Einen Neuanfang geschenkt bekommen

16. April 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, Vers 17

Ich sehe aus dem Fenster. Blauer Himmel, frische Luft, die Sonne strahlt. Ein Frühlingsmorgen im April 2016. Zwei Wochen nach Ostern. In meinem Kopf diese beschwingte Melodie. »All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und gro-o-ße Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verla-a-a-ssen mag.« Ich singe leise vor mich hin. Es klingt bestimmt: »Drauf jeder sich verlassen mag.« Auf die große Treue und Gnade Gottes. Die neu ist jeden Tag, so frisch wie der Morgen. Egal wie frisch ich mich fühlen mag. Ob die Tage ganz am Anfang frischer waren? Und anders aussahen? Der Himmel noch blauer, die Sonne noch strahlender – und roch die Luft anders? Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Das war der allererste Anfang, das große Beginnen. Und selbst wenn ich nicht daran glauben könnte, dass es unser Gott war, so muss es doch einen Anfang gegeben haben. Das erste Mal Licht und danach wieder Dunkelheit, die erste Welle im Wasser, der erste Tau auf Gras, die erste Blume sprießt aus der Erde, der erste Vogel schlägt zum ersten Mal mit seinen Schwingen, ein Mensch steht auf und läuft umher, der erste Blick zu einem anderen, der erste Kuss, das erste Mal. So viele Anfänge seitdem.

Manche sagen, jeder Morgen sei ein neuer Anfang. Und was ist mit den durchwachten Nächten? Mit den Sorgen, die mit mir aufstehen, und dem Berg von unerledigten Aufgaben, der sich vor mir herschiebt? Wenn ich das Lenkrad in voller Fahrt herumreißen würde, um eine neue Richtung einzuschlagen, dann wäre das nicht nur für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich, sondern auch einfach zu schnell. Mein Leben ist ja kein Actionfilm. Ich brauche Ruhe für den Neustart. Zum Neubeginnen muss es vorher eine Pause gegeben haben; und das Alte ist weggeräumt, abgehakt, erledigt und verarbeitet. Eine Heidenarbeit!

Aber manchmal bekomme ich mittendrin einen Neuanfang geschenkt. Dann ist alles bereitet: Ich stelle mich in die Startlöcher, der Himmel über mir ist besonders blau und es riecht wie frisch gelüftet.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Einen Neuanfang geschenkt bekommen”
  1. Gert Flessing sagt:

    Eine Heidenarbeit. Hm. Vielleicht machen sich, genau aus dem Grund, auch so manche Menschen, die mitten in der Arbeit der Kirche stehen, so kaputt.
    Sie denken, sie müssten alles schaffen, alles bewegen, alles können.
    So denken “Heiden”.
    Gott kann uns Gelassenheit geben. Wenn wir in Christus sind, wenn wir in ihm beheimatet sind, eingefügt, wie eine Rebe im Weinstock, dann müssen wir gar nichts.
    Aber wir bekommen die Kraft, das zu tun, was notwendig ist.
    Das aber hat nun wahrhaftig nichts mit Action zu tun.
    Auch die sorgen des Vortages, die sich früh melden, kann ich Gott befehlen und ihn bitten, mir den Weg zu öffnen, der hindurch führt.
    Dann hören sie auf, zu peinigen.
    “all Morgen ist ganz frisch und neu…” Ein wunderbares Lied. Ich mag es sehr und es stimmt.
    Gert Flessing