Im Zeichen der Flüchtlinge

9. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Mittelalterspektakel »Das Fest« und Lutherschauspiel erleben Neuauflage in Eisenach

Das historische Mittelalterspektakel »Luther – Das Fest« wird nach fünfjähriger Pause vom 19. bis 21. August 2016 in der Eisenacher Innenstadt eine Neuauflage erleben. Der veranstaltende Lutherverein erwartet hierfür bis zu 30 000 Besucher. Er knüpft dabei an die Teilnehmerzahl des Jahres 2010 an. An den drei Fest-Tagen wird außerdem eine Neuinszenierung des Stücks »Tintenfass und Rosenwunder – Martin träumt Elisabeth« auf dem Alten Friedhof geboten, der sich unweit des Martin-Luther-Gymnasiums befindet. Der Autor und Regisseur des »Lutherschauspiels« Jethro D. Gründer plant eine »behutsame inhaltliche Überarbeitung des 2007 uraufgeführten Spektakels unter Berücksichtigung aktueller politischer Ereignisse«, teilte er dieser Tage auf einer Pressekonferenz mit. Er habe sich zur Wiederaufnahme dieses Stückes entschieden, weil es eine Brücke zwischen der heiligen Elisabeth und Martin Luther schlage.

Im 2007 uraufgeführten Schauspiel »Tintenfass und Rosenwunder« stehen Martin Luther und die heilige Elisabeth im Mittelpunkt. Bis zum Sommer wird es inhaltlich überarbeitet. Foto: Lutherverein e. V.

Im 2007 uraufgeführten Schauspiel »Tintenfass und Rosenwunder« stehen Martin Luther und die heilige Elisabeth im Mittelpunkt. Bis zum Sommer wird es inhaltlich überarbeitet. Foto: Lutherverein e. V.

»Es gibt in ›Tintenfass und Rosenwunder‹ eine ganze Reihe von Dialogen, in denen sowohl Luther als auch die heilige Elisabeth ihre sehr verschiedenen Ansichten von Nächstenliebe erläutern und sich daran reiben.« Die Akzeptanz dieser unterschiedlichen Sichtweisen will Jethro D. Gründer in den Fokus der Neuinszenierung stellen, die sich nicht zuletzt der Aufgabe verschrieben hat, geschichtliche Fehldeutungen zu revidieren. »Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass Luther nicht nur der große Reformator war, der die Kirche verändern wollte. Die Reformation ist ihm unterlaufen, er wollte eigentlich nur einmal richtig durchkehren und mit ein paar Dingen, die aus dem Ruder gelaufen sind, wie Ablasshandel und Korruption, aufräumen«, erläutert der Autor seine Perspektive. »Seine große Leistung ist für mich vielmehr seine Bibelübersetzung: Er hat dem Volk eine Sprache geschenkt, damit es mit Gott direkt sprechen und von ihm erhört werden kann. Das war revolutionär zu seiner Zeit!«

Wie weit Jethro D. Gründer Verweise auf politische Ereignisse in sein gut zweistündiges Stück einarbeiten wird, lässt der 1958 in Görlitz geborene Regisseur derzeit noch offen. »Ohne dass ich es plakativ in das Stück einarbeiten werde, wird die Flüchtlingsproblematik und damit die größte Herausforderung, an der Deutschland gerade zu knabbern hat, sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, vor allem in den Dialogen zwischen dem Reformator und der heiligen Elisabeth. Wir müssen einfach mal abwarten, was bis zum Sommer alles noch passiert.«

Dass aus logistischen Gründen nur drei Aufführungen möglich sind, stellt bei den wochenlangen Vorbereitungen mit 70 Mitwirkenden ein Problem dar. Der Vorsitzende des Luthervereins, Udo Winkels, plant daher für das kommende Jahr, das »Lutherschauspiel« wenigstens an zwei Wochenenden aufzuführen und dann jeweils von Donnerstag bis Sonntag zu spielen, damit sich der Aufwand lohnt. Sogar mehrwöchige »Lutherfestspiele« mit einer Vielzahl an Veranstaltungen seien für die Zukunft in Zusammenarbeit mit der Stadt denkbar.

Im Mai und Juni 2017 wird es auch eine Wiederaufnahme des 2013 uraufgeführten Luther-Musicals »Rebell wider Willen« im Landestheater Eisenach geben. Alexandra Husemeyer vom Lutherhaus Eisenach, die als Stadtführerin gerne in die Rolle der Katharina von Bora schlüpft, sieht in einer solchen Dichte der Ereignisse kein Problem: »Hier werden doch ganz unterschiedliche Interessengruppen angesprochen!«

Michael von Hintzenstern

Kartenvorverkauf:
www.ticketshop-thueringen.de

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