Kirche auf dem Weg

19. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

500 Jahre Reformation: Neben Berlin und Wittenberg sind regionale Kirchentage geplant, wie einst im Lutherjahr 1983


Das Reformationsjubiläum startet bereits in diesem Jahr. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und die Evangelische Landeskirche Anhalts stehen vor großen Herausforderungen.

Im Blick auf die vielen, zentralen, großen Veranstaltungen 2017 ein denkwürdiges Lutherwort: »Solche Wallfahrten (sind) nicht vonnöten. Warum vernachlässigt man denn daheim den eigenen Pfarrer, Gottes Wort, Weib und Kind usw., die nötig und geboten sind, und läuft den unnötigen, unsicheren, schädlichen Teufelsirrwischen nach?« Auf der anderen Seite betont Martin Luther: »Christus will, dass die christliche Botschaft frei in der Welt öffentlich verkündigt werde und herrsche. Christus hat gesagt: Gehet hin in alle Welt, nicht aber: Gehet hierhin, dorthin aber nicht… Kann es aber nicht in einer Kirche geschehen, so geschehe es auf einem freien Platz unter dem Himmel, aber doch so, dass es eine ordentliche, allgemeine, öffentliche Versammlung sei.« Beides gehört also zusammen: Der eigene Glaube und die Gemeinschaft der Glaubenden, die Versammlung vor Ort und die allgemeine öffentliche Versammlung zur Stärkung des Glaubens und der Verkündigung.

Impressionen vom regionalen Kirchentag in Wittenberg vor 33 Jahren. Eine spektakuläre Aktion: Auf dem historischen Lutherhof schmiedete Stefan Nau vor rund 2 000 Zuschauern ein Schwert zu einer Pflugschar um (Mitte). – Foto: Archiv und epd-bild/Bernd Bohm

Impressionen vom regionalen Kirchentag in Wittenberg vor 33 Jahren. Eine spektakuläre Aktion: Auf dem historischen Lutherhof schmiedete Stefan Nau vor rund 2000 Zuschauern ein Schwert zu einer Pflugschar um (Mitte). – Foto: Archiv und epd-bild/Bernd Bohm

So war es für viele in der EKM ganz klar: Kirchentag 2017 kann sich nicht nur an einem besonderen Ort in Berlin oder Wittenberg ereignen, sondern die vielen Orte in unserer Kirche sind wichtig. Auf der anderen Seite können aber auch nicht die einzelnen Orte oder Regionen für sich allein bleiben, sondern in gemeinsamen größeren Versammlungen soll deutlich werden: Hier ist Kirche auf dem Weg.

Bei der Idee für die »Kirchentage auf dem Weg« ging es vordergründig natürlich um die vielen Menschen, die 2017 auf dem Weg zum gemeinsamen großen Gottesdienst am 28. Mai in Wittenberg sind. Wenn schon Menschen aus Deutschland und aller Welt zum Kirchentag kommen, dann sollen sie Station machen können, dann sollen sie etwas sehen und erleben von »Luthers Land«. Es geht aber um viel mehr: Im Hintergrund stehen die Erfahrungen der Kirchentage 1983 unter dem Thema »Vertrauen wagen«. Sieben Kirchentage waren es damals!

Heute zeigt sich die junge EKM in fünf Kirchentagen als Kirche auf dem Weg. »Du siehst mich« steht über dem Kirchentag Berlin-Wittenberg und über den Kirchentagen auf dem Weg. Jeder Kirchentag entwickelt dann aber sein eigenes regionales Profil, seine eigenen Fragestellungen. Ich kann hier nur weniges aus den Planungen andeuten: So soll es in der oft zerstörten Medienstadt Magdeburg um den Frieden gehen und um die Rolle der Medien. In Erfurt wird auf das unverzichtbare Gespräch mit den Jüdischen Geschwistern, die enge ökumenische Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und auf den Schatz gemeinsamer Traditionen der Hinwendung zu Gott hingewiesen. In Weimar und Jena wird mit Gretchen gefragt: »Wie hältst du’s mit der Religion?« Es wird das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft, Glaube und Kultur beleuchtet. Und in Halle und Eisleben sollen das Gotteslob und die Feier des Glaubens gerade mit dem Blick auf die sozial Schwachen und den Fragen einer säkularen Gesellschaft verbunden werden. Dazu kommen 2017 unzählige Veranstaltungen an vielen Orten. »Kirchentage auf dem Weg« werden ein repräsentativer Teil unserer großen Kirche sein. So wäre es gut, wenn sich viele Gemeinden und Kirchenkreise mit ihren Menschen und Ideen bei den Kirchentagen auf dem Weg einbringen. Meine Hoffnung ist, dass sich die EKM 2017 als Kirche auf dem Weg zeigt, als eine Kirche, die dem Herrn den Weg bereitet und damit auf dem Weg des Glaubens und der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung ist. Und dass sie als ökumenisch orientierte und gesellschaftlich offene Kirche mit anderen auf dem Weg ist. So weisen die »Kirchentage auf dem Weg« nicht nur den Weg zum Abschlussgottesdienst nach Wittenberg, sondern sie weisen viel weiter in die Zukunft.

Siegfried T. Kasparick

Der Autor ist Propst in Wittenberg und Beauftragter der Landesbischöfin für Reformation und Ökumene.

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