Heimat der Gemeinde

30. Juni 2014 von redaktionguh  
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Festwoche zum 500-jährigen Jakobskirchenjubiläum in Köthen beendet

Festlicher hätte der Beginn kaum ausfallen können: Mit der Toccata in d-Moll von Johann Sebastian Bach eröffnete Kirchenmusikerin Martina Apitz an der Orgel der Köthener Jakobskirche am Sonntag den Gottesdienst zum 500-jährigen Jubiläum. 1514 war die gotische Kirche, die die Silhouette der Stadt bis heute prägt, nach über 100-jähriger Bauzeit fertiggestellt worden. Die beiden Türme stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Anhalt-Container neben der Jakobskirche konnten Wagemutige auch erklimmen. Allerdings gibt es auch eine Treppe, die zur Kaffeeterrasse führt. Foto: Heiko Rebsch

Die Anhalt-Container neben der Jakobskirche konnten Wagemutige auch erklimmen. Allerdings gibt es auch eine Treppe, die zur Kaffeeterrasse führt. Foto: Heiko Rebsch

Den Gottesdienst am 22. Juni leiteten die beiden Gemeindepfarrer Wolfram Hädicke und Horst Leischner, während an der musikalischen Ausgestaltung neben Martina Apitz auch der von ihr geleitete Bachchor mitwirkte. Zudem erzählten Gemeindeglieder anhand von Ausstattungsstücken die Geschichte der Kirche, die im zwölften Jahrhundert mit einem Vorgängerbau begann, als Köthen noch eine Siedlung an Handelswegen war. Der Jugendliche Jakob Hedemann trat als Sankt Jakob auf, Schutzpatron der Kirche und der Pilger, dessen aus dem Mittelalter stammende Skulptur die Ankommenden begrüßt. »Als sich die Menschen später eine größere Kirche wünschten, nahmen sie mich in die neue Kirche mit«, sagte er. Die Kirchenälteste Heidi Goßrau stellte den Taufengel aus Marmor vor, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Geschenk des Dessauer Fürsten Leopold Friedrich in die Kirche kam. Der Entwurf stammt von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen. Lars Nentwich zeigte einen 500 Jahre alten Abendmahlskelch und erinnerte daran, wie viele Menschen beim Abendmahl in dieser Kirche ihren Glauben stärkten. Jürgen Grünbaum, der mit einem Stück Dachbalken vor die Gemeinde trat, berichtete, dass die Kirche von Unglück verschont geblieben war und hoffte, dass das auch in Zukunft so sein möge.

In seiner Predigt bezog sich Kirchenpräsident Joachim Liebig auf den Spruch über dem Kirchenportal: »Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch (Jakobus 4,8).« Der Brief sei die dringende Mahnung an eine zerstrittene Gemeinde, sich auf das zu besinnen, was das Zentrum des Glaubens ist. »Streit schon am Beginn der Christenheit: Das ist bitter und erleichternd zugleich«, so Liebig. Der Satz biete jedoch eine Lösung an: Die Menschen sollten sich Gott öffnen. Auch heute gebe es die Konkurrenz der Meinungen. Als realistisch gelte zu sagen, jeder Mensch sei ein Produkt des Zufalls. »Christen aber sagen: Wir sind das Ergebnis eines Willens Gottes.« Gott liebe jeden Menschen so, wie er ist. »Wer sich um seine Seele kümmert aus Liebe, ordnet sich der entscheidenden Dimension des Lebens zu. Wie das zu geschehen habe, müsse jede Generation neu finden. Väter und Mütter des Glaubens könnten da Vorbilder sein.

Mit Blick auf die 500-jährige Jakobskirche sagte Joachim Liebig, dass jede Kirche ein Ausdruck Generationen übergreifenden Glaubens sei. »Ich bin überzeugt, dass Kirchen vom Glauben, von der Musik, von den Gebeten der Menschen etwas bewahren, ein Gebet nicht einfach so verfliegt«, so der Kirchenpräsident weiter. Hier gebe es die große Chance, Gott nahe zu sein, Sinn und Gemeinschaft zu finden. »Ich hoffe, dass diese Kirche auch in 500 Jahren noch eine Heimat für Menschen sein wird.«

Mit einem Gemeindefest auf dem Marktplatz, das gemeinsam mit dem Köthener Töpfermarkt begangen wurde, ging die Festwoche zum 500-jährigen Jubiläum von Sankt Jakob zu Ende. Am 19. Juni hatte Kirchenbaurätin Konstanze Förster Wetzel aus Dessau-Roßlau die Kirchengemeinde besucht und eine Zuwendung von 20 000 Euro übergeben. Diese sind für den Einbau einer neuen Heizung in die Kirche bestimmt. Die Kosten dafür sind mit rund 70 000 Euro veranschlagt. Etwa die Hälfte dieser Summe ist seit dem Start der Spendenaktion im April zusammengekommen.

Angela Stoye

Hilfe für syrische Flüchtlinge

30. Juni 2014 von redaktionguh  
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Die Diakonie Mitteldeutschland ruft zu Spenden für syrische Flüchtlinge auf, die ihre Verwandten nach Deutschland holen wollen. Dietlind Steinhöfel sprach mit Christoph Victor, Bereichsleiter Theologie des Hilfswerkes.

Wie hoch sind die Hürden für Familienangehörige?
Victor:
Nach jüngstem Beschluss der Innenministerkonferenz nimmt die Bundesrepublik insgesamt 20 000 syrische Flüchtlinge auf. Zweihundert kommen auch nach Thüringen und Sachsen-Anhalt. Oft bleiben die Angehörigen in Syrien oder in Drittländern zurück. Für die Betroffenen ist es unerträglich, ihre Kinder oder Eltern, Geschwister oder Ehepartner im Krisengebiet zu wissen. Sie haben allerdings die gesetzliche Möglichkeit, die Angehörigen nachzuholen, wenn sie entsprechende private Bürgschaften, Sicherheiten und Kostenübernahmen für Sozialausgaben nachweisen können. Da diese Menschen vielfältige Unterstützung brauchen, will sie die Diakonie Mitteldeutschland gemeinsam mit der Share Value Stiftung, die an vielen Stellen Hilfe im christlichen Sinn leistet, finanziell unterstützen.

Christoph Victor ist Bereichsleiter Theologie der Diakonie Mitteldeutschland

Christoph Victor ist Bereichsleiter Theologie der Diakonie Mitteldeutschland

Wie hoch ist der finanzielle Bedarf?
Victor:
Das können wir kaum ermitteln. Es gibt drei Gruppen von Flüchtlingen. Für die eben erwähnten ist der Unterhalt gesichert, nicht aber der Nachzug von Verwandten. Dann gibt es jene, die auf Eigeninitiative ins Land einreisen. Und syrische Studenten zum Beispiel, deren Studium von Verwandten aus Syrien finanziert wurde. Jetzt sind diese Wege zusammengebrochen. Auch sie wollen ihre Angehörigen aus dem Krisengebiet herausholen. Der Bedarf fängt bei kleinen Beträgen an, wie etwa 20 Euro für eine Wochenkarte, um wichtige Behördengänge zu tätigen, um Pass oder Visa zu beantragen. Eine Bahnfahrt zur nächsten Botschaft kostet im Schnitt 50 Euro. Für eine dringende medizinische Behandlung will die Diakonie 100 Euro Zuschuss bereitstellen. Teurer wird es bei den Flugkosten, dafür sind etwa 300 Euro pro Person nötig. Auch unsere Migrationsfachdienste und die Kirchenkreissozialarbeit haben einen unwahrscheinlich hohen Arbeitsaufwand für die Beratung der Flüchtlinge.

Erhoffen Sie sich eine gute Spendenbereitschaft?
Victor:
Die Spendenbereitschaft generell ist gut. Aber es gibt sehr vieles, wo wir helfen wollen und sollen. Da ist die Flut den Menschen noch sehr nahe. Oder die Ukraine, wohin es Partnerschaften gibt. Die Syrer sind da eher weiter weg. Deshalb möchten wir das Bewusstsein stärken, um die Not der syrischen Flüchtlinge näherzubringen.
Die Share Value Stiftung will für die nächsten drei Jahre bis zu 50 000 Euro für die Syrien-Flüchtlingshilfe einstellen. Und wir starten jetzt unsere Spendenaktion, um diesen Fonds auszubauen, und hoffen, dass es Menschen gibt, die auf den Zug aufspringen.

Spendenkonto: Diakonie Mitteldeutschland, Konto 408 000 530, BLZ 520 604 10, EKK, Stichwort: Flüchtlingshilfe

Strittig

30. Juni 2014 von redaktionguh  
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Der Bundespräsident spricht sich für eine größere Bereitschaft Deutschlands zu bewaffneten militärischen Einsätzen im Ausland aus. Das kommt überhaupt nicht gut an. Daraufhin tritt er zurück. Keine Sorge: Joachim Gauck hat sich kürzlich zwar derart geäußert, an Rücktritt denkt er aber keineswegs.

Es ist gerade einmal vier Jahre her, dass Horst Köhler als Bundespräsident zurücktrat, weil er die Kritik an eben dieser Position seinem Amt abträglich empfand. Köhler hatte damals in seinem Radio-Interview über den Wolken, auf dem Rückflug vom Truppenbesuch in Afghanistan, seine Position nicht wie Gauck allein mit Menschenrechten und dem Kampf gegen Mord und Despotismus begründet, sondern die Verteidigung der wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in den Vordergrund gerückt. Das nahm man übel, obwohl der Schutz der Schifffahrt am Horn von Afrika vor somalischen Piraten durch die Bundesmarine bereits auf der Tagesordnung stand.

Gauck hat sich Hintertürchen offengelassen. Im »Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen« seien bewaffnete Einsätze eben »manchmal« erforderlich. Und manchmal also besser nicht. Ein Krieg mit China beispielsweise wäre wirtschaftlich wider die Interessen Deutschlands und militärisch unsinnig. Damit kommen wir der Sache schon näher: ein bisschen Gauck, ein bisschen Köhler. Deutschland als eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Erde hat ein berechtigtes Interesse an stabilen Verhältnissen, damit regionale Konflikte nicht zur Bedrohung des eigenen Wohlstands führen. Es wäre unehrlich, das zu verschweigen. »Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein«, hat der Weltkirchenrat formuliert. Aber manchmal muss er offenbar sein. Die Meinungen trifften auseinander, nicht nur im Land, auch in der Kirche.

»Du sollst nicht töten«, lautet das fünfte Gebot. Aber es lautet nicht: Du darfst auf keinen Fall. Viel Stoff zum Nachdenken.

Wolfgang Weissgerber

Evangelisch ist wie Yin und Yang

29. Juni 2014 von redaktionguh  
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Glauben: Junge Menschen suchen, aber sie gehen andere Wege als die ältere Generation

Die heute 14- bis 18-Jährigen wachsen auf mit Internet, sozialen Netzwerken und Leistungsdruck. Wieviel Platz hat da der Glaube?

Die Emotionen in der Pubertät sind wie das Wetter im April. Weltschmerz und Minuten später Überschwänglichkeit, Planlosigkeit und selbstgewisse »Ich bin der König der Welt«-Attitüde. Was will der junge Mensch, der nicht weiß, was er will?

Jugend will Gefahren ausloten, aber auch Sicherheiten finden. Foto: epd-bild/Friedrich Stark

Jugend will Gefahren ausloten, aber auch Sicherheiten finden. Foto: epd-bild/Friedrich Stark

»Jugendliche geben es vielleicht nicht immer zu, aber sie suchen Geborgenheit, die Erfahrung von Weite und stabile Beziehungen«, sagt Andreas Holtz, Landesjugendpfarrer der mitteldeutschen Kirche (EKM). So sieht es auch Frederik Seeger, Gemeindepädagoge in Mühlhausen. Und ähnlich heißt es in der Shell-Jugendstudie von 2010: »Die jungen Leute fordern sozialmoralische Regeln ein, die für alle verbindlich sind.«

Wie ist sie noch, die Jugend? Seeger und Holtz wählen dieselben Begriffe: Suche und Offenheit. »Bei ihrer Suche denken Jugendliche lange nach und sie kritisieren viel mehr als noch vor 40 Jahren«, so Seeger. Holtz ergänzt: »Die klaren Antworten werden meist argwöhnisch betrachtet.« Der Glaube an einen christlichen Gott scheint, von außen betrachtet, kaum attraktiv zu sein. Warum Jugendgruppen besuchen, wenn ein Facebook-Konto mehr Freunde verheißt? Und dann noch im vom christlichen Glauben wie leergefegten Mitteldeutschland. Der Landesjugendpfarrer interveniert: »Die Offenheit für und das Interesse an Glauben ist überall vorhanden.« Jugendliche haben eine Ahnung, wo sie Substanz erwarten können. Noch immer ist Kirche dieser Ort, an dem junge Menschen Tiefe erhoffen. Eine Studie von 2012 brachte wissenschaftliche Gewissheit: Jugendliche können überraschend gut über ihren Glauben sprechen – wenn man sie lässt. Sie können sich auf ihn einlassen – wenn sie ihn als sinnvoll erleben. Und sie erleben ihn intensiv – in Beziehungen zu Gleichaltrigen.

Was Jugendliche theologisch äußern, klingt mitunter fremd. »Ich bin gerne evangelisch, da es eine Konfession ist, in der sich Yin und Yang das Gleichgewicht halten«, sagt eine 15-Jährige in der Studie. Wer aber, so Holtz, die Suchenden vorschnell mit einer richtigen Dogmatik korrigiert, verbaue vielleicht den Weg, den Gott mit ihnen vorhat. Was sie eher brauchten als die reine Lehre, wäre ein offenes Gegenüber, an dem sich abgearbeitet, aber auch angelehnt werden könne. »Wollen wir sie überzeugen oder einladen, mit uns einen Weg zu gehen?«, fragt auch Frederik Seeger. Noch ist Kirche ein relativ attraktives Gegenüber für viele, auch konfessionslose Jugendliche. Damit sie es bleibt, müsse sie echt und offen sein. Mit authentischen Glaubenszeugen, so Andreas Holtz, die sprachfähig sind. »Worte wie Gnade oder Auferstehung sind für Jugendliche Worthülsen.« Es ist zu fragen, wie sie gefüllt und vermittelt werden können.

Denn auch kulturell sind junge Menschen »Feinschmecker«, wie Holtz beobachtet hat. Und er fügt, man spürt einen gewissen Ärger, hinzu: »Zu oft heißt es sinngemäß: Hoffentlich bleiben uns die Jungen erhalten und machen alles so wie wir.« Dann also eher Kritik an den Älteren als an der jungen Generation, Herr Pfarrer? »Wenn Ältere junge Menschen kritisieren, dann oft aus Eifersucht: Jugendliche sind in einem geheimnisvollen Land, das sie kaum überblicken und in das die Älteren nicht mehr hineinkommen. Besser wäre es doch, über die Weite der Jungen zu staunen.« Und über den Weg, den Gott mit ihnen geht.

Stefan Körner

http://www.shell.de/aboutshell/our-commitment/shell-youth-study/2010.html

http://www.ev-jugend-westfalen.de/fileadmin/inhalte/grundsatz/spiritualitaet_von_jugendlichen_pilotstudie_kurz.pdf


Gottes Hoffnungsträger

27. Juni 2014 von redaktionguh  
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Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11, Vers 28

Das Leben an der Seite Gottes fängt an, indem wir etwas hören. »Kommt her!« So werden wir aufgeweckt aus dem Schlaf der Gottlosigkeit. Die Praxis des Glaubens besteht darin, diese Einladung weiterzusagen. Alle sollen es hören. Was bekümmert im Kämmerlein besprochen wurde, sollen die Spatzen von den Dächern pfeifen.

Sie hatten ihn gefragt: »Bist du es, der da kommen soll? Kommt mit dir Gottes Liebe in Person? Bist du der Messias? Bricht mit dir Gottes neue Zeit an?« Jesus hatte geantwortet:

Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid,
die ihr euch müht, die Schöpfung zu erhalten,
die ihr euch für Frieden und Gerechtigkeit abhetzt,
die ihr Angst habt um einen Menschen,
die ihr keinen Menschen habt,
die keiner leiden kann,
die ihr euch selber nicht leiden könnt.
Kommt her zu mir, alle,
die ihr Angst habt vor der Diagnose morgen früh,
die ihr euch fürchtet vor Hartz IV,
die ihr den Glauben für überholt haltet,
für die der Tod das letzte Wort hat,
die ihr euch fürchtet vor euren alten Geschichten,
die ihr meinetwegen verspottet und verfolgt werdet,
die ihr mit mir wach bleibt, wenn alle schlafen.
Kommt her zu mir, alle!

Solche Leute will Jesus erfrischen, indem er ihnen seine Last auflegt (Vers 29). Aber was soll das? Belastet Jesus die Belasteten mit noch mehr?

Doch seine Last ist das Licht vom Ostermorgen. Sie ist die Hoffnung, dass Gott sich aufgemacht hat, die Verlorenen zu retten. Seine Last ist die Zuversicht, dass die Mühseligen und Beladenen Zukunft haben. Solche Leute macht Jesus zu seinen Hoffnungsträgern. Unter seiner Last werden sie sich aufrichten und aufatmen und den anderen voran zur Quelle des Lebens gehen.

Gesine Staemmler, Pfarrerin in Wutha-Farnroda

Grußwort von Ministerpräsidentin Lieberknecht

26. Juni 2014 von redaktionguh  
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Christine Lieberknecht

Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen

Grußwort

Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen

Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen

90 JAHRE KIRCHENZEITUNG  „GLAUBE UND HEIMAT“

Mittwoch, 21. Mai 2014, 11.00 Uhr

Weimar

Sehr geehrte Frau Landesbischöfin Junkermann,

sehr geehrter Herr Kirchenpräsident Liebig,

sehr geehrter Herr Propst Kasparick,

Sehr geehrte, liebe Dietlind Steinhöfel,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Eine evangelische Kirchenzeitung im Zeichen der Wartburg für das Thüringer Land – im Jahr 1924. Dieses Zeichen steht für mich bis heute für Gefühle von Glauben und steht für Gefühle von Heimat.

Ich gratuliere sehr herzlich der 90-jährigen Jubilarin, die auch für mich Glaube und Heimat mit geprägt hat.

Da protokollarisch und historisch schon alles Wichtige entweder durch Vorredner  gesagt wurde oder durch Nachredner noch gesagt werden wird, möchte ich mich auf einige wenige persönliche Anmerkungen beschränken.

1. Glaube und Heimat ist einzig.

Für mich  ist Glaube und Heimat ein Medium mit Alleinstellungsmerkmal. Es gibt kein anderes Medium, das eine solche Kontinuität über drei Generationen in meiner Familie aufweist. Es begann bei meinen Großeltern Meißner in St. Jakob. Am 24. April 1924 schlossen sie den Bund fürs Leben und waren als Pfarrersleute ihr Leben lang  mit der gerade begründeten Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ verbunden.. Das setzte sich fort bei  meinen Eltern im Pfarrhaus Determann in Leutenthal, bis hin zu mir in  meiner Pfarrersfamilie in Ramsla. Stets lag „Glaube und Heimat“ entweder auf dem Küchentisch, im Wohnzimmer oder auf den Schreibtischen der Amtsstuben.

Als Leserin entdeckte ich „Glaube und Heimat“ schließlich auch als Medium für meine eigene Arbeit. Das heißt, nicht nur als Rezipientin sondern als Akteurin. Glaube und Heimat war Multiplikator für mein ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Schülerarbeit.

Glaube und Heimat war Multiplikator meines gemeindlichen Eifers zur Sanierung meiner Kirchen in Ottmannshausen, Hottelstedt und Stedten. Meine damalige Devise war „Gemeindebau durch Kirchenbau“.

Glaube und Heimat warb für die Mitwirkung am Bonhoeffer-Wettbewerb, den ich als Jurorin in den 80-er Jahren begleitete.

„Glaube und Heimat“ offenbarte meine enge Verbindung zu den Wigberti-Brüdern mit Pater Franz Schwarz in Werningshausen.

Mit „Glaube und Heimat“ wagte ich auch den Blick in die Welt im Sinne des konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Kurz: Ich wurde „auffällig“ und „Glaube und Heimat“ wurde mir zur Herausforderung. Die Herausforderung von „Glaube und Heimat“  bedeutete für mich: Ich war  als blutjunge Pastorin eingeladen, Andachten zu schreiben. Die Andachten wurden damals monatsweise an Theologen in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Thüringen vergeben. Das war für mich eine enorme Aufgabe. Nicht mehr nur für zehn, zwölf oder manchmal auch20 oder selten  nur für zwei oder drei Gemeindeglieder mir eine Predigt zu überlegen, sondern für alle Leserinnen und Leser von „Glaube und Heimat“ nachdenken zu dürfen, um biblische Texte auszulegen.

Das nun wiederum bedeutete für mich zweierlei. Erstens absolute Originalität zu liefern. Ich nehme für mich in Anspruch, dies getan zu haben. Auch ohne die Möglichkeit der heutigen Scanner-Systeme in den Computern, des digitalen Datenabgleichs oder Ähnlichem. Mein Verlangen nach Originalität und damit auch Authentizität ging so weit, dass eines Tages der damalige Herausgeber von „Glaube und Heimat“, Dr. Gottfried Müller, ein kleines Erklärstück vorweg stellen musste, nämlich, ich zitiere: „EIN DRUCKFEHLER im kirchlichen Amtskalender veranlasste die Autorin unserer biblischen Betrachtung, 4. Mose 1, 11 ff. als Predigttext des Sonntags auszulegen. Der vorgesehene Text steht 4. Mose 11. Wir freuen uns aber, wie sie mit den schwierigen Listen des 1. Kapitels fertiggeworden ist und wollen ihre Auslegung unseren Lesern nicht vorenthalten.“

Was war passiert?

Im kirchlichen Amtskalender stand also dieser Druckfehler, der da lautete: 4. Mose 1, 1 Vers 11 ff. statt wie es richtigerweise heißen müsste: 4. Mose 11. Da ich auf jegliche Sekundärliteratur und selbst auf die Predigthilfen von Fred Vogt verzichtete, widmete ich mich also stur den in 4. Mose 1, Vers 11 folgendem aufgelisteten Stammeszählungen und wählte exemplarisch als vorangestellten Bibelvers 1. Mose 25 aus: „So viele ihrer vom Stamm Gad gezählt wurden, waren 45 650.“ Das war also alles andere als „Geist“ zum Pfingstfest. Im Gegenteil. Trockene Aufzählung, trockene Verwaltung. Aber es gelang mir, durch dieses Gegenteil des pfingstlichen Geistes dann doch zum Geist des Pfingstfestes zu kommen. Ich setzte nämlich darauf, dass auch das Ernstnehmen von Zahlen, das Ernstnehmen von Statistik uns alle in Bewegung setzen würde und wir so einen Geist Lebendigkeit der Mission kurz des Pfingstfestes entfalten könnten, der dann dem Anliegen des Pfingstfestes tatsächlich entsprechen würde.

In einem kleinen Ausschnitt las sich das dann so: „Hier ist der Ort, an dem Kirchenleitungen ihrer Bitte um den Geist des Lebens und der Wahrheit Glaubwürdigkeit verleihen können, indem sie bereit sind, unsere kirchliche Statistik sowohl im Finanzwesen als auch in Personalfragen ernst zu nehmen. Wären wir alle miteinander auf das angewiesen, was uns die Zahlen unserer Verwaltung lehren, dann wäre mit Gewissheit manches unter uns lebendiger. Vielleicht wäre es dann möglich, Formulare gelegentlich mit Bemerkungen der Freundlichkeit und des gegenseitigen Verständnisses zu zieren. Und wenigstens zum Pfingstfest könnten wir mit neuem Schwung das Bild der Zukunft unserer Kirche in leuchtenden Farben malen: rot und grün, violett und gelb und weiß! Ich tue es. Und Sie?

Christine Lieberknecht“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wenn ich heute im politischen Alltag für das Zielfoto Thüringen im Jahr 2020 werbe, dann hat dieses werben letztlich genau diesen Hintergrund. Zahlen ernst nehmen, sowohl in Personalfragen als auch im Finanzwesen. Das heißt, wir müssen wissen, wie viele Menschen werden wir dann in Thüringen noch sein und wie viel Geld wird uns dann noch zur Verfügung stehen. Entsprechend muss heute unser politisches Handeln aussehen und entsprechend muss auch Dynamik in den politischen Prozessen Einzug halten und dementsprechend müssen sich auch Gewohnheiten verändern. Das darf ich, denke ich, auch heute noch Lebendigkeit nennen.

Zweitens: „Glaube und Heimat“ leistet bis heute aus meiner Sicht einen einzigartigen Chronistendienst. Manche meinen, in Büchern die Weisheit über Lieberknecht zu finden. Ich sage: Lest „Glaube und Heimat“, dort findet Ihr das Original! Unverfälscht, authentisch.

Das betrifft übrigens auch den 7. Mai 1989. Die Seite 1 haben damals Gottfried Müller als Kommentator, Carl Friedrich von Weizsäcker als Gast der Stadtkirche in Jena und ich selbst als Autorin der Andachten bestreiten dürfen. Ich finde, das ist  bis heute eine  spannende Seite.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Herbst 89 kam die Friedliche Revolution.

Aus der Vorbotin und Begleiterin der Friedlichen Revolution wurde eine streitbare Zeitung auch gegen die neue Obrigkeit. Auch dies ein wichtiges Wegstück, das ich nicht missen möchte. Dazu gehören auch die Anzeigen „Gegen Thron und Altar“, die sich gegen die damalige Einführung des Religionsunterrichtes an Thüringer Schulen wendete, die Debatten um die Militärseelsorge und vieles andere mehr.

Streitbar ist „Glaube und Heimat“ bis heute geblieben. Vor allen Dingen aber ist sie doch Heimat, mit all den Berichten über Kirchenrenovierungen und kirchliche Ereignisse, über Glocken und Orgeln.

Ich lese in „Glaube und Heimat“ Berichte über Verwandte und Bekannte. „Glaube und Heimat“ gibt bis heute ein Glaubenszeugnis, auch streitbar. Man muss nicht mit allem übereinstimmen, aber ich würde es auch vermissen, wenn es diesen Widerstreit nicht gäbe. Auch das ist wohl Heimat.

Die heutige Losung im 5. Mose, Kapitel 30, Vers 14, heißt: „Es ist das Wort ganz nah bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust“. Aus meiner Sicht wie gemacht für den heutigen Tag. Denn in der Einladung zur heutigen Festveranstaltung heißt es: „Ich lese die Bibel, um zu wissen, was die Menschen machen sollen, und meine Zeitung, um zu wissen, was sie machen.“

Sehr geehrte Festgesellschaft,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich finde, da schließt sich für mich ein wunderbarer Kreis. Ich kann nur sagen: So ist es!

Ihnen allen noch einen wunderbaren Jubiläumstag und der Jubilarin weiter viele Leserinnen und Leser, für die sie, wie auch für mich, „Glaube und Heimat“ bedeutet.

Christentreffen nah am Wasser

24. Juni 2014 von redaktionguh  
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Zum 8. Altmärkischen Kirchentag kamen rund 1 000 Menschen in die Hansestadt Werben

Es muss nicht immer Jubel, Trubel, Heiterkeit sein«. Detlef Neumann, Bürgermeister der 20 Kilometer westlich von Werben gelegenen Hansestadt Seehausen ist begeistert. Von der lebendigen Ruhe auf dem Kirchentag, von der angenehmen Atmosphäre. Und vor allem von der Freundlichkeit, die von den Besuchern ausgeht. »Das ist wohl typisch für Christen, nicht?«

Rund 1 000 Besucher kamen am Sonntag Trinitatis nach Werben zum 8. Altmärkischen Ökumenischen Kirchentag. Die Erwartungen der Veranstalter wurden mehr als erfüllt. Pressesprecherin Dorit Lau-Stöber zeigte sich sichtlich erleichtert, vor allem, da es im Vorfeld zahlreiche Anfragen wegen der Ortswahl gegeben habe. Werben liegt am nördlichsten Rand Sachsen-Anhalts und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. Doch dies war für viele kein Hindernis. Auch dem Werbener Pfarrer Jan Foit ist die Begeisterung über das Kirchentreffen anzumerken. »Es war uns wichtig, dass wir, auch wenn wir nur ein kleiner Kirchentag sind, ein hohes Programmniveau anbieten«, so Foit.

Foto: Stefan Körner

Foto: Stefan Körner

Auf einer mit Vertretern aus Politik und Kirche namhaft besetzten Podiumsdiskussion zeigte sich, was Jan Foit meint. Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens verteidigte die Hochwasserschutzpolitik des Landes. Heftige Kritik erntete Aeikens vonseiten des Schriftstellers und Umweltschützers Ernst Paul Dörfler. Das Hochwasserschutzkonzept sei zu einseitig: »Stetige Aufrüstung führt auf lange Sicht nicht zu einem Frieden mit dem Fluss«, so Dörfler. Er plädierte für Deichrückverlegungen und die Gewinnung von Überflutungsflächen.

Auch die Bibelarbeit mit Friedrich Schorlemmer war ein Besuchermagnet. In seiner Auslegung der Jahreslosung kritisierte er das Reden von Gott als zu abstrakt. Glück sei immer auch im Sozialen und Sinnlichen zu finden. Die Gier des Menschen strebe nach diesem Glück, verfehle es aber immer wieder.

Detlef Neumann lässt seinen Blick schweifen über den Markt der Möglichkeiten und lauscht den Blechbläsern nach. Der Kirchentag in Werben hat ihm gezeigt: Es braucht nicht das große Event, um Menschen zu begeistern

Stefan Körner


Impressionen vom Kirchentag in Werben

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Pfarrer Jan Foit aus Werben als Marktschreier auf dem Markt der Möglichkeiten

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SA-5-25-2014Eine Familie staunt auf der Kirchwiese über die Artistik des christlichen Künstlers »Mr. Joy« (alias Karsten Strohhäcker) aus Heidelberg. Die Verbindung von Verkündigung und Kleinkunst wurde im Rahmen des Kinder- und Familien- programms begeistert aufgenommen.

Bläserkonzert mehrerer Chöre aus dem Kirchenkreis vor der Werbener Kirche

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Alle Fotos: Stefan Körner

Der in Werben aufgewachsene Theologe Friedrich Schorlemmer (o. r.) bei der Bibelarbeit über die Jahreslosung in der Johanniskirche.

Der in Werben aufgewachsene Theologe Friedrich Schorlemmer bei der Bibelarbeit über die Jahreslosung in der Johanniskirche.

»Wir fühlen uns hier zu Hause«

24. Juni 2014 von redaktionguh  
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Sommerfest und Tag der offenen Tür im Franziskushaus Rastenberg

Mit einem kleinen Programm wollen die Bewohner und Bewohnerinnen des Franziskushauses der Stiftung Finneck die Gäste ihres Sommerfestes und des Tages der offenen Tür am 27. Juni in Rastenberg überraschen. Worauf sich die Besucher dabei ab 15 Uhr freuen können, verraten Carola und Justin aber noch nicht. Beide wohnen seit mehreren Jahren im Franziskushaus, einer Einrichtung der Jugendhilfe, die Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre dabei unterstützt, soziale Kompetenzen zu entwickeln sowie ihre Integration in Schule und Beruf fördert.

Justin und Carola laden alle Interessenten am 27. Juni zum Sommerfest und Tag der offenen Tür ins Franziskushaus der Stiftung Finneck nach Rastenberg ein. Foto: Stiftung Finneck

Justin und Carola laden alle Interessenten am 27. Juni zum Sommerfest und Tag der offenen Tür ins Franziskushaus der Stiftung Finneck nach Rastenberg ein. Foto: Stiftung Finneck

Die 12-jährige Carola lebt hier seit etwa drei Jahren und das zum zweiten Mal, denn ihre Rückkehr in die Familie verlief damals nicht problemlos. Justin kam vor gut zwei Jahren aus Weimar nach Rastenberg. Warum, darüber möchte er nicht sprechen. Jeder der zwölf Bewohner hatte bis zu seiner Aufnahme ins Franziskushaus Belastungen zu verkraften, die ohne professionelle stationäre Hilfe nicht zu bewältigen gewesen wären.

Im Franziskushaus bekommen die Mädchen und Jungen von ausgebildeten Erziehern die notwendige Unterstützung, um ihr Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
»Wir fühlen uns hier geborgen und zu Hause. Die Erzieher haben immer ein offenes Ohr für uns, sind hilfsbereit und verständnisvoll. Wir haben auch neue Freunde gefunden«, erzählen Carola und Justin übereinstimmend. Besonders gefallen beiden die Freizeitangebote, gemeinsame Unternehmungen und dass sie ihren Hobbys nachgehen können. Wie fast alle Kinder in ihrem Alter hören beide gern Musik. Justin treibt zudem viel Sport und fährt Fahrrad, während Carola gern Zwei-Völkerball und Rommee spielt. Das Franziskushaus und das dazugehörige Gelände bieten ihnen dafür viele Möglichkeiten.

Anliegen des Mitarbeiterteams, zu dem auch Praktikanten und Studenten gehören, ist es, die Kinder und Jugendlichen entweder auf eine Rückkehr in die Familie vorzubereiten oder sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu begleiten. Dazu gehören zum Beispiel auch regelmäßige Gesprächskreise mit dem Pfarrer und die präventive Zusammenarbeit mit den Polizeibeamten von Rastenberg.

Besonders wichtig und Teil der Konzeption ist eine intensive Arbeit mit den Eltern, die im Elternhaus und in der Einrichtung dabei hilft, Lösungen zu erarbeiten. Nach Absprache wird das Zusammenleben in der Familie an Wochenenden und Feiertagen trainiert und ausprobiert. Carola ist alle 14 Tage und Justin jedes Wochenende zu Hause. »Es ist schön, wenn ich wieder nach Weimar komme und meine Freunde treffen kann, aber ich freue mich auch, meine Mitbewohner im Franziskushaus wiederzusehen«, erzählt Justin. Darüber hinaus telefonieren beide regelmäßig mit ihren Angehörigen. Dann berichten sie ihnen, was sie am Tag erlebt haben und wie es in der Schule läuft, denn beide gehen in Buttstädt zur Schule. Bis sie diese beendet haben, wollen sie auf alle Fälle im Franziskushaus bleiben. Während Justin bereits weiß, dass er Busfahrer werden will, ist sich die schüchterne Carola über ihren Berufswunsch noch nicht im Klaren.

Einig sind sich beide und sicher auch ihre Mitbewohner in der Vorfreude auf das Sommerfest und den Tag der offenen Tür. Justin möchte dann das schöne Haus mit seinen vielen Angeboten vorstellen und Carola Gästen zum Beispiel die Spielschirme und das Trampolin im Garten zeigen.

Ursula Tunze

27. Juni, ab 15 Uhr, Rastenberg, Kirchallee 20

Wurzeln am Fluss

24. Juni 2014 von redaktionguh  
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Vorschau: Der siebente Elbekirchentag in Magdeburg stellt den Umgang mit dem Fluss in den Mittelpunkt

In die Diskussionen um die Nutzung der Elbe reihen sich seit 2008 jährlich Städte am Fluss mit Elbekirchentagen ein. Magdeburg richtet am 12. und 13. Juli die siebente Auflage aus.

Die Elbe zu Füßen des Magdeburger Doms. Ein Postkartenidyll lädt auf Plakat und Faltblatt zum 7. Elbekirchentag an eben diese Stelle ein. »Wurzeln am Fluss« heißt das Motto. Es umfasst mehr als Heimatverbundenheit. »Wir wollen zeigen, wo unsere geistlichen Wurzeln sind«, sagt Magdeburgs Superintendent Stephan Hoenen. »Und aus unseren Glaubenswurzeln übernehmen wir Verantwortung, auch für den Umgang mit der Elbe.«

Seitdem die Tauchtiefenverbesserung der Elbe 1992 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde, tobt die Diskussion um den Umgang mit Europas letztem frei fließenden Strom. Tonnage-Prognosen und befürchtete Auswirkungen auf Elbaue und Hochwassergeschehen prallen aufeinander.

In Magdeburg hat sich mit »Pro Elbe« eine Bürgerinitiative gebildet, die einem bedenkenlosen Elbeausbau entgegentritt. Eine Vielzahl christlicher Initiativen in allen Landeskirchen entlang des Flusses, die Landessynoden und die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland mahnen ein behutsames Vorgehen an. Die Landeskirche Anhalts gehört zu den Vorreitern, würdigt Magdeburgs Domprediger Giselher Quast, selbst bei »Pro Elbe« aktiv, die Idee des Elbekirchentages. 2008 hatte Coswig erstmals dazu eingeladen. Motto: Ein Fluss verbindet.

Die Sternbrücke in Magdeburg verbindet die Altstadt mit der Elbinsel Werder. Der Elbekirchentag will Menschen miteinander verbinden, die unterschiedliche Interessen haben. Foto: ArTo/fotolia.com

Die Sternbrücke in Magdeburg verbindet die Altstadt mit der Elbinsel Werder. Der Elbekirchentag will Menschen miteinander verbinden, die unterschiedliche Interessen haben. Foto: ArTo/fotolia.com

Verbinden, moderieren, wo es schier unversöhnliche Positionen gibt, das übernimmt die Kirche gern, sagt Superintendent Hoenen mit Blick auf das Forum »Naturschutz versus Menschenschutz – Lehren aus dem Jahrhunderthochwasser« beim nunmehr 7. Elbekirchentag. Auf dem Podium werden Stefan Leiner von der Europäischen Kommission, BUND-Präsident Hubert Weiger und Angela Stephan von »Pro Elbe« als Vertreter des Naturschutzes mit Felix Stenschke vom Bundesverkehrsministerium und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper diskutieren, die die Elbe eher unter wirtschaftlichem Aspekt sehen. Hans-Joachim Döring als Umweltbeauftragter der mitteldeutschen Kirche (EKM) komplettiert die Runde und ist gespannt auf den Versuch, jenseits von wissenschaftlichen und populistischen Reden ein Bündnis zu schmieden, in dem alle ihre Interessen und Befürchtungen berücksichtigt finden. Die unmittelbar bevorstehende weitere Planung an der Elbe hatte den Kirchenkreis Magdeburg bewogen, trotz personeller Not den Elbekirchentag wie geplant auszurichten.

Wem dieser Aspekt des Elbekirchentages fremd oder zu schwergewichtig ist, der findet auf dem Markt der Möglichkeiten im Kreuzgang und beim Kinder- und Jugendprogramm auf der Wiese vor dem Dom fröhliche Unterhaltung. Zur Eröffnung musiziert der Kreisbläserchor. Im Domgarten hält Reverend Canon Robert Jones aus der Partner-Diözese Worcester in England – ebenfalls hochwassererfahren – eine Bibelarbeit. Am Abend gestalten Magdeburger Kirchenchöre eine Vesper im Dom, ehe es am Fluss mit einem bunten Programm, gemeinsamem Singen und mit dem Pfarrerehepaar Gabriele und Andreas Herbst einen nächtlichen Kunstgottesdienst an und über der Elbe gibt. Eröffnung und Bibelarbeit werden für Gehörlose übersetzt. Ein Festgottesdienst an der Elbe mit Taufen – dafür sind noch Anmeldungen möglich – beendet am Sonntag den Elbekirchentag, der in den Internationalen Elbebadetag mündet. Eingeladen sind Gemeinden entlang der Elbe von Tschechien bis Hamburg. »Jeder kann sich aussuchen, woran er teilnimmt«, freut sich Superintendent Stephan Hoenen auf Begegnungen mit Christen wie Nichtchristen.

Renate Wähnelt

www.elbekirchentag.de

Große Geschichte und Herausforderungen heute

23. Juni 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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Vorgestellt: Der Propstsprengel Eisenach-Erfurt ist ein Spiegelbild der jungen mitteldeutschen Landeskirche

Drei Kirchenkreise aus der Tradition der Kirchenprovinz, vier aus der einstigen thüringischen Landeskirche kommend bilden heute den Propstsprengel Eisenach-Erfurt. Die vielen Stätten der Reformation verbinden genauso wie die gemeinsamen Aufgaben für eine lebendige Gemeinde Jesu Christi.

Wenn Christian Stawenow aus dem Haus am Eisenacher Pfarrberg tritt, schaut er auf die Georgenkirche. Hier wurde einst Johann Sebastian Bach getauft, hat Martin Luther gepredigt. Der promovierte Theologe ist seit 2013 Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, einem Landstrich voller kirchlicher und kultureller Tradition. Luther besuchte in Eisenach die Lateinschule. Johann Sebastian Bach wurde 1685 hier geboren. 1708 wurde der Komponist Georg Philipp Telemann in der Wartburgstadt Konzertmeister. Im nahe gelegenen Creuzburg kam 1571 der Pfarrerssohn und Musiker Michael Praetorius zur Welt. Zur reformatorischen Tradition gehören Erfurt, wo Luther Mönch wurde und sein Freund Johannes Lang die Reformation umsetzte; Mühlhausen, die Stadt Thomas Müntzers, oder Bad Frankenhausen, wo das Panoramamuseum an den Bauernkrieg erinnert. Überall sind Spuren zu finden.

Die Musiktradition spielt eine große Rolle

Die großen Namen haben das kirchliche Leben geprägt. Zum Beispiel die Musiktradition. Bad Frankenhausen ist Gründungsort der Deutschen Musikfeste. Das erste wurde 1804 in der Unterkirche begangen. Seit 1974 gibt es hier jährlich die »Frankenhäuser Sommermusiken«. In Ohrdruf wuchs Bach bei seinem Bruder auf, dort laufen zurzeit die Ohrdrufer Bachtage. Auch Mühlhausen hat eine Bach-Tradition; der Musiker war Organist in der Blasii-Kirche. Und Erfurt natürlich, die einzige Großstadt des Propstspengels ist eine Hochburg der Kirchenmusik, es gibt zahlreiche Chöre, Orchester und Instrumentalkreise.

Propst Christian Stawenow mit seinen Mitarbeiterinnen, Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller und Sekretärin Anja Hunstock (von links) Foto: Sascha Willms

Propst Christian Stawenow mit seinen Mitarbeiterinnen, Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller und Sekretärin Anja Hunstock (von links) Foto: Sascha Willms

Neben den hauptamtlichen Kantoren schätzt Stawenow das Engagement vieler Ehrenamtlicher hoch – ob als Chormitglied, Chorleiter oder Organist – rund 3 800 Ehrenamtliche zählt allein die Kirchenmusik (Stand 2012). Der Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen ist dabei mit 755 Spitzenreiter, gefolgt von Erfurt mit 690.

Die bedeutungsvolle Kirchengeschichte und die reiche Kultur sind das eine. Das Gemeindeleben und die Mitgliederentwicklung das andere. Seit 1999 hat der Sprengel fast 50 000 Gemeindemitglieder verloren.

Der Propstsprengel ist Spiegelbild der noch jungen mitteldeutschen Kirche (EKM). Vereint er doch drei einstige Kirchenkreise, die der einstigen Kirchenprovinz – Südharz, Erfurt und Mühlhausen – mit den ehemals zur Thüringer Kirche gehörenden – Gotha, Eisenach-Gerstungen, Waltershausen-Ohrdruf und Bad Frankenhausen-Sondershausen. Die unterschiedlichen Traditionen merkt Propst Stawenow vor allem bei der Liturgie.

Die Landeskirche selbst wird eher am Rande wahrgenommen. »Ich habe den Eindruck«, so Stawenow, »dass die Kirchengemeinden sehr stark das leben, was sie selbst betrifft. Die Landeskirche ist weit weg.« Die EKM kommt vor allem bei den zur einstigen Thüringer Kirche gehörenden Gemeinden negativ vor: weil sie keinen Küster mehr haben, der von der Landeskirche bezahlt wird, weil sie die Stellenpläne verändern müssen und die Aufgaben wachsen.

Das Gemeindeleben fröhlich gestalten

»Ich sehe die riesigen Herausforderungen, vor denen die Gemeinden stehen«, so der Propst. Vor allem Gemeindepädagogen fehlten. Pfarrerin Frauke Wurzbacher-Müller, die persönliche Referentin des Propstes, bedauert deshalb, dass es keine Kantorkatecheten mehr gibt. Trotzdem sieht der Regionalbischof gute Entwicklungen: ob es die Bibelwoche in Tabarz ist, das Freizeithaus »Arche« in Worbis, die Jugendkirchen in Nordhausen und Mühlhausen, Angebote für Kinder und Jugendliche, Pilgerwege, das Kloster Volkenroda, die Familienkommunität Siloah, die Augustinerkloster in Erfurt und Gotha, touristische Angebote und vieles mehr.

Genauso setze der Umgang mit den Strukturveränderungen Impulse. So hat jetzt der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen Regionalpfarrämter gebildet. Ähnliches hat Gotha vollzogen. »Die Kirchengemeinden arbeiten verstärkt gabenorientiert – ob bei Haupt- oder Ehrenamtlichen«, hat Stawenow erfahren. Zudem beobachte er eine starke Identifizierung mit dem Kirchenkreis. Deshalb sei es kein Thema, Kirchenkreise zusammenzulegen. Für den Südharz und Waltershausen-Ohrdruf wurden vor einigen Wochen neue Superintendenten gewählt. »Die Kirchenkreise brauchen perspektivische Sicherheit. Das bedeutet, dass wir auch mit kleineren Kirchenkreisen über die nächsten zehn Jahre fröhlich christliche Gemeinde leben wollen.«

Als große Stärke und Hoffnungspotenzial bezeichnet Stawenow die kirchlichen Bildungseinrichtungen – Luthergymnasium in Eisenach, Schulzentrum und diakonische Schulen in Mühlhausen, mehrere evangelische Schulen in Erfurt, Grund- und Regelschule Gotha, Grundschule Nordhausen. Und die zahlreichen Kindergärten, allein 14 im Kirchenkreis Mühlhausen. Zudem wirke die diakonische Arbeit in die Städte und Landgemeinden – ob das in Eisenach oder Waltershausen ist, in Mühlhausen oder Erfurt. Überall seien Kirchengemeinde und Diakonie eng miteinander verknüpft. »Jede Kirchengemeinde hat ihr besonderes Profil«, so Stawenow.

Ehrenamtliche sind hoch motiviert

Die Zukunft sieht der Propst in der Vernetzung verschiedener Bildungsangebote mit der Gemeindearbeit – wie Schulen, Kindertagesstätten, Freizeiten, Tagungshäuser. Er schätzt die hohe Motivation der Ehrenamtlichen in den Ältestenkonventen, bei Lektoren und Prädikanten. »Sie sind engagiert bei der Sache. Das ist ein riesiges Potenzial.«

Ein schweres Thema sei der Bausektor. »Wir müssen die Pfarrhäuser in einen Zustand bringen, dass sie unserem heutigen Wohnstand entsprechen«, doch die hohen Investitionen, die das erfordert, können die Gemeinden nicht allein tragen. Der neue Baulastfonds fange einiges ab, diese Mittel reichten bei Weitem nicht aus.

Christian Stawenow ist seit gut einem Jahr in Eisenach. Er bereist die Kirchenkreise, um die Mitarbeiter persönlich kennenzulernen und zu hören, wo ihr Herz schlägt, wo Freude und wo Frust sitzt. Ihm ist abzuspüren, dass er in seiner Region das Evangelium trotz mancher Hürden den Menschen fröhlich nahebringen möchte.

Dietlind Steinhöfel

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