Macht der Argumente

19. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Ja – das Wahlergebnis des vergangenen Sonntags erschreckt mich: Die bisher für die Politik in Sachsen-Anhalt relevanten Parteien haben offensichtlich die Stimmung der Wählerschaft falsch eingeschätzt. Mit der AfD ist in den Magdeburger Landtag eine Partei eingezogen, die bislang lediglich mit Parolen auf sich aufmerksam gemacht hat. Annähernd ein Viertel der Wählerinnen und Wähler hielt diese Parolen für tragfähig. Das ist erschreckend. Zudem wurde die Demokratie als Staatsform während des Wahlkampfes diffamiert.

Nun liegt das Ergebnis einer demokratischen Wahl vor, und zwingend wird aus Parolen nun Politik werden müssen. Als Kirchen beobachten wir das politische Geschehen mit den Maßstäben unseres Glaubens – das wird in der kommenden Legislaturperiode in besonderer Weise notwendig sein. Jede Politik, die Rassismus oder einer Spaltung unserer Gesellschaft Vorschube leistet, wird von den Kirchen deutlich kritisiert werden. Dabei scheuen wir nicht den Konflikt mit der Politik. Allerdings gilt ausschließlich die Macht des Argumentes.

Wir haben als Kirchen gute Argumente, die Zukunft unseres Bundeslandes mit Hoffnung zu sehen. Hier ist es von zentraler Bedeutung, das Vertrauen der Menschen in Sachsen-Anhalt in die Demokratie zu stärken, denn mit allen anderen Regierungsformen haben wir teilweise entsetzliche Erfahrungen gemacht. Ich bin gespannt: Auf die Argumente und Ziele; auf die Konflikte und die Lösungen. Ich freue mich, wenn Politik wieder ein Thema ist. Wir alle haben daran Anteil. Wir sind das Volk.

Joachim Liebig

Der Autor ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

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Reaktionen unserer Leser

8 Lesermeinungen zu “Macht der Argumente”
  1. Gert Flessing sagt:

    Lieber Herr Kirchenpräsident,
    welche Partei versucht nicht, mit Parolen, zu werben.
    Wie tragfähig die sind ist bei allen die Frage.
    Ist es nicht so, das die Kirche ganz bewusst, schon vor der Wahl, Stellung bezogen hat?
    Von daher kann ich das Erschrecken recht gut verstehen.
    Die Menschen haben sich nicht gängeln lassen.
    Sie haben ihr Recht, eine eigene politische Entscheidung zu treffen, wahr genommen.
    Diese Entscheidung mag Ihnen und mir nicht behagen.
    Aber könnte es nicht sein, das die Menschen weitgehend keine Freude mehr an einer Politik haben, die ihnen als “alternativlos” dargestellt wird?
    Ich weiß, dass die Kirchen, vor allem in den einzelnen Gemeinden, sehr bemühen, das, was uns gerade bei der “alternativlosen” Flüchtlingspolitik Berlins, vor die Füße gelegt bekommt, aufzunehmen und, oft gegen die Bürokratie, zu integrieren.
    Kirchgemeinden tun das, weil es das Gebot der christlichen Liebe ist, die allen Menschen gilt und sie tun das sehr oft ohne einen ideologischen Impetus.
    In den Gemeinden geschieht vieles, was gut ist.
    Aber es werden auch Fragen gestellt, die über das Großthema hinweg von Bedeutung sind. Genderwahn und ähnliche Spielereien, die auch in der Kirche Mode sind, lassen die Menschen fragen, warum wir so etwas mitmachen. Ist das auch “alternativlos”?
    Wenn jetzt jene Menschen, die es gewagt haben, nach einer Alternative zu suchen, die sie in den alten Volksparteien nicht mehr fanden, als Dumme oder Rassisten oder ähnliches genannt werden, ohne das die Kirche ihnen andere und bessere Antworten zu geben vermag, wird das gewiss nach hinten los gehen.
    Gert Flessing

  2. Teetrinker sagt:

    Merkwürdig,
    wo wurde Demokratie als Staatsform im Wahlkampf angegriffen?
    Demokratie heißt m.E. aber nicht, daß sich in einer Art Selbstermächtigung über Volk, Bundestag und geltende Gesetze hinweggesetzt wird bzw. in einer parlamentarischen (Vertreter) Demokratie völlig konträr zu dem gehandelt wird, was vor früheren Wahlen versprochen wurde.
    Demokratie beinhaltet auch nicht, daß sich führende Kirchenvertreter für oder gegen eine Partei aussprechen.
    Demokratie beinhaltet auch nicht, daß unter “demokratischem” Deckmäntelchen Parteien gehindert werden, Parteitage etc. durchzuführen, indem die Vermieter der entsprechenden Lokalitäten bedroht werden.
    Demokratie beinhaltet nicht die Zerstörung von Bürgerbüros einzelner Parteien.
    Demokratie beinhaltet nicht die flächendeckende Zerstörung von Wahlplakaten.
    Demokratie beinhaltet nicht fehlerhaftes Auszählen von Stimmzetteln (bereits Stalin wußte, daß Wahlen nicht durch den Wähler, sondern durch den Auszähler entschieden werden)…
    Und schon gar nicht beinhaltet Demokratie, daß vorgenannte Sachen z.T. durch die offizielle Presse und diverse Meinungsbildner bejubelt werden…

  3. Leser sagt:

    Lieber Teetrinker,
    Herr Liebig ist doch mutig und hat Recht: “Zudem wurde die Demokratie als Staatsform während des Wahlkampfes diffamiert.” Zwar nicht von der AfD , aber, wie man auch an Ihren Beispielen sehen kann, von “Politik” und “Kirche” im “Breiten Bündnissen” mit Links(anti)fachisten! Das ist erschreckend. Und leider wird dem jetzt immer noch nicht Einhalt geboten!

  4. Furor teutonicus sagt:

    Na, bester Teetrinker, da haben Sie wohl nicht richtig aufgepaßt? Also, ich helfe doch immer gern:
    1. Wenn von “System-” oder “Altparteien” (übrigens Nazi-Ausdruck) geredet wird, gegen “Lügenpresse” gewettert und die Frage gestellt wird, ob der “Systemwechsel” noch vor 2017 erfolgen kann, dann ist das etwa nicht demokratiefeindlich?! (Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, das ist verfassungsfeindlich!)
    2. Wahlversprechen sind schon immer gebrochen worden, das gehört zur Demokratie leider dazu. Aber das wird bei der Alternative für Neuschnee auch nicht anders sein.
    3. Natürlich gab es früher auch in der alten Bundesrepublik Wahlempfehlungen von der Kanzel, allerdings dafür, nur eine bestimmte Partei zu wählen (raten Sie mal welche). Warum sollen sich führende Kirchenvertreter nicht dagegen aussprechen, eine bestimmte Partei zu wählen?
    4. Die “flächendeckende Zerstörung” von Bürgerbüros und Wahlplakaten hat leider quer durch alle Parteien zugenommen, am meisten leiden aber die Linken darunter.
    5. Was sind denn “offizielle Presse” und “Meinungsbildner”? Also ich bilde mir meine Meinung immer noch selber, Verehrtester. Und ich denke, das halten die meisten so.
    Alles in allem: Der Kirchenpräsident liegt völlig richtig, das Wahlergebnis ist ‘ne schwere Hypothek für dieses Ländle. Aber vielleicht zerlegt sich die angebliche Alternative ja genauso wie damals die DVU.

  5. Leser sagt:

    Hört sich aber bei Ihnen gar nicht nach eigener Meinungsbildung an! Eher nach Nachgeplapper der offiziellen und “kirchlichen” Meinung!

  6. Leser sagt:

    und primitiver und uninformierter Hetze!

  7. Furor teutonicus sagt:

    Ach, bester Joachim, Sie hängen immer noch sehnsüchtig wartend am Rechner, und nun sudeln Sie also in diesem Forum weiter? Wie lange hat Sie denn der SONNTAG eigentlich gesperrt? Überfällige Maßnahme, würd’ ich sagen. Hatten Sie sich auch redlich verdient. Außerdem war der post gar nicht an Sie adressiert, verehrtester Joachim. Hätten Sie aber merken können. Haben Sie aber natürlich nicht.
    Im übrigen: Natürlich vermissen wir alle Ihre immerzu geistig hochstehenden und zugleich ungemein tiefschürfenden Kommentare, geprägt von einer unverwechselbar vorzüglichen Orthographie und Grammatik, Verehrtester. Aber mir machen Sie nichts mehr vor. Und wonach sich bei Ihnen was anhört, gelh, das verkneife ich mir jetzt mal lieber. JAWOLL!

  8. Leser sagt:

    Wie meinen?