Unterkante Stammtisch

15. Dezember 2014 von redaktionguh  
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Auch wenn die CSU mittlerweile zurückrudert und die Formulierungen abschwächt: Die Katze ist aus dem Sack, der Schaden angerichtet. Der bayrische Vorschlag lautet: Deutschpflicht für Ausländer. Und zwar auch in den eigenen vier Wänden. Es wäre eigentlich nur ein müdes Lächeln wert, was da aus dem wohlgefüllten Ressentiment-Portfolio der Christ-Sozialen in die Gegend posaunt wird. Aber es ist alles andere als lustig, sondern gefährlich. Denn wie die ausländerfeindlichen Demonstrationen in Dresden (PEGIDA) zeigen: In der Mitte der Gesellschaft liegt ein Zunderhaufen aus Angst und Hass bereit, der noch unentzündet daliegt. Doch statt sich konstruktiv in die Integra­tionsdebatte einzubringen und einer Spaltung der Gesellschaft in »Wir« und »Die« entgegenzuwirken, legen die vermeintlichen Wertewächter aus Bayern noch nach. Mit der Präzision eines Uhrwerks stichelt die CSU gegen Ausländer (»Wer betrügt, der fliegt«). Applaus von Rechtsaußen garantiert.

Niemand wird bestreiten, dass zur Integration Kenntnisse der Sprache notwendig sind und Zweisprachigkeit ein hohes Gut ist. Die CSU-Forderung hingegen ist absurd und gefährlich. Absurd, weil privat privat ist und kein Staat in das Private hineinregieren sollte. Und es ist gefährlich, weil es, verpackt in einer scheinbar gut gemeinten Forderung, einseitig Migranten diskriminiert. Nach dem Motto: »Die wollen gar nicht Deutsch lernen, also müssen wir sie dazu zwingen.« Rechtspopulismus wie aus dem Lehrbuch. Gut möglich, dass das Fischen am rechten Rand Kalkül ist, um AfD- oder NPD-Wähler anzulocken. Das macht aber dumpfe populistische Gedanken salonfähig.

Islamfeindlichkeit und Ausländerhass sind Phänomene der Mitte der Gesellschaft geworden. Auch Dank der Ressentiments der CSU. Das ist weder christlich noch sozial, sondern gefährlich. Nächstenliebe aber wäre das Gebot der Stunde.

Stefan Körner

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