Gläserner Willkommensgruß

28. April 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Magdeburg: Paulusgemeinde stellt Kirchen-Anbau in Dienst

Die Grassamen rings um die ehemalige Baustelle hatten noch nicht einmal zu keimen begonnen, als die Magdeburger Paulusgemeinde am vorigen Sonntag das neu errichtete Foyer auf der Westseite ihrer Kirche eröffnete. Einen Segen für alle, die in und durch das Foyer gehen, »die den Weg in unsere Kirche suchen«, sprach der ordinierte Gemeindepädagoge Björn Friebel. Damit brachte er theologisch auf den Punkt, was Regina Mittendorf als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates so formuliert: »Wir möchten mit dem gläsernen Foyer neben der Pauluskirche, die als Veranstaltungsort weithin bekannt ist, für all jene die Hemmschwelle senken, die sich nicht in eine Kirche trauen.« Die ersten kamen gleich am Nachmittag zu Lutherliedern mit Blechbläsern und Jazzpiano. Die geistige Saat des zehn Jahre reifenden Planes, die Pauluskirche zu erweitern, begann sofort aufzugehen.

Festtag nach zehnjähriger Überlegung und Planung: Am Eröffnungstag füllten viele Besucher den neuen Anbau an der gut 100-jährigen Pauluskirche. Foto: Viktoria Kühne

Festtag nach zehnjähriger Überlegung und Planung: Am Eröffnungstag füllten viele Besucher den neuen Anbau an der gut 100-jährigen Pauluskirche. Foto: Viktoria Kühne

Zunächst war die Idee, die gut 100-jährige Kirche zu erweitern, der reinen Zweckmäßigkeit geschuldet: Es gab nicht genug Toiletten. Der langjährige Gemeindepfarrer Michael Bartels, seit Kurzem im Ruhestand, aber hatte mehr im Sinn. Er wünschte sich Raum für Begegnungen. Die Pläne wurden immer wieder in der Paulusgemeinde mit ihren 2 500 Mitgliedern diskutiert. Letztlich trugen und finanzierten nicht nur die ebenfalls zum Kirchspiel gehörenden Laurentius- und Matthäusgemeinde mit ihren je 750 Mitgliedern das 370 000 Euro teure Projekt mit, sondern auch der Kirchenkreis, sagt Sören Wilmerstaedt. Er gehört zum Gemeindekirchenrat und hat die einjährige Bauzeit mit am intensivsten durchlebt, immer im engen Kontakt mit dem Architekten Daniel Dehmel und der Bauleiterin Dorothee Dauer vom Architekturbüro Ribbert-Saalmann-Dehmel.

Diskussionen über den Nutzen des Anbaus gab es auch im Kirchenkreis, dessen Gemeinden ihn solidarisch mittragen, sagte Superintendent Stephan Hoenen und zitierte den Apostel Paulus, nicht allein auf die Hülle zu achten: »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und Gottes Geist in euch wohnt?« Er wünsche der Gemeinde, dass sie den Raum annimmt und mehr daraus macht als nur eine Eingangshalle.

So ist es auch geplant. Spenden für Tische und Stühle sind geflossen, sodass zu Kirchencafé und Gesprächskreise hinter die gläsernen Wände eingeladen werden kann. Für den jetzigen Gemeindepfarrer Reinhard Simon, der krankheitsbedingt nur einen Brief sandte, ist der Neubau ein Zeichen des Willkommens, denn Glaube sei nicht abstrakt, sondern vor allem die Botschaft:

Du bist willkommen. »In einer Kultur der verschlossenen Türen müssen wir lernen, wieder Türen zu öffnen, muss die Gemeinde lernen, selbst durchlässig zu werden«, spielte er auf die gläserne Fassade an.

Renate Wähnelt

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