Was glauben Konfis?

20. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Konfirmation: Jugendliche Gott-Sucher – nicht immer werden sie fündig, ergab eine bundesweite Studie im Auftrag der EKD

Am Palmsonntag beginnen die Konfirmationen. Auch wenn die Jugendweihe der kirchlichen Segenshandlung den Rang abgelaufen hat, sind die Zahlen konstant.

Es klingt wie ein schlechter Kalauer und man reibt sich ungläubig die Augen. Jeder sechste Konfirmand glaubt nicht an Gott. Es könnte sein, dass schon immer 10 bis 14 Prozent der Konfis Atheisten waren, allerdings hat das bislang noch niemanden interessiert. Wenn ich mich an meine Zeit als Konfirmand zurückerinnere, an den Kleinen Katechismus, der auswendig zu lernen war, da spielte die Frage nach dem persönlichen Glauben eine untergeordnete Rolle. Über die Lehrgrundlagen des Konfirmandenunterrichts gab es keine Debatten. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich je gefragt worden wäre, was ich glaubte.

Früher war die Konfirmation mit dem Ende der Volksschule verbunden. Im April begann dann mit der Lehrzeit ein neuer Lebensabschnitt. Foto: epd-bild – Jens Schulze (2)/Archiv (2)

Früher war die Konfirmation mit dem Ende der Volksschule verbunden. Im April begann dann mit der Lehrzeit ein neuer Lebensabschnitt. Foto: epd-bild – Jens Schulze (2)/Archiv (2)

Das wird vor 477 Jahren nicht anders gewesen sein. Zur Bekräftigung der Kindertaufe entwickelte der Theologe und Reformator Martin Bucer das Modell der Konfirmation. Durchgesetzt hat sich die feierliche Segenshandlung erst im 18. Jahrhundert. Bis heute sind es noch ein Drittel aller 13-Jährigen in Deutschland, etwa 250 000, die jährlich den evangelischen Konfirmandenunterricht besuchen.

Was die Jugendlichen glauben, hat die EKD in einer Langzeitstudie ergründet, deren zweite Untersuchung im vergangenen Jahr zu Ende gegangen ist. Demnach glauben nur 67 Prozent der Konfirmanden an Gott. Erstaunlich ist, dass die Atheisten und Zweifler unter den Konfirmanden trotzdem den Weg bis zum Abendmahl und zur Einsegnung am Altar gehen.

Für Pfarrer Stefan Weusten, Dozent für die Arbeit mit Konfirmanden am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck, hat das viel mit Familientradition zu tun. Die meisten der 4300 Konfirmanden in der EKM und etwa 150 in der Landeskirche Anhalts kommen aus dem kirchlichen Umfeld. Die Konfis in Mitteldeutschland entscheiden sich überdurchschnittlich oft für die Konfirmation, weil es die Familie wollte. 15 Prozent geben gar an, nicht aus freien Stücken die Konfirmation gewählt zu haben, erläutert Weusten.

Die mitteldeutschen Konfis unterscheiden sich ansonsten nur unwesentlich von denen anderer Landstriche. Deutlich über dem Durchschnitt liegt allerdings die Zufriedenheit bei der Bewertung der Erfahrungen mit den Konfi-Angeboten in den Kirchengemeinden. Das bringt Weusten vor allem mit den erlebnisorientierten und gemeinschaftsfördernden Methoden moderner Konfi-Arbeit in Verbindung. Es gehe darum, die Lebenswelt der Konfis wahrzunehmen und ihnen die Deutung ihrer Lebenswelt im Licht der biblischen Botschaft zu ermöglichen.

Für bedenklich hält Weusten, dass 27 Prozent der Konfis offensichtlich keine einzige interessante Predigt gehört haben und 31 Prozent in keinem Gottesdienst Lebensrelevanz entdecken konnten. Und das bei einer sonntäglichen Präsenzpflicht mit bis zu 60 Gottesdiensten während der Konfirmandenzeit. Am Ende glauben 27 Prozent der Jugendlichen nicht, dass Gott die Welt erschaffen habe. »Offensichtlich gelingt es nicht besonders gut zu erläutern, wie sich Schöpfungsgeschichte und Evolution zueinander verhalten«, so Weusten. Für viele Jugendliche gäbe es scheinbar nur ein »Entweder-oder«, und sie hielten sich dann eben eher an die wissenschaftliche Erklärung.

Für Weusten ist die Entscheidung für die Konfirmation vergleichbar mit der für die Jugendweihe. Das habe weniger mit Inhalten als mehr mit Tradition zu tun. »Es gibt auch mal Jugendliche, die sich konfirmieren lassen, weil sie gute Erfahrungen mit einer kirchlichen Kindergruppe oder den Pfadfindern gemacht haben.« Das sei aber nicht die Regel. Diejenigen würden dann oft auch nach der Konfirmation dabei­bleiben. Immerhin zeigen etwa ein Drittel aller Konfirmanden Interesse, am Ende der Konfirmandenzeit an der kirchlichen Jugendarbeit weiter teilzunehmen oder mitzumachen. Allein die entsprechenden Angebote fehlen vielerorts.

Willi Wild

www.konfirmandenarbeit.eu

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Reaktionen unserer Leser

45 Lesermeinungen zu “Was glauben Konfis?”
  1. Gert Flessing sagt:

    Konfirmation. Gestern hatten wir einen festlichen Gottesdienst mit unseren zwei Konfirmanden.
    Beide gehen in unsere evangelische Schule.
    Beide sind auch aus Gründen der Familientradition zur Konfirmation gegangen.
    Ob sie jemals wirklich Heimat in der Kirche, in der Gemeinde finden?
    Sie haben sich zum Glauben bekannt. “Ja, mit Gottes Hilfe.”
    Lebensrelevanz im Gottesdienst? Interessante Predigt?
    Ich werde bald in Pension gehen. Aber ich erinnere mich noch an meine Konfirmandenzeit. An was ich mich nicht erinnere ist eine interessante Predigt. Oh, unser Pfarrer war ein hoch intelligenter Mann und was er sagte, hatte Hand und Fuß. Aber interessant? Unsere Interessen lagen in dem Alter anders.
    Nach Lebensrelevanz haben wir nicht gefragt. Wir haben gelebt.
    Am vorigen Sonntag (Judika) war Prüfung. Da haben die beiden das, was sie erarbeitet hatten, vor der Gemeinde gesagt. Sie haben gut gesprochen. Themen waren “Freiheit eines Christenmenschen” und “Islam und sein Hintergrund und seine Probleme”. anspruchsvoll und gut gelöst.
    Dazwischen die Gebote, anderes, was man so auswendig lernen muss.
    Wo die Konfirmanden stolperten, habe ich die Frage an die Gemeinde weiter gegeben.
    Viele Themen sind der auch nicht so nah.
    Ob sie bei mir immer interessante Predigten hören? Ich weiß es nicht. Aber immerhin kommen die Menschen noch und schlafen auch nicht, wenn ich erzähle.
    Gert Flessing

  2. Matthias Schollmeyer sagt:

    Lieber Herr Flessing
    das ist ein sehr wichtiges und interessantes Thema. Ihren Beitrag dazu finde ich sehr ehrlich und hilfreich. Lassen Sie uns uns uns ein wenig weiter darüber austauschen.

  3. Gert Flessing sagt:

    Gern, lieber Herr Schollmeyer.
    Ich mache gern Konfirmandenarbeit. Wenn ich sie auch sehr konservativ mache und immer gemacht habe.
    Seltsamerweise hat es die Konfis nie gestört, dass es oft eine andere Art Schulstunde war.
    Auch habe ich nie die Prüfung abgeschafft. Sie hat sich jedoch, von einem bloßen abfragen von Lernstoff, wie ich es selbst noch erlebte, zu einem Gespräch mit Themenschwerpunkten, entwickelt.
    Den Lernstoff gibt es noch immer, im Mittelpunkt die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
    Zum Gespräch gehört auch, dass die Gebote mit eigenen Worten und nach eigener Überlegung erklärt werden müssen. Wesentliche Teile des Unterrichts beschäftigen sich damit, wie das, was man so liest, in die Lebenswirklichkeit hinein gebracht werden kann.
    Die Konfirmanden sind der Gemeinde wichtig. Die Gemeinde nimmt auch sehr gut an den jeweiligen Prüfungen teil. Der Gemeindesaal ist immer voll.
    Dabei kann sich auch ein Gespräch über das, was von den Konfirmanden gesagt wird, hinaus, entwickeln.
    Ein Grundsatz, den ich meinen Konfirmanden ebenso sage, wie der Gemeinde ist, das ich keinen Glauben vermitteln kann, sondern nur Informationen. Glauben, Vertrauen auf Gott, kann ich nur leben und das muss jeder selbst wagen. Wissen kann dabei hilfreich sein. Kenntnis der Bibel und des Denkens, das damit zusammen hängt.
    Wir behandeln, im Zusammenhang mit dem Glaubensbekenntnis auch die Schöpfungsgeschichten und erarbeiten, was in diesen Erzählungen drin steckt. Ich versuche damit das Entweder – Oder – Denke, ein wenig abzubauen.
    Dabei setze ich auf die Kraft der Erzählungen und ihre Tiefe. Oft kommt das sehr gut an. Wobei ich mir freilich bei bestimmten frommen Leutchen ein heftiges Stirnrunzeln einhandle. :-)
    Gert Flessing

  4. Matthias Schollmeyer sagt:

    DIE AUFERSTEHUNG DER KONFIRMATION
    AUS DEM GEISTE DER SATIRE
    ——————————————
    Lieber Herr Flessing,
    da haben Sie mir aus dem Herzen gesprochen. Ich bin über die Konfirmandenarbeit ein großer Liebhaber des Apostolikums geworden. Dasselbe ist zum roten Faden meiner Konfirmandenstunden geworden. Trotzdem – vor ein paar Jahren habe ich einen kleinen satirischen Text gemacht, über den ich mit Ihnen (und anderen?) gern in´s Gespräch kommen würde. Es geht dabei auch um die Jugendweihe. Aber sehen Sie selbst! Bis bald …

    EDEL SEI DER MENSCH – HILFREICH UND GUT
    (Dramolett in fünf sehr kurzen Szenen)
     
    Personen:
    Tante Berta (aus Iserlohn)
    Vater
    Mutter
    Sven (beider Sohn)
    der Redner
    Pfarrer Leidner
    Die Stimme eines Herrn
    Hermes, ein abgetaner Gott
    das Telefon
     
     
    1. Szene (bei Tante Berta im Zimmer)
     
    Tante Berta:
    Vor nunmehr etwa fünfzig Jahren
    bin ich fort, Tante Berta,
    in den Westen gefahren.
    Kam von dorther nie wieder zurück.
    Machte in Iserlohn lieber mein Glück.
    Schickte dem Bruder,
    der Schwester, Verwandten,
    Schokolade und was sie sonst alles nicht kannten:
    Jeans-Hosen, Zahnpasta und davon
    auch Seidenstrumpfhosen aus Perlo-Nylon.
    Es war ja schließlich auch nicht ohne,
    das Leben in der sowjetischen Besatzungszone.
    Ständig nur Stasi und FDGB.
    Kampfgruppe und Konsum, das tut doch weh.
    Auch Autos war`n rar und Bohnenkaffee
    und dann immer wieder nur SED, –
    Doch Tante Berta hat Euch geholfen,
    dem Enkel in Cottbus und der Nichte in Wolfen.
    Dass der Mensch es ein wenig besser habe,
    sandte ich Päckchen
    den Meinen als Gabe.
    Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.
    [ab/Szenenwechsel]
     
     
    2. Szene (Vater und Mutter zu Haus)
    Vater:
    Mutta, mach Licht,
    ick kann ja sonst
    nich finden
    den Fotoalbum mit die Bilda
    von unsere Kinda.
    Und wo wir selber noch jugendlich
    und Tante Berta zur Jugendweihe da war.
    In dem dicken schwarzen BMW,
    und wo ich lange Haare habe und …
     
    Mutter:
    Na Vata – da, gleich neben dem Kanapee!
     
    Vater:
    Danke, Mutta [schlägt das Album auf]
    Ja, das bin ich.
    Und da is mein Bruda.
    Im Hintergrund siehst du das Fernsehgerät
    und der Pittiplatsch dort auf dem Brett
    über dem Bett.
    Da schlief ich und träumte
    wenn es dunkel geworden war.
    Die Uhr aus Glashütte.
    Sie tickte ganz leise.
    Fast kann ich´s noch hören. [blättert um]
    Und das ist das Volkshaus
    Hier steht auch der Redna.
    Das Ulbrichtbild hängt riesengroß
    dort auf der Bühne.
    Die farbigen Tücha,
    die FDJ-Mädel mit bauschigem Busen
    im spannenden Blauhemd.
    Ach, Mutta!
     
    Mutter:
    Aba, Vata!
     
    Vater:
    S´is so.
    Vergangen, – nie wieda.
    Wie schön war die Jugend,
    die goldene Zeit.
     
    Mutter:
    Vata, Tante Berta aus Iserlohn fragt,
    warum feiern wir denn nich Konfirmation?
    Es sei doch die Ulbricht- und Honneckerei,
    – schreibt sie –
    seit 20 Jahren für imma vorbei?
     
    Vater: [wütend werdend]
    Vorbei – is gar nix.
    Allet kehrt wieda
    in veränderte Formen
    dasselbe als Gleichnis –
    nur anders verkleidet.
     
    Mutter:
    Aba Vata!
    Tante Berta aus Iserlohn
    fragt nach der Konfirmation. [es klopft an die Tür]
     
    Vater: Herein. [der Redner tritt ein]
     
    der Redner:
    Guten Abend, liebe Leute
    heute wollte ich euch fragen,
    ob ihr mir könnt schnell mal sagen
    wie der Sven zur Jugendweihe
    in der allerersten Reihe
    hoch im Rathaus,
    dort im Saale,
    für die Jugendweiher alle
    einen Toast kann sagen an.
    Goethe, Schiller, Heinrich Mann,
    Allende, Gisela May,
    auch Karl May ist wieder dabei …
     
    Mutter:
    Schön, das is so feialich.
     
    Vata:
    Da müssen Sie den Sven
    selba fragen, Herr Redna!
    [ruft hinter die Szene]
    Svenny!
     
    Sven: [kommt lässig an]
    Is´n?
     
    der Redner:
    [wiederholt seinen Spruch, nur etwas anders]
    Sven, wenn du anläßlich
    deiner Aufnahme in die
    Reihen der Erwachsenen
    nunmehr zum Jugendlichen
    geweiht wirst und dann oben
    auf der großen Bühne
    im Rathaus ein Gedicht
    rezitieren wirst,
    dann solltest du …
     
    Sven:
    Was´n für´n Gedicht?
     
    der Redna:
    Na, ich dachte an:
    „Edel sei der Mensch
    hilfreich und klug“. Oda?
     
    Sven:
    Oda wat?
     
    der Redna:
    Hilfreich und klug!
     
    Sven:
    Is´n das?
     
    Mutter:
    Svenny, der Herr Redna
    vom Jugendweihevorbereitungsausschuss meint, Goethes Worte sind gut und erprobt.
    Das kann nicht schaden.
     
    Sven:
    Muß ich?
     
    Vater:
    Tanta Berta würde sich freuen.
    Stichwort: Moped!
     
    Sven:
    Wie geht das jetzt noch ma?
     
    der Redna:
    Edel sei der Mensch!
    hilfreich und klug!
     
    Sven:
    Weita …
     
    Redna:
    … Ich kopier dir´s morgen.
     
    Sven:
    Ok. Kann ich jetzt Simpsons?
     
    Vater:
    [zappt durch eine Menge TV-Sender, dann endlich landet er bei Prosieben]
    Das ist sie,
    deine Lieblingsfamilie!
     
     
    3.Szene (beim Pfarrer Leidener zu Hause)
    [Während Sven hingebungsvoll die Simpsons guckt gehen Mutta und der Redna nach draußen und scheinen sich einig zu werden über die Details der bald stattfindenden Jugendweihe – Vata blättert weiter im Fotoalbum herum / Man lenke nun aber seine Aufmerksamkeit zum Pfarrer in dessen Wohnung, – auch er guckt gerade „Die Simpsons“. Da läutet das Telefon]
     
    Telefon:
    Dingdidel düdel didelda
     
    Pfarrer Leidener:
    Mist! [ er geht an den Apparat und meldet sich]
    Evangelisches Pfarramt
    Kleinprätzschnich,
    sie sprechen mit Pfarrer Leidener.
    Was kann ich für sie tun?
    [am anderen Ende meldet sich eine sanfte sonore Stimme mit leicht hanoveraner Akzent]
     
    die Stimme eines Herrn:
    Ja, Grüß Gott, Herr Pfarrer,
    mein Name ist Herrenhausener
    (Name geändert),
    ich möchte sie
    in einer wichtigen Angelegenheit sprechen.
     
    Leidener:
    Oh ha!
     
    die Stimme eines Herrn:
    Wissen Sie,
    zu ihrer Gemeinde gehört doch auch
    ein gewisser Sven, nicht wahr?
    Dessen Großmutter oder Patentante,
    ist hier bei uns Mitglied
    in dem Verein der
    „Freundinnen und Freunde guter alter Traditionen“.
    Das ist ein Verein,
    der sich bald nach dem Kriege gegründet hatte,
    um den vielen Flüchtlingen,
    die damals zu uns kamen,
    eine Möglichkeit zu geben,
    ihre heimatlichen Bräuche fortzuschreiben
    und so weiter.
    Eine an und für sich gute Sache,
    die wir damals
    in unserer Pfarrgemeinde Sankt Ulbert
    positiv aufgenommen
    und durch die Jahrzehnte auch
    getragen und begleitet haben.-
    Ich höre, Sie sehen gerade „Die Simpsons“,
    eine durchaus anspruchsvolle Sendung,
    wie ich meine …
     
    [im Hintergrund der Itschi&Scratschi-Soundtrack]
     
    Ja, nun schauen Sie,
    die Frau Mutter von diesem Sven hatte da
    eine für meine Begriffe
    geniale Idee,
    die sich sozusagen aus den Tatsachen,
    wie sie nun einmal so sind,
    selbst geboren zu haben scheint, –
    da ja auch in Ihrem Pfarrsprengel
    nur erschreckend wenig
    Konfirmandinnen und Konfirmanden
    vor den Altar treten werden
    um den Tauf-Segen Gottes neu zu empfangen.
    haben wir uns gedacht,
    wie wäre es denn einmal,
    wenn die Evangelische Kirche im Osten
    die Jugendweihe flächendeckend
    in einem sozusagen großen Coup
    übernehmen würde?
     
    Leidener:
    Was – wie jetzt?
     
    die Stimme eines Herrn:
    Ja, ganz richtig!
    Das klingt natürlich
    zuerst etwas fremd und gewöhnungsbedürftig,
    ist aber, denken wir,
    eine gute und praktikable Idee.
    Schauen Sie,
    sagen Sie in Zukunft
    doch einfach nicht mehr „Konfirmation“ dazu
    erstens ist es Latein
    – und ich erspare mir weiteren Kommentar –
    und zweitens kleben an diesem Wort
    soviel Blut und Tränen und das Scheitern
    aus den fünfziger/sechziger Jahren,
    nicht wahr, Herr Pfarrer?
    Sagen Sie einfach auch Jugendweihe dazu –
    aber „Jugend-Weihe“. Mit Bindestrich …
    Und machen Sie ein Fest für alle
    umsonst,
    dann kommen die Leute
    in Scharen zu ihnen gelaufen,
    – wo wir doch jetzt auch diese weltweiten Krisen haben,
    die noch lange andauern werden,
    wie man weiß, ist das fast fest verbürgt.
     
    Leidener:
    Und Sie meinen das ernst?

    Die Stimme eines Herrn:
    Sie haben, Herr Pfarrer,
    dort im Osten
    ja die besten Ressourcen
    – die armen Leute
    - zumal aus bildungsfernen Schichten
    – die entsprechenden abenteuerlichen Gebäude
    – und das Know-How.
    Unser Verein würde Sie in den ersten Jahren,
    – bis es eben so richtig läuft –
    finanziell und projektgebunden unterstützen.
    Wir haben auch parallel schon
    in Ihrer Kirchenleitung
    ein paar gute Leute
    mit diesem Gedanken
    vertraut zu machen begonnen
    und die entsprechenden Handouts verteilt.
    Nun suchen wir zeitgleich dazu
    Geistliche und auch Geistlichinnen,
    die ihrerseits Lust und den nötigen Mut haben,
    neue Wege auf neue Ziele zuzugehen,
    und das Leuchtfeuer dieser Kampagne
    für die kommende Zukunft anzuzünden,
    zu entfachen und am Brennen zu halten.
    Was meinen Sie?
     
    Leidener:
    Ich würde darüber gern erst nachdenken.
     
    die Stimme eines Herrn:
    Wann dürfen wir
    mit ihrer geschätzten Antwort rechnen?
     
    Leidener:
    Kann ich Sie zurückrufen?
     
    die Stimme eines Herrn:
    Ja, gewiß. Die Nummer ist sicher
    auf Ihr Telefon-Display übertragen worden?
     
    Pfarrer:
    Wie könnte es anders sein,
    hier steht sie.
    Auf Wiederhören.
     
    die Stimme eines Herrn:
    Grüß Gott,
    Herr Pfarrer!
     

    Telefon:
    Tut – tut – tut – tut.
     
     
    4. Szene (beim Redner in der Wohnung)
     
    Hermes:
    Der „Redna“ selber sitzt,
    man kann es deutlich sehen,
    in seiner Wohnung – dort im alten Sessel.
    Durch seine Stube gehe ich.
    Als Geist verflossner Zeiten
    erklärend Euch, die ihr das seht,
    mit einem Stöckchen hierhin
    und auch dorthin weisend,
    die Szenerie.
    Der „Redna“ kann nicht „selba“ sprechen denn,
    er ist bei sich zu Haus
    und schweigt meist außerordentlich,
    wenn er mit sich alleine ist.
    Ihr seht, sein Zimmer, ganz im Quelle-Ambiente
    „schmuck“ – wie man heute sagen würde –
    eingerichtet.
    Nichts mehr erinnert uns daran,
    daß er als finstrer DDR-Lehrer
    sein karges Leben einst gefristet hat.
    Nur manche Bücherrücken
    dort in den Fächern des Regals
    sind eine seltsame Vermischung:
    der Dietz-Verlag und Reader Digest
    grüßen uns zumeist,
    untrüglich uns bezeugend,
    in welches Geistes Kammer
    wir uns hier befinden.
    Erlauscht! Ein „Redna“ hört Musik!
     
    [man kann kurz aufbrausende Musik wahrnehmen]
     
    Verdi – Gefangnenchor – Nabuko und so weiter …
    Dort auf der Schrankwand
    die Matrjoschkasammlung aufgestellt.
    Erworben in der fernen Zeit
    des sogenannten Studiums
    von Russland, lang ist´s her.
    Doch hört, es läutet wohl das Telefon?
     
    Telefon:
    Dingdidel düdel didelda
    [der Redner erhebt sich aus dem Sessel, nimmt den Hörer ab und lauscht hinein, sein Gesicht verklärt sich dabei]
     
    Hermes:
    Könntet ihr hören, was ich nun höre,
    würdet ihr merken, daß es
    dieselbe freundlich verführerisch
    klingende Stimme des Hanoveraners ist,
    Herrenhausener, der nun den „Redna“
    kunstvoll zu überzeugen sucht:
    „Heimat- und Brauchtumspflege“,
    so sagt er sanft dem „Redna“,
    „diese sind wichtig, hilfreich und auch gut“.
    Vorschlag an ihn – ein Jahr lang
    oder auch zwei, man wird schauen,
    die Jugendweihe nur in den Kirchen
    zu feiern. Flächendeckend versteht sich!
    Auf diese Weise schließlich
    würde das Werk sich vollenden,
    das einst ersann Walter Ulbricht:
    Den Christen im eigenen Hause
    die Jugend abspenstig zu machen –
    bis auf den letzten verbliebnen
    getreulichen Gottesanbeter.
    Was wird der Redner nun tun,
    und was der Pfarrer beginnen?
    Auch Hermes, der Bote, frägt sich dieses!
     
     
    5. Szene (Epilog im Himmel)
    [wir sehen Tante Berta mit Flügeln auf- und abwandeln. Sie hat eine Harfe in der Hand, die von ganz alleine schöne Melodien spielt]
     
    Tante Berta:
    Nun bin ich schon seit Tagen hier im Himmel.
    Direkt von dieser Feier dort im Osten
    hat´s mich hinweggerafft.
    ´Nen Schlaganfall erlitt ich oder etwas Ähnliches.
    Na ja, die Jüngste war ich wohl grad auch nicht mehr.
    Der Redner hatte eben seinen Sermon abgespult
    und dieser Pfarrer seinen Segen ausgesprochen.
    Da stieg mein Enkel Sven auf die hohe Bühne,
    die man uns in der Kirche auferrichtet hatte,
    fing an, die harten Worte herzusagen,
    das: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“
    Und, dass den Göttern wir nacheifern sollen,
    und alles Glück blind in der Welt umhertappt –
    sich heute diesen, morgen jenen
    doch ohne Überlegung greift –
    und uns beschenkt beziehungsweise straft.
    Da war es schier um mich geschehen.
    Ich fiel vornüber und schlug hart mit meiner Stirn
    auf einer scharfen Kante an,
    die meine Bank, in der ich saß,
    von jener andren Bank abtrennte,
    wo andere ´nen Platz gefunden hatten
    für dieses Jugendweihekonfirmationsgefeier.
    Ich Alte aber wachte hier mit einem Beiwerk auf
     
    [zeigt die Flügel und die Harfe]
     
    und dieses wird ja nun der Himmel sein,
    ich kann mir gar nicht vorstellen,
    was das sonst andres zu bedeuten hätte.
    Sie alle feierten dann trotzdem weiter.
    Ein „Moped Tante Bertas“ wurde überreicht.
    Ja, edel sei der Mensch, hilfreich und gut.
    Der Redner und der Pfarrer aber tranken Brüderschaft.
    Und jeder sah seine Verbündeten
    mit unauffälligem Gezwinker beider Augen an.
    Es haben sich wohl nun vereinigt dort im Osten,
    die sich sonst spinnefeind gewesen sind
    und neidlich böse Wunden schlugen.
    Jawohl, so wird es sein,
    denn edel sei der Mensch, hilfreich und klug.
    [Harfenspiel]
     
    ________________________________________
    Worterklärung
    FDGB – Freier Deutscher Gewerkschaftsbund
    SED – Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
    BMW – Autotyp (Bayrische Motorenwerke)
    Pro7 – Privatfernsehkanal,
    brachte u.a. auch die Serie „Die Simpsons“

  5. Leser sagt:

    “Witz (Satire) komm raus, Du bist umzingelt!”

  6. Gert Flessing sagt:

    Hey ho, zunächst einmal Danke und das Dramolett ist sehr interessant.
    Gert Flessing

  7. Matthias Schollmeyer, sagt:

    Ja – danke. Nun, – ich denke schon längere Zeit darüber nach, ob die kirchenintern noch vorhandene Gegenüberstellung von Konfirmation und Jugendweihe nicht eigentlich kontraproduktiv wirkt und auch nur kontraproduktiv wirken kann. Und zwar kontraproduktiv für Kinder und ihre Familien und natürlich auch für die Kirche.
    Die verinnerlichte Abwehrhaltung gegenüber der Jugendweihe durch uns Kirchenleute (noch immer!) ist natürlich verständlich. Da platzt eine alte Wunde immer wieder neu auf. Wir haben uns damals vom Ulbrichtstaat einen Zweikampf aufdrängen lassen, den wir verlieren mussten. Und wir dachten, wir müssten die Familien in die Arena zwingen, um sie, so wie in der Legenda Aurea die Märtyrer mit Löwen und Tigern rangen und betend zusammenbrachen, erneut widerstehen zu sehen. Aber das ist Romantik gewesen – und natürlich innerhalb weniger Jahrzehnte völlig anders gekommen. Die Familien waren Gott sei Dank (darf man das sagen?) klug – und haben eine hohe Fähigkeit zur Anpassung und zum Ausweichen bewiesen. Ebenso, wie es nach 1989 mit den Pionieren sofort aus war, war nach 1960 die Konfirmation sehr schnell das weniger begehrte Modell. Die Konfessionslosigkeit, die in den letzten Jahrzehnten (auch) auf diese Weise in der DDR entstanden ist, hat sich dann vererbt. Denn genauso, wie sich Konfessionalität in den Familien vererbt, vererbt sich Konfessionslosigkeit.

    Was nun in dem kleinen Dramolett „Edel sei der Mensch, hilfreich und klug“ satirisch herbeikonstruiert wird, hat tatsächlich seine nüchterne Entsprechung in der DDR-Folgewirklichkeit. Die Eltern wollen für ihre Familien ein ideologisch neutrales Fest, für dessen Inhalt man sich nicht irgendwie vor sich selbst, seinen Kindern und den Gästen und Nachbarn fremdschämen oder erklären muss. So was wie Schulanfang – nur für große Kinder. Und sie wollen das absolvieren können ohne Stress. Stress haben sie ja schon mit ihren Kindern vielleicht genug, die in der Pubertät sind. Jene schreckliche und schrecklich wichtige Zeit, die viel, viel Nerven kostet – auf beiden Seiten. Ja und dann – ein paar Altkommunisten und Stabü-Lehrer haben dann vielleicht noch diese oder jene Rechnung mit der Kirche offen – und freuen sich insgeheim, dass die Konfirmandenzahlen nicht wachsen, sondern richtig runter gehen. Und, weil sie genau das ahnen und wissen! verharren die kirchlichen Mitarbeiter zumeist nach wie vor in der rührend-anerkennenswerten Haltung, irgendwie ginge es doch immer noch um den status cofessionis. Ja, – man müsse doch verkünden, bezeugen und belehren. Vermahnen und eindeutig fordern und die Väter in Ehren halten. Alles, alles psychologisch verständlich. Aber – grundsätzlich bedauerlich falsch (meiner Meinung nach zumindest). Nach wie vor belasteten wir auf diese weise die Kinder mit einer falschen Differenzierung, die überlebt ist (und schon immer überlebt war!). Falsche Differenzierungen sind „Konfirmation oder Jugendweihe“. Auch „Konfirmation und Jugendweihe“ ist wahrscheinlich falsch. „Jugend-Weihe“ ist richtiger, – obwohl das ein richtig blödes Wort ist. Aber – die Kirche sollte besonders bei den Jugend-Weihe-Feiern zu Gast sein, ganz besonders auch bei den Familien, deren Kinder als Getaufte die Jugend-Weihe feiern. Wie das im Einzelnen aussieht, weiß ich auch nicht. Denn auch ich bin noch in diesen falschen Grabenkämpfen von der Munition der Ulbrichtleute getroffen worden. Wahrscheinlich müssten die Kirchen den Jugendweiheverbänden anbieten, bei der Vorbereitung der feiern mitzumachen. Die Kirche müsste ihre weltanschauliche Neutralität (die ist in den Satzungen der Verbände festgeschrieben) dann aber an dieser Stelle aufgeben können, ohne sich selbst aufzugeben. Dann wäre sie frei, für alle Jugendlichen eine schöne Feier vorzubereiten, bei der sie aber nicht die Regie führt. Aber bei der sie da ist. Ich werde da sein … In diese Richtung versuche ich zu denken.
    Die Kirche arbeitet bisher auch daran, wieder Zahlen vorweisen zu können. Deshalb muss sie dahin gehen, wo die Zahlen sind. Das ist die Jugendweihe und bleibt es im Osten auch sicherlich noch sehr lange. Die Kirche möchte auch Zustimmung zu ihrer Ideologie. Ja, – aber das wollen die Familien im Zusammenhang mit dem Fest ihrer Kinder zumeist erst einmal gar nicht. Die Familien wollen eine würdige Feier – und zwar absolvieren (s.o.) Und die Kinder wollen in einer Gruppe als einzeln Exponierte auch verschwinden. Deshalb ist ihnen die Konfirmation mit dem Bekenntnischarakter eher nicht so genehm.

    Also – Wir sollten nicht auf den Anruf des Herrn Herrenhausener warten. Das wäre die Moraisatio des Dramoletts … Es ginge darum, sowohl den Wunsch des Jugendlichen für eine nicht mühsam konstruierte Gruppenzugehörigkeit zu gewährleisten, als auch den Wunsch des erwachsen werdenden jungen Menschen, von einer Gruppe völlig unabhängig zu werden, zu bestätigen. Das gelingt vielleicht erst jenseits der nicht mehr adäquaten Differenzierungen „entweder/oder“ bzw. „sowohl/als auch“ – im Dramolett „Edel sei der Mensch, hilfreich und klug!“ gelingt es durch einen metaphysisch eingefädelten Trick.

    Freilich – Tante Berta ist dann die, die am meisten profitiert. Und da liegt die große Schwäche des kleinen Textes.

  8. Gert Flessing sagt:

    Lieber Herr Schollmeyer, Ihr Gedanke ist nicht ganz neu. Es wird ja hin und wieder schon versucht, die ganze Schose etwas zu öffnen.
    Meine Frage ist jedoch, ob wir das müssen. Müssen wir für Menschen, an der Grenze vom Kind zum jungen Erwachsenen, einen wertneutralen “Initiationsritus” anbieten?
    Vielleicht wäre es gesellschaftskonform.
    Aber was, wenn junge Menschen wirklich ihr Bekenntnis zu Jesus, dem Christus sprechen wollen?
    Wird das nicht in einem solchen allgemeinen Happening sinnlos?
    Mir ist es in meinem ganzen Leben nie um Zahlen und Statistiken gegangen. Es ging mir, im Blick auf die Konfirmation, um die jungen Menschen, die da vor mir waren.
    Ihnen zu helfen, dass sie etwas von der Weite und Tiefe unserer Tradition und Gottes spüren, das war mein Ansatz.
    Ich arbeite nicht für Tabelle II.
    Als es einst an mir war, Konfirmand zu sein, habe ich mich sehr bewusst dafür entschieden. Mein Vater, Wirtschaftsfunktionär und Genosse, musste es büßen. Die Kreisleitung hat ihm die Hölle heiß gemacht. Er erzählte es mir kurz vor seinem Tode.
    In der Prüfung habe ich fast versagt, denn ich hasse es, dinge nur auswendig zu lernen. Aber unser Pfarrer hat mich dann gebeten, im Gottesdienst die Lesungen zu halten.
    Mir war es immer wichtig, zu wissen, wo ich stehe.
    Hin und wieder geht es auch heute noch jungen Menschen so.
    Für die versuche ich da zu sein.
    Gert Flessing

  9. Leser sagt:

    Lieber Gert,
    ich denke (und hoffe) schon, daß es es noch mehr Pfarrer, wie Dich gibt, die noch wissen, warum sie es sind! Allen Schollen, Mayern und anderen “Poeten” zum Trotz. Ich glaube, solche Typen sollten wir gemeinsam beobachten und auf die Finger klopfen! Zumal solche Leute von unseren (KIrchen)steuern bezahlt werden. Soetwas wäre für mich einer der Gründe, den “Laden” zu verlassen!

  10. Matthias Schollmeyer, sagt:

    Lieber Herr Flessing:
    Zitat „Müssen wir für Menschen, an der Grenze vom Kind zum jungen Erwachsenen, einen wertneutralen “Initiationsritus” anbieten? Vielleicht wäre es gesellschaftskonform.“
    @ Nein, – das müssen wir eigentlich nicht. Da haben Sie recht.

    Zitat „Aber was, wenn junge Menschen wirklich ihr Bekenntnis zu Jesus, dem Christus sprechen wollen? Wird das nicht in einem solchen allgemeinen Happening sinnlos?“
    @Vielleicht sollte für diese Art Bekenntnis eine andere Gelegenheit gewählt werden (z.B. Tauferinnerung). Denn dieses Bekenntnis ist ja gerade k e i n Initiationsritus, sondern eine bewusste Entscheidung. Ich würde beides also am liebsten entkoppeln. Schade finde ich nämlich, dass durch die gegenwärtige Praxis die Tendenz besteht, solche Jugendlichen, die bekennen wollen oder sollen, vom Jugendweihegeschehen irgendwie zu separieren.

    Zitat „Mir ist es in meinem ganzen Leben nie um Zahlen und Statistiken gegangen … Ich arbeite nicht für Tabelle II.“
    @Hut ab – ich weiß, dass es so richtig ist. Aber wie schaffen Sie das, wenn Sie „nur“ noch zwei Konfirmanden haben? Ich würde gerne auch mal mehr erreichen. Aber ich merke auch, dass das ein Alter ist, in dem das Bedürfnis der zu Erreichenden etwas anzielt, was nicht zur Konfirmation führt, sondern in eine andere wichtige Richtung.

    Zitat „… Mir war es immer wichtig, zu wissen, wo ich stehe.“
    @Danke für diese persönliche Geschichte von Ihnen und Ihrem Herrn Vater.

  11. Leser sagt:

    ” Schade finde ich nämlich, dass durch die gegenwärtige Praxis die Tendenz besteht, solche Jugendlichen, die bekennen wollen oder sollen, vom Jugendweihegeschehen irgendwie zu separieren.”
    Warum eigentlich schade? Als Pfarrer wärees Ihre (verdammte) Pflicht, sie darin zu bestärkrn und zu unterstützen! “Jugendweihe” ist ein heidnischer, antikristlicher Ritus!

  12. Matthias Schollmeyer, sagt:

    Ach ja, – den “Leser” hatte ich ja ganz vergessen …

    Zitat: “Warum eigentlich schade?”
    @ Die Klassenverbände aus Mädchen und Jungen gehen gemeinsam zur Jugendweihe. Sie haben aber, Herr “Leser”, Recht – der Name JUGENDWEIHE ist nicht wirklich der Hit und erinnert die, die keine Ahnung haben, an heidnische bzw. volxkristliche Rituale. Das liegt allein schon in dem Begriff WEIHE begründet. Aber,- das stimmt auch: Es ist die Jugendweihe von heute nicht mehr das Event der Betonkopfkommunisten mit Buchenwaldfahrten und Gelöbnissen und anschließender Überreichung der Bibel des Antichristen “Weltall-Erde-Mönch”.

    Es ist eine Feier zum Absolvieren draus geworden, – und sicher eher für die Eltern als für die, die das ganze Brimborium von ehedem betreffen soll. Jedenfalls sind, soweit ich sehe, alle indoktrinierenden pseudoreligiösen Geist-Verstümmelungen inzwischen weggefallen. Man kann da gern mitmachen, und es ist gar nicht einzusehen, warum einzelne Jugendliche aus diesem Setting nur deshalb künstlich rausgenommen werden, weil etwas Anderes durch die Kirche platziert wird. Und zwar genau auf diesen Ereignispunkt fokussiert: Das Fest einer Familie in der ehemaligen DDR.

    Ach ja – Dann machen die Jugendweiheverbände auch noch die Namensweihen. Nun, – mein Gott: Sie können sich eben schwer von all dem lösen, wovon sie los zu sein glauben: Die ganze katholische Klaviatur der sakramentalischen Begrifflichkeiten wie hier z.B. Weihe. Und auch Jugend gehört in diese Ecke. Finden Sie mal neue Begriffe für diese Uraltkonten. Für Gottesdienst wurde kürzlich SONNTAGSVERSAMMLUNG in Umlauf gebracht. Nicht schlecht … Aber geht nicht.

    Wo ich meine Frage ansetzen wollte betraf folgenden Umstand. Dass wir Jugendliche aus dem Verband herauslösen, in dem sie ein harmloses Fest feiern, das ist unnötig. Und zwar für die Familien und auch für unsere Kirche. Im Gegenzug versuchen wir dann auch noch irgendwie harmlos zu werden und Spaß-Events für die Kits zu veranstalten, damit sie sich interessieren. Jede Menge Konfispaß, Rallye durch die Stadt mit Zeltlagerkram. Das kann ja alles stattfinden. Aber lassen wir doch den Familien ihre Jugendweihe. Und sorgen wir dafür, dass etwas vom freundlichen Geist des Jesus mit dazukommt, ohne dabei aufdringlich zu werden. Machen wir mit. Es fällt uns kein Zacken aus der Krone. Sie nun, Herr “Leser”, und da haben Sie auch wieder Recht, halte ich im Blick auf die Anbahnung solcher und ähnlicher Kontakte zu den Betroffenen vorerst für komplett gar nicht geeignet. Nicht nur wegen der Orthographie, sondern auch sonst. Ihre Gabe ist wahrscheinlich eine ganz andere. Der HERR spricht ja durch den Mund des Apostels Paulus im Korintherbrief von verschiedenen Gnadengaben. Sie müssen hier auf dem Forum ad personam motzen. Weiter so!

  13. Gert Flessing sagt:

    Ja, es wäre durchaus eine gute Sache, wenn wir, vielleicht ähnlich, wie die katholische Kirche, eine Entkopplung von Bekenntnisakt und Lebenszeitwechsel haben könnten. Ich denke hier an die katholische Erstkommunion, denn die Firmung entspricht ja eher unserer Konfirmation.
    Natürlich weiß ich ebenso, dass das nicht so einfach ist. Es wird wohl einiger theologischer Mühen bedürfen und vor allem einiger innerkirchlich – bürokratischer, um ein brauchbares Ergebnis zu bekommen.
    Auch sollten wir nicht die Tragfähigkeit der bestehenden Tradition innerhalb der Gemeinde unterschätzen. Es ist schon schwer genug, bei den Zusammenlegungen heute, einen zentralen Konfi-gottesdienst einzuführen.
    Mir ist es gelungen, weil wir Jahr für Jahr in einer anderen Kirche sind. Dieses Rotationsprinzip hat sich bewährt.
    Nebenbei gesagt halte ich die Feierwut an sich schon für – hm, naja.
    Da werden Schulanfänge wie Hochzeiten gefeiert. …
    Aber das mag auch an mir liegen, der ich eher preußisch nüchtern bin, was derartige Dinge anbelangt.
    Von daher sehe ich mich auch nicht gut in der Lage, nur um dem Volk Zucker zu geben, auf die Jugendweiheverbände zuzugehen, um ein irgendwie geartetes festliches Hochamt mit “Ein Ekel sei der Mensch, hilflos und dumm” zu kreieren.
    Ich verschweige nicht, das ich die Idee nicht uninteressant finde. Mir ist auch bewusst, dass das Sinnen und Trachten des primitiven Menschen, beinahe abergläubisch, an Übergangsriten hängt.
    Beinahe möchte ich annehmen, das er es braucht, um sich wohl zu fühlen.
    Aber vielleicht wäre eine andere Konstellation möglich, denn ich halte das, was die Jugendweiheverbände machen, für viel zu konsumorientiert. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, dieses Event mit einem Eintreten in die Verantwortungsgemeinschaft der Staatsbürger zu verbinden und damit in die Wertegemeinschaft, die das Grundgesetz und bietet.
    Da könnte dann der Bürgermeister mit ins Boot geholt werden. Das würde vielleicht auch deshalb einen Sinn machen, weil in dem Alter die Religionsmündigkeit angesiedelt ist.
    Aber das ist nur so ein Gedanke zu dem Thema.
    Gert Flessing

  14. Matthias Schollmeyer sagt:

    Zitat: „ … auf die Jugendweiheverbände zuzugehen, um ein irgendwie geartetes festliches Hochamt … zu kreieren.
    Ich verschweige nicht, das ich die Idee nicht uninteressant finde. Mir ist auch bewusst, dass das Sinnen und Trachten des primitiven Menschen, beinahe abergläubisch, an Übergangsriten hängt. Beinahe möchte ich annehmen, das er es braucht, um sich wohl zu fühlen.“
    @ ich meinte gar kein Hochamt. Ich meinte die einfache Präsenz der Kirche bei dieser Feier, ohne die kirchliche Dominanz. Ein Text etwa: „Prüfet alles / und das Gute behaltet!“ Ich meine allerdings – Die Kinder brauchen das Übergangsritual wohl noch nicht? Die finden die Feier für sie einfach gut. Aber die Eltern brauchen etwas, wo sie existentiellen Dampf kontrolliert ablassen können, hauptsächlich die Mütter, – die brauchen was in diese Richtung. „Kind groß, Tochter groß – was wird werden auweia“ – usw. https://youtu.be/WEjnLwoLTRw
    Man könnte z.B. in den Gottesdiensten schon einmal besonders für die Familien beten, die Jugendweihe feiern. Das machen wir hier bei uns im Konfirmationsgottesdienst seit einigen Jahren.

    Zitat: „Aber vielleicht wäre eine andere Konstellation möglich …Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, dieses Event mit einem Eintreten in die Verantwortungsgemeinschaft der Staatsbürger zu verbinden und damit in die Wertegemeinschaft, die das Grundgesetz und bietet. … Aber das ist nur so ein Gedanke zu dem Thema.
    @das, finde ich, ist ein sehr guter Gedanke.

  15. Leser sagt:

    Ach Herr (hochgebildeter, orthografisch eingebildeter) Schollmeyer, jeder macht sich eben so unmöglich und unglaubwürdig, wie er es für richtig hält. Kirchlich christlich verbrämen sollten Sie es aber dann doch nicht. Muß Kirche wirklich jeden Sch. mitmachen auch den, den Gert Flessinga als
    “Mir ist auch bewusst, dass das Sinnen und Trachten des primitiven Menschen, beinahe abergläubisch, an Übergangsriten hängt.” beschreibt? Wundern Sie sich da wirklich noch, daß einer solchen “Kirche” die wirklich gläubigen Christen in Scharen davon laufen?

  16. Matthias Weinert sagt:

    Lieber Leser, stänkern Sie doch nicht immer nur. Ich denke, jede Gemeinde ist anders und jede Gemeinde tickt anders. Gerade in Dörfern erlebe ich, wie verschieden Kirche funktioniert. Da machen 5 oder 10 km schon was aus. Allein dabei zu pauschalisieren (”DIE Christen in Mitteldeutschland”), wäre Unrecht. Ich bin bestimmt kein Freund von neuen Moden und Riten, was sich bewärt hat, sollte beibehalten werden. Ich singe lieber alte Kirchenlieder als die neuen mit Wipp-Rhythmus. Aber wenn die alten Riten nicht mehr bei allen Menschen funktionieren, müssen andere ran. Offenbar haben gerade die alten Riten den meisten Menschen nichts mehr zu sagen. Wenn Konfis das Glaubenskenntnis zu verstaubt oder die 10 Gebote zu wenig sind (Jugendliche finden meistens doof, was die Eltern wollen), sollen sie ruhig alles umschreiben. Anschließend sollen sie sich damit auch auseinandersetzen und die Praxis erproben. Und spätestens der Praxistest wird hervorbringen (so bin ich überzeugt), dass die Worte der Väter und Vorväter auch heute noch gültig sind.
    Ich denke,in der Vergangenheit wurden viele Fehler gemacht, bei der Leitung und in den Gemeinden. Man hat die Augen vor der Wahrheit verschlossen. Anstatt sich mit der Ursache des “Kundenabgangs” zu beschäftigen und die Konkurrenz als Herausforderung zu sehen, hat man sich selbst bedauert und verwaltet. Und ich bin überzeugt, auch die gegenwärtigen Repräsentanten der Kirche machen Fehler. Pfarrer verwalten auch heute noch, nur eben gleich mal 5 oder 10 Gemeinden gleichzeitig. Und wenn Herr Flessig bald in Rente geht, hat er Glück. (Guten) Nachwuchs gibt es kaum, wer will schon unter solchen Bedingungen arbeiten. Aber Kirche funktioniert nicht von oben, sondern von unten. Die Gemeinden und ihre Kreativität sind gefragt. Würden die Ortsgemeinden sich an alles halten, was Bischöfin und ORK so äußern und empfehlen, hätte ich keine Hoffnung mehr. Nein, nein. Ich finde es spannend, wenn ich rumreise und erlebe, wie Pfarrerinnnen und Pfarrer, aber auch GKR, ihre Kirchen mit Menschen füllen. Ich kann überlegen, ob das bei mir auch funktionieren würde und dann kann ich es ausprobieren, mit 3, 4 Leuten gemeinsam vorbereiten und persönlich einladen (Plakate reichen nicht). Ein gutes Beispiel, dass es noch gute Überraschungen gibt, war der Artikel “Die Chance des Scheiterns” (G+H 12/2016, S. 4) Vielleicht geht die Saat nicht im vorbereiteten Acker auf, sondern am Wegrand. Aber auch diese abseitigen Pflänzchen helfen, den Fortbestand der Pfanzenart zu erhalten.

  17. Leser sagt:

    Lieber Matthias Weinert
    ich stimme doch mit Ihren Einschätzungen überein. Dafür habe ich lange genug Kinder-und Jugendarbeit gemacht und auch immer örtlich und überregional Leitungsfunktionen(eigentlich mein ganzes bisheriges Leben)bei “Firma Kirche” gehabt!
    Aber was hier in Punto Jugendweihe für ein verharmlosender Unsinn (von einem “Pfarrer”) verbreitet wird, darf doch deshalb wohl nicht unwidersprochen bleiben?
    Übrigens habe ich mich doch zu dem angesprochenenen Artikel hier alles andere als “stänkernd” geäußert!

  18. Gert Flessing sagt:

    Der Kirche laufen die Menschen nicht wegen dieses oder jenes Rituals weg.
    Sie laufen weg, weil sie bestimmte Hinweise auf ihrem Kontoauszug erschrecken.
    Sie laufen weg, weil sie sich bei einem Gespräch, die Grabnutzungsgebühr der Tante betreffend, angep… fühlten.
    Aber wenn Menschen sich wegen vierzig Euro aufregen, dann fühle ich mich auch ein wenig knurrig und kann unfein werden.
    Weg mit Schaden.
    Ich denke schon ,das es auch in der Kirche guten Nachwuchs gibt. Mache Menschen haben die Gabe. Gott sei Dank.
    Was vielen jungen Menschen fehlt ist die Fähigkeit, sich selbst und den Tag zu strukturieren. Vor Jahren sagte mir mal eine Freundin, ich hätte eine eingebaute Uhr. Man merkt, wenn die zeit umspringt und ich in einen anderen Modus wechsle. :-)
    Aber ich bin mit dieser Durchstrukturierung gut gefahren.
    Ein weiteres ist nötig: Die Fähigkeit Nein zu sagen und das auch durchzuziehen.
    Morgen ist Ostern. Der Herr ist auferstanden. Wir dürfen uns des Lichtes und des Lebens freuen.
    Gert Flessing

  19. Leser sagt:

    Lieber Gert,
    ich glaube schon, daß gläubige Christen einer “Kirche” davonlaufen, wenn Pfarrer bei der Jugendweihe mitmachen wollen.Da ist es wirklich Eines “nötig: Die Fähigkeit Nein zu sagen und das auch durchzuziehen.”Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und das Licht hat die Finsternis verdrängt! Hallelujah!

  20. Gert Flessing sagt:

    Es gibt Momente, das frage ich mich, was sind denn “gläubige Christen”?
    Sollte es denn wirklich “ungläubige Christen” geben?
    Wenn ein Pfarrer etwas macht, so macht er es nicht ohne seine Gemeinde. Jedenfalls nicht, was eine gewisse Tragweite hat.
    So könnte auch ein Nachdenken über eine Feier, in der junge Menschen an der Grenze zum Erwachsenwerden, bedacht werden, nichts sein, was ich, als Pfarrer, kraft meiner Wassersuppe machen kann.
    Die Frage muss schon stehen, was wir, als Gemeinde, wollen und ob sich, für uns, als Kirche, da unten, etwas anbietet, das wir auch geistlich mittragen können.
    Also ich möchte nicht, als Pfarrer, bei irgend etwas mit rum stehen, nach dem Motto: “Kieck ma, der is ooch da.”
    Die Überlegungen sollten schon ein wenig substantieller sein.
    Ich bin gewiss recht locker in vielen Fragen. Es macht mir keine Probleme, bei der Einweihung eines Wasserkraftwerkes zu sprechen und auch nicht bei der Einweihung eines Feuerwehrdepots und gleich noch unseren Innenminister dazu zu bringen, das er zugibt, es nicht besser zu können. Alles kein Problem.
    Aber wenn es um Menschen, um junge Menschen zumal geht, geht es um Herz und Seele unserer Zukunft.
    Das ist ein anderes Level.
    Vermutlich werden wir überlegen müssen, wie wir mit dem Problem umgehen. Aber ich fürchte, das ich keine Lösung habe.
    Da ich konservativ und Verfassungspatriot bin, wäre mir der Gedanke mit dem Grundgesetz nicht unlieb. Aber wie das sich gestalten ließe und wie es sich theologisch untermauern ließe, das ist noch völlig offen.
    Gert Flessing

  21. Leser sagt:

    Lieber Gert!
    Bei Leuten, die eben nicht nur “ooch da da” sein wollen, sondern ernsthaft (ist das möglich?) bei Jugendweihefeiern mitmischen wollen, können einem da schon mal Zweifel kommen. Du hast nämlich Recht,es geht um junge Menschen und deren Herz und Selle! Und da hat ein Pfarrer und eine Gemeinde doch einen ganz klaren Auftrag und Verantwortung!

  22. Gert Flessing sagt:

    Ja, der Auftrag, den wir haben. “Geht hin, lehrt, tauft…”
    Damit sind wir an alle gewiesen. Aber wie können wir “alle” erreichen, wohl wissen, das nicht alle wollen, schon gar nicht immer, was wir wollen.
    Paulus sprach davon, das er allen alles geworden sei, den Juden ein Jude, den Griechen, ein Grieche, um einige (!) zu gewinnen.
    Wie er das angestellt hat, ist mir freilich fraglich, aber vielleicht hat auch er manchmal einen guten Tag gehabt.
    Jedenfalls ist der Gedanke nett, die Menschen “da abzuholen”, wo sie stehen.
    Wo aber “stehen” die Menschen unserer Tage?
    Vermutlich hätte da auch ein Paulus seine Probleme.
    In den vierzig Jahren meines Dienstes habe ich getauft und gelehrt und geworben und, nun ja, einige wohl auch gewonnen. Wenn es 10% waren, waren es viele.
    Wenn ich einen wirklichen Sinn darin sehen würde und nicht nur ein Mätzchen, wäre es mir kein Problem, mit den Leuten vom Jugendweiheverband zu verhandeln. Aber nur um Pappi und Mammi von einem unserer Zuckerpüppchen zu einem wohligen Gefühl zu verhelfen, gewiss nicht.
    Heute war ein Konfi mit seinem Vater, aus einer Nachbargemeinde, zum Gottesdienst. Da ging es (auch) um die obligatorische Unterschrift. Aber als der Junge die hatte, hieß es: “Wir kommen wieder.” Habe ich da jemanden erreicht?
    Wie schreibt Paulus doch so schön und so demütig: “Ich habe mehr gearbeitet, als sie alle. Aber nicht ich, sondern Gott, der mit mir ist.” ;-)
    Ich fürchte, was immer wir tun, es langt nie. Doch wenn wir einige gewinnen, wollen wir Gott danken.
    Gert Flessing

  23. Leser sagt:

    Genau darum geht es doch “Geht hin, lehrt, tauft (konfirmiert,..” und das in aller Treue und Demut Schön wenn , 10% sind, selbst wenn es nur 1% sind,denen man zum(ewigen) Leben in Fülle geholfen hat = “Auftrag erfüllt”= “Ich habe mehr gearbeitet, als sie alle. Aber nicht ich, sondern Gott, der mit mir ist.” ;-) Darauf liegt dann auch SEIN Segen!
    Mit atheistischen Jugendweihe- und anderen Mätzchen wird man das wohl kaum erreichen, eher das genaue Gegenteil!

  24. Matthias Schollmeyer sagt:

    … nur der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, dass im sogenannten Taufbefehl das Lehren (Belehren!) nicht an erster Stelle steht. Der alte Luther von 1912 hatte es freilich noch anders gesetzt. Dort finden wir ganz sonderbar zweimal LEHREN, und das ist den Herren Flessing und Leser sicher noch im Ohr:

    “Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
    Inzwischen ist das in der neueren Lutherübersetzung korrigiert worden. Das Lehren kommt nur einmal – und zwar zum Schluss. Tut mir leid, dass das jetzt sicher wieder belehrend wirkt. Ist aber nicht so gemeint. Hier der Originaltext:

    πορευθέντες οὖν μαθητεύσατε πάντα τὰ ἔθνη, βαπτίζοντες αὐτοὺς εἰς τὸ ὄνομα τοῦ πατρὸς καὶ τοῦ υἱοῦ καὶ τοῦ ἁγίου πνεύματος, διδάσκοντες αὐτοὺς τηρεῖν πάντα ὅσα ἐνετειλάμην ὑμῖν · καὶ ἰδοὺ ἐγὼ μεθ᾽ ὑμῶν εἰμι πάσας τὰς ἡμέρας ἕως τῆς συντελείας τοῦ αἰῶνος.

    Die Neue Genfer Übersetzung finde ich besonders schön.
    Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus für die Begegnung mit ihnen bestimmt hatte. Bei seinem Anblick warfen sie sich vor ihm nieder; allerdings hatten einige noch Zweifel. Jesus trat auf sie zu und sagte: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.«

    Hier wird sehr treffend herausgestellt, dass Jesus auf seine Schüler zugeht. Er tritt auf sie zu. Er stellt sich zu ihnen, und bleibt nicht auf der Seite der Belehrer.

  25. Leser sagt:

    Und Herr (Schlau)Schollmeyer,was ändert sich daran? Dort steht eindeutig Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe”. Genau das ist Aufgabe, Auftrag von Kirche, Pfarrer und Gemeinde!
    Mit eine atheistischen Jugendweihe hat das aber absolut nichts gemein!

  26. Matthias Schollmeyer sagt:

    … ich würde meinen, dass die Jugendweihe gar nicht ausgesprochen atheistisch ist, sondern einfach weltanschaulich neutral. So zumindest steht es in den Programmen dieser Verbände abgedruckt. Wir sollten auch das Geschriebene ernst nehmen. Und nicht immer bewusst falsch lesen. Das gilt übrigens auch für die Bibellektüre. (Deshalb oben der differenziertere Urtext des Wortes Gottes!)

    Jugendweihe – freilich, da ist bei den kirchlich Mitarbeitenden die alte DDR gleich mit im Kopf wieder dabei. Und wer noch immer in den Schützengräben der Ulbrichtzeit sitzt, hat vielleicht noch gar nicht bemerkt, dass zumindest der Krieg der Parteisekretäre und Katecheten schon lange vorbei ist. Die sind meistens beide im Himmel – oder eben einfach nur schon tot. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich vom Leser nun wiederum als Schlaumeyer oder noch ganz anders apostrophiert werde: – Der vom Leser in seinem post in Anschlag gebrachte Atheismusbegriff scheint mir einer differenzierteren Analyse wert zu sein. Meint man den Vulgäratheismus des sogenannten kleinen Mannes auf der Straße, der ja bekanntlich nicht zu unterschätzen ist, oder den von Leuten wie Margot Honnecker! Vielleicht ist sogar der eher religionskritische Begriff Atheismus aus der Theologiegeschichte gemeint? “atheistischen Jugendweihe”? Wahrscheinlich ist hier nur ein Blankostein aus dem unreflektierten Hass-Vokabular eines schnellschreibenden Lesers im Internet liegen geblieben.

    Wie dem auch sein, ich glaube nicht, dass eine seit Jahrzehnten sehr sattelfeste Festpraxis im Osten Deutschlands von der Kirche unqualifiziert unbeachtet bleiben sollte. Die Jugendweihe ist heutzutage die bessere Vulgärkonfirmation, soviel steht fest. Betonung auf Vulgär. Die Leute wählen hauptsächlich diese Art des Übergangsrituals – und wählen nicht das, was wir anbieten. Das hat Gründe. Ich habe sie weiter oben versucht aufzuzählen. Wer einen Verstand hat zum Verstehen, der verstehe!

    Natürlich ist die Konfirmation inhaltlich äonenweit anspruchsvoller als Jugend-Weihe. Da bin ich mit dem Leser auf derselben Seite, auch wenn er das wahrscheinlich nicht gern hat (mit mir auf derselben Seite!!!) Aber es reicht eben nicht aus, zu zweit oder allein auf der Seite zu sein, die man vorher für die richtige erklärt hat!

  27. Leser sagt:

    Frage an Schollmeyer, wie alt sind Sie? Haben Sie Erfahrungen mit Jugendweihe oder “kennen” Sie nur das, was da (heute) geschrieben wird?

  28. Matthias Schollmeyer sagt:

    58

  29. Gert Flessing sagt:

    Wie atheistisch geprägt die Jugendweihe heute ist, sei man dahin gestellt. Vulgärtheistisch wohl gewiss, denn viele Menschen unserer Tage sind eher Vulgäratheisten, als Religionskriitker.
    Dazu kommt, dass ich bezweifle, dass die Jugendweiheverbände ein wirkliches Interesse an uns Kirchenleuten haben. Nach dem, was ich Erfahrung bringen konnte, sitzen sie recht fest im Sattel und machen auch ganz ordentliche Geschäfte dabei.
    Nun, was das andere anbelangt, so weiß ich schon, wie die Übersetzung richtig heißt. :-)
    Das Lehren spielt jedoch so oder so eine Rolle.
    Wir sollten auch nicht vergessen, dass einst die Katechumenen eher Erwachsene waren.
    Ich bin davon überzeugt, das zu einem Christen auch ein gerüttelt Maß an Information gehört. Das fällt nicht vom Himmel.
    Das Vertrauen in Gott zu gewinnen ist eine andere Ebene.
    Natürlich ging Jesus auf die Seinen zu. Er tut es, wenn wir es richtig wahr nehmen, auch heute noch. Da ist viel Freiheit, die gelebt werden will.
    Wenn ich aber, wie es unser “Amt” ist, zu Versöhnung mit Gott aufrufen soll, dann muss auch ich ein Stück auf die Menschen zu gehen.
    Die Jugendweihe wurden im ausgehenden 19. Jh. ja bewusst gegen die Tradition der Großkirchen gesetzt, unter anderem auch von freikirchlichen Gruppierungen. Natürlich dominierten später die Freidenker, die Kommunisten und auch SPDler.
    Wie sollten wir, auch ohne DDR Grabenkrieg, dort einen Anknüpfungspunkt finden können?
    Was sollten wir dabei erreichen? Wahrgenommen zu werden? Das wäre etwas wenig.
    Gert Flessing

  30. Leser sagt:

    Mit 58 sollten Sie wenigstens ein wenig von dem wahrgenommen haben, was Gert Flessing, ich und viele Andere an Erfahrungen mit “Jugendweihe” gemacht haben!
    Ja, was soll es da für Anknüpfungspunkte und gemeinsame Ziele geben? Selbstaufgabe? “Der letzte macht das Licht aus”?

  31. Matthias Schollmeyer sagt:

    Danke, lieber Herr Flessing, dass Sie sich auf dieses Thema bisher so ernsthaft weiter einlassen. Denn es ist ja auch ein wichtiges Thema. Und – es geht (das zur Erinnerung) ja nicht um die Jugendweihe. Sondern um die Konfirmation. Hier meine Gedanken …

    Zitat: „Wie atheistisch geprägt die Jugendweihe heute ist, sei man dahin gestellt. Vulgärtheistisch wohl gewiss, denn viele Menschen unserer Tage sind eher Vulgär(a)theisten als Religionskritiker.“
    @ntwort: Hier muss ein Druckfehler bei Ihnen vorliegen? Sie haben Recht, wenn sie vermuten, dass die meisten Leute heute wieder nur heidnische VulgärTHEISTEN sind. Also Verehrer der Religion in dem von Karl Barth so treffend beschriebenen negativen Sinn: Der Mensch versucht sich durch RELIGION einen eigenen Weg zu so etwas wie einem höchsten Wesen zu bahnen, welches Wesen dann eben gerade aber nicht Gott ist, sondern nur ein ins Groteske verzerrte Spiegelbild des eigenen Allzumenschlichen.

    Zitat: „Dazu kommt, dass ich bezweifle, dass die Jugendweiheverbände ein wirkliches Interesse an uns Kirchenleuten haben.“
    @ntwort: Da werden Sie Recht haben. Das habe ich auch nicht behauptet, dass diese Leute Interesse an uns haben. Warum auch? Deren Ding läuft ziemlich rund. Ich will gar nicht, dass die Interesse an uns haben. Wir sollten aber gerade deshalb ein Interesse an denen haben. „Gehet hin in alle Welt.“ Das ist übrigens ein langer Weg. Jesus hatte Interesse an den Leuten. Ihm war es erst mal egal, ob die sofort Interesse an ihm hatten.

    Zitat: „Nach dem, was ich in Erfahrung bringen konnte, sitzen sie recht fest im Sattel und machen auch ganz ordentliche Geschäfte dabei.“
    @ntwort: Wenn es so ist, ist das ein Zeichen dafür, dass wir in punkto Funktionalität, Betriebswirtschaft etc. eine Menge von denen lernen können.

    Zitat: „Ich bin davon überzeugt, das zu einem Christen auch ein gerüttelt Maß an Information gehört. Das fällt nicht vom Himmel.
    @ntwort: Völlig d´accord. Da haben Sie Recht. man merkt es im Blick auf die Beiträge des Lehrers. Informationen sind sehr wichtig.

    Zitat: „Wie sollten wir … dort einen Anknüpfungspunkt finden können?
    Was sollten wir dabei erreichen? Wahrgenommen zu werden? Das wäre etwas wenig.“
    Antwort: Wir wünschen den Jugendlichen Glück, Gesundheit, Mut und Erfolg im Leben. Und – das ist das Besondere, den Segen Gottes, – den wir kennen als Schöpfer, Erhalter und Vollender. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ich glaube, das wird gut ankommen! Wenn wir es ohne versteckte Herrschaftsgelüste tun. Segnen …

    Und nun noch der „Leser“ …
    Zitat: „Mit 58 sollten Sie wenigstens ein wenig von dem wahrgenommen haben, was Gert Flessing, ich und viele Andere an Erfahrungen mit “Jugendweihe” gemacht haben! Ja, was soll es da für Anknüpfungspunkte und gemeinsame Ziele geben? Selbstaufgabe? “Der letzte macht das Licht aus”?
    Antwort: Der Letzte macht das Licht a n ! Erinnern Sie sich an das Märchen vom Dornröschen. Die letzte Fee (das ist die 12.) macht alles wieder gut. „Die Letzten werden die Ersten sein“ sagt der HERR.

  32. Leser sagt:

    “Wenn es so ist, ist das ein Zeichen dafür, dass wir in punkto Funktionalität, Betriebswirtschaft etc. eine Menge von denen lernen können.”
    Wozu, warum? Ist das unser Auftrag als “Kirche” und Gemeinde?
    Nein, wenn Sie sich so selbstaufgebend anbiedern, können Sie nur noch irgendwann das Licht ausschalten! Da hilft Ihnen auch “ein gerüttelt Maß an Information”, die Sie aus Verlautbarungen atheistischer Gruppen beziehen, nicht weiter. Die Leute werden Ihnen, wie schon aktuell der “Kirche”, weiterhin in Scharen davonlaufen. Die suchen sich neue geistliche Hemeit!

  33. Matthias Schollmeyer sagt:

    Mein lieber Leser! … geistliche Hemeit? Wo ist diese Parallelwelt?
    Ceterum censeo, a iuvenisacribus discere – id est vincere discere!

  34. Leser sagt:

    Sehen Sie, auch wegen solcher Überheblichkeiten wird Ihnen das Volk davon laufen!(und sich wirklich geistliche Heimat suchen)!

  35. Leser sagt:

    Es gibt auch heute noch Leute, die klar sehen, was “Jugendweihe” wirklich bedeutet! Siehe letzter Satz unter:
    http://www.myheimat.de/wismar/kultur/keine-jugendweihen-in-der-wismarer-georgenkirche-d2652124.html

  36. Matthias Schollmeyer sagt:

    Noch einmal (TEIL I):

    1. Es geht nicht darum, ein kirchliches Fest (die Konfirmation) abzuschaffen. Es geht nicht darum, ein Fest der christlichen Gemeinde im Ort aufzugeben – und den billigen Ersatzevents Zulauf zu verschaffen, die sich seit langem neben der Kirche (und gegen sie) etabliert haben.

    2. Es geht eher darum, die Konfirmation von ihrer Eigenart zu befreien, Alternative zur Jugendweihe zu sein.
    Christ ist man nicht durch die Konfirmation. Sondern mit der Taufe ist man (meist als noch unmündiges Kind) in die Gemeinschaft der Heiligen aufgenommen worden.

    3. Die Konfirmation ist dann die eigenverantwortete und öffentlich ausgeübte Bestätigung des fast erwachsen gewordenen Jugendlichen dafür, dass er sich nun selber auch zu dieser Gemeinschaft zählen will (oder: bekennt).
    Dazu bedarf es aber keiner Konfirmation, die im inhaltlichen Gegensatz zur Jugendweihe zu verstehen wäre. Man könnte jedes Jahr ein Tauferinnerungsgedenken einlegen.

    4. Der Zeitpunkt 13/14 Jahre ist ohnehin nur traditionell bedingt (Ende der Schulbesuchs der meisten Konfirmanden, Beginn einer Lehre etc. Verlassen des Elternhauses). Das Alter 13./14. ist nicht das Alter, wo man gewöhnlich schion eigene weltanschauliche Präferenzen abschließend durch Gelöbnisse setzt. Darum war es ein grenzenloser Fehler des DDR-Systems, die staatliche Konfirmationsjugendweihe mit einem Gelöbnis auf den Arbeiter-und-Mauern-Staat zu verbinden. Das hat denen eher geschadet und das System in unangenehm indoktrinierender Weise in Erinnerung gehalten. Aber man wollte ja die kirchliche Jugendweihkonfirmation zerstören, was auch einigermaßen gelungen ist.

    5. Kluge Kirchenleute haben dann die Doppellösung ermöglicht, – mit oder ohne Schamfrist von bis zu einem Jahr. Das war gut, wenn diese „Kollegen Vorreiter“ von den Hardlinern auch als bekenntnisuntreu oftmals gemieden worden sind.

    6. Bei dieser ganzen Angelegenheit sind viele Verletzungen geschehen – und ist eins besonders deutlich geworden: Bis auf ein paar starke Insider und Familien kirchlicher Mitarbeitenden haben die Familien überhaupt kein Bekenntnisfest gewünscht, sondern ein harmloses Event, bei dem dann danach nur eines wirklich klar war, dass es endlich in der Gruppe und nicht in der Vereinzelung des Bekenners absolviert worden ist.

    7. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Internetauftritte verschiedener ostdeutscher und altdeutscher Jugendweiheverbände anzusehen. Die sind so ziemlich langweilig und hausbacken gemacht. Es geht da wirklich eigentlich um nichts anderes als darum, eine Fahrt nach Avalon zu König Artus Berater Merlin zu platzieren, um Kosmetikkurse, Tanzangebote und Infos über Drogen, Sex und Klamotten loszuwerden. Ja, – das scheint immer noch wichtig zu sein. Die KZ-Häftlinge kommen nicht mehr und AgitProp ist auch out.

    8. Der Krieg ist also schon lange vorbei. Der alte Schmerz ist bloß noch Phantomschmerz. Die unverbesserlichen Jugendweihehasser müssten nun genauso auf die Couch wie auch ihre Pendants – die Stabü-Kampfatheisten. Wenn´s was nützen würde … Aber ein richtiger Hofhund, der immer nur an der Kette war, bellt eben, wenn was Fremdes am Horizont auftaucht. Das müssen wir verzeihen können.

    9. Worum geht es dann? Im nächsten Beitrag (TEIL II) mehr …

  37. Leser sagt:

    Zu 1-4:
    Kann ich Ihnen fast zustimmen!Außer folgendem Fehler:”die Konfirmation von ihrer Eigenart zu befreien, Alternative zur Jugendweihe zu sein” “Kirch (geistlich) gesehen sollte man als Christ eher genau andersherum sehen!

    zu 5: Klug oder feige anpassend?

    zu 7: Warum wollen Sie dann da unbedingt mitmischen?

    zu 8: Nicht wert, zu kommentieren!

    zu 9. Na da sind wir doch mal gespannt (was uns da so eingeredet werden soll)!

  38. Gert Flessing sagt:

    Lieber Leser, bitte nicht wieder diesen vielen Links. Das ist nichts, was eine eigene Meinung ersetzen kann und bringt, m.E. nicht viel.
    Das Thema ist es wert, nüchtern und völlig kühl behandelt zu werden.
    Die Konfirmation ist in einem Alter angesiedelt, in dem früher das Erwachsenenleben begann. Man kam, nach acht Jahren aus der Schule, es sei denn man besuchte ein Gymnasium.
    Von daher war der Gedanke einer Lebenswende wesentlich eher zu verstehen, als heute, wo Kinder noch zuhause leben, als meine Generation schon die ersten eigenen Kinder hatte.
    Die Konfirmation ist das Bekenntnis zu der Taufe, die man einst empfing. Dabei soll der Glaube gefestigt sein.
    Wie weit das zutrifft, sei dahingestellt. Ich fürchte, oft wird die Suche in dem alter erst richtig los gehen.
    Ich kann nur von mir sagen, dass die Entscheidung für die Konfirmation ein bewusster Akt war. Jugendweihe war nie eine Option gewesen. Aber war es das feste Vertrauen in Gott? Das musste wachsen und auch wenn ich nie gezweifelt habe, das Gott da ist, so habe ich, über manchen Umweg, lernen müssen, das er auch für mich da ist.
    Es stimmt doch, dass viele Menschen keine Bekenntisfeier wünschen, weil sie selbst Schwierigkeiten damit haben, sich zu irgend etwas zu bekennen.
    Ich denke an die belämmerten Gesichter von Menschen, die ich gut kenne, ja von denen dieser oder jene, mal selbst bei mir konfirmiert wurde, die eigentlich nur eins wollen: Abfeiern.
    Nun mache ich auch einen Konfirmationsgottesdienst nicht so steril, wie möglich, sondern so lebensnah, wie möglich.
    Er dauert, mit Chor und Abendmahl auch nicht länger, als sechzig, siebzig Minuten.
    Das reicht.
    In Brandenburg wurde dann der Pfarrer eingeladen und es wurde tüchtig gegessen und getrunken.
    Was ich mir wünsche ist, dass die jungen Menschen gern an ihre Konfirmation zurück denken.
    Kampf gegen Jugendweihe? Warum? Es bringt nichts, denn es stimmt auch, dass dort der Kommerz die Dinge bestimmt. Auch ein Schminkkurs ist darauf ausgerichtet, den Kitt zu kaufen, der dann ins Gesicht soll, das ohne ihn vermutlich schöner wäre. :-(
    Vielleicht schaffen wir es, das Geschehen “Konfirmation” ideologisch zu entkrampfen. Das würde gewiss allen gut tun.
    Gert Flessing

  39. Matthias Schollmeyer sagt:

    9. Worum geht es dann? (TEIL II)
    Besonders wichtig ist, dass man sich zuerst über eventuell bestehende latente Zielkonflikte klar wird und erkennt, woran es liegt, dass diese Konflikte überhaupt entstehen. An welcher Stelle genau gibt es einen unlösbaren Widerspruch zwischen verschiedenen Interessen.

    Nun gibt es bei dem Thema Konfirmation/Jugendweihe den Zielkonflikt, dass die Kirche etwas Gutes für die Familien tun will (ein spirituell hochwertiges Fest, wie sie zu Recht meint, anbietet) und die überwiegende Zahl der Familien dieses „Gut“ nicht als etwas Gutes anerkennt, sondern ein völlig anderes Fest wählt, das von den Kirchenleuten bisher nur als Trash bekannt ist. Wobei, – die Familien sehen in beidem überhaupt kein Problem, sondern sie betrachten die Jugendweihe als völlig ausreichend und amüsieren sich über das Urteil der Kirchenleute im Blick auf den Jugendweiherummel.
    Man kann diesen Konflikt auf sich beruhen lassen, aber es ist auf die Dauer doch frustrierend für uns Kirchenleute? Es wird irgendwann sogar lächerlich. Wir gleichen Leuten, die Smartphonebenutzern eine im Erdreich verankerte Telefonzelle auf dem Marktplatz zum Kauf anbieten. Es wäre also bei uns in der Kirche eine Art Innovationsstrategie wünschenswert, also eine an diesem Widerspruch orientierte Verfahrensweise für das Nachdenken über diesen Sachverhalt.

    10. Es ist nun ein großer Jammer, dass sich gerade die konservativen Denkverweigerer ihrer Sache immer ganz sicher sind, und die Denkfreudigen stets an sich selbst und an dem, was sie tun, zweifeln. Die Konservativen halten den laden natürlich zusammen – und die Experimentatoren sind bereit, viel aufs Spiel zu setzen. Wobei zu sagen ist, dass die Verweigerer die sind, die sich nicht trauen, vor sich selbst inmitten der Fakten grade zu stehen. Denkfaulheit ist hier kein abqualifizierender Begriff, sondern eher eine soziologische Diagnosekategorie. Nicht-nach-Denken ist eine Autoimmunisierungsstrategie, die es einem erlaubt, in einer Welt sich sicher zu wägen, die man vorher vor dem Eindringen inkohärenter Fakten abgeschirmt hat. Die experimentatoren sind meistens im System nicht mehr beheimatet, deshalb können sie es in gewisser Weise leichter von außen betrachten. Das gilt für alle Systeme.

    11. Für die Entwickelung aller Systeme, deshalb auch der sozialen, ist ein Austausch mit der Systemumgebung aber extrem notwendig und dringend erforderlich, – und deshalb müssen Systeme, die überleben wollen, in gewisser Weise offen bleiben. Zerfall tritt mit großer Regelmäßigkeit bei allen den Systemen auf, die abgeschnitten sind von ihrer Umgebungswelt. Zerfall ist ernsthaft auch da zu befürchten, wo sich Systeme völlig schutzlos öffnen (z.B. Migrationsfrage!) Locker gebundene Systeme funktionieren aber besser und halten länger. Deshalb sind auch hybride Identitäten den einwertig festgezurrten Selbstdefinitionen vorzuziehen. „Prüft alles, und das Gute behaltet!“ sagt Paulus. Wo er Recht hat, hat er Recht. Er gab die Beschneidung ersatzlos auf und blieb doch Jude.

    12. Es wäre einmal ernsthaft zu überlegen, ob bestimmte Probleme auch in der Kirche nur deshalb zustande kommen, weil man sich von einer bestimmten Sichtweise auf die Komplexität der Sachverhalte nicht lösen will – m.a.W. von bestimmten geistig/geistlich getroffenen Sichtvereinfachungen partout nicht lassen will. Das kann verschiedene Ursachen haben. Aber im Allgemeinen gilt: „Ein Problem lösen heißt, sich von dem Problem lösen!“ Und dabei muss man manchmal erst einmal in Kauf nehmen, dass es so aussieht, als ob überhaupt gar keine Lösungsvariante möglich zu sein scheint.

    13. Viele Menschen wagen aber nicht, den Bereich angeblich gesicherter Aussagen zu verlassen. Sie haben Angst vor sozialer Isolation. Das wird in diesem Forum G&H sehr oft gerade dann deutlich, wenn der mahnende Vorwurf als Drohung erhoben wird, die Leute würden in Scharen davon laufen. Zum Schluss hieß es sogar: „Das Volk wird in Scharen der Kirche davon laufen!“ Hier spürt eigentlich jeder, dass da eine sehr große Furcht argumentationsleitend ist. Motto: „Der Vater verstößt einen aus Strafe, man ist nun allein.“ Das sind alles urkindliche Ängste, die im Laufe der Kulturbildung institutionalisiert worden sind und denen mit Hilfe liturgisch-ästhetisierender Ritualisierung gedient wird. Es sind unerkennbare Tabus, die man zitternd umkreist. Diese sind jenseits aller Diskutierbarkeit zu absoluten Axiomen geworden und müssen ausgehalten werden, – zumal, weil sie gruppenbildend sind. Stichwort: Gemeinde. Aus dieser Richtung wird ein hoher Konformitätsdruck auf die einzelnen Verunsicherten ausgeübt. Er wird durch Bekenntnisschriften, Spiritualisierungen und pseudotheologische Vereinfachungen festgeschrieben.

    14. Meistens wird nur ungenügend erkannt, dass schon die richtig gestellte Aufgabe mehr wäre als die halbe Lösung. Es ist deshalb immer wichtiger, „die richtigen Dinge zu tun“, wichtiger als „die Dinge richtig zu tun“. Aber wie oft arbeiten wir mit hochwertiger Technik und großem personellen Aufwand an eigentlich minderwertigen Aufgabenstellungen.

    15. Deshalb ist m.E. folgende Lösung des Jugendweihekonfirmationsproblems einer vorurteilsfreien Diskussion sicher wert:

    a – die Konfirmation muss aus der Alternative „Jugendweihe oder/und Konfirmation“ rausgelenkt werden.

    b – solange die Jugendweihe von der überwiegenden Anzahl der Familien als das „Fest ihrer Wahl“ gewählt wird und die Kirche in dieser Beziehung als Alternative nicht wirklich gefragt ist, sollte die Kirche die JugendWEIHEarbeit zwar nicht unbedingt unterstützen, aber in einer für sie möglichen Form dabei sein. Wie sie überall in der Gesellschaft dabei ist. Aber bitte nicht als mäkelnde Querulantin. (Sie ist auch beim Militär dabei, im Hospiz, in den Gefängnissen, in der Kulturszene, im Bereich von Beratungen etc.) Unter diesem qualifizierten „Dabei-Sein“ wird sich auch die Qualität der Feiern ändern. Kirche ist nur Kirche, wenn sie „Kirche mit Anderen“ ist.

    c – Solange die Kirche aber diese säkularen vom alten Pseudoatheismus noch teilweise angekränkelten Familienfeiern pauschal und hochmütig und mit minderwertigen „theologischen“ Argumenten ablehnt, können auch ambitionierte Privatinitiativen von Leuten aus dem kirchlichen Bereich das Niveau dort nicht heben. Erschwerend kommt natürlich dazu, dass das Niveau nach wie vor eben doch bei uns ist. Aber was mache ich jetzt, wenn andere das lesen? Die Jugendweihefamilien werden sich entrüsten – zurecht! Deshalb hätte ich das lieber nicht schreiben sollen. Weil es tatsächlich überheblich ist. Niveau ist immer milieuabhängig. Ich glaube, es tut allen gut, sich den anderen Milieus auszusetzen. Deshalb heißt mitmachen nicht sich einzuschleimen oder sich selbst aufzugeben. Jugendweihe – Kirche macht mit, indem sie bei Fremden zu Gast ist. Und sieht, wie die Welt wirklich ist … die schöne gute alte Welt!

    d – der Kirche wird es mental besser gehen, wenn sie diese falsche Front der angeblichen Bekenntnisalternative verlässt und die Gräber der alten Bruderkämpfer fröhlich trauernd einebnet

    e – Die Kirchengemeinden sollten in jährlicher Regelmässigkeit Tauferinnerungsgottesdienste mit denen vorbereiten und feiern, die getauft worden sind, und zugleich mit denen, die noch nicht getauft sind. Also ein nicht-exkludierendes Fest. Dabei sollte die Taufe für alle sichtbar erinnert werden können. Man kann sich daran erinnern, dass es die Taufe gab, gibt oder irgendwann einmal für einen selber geben könnte.

    f – Eine Konfirmation als beglaubigten Abschluss (und Ausschluss) des kirchlichen Lebens auf die nächsten Jahrzehnte würde es dann nicht mehr geben (müssen) können.

    g – Auch die Jugendweihe ist ja übrigens nur ein Abschluss! Die nächste große Feier der Geweihten ist meist irgendein runder Geburtstag, bei dem das unaufhaltsame Verrinnen der Lebenszeit insgeheim thematisiert wird. Das ist ja die bittere Erkenntnis, die jeder unspirituelle Mensch eines Tages haben wird. Und da, an dieser Stelle ist wieder eine mögliche Schwelle zur Kirche.

  40. R.M.R sagt:

    Die Konfirmanden

    In weißen Schleiern gehn die Konfirmanden
    tief in das neue Grün der Gärten ein.
    Sie haben ihre Kindheit überstanden,
    und was jetzt kommt, wird anders sein.

    O kommt es denn! Beginnt jetzt nicht die Pause,
    das Warten auf den nächsten Stundenschlag?
    Das Fest ist aus, und es wird laut im Hause,
    und trauriger vergeht der Nachmittag…

    Das war ein Aufstehn zu dem weißen Kleide
    und dann durch Gassen ein geschmücktes Gehn
    und eine Kirche, innen kühl wie Seide,
    und lange Kerzen waren wie Alleen,
    und alle Lichter schienen wie Geschmeide,
    von feierlichen Augen angesehn.

    Und es war still, als der Gesang begann:
    Wie Wolken stieg er in der Wölbung an
    und wurde hell im Niederfall; und linder
    denn Regen fiel er in die weißen Kinder.

    Und wie im Wind bewegte sich ihr Weiß,
    und wurde leise bunt in seinen Falten
    und schien verborgne Blumen zu enthalten -:
    Blumen und Vögel, Sterne und Gestalten
    aus einem alten fernen Sagenkreis.

    Und draußen war ein Tag aus Blau und Grün
    mit einem Ruf von Rot an hellen Stellen.
    Der Teich entfernte sich in kleinen Wellen,
    und mit dem Winde kam ein fernes Blühn
    und sang von Gärten draußen vor der Stadt.

    Es war, als ob die Dinge sich bekränzten,
    sie standen licht, unendlich leicht besonnt;
    ein Fühlen war in jeder Häuserfront,
    und viele Fenster gingen auf und glänzten.

    Rainer Maria Rilke (Paris, im Mai 1903)

  41. Leser sagt:

    Lieber Gert,
    Du hast Recht, es bringt nicht viel! Das sieht man ja an den merkwürdigen Ansichten und “Überlegungen” Deines “Amtsbruders” hier!
    Schlimm, wenn “Pfarrer” sich in Pseudowelten verrennen und nicht merken, wie sie die (treuesten) Leute verprellen!
    Mit den Links wollte ich nur aufzeigen, daß es noch mehr

  42. Leser sagt:

    Leute gibt, die ähnliche Ansichten wie ich zu diesem Thema haben.
    Ich staune immer, wieviel Mühe mit wirklichen geistlichen Inhalt und großem Gottvertrauen Du Dir mit allem gibst! Schön, daß es auch noch solche Pfarrer gibt!
    Auch bei uns hat sich Gott sei Dank der Konfirmationsgottesdienst längst nicht mehr so stiril, wie zu meinen Anfangszeiten hier! Manche Damen des Prebyteriums legten und legen immer noch viel Wert auf “Etikette”. Spätestens als die ersten Mitglieder unserer CVJM-Band konformiert wurden und deren Vater mit im Presbyterium ist (wietereaufgeschlossene Leute folgten) wehte ein neuer und frischer Wind. Auch unser Pfarrer mußte da durch Einiges (z.B. “Stimmung” und Klatschen im Gottesdienst) “durch”! In erster Linie soll es doch das Fest der Konfis sein und sie sollen sich wohlfühlen. Viele “Ehemalige” sind durch unsere (CVJM)Kinderarbeit durchgegangen und heute auch immer wieder Mitarbeiter bei der Konfiarbeit! 2-3 von fast jedem Jahrgang bleiben dann meist “hängen” und wir hoffen, wir konnten mindestens denen was fürs ganze (ewige) Leben mitgeben!
    P:S “JUgendweihe” ist hier , Gott sei Dank, kein Thema und kennt kaum Jemand!

  43. Gert Flessing sagt:

    Lieber Herr Schollmeyer,
    die Kirche muss nicht überall dabei sein. Aber es gibt Aufgaben, die ihr zukommen. Dazu zähle ich die Militärseelsorge, die Polizeiseelsorge und die Notfallseelsorge.
    Hier ist der Pfarrer als Auffangstelle für Menschen in Extremsituationen Not – wendig.
    Dagegen müssen wir nicht zu jedem politischen Furz und Geikel auch noch was vermelden wollen.
    Die Jugendweihe halte ich nicht für eine Extremsituation. Die kommt für machen am Tag danach, wenn er versucht, den Kopf aus dem Kissen zu bekommen.
    Ich halte die Jugendweihe nicht für eine “minderwertige” Feier. Theologisch ist sie völlig ohne Relevanz, weil wir auch in der Konfirmation, keine Weihe haben. Nicht mal die Ordination ist eine “echte” Weihe, wenn sich auch mancher Lutheraner danach zu sehnen scheint.
    Aber, um es mit Paulus zu sagen, “durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.” und nicht durch die Gnade eines Bischofs.
    Ok, klingt ein bisschen hochmütig. Aber Paulus war das ja manchmal auch.
    Um die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist, müssen wir nicht bei einem solchen Event rumstehen und würdig aussehen. Wir haben, so denke ich, andere Möglichkeiten.
    Offene Feste zum Beispiel. Himmelfahrt ist bei uns musikalischer Gottesdienst mit anschließendem Frühschoppen. Da sieht uns die Welt. Exaudi findet, zum Abschluss des Schützenfestes, ein Bläsergottesdienst im Zelt des Schützenvereins statt. Auch da sind wir in der Welt.
    Unsere Überlegung sollte verstärkt dem Taufgedächtnis und dem Öffnen des Konfirmationsgottesdienstes für Neues dienen.
    Wir haben da etwas, was Stil hat und gut ist. Wenn sich die Jugendweihefamilien daran stoßen, das wir ihre Feier irgendwie prollig finden – tja, Pech gehabt. Ist halt so. Der schicke Anzug, das tolle Kleidchen und das Wissen, wie man verhütet, bringen nicht wirklich das Leben.
    Vielleicht haben wir nur noch nicht den Dreh gefunden, wie wir unseren Mehrwert richtig vermarkten können.
    Gert Flessing

  44. Matthias Schollmeyer sagt:

    Zitat: “Unsere Überlegung sollte verstärkt dem Taufgedächtnis und dem Öffnen des Konfirmationsgottesdienstes für Neues dienen. Wir haben da etwas, was Stil hat und gut ist.”

    So sehe ich das auch. Darauf würde ich mich gern mit Ihnen einigen! Herzlichen Gruß und gesegneten Sonntag. Spitzensatz morgen: 1. Petrus 1,8 “Christus … Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude …”

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