Staunen und Zweifeln

23. Januar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Lobpreis ist Geschmackssache. Das Lob Gottes kann auf unterschiedliche Weise geschehen, »mit Herzen, Mund und Händen«. Ad libitum, nach Belieben. Ich gebe zu, wenn der moderne Lobpreis-Kehrreim nicht mehr enden will, dann nervt mich das sehr schnell. Da lobe ich mir die Choräle, die Anfang und Schluss haben. Aber so ist das eben mit den Geschmäckern und der Vielfalt.

2003 stand die evangelikale Veranstaltung »ProChrist« unter dem Motto: Unglaublich – zweifeln und staunen. Hauptredner, wie schon in den Jahren zuvor und danach, Pfarrer Ulrich Parzany. Ich staune. Parzany hat sich jüngst zum Bewahrer des rechten Bibelverständnisses aufgeschwungen. Dabei geht er nicht nur die evangelischen Kirchen an, sondern fährt auch dem Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, über den Mund. Der hatte in einem Zeitungsinterview eine selbstkritische Reflexion angemahnt und liberalere Positionen für bedenkenswert erachtet.

Gerade die Gebetswoche steht nach Aussage der Evangelischen Allianz für die Einheit in Vielfalt. Christliche Kirchen unterschiedlicher Prägung beteiligen sich daran. Auch Parzany war einst Teil dieser Bewegung. War, denn jetzt will er Gleichgesinnte im »Netzwerk Bibel und Bekenntnis« vereinen. Ich zweifle. Ist es das, was wir jetzt brauchen? An der Gemeindebasis erlebe ich anderes. Beim Abschlussgottesdienst der Allianzgebetswoche in der Weimarhalle feiern und beten Christen evangelischer und katholischer Kirchengemeinden, der Freikirchen und der russisch-orthodoxen Kirche gemeinsam trotz aller Unterschiede. Das wirkt ansteckend. Und am Ende reißt mich sogar der Lobpreis vom Sitz, passend zum Motto: »Das muss gefeiert werden.«

Willi Wild

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.