Jubelnder Empfang und böse Vorahnung

22. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Passionsspiel: Im fränkischen Tettau wird die Leidensgeschichte Jesu auf die Bühne gebracht

Seit November proben über 70 Akteure aus Thüringen und Franken gemeinsam – auch über konfessionelle Grenzen hinweg.
Jesus, in den Augen der Bevölkerung der Messias, Wundertäter und Retter, wird jubelnd in Jerusalem empfangen. Sie rufen ihm die traditionellen Hosanna-Rufe zu, breiten Palmenzweige und Kleidung auf dem Weg aus. Das jüdische Volk hofft, dass er sie von den römischen Besatzern befreien wird. Später werden es die gleichen Menschen sein, die lautstark vom Präfekten Pilatus die Kreuzigung Jesu fordern. Triumphale Freude, Verrat, Leid und Tod liegen in der Passionsgeschichte ganz nah beieinander. Und dies möchten die über 70 Akteure der Tettauer Passionsspiele den Zuschauern ganz nah vor die Augen bringen.

Bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem wird Jesus – gespielt von Jörg Schrepfer – gefeiert wie ein König. Fotos (4): Rosso di Sera

Bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem wird Jesus – gespielt von Jörg Schrepfer – gefeiert wie ein König. Fotos (4): Rosso di Sera

Seit November treffen sie sich in der Regel zweimal wöchentlich in dem kleinen Ort gleich hinter der thüringisch-fränkischen Grenze bei Ludwigsstadt. Die Tettauer Passionsspiele verbinden die Menschen in der fränkischen Rennsteigregion, auch über konfessionelle Grenzen hinweg. Aus allen umliegenden Orten engagieren sich Laiendarsteller, um die Passion Jesu auf die Bühne zu bringen. Sie möchten Spuren des Glaubens bei den Menschen in der Region hinterlassen.

Die noch junge Tradition der Passionsspiele geht auf ein von Laiendarstellern gespieltes Stück zur Fastenzeit zurück. Bereits in den Jahren 2001, 2003 und 2006 waren die Tettauer, damals unter der Regie von Erika Hämel, mit den Aufführungen sehr erfolgreich. Für die Neuauflage nach zehnjähriger Pause im März 2016 hat nun Lydia Müller die Gesamtleitung übernommen. Das Drehbuch, welches für die erste Aufführung 2001 von Erika Hämel und dem damaligen Tettauer Pfarrer Bernhard Nikitka verfasst wurde, wird auch für die Neuauflage der Passionsspiele als Vorlage dienen. Veranstalter ist die evangelische Kirchengemeinde, als Schirmherrin konnte Regionalbischöfin Dorothea Greiner gewonnen werden.

Doch wie sehen die Aktiven dieses dramatische Schauspiel der Geschichte? Lassen wir sie selbst zu Wort kommen.

Lydia Müller,
Regie und Gesamtleitung

»Dreimal haben wir bereits die Passionsspiele zur Aufführung gebracht. Nur, die letzte Aufführung ist zehn Jahre her. In den vergangenen Vorstellungen durfte ich die Rolle der Maria spielen. Eine Rolle, die mein Leben sehr geprägt hat. Jetzt habe ich die Leitung übernommen. Ich bin stolz, dass wir ein so tolles Team aus Darstellern, Sängern und Helfern sind. Sie sind kreativ, packen alle mit zu. Das Besondere, in der hiesigen Festhalle sind wir vom Wetter unabhängig. Wir können die Passion zur richtigen Zeit aufführen. Und wenn man das Stück emotional betrachtet: Die Zeit ist wieder reif für eine Aufführung. Alle Punkte von damals – Hohn, Spott, Verrat, Trauer und Erlösung – treffen auch auf die heutige Gesellschaft zu.«

Jörg Schrepfer,
Jesus

»Ich spiele schon seit vielen Jahren im Amateurtheater. Doch als ich gefragt wurde, ob ich den Jesus-Part übernehmen würde, habe ich um Bedenkzeit gebeten. Es geht nicht um irgendeine Person in einem Stück. Es ist die Hauptrolle und dazu noch Jesus. Aus meinem christlichen Glauben heraus habe ich dann ›ja‹ gesagt. Als Darsteller möchte ich den Zuschauern nahebringen, was Jesus geleistet hat, dass er, um uns Erlösung zu schenken, am Kreuz gestorben ist. In der letzten Zeit habe ich des Öfteren wieder die Bibel in die Hand genommen, darin gelesen. Ich möchte die Rolle so authentisch spielen wie möglich. Als Mensch mit dem Namen Jörg Schrepfer.«

Christiane Fiedler,
Maria

»Ich war auch schon bei den früheren Aufführungen mit dabei. Und jetzt, das erste Mal, als Maria. Als Mutter von drei Kindern ist man schon so manche Situation gewöhnt. Aber die Rolle der Maria in der Passion übersteigt dies bei weitem. Eine Herausforderung, mit der man stetig wächst. Besonders die Szene unterm Kreuz geht mir sehr nahe. Hier wird der Mann meiner Freundin – Jesusdarsteller Jörg – gekreuzigt. Jesus hing damals schuldlos am Kreuz, für die Fehler der Menschen. Und dies möchte ich den Gästen der Passionsspiele durch meine Rolle verdeutlichen. Und ich sehe auch oft, dass die Besucher zu Tränen gerührt sind. Auch viele der »starken« Männer zeigen dann Gefühle.«

Anja Knabner,
Chorleitung

»Es ist ein gewaltiges Projekt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Chores wurde der Wunsch angeregt, die Passionsspiele wieder zum Leben zu erwecken. Auch eine besondere Herausforderung. Eigens dazu wurden die Lieder überarbeitet, teilweise in dreistimmige Chorsätze transponiert. Die Chormitglieder müssen singen und spielen. Mit der Musik sollen beim Publikum Emotionen geweckt werden. Sie soll ins Herz treffen, berühren. Die Gäste sollen denken, sie sind nicht in der Tettauer Festhalle, sondern live in Jerusalem.«

Jörg Zech,
Ortspfarrer

»Jeder Pfarrer darf glücklich darüber sein, dass solch ein Glaubens-Projekt in seiner Kirchengemeinde umgesetzt wird. Es ist gelebter christlicher Glaube. Ich muss ausdrücklich betonen, auch wenn die evangelische Gemeinde der Veranstalter der Passionsspiele ist, so wird seitens der Kirche nichts vorgeschrieben. Wichtig ist auch, dass den Menschen verdeutlicht wird, das Osterfest mit der Auferstehung Jesu ist das wichtigste Fest der
Christenheit.«

Rosso di Sera

Aufführungen in der Tettauer Festhalle sind am 5., 6., 11., 12. und 13. März. Informationen über die Evangelische Kirchengemeinde Tettau, Telefon (09 2 69) 229, E-Mail <pfarramt.tettau@elkb.de>

Kartenbestellungen sind auch im Internet möglich:

www.live-kartenshop.de/kartenshop/

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