Heimat dort und hier

31. August 2013 von redaktionguh  
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Begegnungstag für Aussiedler: In Torgau werden 1 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen erwartet

Die Aussiedler, die zum ­Begegnungstag nach Torgau kommen, sind Menschen, die zwei Welten ihre Heimat nennen.

Am 14. September laden die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erstmals gemeinsam zum Begegnungstag für Aussiedler ein.

Foto: Milosz Bartoszczuk – Fotolia.com

Foto: Milosz Bartoszczuk – Fotolia.com

Rund 1 300 Teilnehmer werden in Torgau erwartet. Menschen, die zwei Welten ihre Heimat nennen. In Russland waren sie die Deutschen, hier sind sie die Russen. Spätaussiedler tragen oft ein langes Familienschicksal von Verbannung, Missachtung und Benachteiligung mit sich. Mit der Umsiedlung sind viele Hoffnungen verbunden. Doch unsere Gesellschaftsform ist ihnen fremd. Sitten und Gebräuche, die Rolle der Frau, der Wert der Familie, die Form der gelebten Religiosität haben sich im Lauf der lange getrennten Geschichte unterschiedlich entwickelt. Vorurteile tun ihr Übriges. Eine junge Spätaussiedlerin berichtet in einem Internet-Forum, dass russische Männer in Deutschland oft als dumm, faul und Säufer vorverurteilt werden. Hinzu kommt die Gefahr der räumlichen Abgrenzung. Oftmals angesiedelt in leer stehenden Neubaugebieten außerhalb der Stadt, leben Spätaussiedler unter sich. Hier ist Kirche gefragt. Über die Hälfte der vier Millionen Aussiedler, die seit 1950 nach Deutschland gekommen sind, gibt an, evangelisch zu sein. Doch die nun einreisende Generation ist aufgewachsen zwischen der bewahrten Religiosität der ausgewanderten Vorfahren und der atheistischen Erziehung in der Sowjetunion. Für viele birgt der Glaube innerfamiliären Sprengstoff.

In Deutschland versucht die evangelische Kirche alle Generationen zu erreichen: mit zweisprachigen Gemeindebriefen, Kleiderkammern, Ausflügen und durch Zusammenarbeit mit der Diakonie und Beratungsstellen. Aber die Beziehungen zu »Einheimischen« bleiben zurückhaltend. So sind bei den in Torgau anreisenden Gruppen meist nur die Verantwortlichen »Einheimische«. Eine wirkliche Durchmischung findet im Planungsteam vor Ort statt. »Allerdings wird sich erst bei der Helferdankfeier erweisen, ob sich die Gruppen und Menta­litäten nähergekommen sind«, so ­Pfarrerin Christine Rothe von der Projektstelle für die Arbeit mit Aussiedlerinnen und Aussiedlern der EKM.

Steffi Grohmann von der Migra­tionsberatung Köthen und Bitterfeld-Wolfen kann bereits jetzt viel Gutes berichten. Sie reist mit ca. 50 Personen in Torgau an, die sich aktiv am Programm beteiligen. Ein Resultat der Arbeit der Beratungsstelle. Köthen bietet vom Kinder- und Erwachsenen-Chor, über die Tanz- und Theatergruppe bis hin zu einem Sprachkurs für Spätaussiedler »Identität und Integration plus«, gefördert vom Bund, etliches an. In Bitterfeld-Wolfen läuft gemeinsam mit dem Mehr-Generationen-Haus ein Projekt für ältere Spätaussiedler zum Thema »Älter werden im Landkreis«. Und im monatlichen Gesprächskreis »Evangelischer Samowar« begegnen sich Spätaussiedler und »einheimische« Gemeindemitglieder. Spätaussiedler besuchen die Gottesdienste, sind aktiv in der Kirchengemeinde und bei Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Zudem sei es von Vorteil, dass die Beratungsstelle bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen vermitteln kann. Die teils sehr unterschiedlichen Traditionen brauchen Erklärung. Es sei ein weiter Weg, unterstreicht Grohmann, bevor Vorurteile und Fragen auf beiden Seiten aus dem Weg geräumt sind. Doch die Gemeinden dürfen nicht aufgeben, da sind sich die beiden Frauen einig. Und die Zusammenarbeit bereitet auch viel Freude, berichtet Christine Rothe abschließend.

Regina Englert

Leben und beten auf dem Burghof

27. August 2013 von redaktionguh  
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In 20 Jahren vermittelt der Schönebecker Diakonieverein mit seiner Arbeit christliche Werte

Harte Arbeit hat es gekostet. Nun verbindet sich mit dem Burghof in Schönebeck das freundliche Bild sanierter Häuser, in denen alte und behinderte Menschen gut betreut werden. Seit 20 Jahren ist der Diakonieverein Heimverbund Burghof der Träger, der sich vor zwei Jahrzehnten neu gründete, um die Tradition sozial-diakonischer Arbeit in Schönebeck-Salzelmen wieder aufleben zu lassen. Das Jubiläum wird am 28. August gefeiert.

Vor dem Diakonieverein hatte die DDR den Burghof als Altenheim betrieben und ihm einen schlechten Ruf beschert. Doch die Tradition reicht weit zurück: 1804 baute der preußische Staat eine Zwangsarbeitsanstalt, in die Menschen ohne festen Wohnsitz und Gestrauchelte eingewiesen wurden. Zwar immer staatlich, gab es doch eine Anstaltsgemeinde. 1953 strich die DDR das diakonische Profil.

Sommerfeste gehören zum Leben des Diakonievereins Heimverbund Burghof dazu. Am 28. August wird es ein besonderese sein – zum 20-jährigen Bestehen des Vereins. – Foto: Diakonieverein

Sommerfeste gehören zum Leben des Diakonievereins Heimverbund Burghof dazu. Am 28. August wird es ein besonderese sein – zum 20-jährigen Bestehen des Vereins. – Foto: Diakonieverein

»Mit der Gründung des Diakonievereins wurde eine Lücke gefüllt. Die Übernahme der drei Altenpflegeheime auf dem Burghof und der zwei Kinderheime in der Stadt war nicht so einfach«, sagt Vorsteherin Annett Lazay. »Wir hatten mit der Diakonie der Kirchenprovinz und dem Birkenhof in Hannover starke Partner. Vor allem der Birkenhof mit seinem Vorsteher Henning Brandes hat uns sehr unterstützt«, erzählt sie von der Hilfe, die der erste, noch ehrenamtliche Vorsteher Michael Kleemann und sein – dann hauptamtlicher – Nachfolger Ernst Neugebauer erhielten. Annett Lazay wurde 2001 Vorsteherin.

Zu den organisatorischen Herausforderungen – der Zustand der Gebäude auf dem Burghof war katastrophal – kamen die inhaltlichen. Denn wo Diakonie drauf steht, muss auch Diakonie gelebt werden. Annett Lazay erzählt: »Vor allem in den Kinderheimen war das schwierig, denn die unterstanden in der DDR dem Volksbildungsministerium. Die Mitarbeiter waren entsprechend geschult. Pädagogischer Alltag und christliches Weltbild passten einfach nicht. Wir haben eins der Heime geschlossen und mit Wohngruppen neu angefangen.«

Der Verein wuchs mit seinen Aufgaben, übernahm neu die Behindertenhilfe als klassisches diakonisches Feld und in Abstimmung mit den anderen diakonischen Trägern in der Region. Heute gehören 21 Häuser in Schönebeck und Umgebung zum Heimverbund, in die mehr als 43 Millionen Euro für die Instandsetzung und Modernisierung geflossen sind.

Der Diakonieverein investiert auch in die Qualifizierung seiner Mitarbeiter. Jährliche fachliche und biblisch-diakonische Weiterbildungstage sind für jeden ein Muss. Die Andachten im Altenheim werden von den Mitarbeitern vorbereitet, auch von denen, die keiner Kirche angehören.

Annett Lazay spricht voll Stolz über die Entwicklung in den 20 Jahren, die die 200 Mitarbeitenden und mehr als 60 Ehrenamtlichen ermöglicht haben. Und sie blickt voraus: Mit der Evangelischen Sekundarschule in Groß Mühlingen wird beim Sommerfest ein Kooperationsvertrag unterschrieben: Die Schüler können Praktikumsplätze bekommen. Zudem erfreuen sie mit Kunstprojekten die Bewohner, nennt Annett Lazay Beispiele des Gebens und Nehmens. In der Zukunft möchte sie die Grundschulen in die Schulsozialarbeit einbeziehen. Sie möchte den ambulanten Bereich stärken, um durch frühzeitige Begleitung stationäre Betreuung zu vermeiden. Und sie möchte in der Altenhilfe eine Lücke schließen zwischen altersgerechtem Wohnen, häuslicher und stationärer Pflege. So etwas wie eine Alten-WG schwebt ihr vor.

Was sich nicht planen lässt, ist offenbar das Zusammenwirken mit der Salzelmer St. Johannis-Gemeinde. Offiziell gehört der Burghof dazu, doch es ist ein Neben- statt eines Miteinanders, bedauert die Vorsteherin. Allerdings gibt es jetzt ein gemeinsames Projekt für behinderte Menschen, die kurz vor der Rente stehen. Im Diakonietreff sollen sie ein neues soziales Netz aufbauen lernen, das sie auffängt, wenn der Alltag seine Struktur durch den Eintritt in die Rente radikal verändert.

Renate Wähnelt

Das Sommerfest am 28. August beginnt um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst.

www.burghof-sbk.de

Thüringer Entdeckungen

27. August 2013 von redaktionguh  
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Lars Fiedler und Katharina Werner in Bad Blankenburg

Lars Fiedler ist beeindruckt. Die alljährliche Allianzgebetswoche kannte der aus Wernigerode stammende Theologiestudent seit vielen Jahren. Doch in Bad Blankenburg war er noch nie. Dass der Student aus Wittenberg ein Wochenende lang das Allianzzentrum, die Geschichte des Reformpädagogen Friedrich Fröbel und das wunderschöne Schwarzatal entdecken konnte, hat er der Kirchenzeitung zu verdanken.

Im Wittenberger Konvikt, dem Wohnheim der Theologiestudenten, liest Fiedler hin und wieder »Glaube+Heimat«. So auch im vergangenen Jahr die Nummer mit dem Weihnachtspreisrätsel. Der 24-Jährige, mittlerweile im 10. Semester und sich auf das Examen vorbereitend, schickt die richtige Lösung an die Redaktion – und gewinnt den Hauptpreis: ein Wochenende für zwei Personen im Allianzhaus Bad Blankenburg; inklusive einer Führung durch das Gelände und die Geschichte der Allianz mit Direktor Thomas Günzel, dem Sponsor des Preises, sowie freiem Eintritt ins benachbarte Fröbelmuseum. Gemeinsam mit seiner Freundin Katharina Werner, einer jungen Vikarin aus dem fränkischen Feucht bei Nürnberg, machte er sich kürzlich bei fantastischem Wetter auf den Weg nach Thüringen.

Allianzhausdirektor Thomas Günzel erläutert den Theologiestudenten Katharina Werner und Lars Fiedler die Geschichte des Allianzhauses. – Foto: Harald Krille

Allianzhausdirektor Thomas Günzel erläutert den Theologiestudenten Katharina Werner und Lars Fiedler die Geschichte des Allianzhauses. – Foto: Harald Krille

Sowohl für Lars Fiedler als auch für Katharina Werner ist die Geschichte der Allianzbewegung eine Entdeckung. Zwar gehört im Studium der Kirchengeschichte auch die Entwicklung der ökumenischen Bewegung zum Programm, aber über die Geschichte der älteren Allianzbewegung habe man bisher wenig gewusst, bekennen beide. Und »geradezu beschämend« sei es, so ihr Fazit nach dem Besuch im Fröbelmuseums, dass die Ideen und der Name des Fröbelschen Kindergartens in vielen Teilen der Welt hochgehalten werden. Nur in Deutschland sei er dem behördendeutschen Kunstbegriff »Kindertagesstätte« oder noch schlimmer »Kita« gewichen.

Zu den Entdeckungen der Rätselgewinner gehören auch die Möglichkeiten, die das Gäste- und Tagungshaus der Allianz inklusive seiner behindertengerechten Gästezimmer für die spätere Gemeindearbeit bietet: etwa für Wanderurlaub, Weiterbildungsveranstaltungen und Gemeindefreizeiten. Das Gemeindepfarramt ist für Lars Fiedler ebenso wie für seine Freundin das Ziel ihrer Ausbildung. Vielleicht kommen beide ja irgendwann mit einer Gemeindegruppe zurück. Allianzhausdirektor Thomas Günzel würde das natürlich freuen. Denn er braucht solche »Multiplikatoren«, die sein Haus bekannt machen.

Und um die Erinnerung länger frisch zu halten, überreichte er den beiden gleich noch die neu erschienene Biografie über Anna von Weling, die Gründerin des Bad Blankenburger Allianzzentrums.

(hk)

Du bist wertvoll

26. August 2013 von redaktionguh  
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Schuljahresbeginn: Erfahrungen aus der Schulseelsorge und dem Religionsunterricht


Der schulische Druck auf Kinder und Eltern ist in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen.

Wenn das neue Schuljahr kommt, steigt die Aufregung. Doch nicht nur sie, sondern auch die Angst wächst. Eltern fragen sich: Wird mein Kind das neue Schuljahr schaffen? Ist es an dieser Schule gut aufgehoben? Verlange ich zu viel oder zu wenig von ihm? Wird es aufrichtige Freunde haben, die es begleiten? Reichen die Noten für einen guten Start aufs Gymnasium oder ins Berufsleben? Die Fragen der Eltern werden zu den Sorgen der Kinder: Schaffe ich die Schule? Habe ich genug Freizeit mit meinen Freunden? Machen meine Eltern Leistungsdruck? Verstehen sie meine Probleme? Kann ich ihnen genügen? Lieben sie mich, wenn ich versage?

Seit acht Jahren arbeite ich als Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin an Thüringer Grundschulen und Gymnasien und sehe jedes Jahr zu Beginn des Schuljahres einige dieser Fragen in den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen.

Foto: Light Impression/Fotolia

Foto: Light Impression/Fotolia

So erinnere ich mich an einen Fünftklässler, dem aus Angst vor der neuen Schule und vor den hohen Erwartungen so schlecht wurde, dass er es gar nicht bis in seine neue Klasse schaffte, sondern nur bis ins Krankenzimmer. In einem anderen Fall verschwand ein Schüler unbemerkt wochenlang vormittags im Wald, statt zur Schule zu gehen, weil er sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlte.

Schüler und Eltern fragen, wer ihre Ängste und Probleme überhaupt hören will. Dahinter verbirgt sich die Sehnsucht nach Angenommen-Sein und Geliebt-Werden.

Wenn ich mit den Schülern in der Schulseelsorge über ihre Probleme rede, möchte ich ihnen vor allem das Gefühl geben, dass sie von Gott mit all ihren Schwächen gewünscht und angenommen sind.

Überfordert mit vielen Verantwortlichkeiten und ausgestattet mit großem Ehrgeiz sind unsere Kinder nicht selten auf das eigene Erfolgreich-Sein ausgerichtet. Zum Teil bewältigen sie mit Schultag und den aufgetragenen Hausaufgaben eine über 40-Stunden-Woche. Sie pendeln zwischen ihren geschiedenen Eltern hin und her, leben in Patchworkfamilien oder erledigen auch häusliche Aufgaben weitgehend allein, weil ihre Eltern beruflich eingespannt sind. Sie stecken mitten in der Pubertät und müssen ihren eigenen Weg ins Leben finden. Ist da die (Schul-)Leistung wirklich das größte Problem? Brauchen unsere Kinder nicht etwas anderes?

Danach habe ich in zahlreichen Gesprächen die Schüler selbst gefragt. Eine verzweifelte Achtklässlerin sagte einmal weinend: »Ich wünsche mir so sehr, dass meine Eltern verstehen, was ich für einen Stress habe, und nicht immer denken, ich wäre nur faul. Wenn ich eine schlechte Note mit nach Hause bringe, dann habe ich gleich das Gefühl, versagt zu haben und nicht mehr so geliebt zu werden.« Ich war erschrocken über die große Verzweiflung und Not, die spürbar wurden. Sie wollte so sehr von den Eltern unabhängig von jeder Leistung geliebt werden, wollte die Eltern auch einmal enttäuschen dürfen.

In all den Jahren in der Schule ist mir deutlich geworden: Nichts kann so gut motivieren wie das Gefühl, geliebt zu werden trotz aller Mängel und Schwächen. Die Liebe kann die Leistung auf den richtigen Platz verweisen, so wird die Angst bei Kindern und Eltern kleiner.

Vielleicht, liebe Eltern, stehen an diesem Schuljahresbeginn Antworten und nicht Fragen. Gott liebt uns unabhängig von jeder Leistung. Deshalb geben Sie Ihren Kindern die Sicherheit: Ich bin für dich da, auch wenn du versagst!

Eveline Trowitzsch

Die Autorin ist promovierte Theologin, Schulpfarrerin und Dozentin für Schulseelsorge.

Verhärtete Fronten

26. August 2013 von redaktionguh  
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Kirchen brennen, christliche Hotels und Schulen werden angegriffen, Nonnen vergewaltigt. Das Ausmaß der Gewalt gegen die koptischen Christen in Ägypten hat ein furchtbares Ausmaß angenommen. »Keine Gewalt« möchte man rufen, wie vor über 20 Jahren auf den Straßen Leipzigs, Berlins, Erfurts und anderswo. Doch solche Rufe gibt es nicht in Ägypten, weder von der Übergangsregierung noch von den Demonstranten.

Dass Minderheiten in Krisensituationen zu Sündenböcken gemacht werden, ist nicht neu. Die Kopten waren schon unter Mubarak die ungeliebten Kinder. Anschläge auf Kirchen gab es in den letzten Jahren immer wieder. Unter Mursi und seinen Ambitionen, einen Gottesstaat zu bauen, mussten sie die weitere Beschneidung ihrer Religionsfreiheit befürchten. Nun sind sie in den Augen der Muslimbrüder Verbündete des Militärs und tragen Schuld am Sturz Mursis. Menschenrechtler sprechen von einer »pogromähnlichen Stimmung«.

Doch eins muss bei allem Entsetzen bedacht werden: Die Gewalt geht nicht allein auf das Konto der Muslimbrüder, sondern wird angeheizt durch das brutale Vorgehen des Militärs. Die Fronten verhärten sich mit jedem Toten. Experten befürchten, dass diplomatische Lösungen schon nicht mehr möglich sind. Wäre es nicht an der Zeit, dass sich Christen, Juden, Muslime, Nicht-Religiöse und andere weltweit zusammenfinden, um Gewalt zu ächten? Wäre es nicht an der Zeit, dass die westliche Welt abrückt von ihrer Politik des Wegsehens, wenn es um ihre eigenen Vorteile geht? Solange Waffen in Diktaturen geliefert werden, verhallt der Ruf »Keine Gewalt«. Leidtragende sind Menschen, die nichts weiter wollen, als friedlich zu leben, eine Zukunft zu haben und ihren Glauben nicht verstecken zu müssen.

Dietlind Steinhöfel

Symbiose aus Alt und Neu

25. August 2013 von redaktionguh  
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Am Sonntag wird in Weimar mit einem Tag der offenen Tür das Herderzentrum eröffnet

Weimar macht seinem berühmten Theologen und Philosophen sowie einstigen Generalsuperintendenten Johann Gottfried Herder zum 269. Geburtstag am 25. August ein besonderes Geschenk: Mit einem Festgottesdienst, Schlüsselübergabe und einem Tag der offenen Tür wird am Sonntag das neue Herderzentrum eingeweiht.

»Dass Herderkirche und Herderhaus 1999 als Bestandteile des Ensembles ›Weimarer Klassik‹ ins UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden, war ein Glücksfall für uns.« , Mitglied im Gemeindekirchenrat (GKR) der evangelischen Kirchengemeinde Weimar, ist die Vorfreude und die Erleichterung anzumerken. Er saß für den GKR in den Bauberatungen und hat das Projekt zwei Jahre lang ehrenamtlich begleitet. »Das Herderzentrum ist ein Segen und eine große Chance für unsere Gemeinde!«

Das Weimarer Herderzentrum verbindet Geschichte und Neuzeit. – Foto: Maik Schuck

Das Weimarer Herderzentrum verbindet Geschichte und Neuzeit. – Foto: Maik Schuck

Vor fünf Jahren gab es im GKR einen Wunsch: Ein Versammlungs- und Veranstaltungszentrum für die aus fünf Sprengeln zusammengefügte Stadtgemeinde mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern sollte geschaffen werden. Am liebsten im Stadtzentrum – aber wie realistisch war das angesichts der Immobilienlage? Unterstützt wurde das Bauvorhaben auch durch eine Förderung für Unesco-Welterbestätten. Ohne sie wäre es nicht gegangen. Und ohne den verwegenen Mut der Kirchenmänner und -frauen auch nicht. So aber konnte aus den stark sanierungsbedürftigen, unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden mittels moderner Architektur eine Symbiose aus Alt und Neu entstehen.

Das neue Zentrum soll Herderkirche und Herderhaus als zentralen Veranstaltungs- und Begegnungsort sowie als Weltkulturerbe-Stätte präsentieren und die historischen Bauten von der bisherigen Mehrfachnutzung entlasten. Rund drei Millionen Euro wurden in das Ensemble Herderplatz 6 bis 8 investiert. Zwei Jahre Bauarbeiten auf engstem Raum gehen ihrem Ende entgegen – zur Erleichterung der Anrainer und der Bauherren, wenn auch die Sanierung der Herderkirche noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bereits seit Dezember vergangenen Jahres hat der Kirchenladen am Herderplatz 6 seine Pforten geöffnet und bot neben seinem Sortiment den Besuchern immer auch einen Blick auf die Baustelle und hinter die Kulissen.

Mit seinen die Altbauten umklammernden und verbindenden Neubauten bietet das Gemeindezentrum zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. So gibt es einen großen und einen kleinen Saal, ein Besprechungszimmer, einen Kinderbereich, einen Raum für die Studentengemeinde sowie Räume für Technik und Organisation der Herderkirche. Die Kirchengemeinde bekommt ein Büro mit Musikzimmer für das Kantorat und ein Pfarramtszimmer, außerdem entstanden zwei Wohnungen. Der Kirchenladen dient zugleich als Besucherzentrum mit den Angeboten der offenen Herderkirche wie Ticketverkauf für Konzerte, Kirchen-, Altar-, Glocken- und Orgelführungen.

»Das Herderzentrum verbindet Modernität und Geschichte auf sehr gelungene Weise«, so Weimars Superintendent Henrich Herbst. Eine Meinung, die übrigens nicht alle Gemeindeglieder teilen. »Es wird ein Ort sein, an dem die Menschen mit der alten Botschaft der Bibel und der Geschichte des Glaubens in Weimar neu in Verbindung treten können«, so der Superintendent. Mitten in der Stadt sei für die Weimarer und ihre Gäste auch ein Ort der Begegnung, des Austauschs, der Musik und der Gemeinschaft entstanden.

Katharina Hille

Festgottesdienst: 25. 8., 10 Uhr, Herderkirche, anschließend Einweihung und Tag der offenen Tür im gesamten Herderzentrum, Führungen, Musik, Unterhaltung, Imbiss; ca. 14 Uhr heiterer musikalischer Abschluss im großen Saal. 18 Uhr: Abschluss des Weimarer Orgelsommers (Herderkirche)

Wo Gott in der Welt wohnt

24. August 2013 von redaktionguh  
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Christus spricht:
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern,
das habt ihr mir getan.
Matthäus 25, Vers 40

Wer horcht bei diesem Bibelwort noch auf? Sein Inhalt ist jedem in Fleisch und Blut übergegangen: Jesus steht auf der Seite der Armen und der Kleinen, und darum soll ich es auch sein. Was gibt’s denn da Neues? Dabei zeugt dieses Wort von der Einmaligkeit der Botschaft Jesu und ist alles andere als selbstverständlich. Das gibt es in keiner anderen Religion der Welt: der höchste Gott, der König der Welt ist im anderen, im geringsten Bruder, in der geringsten Schwester, in jedem hilfsbedürftigen Wesen zu finden. Er identifiziert sich radikal mit den Ausgeschlossenen und Ausgestoßenen. Ein König, der nicht um seiner selbst willen regiert, ein Gott, der nicht zum Vergnügen Mensch geworden ist. Der sich nicht auf den heiligen Raum einer Kirche, auf die Wärme einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten beschränkt, sondern der in der Welt ist und mich selbst herausfordert, über meinen Tellerrand zu schauen und hinauszugehen: zu den Armen, Kranken, Fremden, Obdachlosen, Gefangenen, Hungrigen und Durstigen.

Roseli Arendt-Wolff, Pfarrerin in Brücken-Hackpfüffel

Roseli Arendt-Wolff, Pfarrerin in Brücken-Hackpfüffel

Das Wort holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Es verleitet mich dazu, Gott nicht im weit entfernten Himmel zu suchen und mich in Spekulationen über ihn zu verlieren. Es hält mich davon ab, Gott meinen persönlichen Wünschen anzupassen, und ermutigt mich, Verantwortung zu übernehmen für diese gefallene und leidende, aber von ihm geliebte Welt, deren Teil auch ich bin.

Es geht nicht einzig um mein Seelenheil, sondern um das Heil der Welt, der Schöpfung, der leidenden Brüder und Schwestern. Auch ihnen gehört die Würde, ein Geschöpf Gottes, sein Ebenbild zu sein. Es ist einmalig, es ist radikal, es ist befreiend, vielleicht auch neu: Gott ist größer als mein Fassungsvermögen und als jedes Bild, das ich von ihm habe. Und gleichzeitig ist er mir so nah, wie es nur möglich ist.

Roseli Arendt-Wolff

Versöhnung und Samba

21. August 2013 von redaktionguh  
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Polnische und deutsche Jugendliche verlebten eine gemeinsame Woche

Versöhnungsarbeit in der Weimarer Johanneskirche hat einen besonderen Wert, wurde die heutige Kinder-, Jugend- und Familienkirche doch einst von den Nazis als Ersatzbau für eine abgerissene Kirche errichtet. Umso beeindruckender die ­offene Atmosphäre beim Begegnungstreffen von polnischen und deutschen Jugendlichen an diesem Ort.

»Wir gehören zu den wenigen Landeskirchen, die eine offizielle Partnerschaft zu einer orthodoxen Kirche ­unterhalten«, sagt Wolfgang Geffe vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezen-
trum der mitteldeutschen Kirche (EKM). Die Beziehung zwischen der EKM und der Polnischen Autokephalen Orthodoxen Kirche besteht schon seit einigen Jahrzehnten. Gemeinsam bieten die beiden Kirchen regelmäßig Englischkurse in Polen an. Im letzten Jahr entstand dort die Idee, wieder eine Jugendbegegnung anzubieten. Nun verbrachten zwölf Jugendliche aus der ostpolnischen Stadt Bielsk Podlaski und fünf aus dem Jugendclub des Arnstädter Vereins »Direkt« vom 28. Juli bis zum 3. August in Weimar eine interessante Woche unter dem Motto »Geschichte-(M)acht-De­mokratie«. Sie übernachteten in einer Jugendherberge. Die meisten waren zwischen 15 und 17 Jahre alt. Während die Polen alle der orthodoxen Kirche angehören, waren die Thüringer eine gemischte Gruppe. »Evangelisch und konfessionslos, wie immer bei uns«, sagte Wolfgang Geffe, Referent für Friedensarbeit der EKM, der die jungen Leute begleitete.

Wesentlich unterstützt wurde die Begegnung von der Partnerschafts­arbeit des Lothar-Kreyssig-Ökumene-zentrums und dem deutsch-polnischen Jugendwerk. Ein besonderes ­Erlebnis war der Capoeira-Workshop am 31. Juli in der Johanneskirche. Hans-Jürgen Neumann und Ruben Marschall von der Escola Popular leiteten die Gruppe an. Mit Samba-Rhythmen und Capoeira geschieht hier evangelische Bildungsarbeit.

Ruben Marschall (vorn, Mitte) erklärt die Bewegungsabläufe im Capoeira-Workshop, links neben ihm der Leiter der ­Escola Popular, Hans-Jürgen Neumann. Foto: Maik Schuck

Ruben Marschall (vorn, Mitte) erklärt die Bewegungsabläufe im Capoeira-Workshop, links neben ihm der Leiter der ­Escola Popular, Hans-Jürgen Neumann. Foto: Maik Schuck

Es sei großartig gewesen, meint Geffe. Zwischen der Gruppe und den Leuten der Escola Popular entwickelte sich tänzerisch und spielend ein Dialog ohne Worte. »Innerhalb von drei Stunden war eine tolle Gemeinschaft entstanden«, so der Friedensbeauftragte.

Am Vormittag desselben Tages war die Gruppe im Konzentrationslager Buchenwald gewesen. Kaum einer der jungen Leute hatte bisher ein KZ besucht. Sie seien sehr nachdenklich ­geworden und betroffen. Zumal die Führung ganz auf die Jugendlichen zugeschnitten war und zum Beispiel aufzeigte, warum junge Männer sich für den Nazi-Terrror hergegeben hatten. So wurden sie auch mit der wechselvollen Geschichte ihrer beiden Länder konfrontiert.

Bielsk Podlaski war während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen besetzt – bis zum 30. Juli 1944. Der Ort wurde zu 70 Prozent zerstört. Die traditionsreiche jüdische Gemeinde von Bielsk war vollständig vernichtet worden. Dabei hat die Stadt eine lange Geschichte. Als der Ort 1253 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, war Bielsk Podlaski bereits eine bedeutende Handwerksstadt. 1569 wurde sie Teil Polens, 1795 fiel sie an Preußen und 1807 an Russland. Heute gehört Bielsk Podlaski zur ­Woiwodschaft Podlachien, nahe der Grenze zu Weißrussland. Die Autokephale Orthodoxe Kirche ist die zweitgrößte offizielle Glaubensgruppierung in Polen. Sie zählt rund 550000 Gläubige und 320 Geistliche.

Am Beginn der Weimarer Jugendbegegnung hatte die Gruppe einen Gottesdienst in der orthodoxen Kirche gefeiert, den der mitgereiste Priester aus Bielsk Podlaski, Andrzej Minko, hielt. Sie waren auf Luthers Spuren in der Erfurter Altstadt unterwegs, trafen den polnischen Honorarkonsul Hans Hoffmeister, unternahmen eine Bootstour auf der Saale und ­besuchten den Weimarer Jugendclub »Waggong«, der von der evangelischen Kirche und der Stadt getragen wird. Die polnischen Jugendlichen, die in ihrer Heimat im Chor der orthodoxen Gemeinde singen, beeindruckten mit liturgischen Gesängen. Am Ende des Zusammenseins stand das Versöhnungsgebet vor dem Nagelkreuz in der Herderkirche und damit das Bemühen, die Schrecken der Vergangenheit in eine lebendige Glaubensatmosphäre zu übersetzen.

»Fest steht, dass wir diese Begegnungen fortsetzen wollen«, sagt Wolfgang Geffe. Schon gibt es erste Ideen für das kommende Jahr, hundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges – dann in Polen.

(mkz)

Europas Spuren in Salomonsborn

20. August 2013 von redaktionguh  
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Bettel-Männer sammelten vor 275 Jahren für den Kirchenneubau

Vor 275 Jahren zogen aus dem winzigen Dorf Salomonsborn zwei Männer in die Welt. Als Bettel-Männer mit einer unterzeichneten Urkunde des Rates der Stadt Erfurt machten sie sich auf den Weg, um Spenden für den Kirchenbau in ihrem Ort zu sammeln. Innerhalb von vier Jahren durchquerten sie nicht nur Deutschland, sondern gelangten bis ins heutige Polen, nach Dänemark und schließlich an den schwedischen Königshof.

Dieser geschichtsträchtigen Baufinanzierungsaktion wird nun vom ­Förderverein »St. Dionysius-Kirche Salomonsborn« noch einmal Leben eingehaucht. In alle von den Männern durchwanderten Länder werden Spendenbittbriefe verschickt. »Europa half beim Bauen, hilft Europa auch beim Restaurieren?«, so das Motto. Aktuell wird der Kanzelaltar von 1747 instand gesetzt. Der amtierende Vorsitzende des Fördervereins, Klaus Töpfer, weiß um die Mühen der Anfangszeit des Restaurationsvorhabens. 2008 konnte mit reichlich Aufwand zunächst die einsturzgefährdete Decke erneuert werden, berichtet der ­katholische Christ und pensionierte Schulleiter, der sich mit ganzem Herzen für das evangelische Gotteshaus engagiert. Seitdem ist eine Menge geschafft worden, vor allem dank großer Unterstützung, auch von Bundes- und Landesprominenz.

Der pensionierte Schulleiter Klaus Töpfer (links) engagiert sich mit ganzer Kraft für die evangelische Kirche in ­Salomonsborn. Er ist Katholik und schätzt wie Pfarrer Ricklef Münnich das gute ökumenische Zusammengehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Der pensionierte Schulleiter Klaus Töpfer (links) engagiert sich mit ganzer Kraft für die evangelische Kirche in ­Salomonsborn. Er ist Katholik und schätzt wie Pfarrer Ricklef Münnich das gute ökumenische Zusammengehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Besonders stolz sind Ricklef Münnich, Pfarrer in Marbach und Salomonsborn, und Klaus Töpfer auf die noch originalen Fußbodenfliesen, die sich vom Kirchenschiff bis zum Altarbereich ziehen. Die neuen, erst im Winter 2013 eingesetzten Kirchenfenster aus Antikglas erzeugen eine frische Helligkeit im Inneren des Raumes. Friedemann Boelicke, Leiter des Bauausschusses des Gemeindekirchenrates, habe hierbei sein ganzes Organisationstalent bewiesen.

Die zunehmende Attraktivität der Kirche ist keinem bloßen Lokalpatriotismus geschuldet. Taucht man tiefer in ihre spannende Historie ein, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Hinter dem früher weiß gestrichenen Holztonnengewölbe kam ein farbenfrohes Deckengemälde, ein Jesusbild, zum Vorschein, von dessen Existenz man lange nichts wusste. Zudem soll eine Vielzahl französischer Soldaten während der Schlacht bei Jena und Auerstedt in ­Salomonsborn verweilt haben. Auch über die Beziehungen zu Schweden gibt es noch Geheimnisse zu lüften. Immerhin hatte im Dreißigjährigen Krieg 1631 Gustav II. Adolf von Schweden mit viel Ehrerbietung in Erfurt Quartier bezogen.

Eine 1942 demontierte Glocke kehrte 1950 zurück; unversehrt hatte man sie unter dem Trümmerschutt Hamburgs gefunden. Durch die Aufschrift »Gottes Segen über Salomonsborn« konnte die Eigentümerin schnell ermittelt werden. Für Klaus Töpfer ist das ein wunderbares Zeichen für die Zukunft.

Gerade ist ein Antrag gestellt worden, St. Dionysius als Radwegekirche aufnehmen zu lassen. Aufgrund des großen Interesses Durchreisender, wie Pfarrer Münnich beifügt. Aus der einst stark baufälligen Kirche entsteht ein offenes Gotteshaus. Im Eingangsbereich wird ein Kirchencafé eingerichtet. Der ist durch eine Glastrennwand vom Kirchenschiff abgeteilt, sodass die Besucher jederzeit das interessante Innere bewundern können. Zurzeit werden regelmäßig Benefizkonzerte für die Arbeiten gegeben; die Kultur in der Kirche Salomonsborn ­jedoch soll nach der Fertigstellung weitergeführt werden – Musik, Literatur oder Vorträge.

Dass das Interesse der Menschen für ihre Kirche mit den Bauarbeiten gestiegen ist, zeigt die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher in dem 150 evangelische Christen zählenden Ort. Doch nicht nur sie kommen ­regelmäßig. Etwa die Hälfte der rund 20 Gottesdienstbesucher seien katholisch, betont Töpfer. So wird hier eine gute Ökumene gepflegt. Und auch Pfarrer Münnich freut sich über das wachsende Gemeindeleben.
Ulrike Unger

Infos und Spenden über:

www.foerderverein-kirche-salomonsborn.de

Wer die Wahl hat …

20. August 2013 von redaktionguh  
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Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus – die Kandidaten gehen auf Wahlkampftour. Sie machen ihre Programme bekannt und suchen den Kontakt mit den Wählern. Doch wie ist es um diese Wähler bestellt? Hören sie sich an, was die Politiker schwarzer, roter, gelber oder grüner Couleur zu sagen haben? Fragen an sie gibt es sicher genug. Das geht bei der Familienpolitik los und hört bei der Sorge um den Euro nicht auf. Und in einem persönlichen Gespräch an einem Wahlkampf-Stand ist da sicher mehr zu erfahren als aus der Zeitung.

Doch dazu muss man sich äußern, statt in die oft bemängelte Politikverdrossenheit zu verfallen, muss eine eigene Meinung zu den Dingen haben. Aber Meinungsbildung findet nicht nur im stillen Kämmerlein statt. Und da sehen manche Politikwissenschaftler die Ursache zu der bei den letzten Wahlen stets gesunkenen Wahlbeteiligung: in der Individualisierung. Viele Menschen sind kaum noch eingebunden in Familie, Kirche, Vereine, wo man ins Gespräch kommen und sich eine Meinung bilden kann – auch zu Dingen, mit denen man unzufrieden ist. Denn Stellung zu nehmen zu anderen Meinungen oder sie ertragen zu können, auch das gehört zum politischen Geschäft – sowohl der aktiven Politiker als auch der Wähler.

Wir Evangelischen werden in diesem Jahr besonders mit der Nase darauf gestoßen, denn es steht im Reigen der Jahre bis zum Reformationsjubiläum unter dem Motto »Reformation und Toleranz«. Ein guter Grund, sich mit den eigenen Werten und mit dem, was andere dazu sagen, auseinanderzusetzen – und danach die eigene Wahlentscheidung zu treffen. Das nächste Themenjahr »Reformation und Politik« stiftet erst recht dazu an.

Denn wer Veränderung will, muss sich beteiligen.

Christine Reuther

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