Vom Glauben singen

25. April 2016 von redaktionguh  
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Die Kirchenchöre in Anhalt sind ein wichtiger Teil der Verkündigung

Hans-Stephan Simon ist nicht nur Kreiskirchenmusikwart in Dessau, sondern auch Vorsitzender des Kirchenchorwerkes der Landeskirche Anhalts. Angela Stoye fragte ihn, wie es um die Chorarbeit in der Landeskirche bestellt ist.

Am Sonntag Kantate wird für das Kirchenchorwerk Anhalts Kollekte gesammelt. Ist das immer so?
Simon:
Ich kann mich nicht erinnern, dass das anders war, seit ich Anhalt kenne. Und ich bin seit 1991 in Dessau und seit 20 Jahren Vorsitzender des Kirchenchorwerkes. Als unselbstständiges Werk der Landeskirche benötigen wir das Geld aus der Kollekte am Sonntag Kantate und eines weiteren Sonntags für unsere Arbeit. Zudem bekommen wir Beiträge aus den Kirchengemeinden.

Welche Aufgaben hat das Kirchenchorwerk?
Simon:
Es soll den Dienst und die Gemeinschaft der Chöre und Instrumentalkreise und ihrer Mitglieder fördern. Dies geschieht zum Beispiel durch fachliche Beratung, Beihilfen zum Noten- oder Instrumentenkauf, zu Chormusiken, Chorfahrten oder auch Beihilfen zur Finanzierung von Singwochen oder Chorleiterschulungen.

Wie ist zurzeit die Situation bei den Chören?
Simon:
Stabil. Es gibt 41 Kirchenchöre und Kantoreien mit fast 800 Sängerinnen und Sängern. Hinzu kommen sieben Kinderchöre mit rund 150 Mädchen und Jungen sowie neun Gospel- und Jugendchöre mit insgesamt knapp 170 Mitgliedern. Allerdings ist der Unterschied zwischen den Regionen erheblich.

Ohne Chormusik würde in den Gottesdiensten oder zu anderen Anlässen etwas fehlen. Das Foto entstand im August vorigen Jahres bei der Eröffnung der Köthener Nacht der Kirchen in der Jakobskirche. Foto: Heiko Rebsch

Ohne Chormusik würde in den Gottesdiensten oder zu anderen Anlässen etwas fehlen. Das Foto entstand im August vorigen Jahres bei der Eröffnung der Köthener Nacht der Kirchen in der Jakobskirche. Foto: Heiko Rebsch

Vor kurzem las ich in einer Zeitung einen Artikel, in dem es um das Sterben weltlicher Chöre in Deutschland ging. Das kann ich für Anhalt nicht bestätigen. Die Zahl der Kirchenchöre in Anhalt ist stabil; die Zahl der Sängerinnen und Sänger nur leicht rückläufig. Allerdings zeigt die Altersstruktur, dass die Sängerinnen und Sänger oft schon ein höheres Lebensalter erreicht haben. Das betrifft die großen Chöre in den Städten genauso wie die kleinen Gemeindechöre. Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings auch sagen, dass ich manchmal schon Bedenken zur Zukunft eines Chores hatte, dass dann aber wieder jüngere Menschen zum Mitsingen kamen und der jeweilige Chor fortbesteht.

Wie können Sie und Ihre Musikerkollegen gegensteuern?
Simon:
Das ist schwierig. Denn dieses Phänomen existiert in den westdeutschen Landeskirchen genauso. Es hat wohl mit der veränderten Arbeitswelt, den oft unregelmäßigen Arbeitszeiten potenzieller Chormitglieder und anderen Belastungen zu tun. Hinzu kommt der Trend zur Individualisierung und zur Säkularisierung; letztere ist in Mitteldeutschland weltweit am stärksten ausgeprägt. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich das eines Tages wieder ändert und Menschen vermehrt Gemeinschaft und Zugang zu den Inhalten des Glaubens über das Singen in Kirchenchören suchen. Ich merke zum Beispiel, dass Schulen sich für gemeinsame musikalische Projekte öffnen. Das war vor zehn Jahren noch nicht so.

Das Reformationsjubiläum steht bevor. Was planen die Chöre?
Simon:
Beim Stationenweg in Bernburg und beim Kirchentag auf dem Weg in Dessau-Roßlau wird 2017 die Kirchenmusik ihren Platz haben. Persönlich freue ich mich darauf, dass in Dessau-Roßlau noch einmal das Trinitatisoratorium aufgeführt wird. Mein Bernburger Kollege Sebastian Saß hat es komponiert; im Mai 2015 wurde es uraufgeführt. Das ist wirklich sehr schöne Musik.

Welche Chöre leiten Sie?
Simon:
Die Kantorei an der Pauluskirche, den Vokalkreis Dessau und den Chor der Evangelischen Grundschule Dessau. Zudem gehe ich in unseren Gemeinde-Kindergarten »Marienschule«, um mit den Kindern zu singen.

Und wo werden Sie am Sonntag Kantate sein?
Simon:
Auf jeden Fall in einem Gottesdienst in Dessau. Eine Premiere gibt es für mich und die Sängerinnen und Sänger der Paulus-Kantorei am 23. April in der Pauluskirche, wenn wir zum ersten Mal zum Evensong, einem gemeinschaftlichen Abendgebet in der Tradition der Anglikanischen Kirche, einladen.

Dessau-Roßlau: Evensong am 23. April, 17 Uhr, in der Pauluskirche

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