Beinahe wie im Paradies

25. Juli 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

Über Pfingsten 2014 verbrachten 28 Leserinnen und Leser wunderbare Tage auf den Kanalinseln

An den Hängen und Gartenmauern leuchten die Mittagsblumen. Strahlendblauer Himmel, blaues Meer, Klippen, Farne, Fingerhut und Heide – und das faszinierende Schauspiel von Ebbe und Flut. Die Leserreise unserer Kirchenzeitung zu den Kanalinseln war fast eine Reise ins Paradies. Die herrlichen Gärten wie der von Judith Queree mit Blumen, alten Bäumen, verwunschenen Ecken und hohen Wiesen faszinierten die 29 Reisenden ebenso wie der Samares Garden, ein Park mit Rosen, Kräutern, einem japanischen Garten, blühenden Sträuchern, kleinen Wassern … Es duftete an jeder Ecke anders. Die Kanalinseln – ein Land wo Milch und Honig fließen? Fast, wären da nicht auch die Spuren der Vergangenheit. An den herrlichen Klippen und Ufern noch alte Nazi-Bunker. Und die Jersey War Tunnels, ein Tunnelgeflecht im Süden der Insel, das Hitlers Autobahnbauer Fritz Todt von osteuropäischen Zwangsarbeitern in den Felsen hauen ließ. Die museale Aufarbeitung zeigt das Leben und Leiden während der deutschen Besatzung.

Samares Garden auf der Blumeninsel. Unsere Reiseführerin Anne (2. v. l.) hat die Leserreisenden eine Woche freundlich begleitet. – Foto: Detlef Wendt

Samares Garden auf der Blumeninsel. Unsere Reiseführerin Anne (2. v. l.) hat die Leserreisenden eine Woche freundlich begleitet. – Foto: Detlef Wendt

Die Gruppe ist am Pfingstsonntagnachmittag dort. Ein Kontrastprogramm zum Vormittag, wo der Gottesdienst in der freien anglikanischen Gemeinde St. Paul’s gefeiert wurde mit anschließendem Gemeindefest. Eine herzliche Begegnung. Vor dem Gottesdienst empfing Paul Brooks, Minister und Vize-Dekan, die deutschen Reisenden herzlich. Seine Frau spricht deutsch, erzählt vom Gemeindeleben, der Kinderarbeit und der guten ökumenischen Zusammenarbeit, zum Beispiel bei den Streatworkern, die nachts auf den Straßen unterwegs sind, betrunkene Jugendliche »aufsammeln«. Davon hatten wir schon ein paar Tage zuvor bei den Methodisten erfahren. Dort hatte uns Referent Toni begrüßt, ein freundlicher und mitteilsamer Pfarrer. Die Gemeinde ist nicht nur mit den anderen Kirchen in der nächtlichen Straßenarbeit aktiv, sondern hat neben einem Kindergarten auch eine Armenküche. Wir sind eingeladen zur Suppe.

Begegnung mit Christen auf Jersey

Die Kirchen auf Jersey finanzieren sich nicht durch Kirchensteuern. Die Finanzierung scheint jedoch trotzdem zu funktionieren. Bei der Begegnung in einer der zwölf anglikanischen Pfarrkirchen, in St. Clement, erfahren wir zum Beispiel, dass der Pfarrer dort sein Geld in der Finanzbranche verdient. Er hat Theologie studiert, ist ordiniert, betreut die Gemeinde jedoch ehrenamtlich. Seine Kirche kann nicht alle Theologen bezahlen, erläutert er. Doch »Gott ist überall, auch im Finanzsektor«, da gäbe es Schuld und Vergebung, Liebe und Barmherzigkeit. Ein sympathischer Pfarrer, der mit ganzem Herzen seine Arbeit versieht. St. Clement, erklärt er fast ohne Bedauern, sei eine »Beerdigungskirche«, weil die Gemeinde sehr alt sei. Zu Hochzeiten und Taufen gingen die Leute eher in die größeren Kirchen. Doch er und seine Kollegen sind bemüht, auch jüngere Menschen anzusprechen. So gäbe es gute Verbindungen zur Schule. Die Lehrer kommen mit den Kindern zu ihnen, um die Kirche kennenzulernen. Als »unsere Kantorin«, Rosemarie Schurig aus Weimar, zum Abschied mit der Gruppe »Großer Gott, wir loben dich« anstimmt, ist er sehr gerührt. Seine Mutter, so sagt er, habe den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Besatzung miterlebt. Nun würden hier in dieser Kirche Deutsche singen und Gott loben. Er sei dankbar für so viele Jahrzehnte Frieden und dass es Freundschaft, Brüderlichkeit zwischen uns geben könne. Es war auch für uns eine bewegende Begegnung.

Eine tägliche Attraktion war das Amphibienfahrzeug, das Besucher zur Elisabeth-Festung bei St. Helier fuhr – bei Ebbe auf Rädern, bei Flut  schwimmend. – Foto: Jürgen Hagenberg

Eine tägliche Attraktion war das Amphibienfahrzeug, das Besucher zur Elisabeth-Festung bei St. Helier fuhr – bei Ebbe auf Rädern, bei Flut schwimmend. – Foto: Jürgen Hagenberg

Jeden Tag fühlen wir uns reich beschenkt: von der Natur und den guten Begegnungen, vom Singen miteinander und den Ausflügen genauso wie von der guten Küche im Hotel in St. Helier, der Hauptstadt der Insel Jersey, wo wir untergebracht sind, werden jeden Abend frischer Fisch und Meeresfrüchte aufgetischt. Wir genießen eine Austernverkostung an den Klippen, eine Kutschfahrt oder Radtour auf der kleinen Insel Sark mit Besichtigung des Seigneurie Gardens, Wein, Burgen und einen leider zu kurzen Abstecher nach Guernsey. Acht erfüllte Tage mit einer aufgeschlossenen Reisegruppe, einer wunderbaren Begleitung durch Anne – eben eine Reise in guter Gemeinschaft.

Dietlind Steinhöfel

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