Macht eure Kirchentüren auf

30. November 2015 von redaktionguh  
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Herbstsynode: Das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland diskutierte kontrovers

Flüchtlingshilfe, Öffnung der Kirchengebäude und die Perspektiven der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, waren die Schwerpunkte der Herbsttagung der Landessynode.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Michael Grolm. Foto: Diana Steinbauer

Zukünftig sollen Kirchentüren nicht mehr verschlossen sein: Landesbischöfin Ilse Junkermann und Dieter Lemberg, der Präses der Landessynode, am Portal der Erfurter Michaeliskirche; sie laden Menschen ein, kirchliche Räume zu besuchen und die Kirche kennenzulernen. Foto: Willi Wild

Dieser Satz der Landesbischöfin ließ die Synodalen aufhorchen: »Unsere jahrhundertealten Modelle und Formen, Gemeinde und Kirche Jesu Christi zu sein, sind an ihr Ende gekommen.« Vor 80 Synodalen rief Junkermann dazu auf, Kirche und Gemeinde ganz neu zu denken und zu leben. Kirche, so die Landesbischöfin, sei von jeher ein dynamischer Prozess, sie konstituiere sich immer wieder neu. Alte Wege zu verlassen, sei kein Zeichen des Verlustes, sondern des Aufbruchs. »Es braucht eine große Offenheit für offene Prozesse«, so die Bischöfin weiter.

Sicherheit und Stabilität

Dies traf im großen Saal des Landeskirchenamtes in Erfurt nicht bei allen auf Zustimmung. Der Synodale Michael Pabst (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) gab zu bedenken, dass gerade die Kirchen im ländlichen Bereich mit ihren Traditionen und Werten auch für Stabilität und damit Sicherheit stünden, nach der sich viele Menschen sehnten. Veränderungen könnten zur Verunsicherung an der Basis führen.

Der Diskurs in dieser Frage hat gerade erst begonnen und dennoch ist klar: Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist dabei, für die Zukunft neue Wege zu beschreiten. Das gilt ebenso für die Willkommenskultur in der EKM. Nicht nur gegenüber Flüchtlingen, sondern auch gegenüber Menschen, die sich der Kirche nicht oder nicht mehr verbunden
fühlen.

»Jedes Kirchgebäude soll spätestens ab Frühjahr 2017 tagsüber geöffnet sein«, so Landesbischöfin Junkermann. Das gelte für 3 950 der insgesamt 4 031 Kirchen in der EKM. Es solle einer echten Begründung bedürfen, die Kirche verschlossen zu halten. Natürlich seien solche Öffnungen im Hinblick auf Vandalismus, Diebstahl und Sachbeschädigung auch mit Risiken verbunden.

Mit anderen für andere

Dennoch betonte Junkermann: »Wir wollen Kirche mit anderen und für andere sein, eine öffentliche Kirche.« Die Öffnung der Kirchen wurde auch von vielen Synodalen als große Chance in der Vermittlung des Glaubens und kirchlicher Traditionen gesehen. Es gibt aber auch Bedenken. So führte beispielsweise die Synodale Angelika Greim-Harland, Superintendentin im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau, an, dass es Menschen brauche, die als Ansprechpartner in diesen geöffneten Räumen zur Verfügung stünden. »Nur die Türen aufzuschließen reicht nicht aus«, meinte sie.

Dass der Wunsch zur Öffnung vorhanden ist, zeigt eine aktuelle Umfrage zur Initiative »Offene Kirchen« auf den Internetseiten des MDR. Bisher sprachen sich 99 Prozent aller Teilnehmer dafür aus, Kirchen ganztägig geöffnet zu halten.

Der Bericht der Landesbischöfin wurde diesmal erstmalig via Livestream im Internet übertragen. Außerdem konnte die Tagung beim Nachrichtenkurzdienst Twitter verfolgt werden.

Protest der Landwirte

»Die agrarindustrielle Großflächenlandwirtschaft zerstört die Lebensgrundlage vieler Arten, aber auch die Lebensgrundlagen bäuerlicher Existenzen hier und in der sogenannten dritten Welt. Die Kirche steht hier in besonderer Verantwortung.« Das hat Reiko Wöllert, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Rande der Landessynode erklärt. Gemeinsam mit dem AbL-Vorsitzenden Michael Grolm übergab Wöllert Landesbischöfin Ilse Junkermann Vorschläge für Kriterien bei der Verpachtung von Kirchenland. Junkermann versicherte, die EKM strebe nach einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Boden, der ihr anvertraut sei. »Grund und Boden ist mehr als eine Ware, die bestimmt wird durch Angebot und Nachfrage«, betonte die Landesbischöfin. Bei der Synode war auch die Evaluation des Pachtvergabeverfahrens eines der viel diskutierten Themen.

Das Kirchenparlament hat bei seiner Herbsttagung auch den Haushalt für das Jahr 2016 in Höhe von 173 Millio­nen Euro einstimmig verabschiedet. Über drei Viertel der Plansumme gehen in die Kirchenkreise und Kirchengemeinden. Für die landeskirchenübergreifenden Verpflichtungen sind knapp 3,5 Millionen Euro vorgesehen. Damit verbleiben 21 Prozent für die Aufgaben der Landeskirche mit ihren Werken und Einrichtungen.

Diana Steinbauer und Willi Wild

Die Spaltung in der Gesellschaft

30. November 2015 von redaktionguh  
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Streitgespräch: Vom Umgang mit Ängsten und ungelösten politischen Fragen und wie wir uns kritisch damit auseinandersetzen lernen

Zwischen besorgten Bürgern und gefährlichen   Mitte-Extremisten. Wie gehen wir um mit den Ängsten, ob begründet oder unbegründet, und wo ist die Grenze zwischen berechtigter Sorge, Zukunftsangst und rechtem Populismus? Dr. Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Psychoanalytiker aus Halle, spricht sich gegen eine Pauschalisierung von Pegida aus. Der streitbare Jenaer Jugendpfarrer Lothar König hält Populisten und Mitläufer in der aktuellen Flüchtlingsdebatte für gefährlicher als Rechtsextremisten. Maaz und König diskutierten miteinander, moderiert von Willi Wild.

Dr. Maaz, Sie fordern einen ernsthaften Umgang mit dem Unmut auf der Straße. Ihrer Meinung nach sind nur wenige, die bei Pegida mitlaufen, Rechtsextremisten. Geht Ihr Verständnis für die besorgten Wutbürger nicht etwas zu weit?
Maaz:
Im Gegenteil. Ich bin am meisten besorgt über die Spaltung in unserer Gesellschaft: also Pegida oder No-Pegida. Ich halte die Pauschalablehnung von Pegida für ziemlich starke Hetze. Die ist von den Politikern angezettelt worden. Sicher gibt es bei Pegida Personen, die nicht akzeptabel sind. Die Themen, die auf die Straße getragen werden, die sollten verstanden, analysiert und diskutiert werden. Außerdem sind einzelne Kritikpunkte, die Pegida vor einem halben Jahr genannt hat, mittlerweile ziemlich aktuell.

Herr König, Sie bezeichnen die Mitläufer als Mitte-Extremisten. Damit treffen Sie aber inzwischen eine große gesellschaftliche Gruppe?
König:
Mitte-Extremisten deshalb, weil wir in der Vergangenheit immer nur nach links und rechts geschaut haben. Mitte-Extremisten halte ich für am gefährlichsten, weil sie sich zurücklehnen und zu wenig reflektieren. Da haben wir dann die Gesellschaft, vor der Herr Maaz hier warnt.
Maaz: Wenn wir solche Worte wie Extremisten oder auch Nazis benutzen, besteht immer die Gefahr, dass man glaubt, mit so einer abwertenden Bezeichnung habe man das Problem erfasst. Wir müssten uns vielmehr mit den Gründen befassen, warum sich Menschen zu Extremisten entwickeln oderextremistische Positionen vertreten?

Ist es nicht Zeichen einer Demokratie, Unmut und Angst in Demonstrationen zu äußern, ohne dass man gleich in eine Extremistenecke gestellt wird?
Maaz:
Ja selbstverständlich. Pegida ist allerdings von Anfang an überhaupt nicht ernst genommen worden. Es gehört zu unseren demokratischen Grundregeln, dass man protestieren kann, dass man eine Meinung hat und dass man über Meinungen streiten kann und muss. Aber genau das hat die Politik kritisiert.
König: Wir demonstrieren und sagen die Meinung, streiten miteinander und versuchen auf einen Nenner zu kommen. Das ist das eine. Aber wir leben hier in einer Welt, die ist von Gewalt geprägt ist. Auch wenn Politiker uns etwas anderes erzählen wollen, kein Mensch ist gewaltfrei. Ich bin noch dabei zu lernen, wie es dem Herrn Jesus gelungen ist, gewaltfrei und friedlich mit der Peitsche die Leute aus dem Tempel zu prügeln. Ja, da findet Gewalt statt. Und wir brauchten eine Gewaltdebatte, vor allen Dingen von den Theologen. Wir leben halt nicht im Himmelreich. Das ist eine Zielvorstellung.
Maaz: Ich möchte dem sehr zustimmen, Herr König. Ich spreche von einer strukturellen Gewalt in der Gesellschaft. Wir brauchen eine Gewaltdebatte, wo wir uns fragen: Wie entsteht Gewalt, woher kommt das, was sind soziale und auch seelische Probleme, die zu Gewalt führen und wie kann man damit umgehen? Was kann man tun, damit Gewalt nicht ständig wächst und ausufert?
König: Eine der Grundlagen unseres jüdisch-christlichen Glaubens ist der Psalm 23, der fängt an: »Der Herr ist mein Hirte.« Pegida und andere Unzufriedene, die sich zu kurz gekommen fühlen, sagen: Niemand behütet mich! Wenn ich Menschen treffe, die Angst haben, dann sage ich, das brauchst du nicht. Komm, wir gehen ein Stück zusammen.

Mal im Dunkeln, mal hell erleuchtet. Der Erfurter Domplatz wird häufig für Demonstrationen genutzt, wie hier durch das neugegründete Bündnis für Mitmenschlichkeit für ein weltoffenes, tolerantes Thüringen. In dem Bündnis soll das zivilgesellschaftliche Engagement von 175 Gruppen gebündelt werden. Foto: Adrienne Uebbing

Mal im Dunkeln, mal hell erleuchtet. Der Erfurter Domplatz wird häufig für Demonstrationen genutzt, wie hier durch das neugegründete Bündnis für Mitmenschlichkeit für ein weltoffenes, tolerantes Thüringen. In dem Bündnis soll das zivilgesellschaftliche Engagement von 175 Gruppen gebündelt werden. Foto: Adrienne Uebbing

Wenn Sie zu diesen Menschen sagen, dass sie Mitte-Extremisten sind, wirkt das vertrauensbildend?
König:
Das eine ist die seelsorgerliche und das andere die politische Seite. Die Pegida-Demonstrationen in Dresden haben klein angefangen. Man hat sie laufen lassen. Kein Schwein hat das interessiert. Wenn ich sehe, was sich für Neonazis in Dresden unter die Demonstranten mischen, da haben wir als laue Christen – wie es Luther ausdrückt – versagt. Ich habe mitbekommen, wie dann am Rande Menschen gejagt worden sind, die irgendwie anders aussahen. Da ist für mich eine Grenze überschritten, das geht gar nicht. Wenn es den kritischen Dialog gäbe, dann würde ich sofort einsteigen. Aber es geht nicht, dass hier Stimmung auf Kosten anderer gemacht wird. Ein Mensch ist immer erst mal eine Chance, eine Hoffnung.

Wie können wir denn zu einem gesunden Umgang miteinander kommen?
Maaz:
Man hat ja immer wieder versucht, das Gespräch zu führen. Das ist natürlich kaum möglich bei solchen Demonstrationen. Was wir machen können ist, dass wir anfangen, die Themen aufzugreifen, die ernsthaften Positionen und sie in einer größeren Öffentlichkeit diskutieren.
König: Was in Paris passiert ist und vielleicht demnächst in Deutschland passiert, das ist eine Rechnung, die wir geliefert bekommen, nicht für zehn Jahre falscher Politik, nicht für 50 Jahre, für mindestens 500 Jahre. Unser Abendland ist so reich geworden und wir haben jedes Maß verloren. Heute kriegen wir eine Rechnung präsentiert und niemand weiß, wie diese Rechnung zu bezahlen ist.

Auch in kirchlichen Kreisen gehen die Meinungen weit auseinander. Die Verantwortlichen in den Kirchenleitungen sagen – wie die Kanzlerin – wir schaffen das und alle sind willkommen. In den Gemeinden scheint es zunehmend zu rumoren, weil sich die Menschen alleingelassen fühlen.
König:
In der Kirche wird die Welt ständig schöngeredet. Die Verwerfungen in unserer Gesellschaft und in unserer Welt haben wir fast völlig aus dem Blick verloren. Wir sind kaum mehr konfliktbereit und schon gar nicht in der Lage zu streiten. Wir müssen auch thematisieren, wie viele menschenfeindliche Gedanken unter uns Christen vorhanden sind.
Maaz: Die Verantwortlichen vertreten eine Willkommenskultur und die Bevölkerung, die das entgegenzunehmen hat, spürt zunehmend die Überforderung und die eigentlich notwendige Begrenzung. Etwa 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Die Gründe für Flüchtlinge zur Wahrnehmung des Asylrechtes werden wachsen. Wenn wir nicht die Aufnahme von Flüchtlingen begrenzen, ersticken wir irgendwann. Wir erkennen natürlich, dass wir wesentlichen Anteil haben mit unserer westlichen Lebensart, an der gewachsenen sozialen ungleichen Verteilung des Reichtums. Wir sollten vielmehr unseren Reichtum verwenden, um Armut vor Ort zu bekämpfen. Die Milliarden und vor allem unser technisches Know-how müssen aufgewendet werden, um wirksam die Armut zu bekämpfen und um Kriege zu verhindern.
König: Wir haben uns lange Zeit da wenig eingemischt. Das einzige was wir gemacht haben ist, unsere Waffen dorthin zu verkaufen. Jetzt wundern wir uns, dass mit den Waffen nicht Kartoffelanbau betrieben, sondern geschossen wird.
Maaz: Wir dürfen aber auch nicht verschweigen, dass in unserer Gesellschaft eine wachsende soziale Ungerechtigkeit existiert, die man nicht pauschal mit unserem Reichtum beruhigen kann. Wir müssen auch in unseren Gesellschaften um eine größere soziale Gerechtigkeit kämpfen.

Sie empfehlen den kritischen Dialog als Lernprozess. Was könnte das für Kirchen und Kirchengemeinden bedeuten?
Maaz:
Uns droht eine Spaltung zwischen den Obrigkeiten und der Gemeinde. In den Gemeinden müssen alle Probleme, alle Sorgen, alle Ängste tatsächlich angesprochen werden, ohne dass man gleich in eine Ecke von Fremdenfeindlichkeit oder Extremismus gestellt wird. Wenigstens in den Kirchen sollte Offenheit und Ehrlichkeit herrschen, damit konstruktive Kritik geübt werden kann.
König: Wir sollten wieder anfangen, das Evangelium zu predigen: Das Himmelreich ist nahegekommen. Sorgt euch nicht, werft alle Sorgen auf ihn. Und wir fangen an, hier zu leben und zu streiten, zu suchen und zu finden und Fehler zuzugestehen, Fehler zu korrigieren. Das ist, was uns stark macht.

Kirche der Gesellschaft

30. November 2015 von redaktionguh  
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Ein Wort aus Psalm 31 prägte die Tagung der Landessynode der EKM. »Du stellst meine Füße auf weiten Raum.« Aus dem Glauben und durch den Glauben in die Gesellschaft wirken, in einen weiten Raum, der darauf wartet, von uns mit Leben gefüllt zu werden, auch – und vor allem dann – wenn er es selbst vielleicht noch nicht weiß.

Doch was heißt das für uns? Es bedeutet vor allem, offen zu sein und zugleich aktiv einladend die Kirche wieder zu den Menschen zu bringen. So setzte die Tagung einen sehr weitreichenden Impuls durch die Unterstützung einer sich neu gegründeten Initiative für offene Kirchen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Prädikat »zuverlässig geschlossene Kirche« endgültig abzuschaffen. So sollen bis 2017 nahezu alle Kirchen der EKM tagsüber Besuchern offen stehen, um einen Raum der Begegnung, des Innehaltens und des Betens zu bieten. Genau dieser Schritt untermauert den Prozess zur Findung eines Mottos für die zweite Legislaturperiode der Synode. So wollen wir endlich wieder eine Kirche der Gesellschaft werden, die einladend auf die Menschen zugeht.

Aus dem Glauben heraus wirken, bedeutet aber auch einen Schritt zurück, zu den Wurzeln der Reformation, zu machen. Sola scriptura – allein die Schrift. Gottes Wort zu verkünden, sowohl im Gesetz, als auch im Evangelium. Schließlich stellt dieses das Fundament sämtlichen kirchlichen Handelns dar. Wer christlich handeln will, gerade in dieser schweren Zeit, muss unseren größten Schatz teilen. So spendet er Trost und Zuversicht, aber belehrt und ermahnt auch zur Umkehr und Einsicht. Frieden lautet das Gebot der Stunde. Wenn nicht durch die Bibel und den gelebten Glauben, wie sonst kann dieser leben?

Felix Kalbe

Der Autor studiert in Jena Theologie und ist Synodaler.

Der König der Herzen

28. November 2015 von redaktionguh  
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Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Sacharja 9, Vers 9

Machthaber, die gerecht sind und helfen. Machthaber, die zuerst am Wohl ihrer Untertanen und am Frieden interessiert sind. An solchen Machthabern fehlt es an vielen Stellen und in vielen Ländern dieser Welt. Wir sehen solche, die rücksichtslose Diktaturen aufrechterhalten und Menschen unterdrücken. Wir sehen solche, die nur dem eigenen Profit nachjagen und darüber die Armut der Bevölkerung vergessen. Wir sehen solche, deren Herrschaft vor allem Gewalt, Zerstörung, Schrecken und Leid bringt. Denn Macht birgt immer auch die Gefahr, für eigene Interessen missbraucht zu werden.

Johannes Burkhardt, Vikar in Angelroda-Geratal

Johannes Burkhardt, Vikar in Angelroda-Geratal

Doch der Prophet Sacharja kündigt einen ganz anderen Herrscher an. Einen Gerechten und einen Helfer. Einen, der an den Menschen interessiert ist und ihr Leben zum Guten verändern möchte. Wie sehr wünsche ich mir so einen Herrscher zum Beispiel für Syrien. Aber, wie die Situation jetzt ist, würde er kein Gehör finden, könnte kaum etwas ausrichten.

»Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.« Es ist ein ganz persönlicher König, auf den unsere Aufmerksamkeit hier gerichtet wird. Dein König kommt zu dir. Es ist kein großer weltlicher Herrscher, kein Diktator, kein Machthaber, wie wir ihn sonst kennen. Es ist ein König, der seine Macht in unserem Inneren ausbreitet. Es ist Gott selbst. Nur er hat die Macht uns wirklich zu verändern, uns zu helfen. Seine Macht äußert sich nicht durch zeitlich begrenzte Unterdrückung und Gewalt, sondern durch seine Zuwendung, die uns Menschen einander nahe bringt. Wenn er kommt, verliert weltliche Herrschaft ihre zerstörerische Macht.

Der Advent ist die Zeit, in der wir in besonderer Weise in Erwartung auf unseren König Jesus Christus leben. Wir öffnen unsere Herzen, um ihn bei uns zu empfangen, damit er uns verändern kann. Damit er mit seiner Gerechtigkeit, seiner Hilfe und seinem Frieden in uns Raum gewinnt. Denn der mächtigste König ist nicht der, der ein Land oder eine Bevölkerung regiert. Sondern der, welcher in den Herzen der
Menschen regiert.

Johannes Burkhardt, Vikar in Angelroda-Geratal

Alles beginnt mit der Sehnsucht

27. November 2015 von redaktionguh  
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1. Advent: »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.« – Wie kommt Gott in unsere Welt voller Terror und Krieg?


Für die vier Adventssonntage hat die Redaktion Theologen um eine persönliche, geistliche Betrachtung zum Thema Ankunft gebeten.

Einer dieser Tage mit endlosem Nieselregen. Fürs Wochenende ist erster Schnee angesagt. Selbst der Hund geht nur mit mäßiger Begeisterung die Runde am späten Nachmittag. Anschließend verzieht er sich ins Körbchen. Ich setze mich an den Schreibtisch. Schon so früh dunkel. Erst einmal die Kerze auf der Fensterbank anzünden. Ich mag sie nicht besonders, die langen Abende mit früher Dunkelheit. Der Wunsch nach Wärme und Licht wird mich in den nächsten Wochen begleiten. Auch in den Melodien und Worten der Adventslieder: »O komm, o komm, du Morgenstern. Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht.« Innig singt sich das, voller Sehnsucht und zugleich besonnen und maßvoll. Eine Frage geht mir durch den Kopf: Gibt es so etwas wie besonnene, maßvolle Sehnsucht?

Aus der Dämmerung ist endgültig Dunkelheit geworden. Draußen unterwegs sein möchte ich jetzt nicht. Und weiß doch, dass gerade jetzt, in diesem Moment, so viele unterwegs sind. Oft nur mit leichtem Gepäck, aber schweren Herzens. Unterwegs auf einer der gefahrvollen Flüchtlingsrouten, die nach und durch Europa führen. Unterwegs zu Fuß, in Eisenbahnen, auf zerbrechlichen Booten in rauer See. Eine andere Melodie mit anderen Worten singt sich in Kopf und Herz: »Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.« Das Boot des Adventsliedes als Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer? Das Schiff, das die teure Last trägt, die mit dem Christuskind schwangere Maria, ein Flüchtlingsboot in rauer See? Ist das Gottes Ankunft, sein Advent in diesen Wochen und Tagen? Kommt Gott so zu uns? Kommt Gott so in diese Welt mit ihren Nachrichten von Terror und Krieg, mit ihren Schrecken, die einem in die Glieder fahren, mit den verstörenden Verbrechen in Paris, aus Syrien und an viel zu vielen Orten der Erde?

»Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.« Ja, das ist sie, meine adventliche, meine maßlose Sehnsucht. Gott möge kommen, mitten in Krieg und Verfolgung, in die Elendsviertel dieser Erde und die Flüchtlingsdramen auf hoher See. Gott möge kommen, mitten in den Alltag unseres Lebens, in die verdrängten Probleme und zerplatzten Hoffnungen. In die Ängste und Sorgen an den Krankenbetten und den Verkaufsstellen der Tafeln. Der Heiden Heiland, er möge kommen und seinen Frieden und seine Gerechtigkeit Wirklichkeit werden lassen. Er möge kommen zu denen, für die er bestenfalls ein Relikt aus Kindertagen ist. Zu denen, die seiner Liebe nichts zutrauen. Zu denen, die sich selbst genug sind. Er möge kommen zu allen, die so sehnsüchtig darauf warten, selbst ankommen zu können.

Mein Mann stellt eine Tasse Tee neben mich. Sein Blick schweift über die Zeilen auf dem Computerbildschirm. »Zur Mystikerin noch werden du wirst«, sagt er lakonisch. Und erzählt von der antiken Dichterin Sappho. Vor über zweitausend Jahren schrieb sie auf der griechischen Insel Lesbos, heute eines der Ziele der Flüchtenden, die folgenden Zeilen: »Hebt den Türsturz, ihr Bauleute, höher, denn herein kommt der Bräutigam, viel größer als sonst große Leute!« Was ja nicht nur bedeutet, die Tür eines Hauses aus den Angeln zu heben, sondern den ganzen Eingang größer, breiter, höher zu machen. Das Haus wird danach nicht mehr so sein wie zuvor. Es wird sich verändern. Wie sich auch das Haus Europa verändert, wenn seine Grenzen nicht geschlossen werden, sondern geöffnet bleiben. Eingangsworte des wohl bekanntesten Adventsliedes stehen mir vor Augen: »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.«

Wenn die Liebe Christi bei uns einzieht, dann ändert sich unser Leben. Das Kind, das in Gottes Namen unterwegs ist, ringt ja mit all dem, was unsere Türen klein und eng sein lässt: Mit der Konzentration auf uns selbst. Mit der Hoffnungslosigkeit, die nur auf das setzt, was machbar erscheint. Mit dem unbedingten Willen, das Beste für sich selbst zu wollen und anderen bestenfalls den Rest zu überlassen. Da ist sie wieder, diese adventliche Sehnsucht: »Ach, zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.«

Draußen ist es jetzt still. Die Kerze auf der Fensterbank brennt beharrlich. Nein, in adventlichen Tagen gibt es keine maßvolle Sehnsucht. Wie schrieb doch die Dichterin Nelly Sachs: »Wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf – Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?«

Bevor ich zu Bett gehe, summt noch ein letztes Lied in mir. Leise singe ich seine erste Strophe: »Nun sei uns willkommen, Jesus, Herre Christ, der du zu uns von ferne gekommen bist. Nun sei uns willkommen, wärst du uns nicht geborn, wär’n wir hier auf Erden wohl allzumal verlorn. Kyrieleis.«

Kristina Kühnbaum-Schmidt

Die Autorin ist Pröpstin des Sprengels Meiningen-Suhl.

Klassiker zur Weihnachtszeit

26. November 2015 von redaktionguh  
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Die Kantaten aus J. S. Bachs »Weihnachtsoratorium« erklingen in 47 Aufführungen

Weihnachten »ohne« geht nicht. Die sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach gehören zur Advents- und Weihnachtszeit wie das Lametta zum Christbaum. Insider benutzen für das populäre Werk gerne die Abkürzung WO. Im Blick auf die Gebiete der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts ist G+H der Frage nachgegangen, wo das WO in diesem Jahr zu hören ist? Dabei konnten insgesamt 47 Aufführungen einzelner Teile des Gesamtwerkes (bzw. an ihm orientierter Adaptionen) erfasst werden. Zugleich soll seine Aufführungsgeschichte beleuchtet werden.

Johann Sebastian Bach führte die sechs Kantaten des »Weihnachtsoratoriums« innerhalb von zwei Wochen auf: Teil 1 am ersten Weihnachtsfeiertag, Teil 2 am zweiten, Teil 3 am dritten,
Teil 4 gab es zu Neujahr, Teil 5 am Sonntag nach Neujahr und den abschließenden Teil 6 zu Epiphanias, dem Dreikönigstag. Die Aufführungen in der Leipziger Thomas- und Nikolaikirche, um 7 Uhr und um 15 Uhr beginnend, waren hierbei in den liturgischen Gottesdienstablauf eingebunden.

Aufführung des Weihnachtsoratoriums 2013 in der Stiftskirche von Gernrode. Foto: Jürgen Meusel

Aufführung des Weihnachtsoratoriums 2013 in der Stiftskirche von Gernrode. Foto: Jürgen Meusel

Neu war, dass der Thomaskantor einen sechsteiligen Zyklus mit einem durchgehenden textlichen Geschehen – der Weihnachtsgeschichte – schuf. Er bezog sich dabei auf die Geschichte um Christi Geburt nach dem Lukas-Evangelium (Kantaten 1 bis 4) und die Epiphanias-Geschichte um die drei Weisen aus dem Morgenland nach dem Matthäus-Evangelium (Kantaten 5 und 6). Dieser biblische Bericht wird vom Evangelisten (Tenor) in den Rezitativen gesungen, ergänzt durch den Engel (Sopran) sowie die Gruppe der Engel und Hirten durch Chöre. Für die Eingangschöre der einzelnen Kantaten, die Arien und die vom Orchester begleiteten Rezitative nutzte Bach freie Dichtungen eines unbekannten Librettisten, vermutlich Friedrich Henrici, bekannt unter dem Namen Picander.

Nach Bachs Tod erbte Carl Philipp Emanuel Bach die handschriftliche Partitur und die Originalstimmen. Über Goethes Freund Carl Friedrich Zelter gelangte beides an die Berliner Sing-Akademie, bis das Aufführungsmaterial 1854 von der Königlichen Bibliothek, der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin, erworben wurde. Der Berliner Sing-Akademie ist auch die Wiederentdeckung des Werkes zu verdanken, die das Oratorium am 17. Dezember 1857 unter Eduard Grell zum ersten Mal nach Bachs Tod in ihrem Konzerthaus hinter der Neuen Wache in Berlin-Mitte wieder vollständig zum Klingen brachte.

Eigenartigerweise brauchte es noch einmal 100 Jahre, bis das »WO« denselben Bekanntheitsgrad wie Bachs große Passionen erlangte. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist es jedoch das bekannteste Werk der Kirchenmusik überhaupt – nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt jubilieren die Chöre freudig: »Jauchzet, frohlocket!« Im heutigen Musikbetrieb werden die Kantaten 1 bis 3, 4 bis 6 oder 1 bis 3 und 6 (wegen der einheitlichen Instrumentierung) oftmals bereits in der Adventszeit zu Gehör gebracht. Einzelne Chöre öffnen einige Wochen vor der Aufführung ihre Proben und laden zum »Weihnachtsoratorium zum Mitsingen« ein. Natürlich gibt es auch Interpretationen in historischer Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten der Bach-Zeit. Während manche Experten davon ausgehen, dass die Chöre lediglich von einem Solistenquartett gesungen wurden, setzen andere einen kleinen Chor ein. In der Regel wird das Werk jedoch von größeren Chören aufgeführt. Michael Gusenbauer verbindet in seinem WO für Kinder die Rolle eines Erzählers mit Musikbeispielen. In einer Bearbeitung für den MDR-Kinderchor werden die Arien von Kindern gesungen.

Michael von Hintzenstern

Aufführungen in Mitteldeutschland

Altenburg. 13. 12., 17 Uhr, Brüderkirche: Kantaten 1, 4 und 6 – Kantorei Altenburg
Arnstadt. 12. 12., 19.30 Uhr, Bachkirche: Kantaten 1–3 – Bachchor Arnstadt
Bad Liebenwerda. 28. 11., 19 Uhr, Stadtkirche: Kantate 1 u. a. – Kantoreien Bad Liebenwerda, Elsterwerda, Herzberg
Bad Salzungen. 20. 12., 17 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – Chöre an der Stadtkirche
Burgliebenau. 21. 12., 20 Uhr, Barock­kirche: Kantaten 1–3 – Collegium Vocale Leipzig
Delitzsch. 20. 12., 17 Uhr, Ev. Marienkirche: Kantaten 1–3 – Kantorei Delitzsch
Dessau-Roßlau. 13. 12., 17 Uhr, St. Johannis: Kantaten 4–6 – Lutherchor
Eisenach. 13. 12., 17 Uhr, Georgenkirche: Kantaten 1–3 – Bachchor
Erfurt. 5. 12., 18 Uhr, Deutschordens-Seniorenheim, Vilniuser Str. 14: Kantaten 1–3 – Domchor Erfurt; 12. 12., 16 und 20 Uhr, Thomaskirche: Kantaten 1–3 – Augustiner-Kantorei; 13. 12., Thomaskirche, 17 Uhr: Kantaten 4–6 – Augustiner-Kantorei
Gernrode. 18. 12., 19.30 Uhr, Stiftskirche: Kantaten 1–3 – Kantoreien Gernrode und Ballenstedt
Gestungshausen/Oberfranken. 27. 12., 17 Uhr, Gemeinschaftshalle: Neue Vertonung nach dem Libretto (Text) von Bachs Weihnachtsoratorium von Helmut Mitzenheim – Kirchenchöre Heldburg und Gestungshausen, Konzertchor »Belcanto«
Gotha. 12. 12., 19.30 Uhr, Margarethenkirche: Kantaten 1–3 – Bachchor
Greiz. 20. 12., 17 Uhr, Stadtkirche St. Marien: Kantaten 1, 4–6 – Kantatenchor Greiz
Halle. 30. 11., 19.30 Uhr, Pauluskirche: Kantaten 1–3 – Chor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle; 13. 12., 17 Uhr, Marktkirche: Kantaten 1–3 – Hallesche Kantorei; 24. 12., 22.30 Uhr, Pauluskirche: Kantaten 1–3 – Chor der Paulusgemeinde
Heldburg. 6. 12., 17 Uhr, Stadtkirche: Neue Vertonung (siehe Gestungs­hausen)
Hermsdorf. 5. 12., 19.30 Uhr, St.-Salvator-Kirche: Kantate 1 im Rahmen der Festmusik »330 Jahre Bach« – Ökumenischer Chor Hermsdorf
Hildburghausen. 20. 12., 17 Uhr, Christuskirche: Kantate 1 und Magnificat von Bach – Stadtkantorei Hildburghausen
Ilmenau. 19. 12., 19.30 Uhr, St. Jakobus: Kantaten 1, 4 und 6 – Bachchor Ilmenau
Jena. 15. 12., 19.30 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – Kantorei St. Michael
Köthen. 20. 12., 18 Uhr, St. Jakob: Kantaten 4–6 – Bachchor
Magdeburg. 12. 12., 17 Uhr, Johanneskirche: Kantaten 1–3 in einer Bearbeitung für Kinderchor von Ulrich Kaiser – MDR-Kinderchor; 19. 12., 17 Uhr, Pauluskirche: »Weihnachtsoratorium für Kinder« in der Fassung von Michael Gusenbauer – Magdeburger Kantatenchor
Merseburg. 20. 12., 17 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – Domkantorei Merseburg; 3. 1., 10 Uhr, Stadtkirche: Kantate 4 im Gottesdienst; 9. 1., 17 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 5 und 6 – Domkantorei Merseburg
Mönchröden/Oberfranken. 5. 12., 17 Uhr, Grundschule: Neue Vertonung (siehe Gestungshausen)
Nordhausen. 12. 12., 14.30 Uhr, St.-Blasii-Kirche: »Weihnachtsoratorium für Kinder« in der Fassung von Michael Gusenbauer – Nordhäuser Kantorei; 17. 12., 20 Uhr, St.-Blasii-Kirche: Kantaten 4–6 – Nordhäuser Kantorei; 26. 12., 10 Uhr, St.-Blasii-Kirche: Kantate 4 im Gottesdienst – Nordhäuser Kantorei
Ohrdruf. 20. 12., 17 Uhr, St. Trinitatis: Kantaten 1, 5 und 6 – Kantorei, Gospelchor, Kinderchor Ohrdruf
Rudolstadt. 13. 12., 18 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 4–6 zum Mitsingen – Oratorienchor Rudolstadt
Salzwedel. 29. 11., 16 Uhr, Konzerthalle Mönchskirche: Kantate 1, 4 und 6 – Kantorei Salzwedel
Sangerhausen. 6. 12., 17 Uhr, St. Jacobikirche: Kantaten 1–3 – Ev. Kantorei Sangerhausen
Schlieben. 20. 12., 16 Uhr, Martinskirche: Kantaten 1–3 – Herzberger Kantorei
Suhl. 5. 12., 17 Uhr, Hauptkirche: Kantaten 4–6 – Suhler Kantorei
Torgau. 20. 12., 18 Uhr, Schlosskirche: Kantaten 1, 5 und 6 – Johann-Walter-Kantorei
Waltershausen. 13. 12., 17 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – »Ensemble vocale«, Kantorei Waltershausen/Friedrichroda
Weimar. 12. 12., 19.30 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – Bachchor Weimar; 25. 12., 10 Uhr, Stadtkirche: Kantate 1 im Gottesdienst – Bachchor Weimar; 26. 12., 17 Uhr, Jakobskirche: Kantate 4 in einer ungewöhnlichen klanglichen Gestaltung mit Originalinstrumenten
Wernigerode. 28. 11., 19.30 Uhr, St. Sylvestri: Kantaten 1–3 – Kantorei
Wittenberg. 5. 12., 18 Uhr, Stadtkirche: Kantaten 1–3 – Wittenberger Kantorei
Zerbst. 12. 12., 17 Uhr, St. Trinitatis: Kantate 1–3 – Zerbster Kantorei

www.ekmd.de/aktuell/veranstaltungskalender


Harmonisches Zusammenspiel

25. November 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Der »Tag der Hausmusik« möchte zum Musizieren im Familienkreis anregen

Wussten Sie schon, dass es einen »Tag der Hausmusik« gibt, der am 22. November im Gedenken an die heilige Cäcilia begangen wird? Die Märtyrerin der frühen Kirche gilt als Patronin der Kirchenmusik. Ihre Attribute sind die Orgel oder die Geige, aber auch Schwert und Rose. Sie verstarb am 22. November 230 nach Christus in Rom. In diesem Jahr fällt dieses Datum auf den Ewigkeitssonntag.

»Lange Nacht der Hausmusik« im Rahmen der »Thüringer Bachwochen« in Weimar. Foto: Maik Schuck

»Lange Nacht der Hausmusik« im Rahmen der »Thüringer Bachwochen« in Weimar. Foto: Maik Schuck

Die Anregung zu einem »Tag der Hausmusik« ging 1932 von der deutschen Verlegerin Dagmar Sikorski aus, die hiermit dem ursprünglichen Musizieren zu Hause die ihm gebührende Anerkennung sichern und Menschen zu privatem Zusammenspiel motivieren wollte. 1954 erklärte die katholische Kirche den Namenstag der heiligen Cäcilia zum internationalen Tag der Musik. In Spanien, Südamerika und vielen anderen Ländern werden an diesem Tag Konzerte zu Ehren der Musiker gegeben. In Deutschland wird der 22. November jedoch als »Tag der Hausmusik« vor allem in den Familien gefeiert. Das hängt auch damit zusammen, dass 1975 vom Internationalen Musikrat unter der Leitung seines damaligen Präsidenten Yehudi Menuhin der 1. Oktober zum »Weltmusiktag« erklärt wurde, um Musik in allen Bevölkerungsgruppen zu fördern und eine gegenseitige Anerkennung der künstlerischen Werte sicherzustellen sowie den internationalen Erfahrungsaustausch zu fördern.

Doch damit nicht genug: Seit 2009 wurde das dritte Juni-Wochenende zum bundesweiten »Tag der Musik« erhoben. Das Ziel der Initiative des Deutschen Musikrates ist es, die große Bedeutung und den hohen Wert der Musik in Deutschland in kultur-, sozial-, bildungs- und gesellschaftspolitischer Hinsicht deutlich zu machen.

Zurück zu den Wurzeln: Schon Martin Luther sang im Kreise der Familie zur Laute. Als »Hausmusik« wird das Musizieren im häuslichen Rahmen zur musikalischen Erbauung und Unterhaltung der Ausübenden, ihrer Angehörigen oder Freunde bezeichnet.

Kammermusikwerke, die durch ihre Besetzung, leichte Spielbarkeit und intimen Charakter für solche Musikausübung besonders geeignet erscheinen, werden als Hausmusik bezeichnet, aber auch Kompositionen, die speziell für solche Anlässe geschaffen wurden.

Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte die Hausmusik zu den grundlegenden Erziehungsstandards für Töchter aus gutem Hause. Mit Erfindung und Verbreitung der Tonträger geriet diese Praxis allerdings immer mehr ins Hintertreffen, womit auch die Erfahrungen zum besseren Verständnis von Musikwerken schwanden. Instrumentalkreise und Posaunenchöre leisten einen wichtigen Beitrag, um diesem bedauerlichen Trend entgegenzusteuern.

Michael von Hintzenstern

Es gibt keinen Plan fürs Sterben

24. November 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Besuch im Hospiz Stendal zeigt: Vielfalt auch am Lebensende

Sie können anrührende und lebensbejahende Geschichten erzählen: Schwester Ramona Höppner-Nitsche, Pflegedienstleiterin im Evangelischen Hospiz Stendal, und Pfarrer Ulrich Paulsen, der die Bewohner – und bisweilen auch das Team – seelsorgerisch betreut. Schon viele Menschen haben die zwei auf ihrem letzten Weg, an ihren letzten Tagen, Wochen und Monaten begleitet und stellen fest: Es gibt keinen Plan für das Sterben. Da sind diejenigen, die »leicht sterben«, und die, die am Leben hängen – unabhängig davon, ob alt oder jung, vom Glauben getragen oder nicht. Das Sterben ist so groß in seiner Vielfalt wie das Leben in seiner Buntheit.

Im Hospiz Stendal werden die Menschen vorbehaltlos so angenommen, wie sie sind. Hier können sie ihren Rhythmus leben, die ihnen verbleibende Zeit bewusst erleben und gestalten. Sie erfahren Zuwendung, Verständnis, Geborgenheit und Respekt, äußern Wünsche, knüpfen Freundschaften und behalten ihre kostbare Selbstbestimmtheit. Die Themen Sterben und Tod stehen in dieser Gemeinschaft keineswegs im Mittelpunkt. Wichtiger sind vielen Bewohnern stattdessen beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten, bei denen durch das Miteinander das Essen plötzlich wieder schmeckt.

Margaretha Spinder (Mitte) ist seit einigen Wochen Gast im Stendaler Hospiz. Ramona Höppner-Nitsche (re.) und Pfarrer Paulsen haben stets ein offenes Ohr für sie, bei ihnen findet sie Verständnis, Beistand, Fürsorge. Fotos: Adrienne Uebbing

Margaretha Spinder (Mitte) ist seit einigen Wochen Gast im Stendaler Hospiz. Ramona Höppner-Nitsche (re.) und Pfarrer Paulsen haben stets ein offenes Ohr für sie, bei ihnen findet sie Verständnis, Beistand, Fürsorge. Foto: Adrienne Uebbing

Entscheidend für die Lebensqualität ist in den meisten Fällen zudem die professionelle Behandlung von Schmerzen, Atemnot oder Angstzuständen.

Die pro Jahr etwa 100 Gäste im Hospiz kommen aus einem Umkreis von circa 60 Kilometern und werden von 13 Pflegekräften rund um die Uhr verlässlich, professionell und »mit großer Liebe und Fürsorge«, wie Pfarrer Paul­sen betont, versorgt. Ergänzt wird das stationäre Angebot durch ein Netzwerk von 60 ehrenamtlichen ambulanten Hospizhelfern (Paulsen: »ein Geschenk des Himmels«) sowie drei Mitarbeiter für die spezialisierte ambulante palliative Versorgung (SAPV).

Die Gründe für den Einzug ins sta­tionäre Hospiz sind vielfältig: Eine junge Mutter wünschte sich zum Beispiel, dass ihre Kinder sie in der häuslichen Umgebung in »gesunder« Erinnerung behalten, weil sie ja nach ihrem Tod dort weiter wohnen werden. Ein Vater, dessen längst erwachsene Kinder weit entfernt leben und beruflich stark eingespannt sind, wollte Entlastung für sie und für sich. Manchmal sind auch die Symptome einer Krankheit so stark, dass der Patient nicht zu Hause bleiben kann, weil niemand in seinem Umfeld mehr zur Ruhe kommt und die letzte gemeinsame Zeit eine nicht zu schulternde Belastung für alle zu werden droht. Überhaupt spiele die seelische Unterstützung der Angehörigen eine wichtige Rolle in der Hospizarbeit, so Schwester Ramona.

Fotos: Adrienne Uebbing

Foto: Adrienne Uebbing

Er fällt schwer, der Schritt über die Schwelle des Hospizes, doch: »Welch ein Segen, dass es dieses Haus gibt«, bringt es ein Eintrag im Buch der Erinnerung auf der Homepage auf den Punkt. Und eine Familie schreibt darin: »Durch die große Entfernung zwischen Stendal und unserem Wohnort (…) konnten wir nicht immer bei ihm sein und trotzdem wussten wir, dass er bei euch liebevoll umsorgt wird und nicht alleine ist.«
Eine große Rolle am Lebensende spielen Träume, so Pfarrer Paulsen. Doch mitunter seien es auch nur Kleinigkeiten, die einem Schwerstkranken wichtig sind. Da gab es zum Beispiel den älteren Herrn, der zum Sterben ins Hospiz kam und dessen Herzensanliegen es war, sein Auto vor dem Haus geparkt zu wissen. Angesichts der Irrationalität dieses Wunsches stieß er bei seinen Angehörigen auf Unverständnis, aber Pfarrer Paulsen fand eine Parklücke vor dem Hospiz und der Mann starb wenige Stunden später, ruhig und mit dem Autoschlüssel in seiner Hand.

Da war das Paar, das nach vielen Jahrzehnten ohne Trauschein nun heiraten wollte. Möglichst unbemerkt sollte das geschehen, so dass Schwester Ramona den Brautstrauß in einer Tüte ins Hospiz schmuggeln musste. Und auch wenn es zunächst den Anschein hatte, als verschlafe der Bräutigam die Zeremonie, belehrte er alle durch sein kraftvolles »Ja« eines Besseren.

Nicht selten sei auch detektivisches Gespür gefragt, zum Beispiel, wenn ein Gast den Wunsch äußert, ein klärendes Gespräch, eine Versöhnung mit jemandem herbeizuführen, mit dem er sich vor Jahren heillos zerstritten hat und dessen Verbleib er nicht kennt. Da hängt sich Schwester Ramona auch schon mal stundenlang ans Telefon, macht sich auf Spurensuche und lässt nicht locker, bis sie den für den Bewohner so wichtigen Kontakt hergestellt hat und dieser Frieden schließen kann. Sie sieht glücklich aus, als sie das erzählt.

Adrienne Uebbing

www.hospiz-stendal.de

Jugend will mitbestimmen

23. November 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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Die Zukunft der Kirche geht alle Generationen an

Untersuchungen wie die Shell-Studie zeigen immer wieder: Junge Menschen haben ein großes Interesse an den Themen in Politik und Gesellschaft. Sie wollen eigene Gedanken und Argumente einbringen, sich engagieren, und sie wollen gehört werden. Das gilt in gleichem Maße für die Kirche.

Eines ist dabei für Julia Braband klar: »Wir sind die, die wir brauchen für den Fortbestand der Kirche!« Und darum will die Jugend auch mitgestalten bei der Herbstsynodentagung vom 19. bis 21. November im Landeskirchenamt in Erfurt. Die 22-jährige Theologiestudentin Braband ist seit 2012 eine von sechs Jugendsynodalen. Gemeinsam nehmen sie Einfluss auf die Synode und auch Stimmrecht im »Kirchenparlament« wahr. »In der bevorstehenden Herbstsynode wird es den Anstoß für Themen geben, die unsere Kirche in den nächsten fünf Jahren beschäftigen werden. Daran wollen wir Anteil nehmen und mitbestimmen«, so Braband. »Denn was hilft es, wenn konzeptionelle Entscheidungen getroffen werden, die die Kirche von morgen betreffen, aber mit den Jugendlichen von heute nicht besprochen werden?« Ähnlich sieht das auch Oberkirchenrätin Martina Klein vom Dezernat Bildung im Landeskirchenamt in Erfurt. »Die demografische Entwicklung in unserem Land bringt es mit sich, dass auch in der Kirche und ihren Gremien die Mitglieder immer älter werden. Wir wollen aber, gerade auch mit den Beschlüssen der Synode, den Weg der Kirche in die Zukunft gestalten. Und das kann nicht ohne die geschehen, die das Ganze betrifft.« Von den sechs Jugendsy­nodalen sind zwei stimmberechtigt; die anderen sind beratend tätig. Sie sitzen in fast jedem Gremium, das sich in den nächsten Tagen in Erfurt zusammenfinden wird.

»Diese jungen Menschen sind sehr engagiert, bringen sich ein und werden auch gehört. Ich sehe da eine große Offenheit, mit der die älteren Mitglieder der Jugend hier begegnen«, so die Dezernentin. Dennoch wünscht sie sich, den Anteil der jungen Menschen zu stärken. Ein erster Schritt dazu wurde bei der Herbstsynode 2014 gemacht. »Das damals beschlossene Kirchengesetz zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unserer Kirche hat ganz klar festgestellt, dass Jugendliche auf allen Ebenen – im Kirchenkreis, in der Synode, in der Landeskirche – mitarbeiten sollen. Dabei wurde eine eigene Struktur der Selbstvertretung geschaffen«, erläutert Klein. Das Besondere an der neuen Regelung ist, dass nicht nur Getaufte Mitglied der Evangelischen Jugend werden können. Eine Entscheidung, die nicht bei allen Synodalen auf Zustimmung stieß. »Wir haben hart darum gerungen, aber letztlich doch festgestellt, wenn es junge Menschen gibt, die sich engagieren und zeigen wollen, ich möchte dazugehören, dann soll es ihnen nicht verwehrt bleiben, nur weil sie nicht getauft und religiös sozialisiert wurden. Wir wollen die Türen aufmachen«, erklärt Martina Klein.

Julia Braband und ihre Mitstreiter beschäftigen sich im Vorfeld der Synode mit Themen wie der Flüchtlingsproblematik, Willkommenskultur in Kirche und Gesellschaft, Wiedereintritt und natürlich mit dem Ausbau der Jugendpartizipation. Dabei fühlen sich die Jugendlichen sehr stark von Landesbischöfin Ilse Junkermann unterstützt. »Zwischen der Landesbischöfin und uns besteht ein großes Vertrauensverhältnis. Sie ist sehr daran interessiert, wie wir jungen Menschen die Dinge sehen und wie wir verschiedene Entwicklungen angehen möchten. Vor der Synode treffen wir uns, um die für uns wichtigen Punkte schon einmal anzusprechen«, berichtet die Theologiestudentin.

Für die Stellung der Jugend in der Kirche sei es unverzichtbar, dass der Bischof oder die Bischöfin diese unterstützt. Das stärke ihre Position. Zudem sei man im Landeskirchenrat gut aufgestellt. »Im Lutherischen Weltbund aber gibt es 20 Prozent Jugendpartizipation. Da wollen wir noch hin«, sagt Julia Braband.

Diana Steinbauer

Zum Auftakt der Landessynode der EKM am 19. November in Erfurt trägt Landesbischöfin Ilse Junkermann ihren Bericht vor. Weitere Schwerpunkte der Tagung bis 21. November sind der Haushaltsplan für 2016, ein Wort der EKM zu einer weltoffenen Gesellschaft und die Evaluation des Pachtvergabe-Verfahrens.

www.ekmd.de


Gebet ist Fernwärme von innen

23. November 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

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Zeugnis: Die Ewigkeit mehr in unser Heute einbinden und die gute Botschaft weitergeben

Der IS-Terror versetzt die westliche Welt in Angst und Schrecken. Der Versuch einer geistlichen Einordnung.

Was sind das für Wochen! Die Geschehnisse haben mich nach rationaler Aufnahme nun auch emotional erreicht.

Viele Jahrzehnte konnte ich in den verschiedensten Missionen um die Welt jetten. Dabei Menschen, Lebensweisen, Musik, Religionen und Kulturstätten zu studieren, war das größte Erlebnis. Doch eine große Zahl des (Welt-)Kultur-Erbes besteht nicht mehr. Kann man Geschichte zerstören? Sie lebt in Büchern – in gedruckter wie digitaler Form – weiter; das wird niemand auslöschen können. Die Frage stellt sich, ob man aus dem Geschehenen etwas lernt. Salomo schreibt im Buch Prediger: »Was geschehen ist, wird wieder sein. Was man getan hat, wird man später wieder tun. Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Man gedenkt derer nicht, die früher gewesen sind, und derer, die hernach kommen … es geschieht nichts Neues unter der Sonne.« – Ich befürchte, er behält recht.

Doch was sind die Vernichtungen materieller Güter gegen die Taten, die gegen Menschen gerichtet sind? Schreckliche Bilder der Hinrichtungen von Christen gehen um die Welt, und man blickt wie paralysiert auf die Fernsehschirme, Tablets oder Smartphones. Nahezu zeitnah ist man dabei und findet keine Worte. Christenverfolgungen gab es schon immer – doch noch nie in dieser Dimension. Der stillte Trost kommt in mir hoch, dass die grausam Ermordeten in der Ewigkeit sind. Die Freude darüber sollte überwiegen, doch die Traurigkeit hält stark dagegen. »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden«, tröstet Jesus und zeigt auf, wie sehr sein Leben und Wirken für die Menschheit ewigkeitsbezogen war. »Wer an mich glaubt, der wird leben –
und ob er gleich stürbe«, sagt Jesus.

Das Wochenende in Paris hat gezeigt: Mittlerweile geht es nicht nur mehr um Christen, sondern gegen alle, die anderen Glaubens sind als die Täter selbst. Mensch gegen Mensch, die Werte schwinden. Was können wir dem bloß entgegensetzen? Wir dürfen die Dinge dieser Welt mit beeinflussender Wirkung vor Gott bringen. Das, was wir Gläubigen mitbekommen haben, um Geschehnissen eine andere Richtung zu geben, liegt in den Patellen (Kniescheiben). »Betet, dass es nicht im Winter geschieht«, sagt Jesus, als er die Endzeit beschreibt. Das heißt, wir können Dinge bewirken! Ernsthaftes Gebet ist immer auch Fernwärme für Menschen, die frieren. Innerlich wie auch äußerlich. Zum Beispiel auch für die, die an unseren Grenzen gerade auf ein besseres Leben hoffen.

Ich bin noch nicht da, wo ich einmal sein möchte, nämlich in der himmlischen Gemeinschaft mit Christus. Aber ich bin auch nicht mehr da, wo ich einmal war. Geprägt von all den vielen Jahren »ohne Gott« in Politik, Wirtschaft und Showbusiness, lebe ich im Heute und darf das Gelernte nun mit einbringen, um Menschen mit der guten Botschaft bekannt zu machen. Wie wunderbar, wenn all unser Schaffen und Reden täglich mehr mit dem Gedanken des Ewigkeitswertes behaftet wäre!

Waldemar Grab

Foto: Wilhelm Georg Adelberger

Foto: Wilhelm Georg Adelberger

Der Autor Waldemar Grab
Waldemar Grab ist Journalist. Von 1976 bis 1982 war er Chef-steward der Kanzlermaschine von Helmut Schmidt, Redenschreiber für Politiker und Wirtschaftsmanager. Der Hobby-Pianist wurde von TV-Produzent Wolfgang Rademann in einer Hotelbar entdeckt und ging 1998 als Showpianist auf das ZDF-Traumschiff »MS Deutschland«. Über das Lesen eines Neuen Testamentes in der Schublade seiner Luxuskabine kam er 2002 zum Glauben an Christus, besuchte eine Bibelschule und gründete 2006 den Verein »Missionswerk Hoffnungsträger«. Auf Haiti baut er derzeit mit Partnern ein Kinderdorf auf und ist mit rund 200 Veranstaltungen pro Jahr auf Konzert-, Vortrags- und Predigttour in Deutschland unterwegs.

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