Im Lutherland ist viel zu tun

21. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Reformationsjahr: »Kirchentage auf dem Weg« in der mitteldeutschen Landeskirche


Man hat sich viel vorgenommen. Kulturelle, spirituelle und touristische Stationen auf dem Weg zum gemeinsamen Festgottesdienst am 28. Mai 2017 in Wittenberg sind auf regionaler Ebene geplant.

Ein wenig fühlt sich Diakon Matthias Sengewald an 1983 erinnert. Zu Martin Luthers 500. Geburtstag gab es in der DDR übers Jahr verteilt regionale Kirchentage in Dresden, Erfurt, Eisleben, Frankfurt, Magdeburg, Rostock und Wittenberg. »Vertrauen wagen« lautete damals die Losung. 34 Jahre später, zum 500. Jubiläum der Reformation, soll es ähnlich sein – und doch ganz anders. Sechs »Kirchentage auf dem Weg« sind parallel vom 25. bis zum 27. Mai 2017 in acht Städten geplant: im sächsischen Leipzig, in Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar und Halle/Eisleben in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie im anhaltischen Dessau-Roßlau. Sie alle sind kulturelle, spirituelle und touristische Stationen auf dem Weg zum gemeinsamen Festgottesdienst am 28. Mai 2017 in Wittenberg. Zudem gibt es den Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg.

mitteldt-03-2016»Eine Herausforderung liegt darin, dass wir in den Städten Programme anbieten, die nicht konkurrieren, sondern unterschiedliche Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen erreichen«, so Matthias Sengewald, Vorsitzender des Landesausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Mitteldeutschland. Das Gremium ging Ende 2014 aus der Fusion der Landesausschüsse für Thüringen und Sachsen-Anhalt hervor. Jede Kirchentagsstadt hat ein eigenes Motto, setzt eigene Schwerpunkte: Halle als ein Predigtort Martin Luthers und Sitz seines Gegenspielers Kardinal Albrecht; Eisleben als Geburts- und Sterbeort des Reformators; Magdeburg als Kommunikationszentrale des neuen Glaubens, wofür die Stadt 1631 mit ihrer Zerstörung bezahlen musste. Jena und Weimar stellen die Gretchenfrage aus Goethes »Faust« in den Mittelpunkt. Erfurt thematisiert Luthers Weg vom Jurastudenten zum Mönch und Theologen sowie die Ökumene. Die Bachstadt Leipzig (in der Landeskirche Sachsens) widmet sich der Disputation zwischen Martin Luther und Johannes Eck von 1519 und der evangelischen Kirchenmusik. Dessau-Roßlau schlägt den Bogen vom jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn bis in die Gegenwart.

Die Mitglieder des EKM-Landesausschusses sehen die Kirchentage als große Chance für die Region, Menschen aus aller Welt zu erreichen, die sonst nicht erreicht würden. Aber 2017 ist auch Herausforderung. Denn die Kraft der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Kirchengemeinden in der Region ist begrenzt. In Jena, wo bereits 2013 der 2. Mitteldeutsche Kirchentag mit großem ehrenamtlichen Einsatz durchgeführt wurde, hält sich die Euphorie noch in Grenzen. Super­intendent Sebastian Neuß ist zuversichtlich: »Nachdem Kulturakteure und die Universität ihre Mitarbeit angekündigt haben, verteilt sich die Last auf mehreren Schultern. Wir wollen einen würdigen und herzlichen Kirchentag in Weimar und Jena.« »Ohne Hilfe von außen geht es nicht«, sagt auch Matthias Sengewald. Die Konferenz der Landesausschüsse des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) habe signalisiert, die »Kirchentage auf dem Weg« zu unterstützen. Auch Partnergemeinden aus den jeweiligen Städten seien um Mithilfe gebeten worden. Wie viele Mitarbeitende es am Ende sein werden, kann Matthias Sengewald nicht beziffern. »Denn das mischt sich, weil Kirchentagsbesucher zugleich Helfer sein können.« Die EKM jedoch sei die Landeskirche, die im Jubiläumsjahr 2017 die meisten Kirchentage ausrichten werde. Auch Sebastian Neuß ist dankbar für die Aufmerksamkeit, die die Kirchentage auf die Region lenken. Und er wendet ein: »Die Zeit der Koordinierung ist vorbei, jetzt muss die Arbeit passieren.«

Angela Stoye

https://r2017.org/kirchentage-auf-dem-weg

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