Der Tod endet

26. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Glauben: Das leere Grab zu Ostern birgt eine unüberbietbare Heilsgewissheit in sich


Ostern ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Hier endet das Universum des Verstandes, und es beginnt das Universum des Glaubens.

Die Karwoche mit ihren Fixpunkten am Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag bildet das Zentrum unseres christlichen Glaubens. Manches davon ist vielleicht auch für einen Nichtchristen verständlich: die Abendmahlsgemeinschaft des Gründonnerstags ist vordergründig nicht mehr als das gemeinsame Essen einer Gruppe von Menschen, die sich wechselseitig tief vertraut sind. Der Karfreitag mit dem Tod am Kreuz lässt sich politisch deuten.

Kirchenpräsident Joachim Liebig. Foto: Landeskirche

Kirchenpräsident Joachim Liebig. Foto: Landeskirche

Spätestens jedoch mit der Botschaft von der Auferstehung von den Toten enden die rationalen Deutungsmuster. Die zentrale Bedeutung für unseren Glauben lässt sich weder für Gründonnerstag noch Karfreitag rational wahrnehmen. Die Einsetzung des Abendmahls am Tag vor seinem Tod ist für uns Christen mehr als nur eine Gemeinschaftsform. Immer wiederkehrend versichern sich Christenmenschen seit 2 000 Jahren mit tragenden Verbindungen nicht nur untereinander, sondern mit Gott selbst.

Der Tod am Kreuz auf Golgatha ist nicht nur Ergebnis einer politischen Intrige. Sie leitet den Wendepunkt der Menschheit und ihres Verhältnisses zum Sterben ein. Die Verwirrung der Frauen am leeren Grab zu Ostern ist menschlich mehr als verständlich. Sie sind jedoch die ersten, die etwas buchstäblich grundstürzend Neues zur Kenntnis nehmen: der Tod endet.

Wer je Sterbende begleitet hat oder sich selbst existenziell mit dem eigenen Tod befassen musste, weiß um die unüberbietbare Heilsgewissheit, die das österlich-leere Grab in sich trägt. Menschliche Hoffnung lässt sich nicht auf unser von Anfang an gefährdetes menschliches Leben begrenzen. Christenmenschen sind gewiss, bereits in diesem Leben und darüber hinaus eine Geborgenheit bei Gott zu finden, der selbst der Tod nichts anhaben kann. Wer sich dieser Gewissheit öffnen will, muss damit das Universum des Verstandes überschreiten und in das Universum des Glaubens eintreten. Die österliche Glaubensgewissheit setzt die Bereitschaft dazu voraus und die Gebetsbitte an Gott, die buchstäblich unglaubliche Erkenntnis des Ostertages zu der entscheidenden lebensprägenden Einstellung werden zu lassen. Die Gottesdienste in den kommenden Tagen sind seit 2 000 Jahren für Menschen aller Kulturen und Zeiten eine entscheidende Hilfe und Vergewisserung auf diesem Weg österlichen Glaubens. Dazu wünsche ich uns allen Gottes Segen und den Gruß des Ostermorgens: Christus ist von den Toten auferstanden!

Joachim Liebig

Der Autor ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

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