Amen. Und Helau!

7. Februar 2016 von redaktionguh  
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Fastnacht: Vor dem Fasten wird ausgelassen und fröhlich gefeiert. Der Karneval hat für viele Menschen eine Ventilfunktion


Humor und christliche Botschaft schließen einander nicht aus. Aus mancher Kanzel wird in der Faschingszeit sogar eine »Bütt«.

Wie hier im Wasunger Bürgerhaus »Zum Paradies« feiern vielerorts Menschen Fasching. Aschermittwoch folgt die Fastenpredigt (mehr auf Seite 6). Foto: Harald Krille

Wie hier im Wasunger Bürgerhaus »Zum Paradies« feiern vielerorts Menschen Fasching. Aschermittwoch folgt die Fastenpredigt (mehr auf Seite 6). Foto: Harald Krille

Also lautet der Beschluss,
dass man Fasching feiern muss.
Auf Märkten, Straßen oder Plätzen
wollen Menschen sich ergötzen,
nicht allein in Gasthaussälen
hört man frohe Lieder grölen,
sondern selbst im Kirchgebäude
trifft sich heut die frohe Meute.
Dass dies mit Verstand geschah,
dafür war die Pastorin da.
Nun so setze ich den Hute
auf mein Haupt und leg zugute,
dass es ja nicht schaden kann,
wenn der Mensch sich freut alsdann.
Und so mach ich euch den Narren,
spanne mich noch vor den Karren.
Ach, was ist das ein Genuss,
wenn es dann zum guten Schluss
noch die Weisheit soll verwürzen
mit Humor – und in der Kürzen,
wenn der Bibel Wort sich heute
reimend zeigt zu aller Freude.
Jedoch muss ich doch mal fragen:
War das nicht in frühern Tagen
in der Kirche sehr verpönt?
Solches war man nicht gewöhnt –
dass die Christen feiern, lachen!
Mummenschanz und solche Sachen
trieb man aus der Kirche aus,
waren manchem Pfarrer Graus.

Meine Eltern mussten schwitzen,
Faschingsdienstag hieß es sitzen
über Psalmen, Liedern, Texten,
Fasching könnte sie verhexen.
Und so schob der Pfarrer Chor
hierfür einen Riegel vor.
Um die Jugend zu beschützen,
sagten sie sich, soll das nützen.
Tanzen, lachen und betrinken
sehen Christen nur von hinten.
Fromm und fleißig lernt wer hier
in der Kirche sein Revier.
Wer getauft und konfirmiert,
in der Kirche gut geführt,
geht nicht um als so ein Jeck –
solches ist des Pfarrers Schreck.
Nun so mussten sie es eben
heimlich tun und ohne Segen.
Lachend, immer wieder lachend
und nur frohe Sachen machend,
fröhlich Lieder tirilierend,
Melodien applaudierend,
nie mit grieslichem Gesicht
nur nicht weinen – nur das nicht.
So, sagt heute mancher Held,
zeigt ein Christ sich in der Welt.
Christen sind erlöste Wesen.
Und soll die ganze Welt genesen,
wird ein Christ nun immer heiter
gut gelaunt die Himmelsleiter
hinauf und auch hinunterschwingen,
stets was Fröhliches vollbringen.
Ist das Leben noch so verquer,
muss auch mal ein Lachen her.
Christsein wäre gar nicht schwer,
Machs doch wie Balou der Bär!

Etzo frage ich mich heute:
Sind wir Christen alles Leute
mit nem fröhlichen Gesicht?
Immer fröhlich auch das nicht!
Zwang treibt den Frohsinn schneller
als du glaubst tief in den Keller.
Nicht nur traurig oder fröhlich,
nicht nur weinen oder selig.
Christsein kennt auch andere Seiten,
lässt die Zwischentöne bleiben.
Christen müssen gar nicht sein,
wie der Mensch sich redet ein.
»Sie als Christ, Sie müssten doch.«
Frau Pastorin eher noch,
und der Pfarrer forsch voran,
was ein Mensch kaum können kann:
Müssten immer freundlich grüßen,
bei den Nachbarn Blumen gießen.
Christen dürften niemals streiten,
müssten immer ganz bescheiden
keine großen Autos fahren,
Geld auch nur zum Spenden sparen.
Müssten vorneweg vor allen
alles lassen sich gefallen.
Christen müssten – heißt es wieder
all das tun, was uns zuwider.

Nein, so liebe Menschen eben
lässt sich auch als Christ nicht leben.
Lasst euch deshalb nicht verdrießen,
und uns heut den Tag genießen.
Vielleicht kann es so gelingen,
manchen Menschen zu gewinnen.
Gott bereichert unser Leben,
schenkt uns ein und gibt uns Segen.
Gott zieht mit auf unsren Wegen,
ob sie holprig oder eben.
Gott stellt sich an unsere Seite,
gibt uns heute sein Geleite.
Auch zum Fasching hier im Haus
und wenn wir ziehen froh hinaus.
Amen. Und Helau!

Karin Krapp

Die Autorin ist Pfarrerin in Weimar und reimt jedes Jahr zur Faschingszeit eine Büttenpredigt.

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Amen. Und Helau!”
  1. Gert Flessing sagt:

    Danke, Gefällt mir sehr.
    Gert Flessing
    (sonst eher ein Faschingsmuffel)