»Wir kommen mit Musik«

15. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Initiativen in Kamsdorf und Saalfeld bieten neue Integrationsmöglichkeiten für Flüchtlinge

Orientalische Klänge auf der Oud verweben sich mit europäischer Musik. Junge Leute der Saalfelder Musikschule spielen gemeinsam mit Abdallah Ghbash das von ihm komponierte Lied »For Syrian Children« für Oud und Zupfinstrumente. Astrid Pautzke vom Kunstraum Kamsdorf nennt dies: »Eine Brücke zwischen Orient und Okzident.« Grit und Sven Einsiedel, Astrid Pautzke sowie Jana und Fritz Bauer, die das Zupfinstrumenten-Ensemble »Querdas Saltandas« der Musikschule Saalfeld leiten, organisierten dieses gemeinsame Konzert mit Abdallah Ghbash.

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Dem grausamen Spruch der IS-Terrormiliz »We’re coming to slaughter you (Wir kommen, um euch zu schlachten)« möchte Abdallah Ghbash sein Motto gegenüberstellen: »We’re coming with the music (Wir kommen mit der Musik)«. Mit Musik und Kunst möchte der begabte Musiker für Menschlichkeit und Völkerverständigung werben. Seine Lieder erzählen vom Streben der syrischen Menschen nach Freiheit, von der Situation der Flüchtlinge in türkischen Auffanglagern und vom Leid auf dem Weg über das Meer nach Griechenland.

Sechs Jahre studierte Abdallah Ghbash in Syrien Musik und die Oud, eine orientalische Kurzhalslaute. Wegen massiven politischen Drucks auf seine musikalische Arbeit durch den syrischen Sicherheitsapparat musste der Musiker 2011 Aleppo, seine Heimatstadt, verlassen. Während seines Exils entstanden zwei Alben, eingespielt in Jordanien und in Istanbul. Im Herbst letzten Jahres wurde seine Aufenthaltserlaubnis für die Türkei nicht verlängert. Deshalb nahm der 28-Jährige die beschwerliche Flucht über den Balkan bis nach Deutschland in Kauf und kam schließlich nach Saalfeld. Der eher unpolitische syrische Musiker wünscht sich für die Menschen in seiner Heimat und für den gesamten arabischen Raum ein Ende der Kriegshandlungen und einen friedlichen Wiederaufbau. Persönlich erhofft sich der Musiker, weiter studieren und endlich seine Ideen umsetzen zu können, was ihm in Syrien verwehrt blieb. »Mir liegt es sehr am Herzen, mit der Musik deutsche und geflohene Musiker, Deutsche und Flüchtlinge auf der Ebene von Mensch zu Mensch zusammenzubringen.« Den Menschen, die gegen die Kriegsflüchtlinge in Deutschland demonstrieren, möchte er die Botschaft mitgeben: »Demonstriert nicht gegen die Flüchtlinge, demonstriert gegen den Krieg, vor dem die Menschen fliehen müssen.«

»Musik und Kunst bilden bei der Integration eine Einheit«, meint Astrid Pautzke. »Viele Flüchtlinge bringen allein nur ihr künstlerisches Können mit nach Deutschland.« Seit Sommer 2015 bietet sie mit ihrem kreativen Projekt OASE im Kunstraum Kamsdorf eine Kunstwerkstatt an. »Es ist bereichernd, wenn man diese Menschen kennenlernen kann. Es ergeben sich beim gemeinsamen Arbeiten und Erzählen viele persönliche Kontakte.« Erste Arbeiten dieses Kunstprojektes von Flüchtlingen und Deutschen wurden in einer Ausstellung Ende November letzten Jahres gezeigt.

Wolfgang Hesse

www.kunstraum-kamsdorf.de

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