Christen auf dem »Dach Afrikas«

25. Juli 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

G+H-Leserreise 2014 nach Äthiopien – manchmal auch abseits der Touristenpfade

Zwölf Leserinnen und Leser der Kirchenzeitung reisten gemeinsam mit Pfarrer Hanfried Victor nach Äthiopien. Hans-Christoph Schulz aus dem thüringischen Birkigt hat seine Eindrücke vom Leben auf dem »Dach Afrikas« aufgeschrieben:

Eine Herausforderung war es, sich in Äthiopien einige amharische Wörter einzuprägen und halbwegs verständlich auszusprechen, wie »batam amesegenallu« (vielen Dank). Wer sich redlich mühte, wurde mit einem freundlichen und verständnisvollen Lächeln der Gastgeber belohnt. Bilder und Begegnungen, die nicht mit der Digitalkamera festgehalten werden können, haben sich während der Reise tief ins Gedächtnis eingeprägt. So der Besuch bei Afrikas »Mutter Theresa«, der 80-jährigen Abebech Gobena. Angesichts der Hungerkatastrophe in den 1980er Jahren gründete sie unter großem persönlichem Einsatz ein Waisenhaus in Addis Abeba. Inzwischen sind Kindergärten, Schulen und Ausbildungswerkstätten hinzugekommen, in denen mehr als 12 000 Kinder aus den Armenvierteln in verschiedenen Projekten betreut werden. Ziel dieses von der UNICEF geförderten Konzeptes ist es, nicht nur Waisenkinder von der Straße zu holen, sondern Frauen und Mütter in Trainingsprogrammen zu stärken, damit sie selber für ihre Kinder sorgen können. In dem Gespräch erfuhren wir, dass bis heute allein in der Hauptstadt monatlich 20 Kinder verlassen und ausgesetzt werden und Millionen Kinder in Äthiopien auf der Straße leben.

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Ein anderes Bild: Unser äthiopischer Reiseführer Teketayi zeigte uns mit Hingabe und Herzblut sein Heimatland. Er führte uns nicht nur zu den touristischen Sehenswürdigkeiten in Addis Abeba, Axum, Gondar, Bahar Dar, Lalibela und den Simien-Nationalpark, sondern auch spontan zu Menschen. Während der Fahrt auf »Naturstrecke« nach Lalibela ging er mit uns in ein nahe gelegenes Dorf mit fünf Wohnhütten. Eine junge Frau zeigte uns ihre Rundhütte von sechs Metern Durchmesser, in der sie, ihr Mann, ihre drei Kinder, ihre Kuh und ihr Schaf leben. Wir sahen Lehmfußboden, eine kleine offene Kochstelle in der Mitte, Vorratssäcke an der Seite, ein Hochbett für die Kinder über den Tieren, eine Sitzgelegenheit als Ehebett. Wasser muss die junge Frau, die bald ihr viertes Kind erwartet, in einem 25-Liter-Kanister holen. Das bedeutet für sie eine halbe Stunde Fußweg bergauf, zurück in ihre Hütte. Bei aller äußeren Armut strahlt sie Fröhlichkeit aus. Ihre Haltung zeugt von einem Stolz auf das Land und seine kulturhistorische Geschichte.

Wie die meisten Menschen im nördlichen Hochland Äthiopiens trägt die junge Frau ein Kreuz: Ich gehöre zu Christus, ich bin sein Eigentum und trage seinen Namen, bedeutet das. Andere Menschen tragen ein Kreuz als Tattoo auf der Stirn. In Addis Abeba erlebten wir die Feier der Osternacht mit: Das Trommeln und rituelle Tanzen der Mönche, die große Andacht der Gläubigen waren so ganz anders als gewohnt, aber sehr beeindruckend.

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