2017 – und dann?

17. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Wer hätte das gedacht? Bei der Eröffnung der Reformationsdekade 2008 hat sich mancher gefragt, wie dass wohl gehen soll – zehn Jahre lang Luther und Co. Und nun? Das Reformationsjubiläum ist so gut wie gelaufen. Schon im Herbst wird der Endspurt eingeläutet. Was bis jetzt nicht in die Gänge kam, daraus wird nun auch nichts mehr. Geworden ist allerdings erstaunlich viel. Vor allem: Die Reformation und was damit zusammenhängt ist auf vielfältige Weise zum Gesprächsstoff geworden. Nicht nur in der Kirche, sondern in der ganzen Gesellschaft.

Doch langsam wird es Zeit, an das »danach« zu denken. Das gilt nicht nur für die mittlerweile kaum noch zählbaren »Lutherbeauftragten« in den Koordinierungsbüros bei Staat, EKD, Landesregierungen und Landeskirchen bis hinab zu Kirchenkreisen und Gemeinden. Was wird bleiben von den vielen Impulsen, Forschungsergebnissen, Aktionen und Anstrengungen? Wird dann nahtlos nach dem nächsten Event Ausschau gehalten um die Maschinerie am Laufen zu halten, obwohl schon jetzt bei manchen Beteiligten das Kräftereservoir zu Ende geht? Wie kann es gelingen, dass das Jubiläum wirklich nachhaltig bleibt? Das sind die Fragen, die jetzt im Raum stehen.

In Vorbereitung auf die 200. Wiederkehr der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurden 2006 zwischen Weimar und Jena mit viel Fördermitteln eine Menge Wanderwege auf und zu den alten Schlachtfeldern angelegt. Ein Weg führte auch durch ein kleines Wäldchen vor den Toren Weimars. Das entsprechende Hinweisschild stürzte vor ein oder zwei Jahren sang- und klanglos um. Heute steht an nahezu gleicher Stelle ein Wegweiser des Lutherweges. Mal sehen, wie lang.

Harald Krille

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Reaktionen unserer Leser

3 Lesermeinungen zu “2017 – und dann?”
  1. Michael Weiland sagt:

    Ich kann mich dem pointierten Kommentar von Herrn Krille nur anschließen. Es ist wohl naiv zu glauben, mit den Bauprojekten und Kirchentagen, mit Projektstellen und Festgottesdiensten zum Reformationsjubiläum würde die Kirche neue Mitglieder gewinnen. Ich denke, dafür müsste sie mehr bieten als bunte Events.
    Ich möchte an das Interview mit Ronald Jost vom Nov. 2014 erinnern. Es ist unter http://www.glaube-und-heimat.de noch abrufbar. Jost hatte damals eine Reformation der beamtenlastigen Kirchenstrukturen angemahnt. Im wochenlangen Leserforum wurden Josts Forderungen von den Pfarrern verspottet, von den Laien einhellig unterstützt. Diese Kluft hat die Beobachtungen des Kritikers bestätigt. Ich möchte die Pfarrerinnen und Pfarrer, vor allem die in leitender Position, und die vielen Verwaltungsbeamten und -mitarbeiter erinnern, dass sie Diener Gottes und nicht ihrer eigenen Interessen sind. Sie sind für die Menschen und die Gemeinden (vor allem die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter) da und nicht umgekehrt. Das Reformationsgedenken wäre eine gute Gelegenheit, dass die Leitung der ev. Kirche endlich aufhört, immer nur von anderen Kirchen Veränderungen zu fordern. Wir haben genug vor unserer Tür zu kehren. Deshalb bitte ich alle Synodale, sich das Interview mit Herrn Jost noch einmal durchzulesen und nach Abschluss der Jubiläumsfeiern sich endlich an Verbesserungen ranzumachen. Ich denke vor allem an die zu großen Strukturen und die fehlende spirituelle Kraft. Vor lauter Verwaltungsarbeit in den Gemeinden geht sie oftmals verloren. Und ich möchte noch einmal erinnern: die Synodalen haben die Macht. Sie beauftragen die Verwaltung etwas zu tun, nicht umgekehrt!

  2. Zitat: „Es ist wohl naiv zu glauben, mit den Bauprojekten und Kirchentagen, mit Projektstellen und Festgottesdiensten zum Reformationsjubiläum würde die Kirche neue Mitglieder gewinnen.“

    Lieber Herr Weiland! Danke für Ihren Beitrag. Ich stimme Ihnen zu – und setze noch eins drauf! Es ist nicht nur naiv, sondern es ist tatsächlich so. Viele Brüder und Schwestern, die darin sogar ernst genommen werden möchten, glauben zwar im Innersten auch nicht wirklich, dass der Rummel um Luther und die Reformation etwas herausreißt, aber sie tun zumindest doch oft so, als ob eine gewisse Albernheit im Erfinden von Projekten Index der Wahrheit wäre. Neue Projekte ersinnen, evaluieren und dann für best practice belanglose Preise kassieren. Was das für Kräfte bindet … Etwa so: Es kommt keiner mehr zur Liturgie? Es liest keiner mehr in der Bibel? Es beschäftigt sich keiner mit den Bekenntnisschriften? Also drehen wir den Spieß um – höchste Zeit in dieser ernsten Lage alberner zu werden, immer noch ein Stückchen alberner. Die Albernheit wird zum Index der Ernsthaftigkeit. Mit kribbelbunten Projekten bedroht man sich gegenseitig: „Du wagst es fernzubleiben? Dann hast du wohl nicht verstanden, was dir grade eben entgeht. Pech für dich! Bedenke – was würde Helge Schneider dazu sagen!“

    Es geht bei dem immer höher sich aufschaukelnden Affentanz 2017 auch gar nicht um die Gewinnung neuer Mitglieder, auch nicht um die Pflege der alten. Es geht bei all dem um Fördermittel akquirierende Inszenierungen bisher im Raum der Kirche unbekannter neuer Reize, mit deren Hilfe das, was als christliche Botschaft nicht mehr klar erkennbar war, mit eigener Kreativität verfremdet, in brüsken Erfindungen verschleiert, bizzar gegendert und abenteuerlich verzerrt für kurze Zeit an den Himmel zu ballern, wo der Kram mit Knall und Farben Staunen erregend zerplatzen soll. Am Ende bleiben die ausgebrannten Papphülsen liegen und die umgestürzten Hinweisschilder (siehe Beitrag von Herrn Krille). Bleiben werden aber auch die inhaltlich und fachlich sehr lesenswerten Verlautbarungen aus dem Kirchenamt der EKD (keine Satire!). Die Albernheit ist der Index der Wahrheit in der absurden Welt. Was kann man tun?
    Dagegen, wie immer, sowieso nichts. Man sollte sich ja sowieso immer gründlich überlegen, ob man sich selbst entartende Fehlentwicklungen unterstützt, ob man selber mitmacht oder sich unter Druck setzen lässt. Man kann eigentlich ganz ruhig bleiben. Aber man kann schon etwas für 2017 tun. Die Kirchengebäude verlässlich offen halten, falls sie es nicht schon sind, dieselben sauber machen, die Kerzen grade stellen und die Altardecken waschen. Frische Blumen auf den Altar und an die Taufe stellen. Und die Anzahl der Kreuze und Kruzifixe pro Dorfkirche auf die liturgisch sinnvolle Zahl EINS reduzieren. Was noch? Psalmen singen und Psalmtöne üben, üben auf das Wort der Schrift zu hören, indem man es dem eigenen Nachdenken aussetzt. Lauter schöne Sachen. Und deshalb – nicht erst nach 2017.

  3. … von noch ganz anderer Seite aus und mit einem gewagten Ausblick auf das Lutherjahr 2117 ist die interessante und unerschöpflich reiche Thematik des Reformationsjubiläums u.a. auch auf “GlaubeAlsHeimat” verhandelt worden und kann dort diskutiert werden:
    https://glaubealsheimat.wordpress.com/2015/10/07/luther-2017-plus/

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