Für ein gutes neues Jahr

28. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Neues Jahr – neues Glück? Die Wünsche und Erwartungen wiederholen sich. Wir hoffen auf Gutes für die Monate, die nun wieder vor uns liegen. Doch immer liegt irgendetwas hinter, irgendetwas vor uns. Was ist Besonderes daran? Das neue Jahr kommt ohne unser Zutun, ob wir feiern oder die Silvesternacht verschlafen.

Und doch haben Karten und mündliche Grüße »Frohes neues Jahr!« ihren Sinn. Der Jahreswechsel ist eine Zäsur, die Rückblick und Ausblick einschließt. Wir blicken auf das, was gelungen ist und so weitergeführt werden kann, wir schauen, was korrigiert werden muss in der Zukunft. Solch ein Innehalten ist wichtig im Leben. Das Besondere am Übergang von einem zum nächsten Jahr ist die Gleichzeitigkeit dieser Zäsur für sehr viele Menschen um uns und weltweit. Hoffnung keimt auf, dass es nun vielleicht besser werden könnte, dass sich die Mächtigen dieser Welt besinnen. Jeder Einzelne hofft, dass er etwas neu beginnen, etwas ändern kann in seinem Leben.

Als Christen kennen wir diese Chance zum Neubeginn, der uns in der Taufe geschenkt wird und den wir immer wieder wagen dürfen. Umso schöner ist es, mit anderen gemeinsam neue Schritte zu gehen.

Wir haben eine neue Bundesregierung, die nach vorne schaut. Auch wenn sie satte Mehrheiten hat, braucht sie Mut, einen politischen Neuanfang zu gehen und Schritte zu tun, die Ungerechtigkeit mindern und den Frieden voranbringen. Und sie braucht Menschen, die ihre Politik kritisch begleiten. Wie auch unsere Kirchen solche Begleitung brauchen: wache Menschen, die genau beobachten und die mit Sachverstand und Weisheit den Finger auf die Wunde legen. Die Liebe und die Gnade sollten dabei Pate stehen. Fehlentscheidungen dürfen nicht verschwiegen werden, doch blind »draufschlagen« verbietet sich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach den Koalitionsverhandlungen, man habe gelernt zuzuhören. Das ist eine solide Basis für eine gemeinsame Arbeit und einen gemeinsamen Weg.

Und für ein gutes neues Jahr.

Dietlind Steinhöfel

Türen offen halten

24. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Landesbischöfin besucht Opfer der Elbe-Flut in Kamern

Hohen Besuch empfingen die Mitglieder der Kamernschen Kirchengemeinde am 3. Advent: Landesbischöfin Ilse Junkermann wollte wissen, wie es sechs Monate nach dem Deichbruch bei Fischbeck in der Elb-Havel-Region aussieht, wie es den Menschen hier ergangen ist und wie sie das Ereignis verkraftet haben. Zusammen mit dem Stendaler Landrat Carsten Wulfänger und Superintendent Michael Kleemann habe sie das Gebiet während der Flut im Juni überflogen, war sogar mit einem Schwimmpanzer nach Fischbeck übergesetzt. Viele Schäden sind noch immer nicht absehbar, stellte sie bei der Begrüßung in der einstigen Schulküche in Kamern im Kirchenkreis Stendal fest.

Landesbischöfin Ilse Junkermann und Pfarrer Hartwig Janus im Gespräch mit Flutopfer Eugenie Henne – Foto: Ingo Freihorst

Landesbischöfin Ilse Junkermann und Pfarrer Hartwig Janus im Gespräch mit Flutopfer Eugenie Henne – Foto: Ingo Freihorst

Zu Beginn ihrer Andacht erinnerte sie an das Kirchenlied »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit«. Die Tür sei ein Symbol im Advent. Schlimm sei es, wenn sie geschlossen ist, denn gerade bei der Flut waren die Betroffenen auf viele offene Türen angewiesen. Sie verwies auf den Veranstaltungsort – die alte Schulküche – wo die Menschen Hilfe und Beratung fanden. »In dieser Situation darf man die Türen nicht verschließen«, forderte Ilse Junkermann. Es dürfe auch weiterhin kein Streit und Neid aufkommen, fügte die Bischöfin mahnend hinzu.

»Weihnachten feiern wir, dass Gott die Tür zu den Menschen aufgetan hat«, erklärte sie. Auch Maria und Josef hätten an viele Türen klopfen müssen. In aller Not solle man auf Gott vertrauen. In ihrem Gebet bat Ilse Junkermann um offene Türen auch für Notleidende und Arme. Sie will den Gemeindemitgliedern in der für viele schweren Zeit mit ihrer Andacht Kraft und Zuversicht spenden.

Im Zelt ausgeharrt

An der Kaffeetafel erkundigte sie sich bei den Frauen aus Kamern, wie sie die schlimme Zeit verbrachten. »Ich habe mit anderen drei Tage lang in den Kamernschen Bergen gezeltet«, berichtete Ingrid Henke. Übernachtet wurde im Auto, tags waren sie im Ort – man wusste ja nicht, ob der Ringdeich um das 500-Seelen-Dorf halten wird. Zum Glück war ihr Haus nicht betroffen.

Solch Glück hatte Eugenie Henne nicht. Sie wohnte bis zur Flut bei ihrer Tochter im Seeweg. Obwohl vier Stufen zur Eingangstür hinaufführen, hatte das Wasser etwa einen halben Meter hoch in der Wohnung gestanden. Besonders tragisch: Der Schwiegersohn hatte gerade den Umbau beendet. Zehn Tage lang war Eugenie Henne während der Flut in Havelberg untergekommen. Jetzt wohnt sie bei ihrer anderen Tochter in Kamern und hofft, bis Weihnachten wieder in ihr altes Domizil einziehen zu können.

Christoph von Katte appellierte an die Landesbischöfin, sich für den Bau von weiteren Polderflächen an der Elbe einzusetzen. Etwa 80 Prozent der Überflutungsflächen habe der Mensch dem Fluss entzogen, begründete er sein Anliegen. Unter anderem könnte doch die Kirche auch ihre Ländereien dafür anbieten. Die Synode habe dazu im Herbst bereits entsprechende Beschlüsse gefasst, antwortete Ilse Junkermann.

Ingo Freihorst

Vom Staunen

23. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Weihnachten: Euch ist ein Kind geboren


Große Augen sind auf ein Wunder gerichtet: Ein kleines Kind ist geboren. Da ist ein winziger Mensch, hilflos und zerbrechlich. Eben war er noch verborgen im Mutterleib. Nun liegt er da, in Windeln gewickelt.

Josef hält sich fast ängstlich an seinem Stab fest, er scheint die Arme an seinen Körper zu pressen. Ein Kind – was nun? Es ist kein Wunschkind. Die Schwangerschaft kam unerwartet und unter seltsamen Umständen. Doch als das Kind vor ihnen liegt, können sich Maria und Josef seinem Zauber nicht entziehen. Maria lächelt vorsichtig. Ihre Geste – die linke Hand am Kinn – unterstreicht ihre staunenden Augen. Doch in ihrem Gesicht überwiegt das Lächeln. Mit der rechten berührt sie zärtlich das Kind, das sie geboren hat. »So ein wunderbarer Junge!«, mag sie denken.

Foto: picture-alliance/Radtke

Foto: picture-alliance/Radtke

Und das Neugeborene? Es schaut sehr fröhlich in die Welt, offene Augen sehen den Betrachter der kleinen Familienszene an: »Ich bin da! Ich bin neugierig aufs Leben, neugierig auf euch und freue mich, dass ich bei euch sein kann«, mag das kleine Gesicht ausdrücken. Eine große Offenheit hat der polnische Künstler Bognda Gebski in das Holz, aus dem die kleine Jesus-Figur geformt wurde, geschnitzt und gemalt! Wie ein Schutzmantel hüllt ein Strahlenkranz die Familie ein, hält sie zusammen und gibt Geborgenheit, wie das weiche Heu auch das Kind umhüllt.

Der Freude, dem Staunen, unterstrichen durch die kräftigen Farben dieser Krippendarstellung, kann man sich kaum entziehen. Euch ist ein Kind geboren, ja noch mehr: Euch ist heute der Heiland geboren! Wie viel Leben liegt in diesem einen Satz, den der Engel den Hirten verkündet! Vom Staunen der Hirten und der Heiligen Familie möchte man sich anstecken lassen. Gelingt das in diesen Tagen?

Vielleicht können die Kinder noch staunen über den leuchtenden, festlich geschmückten Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, über ihre Geschenke, die sie sich so sehr wünschten. Oder haben sie schon zu viele geschmückte Bäume gesehen in Kaufhäusern, auf Plätzen und Balkonen? Sind sie vielleicht sogar enttäuscht, weil das heißersehnte Geschenk doch nicht dabei ist? Und können wir Erwachsenen noch staunen über unsere Kinder, Enkel oder Nachbarskinder?

Wie groß ist das Staunen über ein Neugeborenes? In einer Fernsehreportage über Pränataldiagnostik sagte eine Frau, dass sie sich erst auf das Kind, das in ihrem Leib heranwuchs, freuen konnte, als sie wusste, dass es gesund sein wird. Wir haben Erwartungen an das Leben, an unseres und an das, was noch nicht geboren ist. Ein »Wunschkind« soll es sein, ein gesundes.

Das Staunen ist ein wertvolles Gut, das rar geworden ist. Wir scheuen uns vor dem Unerwarteten, dem Ungeplanten. Es fällt uns schwer, einfach abzuwarten, was kommt, was Gott für unser Leben bereithält. Wir wollen selbst bestimmen. Vielleicht können wir in diesen Tagen die Augen weit öffnen – so wie Maria, Josef und das Kind – und Erstaunliches (wieder)entdecken, angesichts dieses wunderbaren Kindes in der Krippe.

Dietlind Steinhöfel

»Jesus und das liebe Vieh«

21. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Junge Gemeinden des Altenburger Landes haben neues Weihnachtsspiel geschaffen

Drei Kamele, zwei Schafe, Ochse und Esel gehören in diesem Jahr zu den Mitwirkenden eines neuen Krippenspieles, das von den Jungen Gemeinden Altenburg, Ehrenhain und Flemmingen geschaffen wurde. Die Ideen hierfür wurden bereits im September in der Jungen Gemeinde Ehrenhain gesammelt und von der Studentin Janine Eichler aus Flemmingen in Textform gebracht. 18 Jugendliche sind beteiligt, die auch ihre Kostüme selbst gestalteten. Nachdem die Rollen verteilt waren, begannen nach den Herbstferien die wöchentlichen Proben, die von der Autorin sowie Pastorin Heike Schneider-Krosse und Jugendwartin Susann Borowansky begleitet werden.

Die Jungen Gemeinden Altenburg, Ehrenhain und Flemmingen laden zu einer Interpretation  der Weihnachtsgeschichte ein, in der Marias Esel seinen Senf zur Volkszählung dazugibt und auch die Kamele und Schafe in das Weihnachtsgeschehen eingreifen. – Foto: Ilka Jost

Die Jungen Gemeinden Altenburg, Ehrenhain und Flemmingen laden zu einer Interpretation der Weihnachtsgeschichte ein, in der Marias Esel seinen Senf zur Volkszählung dazugibt und auch die Kamele und Schafe in das Weihnachtsgeschehen eingreifen. – Foto: Ilka Jost

Die »besonderen Weihnachtsspiele« der Jungen Gemeinden haben inzwischen eine lange Tradition, deren Ursprung im Jahr 1992 liegt. Mit großer Originalität ist es dabei immer wieder gelungen, die Frohe Botschaft aus einem anderen Blickwinkel zu vermitteln. So waren vor einigen Jahren Maria und Josef zu erleben, die mit dem Trabant liegengeblieben und auf der Suche nach Benzin waren. Dieses Mal geht es also um Tiere.

Angesichts von regelmäßigen Fleischskandalen haben sich die Jugendlichen mit dem Stück »Jesus und das liebe Vieh« der innerhalb der Kirche eher selten thematisierten Frage zugewandt: »Sind Tiere in die christliche Botschaft eingeschlossen?«

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erzählt: Der Verkündigungsengel kommt auch zu den Niedrigsten in der Gesellschaft, den Hirten. Die Jugendlichen gehen einen Schritt weiter und lassen den Schafen die Frohe Botschaft kundwerden.

»Wer die bisherigen Krippenspiele der Jungen Gemeinden kennt, weiß: dies geschieht natürlich nicht ohne Augenzwinkern«, erklärt die Jugendwartin. Auch Themen wie Toleranz, Eitelkeit und Verständigungsprobleme würden so humorvoll aufgegriffen und regten zum weiteren Nachdenken an. »So sind unsere Heiligen Drei Könige in diesem Jahr Putin, Obama und Assad«, freut sich Susann Borowansky.

Michael von Hintzenstern

Termine: 22. 12., 16 Uhr, Altenburg, Bühne am Weihnachtsmarkt; 24. 12., 22.30 Uhr, Ehrenhain, Kirche

Das Kind kommt nicht wegen der Sorglosen

20. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch:
Freuet euch! Der Herr ist nahe.
Philipper 4, Verse 4+5

Ommaa!« – Endlich fährt das Auto auf den Hof. Es gibt kein Halten mehr. Ludwig muss hüpfen, auf und nieder, immer wieder, von den kleinen Zehen bis in die Haarspitzen voller Freude. Das ungeduldige Warten hat ein Ende. Die Spannung entlädt sich in großem Jubel. Die Großmutter kommt. Solche Freude verdrängt jeden Kummer. Sie schafft Momente der Leichtigkeit. Wenn man Glück hat, wird man nie zu alt zum Freuen, auch wenn man vielleicht nicht mehr hüpfen kann.

Albrecht Lindemann, Pfarrer an St. Bartholomäi & St. Marien zu Zerbst

Albrecht Lindemann, Pfarrer an St. Bartholomäi & St. Marien zu Zerbst

Ich gebe zu, es gelingt mir nicht immer, unbeschwerte Momente zu erleben. Manches Problem lässt sich nicht beiseiteschieben, hält mich am Boden. Die Sorge um einen Menschen, nicht erledigte Arbeit, drängende Termine binden die Gedanken. Manchmal gelingt mir kaum mehr ein müdes Lächeln.

Am vierten Advent hört man schon fast das Quietschen des Esels in der letzten Kurve vor Bethlehem. Bin ich schon in Feierlaune oder doch ein alter Griesgram? Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe – es kommt nicht wegen der Sorglosen. Wir sind auf dem Weg in die Heilige Nacht, beladen mit Freude und Last. Fröhlich soll mein Herze springen, genau deshalb. Weil all das, was mich bewegt, sein Ziel hat, Bitten und Dank. Unser Herz aber fragt nicht nach dem Sollen, es springt nicht auf Befehl. Die beschwerten Herzen müssen angesprochen, berührt und erwärmt werden. Die Frohe Botschaft wird erst zum erfahrbaren Ereignis, wo sie verkündet wird, gespielt, gesprochen und gesungen. Sie verändert nur, wo sie gehört und erfasst wird. Damit das gelingen kann, dürfen wir uns vorbereiten und andere mitnehmen auf den Weg.

Wir gehen durch die Adventszeit mit wachsender Freude und Erwartung. Nur noch dreimal Schlafengehn – bald ist es soweit. Ludwig ist schon ganz zapplig. Und bald schon hüpfen wir gemeinsam um den Baum. Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Albrecht Lindemann

In vielen Kirchen klingt es

17. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Besonders im Dezember ist zu hören, wofür Chöre das Jahr über geprobt haben

Vom Weihnachtsoratorium in Stadtkirchen bis zur »Musik im Kerzenschein« in ländlichen Gotteshäusern: Advent ist die hohe Zeit der Kirchenmusik. Chöre, Orchester und Bläserchöre proben oft den ganzen Herbst über, damit das musikalische Gotteslob in Gottesdiensten und Konzerten am Beginn des neuen Kirchenjahres die Zuhörer erfreut. Der neue Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund, der am 15. Dezember in sein Amt eingeführt wird, findet von Ballenstedt bis Zerbst Vielfalt vor: In der Landeskirche treffen sich rund 1 000 Sängerinnen und Sänger in Kirchenchören und übergemeindlichen Chören (einschließlich der Gospelchöre) meist wöchentlich zu Proben. Rund 400 Mädchen und Jungen singen in Kinderchören in Gemeinden oder Kindertagesstätten mit. Es gibt annähernd 30 Instrumentalkreise und rund 220 Blechbläser, die in 13 Bläserchören aktiv sind. Im hauptamtlichen Dienst stehen in Anhalt fünf Kreiskirchenmusikwarte und weitere Mitarbeitende in Voll- oder Teilzeit. Hinzu kommen 60 bis 70 nebenberufliche Kirchenmusiker, die entweder einen Chor oder Posaunenchor leiten oder regelmäßig in den Gottesdiensten Orgel spielen. »In unserer Landeskirche«, sagt Oberkirchenrat Manfred Seifert, »soll es auch künftig lebendige und hochwertige Kirchenmusik geben.« Der Theologe, der selber in einem Posaunenchor bläst, will sich dafür einsetzen, dass »mehr als bisher der kulturelle Aspekt kirchlichen Handelns wahrgenommen wird«. So sollten Kirchenmusiker auch in den Kulturbeiräten von Städten und Landkreisen mitwirken.

Projektarbeit nur mit verlässlichem Sänger-Stamm

Musikalische Höhepunkte waren zum Beispiel 2012 Händels »Messias« zum Mitsingen beim Anhaltischen Kirchentag in Ballenstedt, die »800 Takte für Anhalt 800« in Dessau-Roßlau oder die Beteiligung an der Aktion »Kirche klingt, 366 + 1« im Themenjahr der Lutherdekade »Reformation und Musik«. Feste Größen im anhaltischen Musikleben sind die Kindersingwoche in jedem Jahr in den Winterferien in Gernrode, Konzertreihen, Bläserfreizeiten und Jungbläsertage, das Adventsblasen der Posaunenchöre Anhalts in Dessau-Roßlau, Oratorienaufführungen, und die Beteiligung von Bläsern an Kirchentagen. Bläser, so hieß es im Bericht vor der Landessynode im November, seien auf vielfältige Weise in der Landeskirche und darüber hinaus präsent. Bei den Bläseranfängern gebe es noch immer steigende Zahlen. Landesposaunenwart Steffen Bischoff wies aber auch darauf hin, dass in den kommenden Jahren weitere ehrenamtliche Mitarbeiter im Posaunenwerk gewonnen, ausgebildet und begleitet werden müssten. Viele gut ausgebildete Kräfte würden nach ihrer Schulzeit weggehen. »Das ist für das Posaunenwerk sehr schmerzhaft.«

Foto: Burkhard Dube

Foto: Burkhard Dube

Die Kirchenmusiker merken aber, dass die Verbindlichkeit in der Gesellschaft abnimmt. In der Chorarbeit kommt es hier und da auch zu Projekten. »Aber«, sagt Eckhart Rittweger, Kreiskirchenmusikwart des Kirchenkreises Ballenstedt, »das funktioniert nur, wenn ein verlässlicher Stamm von Sängerinnen und Sängern da ist.« Ein verbindlicher Chor ziehe weitere Sängerinnen und Sänger an und mit. »Und ich hoffe dann, dass einige dabeibleiben.« Seinem Aufruf, das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach am 20. Dezember in der Gernröder Stiftskirche mitzusingen, sind 20 Leute gefolgt, die den Dezember über mit der Kantorei regelmäßig geprobt haben und es bis zur Generalprobe am Freitag tun werden. Auf den Ausklang des Festjahres »1 050 Jahre Stiftskirche Gernrode« dürfen die Besucher gespannt sein.

Angela Stoye

Karten für das Oratorium am 20. 12., 19.30 Uhr, gibt es noch in den Stadtinformationen in Ballenstedt, Gernrode und Quedlinburg sowie im Gemeindebüro in Gernrode.

»Ein Dach für alle«

17. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Jenaer Verein unterstützt seit 20 Jahren von Wohnungslosigkeit betroffene Menschen

Obdachlosigkeit in Jena? Davon spürt man in der Studentenstadt wenig. Das traurige Alltagsbild von Menschen, die tagsüber umherziehen, in Parks oder Einkaufspassagen sitzen, das in vielen größeren Städten zur Realität gehört, ist hier eher selten. Doch die Armut ist vorhanden, auch wenn sie nicht ständig präsent ist.

Seit 1993 kümmert sich in Jena der Verein »Ein Dach für alle« um wohnungslose oder vom Verlust der Wohnung bedrohte Familien oder Alleinlebende, indem er billigen Wohnraum zur Verfügung stellt. Die Initiative hierzu ging von Reinhard Leinen (Büro für Stadtentwicklung und Stadterneuerung) aus, der eine Beteiligung an dem bundesweiten Projekt »Dauerhafte Wohnungsversorgung von Obdachlosen im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus« anregte.

Landesweit gibt es kaum vergleichbare Anlaufstellen dieser Art. Mietschulden, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme sind nur ein Teil der Sorgen, die von einem Tag auf den anderen zu dieser akuten Notlage führen können. Sozialer Abstieg rückt dann immer näher. Der Markt sei zu stark auf den Vermieter ausgerichtet, beklagt Vereinsvorsitzender Ralf Kleist, der hauptberuflich im Kirchenkreis Jena für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Explodierende Mietpreise sind nicht die einzige Folge des geringen Leerstands in Jena. Sozialer Wohnungsbau sei nicht so lukrativ, denn daran ließe sich weniger verdienen, ist sich Kleist sicher. »Ein Dach für alle« versucht an dieser Stelle einzugreifen. Der Verein, der selbst als Vermieter auftritt, verwaltet derzeit vier eigene und zwei angemietete Häuser mit insgesamt 72 Wohneinheiten. Über 100 Personen haben so eine bezahlbare Bleibe gefunden.

Unterstützung  bei Alltagsproblemen

Der Bedarf an Sozialwohnungen ist hoch, die Kapazitäten des Vereins oft ausgeschöpft. Und nicht jeder kann zahlen, selbst bei vergleichsweise günstigen Mieten. Daher leistet »Ein Dach für alle« auch Präventivarbeit. An die Vermietung ist eine soziale Betreuung der Betroffenen gekoppelt, damit es diesen gelingt, ihre Wohnung langfristig zu erhalten.

»Ziel ist es, die Leute wieder zu stabilisieren«, sagt Ralf Kleist und erwähnt die Maßnahmen, die der Verein in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Pädagogen anbietet. Die Kinderoase, wo der Nachwuchs Hilfe bei den Hausaufgaben findet oder Freizeitangebote wahrnehmen kann, ist gut besucht. Viele Familien werden sozial betreut und bei der Lösung von Alltagsproblemen begleitet. Die Unterstützung ist individuell sowie strukturell, denn häufig fehlt es den Betroffenen an Wissen, welche behördlichen Möglichkeiten sie ausschöpfen können. Oft werde an der falschen Stelle Geld ausgegeben, wie Kleist erklärt. »Die Menschen haben manchmal gar kein Gefühl für ihre Finanzen. Sie kaufen teure Geschenke für ihre Kinder, können dann aber ihre Schulden nicht begleichen.« Der Verein versucht, langfristig solchen Umständen entgegenzuwirken. Mit der Einrichtung des ambulant betreuten Wohnens wird zudem besonders schweren Fällen zur Seite gestanden.

Das geplante Neubauvorhaben, für das 70 000 Euro Spenden gesammelt wurden, scheint gerade durch bürokratische Hürden in die Knie gezwungen zu werden. Den Vorsitzenden ärgert das. Die kleinen Erfolge seien es, die dann immer wieder zum Weitermachen ermuntern. Kleist erinnert sich noch heute gern an die Geschichte, bei der nach zähen Amtsgängen schließlich für eine 14-köpfige Großfamilie ein Urlaub im Jenaer Umland erstritten werden konnte.

Ulrike Unger

Versöhnung ist möglich

16. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Wir Kleingläubigen, möchte man sagen angesichts des Lebenswerkes von Nelson Mandela. Der Nationalheld von Südafrika hat gezeigt, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen und nach Demütigung und Gewalt Versöhnung möglich ist. Er schuf in dem Vielvölkerstaat mit elf Amtssprachen, verschiedenen Religionen, Stämmen und Hautfarben eine »Regenbogennation«.

Wer schafft das schon? Nach 27 Jahren im Gefängnis verbannte Mandela alle Rachegedanken! Wer kann jenen, die die Faust geballt haben, die Hand reichen? Wer kann wie Jesus sagen: »Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen« (Lukas 6,27.28)? Nelson Mandela hat das gelebt. Vielleicht wurde der Samen bereits in der methodistischen Missionsschule gelegt. Aber vor allem kam er im Gefängnis zum Nachdenken, meditierte und erkannte seine eigenen Fehler. Sein politischer Erfolg nach den Jahren der Haft führt vor Augen: Feindesliebe kann die Welt verändern.

Martin Luther King ging den Weg der Gewaltlosigkeit ebenso wie Mahatma Gandhi, der für Mandela ein großes Vorbild war und dessen gewaltloser Widerstand in Südafrika begonnen hatte, wo sich Gandhi gegen die Diskriminierung der indischen Minderheit einsetzte.

Wir sind im Irrtum, wenn wir meinen, das Evangelium tauge nicht zur Politik. Einer wie Mandela hat das Gegenteil bewiesen. Er zeigte, dass nicht Hass und Rache zum Ziel führen, sondern ein offenes Visier, eine ausgestreckte Hand.

Und so trauern Christen, Hindus, Juden, Muslime – Südafrikaner mit unterschiedlichem Glauben und verschiedenen Wurzeln sowie Menschen weltweit – miteinander um einen Mann, der in seinem 95-jährigen Leben der ganzen Welt ein großes Beispiel gegeben hat. Und der uns beschämt erkennen lässt: Wir Kleingläubigen!

Dietlind Steinhöfel

Frieden duftet bis heute

16. Dezember 2013 von redaktionguh  
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Magdeburgerinnen schauen auf ihre Zeit als »Frauen für den Frieden« zurück

Es klingt nicht schmeichelhaft, was in der Stasi-Akte über die Magdeburger Gruppe »Frauen für den Frieden« steht: Sie ist nicht in der Lage, eine handlungsfähige politische Plattform zu bilden. Dabei war das, was die 20 bis 30 Frauen bei ihren Treffen in privaten Wohnzimmern vor genau 30 Jahren taten, hoch politisch. Die Schreiberin war wohl ziemlich dumm, stellten sechs der Frauen fest.

Annette Bohley, Karin Bischoff, Editha Beier, Elfriede Stauss, Almuth Berger und Waltraut Zachhuber folgten der Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung, sich im öffentlichen Gespräch miteinander an die Zeit zu erinnern, als die DDR ein neues Wehrgesetz erließ, das im Verteidigungsfall den aktiven Wehrdienst auch für Frauen vorsah. Und es waren seit März 1982 auch schon Frauen eingezogen worden.

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Foto: Helene Souza/PIXELIO - www.pixelio.de

»Frauen für den Frieden« gab es in Berlin, Leipzig, Jena und Halle; hier hatten sich Elfriede Stauss und Annette Bohley informiert, ehe sich im Herbst 1983 die Magdeburger Gruppe fand. Viele Theologinnen gehörten ihr an, wie auf dem Podium auch fünf saßen. Editha Beier, gelernte Krankenpflegerin und lange in der Katholischen Erwachsenenbildung tätig, war aber keine Außenseiterin, gehörte vielmehr zu den inhaltlich treibenden Mitgliedern, stellten die anderen fest. Und die Stasi-Einschätzung, es handele sich um eine Selbstfindungs-Gruppe, war so falsch vielleicht nicht. Die Frauen lernten, sich zu artikulieren und zu vernetzen, stellten sie in der Rückschau fest. Und fast verblüfft erkannten sie, wie sehr sie vor 30 Jahren im Kalten Krieg und während des atomaren Wettrüstens die Sorge um den Frieden beschäftigte.

Die Gruppe entstand aus dem Gefühl heraus, dass die vorhandene Friedensarbeit eine weitere Facette braucht. Sie war ökumenisch und wollte nach außen wirken, blieb aber innerkirchlich. Feministische Theologie und die Auseinandersetzung um die nur behauptete Gleichberechtigung in der DDR spielten eine Rolle. Ein womöglich typisch weiblicher Ansatz bestand wohl darin, dass bei Veranstaltungen immer auch etwas Handfestes mitgegeben wird. Zu einem Friedenssonntag nähten die Frauen 200 Säckchen, füllten sie mit Lavendel – woher dieser kam, ist in der Rückschau schleierhaft – und versahen sie mit einem Stempel: Frieden duftet. Er duftet bis heute; Annette Bohley brachte ihr Säckchen mit.

Was aus dem Friedensengagement von damals geworden ist, wer es weiterträgt, ob wir uns mit dem Werben der Bundeswehr um junge Leute abfinden, ob es emanzipatorisch ist, wenn auch Frauen in die Armee gehen, all das wurde in der Runde kurz gestreift. Die nötigen Antworten wären Thema einer anderen Runde, in der dann nicht die Aktivisten von damals im Podium sitzen.

Renate Wähnelt

Aus Erde geformt

15. Dezember 2013 von redaktionguh  
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In der Töpferstube von Anett Lück in Hohenleipisch bei Elsterwerda hat der Endspurt auf das Weihnachtsfest schon vor Wochen begonnen.

Etwa eine Woche Handarbeit in mehreren Etappen steckt in dieser Heiligen Familie, bestehend aus Maria mit dem Kind und Josef. Eine Kundin aus dem Schradenland (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) hatte sie bereits im Sommer in Auftrag gegeben. Vor dem Weihnachtsfest muss sie fertig werden. Weil die Herstellung des Unikats sehr aufwendig ist, hat sich Töpfermeisterin Anett Lück (47) aus Hohenleipisch den Auftrag für den etwas ruhigeren Spätherbst aufgehoben.

Aufgrund der filigranen Arbeit fertigt sie aus Erfahrung jede Figur doppelt, damit eine Reserve bleibt, sollte eines der Kunstwerke den Brennvorgang nicht überstehen. Die vier Figuren der Heiligen Familie sind eine seltene Sonderanfertigung. »Wir haben uns das Thema nicht leicht gemacht«, meint Anett Lück. Gemeinsam mit ihrer Schwester Antje Bräuer, der Diplomdesignerin für Schmuck, hat sie sich auf die anspruchsvollen Einzelanfertigungen vorbereitet. Dabei sollte sowohl der ursprüngliche christliche Gedanke der Heiligen Familie als auch die Stellung der Familie in der heutigen Zeit dargestellt werden. Ziel sei es gewesen, ein Kunstwerk zu schaffen, das sowohl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Themas Familie aufzeigt. »Weihnachten verbinde ich sehr stark mit dem Familiengedanken«, sagt die Künstlerin, die selbst keine Christin ist. Umso intensiver hat sie sich mit Maria, Josef und dem Kind auseinandergesetzt und ihren eigenen Ausdruck gefunden.

Die Heilige Familie ist eine Sonderanfertigung in der Werkstatt von Anett Lück. Foto: Veit Rösler

Die Heilige Familie ist eine Sonderanfertigung in der Werkstatt von Anett Lück. Foto: Veit Rösler

Vor allem ihre Schwester habe als Designerin Impulse gesetzt. Antje Bräuer sagt dazu: »Hände und Gesicht der Figuren sind wie Boten ihrer Gedanken. Maria umschließt mit Händen und ihrem liebevollen Blick das Neugeborene. Auch der Umhang schmiegt sich um Maria mit dem Kind und bildet einen schützenden Raum um beide.« Josef sei wohl etwas nachdenklicher, fragender. Sein Blick geht gen Himmel. Der sorgenvolle Augenaufschlag und die unbedingte Liebe und Hingabe gehörten zusammen. »Die Heilige Familie ist ein traditionsreiches Bild und ein Symobl bis in unsere Zeit und widerspiegelt mit seiner Geschichte um die Geburt Christi gleichermaßen eine Familie im Heute. Sie erzählt von jenen seltenen Momenten der inneren Ruhe, die sich jeder in der Weihnachtszeit wünscht«, sagt die Designerin. Das hoffnungsvolle Lächeln um die Lippen solle das ausdrücken.

Töpferin Anett Lück ist derweil schon wieder bei einer anderen Arbeit. Während Tochter Marlene (11) und Partner Uwe (51) das Krippenspiel im Pfarrhaus ihres Heimatortes für Aufritte in den Kirchen in und um Hohenleipisch einstudieren, gestaltet sie Weihnachtsmänner, Teelichter und Räuchermännchen, fast schon in Massenproduktion. Oder doch nicht? »Nicht ganz«, meint sie. Die Produkte werden in Handarbeit gefertigt, und nicht nur das mache sie individuell. Neben verschiedenen Größen hat der Kunde die Wahl zwischen Beigaben wie Lämpchen, Weihnachtsmannsäcken oder bedrohlichen Ruten.

Weihnachtskeramik ist ein zeitloses Produkt. Vor etwa 100 Jahren mussten die Töpfer wegen der beginnenden Massenproduktion von Küchen- und Vorratsgeschirr, das bis dahin aus gebranntem Ton gefertigt wurde, auf kunsthandwerkliche Erzeugnisse umschwenken. Das gelang nicht allen.

Hohenleipisch ist zweifellos eine alte Töpferhochburg. In dem Ort wurde vor 210 Jahren eine eigene Töpferinnung gegründet. Neben 24 Töpfereien gab es 16 Ziegeleien, von denen Kunden in ganz Deutschland beliefert wurden. Der Grund dürften die reichen Tonvorkommen in der Gegend sein, nach denen sogar – noch heute sichtbar – mitten im Ort gegraben wurde. Mit der Töpferei Biebach, 1903 als Familienbetrieb gegründet, sowie der Werkstatt der Lücks sind heute noch zwei aktiv arbeitende Töpfereien im Ort tätig.

Veit Rösler

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