Angekündigt und doch überraschend: Das Licht ist an

16. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Über dir geht auf der Herr,
und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60, Vers 2

Stell dir einmal vor, alle Welt feiert Silvester, Beginn des neuen Jahres und du kannst nicht mitfeiern. Es gibt so Einiges, was du an diesem Tag hättest machen können. In den Urlaub fahren, mit den Nachbarn und einem Glas Sekt das neue Jahr begrüßen oder am Fernseher das Spektakel in Berlin beobachten. Es kam anders. Nun gibt es gewichtige Gründe, die dich hindern, diesen Tag nach deinen Wünschen zu gestalten. Dir bleibt nur, es hinzunehmen. Nicht zu verzweifeln. Und vielleicht irgendwann einen Sinn darin zu sehen, dass es so gekommen ist.

Kathrin Hollax, Vikarin in Großkorbetha

Kathrin Hollax, Vikarin in Großkorbetha

Zuweilen passiert es ohne Ankündigung. Pläne werden plötzlich durchkreuzt, lang ersehnte Träume zerplatzen. Du wirst zum Zuschauer deines Lebens. Dabei solltest du der Hauptakteur sein. Die Kulissen auf der Bühne werfen immer größere Schatten auf das Schauspiel, was dein Leben ist. Es wird dunkler auf der Lebensbühne. Du kannst nur zusehen. Dann versuchst du dich zurechtzufinden im Dunkeln. Leicht stolpernd findest du einen Platz im Zuschauerraum.

Stell dir also vor, die Silvesterraketen beobachtest du von drinnen. Das Fenster ist so groß, dass du die ganze Stadt überblicken kannst. Der Himmel leuchtet. Und im Glas spiegeln sich die Postkarten, die auf dem Fensterbrett liegen. Dumpfe Töne dringen von draußen zu dir. Du hörst wie die Menschen vor dem Fenster das neue Jahr knallend und grölend begrüßen. Du kannst nur zusehen. Doch mit jeder Rakete sammelt sich mehr Nebel vor dem Fenster. Die bunten Farben am Nachthimmel werden zu einem undurchsichtigen, undurchdringlichen Dunst.

Dann geht dein Blick zu der Postkarte, die du jetzt fest in der Hand hältst. Kleine Lichtstrahlen, die durch die Tür scheinen, lassen die Worte erahnen, die du schon auswendig kennst. Du liest sie immer wieder: In Gedanken bin ich bei dir. Versunken in den Worten, die dich anrühren, spürst du wie jemand deine Hand nimmt. Hand in Hand geht ihr gemeinsam die Stufen zur Bühne hinauf. Da erst bemerkst du, dass der Scheinwerfer schon längst wieder die Bühne erhellt.

Kathrin Hollax

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!