Im Dienste der Königin

13. Oktober 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Hartmut Haupt hat sich 40 Jahre um die Orgeldenkmalpflege in Thüringen gekümmert

Ich musste mich sofort entscheiden, habe es aber nie bereut!« Mit diesen Worten erinnert sich der promovierte Physiker Hartmut Haupt (83) an ein wegweisendes Ereignis vor 40 Jahren. Damals wechselte er von einer sicheren Position beim VEB »Jenapharm« zu der neuen beruflichen Aufgabe, im Auftrag des Instituts für Denkmalpflege die Orgellandschaft in den damaligen Bezirken Suhl, Gera und Erfurt zu erfassen. In Prof. Rudolf Zießler (Arbeitsstelle Erfurt), der nach Wiedergründung des Landes Thüringen 1990 erster Landeskonservator im Freistaat wurde, stand ihm dabei ein idealer Partner zur Verfügung. Voller Dankbarkeit blickt der Organist und Sachverständige auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, in denen er es mit 1 500 Instrumenten zu tun hatte. Seine Nachfolge hat der bereits seit fünf Jahren für das Landesamt für Denkmalpflege tätige Kirchenmusiker Albrecht Lobenstein (Erfurt/Bad Langensalza) angetreten.

Nun will der Jubilar sich vornehmlich dem Orgelspiel widmen – von »Ruhestand« ist also nicht die Rede!

Hartmut Haupt an der 1987 erbauten Sauer-Orgel im Volkshaus Jena. Foto: Michael Groß

Hartmut Haupt an der 1987 erbauten Sauer-Orgel im Volkshaus Jena. Foto: Michael Groß

In Bonn geboren und von Jugend an durch ein kunstförderndes Elternhaus angeregt, erhielt Hartmut Haupt schon frühzeitig eine grundlegende musikalische Ausbildung. Aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Interessen entschloss er sich jedoch zum Studium der Physik in Jena und arbeitete nach erfolgter Promotion von 1954 bis 1975 bei »Jenapharm«. Doch die Musik ließ ihn nicht los. In Stadtkantor Ernst-Otto Göring fand er einen »strengen Orgellehrer«, der ihn auf die externe B-Prüfung an der Thüringer Kirchenmusikschule in Eisenach vorbereitete. Nach weiterer Förderung durch Professor Johannes-Ernst Köhler konnte er 1975 an der Hochschule für Musik in Weimar das A-Examen ablegen. Neben einem Honorarvertrag mit der Denkmalpflege wirkte er seither als freischaffender Konzertorganist, der an restaurierten Instrumenten manch neue Konzertreihe initiierte.

Bei der Erfassung der Orgeln waren seine Partner zu 98 Prozent Kirchengemeinden und zu zwei Prozent staatliche Museen. Neben der ausführlichen Dokumentation herausragender Instrumente habe man sich am »Weilheimer Regulativ« orientiert, einem Fragenspiegel, der eine Zustandsbeschreibung nach einheitlichen Kriterien ermöglichte. »Wegen gewisser Berührungsängste«, so Haupt, sei es im »real existierenden Sozialismus« mitunter ein schwieriger »Seiltanzakt« gewesen, da ihm manche Kollegen oder Pfarrer mit Misstrauen und Skepsis begegneten. Er erinnert sich an einen Ort, wo ihm der Pfarrer den Zugang zur Orgel strikt verweigerte, weil diese eh nicht mehr funktioniere. Als es ihm durch eine List dennoch gelang, das Instrument zu erfassen, stellte sich heraus, dass nur das Seil vom Blasebalg gerissen war. Nach erfolgter Reparatur sei es hier zu einer besonders intensiven Zusammenarbeit gekommen.

Gerade zu DDR-Zeiten habe sich oft gezeigt, dass es »nicht auf die ideologische Farbe, sondern auf den einzelnen Menschen« ankommt. So sei es auch möglich gewesen, dass eine Orgelrestaurierung vom Staat vollfinanziert wurde. Nach der Wiedervereinigung hätten sich viele neue Fördermöglichkeiten ergeben, die intensiv ausgeschöpft wurden.

Michael von Hintzenstern

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