Im Glauben verankert

28. April 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Joachim Liebig zum Begriff »Christliches Abendland«

In seinem Bericht bei der Frühjahrstagung der anhaltischen Landessynode in Köthen setzte sich Kirchenpräsident Joachim Liebig mit dem Begriff des »Christlichen Abendlandes« auseinander und warnte vor seiner Instrumentalisierung.

»Wir leben in einer Werteordnung, deren tiefe Wurzeln im christlichen Glauben verankert sind«, sagte er am 17. April in der Bachstadt. »Wenn jedoch von einer christlichen Wertegemeinschaft gesprochen wird, liegt dem ein sehr fundamentales Missverständnis zugrunde.« Die Gemeinden der Christenmenschen seien zunächst Gemeinden von gemeinsam Glaubenden, die auf Gottes Barmherzigkeit vertrauten und von der Rechtfertigung im Glauben allein durch Gott ausgehen. »Diese unfassbare Befreiung – auf die die Reformatoren vor 500 Jahren erneut hinwiesen – führt in ihrer Folge zu einer Werteorientierung, die sich in komplexen Schritten und einem weiten geschichtlichen Prozess nicht zuletzt in der Aufklärung niederschlägt.« Nur insoweit könne von einer christlich begründeten Wertegemeinschaft die Rede sein.

Kirchenpräsident Liebig. Foto: Maik Schuck

Kirchenpräsident Liebig. Foto: Maik Schuck

Mit Blick auf die Kundgebungen rechtspopulistischer Bündnisse wie »Pegida« und »Magida« sagte Liebig, dass, wer Glaube und Kirche auf ihre Funktion als Lieferanten von Werten reduziere, ihr Wesen nur zum geringeren Teil erfasse. »Wir sind dankbar, in einem Staatswesen zu leben, dessen fundamentale Werte mit unserem Glauben übereinstimmen. Gerade in Deutschland haben wir jedoch auch hinreichende Erfahrungen, welche anderen Formen von Staatlichkeit abseits aller christlichen Fundamentierung es geben kann. Wer also mit rassistischen Parolen ein christliches Abendland verteidigen will, zeigt nicht nur die eigene Ungeschichtlichkeit, sondern ebenso den eigenen Unglauben.«

In seinem Bericht ging Joachim Liebig auch auf die Schwerpunkte und Herausforderungen bei der künftigen Arbeit der Landeskirche Anhalts ein. Dazu gehörten die langfristige Personalplanung, der Umgang mit kirchlichen Immobilien sowie mit dem Finanzausgleich der EKD und eine eingehende Beschreibungen von Aufgaben in den Gemeinden, Diensten und Werken. Der Verkauf oder die Stilllegung von Kirchen stünden nicht zur Disposition. Auf dem Land müsse jedoch stärker über die Abgabe etwa von nicht genutzten Pfarrhäusern nachgedacht werden. Jedoch: »Zentral sind und bleiben die Menschen, die sich dem Auftrag Jesu Christi verpflichtet fühlen und aus eigenem Glauben heraus an allen Stellen arbeiten.«

Die Herausforderungen für die Mitarbeitenden der Kirche seien angesichts von demografischem Wandel, Umstrukturierung und Rückgang von Kirchenmitgliederzahlen groß. Überall müsse die Nachwuchsgewinnung einen größeren Stellenwert erhalten. Das Interesse von Studierenden aus Anhalt am Pfarrberuf stimme ihn jedoch optimistisch.

(ast)

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