Jesus war kein strahlender Superheld

26. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Alles in einen Raum, Tür zu, Schlüssel umdrehen und fertig. Alles, was ich nicht mehr sehen will, da einsperren, es aussperren aus meiner Welt. Ich habe damit nichts mehr zu tun. Und den Schlüssel, den behalte ich ganz fest in der Hand.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

Mir fällt genug ein, was ich in diesen Raum sperren möchte. Die vielen schlechten Nachrichten jeden Tag. Das Leid der Flüchtlinge und den Streit bei uns darüber, wie man ihnen helfen kann. Den Krieg und die Not in ihren Heimatländern. Und ich sehe, dass es genug Menschen in unserem Land gibt, die sich genau das Gleiche wünschen: Dass einer kommt und aufräumt und die Welt wieder schön übersichtlich wird. Wer einfache Lösungen verspricht, hatte großen Erfolg bei den letzten Wahlen. Ich kann diesen Wunsch verstehen. Aber es wird sich noch zeigen, ob die, die behauptet haben, sie hätten Schlüssel zu den Problemen, sie tatsächlich haben. Ich glaube es nicht.

Im Buch der Offenbarung, aus dem der Spruch für die Osterwoche stammt, geht es auch um Macht. Der Seher Johannes sieht den auferstandenen Christus vor sich. Und der sieht in dieser Vision tatsächlich aus wie ein Superheld, der alle bösen Mächte besiegt und für immer eingesperrt hat. Für die unterdrückten und verfolgten christlichen Gemeinden im römischen Staat in dieser Zeit war dieses Bild eine Hilfe. Je machtloser sie sich selbst fühlten, umso strahlender malten sie sich Jesus Christus als Sieger aus.

Doch Jesus ist ein anderer Sieger. Er war kein strahlender Superheld. Leid, Tränen, Geschrei, Schmerzen, den Tod – er hat das am eigenen Leib erlebt. Er hat sich nichts erspart. »Hinabgestiegen in das Reich des Todes« sagen wir im Glaubensbekenntnis. Jesus war dort, ganz unten, und Gott hat ihn von dort wieder ins Leben geholt. Deswegen können wir ihn zu Ostern als Sieger über den Tod feiern. Deswegen hat er die Schlüssel bekommen. Seine Macht kommt aus seiner Ohnmacht. Und er ist an der Seite aller Menschen, die leiden.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur, Lutherstadt Wittenberg

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Jesus war kein strahlender Superheld”
  1. Leser sagt:

    Liebe Frau Pfarrerin,
    eine Frage: Bedeutet evangelische Predigtkultur heute, daß man zunächst einmal über die herziehen muß, die politisch anderer Meinung sind? Was Sie persönlich politisch für möglich halten oder “glauben” tut erstmal nichts zur Sache! Predigen heißt Evangelium verkünden! Und das können Sie doch, wie aus Ihrem weiteren Beitrag ersichtlich, ganz gut!

  2. Gert Flessing sagt:

    Liebe Frau Oxen,
    Jesus hat die Schlüssel des Todes und der Hölle.
    Er hat nicht die Schlüssel zu unseren Problemen.
    Die müssen wir schon allein finden.
    Aber er kann denen, die ihm vertrauen und die bereit sind, die Hoffnung, die in den Worten liegt, das er, der gekreuzigte und gestorbene, doch der Lebendige ist, anzunehmen.
    Jesus ist kein Superheld.
    Aber er ist einer, der durch menschliche Perversion nicht zu zerbrechen ist.
    Die Christen der einstigen Verfolgung fanden darin Kraft. Es half ihnen auszuhalten, auch wenn sie um den Ruf “Die Christen vor die Löwen!” wussten.
    Unzählige Christen werden auch heute noch “den Löwen vorgeworfen”, weil sie ihren glauben bewahren wollen. In Syrien und anderen Ländern.
    Leider auch bei uns, wenn sie, aus Syrien geflohen unter vielen Mühen, hier, in den Heimen, bedrängt und bedroht werden.
    Aber auch für sie ist und bleibt der Auferstandene die Kraftquelle.
    Wir sollten danach fragen, was er für uns bedeutet. Vielleicht ein Ansporn für jene, die bis hier her aushalten müssen, als Christen bedroht zu sein, wenigstens zu beten.
    Gert Flessing

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