Wo Luther Genesung fand

31. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Bis 2017 will ein Förderverein für die Tambacher Lutherkirche eine neue Glocke

Von Georgenthal kommend grüßt gleich hinter dem Ortsschild Tambach-Dietharz als »Lutherort«. In der Kleinstadt im Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf hat sich eine besondere Begebenheit zugetragen.

Noch steht der Spendenstand des »Lutherglockenbarometers« in Tambach-Dietharz am Anfang. Doch der Vorsitzende des Fördervereins Bodo Stötzner und Schatzmeisterin Ulla Eckardt sind zuversichtlich, zum Reformationsjubiläum eine neue Lutherglocke läuten zu hören. Foto: Dietlind Steinhöfel

Noch steht der Spendenstand des »Lutherglockenbarometers« in Tambach-Dietharz am Anfang. Doch der Vorsitzende des Fördervereins Bodo Stötzner und Schatzmeisterin Ulla Eckardt sind zuversichtlich, zum Reformationsjubiläum eine neue Lutherglocke läuten zu hören. Foto: Dietlind Steinhöfel

Im Jahre 1537 waren Vertreter aus Deutschland und Europa zur bedeutendsten Zusammenkunft des Schmalkaldischen Bundes nach Thüringen gekommen. Martin Luther stellte hier seine Bekenntnisschrift »Schmalkaldische Artikel« vor. In Schmalkalden jedoch erkrankte der Reformator an einem schweren Nierenleiden. Er trat die Heimreise an. Die Widersacher sollen wohl schon frohlockt haben, dass Luthers letztes Stündlein geschlagen habe. In Tambach machte er im Geleitshaus Rast. Man reichte dem Kranken frisches Brunnenwasser. War es nun die holprige Straße oder das Wasser – Luthers Nierensteine lösten sich. Er genas. Ein Bote wurde nach Schmalkalden geschickt, der soll verkündet haben: »Luther lebt.« An seinen Freund Melanchthon schrieb der Reformator: »… aus Tambach, dem Orte, da ich gesegnet wurde …, an dem mir Gott erschienen ist.«

Zum Reformationsjubiläum 1717 wurde der Brunnen im Tammichgrund, aus dem das Wasser geschöpft worden sein soll, zum »Lutherbrunnen«.

Der 1919 mit Dietharz zusammengelegte Ort liegt an einem der vielen Lutherwege. Touristisch lässt sich die Begebenheit von Luthers Genesung sicher gut vermarkten. So steht die Sanierung des Lutherbrunnens, der durch einen Sturm stark beschädigt wurde, auf der Agenda des Heimat- und Geschichtsvereins.

Die kleine Gloriosa im Thüringer Wald

Ein anderer, der »Förderverein Luther 2017«, hat sich vor einem Jahr gegründet. Auch er macht sich für Lutherbrunnen und Lutherweg stark. Doch vor allem hat er sich eine neue Lutherglocke auf die Fahnen geschrieben. Eine Vorgängerglocke war 1883, zum 400. Geburtstag des Reformators, aus Spenden von Tambacher Bürgern und verschiedener Herzoghäuser für die Lutherkirche in Tambach gegossen worden. Wie viele andere wurde sie im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen nach Hamburg geschafft. Ob das geschehen ist, bleibt im Dunkel. Die Lutherglocke soll einen ganz besonderen Klang gehabt haben, sagt Bodo Stötzer, Vorsitzender des »Fördervereins Luther 2017«. Man habe sie die »kleine Gloriosa im Thüringer Wald« genannt. 6 000 Euro Eigenmittel will der Verein nun zusammenbringen. 60 000 Euro soll die Glocke insgesamt kosten, inklusive dem Abstimmen des Tons der kleineren Glocke im Turm der Lutherkirche. Das Spendenbarometer vor der Lutherkirche zeigt an, dass im ersten Jahr etwas über 2 000 Euro zusammengekommen sind. Ein mühsames Unterfangen ist die Spendensammlung, gibt Stötzer zu, zumal der Gemeindekirchenrat schon seit Jahren die Bergkirche auf dem Plan hat, das kleinere der beiden Gotteshäuser im Ortsteil Dietharz. Deren Renovierung ist weit fortgeschritten. Auch sie braucht neue Glocken. Bei etwa 4 220 Einwohnern und 800 Kirchenmitgliedern sind zwei Vorhaben schwierig umzusetzen.

Pfarrer Johannes Seidenberg sieht die parallelen Aktivitäten mit Sorge. »Wichtig ist für mich, was dem Aufbau der Gemeinde dient«, sagt er. Auf der anderen Seite schätzt er sehr, dass im Lutherverein zahlreiche Nichtchristen aktiv sind. »Mit mir sind von den 16 Vereinsmitgliedern wohl nur drei in der Kirche«, sagt Schatzmeisterin Ulla Eckardt, die der katholischen Kirche angehört. Touristisches zu nutzen und christliche Gemeinde aufzubauen muss kein Gegensatz sein. Die Priorität für Gemeindekirchenrat und Pfarrer liegt allerdings auf Letzterem.

Dietlind Steinhöfel

Aufbruch in die Zukunft

31. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Gemeinde: Der Kirchenkreis Salzwedel begibt sich auf die Suche nach neuen Wegen

In der westlichen Altmark kann es nicht weitergehen wie bisher. Wie ein Gemeindeleben mit weniger Kirchenmitgliedern und Mitarbeitenden gestaltet werden kann, soll in einer dreiteiligen Zukunftskonferenz entwickelt werden.

Schon jetzt ist im Kirchenkreis Salzwedel ein Pfarrer für bis zu 27 Gemeinden zuständig. 185 Gemeinden mit 43 hauptamtlichen Mitarbeitern gibt es, über 1 000 Ehrenamtliche gehören dazu. Jetzt seien zwar alle Arbeitsgebiete noch gut besetzt, doch es gebe durchaus Lücken. Superintendent Matthias Heinrich zählt auf: Besuche können nicht gemacht werden, weil die Kräfte nicht reichen; für Gottesdienste fehlt musikalische Unterstützung, mit dem Gesang wird es schwieriger; für Kinder gibt es weniger Orte, christliche Werte außerhalb ihrer Familien zu erfahren. Der Superintendent sorgt sich, dass es irgendwann weiße Flecken geben werde.

Deshalb hat die Kreissynode von Salzwedel ein innerhalb der mitteldeutschen Kirche (EKM) bemerkenswertes Vorhaben auf den Weg gebracht: Eine Zukunftskonferenz für den Kirchenkreis soll helfen, neue Wege für die Kirche in der westlichen Altmark zu finden. Hintergrund sind Berechnungen zur Entwicklung der Gemeindeglieder- und Mitarbeiterzahlen, die der prognostizierte Bevölkerungsrückgang allein bis 2023 im Norden Sachsen-Anhalts mit sich bringt. »Das war ein großer Schreck«, sagt Matthias Heinrich.

Blick in die Marienkirche von Gardelegen während des Sachsen-Anhalt-Tages vor drei Jahren. Die Hansestadt war am 25. Oktober Gastgeber der ersten Zukunftskonferenz-Tagung des Kirchenkreises Salzwedel. Foto: Ilka Marten

Blick in die Marienkirche von Gardelegen während des Sachsen-Anhalt-Tages vor drei Jahren. Die Hansestadt war am 25. Oktober Gastgeber der ersten Zukunftskonferenz-Tagung des Kirchenkreises Salzwedel. Foto: Ilka Marten

Zur ersten Tagung am vorigen Sonnabend waren knapp 100 Mitarbeiter, Kirchenälteste und Gemeindeglieder nach Gardelegen gekommen. Alle Ebenen des gesamten Kirchenkreises sind aufgefordert, sich zu beteiligen. Am 25. Oktober ging es zunächst darum, eine gemeinsame Basis, ausgehend von der gemeinsamen Geschichte, den Herausforderungen und Trends der Gegenwart zu finden. Allein Letztere füllte drei Stelltafeln: Vergreisung der Gottesdienstgemeinde, Entvölkerung, Förderung des Ehrenamts, Vernetzung untereinander sind nur einige Stichpunkte.

Für die Zukunftskonferenz hat der Kirchenkreis den Gemeindeberater Thomas Berger engagiert. »Wir sind eine Gemeinschaft in diesem Kirchenkreis, alle im gleichen Heute angekommen«, sagt Berger. Das sei die Basis, um eine mutige Vision für die Kirche in der westlichen Altmark zu entwickeln. Frei von Denkbarrieren und ganz losgelöst von Zahlen und Prognosen. Dann müsse man sehen, was ist realistisch erreichbar.

Nach der dritten Tagung im Oktober 2015 soll konkret feststehen: Wer macht was mit wem und wann? Berger beschreibt die wichtigsten Fragen: »Wie sollen die Gemeinden lebendig in die Zukunft getragen werden? Wie können wir die, die nach uns kommen, anstecken, neugierig machen auf das, was uns von unseren Vorfahren gegeben wurde? Welche Strukturen dazu gefunden werden, das sei lediglich ein Nebenprodukt. Und, fügt Berger hinzu: »Wenn wir uns nur verkürzen auf Stellen und Spardiskussionen, dann bauen wir nicht mehr Kirche, dann bauen wir nur noch ab.«

Der Kirchenkreis Salzwedel hat sich für die Suche entschieden. Das Ergebnis sei dabei vollkommen offen, sagt Pfarrer Jochen Heinecke, Organisator der Zukunftskonferenz. Es sei möglich, dass in einzelnen Orten, in denen nur noch wenige Menschen sonntags die Gottesdienste besuchen, alternativ zum Kirchenbesuch künftig gemütliche Diskussionsrunden am Abend angeboten werden könnten.

»Wie es ausgehen wird, ich weiß es nicht«, sagt auch Matthias Heinrich. Nur eines sei klar: Es wird um eine stärkere Beteiligung vieler gehen. Wie auch immer das aussehen wird, neue, unkonventionelle Wege für die Zukunft von Kirche auf dem Land sind ausdrücklich erwünscht. Die Ergebnisse münden letztlich in konkrete Beschlüsse der Synode. Und darauf sind nicht nur die Menschen in der westlichen Altmark gespannt – schon jetzt gibt es Anfragen aus anderen Kirchenkreisen der EKM.

Doreen Jonas

Wenn plötzlich auch bisher gern Gemachtes zur Last wird

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Frank Schröder hat eine Burn-out-Erkrankung hinter sich – heute sagt er: »Ich muss nicht mehr an erster Stelle stehen«

Psychische Erkrankungen verändern das Leben. So hat es Frank Schröder (58), Referent der evangelischen Männerarbeit, erfahren. Dietlind Steinhöfel sprach mit ihm.

Herr Schröder, wie macht sich eine Krankheit wie Burn-out bemerkbar?
Schröder:
So etwas entwickelt sich schleichend. Die Angst vor dienstlichen Aufgaben wächst. Man wird unzufrieden mit seiner Arbeit, sieht nur noch den Dienst, vernachlässigt Hobbys und Freunde. Die ersten Anzeichen sind, das habe ich auch von anderen erfahren, wenn Aufgaben, die man gern gemacht hat, zur Last werden.

Wie geht man damit um, wenn sich solche Anzeichen bemerkbar machen?
Schröder:
Man merkt das als Betroffener meistens zuletzt, verdrängt es vielleicht auch. Man muss Freunde oder Familienmitglieder haben, die einen sehr deutlich auf die Depression, wozu ja Burn-out gehört, aufmerksam machen. Bei ersten Anzeichen sollte man unbedingt einen Facharzt aufsuchen. Gut, wenn man einen Seelsorger und geistlichen Begleiter hat, der das klinische Problem erkennt und nachdrücklich zur Behandlung rät. Das kann man nicht über Seelsorge regeln. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mich zur Therapie gedrängt hat, was ich überhaupt nicht wollte. Man muss viele Hürden übersteigen. Jetzt, wo ich die Situation kenne, würde ich sofort einen Facharzt aufsuchen und meinen Dienst zurückfahren. Das ist meistens nicht einfach.

Frank Schröder leitete 22 Jahre lang den CVJM-Landesverband Thüringen. Foto: CVJM

Frank Schröder leitete 22 Jahre lang den CVJM-Landesverband Thüringen. Foto: CVJM

Inzwischen sind Burn-out und Depression keine Tabuthemen mehr. War das zu spüren?
Schröder:
Auf der einen Seite hat sich der Blick auf psychische Krankheiten gewandelt, das stimmt. Weil es inzwischen sehr viele betrifft. Das habe ich durch meine eigene Erkrankung erfahren. So kurios das klingt: Das war beruhigend. Freunde haben mich auch begleitet, aber die Situation doch nicht ganz verstanden. Sie haben recht unsicher reagiert, weil sie plötzlich einen anderen Menschen vor sich sahen. Das ist der Unterschied zum Beinbruch, da weiß man, was der hat. Aber bei Burn-out scheint der andere topfit, nur etwas gedämpfter. Da brauchen wir auch in unserer Kirche noch mehr Sensibilität. Es gibt auch unter kirchlichen Mitarbeitern mitunter eine große Unsicherheit, wie mit einem Betroffenen umzugehen ist. Betroffene erleben oft ein großes Schweigen.

Hatten Sie in dieser Zeit Glaubenszweifel?
Schröder:
Ich hatte schon das Gefühl, Gott schweigt, er hat mich vergessen. Mir ist Elia in dieser Zeit wichtig geworden, der einen Weg durch die Wüste geht, den Gott begleitet, ohne dass er ihn zutextet. Das stark reduzierte Selbstwertgefühl hat Auswirkungen auf die Glaubensgewissheit. Heute überlege ich viel intensiver, was ich predige und sage über den Glauben – aus dieser Erfahrung heraus. Platte Antworten oder theologische Richtigkeiten helfen nicht.

Was hat sich in Ihrem Leben verändert?
Schröder:
Ich versuche meinen Lebensrhythmus zu entflechten. Ich muss nicht mehr drei oder vier Wochenenden im Monat Dienst tun. Ich merke besser, wann ich kaputt bin, wenn mich seelisch etwas zu sehr aufreibt. Eine wichtige Erfahrung: Ich muss nicht mehr an erster Stelle stehen. Vor allem habe ich einen neuen Blick auf Familie und Ehe bekommen. Dieses selbstvernichtende »der Dienst ist alles, Privates ist zweitrangig«, da bin ich am Üben, das zu verändern. Und ich habe beruflich etwas verändert. Ich war 22 Jahre Leiter des CVJM Thüringen. Das konnte und wollte ich nicht mehr. Ich bin jetzt Referent in der Männerarbeit. Stille Tage, Oasentage und Pilgern sind mir wichtiger geworden als vorher. Ich hätte vorher stattdessen einen größeren Jugendevent geplant. Der Prozess ist bei mir noch nicht abgeschlossen.

Grandioses Konzert

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Die Stadt Merseburg mit ihren großen Kirchen Dom und Stadtkirche bildet ein kirchenmusikalisches Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung und mit besonderen
Aufgaben und Schwerpunkten. Bedeutende Orgeln, mehrere Chöre, die Konzertreihen in Dom und Stadtkirche, besondere Gottesdienste sowie die Einbindung der Kirchenmusik in das kulturelle Angebot der Stadt zeugen von dem hohen Stellenwert der Kirchenmusik.

Foto: www.kirchenmusik-merseburg.de

Foto: www.kirchenmusik-merseburg.de

So eröffnete die Domkantorei Merseburg am 13. September gemeinsam mit der Staatskapelle Halle unter der Leitung von Stefan Mücksch die 44. Merseburger Orgeltage mit einem großen Konzert: Stabat mater von Antonin Dvorak für Soli, Chor, Orgel und Orchester. Die Orgeltage ziehen jährlich viele Musikinteressierte aus der Region, aber auch dem In- und Ausland an.

Das nächste Mal wird die Domkantorei in einem musikalischen Gottesdienst zum Adventsbeginn, am 30. November im Dom zu hören sein (10 Uhr). Am 21. Dezember führt sie zusammen mit dem Kammerorchester Halle und Gesangssolisten in der Merseburger Stadtkirche das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf (17 Uhr).

Eine Nacht für die Jugend

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Elbingerode: Weit über 200 junge Leute feierten am 18./19. Oktober in der Kirche

Am Anfang waren alle gespannt, schauten erwartungsvoll auf die Dinge, die da kommen würden. Doch schon der Gottesdienst am Spätnachmittag löste die Atmosphäre. Der Kirchenkreis Halberstadt hatte eingeladen, und rund 220 junge Leute kamen nach Elbingerode zum Kreisjugendtag, der zum dritten Mal als »Church Night« – Kirchennacht – gestaltet wurde. Den Eröffnungsgottesdienst begleiteten der Gospelchor und eine Band der Elbinge­röder Jugend. »Schau dem in die Augen, Kleines« war das Treffen überschrieben. Pfarrer Ernst-Ulrich Wachter verband dieses abgewandelte Filmzitat in seiner Predigt mit dem Seewandel Jesu (Matthäus 14,22-33). Nicht auf die Wellen schauen, sondern Christus im Blick haben, forderte er die Jugendlichen auf. So könnten sie dem Gruppenzwang, dem Schlankheitswahn, Alkohol und Drogen widerstehen. »Augen auf, guck auf Christus, sei wach«, so die Botschaft des Theologen.

Abschlussfoto: Das große Grundstück in Elbingerode bietet viel Platz zum Feiern und zum Begegnen. Der Elbingeröder Gospelchor begleitete den Jugendtag. Foto: Kirchengemeinde

Abschlussfoto: Das große Grundstück in Elbingerode bietet viel Platz zum Feiern und zum Begegnen. Der Elbingeröder Gospelchor begleitete den Jugendtag. Foto: Kirchengemeinde

In 19 verschiedenen Workshops hatten die Mädchen und Jungen Gelegenheit, das Thema zu vertiefen oder kreativ umzusetzen – vom Kraxeln an der Kletterwand, über Specksteinchneiden, Dudelsackworkshop bis zur Suchtprävention reichte das Angebot. Ebenso kamen soziale Probleme und Literatur zur Sprache. Die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche, Diakonie und der Stadt Elbingerode ermöglichten die Übernachtung der Jugendlichen, die aus dem gesamten Kirchenkreis angereist waren. Das Gemeindehaus, die Kirche, Gästehäuser der Diakonie und die staatliche Grundschule boten Quartier. »Für viele Jugendliche war schon allein die Fahrt in der Gruppe nach El­bingerode ein Erlebnis«, ist sich Pfarrer Wachter sicher. Musik und Tanz, Gespräch und Gebet – alles verband junge Leute zu einer großen Gemeinschaft. Am Sonntag wurde zum Abschluss noch einmal Gottesdienst gefeiert, den Jugendpfarrer Matthias Zentner leitete. Männer der Kirchengemeinde standen am Rost und versorgten die Teilnehmer, Frauen betreuten das üppige Salatbuffet, das die Eltern der Jugendlichen bestückt hatten. Gemeinsam gelang ein großes Fest, das einen Festen Platz in der Jugendarbeit des Kirchenkreises einnimmt. Elbingerode hat hierfür beste Voraussetzungen.
(mkz)

Kraft für den Dienst tanken

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Bildung: Das Pastoralkolleg der EKM begleitet Theologen auf ihrem Berufsweg

Seit dem 1. Mai ist Michael Bornschein neuer Rektor des Pastoralkollegs in Drübeck. Die Bildungseinrichtung der EKM stellt sich mit neuem Konzept den anstehenden Aufgaben.

Zehn Tage weg vom Alltag, zu sich kommen, zurückblicken und aus Gebeten, der Bibel und Gesprächen Kraft schöpfen für die nächsten Schritte – das Kloster Drübeck ist der ideale Ort hierfür. Die alten Klostermauern, die erhabenen Türme, der gepflegte Klostergarten und die riesige alte Linde im Hof strahlen Ruhe und Schutz aus. Pfarrerinnen und Pfarrer kamen im Herbst in der Bildungsstätte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Rande des Harzes zu den Bilanz- und Orientierungstagen des Pastoralkollegs der EKM zusammen. Nach zehn, 20 oder auch 30 Jahren im Pfarramt schauen sie zurück auf ihren Dienst und nach vorn.

Die Gesichter des Pastoralkollegs: Rektor Michael Bornschein und Studienleiter Frieder Anacker (v. l.). Foto: Dietlind Steinhöfel

Die Gesichter des Pastoralkollegs: Rektor Michael Bornschein und Studienleiter Frieder Anacker (v. l.). Foto: Dietlind Steinhöfel

»Es ist toll, dass unsere Landeskirche diese Tage ermöglicht. Es ist ein Rausgehen aus dem Alltag, wie eine Oase«, sagt Christian Sparsbrod, Pfarrer in Saalfeld. »Wir haben gemeinsam auf die Brennpunkte unserer Arbeit geschaut, haben uns gegenseitig beraten und hatten als Mensch Raum.« Und die Jenaer Pfarrerin Friederike Costa ergänzt: »Die klare Zeiteinteilung, die Gebetszeiten, regelmäßige Mahlzeiten – das kommt im Alltag viel zu kurz, weil wir oft am Morgen noch nicht wissen, was uns am Tag vor die Füße fällt.«

Seit 2005 bietet das Pastoralkolleg die Bilanz- und Orientierungstage an. Zunächst als freiwillige Möglichkeit, seit drei Jahren ist der Kurs verpflichtend, informiert Michael Bornschein. Der Theologe ist seit diesem Jahr neuer Rektor des Pastoralkollegs. »Die Begleitung nach zehn oder 20 Jahren tut not, weil die Arbeit der Pfarrer nicht leichter wird.«

Die Zeit sei keineswegs ein kleiner Urlaub, denn die Tage sind klar strukturiert. Die Gemeindepfarrer arbeiten theologisch, wofür die Klosterbibliothek zur Verfügung steht. Bibelarbeit, aber auch der persönliche Austausch sind wichtige Punkte. »Und ein Kloster ist ein Ort des Gebets«, so Bornschein. »Das leben wir hier.« Die Tagesgebete geben den Rhythmus vor. Hinzu kommt der geschichtsträchtige Ort, seine Abgeschiedenheit und Würde, die schöne Umgebung. Pfarrerin Kristin Heyser aus Halle fasst es so zusammen: »Das ist ein guter Ort.«

Neben den Bilanz- und Orientierungstagen ist das Pastoralkolleg für die Begleitung und Ausbildung in den ersten Amtsjahren sowie Tage für Pfarrer, die kurz vor dem Ruhestand stehen, zuständig. Letzteres war bis jetzt fakultativ; nun steht die Debatte, ob dieses Angebot ebenso obligatorisch werden soll. Denn mit Blick auf die Veränderungen in der Dienstzeit, die in absehbarer Zeit auf 67 Arbeitsjahre für Pfarrerinnen und Pfarrer ansteigen wird, könne das hilfreich sein, ist sich Bornschein sicher. Nicht nur das Loslassen sei dabei zu bedenken.

»Das Pastoralkolleg hat ein berufsbegleitendes Gesamtkonzept«, sagt er. Gerade das habe ihn an der neuen Aufgabe in Drübeck gereizt. Der 53-Jährige war zehn Jahre Superintendent im Kirchenkreis Südharz, zuvor Pfarrer in Thüringen. Er kennt die Kirchengemeinden des Nordens wie des Südens. Auf diesem Hintergrund könne er Äußerungen gut einordnen. »Wir merken, dass sich nach fünf Jahren Kirchenfusion die Erfahrungen und die kirchliche Kultur noch stark unterscheiden.« Zudem bringt der Theologe Leitungserfahrung mit und kennt das Dienstrecht. Dass er als Rektor des Pastoralkollegs verstärkt theologisch arbeiten kann, schätzt er sehr. Auch er empfindet wie die Teilnehmer die Gebetszeiten als wohltuend. Wichtig sei die gegenseitige Achtung, den Nachbarpfarrer nicht als Konkurrenz zu betrachten, sondern als Gesprächspartner. »Bestenfalls strahlt das, was die Pfarrerinnen und Pfarrer hier erfahren, in die Konvente aus.«

Dass die Verpflichtung zu einem zehntägigen Kurs Widerstand hervorruft, hat Frieder Anacker erfahren. »Die ausgefahrenen Krallen verschwinden jedoch sehr schnell. Gerade in diesem Kurs habe ich eine große Offenheit und Wertschätzung erlebt«, sagt der Theologe, der seit 2009 Studienleiter im Pastoralkolleg ist. Die Bestärkung für den beruflichen Alltag, die innere Haltung zu dem, was man tut und was einen trägt, bekomme ein neues Gewicht. Das ist für Anacker der größte Gewinn der Orientierungstage. Sich zum Beispiel Zeit zu nehmen, fünf Tage über einen Psalm nachzudenken, die Schrift wieder auf sich wirken zu lassen und zu spüren, dass ein Wort durch den Tag tragen kann, sei hilfreich. Auch die eigenen Stärken und Schwächen im Gegenüber zu den anderen Teilnehmern wahrzunehmen gehöre dazu.

Neben den Pflichtkursen gibt es Fortbildungen auf freiwilliger Basis – wie die Advents- und Weihnachtswerkstatt, Vorbereitung der Bibelwoche, ein theologischer Kurs am Jahresbeginn. Leider sei das Bewusstsein noch nicht so weit entwickelt, dass theologische Weiterbildung als Grundbestandteil für den Pfarrerberuf begriffen wird, bedauert Michael Bornschein. Kurse würden ja auch für Halle oder Tabarz vorbereitet. Es sei jedoch erfreulich, dass Pfarrkonvente mit dem Pastoralkolleg ihre Klausuren gestalten wollten. »Das Pastoralkolleg ist auch eine bewegliche Einrichtung«, so der Rektor.

Die Theologen, die den Kurs in diesem Herbst belegten, ziehen eine positive Bilanz der Zeit im Kloster. »Der weite Weg nach Drübeck hat erst einmal nicht so die Freude aufkommen lassen«, sagt Angelika Hundertmark, Pfarrerin in Bad Liebenstein. Im Nachhinein nimmt sie jedoch viel mit in ihre neue Pfarrstelle. »Mir tat das geistliche Angebot sehr gut, die Offenheit und dieser Ort des Innehaltens, wo auch für uns gebetet wurde.« Genauso war für Ronny Hillebrand aus Magdeburg der Austausch wichtig und dass sich die Kollegen aus den einstigen Landeskirchen kennenlernen konnten.

Die Herbstsonne wärmt die Plätze um die alte Linde. Kofferrollen hoppeln übers Pflaster. Abschied von zehn intensiven Tagen am geistlichen Ort. Der Alltag erwartet die Pfarrerinnen und Pfarrer in den Kirchengemeinden von Halle, Bad Liebenstein, Magdeburg und anderswo.

Dietlind Steinhöfel

pk.kloster-druebeck.de

Memento mori

27. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Die Bibel macht sich über unsere Lebenszeit keine Illusionen: »Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.« So heißt es in Psalm 90, Vers 10. 80 Jahre entsprechen der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland. Möglicherweise wäre das Leben anders, wenn man den genauen Zeitpunkt seines Todes kennen würde. Der Schwede Fredrik Colting will eine »Lebensuhr« auf den Markt bringen, die genau dies leistet. Neben der aktuellen Zeit zeigt sie einen Countdown an: die verbleibende Lebenszeit in Jahren, Monaten und Tagen. Das Todesdatum wird anhand von Fragebögen ermittelt, die einer Tikker-Uhr beiliegen. Dabei spielt der Gesundheitszustand eine Rolle, ob jemand raucht oder Sport treibt. Wer den Tikker in Gang setzen möchte, muss die Fragebögen auswerten. Dann beginnt der Countdown. Tick-tack, noch 32 Jahre, 5 Monate, 3 Tage, 11 Stunden, Tick-tack …

Natürlich ist eine derart genaue Prognose unhaltbar. Lebensgewohnheiten ändern sich, bessere Therapien, Medikamente oder Umweltbedingungen können die Lebenserwartung erhöhen. Darüber hinaus spielt die genetische Konstitution eines Menschen eine große Rolle. Der kettenrauchende Altkanzler Helmut Schmidt wäre nach einer Tikker-Prognose wahrscheinlich schon 20 Jahre tot. Aber um den genauen Todeszeitpunkt geht es wohl gar nicht – sondern um ein Memento mori für den Träger. Die Uhr soll helfen, »die richtigen Entscheidungen« im Leben zu treffen. Die Designer nennen sie »Happiness-Watch«, Glücksuhr. Aber vielleicht ist es doch das größere Glück, den Zeitpunkt seines Todes nicht zu kennen. Nutzen wir also unsere 80 Jahre hier auf der Erde sinnvoll. Dazu fordert uns die Bibel auf: »Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden« (Psalm 90, Vers 12).

Helmut Frank

Wenn die Seele zum Gefängnis wird

27. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Thema: Von der Volkskrankheit finden sich bereits Spuren in der Bibel

Der Leidensdruck ist immens, aber nur wenige reden darüber, viele sind betroffen und werden doch oft stigmatisiert: Depression.

Die außenpolitischen Belastungen, denen der Regierungschef ausgesetzt ist, sind enorm: Pulverfass Naher Osten. Die Expansionspläne der Nachbarstaaten konnte er bisher abwenden. Bei der letzten kriegerischen Intervention konnte er ein Massaker seiner Armee verhindern. Seitdem ist sein bisher tadelloser Ruf angekratzt. Während die einen dies als humanitäres Zeichen feiern, weht der Wind aus konservativ-nationalistischen Kreisen rauer. Sie werfen ihm Schwäche vor. Der Druck auf ihn wächst. Er fürchtet Intrigen, die sicher schon hinter seinem Rücken laufen. Aber vielleicht wäre er froh, das Amt und seine Bürde loszuwerden. An der Spitze der Macht ist es einsam.

»Depression gehört zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Krankheiten«

Sein Beraterstab ist besorgt. In der Öffentlichkeit war er lange nicht zu sehen, er zieht sich zurück, sucht erst den Schutz des Privaten, dann die Einsamkeit. Mediziner schlagen einen Therapieansatz vor, der vielversprechend scheint: Musiktherapie. Man sucht den Besten im Umkreis. Die Wahl fällt auf einen Harfenisten von hervorragendem Ruf. Und tatsächlich: Die Klänge dringen durch sein persönliches Gefängnis, durch die Mauer der Depression, rühren Tiefenschichten seiner Seele an, lassen Farben klingen, wo sonst nur Schwarz war. Während andere forderten: »Reißen Sie sich zusammen«, kann er in der Musik ganz er selbst sein. Sie bringt seine Erschöpfung und Trauer ebenso zum Klingen wie seine alte innere Kraft.

Foto: evgenyatamanenko – Fotolia.com

Foto: evgenyatamanenko – Fotolia.com

Diese Geschichte von König Saul und seinem »Musiktherapeuten« David (1. Samuel 16,14-23) klingt hochaktuell. Während die Bibel Sauls Krankheit mit einem »bösen Geist, der ihn ängstigt« in Verbindung bringt, würden Mediziner heute darin Anzeichen für eine Depression sehen. Depressionen sind längst Volkskrankheiten: Geschätzt vier Millionen Deutsche leiden an ihr, die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass bis 2020 Depression die zweithäufigste Volkskrankheit weltweit sein wird. Und auch wenn der Selbstmord depressiver Berühmtheiten – wie der des Schauspielers Robin Williams – die möglicherweise dramatischen Folgen der Krankheit für kurze Zeit ins Licht der Öffentlichkeit rücken: Die meisten Dramen bleiben unbemerkt. Nicht zuletzt, weil psychische Erkrankungen allen Aufklärungskampagnen zum Trotz noch immer tabuisiert werden.

Depressionen sind von außen nur schwer erkennbar. Die seelischen Wunden sind unsichtbar und zeigen sich in diffusen körperlichen Symptomen. Die Deutsche Depressionshilfe warnt, diese Krankheit »gehört zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten.« Unter dem Unverständnis ihrer Umwelt leiden Erkrankte oft mindestens genauso stark wie unter der Krankheit selbst. Ein unachtsam gesagter Satz wie »Reiß dich zusammen« reißt die Wunden noch tiefer, weil er dem Kranken suggeriert, er sei selbst an seiner Erkrankung schuld. Außenstehende verstehen den Leidensdruck nur selten, doch ohne Hilfe wählen 15 Prozent der Erkrankten den Freitod.

Dabei sind gut 80 Prozent aller schweren Depressionen sehr gut behandelbar. Dazu müssten aber drei Bedingungen stimmen. Es sind Rahmenbedingungen, die, wenn sie sich nicht ändern, tödlich sein können. Erstens: Wer sich zu seiner psychischen Erkrankung bekennt, darf kein Stigma mehr tragen. Zweitens: Die Betreuungssituation muss stark verbessert werden. Wartezeiten auf einen Therapieplatz betragen nicht selten ein Jahr und länger. Psychotherapeuten erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass selbst bei psychologischen Notfallambulanzen akute Fälle abgewiesen werden. Und: Die Leistungsgesellschaft des Immer-Mehr, Immer-Besser braucht dringend ein Korrektiv.

Depression ist eine Krankheit. Nicht mehr, nicht weniger – und kein böser Geist wie bei König Saul. Nur ein Klima der Offenheit und des Verständnisses kann Betroffenen helfen, denn sie sind nicht faul oder verrückt. Sie sind krank.

Stefan Körner

In der Schwäche stark sein

24. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

Jeremia 17, Vers 14

Wie? Das kleine Fragewort hing in großen Lettern als Merkzettel über dem Schreibtisch meines Vaters. Er wollte Zeit seines Lebens seinen Ideen nicht nur nachhängen, sondern sie auch verwirklichen und in die Tat umsetzen. Er mochte es nicht, wenn andere nur große Worte machten, aber nichts zu Ende bekamen. Seine Projekte sollten Hand und Fuß haben. Mein Vater hat es geschafft, er war erfolgreich!

Aber dann musste er mit Konflikten umgehen, die ihn persönlich verletzten, die er nicht abschütteln konnte und die er sich zu Herzen nahm. Er konnte nichts tun und fühlte sich machtlos, trotz aller Bemühungen. Er war zornig und hilflos. All das machte ihn krank. Meine Mutter stand ihm bei, soweit ihr das möglich war. Immer wieder suchte er Ärzte auf, bekam Medikamente, musste ins Krankenhaus. Er wurde gut gepflegt, aber die Medizin stieß bei ihm an ihre Grenzen. Wir sind mehrfach mit der bangen Frage zu ihm aufgebrochen, ob wir ihn überhaupt noch lebend sehen können.

Katarina Schubert, Pfarrerin in Kamsdorf

Katarina Schubert, Pfarrerin in Kamsdorf

Woher er dann seine Kraft nahm? Ich kann es nicht genau sagen. Er hat gelernt, damit zu leben, dass er manches nicht mehr konnte, auch wenn das für ihn nicht leicht war. Er hat gelernt, seine Schwäche anzunehmen und trotz allem dankbar zu bleiben. Er hat seinen Frieden geschlossen mit denen, die ihn verletzt hatten.

Er wusste, dass er trotz Krankheit nicht allein ist. Das Gebetbuch und die Bibel lagen immer griffbereit im Schubfach des Tischchens neben seinem Bett. Kann jemand heil sein, auch wenn sein Herz kaum noch schlagen will und die Schmerzen nicht nachlassen?

Ja, ich habe es an ihm erlebt. Trotz der Schwäche war er stark. Ich wusste, ihm wird geholfen. Am Ende durften wir ihn auf seinem letzten Weg begleiten und sind immer noch dankbar dafür.

Ich denke an meinen Vater, der mir über die Jahre zum Vorbild geworden ist. Und ich bete die Worte des Jeremia: »Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.«

Katarina Schubert, Pfarrerin in Kamsdorf

Brückenbauer in den Gemeinden

22. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Berufsbilder: Die mitteldeutsche Landeskirche will Gemeindepädagogen stärken und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten geben


Gemeindepädagogen sind begehrt in den Kirchenkreisen der EKM. Doch das Berufsbild ist vielerorts noch verschwommen.

Das Arbeitsfeld von Gemeindepädagogen reicht von der Arbeit mit Kindern und Familien bis zur Erwachsenenbildung und Senio­renarbeit. Sie sind theologisch und pädagogisch gut ausgebildet. Das Berufsbild scheint jedoch nicht klar und muss immer wieder erläutert werden. Und leider werden ihre Fähigkeiten nicht abgerufen und meist auf die Kinder- und Jugendarbeit reduziert. So beobachtet es die Bildungsdezernentin der mitteldeutschen Kirche (EKM), Martina Klein.

Oft werden Gemeindepädagoginnen auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen reduziert. Ihre Kompetenz geht jedoch bedeutend weiter. – Foto: Meike Schulz-Wührl

Oft werden Gemeindepädagoginnen auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen reduziert. Ihre Kompetenz geht jedoch bedeutend weiter. – Foto: Meike Schulz-Wührl

Auf der anderen Seite fühlen sich ordinierte Gemeindepädagogen, die neben den pädagogischen Aufgaben noch mit einem Anteil eine Pfarrstelle innehaben, zwischen den Aufgaben zerrissen. Der ordinierte Gemeindepädagoge Otto-Fabian Voigtländer aus Prösen im Kirchenkreis Bad Liebenwerda kann ein Lied davon singen. Seine Stelle teilt sich in 50 Prozent Pfarramt und 50 Prozent Gemeindepädagogik. Vor seiner Zeit gab es in Prösen, zu dessen Pfarrbereich noch drei weitere Orte gehören, eineinhalb Pfarrstellenanteile.

Dass die Kirchengemeinde mit einem »50-Prozent-Pfarrer« ihre Schwierigkeiten hat, ist nachzuvollziehen. »Der Pfarrer hat schon wieder Urlaub«, heißt es, wenn Voigtländer mit einer Jugendgruppe zur Freizeit ist. Oder eine Beerdigung fällt auf den Termin, wo eigentlich Christenlehre ist. Wo soll er Abstriche machen? »Ich glaube trotzdem, dass die Ausbildung eine gute Erfindung ist«, meint Voigtländer. Er sieht durch die Verbindung zwischen Pfarramt und Gemeindepädagogik eine gute Brücke. Das mache sich unter anderem im Gottesdienstbesuch bemerkbar, zu dem auch die Familien kommen, deren Kinder er unterrichtet.

Die Landeskirche schätzt die Arbeit der Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen. »Wir haben deshalb ein Projekt für den gemeindepädagogischen Dienst in Angriff genommen. Wir wollen einmal das Berufsbild des Gemeindepädagogen schärfen und als zweites ein Konzept für die Ausbildung entwickeln«, sagt Oberkirchenrätin Martina Klein. Dabei arbeiten das Bildungs-, Gemeinde- und Personaldezernat zusammen.

Einig sind sich die Beteiligten darüber, dass die Kirche für den Verkündigungs- und Bildungsauftrag Gemeindepädagogen braucht. Doch es gibt erhebliche Unterschiede in der Ausbildung. So sind die Absolventen des Pädagogisch-Theologischen Instituts der EKM nicht staatlich anerkannt. Sie können weder die Landeskirche wechseln und schon gar nicht in eine nichtkirchliche Einrichtung. Zudem gibt es Schwierigkeiten bei der Beantragung von Fördermitteln für Freizeiten. Die bekommen nur staatlich anerkannte Fachkräfte. Insofern haben jene, die wie Otto-Fabian Voigtländer an der Evangelischen Hochschule in Berlin studiert haben und nach einem Vikariat auch ordiniert werden können, einen großen Vorteil. Es sei wichtig, dass Gemeindepädagogen eine Chance zur Weiterentwicklung bekommen, sagt Peter Herrfurth als Vertreter der ordinierten Gemeindepädagogen. Quereinsteiger sollten anerkannte Studienzertifikate erhalten, mit denen sie weiterstudieren oder auch die Landeskirche wechseln können.

In dieser Richtung, so das Vorhaben, solle die Ausbildung in Drübeck weiterentwickelt werden, damit den Gemeindepädagogen berufliche Perspektiven offenstehen. Die derzeitige Fachschulausbildung sei eine »Sackgassenausbildung«, sagt Jens Walker vom Personaldezernat, weil sie nur in der EKM anerkannt ist. Studienabschlüsse müssten so gestaltet werden, dass sie in ganz Europa gelten.

»Dieser Beruf hat eine Zukunft, weil er eine große Kompetenz mitbringt«, ist sich die Bildungsdezernentin sicher. Auch im Blick auf die abnehmenden Stellenanteile in den Kirchenkreisen. Gemeindepädagogen mit ihrer breiten Ausbildung hätten, so Klein, noch mal eine andere Draufschau aufgrund ihrer pädagogischen Fähigkeiten. Sie können Konzepte erarbeiten, vernetzen und Ehrenamtliche für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anleiten. Dass oft die Zeit dafür fehlt, steht auf einem anderen Blatt.

Dass der Beruf des Gemeindepädagogen für unsere Kirche wertvoll ist, bestätigt auch Otto-Fabian Voigtländer, der die kreativen Möglichkeiten zu schätzen weiß. Den Spagat zwischen pfarramtlichen und pädagogischen Aufgaben versucht er mit der Einstellung zu schaffen: »Man kann es nicht allen recht machen.« Die Unterstützung seines Superintendenten ist ihm zum Glück sicher.

Dietlind Steinhöfel

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