Mehr als Würste braten

10. März 2016 von redaktionguh  
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Landesjugendkonvent: In Halle/Saale hat die kirchliche Jugend ihre Forderungen an die Kirchenleitung erneuert

Anstößig im besten Sinn, so hat Landesbischöfin Ilse Junkermann einmal den Landesjugendkonvent bezeichnet. Das wollen die jungen Leute auch sein und sind gespannt, wie die Kirchenleitung darauf reagiert.

Die Enttäuschung ist groß. Spärlich sind die Reaktionen ausgefallen auf den Offenen Brief, den der Landesjugendkonvent Ende Januar an die Kirchenkreise geschrieben hat – mit allerlei Kritik am bisherigen Umgang mit der Jugend und vielen Wünschen für die Zukunft. »Ein Leserbrief in ›Glaube + Heimat‹, ein durchaus kritisches Antwortschreiben aus dem Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen – das war es eigentlich«, fasst Henriette Barth vom Vorstand des Landesjugendkonvents (LJK) die Reaktionen zusammen. Damit wollen sich die jungen Leute nicht zufriedengeben. Auf ihrer Vollversammlung in Halle haben sie deshalb alle Delegierten aufgerufen, das Thema in ihre Heimatgemeinden und Kirchenkreise mitzunehmen. Ihr Anliegen: Die Kirche soll die Jugendlichen nicht als Zukunft der EKM sehen, sondern als Teil der Gegenwart begreifen. Junge Leute sollen nicht nur während des Gemeindefests am Bratwurststand in Erscheinung treten, sondern als vollwertige Gemeindeglieder wahrgenommen werden. Dazu gehöre der geschützte Raum der Jungen Gemeinden sowie eine gute finanzielle und personelle Unterstützung der Jugendarbeit. Gerade von den damit gemeinten Jugendreferenten und Gemeindepädagogen hatte sich die evangelische Jugend mehr Reaktionen auf den Offenen Brief erhofft. »Es geht doch auch um ihre Arbeit«, fügt Henriette Barth an. Sie und ihre Mitstreiter ahnen, es ist die mittlere Leitungsebene, die erreicht werden muss. Hier geht es um Strukturen, Personal und Geld.

Die Delegierten haben Ideen und Vorstellungen von kirchlicher Jugendarbeit, aber sie fühlen sich in der Kirche oft nicht ernst genommen. Fotos: Katja Schmidtke

Die Delegierten haben Ideen und Vorstellungen von kirchlicher Jugendarbeit, aber sie fühlen sich in der Kirche oft nicht ernst genommen. Fotos: Katja Schmidtke

Die Jugendarbeit innerhalb der EKM ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Manche Kirchenkreise wie Mühlhausen oder Haldensleben-Wolmirstedt sind sehr aktiv, in anderen gibt es nicht einmal Jugendkonvente. Man­cherorts kümmern sich gleich mehrere Mitarbeiter um die Jugend, während anderswo Hauptamtliche nur stundenweise da sind. »Wir kommen aus den Gemeinden, wir nehmen dort Defizite wahr«, sagt Stephanie Riese, die aus dem Kirchenkreis Jena nach Halle gereist ist. »Wenn jeder Kirchenkreis Jugendliche hierher delegieren würde, wären wir mehr als 100.« So sind es an diesem Wochenende 23 stimmberechtigte Delegierte sowie einige Gäste.

Deshalb will LJK-Vorsitzende Julia Braband für das Thema, mit dem sich der Konvent schon auf zwei Vollversammlungen beschäftigt hat, die große Bühne der EKM-Synode Anfang April im Kloster Drübeck nutzen. »Viele Superintendenten und Präsides der Kreissynoden, an die sich unser Offener Brief gerichtet hat, sitzen ja in der Synode. Da müssen wir schon nachhaken, warum es so wenig Reaktionen gegeben hat«, sagt Braband, die als einzige der sechs Jugenddelegierten der Synode ein Stimmrecht hat. Felix Kalbe, ebenfalls Jugendsynodaler, hofft in der Sache auf Unterstützung des Bundes evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (bejm). »Vielleicht können wir über den bejm eine Kampagne starten«, ist er zuversichtlich.

Der Landesjugendkonvent erwartet von der Kirchenleitung ein Umdenken. »Jugendliche wollen in einem größeren Rahmen mitarbeiten«, erklärt Henriette Barth, und Julia Braband nennt als Beispiel den Lutherischen Weltbund, wo in allen Leitungsgremien 20 Prozent junge Leute sind. Die Landessynode hingegen sei »ein Altherrenverband«, meint Braband – wenngleich sie weiß, in manch anderer Landeskirche existiert nicht einmal ein Jugendsynodaler. Doch nicht nur im Sinne der Jugend, sondern auch mit Blick auf die Zukunft der Kirche plädiert sie dafür, das Kirchenparlament zu verjüngen und zu öffnen. Die evangelische Jugend will sich nicht nur Rechte erstreiten, sie will auch in die Pflicht genommen werden und ihren Beitrag leisten für eine lebendige und vielfältige Kirche, die nicht jedes Jahr aufs Neue große Austrittswellen verkraften muss.

Katja Schmidtke
Offener Brief – Landesjugendkonvent

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