So ein seltsames Wort wie Demut

31. August 2014 von redaktionguh  
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Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5, Vers 5

Eine neue Woche beginnt; auch sie wird unter ein Wort aus der Bibel gestellt sein. Zuerst meine Bitte: Lassen Sie einen Moment lang alles beiseite, was Sie gerade beschäftigt und hören Sie sich ein in zeitlose Weisheit, wie sie uns die Bibel schenkt.

Vor Gott verbietet sich Hochmut, denn dann sähen wir uns als den Herrn über unser Leben, all unser Können und Tun wäre nicht Gabe, sondern unser Verdienst. In der Gemeinschaft äußert sich solches Verhalten als Angabe, Arroganz, von oben herabschauen auf andere, und Wut, Neid und Missgunst kann bei denen entstehen, auf die herabgeschaut wird. Wir kennen diese Verhalten alle, mögen sie nicht und sind doch auch in der Gefahr, selbst hochmütig aufzutreten, möglicherweise aus Unsicherheit.

Annemarie Keller, Prädikantin in Erfurt

Annemarie Keller, Prädikantin in Erfurt

Aber wir können auch anders, wir können wählen, nämlich Demut. Demut ist heute kein geläufiges Wort mehr. Und ich gestehe, dass ich zuerst negativ an eine Unterwürfigkeit dachte, die die Würde des Menschen verletzt und die nicht freiwillig geschieht.

Heute verstehe ich Demut als eine Haltung zu einem Gegenüber.

Vor Gott bedeutet es Ehrerbietung, Ergebenheit, Hingabe unter seine Herrschaft und seinen Willen. Das äußert sich aber nicht nur in einem Über-mich-ergehen-Lassen. Daraus entsteht ganz lebendig mein Verhalten zur Schöpfung und den Mitmenschen. Demut vor Menschen und der Schöpfung zeigt sich in achtungsvollem und respektvollem Verhalten und unserem Einsatz, wo immer sie gefährdet sind.

Damals und heute verheißt Demut die Gnade Gottes.

Ich bezeichne es als Gnade, wenn wir dadurch unser Begrenztsein und unsere Bedürftigkeit erkennen. Wir brauchen die Liebe Gottes und die Nähe von Menschen.

Wir können den Mut haben, nicht größer zu tun, als wir sind, aber auch nicht kleiner.

Eine rhetorische Frage am Schluss: Wie werden Sie wählen, wo wollen Sie sich einsetzen?

Annemarie Keller, Prädikantin in Erfurt

»In die Schule geh ich gern«

29. August 2014 von redaktionguh  
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Bildung: Nicht nur die richtige Schulwahl beeinflusst die Lernmotivation von Schülern

»In die Schule geh ich gern«, heißt es in einem Kinderlied. Wie aber kann diese
Einstellung erreicht werden?

Was ist jungen Menschen wichtig in der Schule? Die Sinus Jugendstudie von 2012 hat ermittelt, dass sich Teenager kompetente, empathische Lehrer wünschen. Die Schüler wollen zudem praxisnah lernen. Betina Meißner hatte sich für ihre Kinder eine solche Einrichtung gewünscht, an der die Lehrer mit dem Herzen dabei sind, wo Kinder in ihrer Individualität ernst genommen werden. Als die Familie nach Jena zog, fand sie eine: das Christliche Gymnasium. »Hier erlebte ich eine Identifikationsdynamik, die ich zuvor noch nicht kennengelernt hatte.« Inzwischen sind oder waren alle ihre fünf Kinder dort Schüler.

Nagy-Bagoly Ilona – fotolia.com

Nagy-Bagoly Ilona – fotolia.com

Vor 20 Jahren war das Gymnasium gegen große Widerstände gegründet worden. 1999 wurde das erste Kind der Meißners dort aufgenommen. »Ich war geradezu beglückt von der lebendigen Entwicklung, die dort herrschte. Alle Eltern standen hinter der Schule«, sagte sie beim Pressefrühstück der Evangelischen Schulstiftung am 21. August in Erfurt. Von Anfang an hätten sich die Eltern an konzeptionellen Überlegungen beteiligt. Das hohe Engagement der Mütter und Väter färbte auf die Kinder ab. Die Vorbildwirkung hält die Journalistin für sehr wichtig. Wenn sich die Eltern mit der Schule identifizieren, haben auch die Kinder einen ganz anderen Zugang, dann ist es ihre Schule und nicht eine Pflichtübung.

Betina Meißner hat das sehr deutlich an ihrer ältesten Tochter erlebt, die anfangs eher zurückhaltend war. »In der evangelischen Schule hat sie einen regelrechten Entwicklungssprung gemacht«, sagt sie. Auch weil die Eigenverantwortung gestärkt worden sei. So habe die Klasse Kontakte nach Chile aufgebaut. Eine Reise wurde geplant. Die Schülerinnen und Schüler hätten die Mittel für die Reise selbst erarbeitet – 20 000 Euro insgesamt. Das sei lebensnahes Unterrichten, wenn die jungen Menschen selbst Verantwortung übernehmen. Bis heute ist es der Mutter wichtig, ehrenamtlichen Einsatz zu zeigen – ob für die Schule oder in sozialen Projekten. »Ich kann den Kindern nichts predigen, was ich nicht vorlebe«, verweist sie auf eine alte pädagogische Weisheit. Doch trotz guter Entwicklung am Christlichen Gymnasium in Jena sieht Betina Meißner, dass sich die Einstellung der Eltern ändert. »Wir haben in Jena als letzte 2006 Schulgeld eingeführt.«

Man habe das so lange wie möglich hinausgezögert, bis es nicht mehr anders möglich war. Seitdem jedoch schleicht sich die Einstellung bei einigen Eltern ein: Ich bezahle, also muss ich nicht noch etwas tun. Es sei eine fatale Entwicklung, wenn die Schule nur als Dienstleister angesehen würde. »Ich sehe einen klaren Zusammenhang zwischen dem ehrenamtlichen Einsatz und der Schulgeldzahlung. Identifiziert sich die nächste Elterngeneration nicht mehr mit der Schule, überträgt sich das auf die Kinder«, ist die Vorsitzende des Fördervereins überzeugt. Natürlich weiß sie, dass eine Aufbruchstimmung und der damit verbundene persönliche Einsatz irgendwann zu Ende gehen. Trotzdem wollen Förderverein und Pädagogen nicht aufgeben. »Wir arbeiten daran, Eltern wieder zu motivieren.« Das müsse ja nicht permanent sein, aber die Kinder müssten spüren: Meine Eltern stehen hinter der Schule – hinter meiner Schule.

Noch etwas kritisiert Meißner am Schulgeld: Es melden vor allem die besser gestellten Familien ihre Kinder an. Obwohl es Zuschuss geben kann, schrecken viele Eltern davor zurück, ihre finanzielle Situation offenzulegen. Auch der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, Marco Eberl, sieht, dass die Erhebung von Gebühren eine soziale Entmischung nach sich zieht. Diese Entwicklung sei nicht im Sinne einer christlichen Bildung.

»Mein Traum ist, das Schulgeld abschaffen zu können«, sagt Eberl. Schulgeldpatenschaften wie in Jena sind da nur eine Notlösung. Hier sei eine auskömmliche Finanzierung durch den Staat erforderlich, um die freie Träger weiterin kämpfen.

Dietlind Steinhöfel

In himmlischer Harmonie

26. August 2014 von redaktionguh  
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Helmuth Rilling erläuterte und dirigierte in Weimar dort entstandene Bach-Kantaten

Weimar ist eine Bachstadt! Hier lebten nicht nur Goethe und Schiller, Herder und Wieland, hier wurde nicht nur das Bauhaus gegründet. Weimar war auch der Lebensort bedeutender Musiker, von denen an erster Stelle Johann Sebastian Bach zu nennen ist. Von einem schlichten Denkmal mit der Büste des Komponisten abgesehen, erinnert wenig an ihn. Dabei hat er 1703 und von 1708 bis 1717 in der Stadt an der Ilm gewirkt, als Violinist und Hoforganist, seit 1714 als Konzertmeister. Mit dieser Funktion war die Aufgabe verbunden, in der 1658 geweihten Schlosskapelle »monatlich neue Stücke auf(zu)führen«. So entstanden vor genau 300 Jahren einige seiner schönsten Kantaten, zu denen »Nun komm, der Heiden Heiland«, »Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen« und »Ich hatte viel Bekümmernis« gehören.

Helmuth Rilling musizierte mit Chorsängern und Instrumentalisten aus 18 Ländern in der Stadtkirche St. Peter und Paul. Foto: Maik Schuck

Helmuth Rilling musizierte mit Chorsängern und Instrumentalisten aus 18 Ländern in der Stadtkirche St. Peter und Paul. Foto: Maik Schuck

Es gab also gute Gründe, vom 5. bis 16. August zu einer »Weimarer Bach-Kantaten-Akademie« einzuladen und dafür einen der weltweit angesehensten Bach-Interpreten zu verpflichten: Helmuth Rilling. Chorsänger und Instrumentalisten aus 18 Ländern sind nach Weimar gekommen, um zehn Tage unter seiner Leitung zu musizieren: aus Argentinien und Chile, aus Spanien, den USA und China, aus Israel, Österreich und der Ukraine.

Vier Gesprächskonzerte in der Stadtkirche St. Peter und Paul sowie zwei krönende Abschlusskonzerte in Eisenach und Weimar lockten Scharen von Besuchern an. Helmuth Rilling reiste mit einem Team vertrauter Mitstreiter an, die mit dem Chor und den Instrumentalgruppen den Weg zu den einzelnen Aufführungen bereiteten und Rüstzeug für eine gediegene Bach-Interpretation vermittelten. Herausragende Gesangssolisten rundeten das faszinierende Gesamtbild ab.

»Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend. Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen.« Dies ist das persönliche Leitbild des inzwischen 81-jährigen Dirigenten, Lehrers und Bach-Botschafters, der 1954 die Gächinger Kantorei und 1965 das Bach-Collegium Stuttgart als instrumentalen Partner gründete. Seit dieser Zeit steht die intensive Beschäftigung mit dem Werk Johann Sebastian Bachs im Zentrum seines Wirkens. Er hat außerdem zur Wiederentdeckung der romantischen Chormusik beigetragen und fördert durch regelmäßige Kompositionsaufträge die zeitgenössische Musik. Mit seinen Ensembles gibt Rilling international Konzerte und ist gefragter Gastdirigent bei führenden Orchestern in aller Welt – darunter die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonic, das japanische NHK Symphony Orchestra und andere namhafte Klangkörper. Eine besondere Freundschaft bindet ihn seit über 30 Jahren an das Israel Philharmonic Orchestra, das er zusammen mit der Gächinger Kantorei in über 100 Konzerten dirigierte. Seit 1970 ist er künstlerischer Leiter des von ihm mitbegründeten Oregon Bach Festivals, eines der profiliertesten Musikfestivals in den USA. 1981 gründete Helmuth Rilling die Internationale Bachakademie Stuttgart.

Als erster Dirigent spielte er sämtliche Kantaten Johann Sebastian Bachs ein; zum Bach-Jahr 2000 erschien unter seiner künstlerischen Gesamtleitung mit der Edition Bachakademie die Gesamtaufnahme des Bachschen Werkes auf 172 CDs. Es ist als ein besonderer Glücksumstand zu bezeichnen, dass es den »Thüringer Bach-Wochen« und der Hochschule für Musik »Franz Liszt« gelungen ist, den Bach-Experten nach Weimar zu holen. Bei jeder einzelnen Note stand den jungen Leuten die Begeisterung ins Gesicht geschrieben.

Seine Gesprächskonzerte, in denen er Schritt für Schritt die Arien, Rezitative und Choräle der einzelnen Kantaten erläuterte, trugen nachhaltig zu einem besseren Verständnis ihrer Klangsprache bei. Ganz in Schwarz, nicht groß gewachsen, mit fülligem weißen Haupthaar, sprach er frei zur Hörergemeinde und erhob dann den Taktstock zu schlichten Bewegungen, die einen Kosmos himmlischer Harmonie auslösten. Die Klarheit seines Musizierens war dabei besonders beeindruckend, fernab von überzogenen Manierismen einer vermeintlich historischen Aufführungspraxis!

Michael von Hintzenstern

Gebet und Stärkung

26. August 2014 von redaktionguh  
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500 chaldäische Christen bei Jugendkongress im Kloster Volkenroda

Abwun d´bwaschmaya ist Aramäisch und heißt »Vater unser im Himmel«. Vom 11. bis 16. August treffen sich jeden Abend 500 chaldäische Christen in einem Zelt oder im Christus-Pavillon, um dieses Gebet zu sprechen und Gottesdienst zu halten. Die jungen Frauen und Männer sind zum chaldäischen Jugendkongress ins Kloster Volkenroda (Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen) gekommen. Es ist die zweite derartige Zusammenkunft der jungen Chaldäer, deren Heimatland der Irak ist. Vor zwei Jahren trafen sie sich das erste Mal im Kloster Benediktbeuern in Oberbayern. In diesem Jahr kommen sie aus Holland, Frankreich, Belgien, England, Schweden, Österreich und Dänemark und aus den chaldäischen Gemeinden in Stuttgart, München und Essen. Younia Hilbert, Subdiakonin in der chaldäischen Gemeinde in Stuttgart, hilft, wo sie kann, als Dolmetscherin. Die Irakerin lebt seit 28 Jahren in Deutschland. Sie erzählt, dass die Jugendlichen eine ganze Woche lang im Kloster verbringen, um gemeinsam zu beten, thematisch zu arbeiten und aktuelle Themen zu besprechen. Die jungen Leute hatten zunächst Schwierigkeiten mit der Kultur und den fremden Sprachen in Europa. »Heute sind die meisten sehr gut integriert«, so Hilbert. Unter den Kongressteilnehmern sind auch zwölf Pfarrer, mehrere Diakone und Bischof Ramzi Garmo. Der Geistliche, der seit 37 Jahren seinen Bischofssitz in der iranischen Hauptstadt Teheran hat, ist der apostolische Visitator für die Chaldäer in Europa.

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Der höchste Würdenträger der chaldäischen Christen weltweit, Patriarch Luis Raphael I. Sako, ist im Irak geblieben. »Wegen der unbeschreiblich entsetzlichen Situation im Norden des Landes«, wie Younia Hilbert sagt. Er will seinen Glaubensschwestern und -brüdern dort Mut machen und Hoffnung geben.

Und das hat seinen besonderen Grund. Seit Monaten gehen schwer bewaffnete radikale Fundamentalisten in der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul brutal gegen Christen vor. »Die Islamisten, der IS (Islamischer Staat) haben schon mehr als 100 000 chaldäische Christen vertrieben«, sagt Hilbert. »In der Stadt Mossul herrscht wieder ein Kalif.« Die islamistischen Fundamentalisten geben den Christen in Mossul ein Ultimatum von zwölf Stunden, um zum Islam zu konvertieren. Dann könnten sie in ihrer Heimat bleiben. »Eine zweite Möglichkeit besteht darin«, erläutert Younia Hilbert, »dass sich die Christen bereit erklären, einen Tribut zu zahlen, eine Art Sondersteuer. Weigert man sich, auf eine der beiden Möglichkeiten einzugehen, wird man durch das Schwert geköpft.«

Sie erzählt von schrecklichen Fotos, auf denen die Fundamentalisten die Köpfe an Wänden aufgehängt hätten. »Der restliche Teil der Leiche wird hinter Autos hergezogen. Christen werden in den Augen des IS als Sünder angesehen.« Die Menschen, die auf der Flucht sind, haben alles verloren. Die Mütter und Väter haben nur ihre Kinder bei der Hand genommen und ohne Hab und Gut ihre Heimat verlassen. Im Irak ist im Moment Hochsommer. Dort sind es nicht selten 50 Grad im Schatten.

Madian Kabro wohnt heute in Nürnberg und hat noch viele Verwandte im Irak. »Meine Eltern sind aus Mossul geflüchtet. Ich telefoniere oft mit ihnen. Meine siebzehnjährige Schwester Mirna ist mit auf der Flucht. Sie wollte vor Kurzem ihr Abitur machen. Das ist nun aber nicht möglich«, denkt die junge Frau an die letzten Wochen, die, wie sie sagt, »so schwer sind«.

Rabee Jacob gehört auch zu den Teilnehmern des Kongresses. Er hat gerade in Freiburg sein Theologiestudium abgeschlossen. »Die Milizen des IS im Irak kennzeichnen die Häuser der chaldäischen Christen mit einem arabischen Zeichen, das dem deutschen Buchstaben N entspricht. Das N bedeutet Nazarener und steht für Jesus von Nazareth. Wenn solch ein Zeichen an einem Haus prangt, müssen sich die Bewohner in kürzester Zeit entscheiden.«

Das Gespräch endet vorerst, weil es Abendessen gibt. Fünfzehn Frauen haben es für die 500 Jugendlichen vorbereitet. Gekocht haben sie ein beliebtes irakisches Gericht: Biryani – Reis, Gemüse, Hühnchen, Nudeln und Hackfleisch, abgeschmeckt mit irakischen Gewürzen. Auf dem Freigelände des Klosters, auf dem sich alle zum Essen niederlassen, steht ein großes Holzkreuz. »Das Kreuz hat einen sehr hohen Stellenwert bei uns«, sagt Younia Hilbert. »Jede Braut bekommt vor der Verlobung von der Familie des Bräutigams ein goldenes Kreuz geschenkt.«

Am Mittwoch feiern die jungen Chaldäer einen Gottesdienst im Christus-Pavillon, den Diözesanjugendpfarrer Timo Gothe aus Erfurt mit drei weiteren Priestern leitet. Der Erfurter Geistliche zeigt sich bestürzt und besorgt ob der aktuellen Situation im Nordirak. Volkenroda sei in diesen Tagen ein Ort der Freude, der Hoffnung und des Lebens für die Jugendlichen, so Gothe.

Gregor Mühlhaus

Stichwort: Chaldäisch-katholische Kirche

Der Jünger Jesu und Apostel Thomas gilt als Missionar im Iran. Er begründete der Legende nach die chaldäische Kirche, die demzufolge eine 2 000 Jahre alte Tradition aufzuweisen hat.

Die chaldäische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus. Bis heute ist Aramäisch, die Sprache Jesu, die Liturgiesprache.

Der chaldäisch-katholischen Kirche gehören etwa 3,5 Millionen Christen an (Stand 2010). Von den rund 200 Priestern wirken etwa die Hälfte im Irak, 20 betreuen die rund 160 000 katholischen Chaldäer in den USA. Etwa 18 000 leben in Frankreich.

Im ersten Jahrtausend waren die Christen die Mehrheit im Irak. Noch 2003 lebten hier 1, 5 Millionen Christen, 5 Prozent der Bevölkerung. Heute sind es nur noch 400 000.

Unzählige Christen sind momentan auf der Flucht vor der terroristischen IS-Miliz.


Auf Spurensuche und in vorurteilsfreier Gemeinschaft

25. August 2014 von redaktionguh  
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Fünftes internationales Sommerlager der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Bernburg

In fröhlicher Runde sitzen die Teilnehmer des fünften Sommerlagers der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) am 14. August am Ufer der Saale beim Abendessen. Da liegen rund zehn Tage gemeinsamer Arbeit und Spurensuche hinter dem internationalen Team. Diesen Tag verbrachten sie in Magdeburg, wo sie an einem Geocaching der »Zeitreise-Manufaktur« teilnahmen. Anhand GPS-geführten und themenorientierten Suchens nach historischen Orten und aktuellen Sehenswürdigkeiten erschloss sich die ASF-Gruppe die Stadt und ihre Geschichte. Mit großer Begeisterung berichten sie am Abend über ihre Erlebnisse. In Halle hatten sie in der Woche zuvor die jüdische Gemeinde und die Synagoge besucht. Hier erfuhren sie aus erster Hand etwas über die Bedeutung und Tradition jüdischer Friedhöfe. Wie in den Jahren zuvor verbrachte das ASF-Team auch 2014 viele Stunden auf dem jüdischen Friedhof in Bernburg, um bei dessen Pflege und Erhalt zu helfen. Das war immer ein Schwerpunkt der Arbeit in Bernburg.

Dascha Lukaschuk, Falk Gattert und Lisa Melech, Teilnehmer des Workcamps, halfen in der Gedenkstätte Bernburg beim Renovieren. Foto: Engelbert Pülicher

Dascha Lukaschuk, Falk Gattert und Lisa Melech, Teilnehmer des Workcamps, halfen in der Gedenkstätte Bernburg beim Renovieren. Foto: Engelbert Pülicher

Während die Gruppenleiterinnen Anne Rothärmel (Deutschland) und Hanna Lichtenwagner (Österreich) bereits zum wiederholten Male im Sommerlager in Bernburg weilten, waren die vier Teilnehmerinnen aus Weißrussland zum ersten Mal in Deutschland. Zu Hause studieren sie deutsche Literatur und Kultur. Sie erhofften sich von der Tour vor allem auch eine Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse. Aus Meran in Südtirol war Laurin in die Saalestadt gereist. Er hat das Down-Syndrom und erhoffte sich eine gute und vor allem vorurteilsfreie Gemeinschaft. Denn bekannt ist die ASF auch für ihr Bestreben nach Inklusion, das heißt, dass besonderer Wert auf die Integration von Menschen mit verschiedensten Einschränkungen gelegt wird.

Die jährlichen 20 bis 25 europäischen Workcamps sind ein fester Bestandteil der Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. In den internationalen Sommerlagern leben und arbeiten Menschen im Alter von 16 bis 99 Jahren zusammen, um die Geschichte und die aktuelle Situation der verschiedenen Projektorte kennenzulernen. Gärtnern, Bauen und Archivieren sind nur Beispiele für die unterschiedlichen Tätigkeiten, die Teil der Sommerlager sind. Auf die Teams warten auch Arbeiten, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Projektpartner orientieren.

In Bernburg ist das neben dem jüdischen Friedhof vor allem die Gedenkstätte für die Opfer der NS-«Euthanasie«, die sich in den Kellerräumen der ehemaligen NS-Tötungsanstalt befindet, in der mehr als 14 000 Menschen ermordet wurden. An diese Last der Geschichte zu erinnern, um daraus für die Gegenwart und die Zukunft zu lernen, ist ein Ziel der Aktion.

In diesem Jahr gab es für die Besucher zum ersten Mal intensivere Begegnungen mit den Bernburgern selbst. So besuchte das Team einen Gottesdienst, stellte dort sein Projekt vor und lud danach zum Brunch mit internationalen Spezialitäten ein. Auch das Medieninteresse war diesmal besonders hoch. Neben Interviews für Zeitungen und einem Radiosender wurde ein kleiner Film gedreht. Bei dem vom Bundesverband evangelischer Behindertenhilfe ausgelobten »mitMenschPreis« kam die Gruppe nämlich unter die fünf besten Bewerber und gewann einen Imagefilm. Ein Kameramann begleitete sie mehrere Tage. Das Material über ihr gemeinsames Leben und Arbeiten wird er zu einem kleinen Film zusammenschneiden.

Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist für die ASF Motiv und Verpflichtung für das Handeln heute. Sie will für die Folgen, die bis in unserer Gegenwart reichen, sensibilisieren und den aktuellen Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten. Möglichst viel Öffentlichkeit kann deshalb hier nur von Vorteil sein.

Petra Franke

Kinderwunsch – um jeden Preis?

25. August 2014 von redaktionguh  
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Kinderlosigkeit ist ein schweres Los. Dass Eltern Auswege suchen, dafür sollte jeder Verständnis haben. Manche geraten jedoch auf Abwege. Wie jenes australische Paar, das sich von einer thailändischen Leihmutter Zwillinge gebären ließ. Den Jungen mit Down-Syndrom wollten sie nicht. Nur das gesunde Mädchen.

Die finanzielle Not von Frauen aus Entwicklungsländern auszunutzen und sie zu Gebärmaschinen zu erniedrigen ist zu Recht in Deutschland verboten. Aber auch innerhalb ethischer Grenzen kann ein Dilemma entstehen. Das jüngste Beispiel zweier italienischer Paare führt es vor Augen. Eine Laborantin verwechselte die künstlich befruchtete Eizelle. Sie wurde der falschen Mutter eingepflanzt. Die gebar Zwillinge. Das andere Paar blieb kinderlos. Und klagte nun sein Recht auf die Kinder aus ihrer Eizelle und ihrem Samen ein. Die Situation der Richterin erscheint wie eine moderne Version von Salomos Urteil. Sie sprach der Mutter, die gebar, das Recht zu. Gerecht konnte das schon deshalb nicht sein, weil für neuartige Tatsachen wie diese noch gar keine Gesetze geschrieben werden konnten. Werden sie das, müsste die in der bisherigen Menschheitsgeschichte sichere Mutterschaft neu definiert werden. Da geht es an die Grundlagen des Menschseins.

Und noch ist nicht verhandelt worden, ob und wie das Versehen zu ahnden ist. Eines wird deutlich: Bei solch weitgehenden Eingriffen in die Entstehung neuen Lebens ist das nicht mehr allein Sache der Natur oder göttlichen Willens. Klappt alles, ist der Arzt ein gottgleicher Held. Sind die Eltern jedoch unzufrieden, lasten sie den Medizinern alle Schuld auf.

Dies ist die Kehrseite, will man aus dem Geschenk Kind einen mit allen Mitteln einzulösenden Anspruch machen.

Tomas Gärtner

Ein Erdbeben in der kirchlichen Musikszene

25. August 2014 von redaktionguh  
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Thema: Ein Preisausschreiben im Jahr 1962 war die »Geburtsstunde« der christlichen Popmusik

Wer kennt es nicht, das Lied »Danke für diesen guten Morgen«. Aber kaum jemand weiß, dass es Kirchenmusikgeschichte geschrieben hat.

Sein Name: Günter Hegele. Spitzname: Schnulzenpfarrer. Sein Verbrechen, wie es in den Illustrierten stand: »Eine Sünde gegen die Musik und gegen die Religion.« Kirchenzeitungen in Deutschland witterten eine »Poesie für religiöse Gartenzwerge« und verachteten die »Negermusik am Altar«. Und alle Vorwürfe gipfelten im Ruf: »Abschaum!« und »Gotteslästerung!«

Gotteslob mit Rock und Pop ist schon längst kein Anstoß mehr – wie hier beim Willow-Creek-Kongress »Zwischenland« 2014 in Leipzig. Foto: Thorsten Indra

Gotteslob mit Rock und Pop ist schon längst kein Anstoß mehr – wie hier beim Willow-Creek-Kongress »Zwischenland« 2014 in Leipzig. Foto: Thorsten Indra

Was war passiert? Günter Hegele initiierte 1962 ein Preisausschreiben an der Evangelischen Akademie in Tutzing. Gesucht wurden »neue geistliche Lieder«. 996 Vorschläge wurden eingereicht. Gewinner war der Freiburger Kirchenmusiker Martin Gotthard Schneider mit »Danke für diesen guten Morgen«. Ein Ereignis, das kaum bekannt geworden wäre, hätte Hegele nicht beharrlich bei großen Musikverlagen angeklopft. Die Firma Electrola gewährte ihm schließlich den Veröffentlichungswunsch. Aber nur, um endlich den aufdringlichen Pfarrer loszuwerden, wie sich der Produzent später erinnerte. »Danke für diesen guten Morgen« wurde das bisher einzige »Neue Geistliche Lied« in der deutschen Hitparade – mit rund 700 000 verkauften Exemplaren. Die Kritik aber war verheerend.

Das Tutzinger Preisausschreiben gilt als die Geburtsstunde christlicher Popmusik in Deutschland und »Danke für diesen guten Morgen« als das erste der »Neuen Geistlichen Lieder«. Aber schon vorher wurde abseits etablierter Kirchenmusik mit neuen Musikformen experimentiert.

Halle an der Saale, 1956. Die Marktkirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorn, im Altarraum, sitzen Musiker aus Dortmund und Halle. Arno Lehmann moderiert den Abend. Er führt ein in die religiöse Welt des Jazz. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte erklingt diese Musik in einer Kirche. Ein Erdbeben! Sogar die Wochenzeitung »Die Zeit« aus Hamburg berichtete und sprach von einer »Entweihung des sakralen Raums«.

Neuen musikalischen Formen wehte von Anfang an ein eisiger Wind entgegen. Kritiker befürchteten, dass mit der Übernahme von Elementen aus Rock, Pop, Jazz und Schlager die ernste Botschaft des Evangeliums verwässert und der Banalität hingegeben wird. Doch die jungen Musiker hielten dagegen. Sie wollten ihren Glauben ausdrücken. Aber nicht mit Bach, Telemann oder Paul Gerhardt, sondern mit dem, was sie liebten: mit Beat, Pop und E-Gitarre. Vor allem evangelikale Kreise erkannten bald das Potenzial der neuen Musik. Was junge Menschen für Jesus begeistere, so die Argumentation, könne unmöglich widergöttlich sein. Pragmatik für die Mission.

Mehr als 50 Jahre nach den ersten Gehversuchen ist das Feld der christlichen Popmusik fast nicht mehr zu überblicken. Kaum ein Genre, das nicht längst schon von christlichen Musikern übernommen wurde: Techno, Death Metal, Hip Hop, Rock – alles im Namen des Herrn. Doch außerhalb der Kirchen- und Gemeindemauern werden die wenigsten Lieder und Musiker wahrgenommen. Es ist und bleibt eine Musik von Christen für Christen. Anders in den USA. Dort hat jede große Plattenfirma eine eigene christliche Sparte und generiert Jahr für Jahr Millionenumsätze. Jenseits des großen Teiches ist christliche Popmusik Musik wie jede andere – mit dem gleichen Marketing und Starkult.

Kritische Entwicklungen gibt es in der christlichen Szene aber auch hierzulande: Vor allem moderne Lobpreismusik, nicht selten aus den USA oder Australien importiert, erzeugt im schlimmsten Fall nur eine wohlige Atmosphäre – eine Atmosphäre, wie sie auch jede andere Popmusik erzeugen könnte. Das Evangelium steht hier in der Gefahr, sich in einer angenehmen Stimmung aufzulösen.

Zwischen »Danke für diesen guten Morgen« und aktueller christlicher Popmusik liegen Welten. Nur eines hat sich geändert: Für Reaktionen in der säkularen Welt in Deutschland sorgt diese Musik schon lange nicht mehr. Wie auch, wenn hierzulande kaum ein Nichtchrist sie hört.

Stefan Körner

Der kurze Traum des Thomas Müntzer

22. August 2014 von redaktionguh  
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Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Psalm 33, Vers 12

Uneingeschränktes Vertrauen setzt Paulus voraus, wenn er in Römer 8, Vers 31 die einfache Frage stellt: »Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?« In der subjektiven Gewissheit, zu den Auserwählten zu gehören, predigte Thomas Müntzer: In Gott gegründeter Freiheitsanspruch vertrage sich nicht mit willkürlicher Unterdrückung. Diese sei zu beseitigen und mit ihr der »falsche Glaube der ungetreuen Welt«. Als der Reformator vor 500 Jahren, im August 1524, von Allstedt nach Mühlhausen auswich, musste er noch nicht damit rechnen zu scheitern. Vielmehr schien sich seine im Alten Testament verankerte Hoffnung auf umfassenden gesellschaftlichen Wandel zu erfüllen. Doch es war ein kurzer Traum.

Alf Christophersen  Der promovierte Theologe und Privatdozent ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg.

Alf Christophersen Der promovierte Theologe und Privatdozent ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg.

Der »Theologe der Revolution« – er »brach am jähesten ab und hatte doch das Weiteste gewollt« (Ernst Bloch). Allerdings war der Weg Müntzers mit seinem Tod nicht beendet. Bis heute ist der Nachhall seiner Botschaft zu hören, wird aufgenommen, wird abgelehnt. Der Gegenspieler Luthers ist ein Beispiel für unendlich viele Nachfolger, die Gott so sicher und exklusiv auf ihrer Seite wähnen, dass ihnen das Gegenüber als bloß auszugrenzendes Umfeld gilt.

Wer den Wochenspruch aus seinem Kontext herauslöst, mag in ihm eine Stütze für solch selbstbezügliche Überhöhung finden – eine derartige Reduktion ist aber (nicht nur an dieser Stelle) verhängnisvoll. Schließlich ist der Vers eingebettet in einen Lobpreis der Geschichtsmächtigkeit und Güte Gottes: Er liebt das Recht, sein Wort hat die Welt erschaffen, sein Wille erhält sie. Der Herr ist es, dessen Ratschluss ewig besteht und der die Pläne der Völker zunichte macht. Gott schaut auf diese Erde und lenkt das Herz der Menschen; sein »Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen«. Größer und heilsamer kann der Anspruch an den Menschen nicht sein. Aber: Wie schwer ist es, ihm gerecht zu werden?

Alf Christophersen

Der promovierte Theologe und Privatdozent ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg.

Kompetenz für alte Pfeifen

19. August 2014 von redaktionguh  
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Die Groß Germerslebenener Kirchenschule beherbergt ein Orgelkompetenzzentrum

Die alte Kirchenschule von Groß Germersleben (Landkreis Börde) wurde bis vor Kurzem nur wenig genutzt. Der Verfall des Gebäudes, in dem nur ein kleiner Teil durch den Gemeinderaum belebt war, schien nicht mehr aufzuhalten. Ein Nutzungskonzept musste her. Die Idee: die Schaffung eines Kompetenzzentrums für Orgel und Harmonium. Die Sanierung der alten Kirchenschule konnte starten und ist inzwischen abgeschlossen. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurde das Ereignis gewürdigt, und Kantor Werner Jankowski fand in der Kirchenschule eine neue Wirkungsstätte. Er ist nicht nur ein begnadeter Musiker; seine weitere große Leidenschaft gehört den Instrumenten, mit denen er täglich zu tun hat: Ihn beschäftigt nicht nur die Musik, sondern auch das Innenleben von Orgel und Harmonium. Nach seiner musischen Ausbildung bildete er sich fort. Heute ist er nicht allein Kirchenmusiker, sondern auch Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Egeln. »Ich verstehe mich aber nicht als Konkurrenz zum Orgelbauer, sondern als Dienstleister für die Kirchengemeinden. Lediglich kleine Reparaturen führe ich an der Orgel wie auch am Harmonium aus«, erklärt Werner Jankowski. In der Groß Germerslebener Kirchenschule wird er besagte kleine Reparaturen vornehmen. Im Untergeschoss des Hauses ist neben einer kleinen Werkstatt auch ein Schulungsraum entstanden. Im Kirchenkreis Egeln gibt es geschätzte 160 Orgeln. Da gebe es, so Jankowski, immer etwas zu reparieren.

Werner Jankowski übt regelmäßig, doch diese Orgel musste nach dem Umzug in die Börde lange auf ihren Einsatz warten. In seiner Werkstatt sind auch Ersatzteile auf Lager, um Reparaturen selbst ausführen zu können. Fotos: Yvonne Heyer

Werner Jankowski übt regelmäßig, doch diese Orgel musste nach dem Umzug in die Börde lange auf ihren Einsatz warten. In seiner Werkstatt sind auch Ersatzteile auf Lager, um Reparaturen selbst ausführen zu können. Fotos: Yvonne Heyer

Doch Werner Jankowski sieht das Zentrum vor allem aus dem Blick des Kirchenmusikers. »Ich möchte das Niveau von Orgelkultur und Orgelkunst in der Region anheben, Schulungen und Seminare anbieten«, so der ehemalige Berliner. Pläne hat er dafür genug. Kirchenmusiker Jankowski kann sich vieles vorstellen: die Zusammenarbeit mit Schulen der Region, Orgelführungen oder Konzerte sowie Ausstellungen alter Instrumente. Aber auch Harmonium-Workshops seien geplant. Im Oktober können sich Interessierte mit Werner Jankowski austauschen, wie ein Harmonium wirkungsvoll gespielt werden kann. Angesprochen sind ehrenamtliche Kirchenmusiker. Die Organisation ihrer Ausbildung sei ohnehin ein wichtiges Thema im Kirchenkreis.

Im Vorraum der kleinen Werkstatt fand inzwischen ein Harmonium seinen Platz. Es wird repariert, auch um es für Ausbildungszwecke wieder zu nutzen. Im Obergeschoss der alten Kirchenschule aber konnte Werner Jankowski endlich seine kleine Orgel unterbringen. Auf ihren Umzug musste sie mehrere Jahre warten. Nun könnte sie bei Konzerten zum Einsatz kommen. Vor allem aber dient sie ihm als Übungsinstrument.

Fördermittel aus dem europäischen Leader-Programm ermöglichten die Sanierung der Kirchenschule und den Umbau zu einem Orgelkompetenzzentrum. Mit 42 240 Euro wurde das Projekt, für das insgesamt 120 000 Euro veranschlagt waren, gefördert. Die Sanierung des Gebäudes dauerte mehrere Monate.

Yvonne Heyer

Wenn der Pfarrer Urlaub hat

19. August 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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In Ifta halten Gemeindemitglieder Sommerandachten

Es ist Sommer in Mitteldeutschland. Auch am vergangenen Sonntagmorgen lädt das Wetter zu Ausflügen und Urlaub ein. Vielerorts bleiben die Kirchen vor allem in den Ferien leer oder Pfarrerinnen und Pfarrer sind in dieser Zeit besonders gestresst, weil sie Urlaubsvertretungen zu übernehmen haben. Anders sieht es im kleinen Ort Ifta (Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen) aus. Auch hier hat der Sommer die Reihen geleert, aber die Gemeinde trifft sich trotzdem. Und sie gestaltet ihren Gottesdienst unter dem Titel »Som­merandacht« selbst.

Lieselotte Fischer mit Hannelore Beer und Doris Zöllner bei der Vorbereitung der Sommerandacht (von links). Foto: Mirjam Petermann

Lieselotte Fischer mit Hannelore Beer und Doris Zöllner bei der Vorbereitung der Sommerandacht (von links). Foto: Mirjam Petermann

»Diese Regelung habe ich als Idee aus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Barcelona mitgebracht«, erzählt der Iftaer Pfarrer Klaus Zebe. Die Sommerpause dort ist sehr lang. In dieser Zeit kommen meist Vertretungspfarrer aus Deutschland, die dann eine Andacht halten. Er selbst war dort ein halbes Jahr für ein Auslandsvikariat. »Ist aber gerade kein Pfarrer greifbar, gibt es auch dort in der Gemeinde einige, die eine kurze Andacht gestalten«, erzählt Zebe weiter.

Bereits vor drei Jahren schlug er die Idee der Sommerandachten vor. »Ich überlegte, was dazu nötig wäre, dass die Gemeinde sich das zutraut«, so der junge Pfarrer. Die Antwort darauf fand er einerseits in der klaren Begrenzung – sechs Wochen Sommerferien – und auch in der einfachen Form sowie im Material, das für jeden handhabbar ist: Er entwirft ein Andachtsheft mit Vorschlägen für alle wichtigen Grund­elemente des Gottesdienstes: Lieder, Psalm, Lesungen und ein kurzer geistlicher Impuls.

Und wie reagierte die Gemeinde darauf? »Es wird positiv angenommen«, resümiert Pfarrer Zebe, der bereits zwei Mal als Gast dabei war. »Es sind schöne Andachten, bei denen es Spaß macht, dabei zu sein.« Und auch Lieselotte Fischer, eine der Mitgestalterinnen der Sommerandachten und Mitglied des Gemeindekirchenrates, kann dem nur zustimmen: »Im Sommer werden es eben kaum mehr Besucher, selbst dann nicht, wenn der Pfarrer da ist.«

Kontakt und Austausch in den Sommermonaten

Schon in den vergangenen beiden Jahren hat Lieselotte Fischer bei den Andachten mitgewirkt. »Im ersten Jahr war das schon sehr ungewohnt. Da hatte ich vorn auch noch Herzklopfen. Inzwischen sind wir da schon geübter«, sagt sie lachend. Zwei Mal in sechs Wochen eine Andacht zu halten, darin sieht sie kein Problem.

»Es sind ja auch immer andere an der Reihe«, so die Kirchenälteste. Jeweils drei Gemeindemitglieder sind an einem Sonntag verantwortlich und teilen sich die Aufgaben untereinander auf. Die Andachten bieten der Gemeinde eine Gelegenheit, sich auch während des Sommers kontinuierlich zu treffen, im Kontakt und Austausch zu bleiben. »In den Sommermonaten sind wir bei uns in der Region sehr dünn besetzt«, erläutert Klaus Zebe. »Deshalb war es das Ziel, einerseits mir selber, aber auch den Pfarrkollegen durch diese einfache Form etwas Freiraum zu schaffen – für den eigenen Urlaub oder etwa während der Begleitung von Freizeiten.«

In Spichra, das zur Kirchengemeinde Ifta gehört, werden ebenfalls diese Sommerandachten gehalten. Ein weiterer Ort, Pferdsdorf, hat eine andre Lösung gefunden. Dort trifft sich die Gemeinde während der Sommerpause gelegentlich zu einem thematischen Nachmittag. »Die Gemeinde hatte von Anfang an gesagt, die Sommerandachten seien nichts für sie«, sagt Pfarrer Zebe. »Das muss ich aushalten, wenn sie darin nicht ihre Prioritäten sieht.«

In Ifta gestalteten am vergangenen Sonntag neben Lieselotte Fischer eine weitere Kirchen­älteste und eine Kindermitarbeiterin die Sommerandacht. Die Reihen waren lose besetzt, zu zwölft war man an diesem Morgen. Es wurde viel gesungen, begleitet von der Orgel. Gelegentlich gab es kurze Pausen und kleine Absprachen. Das störte niemanden und passte gut in die lockere und angenehme Form, fern von so mancher Gottesdienstroutine. Die Light-Variante sozusagen – passend zum Sommer.

Mirjam Petermann

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