Politisch ein »Muss«

28. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Als mit Papst Benedikt XVI. 2011 nach 500 Jahren erstmals ein römischer Papst Thüringen besuchte, stand im Mittelpunkt der Gespräche mit der Evangelischen Kir-
che die Frage Martin Luthers: »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« Luthers Antwort war 1517 die Initialzündung der Reformation. Den begonnenen Dialog fortzusetzen, ist wichtig. Nur gemeinsam können Christen glaubhaft für Frieden und Versöhnung in unserer Welt, wie auch für Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung in Zeiten der Globalisierung wirken.

Heute wissen wir: Das, was sich vor 500 Jahren im mitteldeutschen Raum mit der Reformation Bahn gebrochen hat, war ein Weltereignis. Darüber sollte der Ministerpräsident eines der Hauptländer der Reformation mit dem obersten Repräsentanten der »Weltkirche« sprechen. Jeder Austausch gewinnt mit dem positiven Beispiel. Von Thüringer Seite mit der zweiten Auflage des neuen »Achava«-Festivals (Brüderlichkeit) im Gepäck sollte das gut gelingen. Und schließlich: Im Jahr 2011 haben laut »Media Tenor« die Berichte über den Besuch des Papstes in Thüringen weltweit 1,5 Milliarden Menschen erreicht. Das ist die höchste Medienresonanz in Thüringen seit 1990.

Wenn Thüringen im Jahr 2017 erneut eine ähnlich große Ausstrahlung sucht, dann ist auf dem Weg zur weltweiten Eröffnung des Reformationsjahres auf der Wartburg eine Audienz bei Papst Franziskus für den Thüringer Ministerpräsidenten nicht nur ein persönlicher Wunsch, sondern ein staatspolitisches »Muss«.

Christine Lieberknecht

Die Autorin ist Abgeordnete des Thüringer Landtags und war bis 2014 Ministerpräsidentin.

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