Der Reformationsfürst

20. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Anhaltgeschichte(n): Landeskirche und Kooperationspartner erinnern zum 450. Todestag an Wolfgang von Anhalt

Die Evangelische Landeskirche Anhalts erinnert 2016 und 2017 mit Kooperationspartnern an den bedeutenden Reformationsfürsten Wolfgang von Anhalt. Er starb vor 450 Jahren am 23. März 1566 in Zerbst.

Im Zentrum stehen mit Köthen, Bernburg und Zerbst jene Residenzstädte, in denen der Fürst politisch aktiv war und bis heute Spuren hinterlassen hat. Wolfgang unterzeichnete wichtige Dokumente der Reformation, etwa das Augsburger Bekenntnis 1530, und setzte sich für Luthers Lehre ein.

Kooperationspartner des Gedenkjahres sind die Bernburger Freizeit GmbH, die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, die Kanzler von Pfau’sche Stiftung Bernburg sowie die Köthener Kultur und Marketing GmbH (KKM). Zum Auftakt findet am 23. und 24. März in der Zerbster Kirche St. Bartholomäi eine Tagung zu Wolfgang von Anhalt in der Reihe »Anhalt[er]Kenntnisse« statt. In der Kirche ist Wolfgang gleich auf zwei Gemälden von Lucas Cranach dem Jüngeren zu sehen. Zu Gast ist als Referent unter anderem Professor Dr. Gerhard Robbers, Minister der Justiz und für Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz. Sein Vortrag »Prinzipien, Interessen, Sachzwänge: Wie macht man Politik bei starkem Gegenwind?« beginnt am Mittwoch, 23. März, um 19 Uhr.

Das Gemälde »Gnadenstuhl mit den Fürsten Joachim und Wolfgang von Anhalt« kehrte erst im Dezember 2015 nach über fünf Jahrzehnten der Vergessenheit und des desolaten Zustandes an seinen angestammten Platz, die Kirche St. Bartholomäi in Zerbst, zurück. Foto: Landeskirche Anhalts

Das Gemälde »Gnadenstuhl mit den Fürsten Joachim und Wolfgang von Anhalt« kehrte erst im Dezember 2015 nach über fünf Jahrzehnten der Vergessenheit und des desolaten Zustandes an seinen angestammten Platz, die Kirche St. Bartholomäi in Zerbst, zurück. Foto: Landeskirche Anhalts

Weiterhin geplant ist eine Wanderausstellung »Wolfgang von Anhalt (1492–1566): Fürst und Bekenner« – ab dem 23. März in St. Bartholomäi Zerbst, vom 1. Juni bis 31. August im Schlossmuseum Köthen und ab dem 2. Januar 2017 im Schlossmuseum Bernburg zu sehen. Ein Festgottesdienst an historischer Stätte findet am Ostermontag um 10 Uhr in der Zerbster Bartholomäi­kirche statt. Weitere Aktivitäten sind eine Schulung der Gästeführer beim Anhaltischen Gästeführertreffen, ein Schülerprojekt der KKM mit der Freien Schule Anhalt in Köthen sowie Vortragsabende im Juni und Oktober in der Schlosskapelle Köthen sowie in der Kanzler von Pfau’schen Stiftung Bernburg. Am 19. Juni wird in der Köthener Kirche St. Jakob das Theaterstück »Wolf streitet für das Lamm (Gottes)« von Pfarrer i. R. Armin Assmann und Nicola Hedemann gezeigt.

Zur Bedeutung von Fürst Wolfgang von Anhalt sagt Jan Brademann, Historiker und Mitarbeiter im Archiv der anhaltischen Landeskirche: »Wolfgang war zugleich Fürst und Bekenner, hat als Reichsfürst politische Verantwortung übernommen und ist klar für die Reformation eingetreten. Trotz seiner Schwäche als ›kleiner‹ Fürst und obwohl seine Dessauer Vettern und ›große‹ benachbarte Fürsten die Reformation lange ablehnten, bekannte sich Wolfgang bereits seit 1524 zu Luthers Lehre.« (siehe Biografie unten)

Schließlich gehörte er zu jenen, die auf dem Reichstag zu Speyer 1529 gegen die erneute Ächtung Luthers protestierten und 1530 auf dem Reichstag die Confessio Augustana unterschrieben. Die Gründungsdokumente der evangelischen Kirche weltweit tragen somit Wolfgangs Unterschrift.

Auch für die Staatsbildung in Anhalt leistete Wolfgang Wesentliches. »Die Erinnerung an ihn hilft, die Gegenwart Anhalts als kleine und von der Reformation geprägten Region – und Kirche – zu verstehen und sie im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum 2017 selbstbewusst zu positionieren«, betont Jan Brademann.

Johannes Killyen


Biografie

Fürstlicher Aktivist mit Beispielwirkung

Wolfgang von Anhalt war ein früher »Bekenner« und Unterstützer der Neuen Lehre

Fürst Wolfgang wurde am 1. August 1492 in Köthen auf der alten Burg geboren. Zu dieser Zeit war Anhalt unter den Askaniern in mehrere Zweige aufgeteilt. Wolfgang entstammte der Linie des Fürsten Sigmund, die über Georg I. zu Waldemar VI. führte, der ab 1474 den damaligen Köthener Teil Anhalts regierte. Wolfgang war der Erbprinz und hatte zwei Schwestern. Seine ältere Schwester Barbara wurde zunächst mit Heinrich III. von Reuß verheiratet und später die Frau von Jan von Kolowrat, der den Ruf eines »Wüstlings« besaß. Seine jüngere Schwester Margarete hingegen heiratete 1513 Johann den Beständigen, den Kurfürsten von Sachsen. Eine Verbindung mit vielgestaltigen Folgen.

Wolfgang bekam eine standesgemäße ritterliche Ausbildung und studierte dann an der Leipziger Universität. Er erbte nach dem Tod seines Vaters 1508 dessen Landesteil von Anhalt. Dazu gehörten neben Köthen halb Bernburg und halb Zerbst, auch Ballenstedt, Harzgerode sowie die Ämter Sandersleben, Freckleben, Hecklingen, Dornburg und Coswig. Ein insgesamt trotz der Kleinheit auch zerstückeltes Staatsgebilde und vor allem sehr einnahmenschwach.

Fürst Wolfgang war 16 Jahre alt. Er regierte zunächst mit Hilfe seiner Mutter, die ihm mit ihrer Sparsamkeit und ihrem politischen Pragmatismus gut ergänzte und anleitete. Der junge Fürst besuchte 1510 zusammen mit dem Fürsten Adolf, seinem vertrauten Oheim, Rom, das ihn wegen der unchristlichen Prasserei, Huren- und Pfründewirtschaft abstieß. Ihm ging es da ähnlich wie Martin Luther. Beide machten unabhängig voneinander die gleiche Erfahrung und wurden anschließend zu Kritikern der Papstkirche. Damit wurden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Nach der Heirat seiner Schwester Margarete 1513 weilte er oft am kursächsischen Hof, trat in kursächsische Dienste und begrüßte die Unterstützung des Kurfürsten für Martin Luther, zu dem er sich auf dem Reichstag zu Worms 1521 offen bekannte. Er gehörte damit zu den ersten deutschen Reichsfürsten, die die Neue Lehre unterstützten. Mehr noch. Nach der Einführung der Reformation in Preußen mit der Umwandlung in ein weltliches Herzogtum und im Kurfürstentum Sachsen führte Fürst Wolfgang seinerseits die Neue Lehre 1525 in Anhalt-Köthen und 1526 in Anhalt-Bernburg ein. Parallel trat er dem Torgauer Bund der evangelischen Stände bei. In diesen Jahren zählte er zu den fürstlichen Aktivisten des Luthertums mit Beispielwirkung und beförderte gegen altkirchlichen Widerstand die Berufung lutherischer Prediger.

Zudem engagierte er sich für die Aufhebung der Klöster, schützte sie andererseits während des Bauernkrieges und nutzte das Vermögen der Klöster sowie deren Einkünfte für die Volkswohlfahrt. In Zerbst entstand schon 1531 aus dem Brüderkloster eine Schule, die als »Francisceum« bis heute existiert.

Fürst Wolfgang trat dem Schmalkaldischen Bund bei, zählte ab 1531 zu dessen Hauptrepräsentanten bei Verhandlungen sowie Kriegszügen. Mit seinen fürstlichen Vettern nahm er einen Gebietstausch vor. Er überließ ihnen Zerbst und übernahm ganz Bernburg, wo er dann auch residierte, Altstadt und Neustadt vereinte, die Kirche St. Nicolai ausbaute, eine Saale-Schleuse errichtete sowie den Schlosskomplex über der Saale umgestaltete. Es entstand durch den Baumeister Andreas Günther der sogenannte »Wolfgangbau«, der nach dem Tod des Fürsten auf Weisung von Fürst Joachim Ernst fortgesetzt wurde.

Fürst Wolfgang weilte noch am Sterbelager Martin Luthers in Eisleben, eroberte danach mit kursächsischer Hilfe Aschersleben für kurze Zeit zurück und erlebte dann die folgenschwere Niederlage des Schmalkaldischen Bundes bei Mühlberg. Der ernestinische Kurfürst kam in Gefangenschaft, Wolfgang floh in den Harz, stand unter der Reichsacht und verlor ebenfalls sein Fürstentum. Nach Bittgesuchen seiner Verwandtschaft, der Zahlung hoher Summen und der Vermittlung des nunmehrigen albertinischen Kurfürsten von Sachsen bekam Fürst Wolfgang sein Land durch den Passauer Vertrag von 1552 zurück. Fortan hielt er sich von der großen Politik fern, machte ein Fräulein von Schaderitz aus einer Gröbziger Adelsfamilie ohne Heirat zu seiner Partnerin und pflegte entsprechend dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 den Ausbau der Neuen Lehre. 1562 überließ er schließlich sein Land seinem Dessauer Vetter und zog sich für das nahe Ende nach Zerbst zurück, wo er am 23. März 1566 starb und in der Bartholomäikirche seine letzte Ruhe fand. Dazu kam in dem Sakralbau ein Ölgemälde von Lucas Cranach d. J., das den Fürsten darstellt.

Martin Stolzenau

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Ihre Lesermeinung zu diesem Artikel

Nutzen Sie gravatar, wenn Sie Ihr Bild mit der Meinung veröffentlichen wollen!