Viele Abgeordnete sind Mitglied einer Kirche

19. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Landesbischöfin: AfD-Mitglieder im Gemeindekirchenrat nicht ausschließen

Laut einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) sind mindestens ein Drittel der neu gewählten Landtagsabgeordneten in Sachsen-Anhalt Kirchenmitglieder. Von den 87 gewählten Volksvertretern sind 32 und damit fast 37 Prozent konfessionell gebunden. Ebenso viele sind konfessionslos, bei rund 26 Prozent lagen allerdings noch keine Angaben vor. Insgesamt ist der Anteil der Kirchenmitglieder im Magdeburger Landtag damit deutlich höher als der Anteil der Kirchenmitglieder in der Bevölkerung. Nach Angaben der letzten vorliegenden Zahlen vom großen Zensus 2011 waren nur 15,2 Prozent der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt evangelisch und 3,6 Prozent katholisch.
Mitteldeutsch-12-2016Die Kirchen in Sachsen-Anhalt haben sich besorgt über das Abschneiden der AfD geäußert. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, erklärte in Dessau-Roßlau, er sei erschrocken über die große Zahl von Menschen im Land, die offenbar den Eindruck haben, dass sie nicht gehört und verstanden werden. Nach Ansicht von Landesbischöfin Ilse Junkermann ist die AfD nach ihrem Erfolg bei der Landtagswahl jetzt gefordert, ihre politische Arbeitsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Bislang sei die AfD wie ein Chamäleon dahergekommen und habe kein klares Gesicht gezeigt, sagte Junkermann.

Kirchen sollten durch Bildungsarbeit dazu beitragen, die Diskussionskultur im Land zu verbessern. AfD-Mitglieder in Gemeindekirchenräten dürften nicht ausgestoßen werden. In jedem Einzelfall sei zu prüfen, wie jemand zu den christlichen Grundwerten vor allem in Bezug auf Schwache und Fremde steht, sagte Junkermann.

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer forderte von der AfD nach dem Wahlerfolg ein klares Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten. Das Positive an dem Ergebnis sei, dass die Auseinandersetzung ins Parlament getragen wird, »wo sie hingehört«, sagte Schorlemmer in Wittenberg.

(epd/G+H)

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