Übertragung in heutige Sprache

29. Februar 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Sachsen-Anhalt fördert die Wiederaufführung des Zerbster Prozessionsspiels

Genau 40 000 Euro umfasst der Zuwendungsbescheid, den der sachsen-anhaltische Kultusminister Stephan Dorgerloh am 12. Februar dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (beide SPD) überreichte. Das Geld ist für die geplante Wiederaufführung des spätmittelalterlichen Zerbster Prozessionsspiels gedacht. Es sei ein historischer Moment, wenn man solch alte Tradition wiederbegründe, sagte der Minister bei der Übergabe in Zerbst. Nach allem was zurzeit bekannt sei, handele es sich bei dem Prozessionsspiel um das älteste im deutschsprachigen Raum, so Dorgerloh. 1480 findet sich die erste Erwähnung, 1521 wurde es zuletzt gezeigt.

Archivarin Juliane Bruder zeigt die Originaltexte des Zerbster Prozessionsspiels. Foto: Sebastian Siebert

Archivarin Juliane Bruder zeigt die Originaltexte des Zerbster Prozessionsspiels. Foto: Sebastian Siebert

Die Wiederentdeckung des Textes in den Zerbster Archiven im Jahr 2012 nannte er einen Glücksfall. Denn vor dem Reformationsjubiläum 2017 sei für Zerbst noch nach einer Möglichkeit gesucht worden, die Rolle, die die Stadt damals hatte, heute wieder sichtbar zu machen. Was ihn besonders im Antrag beeindruckt habe, den Dittmann in seinem Amt eingereicht hatte, sei die Argumentation, dass Zerbst das Prozessionsspiel damals geschenkt bekommen habe, weil die Zeiten unsicher seien und die Menschen etwas brauchten, das ihnen Sicherheit gebe. »Möglicherweise leben wir wieder in so einer Zeit, in der wir noch nicht wissen, was kommt«, sagte er. Vielleicht sei es deswegen gut, so ein Spiel aufzuführen. Zudem trage es auch dazu bei, das Wertefundament der Bibel, auf das sich viele zurzeit berufen, wieder genauer kennenzulernen. Möglicherweise sei es ein Prozessionsspiel, das sich weiterentwickelt.

Soweit denke der Bürgermeister noch nicht, gestand dieser. Zunächst wolle man sehen, dass die erste Wiederaufführung gelinge. Der erste Schritt, die Übertragung des Textes in die heutige Sprache, sei erfolgreich verlaufen. Jeder, der sich dafür interessiere, könne den Text nun leicht verständlich lesen. »Wir wollen das auch nicht eins zu eins übertragen«, sagte Dittmann, sondern an die heutige Zeit anpassen. Der Zeitplan sei ehrgeizig.

Das Spiel soll am Wochenende des Denkmaltages 2017 (8. bis 10. September) aufgeführt werden. Entgegen dem Brauch aus dem Spätmittelalter, bei dem die Zerbster Bürger an verschiedenen Orten die biblischen Szenen zeigten, soll das Spiel 2017 an einem Ort aufgeführt werden: in der Ruine der Nicolaikirche. Dort sollen Bürger aus der Einheitsgemeinde das Spiel zum Leben erwecken. Rund 82 000 Euro, so die Kalkulation, sollen für das Spiel verwendet werden. Hauptsächlich werden diese für die Bühne und Aufführungstechnik sowie für Werbung benötigt.

»Wir wollen beim Kirchentag in Wittenberg großformatig für das Spiel werben«, so Bürgermeister Dittmann. Denn nirgendwo sonst würden so viele Menschen aus der Zielgruppe an den Plakaten vorbeilaufen. Für Kostüme sei auch etwas Geld eingeplant, »aber da wir das Spiel ja in die heutige Zeit transponieren wollen, werden wir dafür vielleicht gar nicht viel Geld brauchen«. Die noch benötigte Summe soll über weitere Fördermittel, die beantragt sind, und über Spenden eingeworben werden.

Sebastian Siebert

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.