Luther war hier. Und hier. Und hier.

29. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Tourismus: Eine digitale Route verknüpft mehr als 60 Lebensstationen des Reformators

Mehr als 60 Lebensstationen des Reformators verknüpft das Landesamt für Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt zu einer digitalen Tourismus-Route

Man könnte sich auch empören. Ein Plakat im Stile moderner Street-Art pappt an der ehrwürdigen Eislebener St.-Andreaskirche (Fotos rechts). Jener Kirche, in der Martin Luther nur drei Tage vor seinem Tod im Februar 1546 seine letzte Predigt hielt. Das Poster zeigt seine Silhouette, angelehnt an seine Handschrift umrahmt mit dem Schriftzug »Luther war hier«. Was auf den ersten Blick wie eine illegale Kunstaktion wirkt, ist ein hochoffizielles Projekt des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie und der Marketinggesellschaft Sachsen-
Anhalt.

Pfarrerin Iris Hellmich mit Jan Scheunemann vom Landesdenkmalamt beim Anbringen der Plakette an der St.-Andreaskirche in Eisleben. Fotos: Katja Schmidtke

Pfarrerin Iris Hellmich mit Jan Scheunemann vom Landesdenkmalamt beim Anbringen der Plakette an der St.-Andreaskirche in Eisleben. Fotos: Katja Schmidtke

Die Idee von Landesarchäologe Harald Meller: Die Orte im Kernland der Reformation zu vernetzen – für ein breites Publikum und so, dass man in der echten und der Internet-Welt auf Luthers Spuren wandeln kann. »Luther war hier« ist eine digitale Ausstellung, ein virtueller Rundgang durchs Land. Rund 60 Orte in 33 Städten und Gemeinden sind ausgewählt worden und tragen neben den prägnanten Street-Art-Plakaten nicht minder auffällige Metall-Plaketten mit dem Konterfei des Reformators und einem
QR-Code.

Foto: Katja Schmidtke

Foto: Katja Schmidtke

Gescannt mit dem Smartphone öffnet sich eine Internetseite mit Informationen zum Bauwerk und zum Ereignis. Bilder und Zitate vervollständigen die kleine Zeitreise. Sie beginnt natürlich in Eisleben mit dem Geburtshaus des Reformators und endet auch dort. Gleich drei Plaketten sind in diesem Februar angebracht worden: neben der Andreaskirche als Luthers letztem Predigtort auch an den beiden Sterbehäusern. Denn beim Museum Sterbehaus – vis-à-vis zur Kirche – handelt es sich neuen Forschungen zufolge nicht um den authentischen Sterbeort. Jener befindet sich dort, wo heute das Hotel »Graf von Mansfeld« steht. Auch darüber informiert die Homepage, die über die Plakette erreicht werden kann.

Foto: Katja Schmidtke

Foto: Katja Schmidtke

»Eisleben ist natürlich reich an Luther-Orten. Insgesamt sechs Stationen haben wir für ›Luther war hier‹ eingerichtet«, sagt Jan Scheunemann vom Landesdenkmalamt. Gemeinsam mit seiner Kollegin Kerstin Bullerjahn hat er Material zusammengetragen, ausgewertet und aufgearbeitet. Eisleben, Mansfeld oder Wittenberg sind dabei freilich die bekanntesten Stationen. Spannend, weil oft legendenumwoben, sind aber gerade die kleinen und weniger bekannten Orte: etwa die Doppelkapelle in Landsberg, in der Luther auf seiner letzten Reise von Wittenberg nach Eisleben im Januar 1546 übernachtet haben und sich auf einer Blut schwitzenden Marmorsäule verewigt haben soll. Oder der Lutherstein mitten in der Dübener Heide. Hier soll der Reformator im Juli 1519 gepredigt haben; im Felsblock lässt sich bis heute eine Inschrift erkennen: »D.M.L. Eine feste Burg ist unser Gott«. Im 16. Jahrhundert wohl seine Art zu sagen: Luther war hier. Nun können Handynutzer den Stationen folgen, jenen der Wahrheit und der Dichtung.

Katja Schmidtke

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.