Übergriffe in Flüchtlingsheimen

8. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Die Meldung ging Anfang Januar durch die Medien: In der kleinen Flüchtlingsunterkunft im anhaltischen Ballenstedt hatte ein muslimischer Syrer einer Christin aus dem nordafrikanischen Eritrea gedroht: »Ich komme im Schlaf und schlachte dein Baby.« Auslöser war eine Diskussion über den Glauben, bei der die Frau sich wohl offen zu ihrem Christsein bekannte. Sie hatte den Mut, die Polizei zu verständigen, die die Drohung erst nahm. Der syrische Mann kam mitsamt seiner Familie zurück in das Aufnahmelager in Halberstadt.

Nicht ausblenden, sondern benennen

Ballenstedts Oberpfarrer Theodor Hering kennt die Frau von ihren gelegentlichen Gottesdienstbesuchen. Es ist in Ballenstedt bisher ein Einzelfall und Hering ist erstaunt über den Widerhall, den die Meldung in den Medien und in Netzwerken fand. Aber er erlebt auch, dass solche Vorfälle heruntergespielt werden. Sicher oft in guter Absicht, keine Ressentiments gegenüber Flüchtlingen im allgemeinen und Muslimen im besonderen zu schüren. »Aber man muss klar zur Kenntnis nehmen, dass es solche Fälle von Bedrohungen gibt, und sie nicht ausblenden, sondern beim Namen nennen«, so der Pfarrer. Die Situation der Christen in den muslimisch dominierten Flüchtlingsunterkünften sei eine große Herausforderung für die ehrenamtlichen Helfer.

Christen sind eine kleine Minderheit in Flüchtlingsunterkünften – viele berichten von Anfeindungen und Hass. Foto: privat

Christen sind eine kleine Minderheit in Flüchtlingsunterkünften – viele berichten von Anfeindungen und Hass. Foto: privat

Das bestätigt auch Cordula Haase, Migrationsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. In ihrem Arbeitsbereich wisse man »informell« um solche Bedrohungssituationen christlicher Asylbewerber und Flüchtlinge. »Informell« bedeute, dass man von derartigen Vorfällen zumeist nur im seelsorgerlichen Gespräch erführe. Besonders würden Ängste zunehmen, wenn ehemalige Muslime Kontakt zur christlichen Gemeinden finden, die Religion wechseln wollen und den Taufunterricht besuchen, so Haase.

Glaube soll außen vor bleiben

Die Beauftragte gibt offen zu, dass man bisher kaum wisse, wie mit den Problemen umgegangen werden kann. Und sie macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: In Sachsen-Anhalt bekämen kirchliche Mitarbeiter Probleme mit den Betreibern der Unterkünfte, wenn seelsorgerliche Anliegen thematisiert würden. »Solange wir nur rein karitative Hilfe anbieten, sind wir willkommen, aber sobald wir über unseren Glauben reden, soll das außen vor bleiben«, beschreibt sie die Situation. Selbst gedruckte Einladungen zu seelsorgerlichen Angeboten dürften in manchen Heimen nicht ausgelegt werden, beklagt Haase.

Dass dies in Thüringen anders ist, bestätigt Adelino Massuvira Joao. Der gebürtige Mosambikaner ist Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises Suhl und gehört zum Beirat der großen Flüchtlingsunterkunft in der Stadt. Bedrohungen von christlichen Flüchtlingen erlebt er derzeit nicht. Den einzigen Fall im vergangenen Jahr sieht er vor allem als Folge der damals gravierenden Überbelegung des Wohnheimes. Gelegentliche Rangeleien hätten eher nationale Hintergründe, so Massuvira Joao.

Harald Krille

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Reaktionen unserer Leser

6 Lesermeinungen zu “Übergriffe in Flüchtlingsheimen”
  1. Altvater Goethe hat uns in HERMANN & DOROTHEA eine erschreckende Beobachtung hinterlassen, die er an Flüchtlingen wahrnehmen zu können meinte:

    “Aber der Flüchtige kennt kein Gesetz; denn er wehrt nur den Tod ab
    Und verzehret nur schnell und ohne Rücksicht die Güter.
    Dann ist sein Gemüt auch erhitzt, und es kehrt die Verzweiflung
    Aus dem Herzen hervor das frevelhafte Beginnen.
    Nichts ist heilig ihm mehr; er raubt es. Die wilde Begierde
    Dringt mit Gewalt auf das Weib und macht die Lust zum Entsetzen.
    Überall sieht er den Tod und genießt die letzten Minuten
    Grausam, freut sich des Bluts und freut sich des heulenden Jammers.
    Grimmig erhob sich darauf in unsern Männern die Wut nun,
    Das Verlorne zu rächen und zu verteid’gen die Reste.
    Alles ergriff die Waffen, gelockt von der Eile des Flüchtlings
    Und vom blassen Gesicht und scheu unsicheren Blicke.
    Rastlos nun erklang das Getön der stürmenden Glocke,
    Und die künft’ge Gefahr hielt nicht die grimmige Wut auf.
    Schnell verwandelte sich des Feldbaus friedliche Rüstung
    Nun in Wehre; da troff von Blute Gabel und Sense.
    Ohne Begnadigung fiel der Feind und ohne Verschonung;
    Überall raste die Wut und die feige, tückische Schwäche.
    Möcht’ ich den Menschen doch nie in dieser schnöden Verirrung
    Wieder sehn! Das wütende Tier ist ein besserer Anblick.
    Sprech’ er doch nie von Freiheit, als könn’ er sich selber regieren!
    Losgebunden erscheint, sobald die Schranken hinweg sind,
    Alles Böse, das tief das Gesetz in die Winkel zurücktrieb.«
    (Klio – das Zeitalter)

    Wenn es bei Goethe auch „nur“ um die ersten Wirren der französischen Revolution und noch nicht um die „durch fremde Hilde unterstützte Selbstzerstörung“ einer grenzenlos gewordenen Kultur ging (wie manche meinen), so ist die Treffsicherheit dieses Textes vom Jahr 1797 zuerst einmal trotzdem sehr verwirrend. Goethe war nun zwar kein Pegidist, denn seine Beobachtung richtet sich ja auch auf die Leute der eigenen Heimat. Jedes FLÜCHTIG-SEIN-MÜSSEN ist aber ganz wirklich das Heideggersche GEWORFENSEIN. Und zwar ohne Ausweichmöglichkeit in´s Literarisch-Ästetisch-Philosophische. Das Nicht-Mehr-Beheimatet-Sein-Können im Eigenen macht 1. Böse-Werdende-Leute. Und, wer nicht mehr weiter fliehen kann, weil er schon unendlich weit geflohen ist, was bleibt dem anderes übrig, als 2. anderen genau die Angst zu machen, die er selber hat. Das ist das Drama, und genau das ist der „Clash of Cultures.“ Da kommt ein „Volk ohne Kultur“ zu einer „Kultur ohne Volk“. Wem der Begriff Volk nicht mehr geläufig ist, wähle einen anderen. Zwei Riesen (Angst A und Angst B) treffen also aufeinander. Der nach Europa dringende Flüchtling ist ja nicht der Mann, der froh ist, in der zivilisierten Anderswelt angekommen zu sein. Und der dann seine muslimische Religion endlich an den Nagel hängt und mit einem liberalen Kulturchristentum austauscht. Sondern – Christen und noch mehr die Juden! sind beide immer noch unter Umständen seine alten Feindbilder. Das ist das Paradox. Das Paradoxe hört ja nicht auf, wenn es schwerer wird. Im Gegenteil – es wächst mit den Schwierigkeiten zusätzlich! Und der Einheimische? Der kann sich nach Reformation mit Aufklärung, Säkularisation mit dem ganzen Programm nicht mehr vorstellen, wie sehr doch (jede) ideologisch gewordene Religion den Menschen in seiner Seele gründlich zerstören kann. Er sagt sich – spinnen die?

    Ach, – unser gutes altes Christentum … Wird es noch die Krippe sein, in die wir unsere Kinder und Enkel legen können? „Ja – wo hinein denn sonst“ frage ich! Und werde jetzt selber unangenehm programmatisch. Nämlich, – wenn wir stolz darauf sind, dass wir es im Abendland geschafft haben, die Kirche und den Staat zum Heile beider voneinander vorsichtig zu entfernen, wenn wir darauf stolz sein können, dass Glaubens- und Religionsfreiheit Errungenschaften der europäischen Konfessionskriege geworden sind, – sollten wir uns dann nicht als Nächstes vornehmen, den Ort der friedlichen Krippe, in der das Kind liegt, den Hügel von dem die Bergpredigt erschallt und den „Garten, in dem die Welt verloren ging und wieder versöhnt wurde“ (Pascal) direkt in das Zentrum unserer Kultur zu stellen? Nicht dass die Albernheit der Index bleibt, mit dem die Wahrheit in der absurden Welt gemessen wird. Der Index der Wahrheit in der gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der wir nun mal leben, muss wieder (einmal) der Ernst sein, mit dem wir uns auf die Wurzeln unserer christlich-abendländischen Kultur kreativ besinnen. Ein Moslem hat eine Christin bedroht – oder so ähnlich – schreibt Herr Krille?Ja, – wenn es wirklich nur Einzelfälle wären! Dann wäre es zwar auch nicht gut. Aber nicht so schlimm, als wenn es oft geschähe. Da die Christenverfolgung bekanntlich aber nicht in den Arenen des Alten Roms zu Ende gegangen ist, habe ich eben den Konjunktiv gebraucht. Wenn es „wirklich nur Einzelfälle wären …“

    Für diesen Konjunktiv wird mich bereits der nächste Kommentator schelten. Den Goethetext weiter oben in Erinnerung gebracht zu haben, war sicher nicht falsch.

  2. M. Weinert, Halle/S. sagt:

    Das plan- und ziellose Durcheinander in unseren ev. Kirche spiegelt sich teilweise in den widersprüchlichen Artikeln in der Ausgabe 5/2016 wider. Auf Seite 5 bitten die Jungen Gemeinden nach Unterstützung für den (christlichen) Nachwuchs und fragen, ob der Fortbestand der Gemeinden überhaupt noch gewünscht ist. Hierauf bleibt die Redaktion (und vermutlich auch die Kirchenleitung) die Antwort schuldig. Auf S. 3 bitten eingeschüchterte und von bösen Menschen bedrohte Christen um Hilfe. Die Antworten der Kirche sind Bedauern, Hilflosigkeit und Gebete für die Opfer. Und andererseits steht auf S. 5, wie eine christliche Familie für einen Andersgläubigen auflebt. Ein schönes Einzelbeispiel, aber für die anderen 1 Mill. Immigranten wird diese überbordende Zuwendung kaum realisierbar sein. Sie leben weitgehend sich selbst überlassen in riesigen Massenunterkünften. Einige wissen nichts Besseres zu tun, als Christen zu schikanieren und Streit anzufangen. Dennoch glauben viele gottesfürchtige Deutsche, gemeinsam würden wir das schon schaffen. Also haben unsere Kirchenkreise und einige Gemeinden alle anderen Dauerprobleme verdrängt, um zunächst gehorsam und eifrig das Kanzlerwort ins Werk zu setzen. Und nun will sich auch noch die Diakonie verändern (S. 2), um für Muslime interessant zu werden. Nächstens werden noch die Kreuze in den Krankenzimmern abgehängt und die alten Diakonissen ausgesperrt. Man möchte unaufgefordert kultursensibel sein! Gestern waren diakonische Einrichtungen noch Orte der Evangeliumsverkündigung. Morgen wird der Koran im Nachttisch liegen. Alles mit unseren Kirchensteuern subventioniert. Was für ein Irrsinn! Wie sollen Kirchenräte landläufige Vorurteile entkräften, „die“ Kirche sei reich, wo doch im ganzen Land viele Millionen Euro für Leuchttürme, Kirchentage, r2017 und muslimische Immigranten ausgegeben werden? Aus volkswirtschaftlicher Sicht frage ich mich, ob Investitionen in diese Projekte wirklich ertragreicher und nachhaltiger für die Landeskirchen sind, als in menschenfischende Mitarbeiter für die Kirchengemeinden? Wie sollen die Ostdeutschen in ihrem Alltag von den Angeboten und Leistungen der Gemeinde im Ort überzeugt werden, wenn die „große“ Kirche nach außen großzügig aber inkonsequent, uninteressant, bürgerfern und ziellos ist? Es gibt wohl kein Unternehmen, keinen Verein und wohl auch keine andere Religionsgemeinschaft, die sich mit einem derartig widersinnigen Handeln selbst abschafft.

  3. Leser sagt:

    Man kann M. Weinert nur zustimmen!
    Es wird Masse n Geld für jeden Unsinn (u.a.Gender) ausgegeben. Es werden Politiker, die zeitweise Bischof spielen, und deren oft antibiblischer Kram finanziert. Es werden Papiere mit antichristlichem Inhalt durch alle möglichen Gremien und mit großem Finanzaufwand produziert, die (zum Glück) kaum jemand liest. Man könnte diese Liste fast unendlich fortsetzen! Für Kernaufgaben mit wirklich geistlichem “menschenfischendem” Inhalt bleibt immer weniger übrig! Bibeltreue Gemeindeglieder überlegen sich immer mehr, ob sie diesen Wahnsinn weiterhin mitfinanzieren wollen, treten irgenwann aus und suchen sich neue geistliche Heimat!
    So kann man sich selbst abschaffen!

  4. ein anhalter sagt:

    „Ich komme im Schlaf und schlachte Dein Baby“ – unerträglich und ungeheuerlich die Worte dieser menschlichen Stimme im hier und heute unserer Realität! „Wohl dem, der Deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert“ – nicht minder grausam diese menschlichen Worte aus biblischer Zeit im Psalm 137. Wem, zu welcher Zeit und an welchem Ort auch immer, solche Menschenworte drohend gesagt werden, ist zu beschützen! Wer, wann und wo auch immer, solche Menschenworte hört, muss beschützen: unabhängig vom Trennenden, vom Unterschiedlichen, vom Fremden! Das Wort des menschenfreundlichen Gottes der Bergpredigt möchte ich in diesem Zusammenhang genauso verstehen: Dem Ungeheuerlichen und Unerträglichen mit schützender Sicherheit, Zuwendung und Lebensperspektive begegnen. Ist es nicht gegenwärtig auch bibeltreu und eine überzeugende Leistung, im Mittelmeer eine „menschenfischende Kernaufgaben“ zu sehen? Unerträglich und ungeheuerlich das Sehen des Bildes eines toten Kindes, gestrandet am christlichen Abendland. Es tut noch weh, es berührt noch immer, ich halte es noch nicht aus und schon gar nicht für so normal alltäglich, um zu einer wohlständigen Tagesordnung zurückzufinden. Ob „wir“ es schaffen?! Vermutlich nicht ohne „uns“ zu verändern. Dennoch ist der stetige Versuch – trotz realer Gefahren (!) – aus gutem Glaubensgrund alternativlos.

  5. Leser sagt:

    Ja, da haben Sie Recht, mit einem inzeniertem Bild kann man gut Stimmung machen!

  6. @anhalter ZITAT:„Ich komme im Schlaf und schlachte Dein Baby“ – unerträglich und ungeheuerlich.

    Ja – das ist ungeheuerlich. Wer so etwas sagt, stellt sich an die im Christentum Gott sei Dank schon lange verwaiste Stelle des Würgeengels, der durch Ägyptenland geht und die Erstgeburt tötet, “von dem ersten Sohn Pharaos an, der auf seinem Stuhl sitzt, bis an den ersten Sohn der Magd, die hinter der Mühle ist” (Exodus 11,5)

    Es ist unglaublich!

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