Leergut braucht Querdenker

8. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

EKM-Projekt zur Internationalen Bauausstellung Thüringen 2023

Die Wertschätzung von Leergut erfordert Aufmerksamkeit und macht Arbeit, zahlt sich aber nicht nur an der Kasse des Supermarktes aus. Ähnlich ist es mit der Nutzung leerstehender Kirchengebäude.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen macht »Stadtland« zu ihrem Thema und hat hier fünf Schwerpunkte gesetzt. Eine der sogenannten IBA-Baustellen heißt »LeerGut«. Ihr gilt 2016 besondere Aufmerksamkeit. Die eingangs erwähnten Erfahrungen am Flaschenautomaten des Einkaufszentrums sind dabei durchaus relevant.

Mit diesem Flyer werben die EKM und die IBA Thüringen für die Auftaktveranstaltung am 19. März um 14 Uhr in der Kaufmannskirche Erfurt: Dort wird das Querdenker-Projekt vorgestellt und Interessierte können sich über Möglichkeiten zur Beteiligung informieren. Foto: EKM

Mit diesem Flyer werben die EKM und die IBA Thüringen für die Auftaktveranstaltung am 19. März um 14 Uhr in der Kaufmannskirche Erfurt: Dort wird das Querdenker-Projekt vorgestellt und Interessierte können sich über Möglichkeiten zur Beteiligung informieren. Foto: EKM

Leer stehende Gebäude sind in Stadt und Land anzutreffen. Für Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBAThüringen, sind sie wertvolle Produkte geistiger Leistung und menschlicher Arbeit, deren Potenziale erkannt werden müssen und mit denen anders umzugehen sei, als sie ungenutzt verfallen zu lassen oder gar abzureißen. Sie seien »leer und gut«, verbaute, geronnene Geschichte, die eine Zukunft verdient. Kirchen, so hob sie hervor, seien hier die prominentesten Beispiele.

»Perspektiven für kirchliche Gebäude – Aufgabe? Abgabe? Wandel?« lautet das Thema des EKM-Projekts für die IBA Thüringen. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sei ein Riese hinsichtlich Fläche und Gebäudezahl, aber ein Zwerg, wenn man auf die Zahl der Gemeindeglieder schaue. Rund 20 Prozent aller Kirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands stehen hier, aber nur vier Prozent ihrer Mitglieder wohnen in Sachsen-Anhalt und Thüringen. »Da wird die Diskrepanz deutlich«, erklärte Oberkirchenrat Stefan Große. Deshalb habe man dankbar die IBA-Chance erfasst und möchte den Prozess nun selbst mit dem offenen internationalen Ideenwettbewerb »Stadtland: Kirche. Querdenker für Thüringen 2017« befördern. »Wir sind auf frische, ungewöhnliche Impulse angewiesen«, so der Finanzdezernent der EKM. Bei der Erhaltung der Kirchen kam man in den letzten Jahrzehnten gut voran. Die etwa 400 Kirchbauvereine in der EKM erwiesen sich dabei als engagierte Partner. Wenn dann aber Fragen zur Nutzungsperspektive für die geliebte Dorfkirche gestellt würden, fielen die Antworten dünner aus, so seine Erfahrung. Auch manch interessante Tagung gehe an der Wirklichkeit ostdeutscher Probleme vorbei. »Wir wollen es wie Luther machen und dem Volke aufs Maul schauen«, so Große.

Und zum Reformationsjubiläum erhoffe man sich 500 Beiträge, von denen drei bis fünf die Möglichkeit der Realisierung bis zum IBA-Finale 2023 erhalten sollen. Vom Wettbewerbsstart am 19. März und den Modalitäten der Teilnahme werden wir in der Kirchenzeitung berichten.

Direkt vor der Kaufmannskirche steht der Querdenker Martin Luther und betrachtet das bunte Einkaufsgetümmel zu seinen Füßen. Auf dem Denkmalssockel ist Psalm 118, Vers 17 zu lesen: »Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herren Werk verkündigen.« Ihm würde es an einer Idee für die Nutzung unserer Kirchen nicht mangeln.

Uta Schäfer

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Leergut braucht Querdenker”
  1. Am siebenten Tag aber, als Gott der HERR (H) ausruhete von allen seinen Werken, die er gemacht hatte, trat der Satan (S) dicht an die Hängematte des Schöpfers, hob an und begann also zu reden:
    „Mein HERR erlaube SEinem Knecht ein Wort zu sprechen.“
    Und der HERR sagte: „Rede, denn dein HERR hört!“

    S: Mein HERR hat etwas vergessen, als er Himmel und Erde erschuf mit all dem, was zwischen oben und unten sich müht, kreucht, fleucht und unterwegs ist alle Tage seines Lebens auf dem Erdkreis – jedes nach seiner Art.

    H: Und das wäre?
    S: Die Nutzungskonzeption.
    H: Die was?
    S: Nut-zus-kon-zep-tion.
    H: Das ist ein langes Wort. Es hat fünf Silben, und ist deshalb nicht Fisch und nicht Vogel. Wäre Nutzeption nicht ausreichend?
    S: Mein HERR möge SEinem Knecht verzeihen, wenn DEinKnecht seinen Herrn darauf hinweiset, dass zuerst die Nutzungskonzeption erforderlich ist und erst danach die Nutzeption aus ihr hervorgehen kann.
    H: Ist das nicht etwas weit hergeholt? Ist das nicht katholisch-neuthomistisch-sophistische Wortklauberei?
    S: Nun, – mein HERR möge mir nachsehen, dass ich mich zu reden unterfangen habe, aber auch die anderen Engel würde schon stark interessieren, wie die Schöpfung weitergehen soll und was sie überhaupt für einen Zweck hat.
    H: Sie hat keinen Zweck, sie ist einfach schön.
    Schau doch, wie Bäume gleich Türmen
    hinaus in den Himmel ragen,
    Vögel aus grünenden Zweigen
    singend die Zeit hervorgehen lassen,
    unterschiedlichste Äste
    besetzen sie alle und flöten
    zahlreich Lieder und Töne
    lässt jeder freudig erschallen.
    S: Was soll´s, was bringt es – was hat es für Nutzen?
    Die Folgekosten sind unkalkulierbar. Hätte nicht ein Modell erst einmal ausgereicht – o HERR?
    H: Höre, Du Satan! Weil die Schöpfung nun einmal da ist – diene sie ab heute als Modell für ihre eigene Weiterentwicklung bis in Ewigkeit.
    S: Bis in Ewigkeit?
    H: O.K. – ich will nicht so sein. Bis in Ewigkeit minus genau einen Tag. Die Welt ist die Nutzungskonzeption der Welt. Was ist gesagt habe, das habe ich gesagt.
    S: Du, o HERR, mögest DEinem Knecht verzeihen, wenn sich DEin Knecht damit nicht zufrieden geben kann.
    H: Dann nimm das …

    Und der HERR, Gott selbst als Schöpfer der bisher nutzungskonzeptionslosen Welt, stellte den Satan und seine Freunde (und Freundinnen!) vor sich hin an den Rand des Wolkenabgrunds und gab ihnen einen ordentlichen Tritt. Dieser göttliche Tritt war dergestalt, dass die Aufrührer auf die Erde hinabgestoßen wurden, wo sie einige Klafter tief bei der Gegend um Kampanien in den Vesuv stürzten. Dort fanden sie im Innersten des Vulkans eine von Gott geduldete Bleibe. Ihre Tätigkeit besteht bis heute darin für alles eine Nutzungskonzeption zu entwickeln. Und sie versuchen, sich darin einer den anderen weit zu übertreffen. Denn das ist ihr Glaube, dass alles nützlich sein muss, was getan wird. Und das ist der Grund, dass sie in die Hölle davon mussten. Den Nutzeffekt der Hölle ihrerseits? Hat Gott ihnen schriftlich ausgewiesen. Die Nutzungskonzeption der Hölle ist kurz umrissen: WIR, sagt der HERR, haben uns gehalten gesehen, innerhalb UNSERER Schöpfung auch einen Ort für jene vorzuhalten, die kraft eigener Anschauung noch nicht eingesehen haben, was geht, was nicht geht – und was in Ewigkeit nutzlos bleibt: Nutzungskonzeptionen für ewige und heilige Dinge. Sie sind nutzlos – und wenn sie Nutzen zu haben scheinen, dann zerstören sie den eigentlichen Sinn von Allem …