lukas 12, Vers 48

Wie oft haben wir diesen Kommentar in unserem Alltag schon gehört: »Das kannst du doch von dem nicht erwarten!« Bilder vom anderen sind in unseren Köpfen verankert. Einzelne Erfahrungen mit unseren Mitmenschen werden so zu unverrückbaren Vorstellungen verfestigt. Da ist es oft schwer, dies zu verändern. Viel leichter lässt es sich mit festen Bildern leben und sich darauf einstellen.

In diesem Sommer waren wir mit über sechzig Kindern zur Klosternacht in der Klosterkirche in Arendsee im Norden der Altmark. Zum Thema »Meine Träume« konnten die Kinder überlegen, an welche eigenen Traumbilder sie sich erinnern ­können. Und wovon sie in dieser besonderen Nacht in den weiten Räumen der Klosterkirche träumen möchten. Dazu gab es Gelegenheit, aus Draht, ­Perlen, Leder und Papier eigene Traumfänger zu basteln. Traumfänger als Orte für die guten Träume der Kinder.

Kinderkirche. Kinder in der Kirche. In diesen ­jungen Jahren werden bei den Jüngsten Talente und Fertigkeiten ausgebildet. Sie entdecken, was ­ihnen gut gelingt oder auch schwerer fällt. Auch für Jesus von Nazareth war es wichtig, im Nächsten die Kraft zum Leben und die eigenen verborgenen Fähigkeiten zu wecken.

Roland Jourdan, Pfarrer im Kirchenkreis Stendal

Roland Jourdan, Pfarrer im Kirchenkreis Stendal

So ging er besonders auf die Kinder zu, ermutigte sie und machte deutlich, dass sie zu den ersten ­Bewohnern im neuen Reich Gottes zählen. Es ist unsere bleibende Aufgabe als Christinnen und Christen, die vielfältigen Gaben im anderen zu erspüren und zu wecken. Um ihm etwas zuzutrauen und so seine Fähigkeiten zum Wohle aller fruchtbar zu machen. Die anstehenden Gemeindekirchenratswahlen im Herbst sind eine solche Gelegenheit, Menschen anzusprechen und verantwortlich »mit ins Boot« zu holen. Mit ihrem Engagement und ihren neuen Ideen werden sie Kirche und Gemeinde bereichern und voranbringen.

Roland Jourdan, Pfarrer im Kirchenkreis Stendal

Der Gemeinde Vorbild sein und christliche Werte leben

24. Juli 2013 von redaktionguh  
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Der Landwirt Dietrich-Hubert Horn aus Kleindembach ist Kirchenältester aus Berufung

Dietrich-Hubert Horn kandidiert ­wieder für den Gemeindekirchenrat. – Foto: Astrid Döge

Dietrich-Hubert Horn kandidiert ­wieder für den Gemeindekirchenrat. – Foto: Astrid Döge

Für den 63-Jährigen ist die Arbeit im Gemeindekirchenrat von Kleindembach im Kirchenkreis Schleiz mehr als eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, eine Berufung durch Gott. Dietrich-Hubert Horn ist überzeugt, dass Gott ihn in seinem Leben, das schon durch Höhen und Tiefen ging, begleitet und ruft. Aufgrund seiner Frömmigkeit musste der gelernte Drehautomateneinrichter zu DDR-Zeiten viel einstecken. Sein Glaube aber gibt ihm Halt und Zuversicht und ist ihm zugleich Richtschnur für seinen Lebenswandel. Die drei christlichen Tugenden »Glaube, Liebe, Hoffnung« sind ihm besonders wichtig. Als Kirchenältester sieht er es als seine Aufgabe an, der Gemeinde Vorbild zu sein, indem er die christlichen Werte vorlebt und über den Sinn des Lebens spricht. »In unserer modernen Zeit sind viele Menschen auf der Suche nach Sinn, besonders junge Leute«, so Dietrich-Hubert Horn. Dem will der gottesfürchtige Mann nachgehen und setzt sich und dem Gemeindekirchenrat hohe Ziele: Leuchttürme in der Gemeinde sollen die Ältesten sein. Dies gelinge, wenn man Gott im Gebet verbunden bleibt, und äußere sich in konkreter Nächstenliebe. Zu Dietrich-Hubert Horn kann jeder kommen, sei es, dass er sich einen Kummer von der Seele reden muss oder wenn er praktische Hilfe benötigt. Denn der fleißige Landwirt kann zupacken. Dies hat er besonders bei der Renovierung der Kleindembacher Kirche unter Beweis gestellt. Dem romanischen Gotteshaus drohte bereits der Abbruch.

Dietrich-Hubert Horn, der mit seiner Familie direkt neben der kleinen Dorfkirche wohnt, sammelte Gelder und sorgte schließlich dafür, dass das marode Dach neu gedeckt werden konnte, der schiefe Glockenturm wieder aufgebaut wurde und zwei neue Glocken zum Gottesdienst läuten. Damit dieser angemessen gefeiert werden kann, war es dem Kirchenältesten wichtig, auch das Innere der Kirche zu sanieren. Hierfür fühlte er sich ebenso verantwortlich wie für die Restaurierung der Orgel. »Dorfkirchen sind wichtig«, so Dietrich-Hubert Horn. »Sie sind ein wichtiges Zeichen im Dorf gegen den Atheismus und Begegnungsstätte für die Menschen.«

Thuer-29-2013-LogoEinmal nicht mehr für den Gemeindekirchenrat zu kandidieren, kann sich Dietrich-Hubert Horn nicht vorstellen. Für die Zukunft wünscht er sich, dass wieder mehr Menschen am Gottesdienst teilnehmen und sich aktiv im Gemeindekirchenrat engagieren. Denn für den Hobbyimker ist klar: Kirchenältester ist man nicht nur auf dem Papier, sondern mit Leib und Seele.

Astrid Döge

Sich freischwimmen

23. Juli 2013 von redaktionguh  
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Schwimmkurs erlaubt nicht nur sportlich einen großen Integrationsschritt

Ziemlich überfordert fühlte sich Deo Omale anfangs im Wasser. »Ich muss drei Sachen gleichzeitig tun!« Die Koordination der Arm- und Beinbewegungen und dazu das richtige Atmen forderten seine ganze Konzentration. Dazu kam, dass der 46-Jährige aus Uganda Angst hatte. »Der Schwimmlehrer sagte, ich rette dich. Der steht aber oben am Beckenrand, wie will er das machen?«, beschreibt der Schwimmschüler seine Gedanken. Doch er kämpfte sich durch und lernte schwimmen. Die Chance dazu hatte er in seiner Heimat nie.

Der Schwimmkurs in Magdeburg wird von den Evangelischen Erwachsenenbildungen (EEB) Sachsen-Anhalt und Thüringen gefördert und damit die Integration von Ausländern.

Deo Omale (3. v. l.) und die anderen Männer haben bei Thomas Steinke (2. v. l.) schwimmen gelernt. Die Angst vor dem Wasser ist überwunden. – Foto: Cordula Haase

Deo Omale (3. v. l.) und die anderen Männer haben bei Thomas Steinke (2. v. l.) schwimmen gelernt. Die Angst vor dem Wasser ist überwunden. – Foto: Cordula Haase

Seit 1994 lebt Deo Omale in Deutschland. Er gehört zu den Stammgästen im Café Krähe, einem Treffpunkt für Ausländer in Magdeburg, den die Auslandspfarrerin des Kirchenkreises, Cordula Haase, betreut. Den Anstoß für den Kurs gab die EEB mit ihrem Projektfonds, der einen Preis für gelungene Bildungsprojekte ausgeschrieben hatte. Die Aussicht auf die finanzielle Unterstützung ließ Cordula Haase Mut fassen. »Ich habe im Café gefragt, ob jemand schwimmen lernen will. Die Begeisterung war riesig. Zwei Gruppen lernen zu Beginn des Sommers. Im Herbst werden wir wenigstens noch einen Kurs anbieten. Die 45 Euro pro Person hätten wir allein nie aufbringen können.«

»Wir Deutsche können alle schwimmen, auch die Kinder der Einwanderer lernen es hier. Nicht-schwimmen-Können grenzt aus. Diese Erfahrung habe ich in Lateinamerika gemacht«, erzählt die Pfarrerin. Das Schwimmenlernen bringe außerdem viele weitere Integrationsaspekte mit sich, die über die bloße Teilhabe am Freizeitvergnügen weit hinaus gehen.

Deo Omale schmunzelt. Er und die anderen Männer haben das bereits erfahren: Überwindung zur knappen Badebekleidung. Umziehen in der Gemeinschaftskabine. Für Frauen bauen sich da noch höhere Barrieren auf. Die Kultur, aus der sie kommen, ist eine völlig andere. Diese Probleme hatte Sonnik Matewosjan aus dem Iran nicht vordergründig zu bewältigen. Sie hätte auch in der Heimat schwimmen lernen können, genau wie ihre Kinder. Doch die Angst vor dem Wasser war zu groß. »Ich war nachts mit anderen an einem See, das Wasser war ganz schwarz«, erzählt die 48-Jährige. »Jetzt erlebe ich, dass ich nicht untergehe. Also – wovor habe ich Angst?«

Einen Teil der Scheu konnten Cordula Haase und Schwimmlehrer Thomas Steinke nehmen, indem sie Männern und Frauen einen getrennten Kurs anboten. Doch man bedenke, die Erwachsenen sind gemeinsam mit Kindern in der Schwimmhalle. »Allein sich das zu trauen, finde ich bewundernswert«, sagt Cordula Haase. Mit viel Fingerspitzengefühl geht sie auf die kulturellen Wurzeln des Schamgefühls ein. Obwohl getauft und mit den Gebräuchen hier vertraut, ist der Schritt für eine ehemalige Muslima weit, einen Badeanzug zu tragen.

»Im Laufe des Sommers lernen wir hier auf dem Gelände der Hoffnungsgemeinde Fahrrad fahren«, sagt Cordula Haase. Dafür braucht sie kein Geld – und mit der so erworbenen größeren Mobilität ist der Integrationssprung für die Teilnehmer offensichtlich.

Renate Wähnelt

Einladung ins Paradies

23. Juli 2013 von redaktionguh  
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Vorgemerkt: Vom 21. bis 22. September ist Mitteldeutscher Kirchentag in Jena


In neun Wochen öffnet Jena seine Tore für den zweiten Kirchentag der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Sind wir schon mit einem Fuß im Paradies? Der zweite Mitteldeutsche Kirchentag will Spuren zum Weg ins Paradies aufzeigen und über Hindernisse diskutieren. Das Kirchentagsthema bezieht sich auf den Park mit Namen »Paradies« in Jena. In der Thüringer Stadt wird am 21. und 22. September das bunte Christentreffen der EKM seine Stände aufschlagen. Fünf Zentren mit interessanten Themen, Bibelarbeiten, ein Markt der Möglichkeiten und anderen Angeboten laden Menschen aus der EKM von Salzwedel bis Sonneberg, von Lauchhammer bis Gerstungen ein. Das Thema »Mit einem Fuß im Paradies« wolle darauf aufmerksam machen, dass es auch gerechter gehen kann in dieser Welt, sagt Wolfgang Musigmann, Vorsitzender des Kirchentags-Landesausschusses der EKM. »Wir wollen den Vorhang ein Stück öffnen, um zu sehen, wie schön es im Paradies sein könnte. Vor allem liegt uns daran, eine schöne und vielfältige Seite der Kirche zu zeigen und alle einzuladen, die gern für die Kirche und das Reich Gottes einen guten Weg einschlagen wollen.« Die Absage an Gewalt, Schöpfungsbewahrung, Gerechtigkeit und der freundliche Umgang miteinander seien solche Wege zum Paradies. Vor allem aber sei es Sinn eines Kirchentags, miteinander ein Glaubensfest zu feiern. Die Christen aus der jungen EKM werden in Jena Gelegenheit haben, sich besser kennenzulernen. »Der Kirchentag soll identitätsstiftend für unsere neue Kirche sein«, so Musigmann.

Ein fröhliches Fest feierten auch die Kinder zum ersten EKM-Kirchentag 2009 in Weimar. In diesem Jahr wird nach Jena eingeladen. – Foto: Maik Schuck

Ein fröhliches Fest feierten auch die Kinder zum ersten EKM-Kirchentag 2009 in Weimar. In diesem Jahr wird nach Jena eingeladen. – Foto: Maik Schuck

In der schönen Universitätsstadt an der Saale muss man nicht weit gehen, um von einem Veranstaltungsort zum anderen zu gelangen. »Es wird Spaß machen, Kirche zu erleben. Das ist für alle ein Grund zu kommen«, ist sich Musigmann sicher.

Die Zentren bieten wichtigen Themen Raum. Neu und deshalb besonders zu erwähnen sei das Zentrum vier »Geschwister der Schöpfung«. Hier wird es um unser Verhältnis zu den Mitgeschöpfen gehen. »Da liegt ganz viel im Argen«, sagt Musigmann. »Ich finde, dass viel zu wenig über diesen Konflikt zwischen Menschen und Tieren nachgedacht wird, über Massentierhaltung, Tierversuche in der Kosmetikindustrie und so weiter.«

Wolfgang Musigmann hofft, dass auch viele Nichtchristen neugierig werden. In der EKM und natürlich auch in Jena leben viele ohne Religion. Auch diese große Gruppe anzusprechen sei ein wichtiges Anliegen. So werden sich auf dem Markt der Möglichkeiten ein Stand der Attac-Gruppe Erfurt und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen präsentieren. Da sei es in Ansätzen erreicht, Menschen zum Mitmachen zu gewinnen, die nicht unbedingt einen kirchlichen Hintergrund haben.

Titel-29-2013-LogoDass der Kirchentagsausschuss mit der katholischen Gemeinde zusammenarbeite, sei selbstverständlich. So können Räume der Katholiken genutzt werden, zudem werden sich die christlichen Konfessionen gemeinsam in die »Nacht der Kirchen« einbringen. In der Friedenskirche wird am Sonntagmittag die Interkulturelle Woche Jenas eröffnet, an der auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde teilnehmen. Der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, ist zum Gespräch auf das »Rote Sofa« der Kirchenzeitung eingeladen, wo am Sonntag mit Prominenten diskutiert wird.

Zudem werden das Gustav-Adolf-Werk sein Jahresfest feiern, die Gehörlosenseelsorge zum Gemeindetag, die Ausländerseelsorge zum Osteuropatag einladen und die Stiftungen der EKM tagen.

Dietlind Steinhöfel

Franckes Erben

22. Juli 2013 von redaktionguh  
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Evangelische Montessori-Schule Halle praktiziert seit 20 Jahren Inklusion

Blau und gold ausgemalt steht der Bibelvers »Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler« am historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Dieser Spruch war das Motto eines kleinen Theaterstücks über August Hermann Francke und sein Wirken für das Waisenhaus, das die Schüler der vierten Klassen der in den Stiftungen beheimateten Evangelischen Montessori-Schule einstudiert hatten. Francke und seine Frau traten höchst persönlich auf und natürlich viele der Straßen- und Waisenkinder.

Zum Abschluss des Geburtstagsjahrs der Evangelischen Montessori-Schule in Halle spielten Nele Seidel in einem Theaterstück den August Hermann Francke und Annabell Ernst dessen Frau Anna Magdalena. – Foto: Claudia Crodel

Zum Abschluss des Geburtstagsjahrs der Evangelischen Montessori-Schule in Halle spielten Nele Seidel in einem Theaterstück den August Hermann Francke und Annabell Ernst dessen Frau Anna Magdalena. – Foto: Claudia Crodel

Dieses Stück stand im Zentrum eines Festgottesdienstes in der Lutherkirche Halle, der zum einen das Schuljahr abschloss, aber gleichzeitig den abschließenden Höhepunkt des Festjahres anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Montessori-Schule darstellte. »Wir hielten es für angemessen, im Jahr des 350. Geburtstags August Hermann Franckes uns dem Gründer der Franckeschen Stiftungen in besonderer Weise zu widmen, schließlich ist die Montessori-Schule im ehemaligen Königlichen Pädagogikum der Stiftungen beheimatet. Und das Francke-Denkmal steht genau vor diesem Haus«, sagt Günter Buchenau, Pfarrer im Ruhestand, der gemeinsam mit Katechetin Christel König und Musiklehrerin und Schulchorleiterin Hanna de Boor für das Stück und das dazugehörige Liedprogramm verantwortlich zeichnete. Erwachsene und Kinder hatten das Programm gemeinsam einstudiert.

Mit dem Festgottesdienst ging ein ganzer Veranstaltungsreigen zum Schuljubiläum zu Ende, der mit einem Festakt am 14. Juli 2012 begonnen hatte und Ausstellungen, einen von einer Künstlerin mit Down-Syndrom geleiteten Kunstworkshop, Theaterspiel und eine Fachtagung für Lehrer und Erzieher bereithielt.

Als der Gründungsverein im Juli 1992 vom Land die Genehmigung für die Errichtung der evangelischen Schule erhielt, war die Montessori-Schule nicht nur die erste ihrer Art in Sachsen-Anhalt, sondern auch die erste Grundschule im Land, an der behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam lernten. In jeder Klasse – die übrigens jahrgangsübergreifend geführt werden – lernen auch immer mehrere Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die heute großgeschriebene Inklusion wurde in der Montessori-Schule schon immer gelebt, mit allen Höhen und Tiefen.

Schulleiterin Claudia-Celine Kownatzki, die von Anfang an im pädagogischen Team dabei ist, betont: »Man muss vor allem Leute dafür haben und gemeinsam mit den Eltern arbeiten, um genau den Bedürfnissen des Einzelnen gerecht zu werden.« Nur so könne es gelingen, dass alle Kinder lernen, die individuellen Stärken und Schwächen des anderen kennenzulernen, diese zu beachten und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

In einem Buch mit 20 Interviews berichten Schüler, die die Montessori-Schule in den letzten 20 Jahren besuchten oder noch besuchen, von ihren Erfahrungen und ihrer Entwicklung danach.

Claudia Crodel

www.montessori-halle.de

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