Anders kaufen in Eisenach

13. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Das Sozialkaufhaus »AkiE« versorgt Eisenacher mit allem, was zum Haushalt gehört

Inge Werner steht an der Kasse und packt ihre Ware ein: Gardinen, ein paar Lesehefte und Hörbücher. »Ich finde immer etwas«, sagt sie und ergänzt: »Bevor ich woanders hingehe, schaue ich erst hier.« Hier, das ist im Eisenacher Sozialkaufhaus »AkiE« – »Anders kaufen in Eisenach«. Der Name ist Programm: Für wenig Geld wird Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit gegeben, alle wichtigen Haushaltsgegenstände zu erwerben.

Auf einem Kleiderständer vor dem Eingang hängen Blusen und Mäntel. Im Vorraum des Ladens stehen große Schränke mit der Aufschrift »Zu verschenken«. So weit das Auge reicht, sind im riesigen Verkaufsraum Schränke und Schrankwände zu sehen. Dazwischen stehen Polstergarnituren, Tische, Stühle und Vitrinen; bestückt mit Geschirr, Vasen oder Deko-Artikeln. Im hinteren Bereich gibt es Regale mit zahlreichen Büchern, daneben Spielsachen und alles, was Kinder und Familien gut gebrauchen können. Vor der Kasse befindet sich die große Bekleidungsabteilung.

Von Anfang an dabei: Ute Tobisch (links) hat im Eisenacher Sozialkaufhaus schon so manches Schicksal ihrer Kunden kennengelernt – und so mancher materiellen Not abhelfen können. – Foto: Mirjam Petermann

Von Anfang an dabei: Ute Tobisch (links) hat im Eisenacher Sozialkaufhaus schon so manches Schicksal ihrer Kunden kennengelernt – und so mancher materiellen Not abhelfen können. – Foto: Mirjam Petermann

Wie in jedem Geschäft schauen die Kunden auch hier einfach mal vorbei oder kaufen ganz gezielt ein. Sie alle eint, dass sie nicht viel haben. »Wir achten darauf, dass die, die hier einkaufen, Bedürftige sind«, sagt die Leiterin des Sozialkaufhauses Ute Tobisch. Das müssten nicht immer Hartz-IV-Empfänger sein, betont sie: »Oft kommen auch Studenten hierher, die nur vorübergehend in der Stadt sind. Wenn sie nach dem Studium wieder wegziehen, spenden sie uns ihre Einrichtung auch zurück.«

Im Oktober 2005 öffnete das Sozialkaufhaus der Diako Westthüringen erstmals in der Eisenacher Jacobstraße seine Türen. Nach zeitweise drei Filialen und einem Außenlager gibt es heute nur noch den Standort in der August-Rudloff-Straße. In der Zugehörigkeit zu einem gemeinnützigen Träger sieht Leiterin Tobisch einen entscheidenden Vorteil: »Viele erzählen uns, dass sie einmal von der Diako Hilfe erhalten haben, beispielsweise bei der Pflege von Angehörigen. Sie erinnern sich dann etwa bei einer Haushaltsauflösung an uns.«

Das Sozialkaufhaus feierte im vergangenen Oktober sein zehnjähriges Bestehen. Ute Tobisch ist von Anfang an dabei. In der Zeit ist sie vielen Menschen begegnet, hat viele Schicksale kennengelernt. »Wenn wir Menschen, denen es besonders schlecht geht, helfen können, ist das schön«, sagt sie. Etwa der alleinerziehenden Mutter, deren Kind das Bett kaputt gesprungen hat. Ein neues konnte sie sich nicht leisten, im Sozialkaufhaus wurde sie fündig.

In den zehn Jahren ist kein Tag ohne Spende an das »AkiE« vergangen. Kleine Artikel werden von den Spendern persönlich vorbeigebracht. Bei Möbeln, Küchen oder Elektrogeräten organisieren die Mitarbeiter den Abbau, Transport und das Aufbauen im Kaufhaus. Vorher muss alles dem kritischen Blick von Ute Tobisch standhalten. Sie prüft die Ware vor Ort auf ihre Tauglichkeit: »Wir nehmen nur Dinge, die wir auch direkt wieder verkaufen können. Kosten für Reparaturen oder Entsorgungen können wir uns nicht erlauben«, sagt sie. Die Einnahmen werden zur Deckung der Kosten für Miete, Verwaltung, Transporte oder Mitarbeiter genutzt.

Ute Tobisch ist derzeit die einzige Festangestellte. Unterstützt wird sie von ehrenamtlichen Helfern und Angestellten aus den Werkstätten der Diako. Sie helfen auch, wenn die Kunden nach etwas Bestimmten auf der Suche sind. Denn dann verspricht Ute Tobisch die Augen offenzuhalten.

Mirjam Petermann

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