Die Reise nach Jerusalem

6. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Lukas 18, Vers 31

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem. Was muss ich sehen, um hinauf zu gehen? Reicht nicht, gehen? Muss ich sehen, um zu verstehen? Das bekannte Gruppenspiel »Die Reise nach Jerusalem« war schon in Kindertagen nicht unbedingt mein Favorit. Hier half vor allem Durchsetzungsvermögen und Ellenbogenmentalität. Einer nach dem anderen verlor seinen Anspruch auf Geborgenheit und Sitzplatz, – ein organisierter Streit um Heimatrecht und Bloßstellung der Nichtdazugehörigen. Am Ende blieb nur einer übrig. Der einsame Gewinner. Ach, Jerusalem, Findelkind Gottes, Tochter Zion, zukünftige Braut, wie viel Gewinner und Verlierer hast du schon gesehen? Wie viele Tränen, wie viel Blut der Schöpfung sind schon über Dich gekommen? Juden, Christen, Muslime haben ihren Kompass nach dir ausgerichtet. Mitten drin, Gott selbst, in Jesus aus Nazareth.

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem. Eine alte Route auf der Du uns, Jesus, an die Hand nimmst, mit Blick für das Verlorene und wieder zu Findende. Ein Weg, der uns zeigt, was uns geschenkt und anvertraut ist, uns lehrt und mahnt und von den letzten Dingen spricht. Ein Weg, auf dem Du alle Niederungen menschlicher Gewalt erleidest, durch Schmerz und Tod gehen musst, um Gottes Willen. Dein Weg. So schreiben die Propheten auch vom Menschensohn, dem (guten) Hirten. Dieser Weg lässt uns nicht unberührt. Deine Tränen, Jesus, über Jerusalem, nehmen uns in Verantwortung für die Versöhnung und den Frieden für die Heilige Stadt, die ohne den Frieden in der Welt nicht sein werden. Du hast uns hineingenommen in die Reise nach Jerusalem, – bist unser Reiseleiter. Und darum wissen wir, sie geht gut aus, die Reise. Ein neuer Spielplan ist gegeben. Der fehlende Platz ist nicht vorprogrammiert.

Wir kommen mit Jesus Hilfe an, und es wird himmlisch werden, wenn wir uns denn einander sehend, auf den Weg machen, nach Jerusalem.

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

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